Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1919-04-25 · Heft 16 (25.4.1919) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
17 (1919)
Issue
Heft 16 (25.4.1919)
Date
1919-04-25
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2692297-2693126-2693142--10699-2706061
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr 16. : . Rene Jüdische Presse. . Seite 3. flrhaflia^ KflnstlBr-SpielE Salserstr. 69. Änfangrßühr. :: Tel.: IL 5516. Stets ersfklass. Att?a&tions-?rogramme v Diesem Verlangen imtrbe' mit einstimmigem Beschlüsse Rechnung getragen. . . Pole«. , Knebelung der jüdischen Abgeordneten im Landtag. Es wird alles, unternommen, um den jüdischen Wortführern im Landtag ihr dornenvolles Amt nach, .Kräften zu cherleiden. Das allgeineine. Kulturniveau des Landtages, in . dem 60 Bauern-Analphabeten sitzen, ist kein allzu! hohes. Die jüdischen . Vertreter, lauter geistig hochstehende ' Männer, müssen dessen' ungeachtet bei jeder > Gelegenheit .Spott, und Hohn über sich ergehen lassen., In der Geschäftsordnung sind sie der Willkür des Herrn „Mar- ' szalek" (Präsident) ausgelicfert und müssen immer den kürzeren ziehen. Ganz besonders haben es die Herren Polen auf den Abgeordneten der jüdischen Bolkspartei in Warschau, Rechtsanwalt Prilutzki, abgesehen, der ebenso wegen seines selbstbewußten und aufrechten Auftretens, wie wegen seiner flammenden Beredsamkeit von den Judenfressern ebenso gefürchteten wie gehaßten Sachwalter der jüdischen Interessen. Nun haben die polnischen Klüngel zum letzten und vernichtenden Schlag gegen diesen Mann . ausgeholt. In der Landtagssitzung vom 31. März hat die Mandatprüfungskommission unter nichtigen Vorwänden — weil Prilutzki angeblich keine polnische Staatsangehörigkeit besitzt, was allseitig als eine rechtlich völlig unhaltbare Behauptung hingcstellt wurde — beantragt, Prilutzkis Mandat für ungültig zu erklären. Während seine Gegner unbeschränkt reden konnten, wurde Prilutzki selbst eine Redezeit von nur 5 Minuten eingeräumt. Nach, einer . längerep Debatte wurde mit großer Mehrheit der vom „ Präsidium eingebrachte Antrag angenommen, demzufolge die Entscheidung über die Gültigkeit von Prilutzkis Mandat von der höchsten Gerichtsinstanz abhängig zu machen sei. Die Kommission zur Untersuchung der Judenfrage. Das „Jüd. Korrespondenzbüro Zürich" teilt mit, daß die jüdischen Abgeordneten^ im polnischen Landtag ihre Mitarbeit an der von Grabski und Glombinski beantragten Kommission zur Untersuchung der jüdischen Frage in Polen verweigert haben, da ihre Abänderungsvorschläge .nicht angenommen wurden. Dieser Fall wurde durch eine Erklärung des jüdischen Abgeordneten Grünbaum namens der. jüdischen Fraktion beleuchtet. Er ist der Ansicht,'daß die' fortgesetzten Judenexzesse „in einem gewissen Zusammenhang mit den Vorkehrungen zur Unterdrückung der erwarteten Arbeiteransstände" stehen. Ukraine. Tie Autonomie der Juden in vttgalizien. .^Republica", das offizielle Organ der westukrainischen - Volksrepublik teilt mit: Das' Staatssekretariat wird demnächst im ukrainischen Nationalrat ein Gesetz über'die jüdische-Autonomie einbringen. Bis dahin sind die-Bezirkskommissäre angewiesen, den Bestrebungen der Juden nach Politischer Organisation kein Hindernis zu bereiten. Als Bertretungskörper der Jn- . den gelten die jüdischen Ortsnationalräte, die auf Grund der eigenen Wahlordnung bereits gewählt worden oder zu wählen j sind. Die höchste autonome jüdische Behörde im . Lande mit Steuerhoheit füt die, jüdische Bevölkerung ist der Jüdische Nationalrat [für Ostgglizien, der seinen Sitz inj Stanislau hat. . Kanada. 