Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 17 (1919)
- Issue
- Heft 17 (2.5.1919)
- Date
- 1919-05-02
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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stur «; l^c^hmesM/l^lir/ikhärett^ uridBallhaus.-. ' für 1 iteni »rcttj Ge-! itteri Ml ■unb i soncge-1 ein. «nb j :mc, ] 65ü: 894 eute ccs. NMag maldies-?>e imen die s:a. öofdaß nicht menfrie- Das reit- Waiteten her. iroße', ndenl randatz ichen ntr- »reise em« isters »oxen und 8e- ^oz« für und kt in Aber« ihre Lage Kul- Die A ttften iolo- »nkie, Loitze» logie Bibel Mischen Dör- : beß tn tdartnie Der tot' enße-, freb Derschen verntiö« ergasse75-7S. die Erklärungen Sonninos in der Kammer und an die Förderung der zionistischen Ziele aus der Pariser Friedenskonferenz. Sodann besprach die Abordnung mit dem Gesandten das Schicksal der zahlreichen in Italien und Albanien befindlichen Mischen Kriegsgefangenen und 'überreichte ein Memorandum, in welchem deren baldige Heimsendung erbeten wird. Zioviftische Rachrichte«. -Warschau. Der bekannte Führer der Mischen sozial» demokrarischen Arbeiterpartei „Poale-Zion", Israel Schur-Iak. ist am 10. April dem Flecktyphus erlegen. Schurak, der erst 27 Jahre alt wurde, war einer der begabtesten Redner und erfreute sich großer Popularitätunter der jüdischen Arbeiterschaft Polens. », : New Bork. „Daily News" berichtet, daß unter 3,500.000 Juden in den Bereinigten Staaten 150,000 organisierte Zionisten sind, während die Zahl derjenigen, welche die Petition M eine jüdische Heimstätte in Palästina Unterzeichneten, eine ^Million erreichen " dürste. Auch durch andere Anzeichen verrät .sich die Stärke des Zionismus in Amerika, z. B. durch die jüdische Presse. Bon den vier jüdischen Tageszeitungen in Newhork sind drei ausgesprochen zionistisch. Aus der „Agudas Jisroel"-Beweg«ua. Tie Orthodoxie und die Friedenskonferenz. / Die Vertreter der Aguda-Organisation in Polen Schachne Awrak, Nuch einest ösenfeld und SzuleM Kaminer aus Warschaus begaben sich im Einvcyständnis ' mir der Aguda-Leitung in Zürich zur .Durchführung eine/ wichtigen Mission nach Paris, wo. sie bereits eingctkoffen sind. I. P. Z. Zürich. Die von der Orth. Weltkonferenz eingesetzte „Politische Kommission" veröffentlichte folgende Erklärung: „Wir protestieren im Namen der orthodox gesinnten Massen des jüdischen Volkes, welche hinter der „Wcltkonferenz" stehen, aufs schärfstegegen jeden^irund- [. faßlichen Einspruch, welcher gegen den Gedanken der Gründung einer .nationalen Heimstätte für das jüdische .Bol? in Palästina erhoben wird und müssen jede derartige Kundgebung von unberufener jüdischer Seite in diesem Augenblicke als Verrat an der heiligen Sache des. gequälten jüdischen Volkes kennzeichnen.' Wir erklären, daß die von uns vertretene jüdische Orthodoxie der Welt, die Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk als ein vitales Interesse der jüdischen Gesamtheit bettachtet und für die Verwirklichung dieser Forderung, im Sinne der von I ber Weltkonferenz gefaßten Beschlüsse, mit allen ihr zur »Verfügung stehenden Mitteln, einzutteten entschlossen ist. 1 Oberrabbrncr Prof. Dr. S.. H. Margulies, Florenz, s'.Oberrabiner B. Schapiro, Kowno. Vorsitzender der ■ v , politischen Kommission, Oberrabbincr Tr. Th. Lewenstein, Vorsitzender der Weltkonkerenz der jüdisch-orthodoxen Organisationen," Lr. PinchaS Kob« und 9«. Jf-ae Breuer über die -Züricher Konferenz. Nach' der Ansicht Rabbiners Dr. Pinchas Kohn habe die Züricher, orthodoxe Weltkonferenz „zu 'Grabe getragen: den legitimen Anspruch auf das 'Primat der orthodoxen Weltanschauung,' den felsenfesten ^Glauben, daß diese Weltanschauung, die sich lediglich und ausschließlich an der Religion orientiert, eine zureichende Antwort auf alle Fragen gibt, das stolze Selbstvertrauen, baß man diese Weltkonferenz ohne Krücke und ohne