Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 17 (1919)
- Issue
- Heft 14 (4.4.1919)
- Date
- 1919-04-04
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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St -14. . ' . '.yv" ' . ’ ’ ' StÜt r. Phrnehmes Variete-Kabarett x und Ballhaus. " : Schäfergasse75-75. Wew Aork Moegenthau, der frühere Botschafter in der Türkei, hat ÄS Präsident der Freien Synegoge zuritcktreten müssen, weil er den Protest des Kongreßmitgliedes Kahn gegen eine jüdische Heimstätte in Palästina unterschrieb. K»o»a«ti«ot>el. Hier bat sich ein jüdischer Nationalrat als oberste Behörde der Juden in den türkischen Gebieten gebildet. Ussischkin, der Führer der russischen Zionisten, wohnte derersten Sitzung bei. A«S -er „Agudas Jisroel"«Beweguug. Berlin. Rabbiner L e'b t n t b a l« Philadelphia, der aindte des Amerikanisch-Jüdischen Kongresses zur Frienferenz, sandte an die Züricher Weltronferenz der jüd^-orthod. Verbände eine Depesche, in der es heißt: »Mir chalten Euer Palästinawerk im gegenwärtigen Augenblick für gefährlich,. DaS Verlangen der amerikanischen Rabbiner geht dahin, daß Ihr gemeinsam Mit dem Misrachi arbeitet. .Rur durch gemeinsames Arbeiten sind wir fähig, die orthodoxe Judenheit zu retten und unserem blutenden Volke 'zur Hilfe zu kommen. Trennung ist jetzt unverantwortlich. Wir sind unfähig zu verstehen, warum der Misrachi nicht eingeladen wurde, wenn Eure Konferenz beansprucht, die gesamte orthodoxe Judenheit zu vertreten." Aus der Misrachi-Beweguug. . Breslau. Me tauen ttir Palästina jüdisch auf f ' In dem bis auf den letzten Platz»füllten großen Saale der Lessing-Loge trat der hiesige Misrachi am 23. März zum ersten Mal an die Oeffentlichkeit. Dr. Arnold Barth, Mitglied der Zentrale Berlin, sprach über das Thema: ,Mie bauen wir Palästina jüdisch auf?" Er wurde seiner Aufgabe in wahrhaft vorbildlicher Weise gerecht; vorbildlich nach Inhalt auf Grund seiner genauen Kenntnis nicht 'nur der zionistischen und misrachistischen Materie, sondern 'auch unserer heiligen Lehre, der Thauro und des Talmud. 'Vorbildlich auch hinsichtlich der Form, denn Dr. Barth hat es verschmäht, durch irgend welche nach Effekt haschenden Mittel Eindruck hervorzurufen, die vorgebrach- . ten Tatsachen allein und die seine eigene tiefgefestigte Ueberzeugung dokumentierende Miere und vornehme Sachlichkeit bewirkten, daß die Ausführungen von dem Publikum sirit Spannung angehört wurden. Nachdem - der Redner zunächst den Führern der Zionisten für -die großen Erfolge der letzten Wochen gedankt hatte, streifte er die mit dem Aufbau Palästinas verbundenen wirtschaftlichen Fragen und wandte sich, dann dem kulturellen Problem zu. Er kam zu dem Ergebnis, daß sich alle wirtschaftlichen rechtlichen und kulturellen Einrichtungen im Sinne und auf der Grundlage des Überlieferten .Religionsgesetzes ausbauen lassen und entwickeln können. Während er jedoch die wirtschaftlichen und rechtlichen Fragen in das Staatsgebiet verwies, überantwortete er kulturelle und kultuelle Aufgaben im Interesse der Gewissensfreiheit der Privatinitiative. Bor allem sollen das Schulwesen und religiöse Einrichtungen dergestalt organisiert werden, daß mehrere Körperschaften entstehen, .welche die für ihre Anhänger geeigneten Einrichtungen treffen und verwalten. Die erforderlichen Mittel solle jede Körperschaft für sich selbst aufbringen. Ein Zwang solle nur nach! der Richtung hin bestehen, als daß jeder verpflichtet sei, sich einer dieser Korporationew'Lnzuschließen. Hierdurch sei erreicht, daß niemand zu kulturellen Einrichtungen, welche seiner Gesinnung widersprechen, Beiträge zu leisten gezwungen sei. .Der Referent gab zum Schluß seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß diejenigen religiösen Anschauungen, welche der Misrachi innerhalb der zionistischen Gesamtorgänisation vertritt, sich in Erez Israel sehr, bald voll und ganz durch- - setzen werden. < Berlin Die Adresse des Zentralbüra der Zionistische» Föderation Misrachi lautet jetzt: Berlin 6 2, Burgstr. 