4er jüdische Kongrek- Der Kanadisch-Jüdische. Kongreß wurde von dem Generalprokurator namens der Regierung begrüßt. Er erklärte, daß Großbritannien im A'nftrage der Friedens-, konferenz Palästina in ein jüdisches Landjpermandeln werde. Folgende Resolution wurde enthusiastisch angenommen: „Der 'Kongreß beauftragt seine europäische Delega- . tioN, mit der Zionistischen Weltorganisation zusammenzul- . arbeiten, damit die Friedenskonferenz die Bestrebungen, des jüdischen Volkes und die historisches Ansprüche deö . Juden auf. Palästina anerkennt und derartige politische, administrative und ökonomische Bedingungen schafft, dies die Entwicklung Palästinas zu -einem jüdischen Gcmeiw- , wesen sicherstellein" , Der Kongreß forderte ferner die Nationalisierung des -Bodens, aller 'Naturschätze und der öffentlichen Verkehrsmittel. Me Legionäre sollen unentgeltlich Land erhalten'. '? - Der Kongreß .nahm 'eine Resolution an, in der die Erteilung nationaler Möchte für die Juden der Diaspor^- gesordert wird. Er, faßte den Beschluß, die kanadischen'' Juden zur [Wahrung'ihrer nationalen Interessen und zum i Studium der Frage der rechtlichen Möglichkeit der -ßö richtung jüdischer Dchulen in Kanada zusammenzufassen. In weiteren Resolutionen fordert er. die rünftägige Ar-, beitswochp und nahm einen Protest gegen die Pogromtz und die fremdeirfeindlichie Propaganda an.! > . ) Der Kongreß Erklärte sich als permanente Institution, die mindestens alle zwei Jahre tagen soll. Es würde eine Exekn^vo hewählt, die beauftragt würde, an der Ein-f berujüng <nnes Weltkongresses Mitzuarbeiten und eine Dek«i gailmn von drei bis: sünßMtgliedern hiachj Europa zü enlli.. senden.. - ' , Patästiua. Druckereien in Jaffa und Jerusalem ' Das „Jüd. Korrefpondenzbüro Zürich" Meldet, daß eine Grupps russischer Juden gegen fünf Millionen Frcs. für die Errichtung einer - großen Druckerei und Litho-! graphieanstalt in Palästina zur Verfügung gestellt hat. Auch, der bekannte Mäzen der hebräischen Literatur, Stpbel ans Moskau hat -ebenfalls jeinen in Palästinch weilenden Vertreter beauftragt, jein ähnliches Unternehmen zü errichten^ Sobald die[ erforderlichen Maschinen und Materialien ins Land geladen, wird dadurch für viele' Hinderte Juden! Arbeitsgelegenheit geschaffen werden. - ' - Parteibildungen. Das „Jüd. Korrespondönzbüro Zürich" teilt mit: Die konstituierende Versammlung im jüdischen Palästina steht bevor. Die Parteibildung hat bereits begonnen. Dem rechtsstehenden „Haesrach" hat --sich als Mittelpartei die radikalnationale Partei zugesellt. Die Arbeiterpartei Poale Zion hat Name und Organisationssorm geändert. Sie nennt sich nun „Einigung und Arbeit". Einer antimodernistischen Gruppe „Jerusalem" dürfte kaum politische Bedeutung Zuzumessen sein. Seltsam Ist, daß die Frauen, deren Wahlberechtigung die fortschrittlichen Elemente nach schweren! Kampf durchgesetzt hatten, durchaus im. Sinne der Orthodoxie ihren Einfluß geltend machen. Kürze politische Nachrichten. Warschau Dem Postbeamten Hirsch Himmelst ein in Mcseritz, der schon 15 Jahre lang im Postdienst beschäftigt äst, wurde gekündigt, weil der „Verein der Postbeamten" beschlossen habe, daß Juden bei der Post keine -Stellen bekleiden dürfen. Zionistische Nachrichten. - Dffenbach a. M In der neugegründeten Ortsgruppe sprach Dr. R a b i n - Frankfurt a. M. in einer groß angelegten und geistig durchdachten Rede, welche die Hörer fast zwei Stunden in ihren Bann zog, «über „Die Geschichte des Zionismus." - Der zweite Redner,- Lehrer Diamant, wählte zum Thema seines Vortrages „Die Zukunft des Zionismus".' Referent schickte in humorvoller Weiseseiner „Hagada", wie er sein Referat bezeichnte, vier Fragen vormrs. Ans die zweite .Frage .