Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 17 (1919)
- Issue
- Heft 16 (25.4.1919)
- Date
- 1919-04-25
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 4. : -' - •- -—- ■ . Pi» Openplati ■; . Xfsfldassiges JPamillen-Kaffe e «mOpernpIatx Täglich tob 4. Uhr ah; Künstler - Konzert. dem bisher so schönen Wirken des Vereins und andererseits Lei dem dringenden Bedürfnis nacheinem hiesigen neutralen Jugendverein für unsere Kigend außerordentlich' zu bedauern wäre. Der Vorlage hmrde jüngst sogar schon flüchtig undeutlicher Ausdruck verliehen im Anschluß an die Erläuterungeiner vom Verband der neutralen Jugendvereine Deutschlands, dem der Montefioreverein angegliedert ist, geforderten Erklärung. Die Abgabe dieser Gcklärung, die dahin geht, daß die neutralen Jugend vereine am Wiederaufbau der Trümmer dieses- Landes mithelfen wollen, ist eine natürliche Pflicht jedes Bereinsmitgliedes, setzt jedoch keineswegs, wie teilweise angenommen wurde, deutsch-natiomale Tendenzdes Vereins voraus. Es wurde bei dieser Gelegenheit weiter äusgeiührt, daß die in Bälde erhofft Gleichberechtigung der jüdischen Staatsbürger in Deutschland ausschließlich deutsch-nationale Gesinnung, erfordere. Diese Forderung erscheint mir unberechtigt, denn. auch jeder jüdisch-national Lenkende Jude hält es für seine Pflicht, die Interessen des Staates, in dem er seßhaft ist, weitgehendst 'zu wahren und erwirbt sich! schon hiermit das Anrecht auf Gleichberechtigung. Ich will, um nicht als Partei zu gelten, völlig davon absehen, darauf hinzuweisen, wie sehr sich der Verein unter Umständen damit schadet, wenn er dem heute in hoher Blüte des Erfolgs stehendem Zionismus gegenüber eine so ablehnende Stellung einnimmt, wie er dies im Falle der Annahme der deutschnationalen Gesinnung tut. Doch! nicht^aus diesem Grunde erscheint es mir geratener, wenn der Montefioreverein seine Neutralität beibehält, sondern einzig und allein in Anbetracht der Wichtigkeit des Wirkens dieses Bereit als neutraler Verein. Und ich will gerade aus diesem Grunde und nach Auseinandersetzung der schweren Folgen, die dem Verein durch Henderung seiner Tendenz im obigen Sinne entstehen würden, zu dessen eigenem Besten hoffen, daß diese Befürchtung nicht eintritt, resp. die erwähnte Vorlage, evtl. ' nunmehr gar nicht erfolgt, vor allem aber, daß, wie ies auch kommen (möge, dieselbe von Seiten der Mitglieder keineswegs jgenchmigt wird, svdaß der Verein Mvntöfiore seine seit langen Jahren so segensreiche Tätigkeit als neutraler Verein in -gleicher Art und Weise wie bisher fortsetzt zum Nutzen und Besten unserer Frankfurter jüdischen^ugend, bei der er bisher so viel Gutes bewirkt hat und — wie wir hoffen und wünschen — es auch weiterhin in Unvermindertem Maße tun wirb. H. B. Frankfurter Berichte. Kleine Notizen. In der „Frankfurter Numismatische Gesellschaft" verlas Karl Maher-Offenbach eine Studie zur Klärung der Frage der Zutechurg der silbernen Schekel und Halbfchekel in die Zeit Simon Maccabaeus (139—134 v. Ehr.). Redner beleuchtete besonders die einschlägigen Stellen in dem Maccabäerbnch und im Talmud, ging auf Vie Gewichtsverhältnisse der Münzen der um Palästinaliegenden Minzstätten ein und verglich diese mit den Gewichten der vorhandenen Schekel. Die Ausführungen wurden durch! Vorlage einer reichhaltigen Serie von Münzen aus dxr Sammlung des Redners begleitet. Anläßlich' des Semesterwechsels seien Studenten und Schüler darauf aufmerksam gemacht, daß der Drias-Hatauroh-Äerein jeden' Samstag.3 Uhr Börnestraße 52 (Mainz'sche Synagoge) Thoravorlesung veranstatt« und sodann Minchagvttesdienst folgen läßt. . v Neue JOifche Hrege.; Im! P e r « i n ^i f e r e r. B aAn r im behandelte Leh- ..rer Ja nngl >,Die Wvhttätigftät tm Talmuds und- Fr!.' Gr e t e.