Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1919-04-11 · Heft 15 (11.4.1919) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
17 (1919)
Issue
Heft 15 (11.4.1919)
Date
1919-04-11
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2692297-2693126-2693141--10687-2706048
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

«««25 rUlfte AütziMe PrW: Nr. IT Mdtent sein, wym die rttP^ässiuLerftrebtegeisttge. rmd nationale Zentrale' auch in der ITcrt/bvst ' gesamten Judenheit in uttgestörtem Zuschmnenwir- Ln ausgebaut werden darf und so keine innere Spaltung in sie hineingetragen wird. -!' v Für die bürgerliche Gleichberech tiigüng der Juden und des.Judentums^ in allen "Ländern der-Welt wird .sich ine ^deutsche afe* chiblik uneingeschränkt einsetzxn können. Es erscheint mir auch zweckmäßig, die von jüdischer Seite erhobene Forderung zu verfechten, daß, der Völkerbund, der ja wahrscheinlich in die Versassungsge- . setzeder einzelnen Staaten, die hier in Betracht Lammen, Uveckentsprechende Besömmungen zur Sicherung der jüdischen Minoritätsrechte einstigen tvird, auch eine internationale Kommis- >sio n einsetzt, die darüber wachen wird, daß diese Bestimmungen nicht wie vordem in Rumänien aus Hem Papier stehen bleiben. Mit der Jnternationalisieruug der Judenfrage durch den Völkerbund und die generelle Festigung der jüdischen Rechte, in den' Ländern jüdischer Massensiedlun^ utio überall dort, wo sie von der Mehrheit der jüdischen ^Bevölkerung verlangt würde, würde auch der Emwaud gegen die Tätigkeit dieser Kommission entfallen, den früher Rußland und Rumänien erhoben, wenn bei ihnen von anderen Mächten interveniert wurde. Denn dann kann es sich der Natur der Sache nach um ein nicht autorisiertes. Eingreifen einer fremden Macht in die inneren Verhältnisse eines anderen Landes nicht mehrhandeln. Was im einzelnen die nationalen Rechte* der Juden in den einzelnen Ländern anbetrifft, so handelt es sich in den Ländern jüdischer Massen-, sie dl ring pm eine nationale Autonomie, wie sie Nationale Minoritäten als Anwendung des Grundsatzes, der Selbstbestimmung auf Basis der von dem deutschösterreichischen Staatskapzler Renner ausgestellten Leitsätze beanspruchen. Dieses.Prinzip würde für Länder wie Litauen und die Ukraine (in. denen es zum Teil schon verwirklicht ist), Ostgalizien und Großxußland, entsprechend den Forderungen der dortigen Judenschaft durchzuführen feilt! Für andere Länder, wie Polen, Tschöcho-Slowakien und Jugo-Slawien würde voraussichtlich die kulturelle Mutonomie in Betracht kommen»' Stic unter allgemeiner Staatsaufsicht^ u. a. ' die Freiheit für das Erziehungswesen, -eigene Volksschulen, Mittelschulen, Fachschulen usw. vorsieht, die entweder durch direkte Unterstützung der Staütsregierung unterhalten werden oder denen ein entsprechender Mzug bei Zahlung der allgemeinen Stoat-steuern der Juden von diesen zugewendet werden dürste. Ferner gehörten hierzu Garantien für die Freiheit in der Hellighaltung des Sabbats und der Feiertage und für die Ausübung der Arbeit an allen anderen Tagen. In. den Ländern dünnerer jüdischer Siedlung, also in Deutschland, Westeuropa Usw. ist die kulturelle Autonomie (Freiheit der Erziehung in jüdischen Schulen und die Ermöglichung desreligiösen Lebens) bereits gewährleistet. Diese gesamten Forderungen der Juden der verschiedenen Kulturkreise können. von dem modernen