Stütze zum'. Siege führen kann." Dr.' Jsaac Breuer widerspricht dieser Auffassung ln der gleichen Nummer der Monatshefte. Die Konferenz habe „die Selbständigkeit der Orthodois, ihre Trennung vom areligiöfen oder irreligiösen Judentum, zu der 'sich weder die Konservativen der Reformgemeinben noch die misrachistischen Fraktionäre des Zionismus, verstehen wollen" proklamiert. Das Neue in Zürich.fest haß die Orthodoxie entschlossen in die Arena des. Nationalismus eingetreten" ist: — doch' auch dies' sei'Mur-geschahen, um der Selbständigkeit der Orthodoxiewillen, damit vor aller Welt der Unterschied zwischen ihrer Auffassung: von der jüdischen Nation und der von den Zionisten getätigten Auffassung klar werde. Frankfurt a M Dr. Julius Lorch, seit fast sechs Jahren Rabbiner an der Klaus-Synagoge (Zacharias Werth eimbersche Stiftung), ein Schwiegersohn Rabbiners Dr.C ahn-Fulda, ist — erst 38 Jahre alt —aus seinem ganz der treuen Erfüllung des Thorawortes und der Tboräerkenntnis gewidmeten Leben abberufen worden. Er erfreute sich infolge seines bescheidenen, gütigen Wesens und seines aufrichtigen idealen, jüdischen Strebens der Liebe des großen Kreises der Hörer ferner Borttäge die sich durch Klarheit des Aufbaues pich reiches jüdisches und allgemeines Wissen auszeichneten. Nicht nur seine Hörer und seine Schüler, sondern auch gar mancher verschämte Bedürftige, denen er im Stillen half. werden den ausgezeichneten Mann schmerzlich vermissen. Köln. Rabbiner Dr. Hannover sprach auf Einladung der Zion. Vereinigung über seine Erlebnisse bei den Ostiuden. Won höchstem Interesse waren die Urteile des Redners über gewisse Vorwürfe gegen die 'Ostjuden, denen sich leider ein größer Teil der Westjüden in leichtfertiger Oberflächliche k e i t anzuschließen Pflegt, so z. B. über die angebliche lkftreellität des jüoischen Händlers und die Verbreitung des jüdischen Tirnentums. Mit Recht imes er darauf bin. baß die Reellität des Handels von geordneten wirtschaftlichen Zuständen abhänge, nicht aber dort verlangt werden könne, wo den Aermsteu der Aremu jede ändere Möglichkeit des Verdienstes, als der Handel mit verbotener Ware, die jederzeit beschlagnahmt werden könne, verschlosfezi sei. Tas Anwachsen des Dirnenwesens im Kriege aber sei die unausbleibliche Folge der geradezu verzweifelten Läge des jüdischen Proletariats gewesen, und nur das Gefühl des tiefsten Mitleids fei hier am Platze, vereint mit dem Gelöbnis. alles, aufzubieten, um der jüdischen Masse des Ostens bessere Lebensmöglichkeiten in Freiheit und Würde zu verschaffen. Würzburg. DisttiktsrabdinerNathan Bamberger ist — 76 Jahre alt — als der letzte der Söhne seines berühmten Vaters und Vorgängers im Amte verschieden. Durch seine unermüdliche Sammeltätigkeit für Erez Jisroel und als Leiter des Würzburger Lehrerseminars, war er in der gesamten ttaditionstreuen'Judenhcit Deutschlands 'eit Jahrzehnten bekannt. Thorastudium, Gottesdienst und Werke der Menschjenliebe bildeten den Inhalt seines Lebens. Magdeburg. Die Repräsentanten der Jüd. Gemeinde wählten Sanitätsrat Dr. Frankenstein zu ihrem Vorsitzenden. it. kleive «ttteUtmge». 'Berlin. Die-Aüdische Blindenanstalt für Deutschland Keß im vergangenen Jahre 31 Blinden ihre Fürsorge angedeihen. Die Berpflegungskosten betrugen ' 21,466 Mk. Die seit nenn Jahren bestehende Anstalt -.steht .unter der Leitung Direktors Friedbor g er, des. Erfinders einer hebräischen Blindenpunktschrift. . . Geh. Baürat Professor Dr. -Richard Wolffenstri n,?Mftglied - der rWädemie .des-Bauwesens iuno Erbauer :der ^Synagogen in -Dessau, LöniBberg. Posen usw., ist—-72-Jahre-dltvevfchred^n. Hermim« Schwab s. A Ein Gedenkblatt von Dr. I. Heinemann in LreSlau. Es acht wohl bei allen Schöpftmgen menschlichen Geistes so. daß das Schlichteste und Einfachste am schwersten zu beschreiben und! zu würdigen ist. Die Schönheit eines Volksliedes