(Sind wir ein Volk?) und die vierte (Was sollen wir tun, um unser Volkstum wieder zur Geltung zu bringen?), baute er seine Rede ans.'Mit „awodim hoinu", so sagte Redner, können wir auch hier mit der Beantwortung - der gestellten Fragen beginnen, denn „wir waren Sklaven unserer selbst, oa wir Nock)!.nicht einmal den Mut besaßen, an unsere nationale Wiedergeburt zu glauben."-' In der Debatte sprach HermannGutrad von dem Anteil der eingewanderten Ostjuden an der national-jüdischen Bewegung, -Und im Anschluß hieran mit Rücksicht ans die durch den Krieg geänderten Verhältnisse über die Stellung dieser «emigrierten Ostjuden den westlichen Brüdern gegenüber. Die Mitteilung, daß in unserer Stadt von etwa 600 ostjüdischen Familien infolge Internierung und Ausweise bei Kriegsausbruch nur noch 40 Familien übriggeblieben sind,. Machte auf die Versammlung einen tiefen' Eindruck. Redner wies die Zurückgebliebenen mit bewegten Worten -auf die Notwendigkökt der Bildung einer Gemeinschlaft hin, in der das Gefühl unbedingter Zusammengehörigkeit vorherrscht. >„Nur durch das vereinigte Wirken der -bstjüdischen Intelligenz und der herangewachsenen Fugend mit den Vertretern der älteren Generation könnten die Grundlagen «gelegt werden zur Ächiaffung besserer und würdigerer Verhältnisse." Hier sei es die nationalsüdifche Erhebung, der Zionismus, der diesen Bestrebungen entgegenkomme. Auch die Offenbacher Zion. Ortsgruppe möge die Grundlage sein für das gemeinsame Wirken von West- und Ostjuden, die, geeint durch das Bekenntnis zum jüdischen Voltzganzen, -bereit sind, freudig und unbefangen, aber unter Wahrung ihrer Eigenart mitzuarbeiten an den großen Aufgaben der jüdischen Zukunft. In der Opposition kamen u. a. 'sind. Ernst Goldschmidt und -stud. Bial zu Wort ,deren — bas muß anerkannt werden — sachlich und ruhig vorgebrachten Einwände von Dr. Rabin und Lehrer Diamant restlos widerlegt wurden. - Nach vierstündiger Dauer endete die überaus eindrucksvoll verlaufene Versammlung. Der Ortsgruppe gehen jeden Tag Neuanmeldnngen zu. Kuli»» 9tn d»r hiestaen Ort^lpmvvelv-atb La»aruS Barth-Berlin über „Zionismus und Orthodoxie". In der Debatte führten Rabbiner Dr. Cahn, Mendel Walter Urauss Assekuranz, Frankfurt a.M. Petersstr. 4. Tel. Hansa 9698. Scala-Lichtspiele Schäfergasse 29. " ' " Schäfergasa» 29. Modernes Theater Vorführung stets neuer und hervorragender Filme. Wertheim und der aus Frankfurt herbeigerufene Dr. Hof mann die bekannten Gegengründe an, — doch die Erwiderung des Referenten machte aus die zahlreichen Zuhörer sichtlich tiefen Eindruck. Ans der Misrachi-Beweguug. Interalliiertes Misrachibüro. Die in London stattgehabte Jnteralliiertsn-Konferenz der Zionisten beschloß, in Anbetracht des großen! Werkes, welches in der nahen Zukunft bevorsteht, und an dem der Misrachi feinen vollen Anteil Zu hüben wünscht, in London ein „interalliiertes Misrachibüro" zu begründen. Das Komitee besteht aus 9 Herren) je 3 Vertretern«»»!! Amerika, England und Erez Jisroel. Das Londoner Büro steht unter der Leitung des Vorsitzenden 'RabbinerW. Schönfeld, OberrabbinerD.r. I.H. Hertz und C. Bub lick. Diese Neueinrichtung beeinträchtigt selbstverständlich in keiner Weise Las Zentralkomitee der Misrachii-Weltorgamsation mit-ihrem Sitz in Berlin unter der Leitung von Hermann Struck. «. Heine «ttteiümse«. Berlin. Die diesjährige Generalversammlung des Hilssvererns dep Deutschen Juden findet Sonntag, den» 27. Aprik 1919, vorm!. 11 Uhr in Berlin, Logenhaus der Logen U'. O. B>. B-, Kteiststr. 