Deutschland durchaus unterstützt werden. Die Judenheit aller Lätlder tvird mit Dank und Sympathie davon Kenntnis nehmen, wenn Deutschland fernen moralischen EinfluK dafür entsetzt, das Programm der nationalen Wiedergeburt des jüdischen Volkes im Rahmen ' des VöÜerbundes seiner Bertvirklichung entgegen-; Anfuhren. — j , Die deutsche« jüdischen Forderuugeu an die Kriedeuskoufereuz... Tie deutsche Judenschaft, gleichgiltig welcher Richtung innerhalb des Judentums sie angehört, hat schon mehrfach während des Krieges es für ihre Pflicht gehalten, zu den allgemeinen jüdischen Fragän Stellung zu nehmen. Wie bekannt, ist eine Kommission gebildet worden, der Geheimrat Fuchs vom Zentralverein deutscher Staatsbürger jüd. Glaubens, Lichthcim von den Zionisten und Dr. Pinchas Ko h n als delegierter Vertreter - der deutsch«! Orthodoxie^angehören. Die Kommission, in der also, alle Richtungen der deutschen Judenheit vertreten sind, hat die Aufgabe, gemeinsam mit dem Referenten für jüdische Angelegenheiten beim Ministerium des Aeußeren, Prof. Svbernheim, alle Fragen zu beraten, die die deutsche Judenheit als solche und im Zusammenhang mit den allgemeinen .jüdischen Fragen angehe»..' Insbesondere auch, hat sie die Ausgabe, eventuell die jüdischen Forderungen für den Frrchenskongreß , vorzubereiten. Auch das MitzlM der deutschen DÄegatbin für den Friedenskongreß, Hermann Struck, steht mit dieser Kommission in , dauerndem Einvernehmen. Durch W.T.W und jüdische. Zeitungen^ sind.-, iu der vorigen Woche die Punkte bekanntgegeben worden, die nach atzMhrlichen Besprechungen beim^ Ausschuß zur Vorbereitung für die deutsche Friedensdelegation unter Vorsitz des Grafen ,B e r n st o r f s durchgesprochen und als Grundlage für die Verhandlungen in Aussicht genommen wurden. ' . Man kann diese gemeinsame Arbeit aller Wischen Richtungen von Herzen begrüßen und die Hoffnung aussprechen, daß in dieser» welthistorischen Augenblick auch die deutsche Judenheit vor der Judenheit der anderen Länder nicht zurückstehen wird. Im allgemeinen enthalten diese Forderungen dasselbe, was bereits von den Judenschasten Amerikas/ der. nationalen Räte Rußlands und auch von den Vertretern der Juden auf der Aligem.. Sozial. Konferenz in Bern als Forderung an die Friedenskonferenz gestellt worden ist. Wir, als Misrachisten, die Vertreter des traditionstreuen Judentums innerhalb der zionistischen Weltorganisation^ wollen bei. dieser Gelegenheit ganz besonders seststcllen, daß wir vor allem Wert legen auf die Durchführung der dritten Forderung: „Nationale und kulturelle Autonomie in den neu gebildeten Staaten.in dem Umfang, den die Mehrheitder dortigen Juden fordert, unter Wahrung des Rechtes der Minderheit, Berücksichtigung des Sabbaths in der Gesetzgebung." ' , Hie übrigen Forderungen sind für uns ganz selbstverständlich, und wir vertreten ' sie gemeinsam mit allen anderen Richtungen. Auch die nationale und kulturelle , Autonomie /wird ja von allen gefordert, ebenso wie sie für die Berücksichtigung des Sabbaths in der Gesetzgebung eintreten. Wir alte Misrachisten müssen aber auf Liesen letzten Punkt ganz besonders Gewicht legen. Wir wissen nicht, wie sich, die Zukunft der Judenheit, besonders , in den Ostländcrn, gestallen wird. Wie aber auch die Verhältnisse sich entwickeln werden, Millionen von Ostjuden werden weiter in ihrer Heimat verbleiben müssen, und man wird