ist schwerer darzulegen als die eines 'kulturpbilosophischen Gedichtes. Man muß sich dem Geiste, der es, geschaffen, verwandt fühlen, und es doch vielleicht auch aus einem gewissen Abstand betrachten können, wenn man ihm voll gerecht werden will. Aehnlich geht es auf religiösem Gebiete. Nicht nur die Leistungen der großen. Bahnbrecher. — sogar das bischen Echtheitsgehalt in dem Gerede schellenlauter 'Zwerge gelangt leichter zur Anerkennung, als die schlichte, 'ihres eigenen Wertes unbewußte Größe diese feinste Blüte religiöser Kultur überhaupt. So fand auch der Mann, dem diese Zeilen gelten, nicht immer volle Würdigung für die edle Einfalt sei' net Frömmigkeit. Gewiß drang sein Name,- nament lick) durch die Neuauflagen der Schülwerke und--der Haggada I. M. Japhets' s. A-, die er besorgte, weit über die Grenze seiner Gemeinde hinaus. Und innerhalb Frankfurts hatte er keinen Feind: die Eris des Gemeindehaderrs senkte beschämt die Waffe vor der fleckenlosen Reinheit seines Judentums. Wer unter seinen vielen Verehrern, wie sie namentlich die letzten Jahre' ihm brachten, kam es doch wohl nur »venigen zum Bewußtsein (auch wenn sie es im Stillen empfanden), welch ein eigenartiges, eigenwerttges religiöses Leben in Hermann Schwab sich entfaltete. Mir selbst war der schlichte Mann, der mir verwandtschaftlich - und beruflich so nahe stand, seit etwa daeizebn Jahren zum Problem geworden. Damals war in Frankfurt ein Seminar für osteuropäische.Lehrer beoründer worden. Junge Brauseköpfe befanden sich unter seinen Besuchern, die in ihrer Heimat den nnüberhrücklen Gegensatz jüdischer Üeberliefcrung und moderner Kultur vor sich sahen - —■' und dqnen die Frankfurter Formen, Thora und Derech Erejj in .Einklana zu bringen, gar nicht immer imponierten. Mer vor der Frömmigkeit eines Mannes, der ihnen als Lehrer nahe trat, beugten-sie sich alle: das war Hermann Schwab. Was war an diesem einfachen Manne ohne Rang und Titel, das diese lost recht autortätsfeindlichen Jünglinge in seinen Bann zivang? War es wirklich nur die Reinheit, die Unberührtheit seiner Frömmigkeit? Nun: solche Unberührtheft war ihnen in den kiiltur- SchSfergatuse 29. Scbäfergasse 2K. Modernes Theater Vorführung stets neuer und hervorragender Filme flrjtödia’s Künstler-Spiele Eaigerstr. 69. Anfang 6 Uhr. :: Tel.: H 8510. Stets ers^klass. Att-aktions-Trograrame fernen Kreisen der Heimat oft genug bekannt geworden — und hatte manches Mal mehr abstoßend als anziehend auf sic gewirkt. Aber hierin lag allerdings das Neue. Eigenartige, daß die naive Unschuld des aften Judentums sich mft einer" ebenso selbstverständlichen Kulturfreudigkeit oder, sagen wir lieber, Kufturfreundlichkeit verband, daß dieser'wurzelfeste Jude nicht nur immer wieder seinen Goethe las, sondern sich auch der Enddeckungen der neueren assyriologischen und ägyptologischen Forschung freute, ohne daß je der geringste Zweifel den Frieden seiner Seele getrübt, daß irgend ein Mißklang hineingetönt hätte in die «ine Harmonie feines Ääterglaubens. Denn so war es in der Tat: der Engel der Kultur, .der andere zum Kampfe zwang und sie, wenn nicht gelähmt, so doch nicht immer ohne Narben entließ, an unseren Freund war er friedlich lächelnd heranoetteten. hatte in seine Hand gelegt» wessen er bedurfte und war segnend von ihm geschieden. Darin lag das Kindliche, ja Rührende feines Frommseins, daß, er' einen Konflikt zwischen Judentum und Kultur nicht nur nicht anerkannt, sondern überhaupt nicht aekannt hat.;< llndi wenn wir weiter fragen, woran das lag. so offenbart sich uns der ttesste Kern seines Wesens. Jeder, der Judentum und Kultur in Harmonie zu setzen weiß, wirdirgend eine Seite an der Kultur feines :Lebenskreises als dem Judentum verwandt, irgendi eine Lehre oder Forderung des Judentums als kulturnahe empfinden; in beiden wird er unwillkürlich dos Wesen des Judentums und