Ä't.ö'me r „Erzählungslijeratur über Palästina"'. Beide Dorträge Löten" viel des Wissenswerten. . Persoualte«. Der Hofantiquar I. Rosenbaum wurde vom Oratorium des Kunstgewerbe-MuseumS einstimmig zum ewigen. Mtglied erwählt, wegen seiner vieljährigen Förderung! dieses Instituts. \ - f Joseph', Winter, ein Mann, dessen Lebensaufgabe darin bestand, ein rrener Erfüll« des Thorajndentums zu sein, ist — 81 Jahre -alt — plötzlich, verschieden. Sein bescheidenes Wesen und -sein Streben, Werke der Menschenliebe zu üben, erwarb ihm auch in unserem Frank- . furt, wo ec bei seinen Kindern den Lebensabend verbrachte, * in weiteren Kreisen.Wertschätzung. Frankiurter Veranstaltungen. Verein ^„Mekor Chajim". SamStag, 4 Uhr: Mkro (Nathan Eschwege). Mannhkimcr Berichte. Palästinawvche. Beim Neuaufbau des jüdischen Palästina wollen auch die deutschen Juden nicht zurückstehen. Die „Palästinawoche", die in der Zeit vom 23. April bis 1. Mai an vielen Orten Deutschlands veranstaltet wird, hat an großen und lleineren Zeichnungen in Mannheim schon bis heute eine Summe von vielen Tausenden ergeben. Spenden können auf Postscheckkonto 592 Karlsruhe (Süddeutsche Disconto-Gesellschaft, A.-G., Konto Palästinawoche) eingezahlt oder werden auch nach Benachrichtigung an Ludwig Zimmern, Mannheim,' E 6, 3 beim Geb« abgeholt. Wer sich! bis heute noch nicht beteiligt hat, der tue es jetzt! Am 10. April hatte d« jüd. Wohlfahrtsbnnd, Ortsgruppe Mannheim, seine Mitglieder und die Damen, die die Pflegschaften über die dem W.-B. unterstehenden bedürftigen Famllien übernommen haben, zu ein« Sitzung eingeladen. Nach einigen einleitenden Worten des Vorsitzenden, Synagogenrat Hartog, «stättete Frl. Dr. Moses den Tätigkeitsbericht des W.-B. ab, um' die Pflegschoftsdamen zu orientieren, mit deren Hilfe die Anregungen und Wünsche, die'die Pflegerinnen dem W.- B. vorbrachten, erfüllt wurden. Es ergab sich, daß der W--B. in zahlreichen Fällen schon bessernd und helfend auf die allgemeinen Lebensverhältmsse der bedürftigen Juden hat einwirken können. Aus den Berichten von Herrn Jubel und Frau Gutmann war zu ersehen, wieviel erfolgreiche Arbeit der Arbeitsnachweis für männliche und weibliche Arbeitslose, die Hauptberatungsstelle undder Verein für' Mutterschutz geleistet hat. Frl. R. G r ü n - bäum referierte über die Bedeutung der neuen Fragebogen, die ein möglichst getreues Abbild der physischen und psychischen Verhältnisse d« KinderAn den von dem W.-B. betrauten Familien liefern sollen. Jüd. Kulturverein. Ueber „Jüdische Gegenwartsfragen" sprach Rechtsanwalt R. L. Seelig. Palästina, Gemeindewahlen, Kongreß und die Beteiligung der Juden am innerpolitischen deutschen Leben waren die Hauptpunkte sein« Ausführungen. Der Jüdische Kulturverein wünscht alle,-Kreise zu vereinen, denen die Pflege jüdischer Kulturwette am Herzen liegt. Der Jüd. Turn- und Sportverein hätte im Hotel Odenyeim« eine Pessach-feier, die mit ernsten Gesprächen über das Fest sowie mit Vorlesung ernster und heiler« Pessachliteratur angeregt verlief. Herr Beermann erzählte int«efsant von Pessach! in Palästina und der Evakuierung Zaffas' 1917, die gerade auf Pessach fiel. Die Palästina-Woche des Jüdischen Jtationalfonds gilt dem Auibau des jüd. Palästina.. Nr. Iß. Sr Kaffee Ilulilantl Kaiaeratraaae 56 Kaiaeratraaae 56 ' Täglich erstklassige' HT Untsrhaltaiigsmaslk ''MI .. i Gesangs -Einlagen. .... Dr. Oppenheimer, Rabbin« an der hiesigen Gemeinde, beging sein 25 j ä h r i g e s Am tSjubiläum. Zur Charakteristik LorL Beacousfield'S. Wir brachten aus Lord Beacönssield's (Benjamin