alles tun müssen, daß ihnen das Leben wirtschaftlich,, kulturell und religiös erträglich gestaltet wird. Das liegt im Interesse nicht nur der Juden, sondern auch aller anderen Böller, und die fortwährenden Beunruhigungen, die den jeweiligen Nationen durch Unterdrückung und Verfolgung ihrer Judenschasten durch die öffentliche Meinung der gesamtes. Kulturwolt bereitet würden, müssen vor allem ^auch im Interesse der betressenden Völker selbst nun einmal unmöglich gemacht werden. Für die Inden des Ostens wird das Leben aber sich nicht eher erträglich gestalten, als bis man ihnen' in weügehendstem Maße Religionsfreiheit einräumt, vor allem ihnen die Heilighaltung des Sabbaths und der Feiertage, soweit es irgend geht, ermöglicht. In den Ländern der jüdischen Majsenstedelung und d^s jüdischen Quartiers muß cs den Juden auch am Sonntag gestattet sein, ihr Handwerk zu betreiben und ihrem Erwerb nachzugehen. Die große Masse dev^Ostjuden kann aus Grund ih^r religiösen Anschauung Len Sabbath nicht lassen, und der Zwang, noch einen zweiten Tag zu ruhen, würde eine Einschränkung der Gewissensfreiheit bedeuten, deren sich kein moderner Staat schuldig machen kann. Auch die Berner Sozialistcnkonscrcnz hat einstimmig eine dahingehende Entschließung angenommen: Ucber diese Forderung hinaus müßte aber auch der Versuch gemacht werden, die Behörden anzuweisen, Juden an ihrem Sabbath. und Feiertagen möglichst nicht vor Gericht oder zur Polizei zu zitieren. Wir haben ja erlebt, welche Schwierigkeiten man in Warfdjflii z. B. selbst den' jüdischen Hausverwaltern bereitete, die man am Sonnabend zwingen wollte, Unterschriften für die Polizei zu leisten, was selbst zur Zeit der Russen nicht geschehen ist. Bei, den stark nationalistischen Tendenzen der jetzigen und wahrscheinlich auch späteren polnischen Regierungen, wird es gerade in Bezug auf die polnischen Juden iwtwendig sein, hier Vorsorge zu schassen. Es ist selbstverständlich, daß damit .nicht für die Juden eine vorzugsweise Behandlung verlangt' werden soll, aber bei 'gutem Wille« wird es jeder Behörde- und jedem Staatswesen möglich sein, seinen Organen' nach, dieser Richtung. hin Anweisung zu geben -als auch ein dahingehendes ' Gesetz zu veröffentlichen. (Beiganz außergewöhnlichen und dringenden.Füllen, wo ein Erscheinen und Verhandeln mit Juden an suchen Tagen, durchaus notwendig sein' wird, wird;sich gewiß auch ein Weg finden lassen,'die staatlichen Interessen nicht Schaden leiden zu lassen und dabei 'doch den Jüdin keinen religiösen Zwang anzütun.) Daß auch für die westeuropäischen Juden' in gewisser Hinsicht die Berücksichtigung des Sabbaths in der Gesetzgebung mehr als erwünscht wäre, liegt auf der Hand. Wir brauchen nur an die straffe Durchführung der Sonntagsruhe, die wir an und für sich gutheißen, zu denken, die aber doch für viele Juden eine persönliche Schädigung bedeutet, wenn nicht Ausführungsbestimmungen erlassen werden, die den Juden gestatten, unter gewissen Voraussetzungen am Sonntag: in geschlossenen Räumen ihrer Beschäftigung nachzugehen. Daß wir in dem kommenden Staatswesen in Palästina'den Sabbath wie alle anderen jüdischen Feiertage als offizielle staatliche' Ruhetage für die Juden' verlangen, liegt auf der Hand. Auch dabei wäre es gut, wepn diese Grundanschauung schon bei der Begründung des neuen Staatswesens von allen beteiligten Mächten festgelegt würde. Der