der Kultur zugleich erkennen" und wohl ihm. wenn das Bedürfnis Ix r eigenen Persönlichkeit diesem gemeinsamen Element des Glaubens und der Bildung entgegenkommt: dann entsteht eine persönlich gefärbte, zugleich in Ueberlieferuna und Kultur wurzelnde Auffassung des Lebens und Glaubens. Dies gemeinsame Element war für Schwab nicht (wie etwa für Mendelssohn oder Cohenl eine philosophische Lehre, oder, wie für nUk. stisch gerichtete Naturen, der Glaube an einen.geheimnisvollen Urgrund der Dinge, in dessen Schau sich Gabirol und' Goethe zu berühren schienen: vielmehr gipfelten ihm Judentum und diejenige Richtung der Kultur, die ihm in seinem Berufstteise als Lehrer entgegentrat, in der einen Forderung des> zähen, lie- > benden Gehorsams. Und diese Forderung entsprach zugleich -in vollkommener Weise dem tieflfcn Be- " dürsnis. feiner Seele. , . Ich las einmal bei Nietzsche: ..Des Mannes Glück ist: Ich will: des Weibes Glück: Er will . . Glückt lich fühlt sich ein Weib nur. wenn sie aus ganzer Seele gehorcht." Ich lasse dahingestellt, ob die Beobachtung uneingeschränkt zuttifft: das richtige Element aber, das sie unzweifelhaft enthält, hat mtt deüllicher ' als alles andere gezeigt, weshalb Propheteil und Rab-' binen das Verhältnis Israels zu seinem Gott mit dem des Weibes zum Manne vergleichen. Denn allerdings:'! in dem Gedanken: „Er-will" liegt das .Glück, liegt .der Stolz und zugleich die Demut jüdischer Frömmigkeit. Und aus ihr entquoll der liebende Gehorsam Hermann" Sckwabs. Tenn es war Liebe in seinem Gehorchen: es war nicht mürrisches Unterordnen, schematisches Nachttetkn oder gar kraftlose Phllisterei. Heiter war seine Frömmigkeit:' nicht Zwang, sondern Herzensbedürfnis war es ihm sia, zu folgen: er gehorchte „aus ganzer Seele". Zu fanattschem Wurteilen neigte er nie. - uE meilenfern lag ihm die religiöse Klatschsucht, diese leider nicht ganz seltene ttagikomische Begleiterscheinung strenggebuudener Religiosllät. Wer gerade weil Liehe? in seinem Gehorchen lag, war es nie weichlich oder vielmehr: es entsaftete eine Kraft von staunenswerter Höhe. Nie hat der Greis, fb sehr er auch unter ddn Beschrän- - kungen d er Ernährung lüt, sich irgend welche Erleichterungen religiös bedenklicher Art gestattet, nie zu früherer Ansetzung der späten Freitag-Abend-Mählzeften. irnch im Erholungsurlaub, sich verstanden, nie den Früblottesdienst versäumt. Und. die kargen Stunden, die'der ' Beruf und die erfolgreiche Vorbereitung aus alle Staats^, vrüfunaen, denen der deutsche Lehrer sich nnterzieherr kann, ihm ließ, sie widmete er sein Leben hindurch mit solchem Erfolge dem Studium der heiligen Uebere lieferung, daß er, der mit wenig religiösen Anregungen, nach Frankfurt gekommen war. in seinen letzten Jahren! Enkeln der alten Frankfurter Gelehrtenfamilien den Talmuderklären und bei seiner Bestattung des-höchsten religiösen Ehrentitels gewürdigt werden konnte. Wer derselbe liebende Gehorsam, den das Iudentumvon ibm forderte, schien chm zugleich der wesentlichste Zug au dem Ideachüde des deutschen Volksschullehrers zu sein. Neue Wege in der Pädagogik zu -suchen.' war ' nicht seine Art so wenig wie er etwa als Jude das. Bedürfnis fühlte, in der Weise des -unvergeßlichen'W Berliner an einer Verjüngung der aftehrwürdigen Schont Heft unseres Gottesdienstes zu arbeiten.. Wer eben weil er auch hier alles Probtcmattfche vermied, konnte /J er die ganze Zähigkeit seiner ausdauernden Seele >venbnt an die treueste Durchführung der ^unzweideutig ge.- gebenen, klar erkannten Berufspflicht. Und» auch hier; entsprana seine fast sprichwörtlich gewordene Pünftlichkcft und die gewisienhaste Borbereftüng der Schulstunde wie des Vortrages nicht dem Gefühl eines harten Muß. sondern dem wllligen Hingäbebedürsnis einen! Seele, der die Pflichttreue als solche Freude macht: wenn er auch, aus dem Stegreif llar und fließend redax