10, statt. - - Der Vorsitzende des Vereins, Herr Dr. James Simons und Herv Dr. Pchrl Nathan, der Geschäftsführer i. E. werden über 'die Tätigkeit des Hilfsvexeins im abgö>» laufenen Jahr Nnd seine weiteren Aufgaben berichten. ». Berlin. DieZablderKCer (Aartelllenvent der Verbindungen deutschier Studenten jüdischen Glaubens» diel bei Ausbruch -.des Krieges 945 betrug, hat sich wämenü der neun Semester bis auf 1450 gehoben. — 1 f ■ Der Verband sjüd. Frauen für Kultur« arbeit irr Palästina (Burgstr. 27. Büro 22) erjsuchch Frauen, . die Nach Palästina gehen wollen^ UM Angabe ihrer Adresse. -- Berlin. Dr. Emil Levy, der Straßburg verlassen mußte, weil er sich weigerte, einen Begrüßungsgottesdienst für den Sieger abzugeben, ist hier als Gemeinde-» rabbiner gewählt worden. Wegen seiner zionistischen und streng traditionellen Gesinnung begegnete seine Wahl starker Gegnerschaft. Hamburg. D^e Rechtsanwälte Ar. Manfred Hoxo» Witz und Dr. Herbert Pardo wurden als sozialdemokratischö Abgeordnete in die Hamburger Bürgerschaft und Frau Dr. Landau als demokratische Abgeordnete in die Lübecker.Bürgerschaft gewählt. Bocholt. Lehrer Jsak Spier beging den 90 Geburtstag. Zürich. Das biestqe Zentralbüro der AaudäS Jisroel' hatte aus amerikanischen Hilfsgeldern 10000 Gulden fffic die Mazzausversorgung der Mischen Kriegs-Gesa ngenen in Italien erhalten. Stimme« aus dem Leserkreise. Tendenzändernnq des Frankfurter Moutestore-Be-eiusk Nach dem Verlauf feiner jüngst stattgehabten^Generakversammlung hat es den Anschein, als wolle der Montefiore-Verein seine seit seiner Gründung beobachtete Tendenz der Neutralität aufgeben und sich die Tendenz des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüd. Glaubens zw eigen machen. - Es sei hier nicht untersucht, ob diese Tendenzänderung einem deutsch-nationalen, patriotischen Bedürfnis der Mitglieder, einer persönlichen Absicht einer oder mehrerer dev leitenden Persönlichkeiten oder gar der Gegnerschaft letzterer gegen die jüdisch,nationale Idee entspringt. Darüber., werden die Versammlungen, die zur Genehmigung der Vorlage der Tendenzänderung noch abzuhalten sind, ein klares Bild geben. Aufgabe meiner Zeilen will es sein, das Interesse der^ Mitgliel-er für den gegenwär'i^en bedeutungsvollen Moment für die Zukunft'des Montefiore-Bereins zu wecken. Gibt der Montefwre seine Neutralität auf, so nimmt, er von »«der Verfolgung seiner bisherigen Ziele Abstand und zerstört das 'Fundament, auf dem er seit Bestehenaufgebaut war. Er wird sodann nichts anssres als ein- Untcrorgan des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüd.- Glaubens sein! Die erste dann als natürlich sich einstellende Folge ist die. daß alle zionistischen, misrachistischen .und agiwisti« schen Mitglieder des Vereins, die heute, in hoher Anzahl dominieren, den Verein sofort verlassen werden, wodurch derselbe natürlich die weitaus größte Anzahl seiner bisherigen Mitglieder einbüßt. Konseguenzen, die sich weiter-, hin einstellen werden, bestehen darin, daß junge Leute,' die neutralen Vereinen anzugehören wünschen, dem McnUe» fiore-Verein, der ja dann seine Neutralität aufgegeben Mt» nicht mebr beitreten werden, und solche, deren Gesinnung? nur deutsch-national ist, dein Centralverein selbst, nicht aber? dem Montefioreverein als Mitglieder beizutreten wünschen» da sie im Beitritt zu letzterem keine Vorteile erblicken.? Wir sehen also, daß der Montesiore-Bycein mit Aufgabe seiner Neutralität durch Annahme der Tendenz des Eentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens? sich selbst das Todesurteil sprechen würde, was einerseits ber

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.