Disraeli), des großen englischen Staatsmanns, Roman „Tancred" Aeußerungen üb« uns« Judentum. Dieser Roman war Disraeli seine liebste Schöpfung, denn in ihm hatte er seinen inn«sten Menschen ft« von allen Rücksichten offenbart. Wohl war Disraelis Bat« schon vor der Geburt des Sohnes zur englischen 'Staatskirche üb«, getreten, doch der Sohn kannte hie Bedeutung seiner Abstammung von dem jüdischen Volke. Aus dieser Erkenntnis hätte eine Persönlichkeit wie Disraeli für sich klar und kraftvoll alle Folgerungen ziehen müssen, — Disraeli hatte sie jedoch nicht gezogen. Deshalb sei hier eine Charakterisierung wiedergegeben, die Maximilian Händen jüngst in der „Zukunft" gab. Er schreibt: „War Benjamin selbst ab« ganz zufrieden? Was der Held seines Romänes „Contarini Fleming" geträumt hat, erlebt er nun: mit dem Lorbeer krönt ihn, der auf einem funkelnden Thron sitzt, eines großen Volkes dankbar jauchzende Liebe. Und die Krönung sieht, den Jubel hört nochder Neunzig« Moses Montefiore, der in Palästina, Polen, Marokko mit dem edelsten Eis« sich für helleres Schicksal der Stammesgenossen gemüht, den harten Zar Nikolai selbst dafür zu erwärmenvermocht, durch Bodenkauf im Heiligen Land den Med«aufbau eines Zion ermöglicht hat und wie d« alle Weltwenden überdau«nde Genius d« Jndenheit neben ihm steht. Trotz hohem Mer und Runen schwachen Menschentumes so füll, so unerbittlich mahnend wie vor dem Großinquisitor dtt Heiland Dostejewskijs. wurde in Deiner Hut . aus meinem aus die Hoheit des Geistes und drc Achtung des Menschenwertcs gegründeten Reich? Was tatest Du für das Volk, in das Du geboren wurdest und dem Du im ,TankrÄ>' weissagtest, da es heute noch, längst ohne Weinberge, nach dem Gesetz das Fest der Weinlese fei«e, werde es einst gewiß wieder in Winzerbesitz gelangen? Nicht einen Schritt hast ^2n es aus der Straße ins neue Jerusalem vorwärts geführt. Darf Diretwa genügen, daß seine Gaben aus Dir, int Strahl Deiner Krone weithin üb« die Erdq leuchten, all« ^Glanz sich! in Einem sammelt und die turbä, d« Haufe, in Dunkel und Jammer schmachtet? Du wolltest die Macht und den Herrschraum, das Reich und die Herrlichkeit dies«'- Welt; bist von dem Berg dem alten Versucher 'auf die fktte Talweide gefolgt, nicht auf. höhere Gipfel entstiegen. Der Wllle, das Hirn dieses Imperiums, in dessen Fremde Dein Wesen in Jahrzehnten mit d« Wonne des Zngelassenen, nicht Zugehörigen, sich eingefühlt hat, bist Du geworden; hast seitdem ab« von dem Geist Dich gelöst, von dessen Gnade Du wurdest. Wie dürftest Du zur ersten die zweite Krone von dem Volk erhoffen, das machtlos, ohne Herrschiraum, als Waffe. Stab, Fahne nur. ein Buch in der Hand, durch die Jahrtausende schritt und in dieses Buches Zauberbann, den vom Galiäer. nicht gebrochenen, sondern in dem Ring der Seelen vollendeten, den lichten Teil des Erdballes bekehrte?"' . Vor dem Moses, der so gesprochen hätte, wäre Ben. jamins Beredsamkeit verstummt. Der Minister Viscount hat für die Sache Israels, zu dessen Söhnen « sich stolz zählte, kaum je sich gerührt. Daß Rumäniens Unabhängigkeit im Berlin« Vertrag an den Artikel Vierundvierzigr-'geknüpft wurde, der das, Fürstentum (mit leicht zu umgehender Vorschrift) verpflichtete, den Juden das Bürgerrecht zu gewähren, war Wqddingtons Werk. Die Rumänen wurden nur als Bittsteller in den Kongreß eingelassen und mußten .wieder gehen, als sie, Wratianu Mtton, Der Proste! do» Leopold vDN Sacher-Mäsoch. •, (Schluß.) / . „Möchten Sie mich nehmen, wenn Ihre Ettern nichts -dagegen hätten?" >' Das schöne Mädchen blickte in sein Männliches, sonnenbraunes Gesicht und lächelte. „Sie sind doch kein Jude?" .sagte sie. „Mein Vater