Sabbath ist die höchste religiöse Institution des Judentums,, und - nichts kan« zur Festigung und Erhaltung des Judentums, wie > wir es verstehen, innerhalb nnp außerhalb Palästinas mehr beitragen als die Möglichkeit, dem Gedanken des Sabbaths- und seiner Heiligkeit in höchstmöglichster . Form innerhalb des Judentums zur Durchführung zu verhelfen. , Daß die in demselben dritten Punkte geforderte nationale und kulturelle Autonomie für den Misrachi gleichfalls von größter Bedeutung ist, mag nur kurz angemerkt werden. Ter Misrachi, der entsprechend feiner Richtung, auf die religiöse Seite des jüdischen Volkstums vor allem Gewicht legt, hat alle Berau- lassung, aus diesem Grunde sich besonders für die kulturelle Autonomie' einzusetzen. Schule und Kultus müssen in den neu gebildeten Staaten, soweit cs irgend angeht, in eigene Verwaltung der Juden gegeben werden. Nur so wird es möglich sein, auch in . der Diaspora jüdisches Leben und jüdische Zukunft hoffnungsreich zu gestalten. , Der Punkt 6 der Forderung, der einen internationalen Ausschuß zur Ueberwachung der Durchführung der Grundsätze und Beschlüsse der Friedenskonferenz hinsichtlich der Juden verlangt, scheint uns besonders, wertvoll. Wir haben in Rumänien doch gar zu traurige Erfahrungen gemacht, und die Befürchtung liegt nahe, daß "'sich ähnliches dort oder in anderen Ländern wiederholt. Der alte Einwand, daß man nicht in die Innenpolitik der anderen Länder eingreifen dürfe, wird wohl in den Tagen hinfällig sein, wo verschiedene andere Fragen — wir denkein z. B. an den internationalen 'Arbeiterschutz — dem Völkerbund in irgend einer Form werden überantwortet werden.«*' Wir haben -die) feste Hoffnung, daß die jüdischen Forderungen, wie sie nun auch vom deutschen Judentum an die Friedenskonferenz gestellt werden, auf der Konferenz zur Annahme kommen wellten,' und daß mit ihrer Durchführung ein weiterer Fortschritt in der Ent-' Wicklung des Judentums und der Menschheit sich änbahnen wird/ Lessiiig-Diele, Zeit 50 — 4 Jlhr Tee.«»«* Tsnr : v Brief a«S ver Schweiz. MiSrichi-Delegierteutag Sitzung »es ri»uiftische» SanlesfdtntteeS. Ant Mittwoch und Donnerstag fanden in Zürich, zwei wichtige Tagungen statt. Zuerss versammelten sich die Delegierten des Misrachi- Landesverbandes, um hie definitive Konstituierung des Verbandes vbrznnehme». A. I. bt»in,' der eifrige Führer des Verbandes, begrüßte in bewegten Worten die Delegierten, die aus allen Städhen des Landes gekommen waren. Seine Ausführungen gipfelten in dem Hauptgedanke« des Misrachi in der Hoffnung der baldigen Rückkehr' nach Paläsllna und der inneren Einrichtung des Laiches nach-' dem Geiste der Thora. Nach der Wahl des Tagesbüros (Reiche n bauch-Zürich als Präschent, Stern- Basel, D « ko w - Luzern, . Geo r g e s Braun-Luzern und Hack-Basel) wurden zunächst die Begrnßnngsdepeschen von Struck-Berlin, Oberrabbiner Dr. Margulies^slorenz, Dr. Ascher-Neuchatel ustv. verlesen. Die Tätigkeitsberichte des Verbandes gaben zur eifrigen Diskussion Anlaß,' welche von allen Delegierten benützt wurde. 'Man wünschte besonders Ausgestaltnim des Pressebüros, Herausgabe von Propagandaschriflek, Neugründungen von Ortsgruppen üsw. Ans, den verschiedenen Begrüßungsreden, die während -der Tagückg gehalten wurden, seien diejenigen -der. Herren.Nationalrat 3)r- Kr ämer-Czernowik>r.Dr.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.