ist Rabbin« in Rhncszow." „Ich nehme Sie, soball> mein Bat« nur will," sprach Jüdel. Sie ging hierauf in die Küche, und d« Feldwebel -ging hinein zu dem Prostek und bat ihn um die Hand seiner Tochter. , ,Mie ist Ihr Name?" fragte dies«. * „Juor Aschersohn." ,,<So muß ich Ihnen sagen, Herr Aschersohn," fuhr Amper Löbl Regenstreif fort, „daß ich, meiner Tochter Line Nedan und auch keine Aussteuer nicht geben kann. Was ich habe, das sehe ich als ein von Gottgeliehenes' Gut an, das ich! für die Armen verwalte und dafür einen Leinen Nutzen genieße. Eine gute Erziehung habe ich gegeben meinen Kindern, das ist alles, was jch> ihnen «itgeb»." - „Ich nehme Ihre Jüdel so, wie sie ist, ohne einen Groschen."' „Dann haben Sie meinen Segen." Noch! denselben Abend wurde die Verlobung'gefeiert. Den nächsten Morgen marschierten die Soldaten - werter. Bald kam ein Brief von Juor Aschersohn aus Lemberg. Jüvel beantwortete ihn. Es entspann sich, eine ziemlich lebhafte Korrespondenz. D« Prostek las jeden Brief, der da kam. „Ich habe nicht gefragt, ob er reich ist," sagte er, „aber ich. sehe, Jüdel, daß Du einen braven und unterrichteten . Mann bekommst, und das ist mir genug." So war ein Jahr und etwas mehr vergangen, da fuhr eines Morgens ein Schlitten in den Edelhof zu Winkowze, und aus demselben stieg ein schöner Mann 'in einem prachtvollen Zobelpelz. Es war Juor Aschersohn, 'der seinen Abschied erhalten hatte und gekommen war, um seine Braut zu holen. Beim Mittagessen, nachdem « lauge genug gewartet, daß, man ihn frage, und der Prostek nicht im entferntesten daran dachte, es zu tun, begann er lächilnd: „Und Sie ftagen nicht, Herr Regenstreif, ob ich auch die Mittet habe, eine Frau zu «halten?" . , „Sie sind ein unterrichteter Mann, was brauche ich mehr zu wissen!" „Es wird Ihnen aber doch! nicht unangenehm sein, daß ich auch ein reicher Mann bin," sagte Juor Aschersohn, „ich bin der einzige Sohn meines Datzrs und habe überdies von meinem Oheim ein Haüs in RyncHow geerbt und eine Liqueursabrik und das Gut Wroblinka nur eine Stunde von Rhncszow entfernt." „Aufrichtig 'gesagt/' erwiderte Wüster Löbl Regenstreif, „wäre e» mir lieb«,- Ai» wären nicht so reich. Ich fürchte mich vor so einem .Glück, wie es meine Jüdel gefunden hat mit Ihnen." Er ging nach dem Essen stfll hinaus und ging durch das Dorf. Da fand er vor einer Hütte ein armes Judenmädchen sitzen, das bitterlich weinte." ' , „WaS weinst Du dochj," fragte er, „kann ich Dir nicht helfen?" „Wie soll ich nicht weinen?" erwiderte das Mädchen, „denn ich habe einen Mann von ganzem Herzen lieb und kann doch nicht seine Frau werdey, weil ich so arm bin." " 7 „Gleich hörst Du mir auf zu weinen,", rief Muster Löbl Regenstreif, „wozu bin ich! denn da? Dü sollst heiraten und von mir sollst Du haben die Aussteuer." Als er nach Hause zurückkehrte, war er wie ausgewechselt, sein gutes, ehrliches Gesicht strahlte und seine Augen leuchteten schalkhaft. „Ich sehe doch, daß Gott mich lieb hat," sprach er, „hat er mir geschickt so'ein großes Glück, einen braven, unterrichteten und reichen Männ für meine Jüdel, hat er mir auch gleich geschickt ein . armes Mädchen, dem ich kann geben die ÄusfLuer, und so ich kann geben Maß«, fürchte ich mich auch nicht mehr vor dem Glück." Mrllich gab er dem armen Judenmädchen eine reiche Aussteuer, und sic feittte ihre HiMett mit sein«. Tochter an einem Tage. ' *. _ Er ist jetzt ruhig, wenn auch die schöne! Jüdel in einer Kazabaika mit Zobelpelz in ihren >reich geschmückte« Zimmern einhergeht und, in einer' schönen Equipage durch die Stadt fährt. Die Chassiden ab« zucken rlächelnd die Achseln unh sagen: Gr ist und bleibt qin Prostek!;