30, Zimmer 77/78. Warschau. Agudar Jisroel gegen Misrachi. , Me auS der Zeitschrift „Hamisrachi" hervorgeht, bekämpft in Polen die-^Lgudas Jisroel den Misrachi mit Scharfe. Der bekannte Chassidiinrebbe Jsac Meier Bvrnstein in Bielsk stundet sich gegen die Kampfweife der Agudisten, der Anhänger der sogenannten „Schlaume Emune JiSroel" gegen den Misrachi. Die Zeitschrift berichtet des ferneren von mehreren Fällen, rn denen bei den jüngsten Sandtagswahlen die Agudisten die Interessen des Misrachi zu durchkreuzen suchten und lieber für einen Assimilauten als für einen jüdischnationalen Kandidaten eintraten. PPrfowatte» «. Uet»e Wtttelluvge«^ Berlin. Dr. Eugen Mittwoch, ordentlicher Professor der orientalischen Philologie an der Universität GiuifSwald, ist an die hiesige Universität versetzt worden. Er Übernimmtzugleichden Lehrstuhl Professors Dr. M. Hartmann xach Demiq« für oriant^lifchlr Sprach«:. . «Hr. L.itzfUL'tz.,. tzwbbiner dB- Lippsttaiüt TaußSynagogenverein, verschied im 72. Lebensjahre'.und Lew in Traubenberg, gleichfalls ein.hervorragender Kenner des talmudifchen Schrifttums, im 95. Lebensjahre. Berlin. Die Adaß Jisroel-Gemeinde hat die Begründung einer höheren Schule beschlossen. Sie soll sehr bald mit zwei Vorschulen, die eine im Westen, die andere im Norden Berlins, eröffnet werden. Ein hebräischer Kindergarten ist Kurfürsten« dämm 217 eröffnet worben. Die Leitung liegt in den Händen eimr bewährten palästinensischen Kindergärtnerin, die im Fröbelseminar in Jerusalem ausgebildet worben ist. Obertsü«use« b Offenbach Sanitä-Srat Dr. I. W o l f, der sich durch seine aufopfernde ärztliche Tätigkeit die größte Wertschätzung erworben hat und auch stets das lebhafteste jüdische Interesse bekundete — besonders widmete er sich allen Palästina-Bestrebungen —, hat infolge eines Nervenleidens seine Praxis niederlegen müssen. ^Mannheim. Prokurist MoS dach er wurde in die Gemeindevertretung und/L. Zimmer» in den Synagogenrat gewählt. «öl» Der Israel. Fr au env er ein will anläßlich seines hundertjährigen Jubiläums, das er demnächst begeht, «ine Lungenheilstätte errichten. Sloaan Frau Betty Bibo, M'tgtied der deutschen demokratischen Partei, wurde als Stadtverordnete gewählt. Zürich. Abraham E l s o h n ist im 75. Lebensjahre verschieden. Er wohnte bis vor 33 Jahren in Mitau, war dort Geschworener und der Gründer dm ersten jüdischen Soldatenküch« Rußlands. Er war medakdek bemizwauS, fehlte bei keinem Gottesdienste und übte im weftesten Maße Gemilus-Ehessed. Rom. ÄruSci Serussi,O^'rrovbinervonTripolitanien, ist °— 98 Jahre alt — verschiiedan. audem Leserkreise. , Wach ist e« Zeit zur Tatk" ZionismuS, MiSrachismuS, AgudtsmuS, alleS Organisationen und Verbände, entstanden und gebildet in dem eifrigen Bestreben, Ansichten zu vertreten, Ziele zu erreichen, Gutes für unser Volk zu erwirken! — Zionismus, MiSrachismuS, beides Gedanken, Probleme, unser Volk von Verbannung zu erlösen, unsere Nation zu vereinigen, das Endziel unserer Wünsche zu erfüllen» den Gipfelpunkt unseres Höffens und Sehnens zu erreichen! Agudismus, auch das eine Idee, die auf ihre Art und« Weise Gutes für unser Volk wünscht. Alles Strömungen, Verbände, die sich der Zeit entsprechend vergrößern und anschwellen, wachsen und sich vermehren, denn fast jeder denkende Jude will Mitarbeiten an der großen Sache, heute, in dem Augenblick, da das Ziel, dank der Arbeit des Zionismus nahe gerückt ist, seiner Verwirklichung bevorsteht und wir mit der «Erfüllung unserer tiefsten und heißesten Wünsche rechnen dürfen. In diesem Augenblick, da uns nur der Gedanke an das Große, Herrliche unser Herz lauter schlagen läßt, da sollte es noch Juden geben, die aus Jnteressenlosigkeit und Gleichgültigkeit abseits stehen und nicht teilnehmen an der gewaltigen. Bewegung, die jm§ wieder nach Jahrtausenden ein Leuchten in der Finsternis bedeutet, die uns >dem verheißungsvollen Ziele näher und näher bringt? Sollte man das glauben? Und doch, — es ist so! Hunderte und tcmsende von Juden sind es, die noch abseits stehen, und noch nicht Mitwirken an dem großen Werk! Teils sind es solche, die der Orthodoxie nicht treu geblieben find, und nun entweder glauben, sie dürften oder sie brauchten nicht mitzuarbeiten, teils sind es Orthodoxe, denen gerade ihre orthodoxe Auffassung verbietet» dem Zionismus beizutreten, aber leider, leider größtenteils solche, die an der Idee nicht teilnehmen, weil sie noch nicht daS nötige Interesse aufgebracht haben, noch nicht die Energie, sich mit dem Gedanken zu beschäftigen, und da glauben, es gehe auch ohne sie. Menschen, Juden, denen in der Literatur kein Werk fteuid ist, die in der Kunst zu Hause sind, di« die Musik vergöttern, sie wissen noch! nichts von der zionistischen Idee, weil sie der Weckruf der Zeit noch nicht erreicht hat, weil die Posaune der Stunde noch nicht an ihr Ohr gellungen ist, weil sie die Ziele des Zionismus noch nicht stnnen. . Noch ist's nicht zu spät! Noch ist es Zeit! Noch könnt Ihr Mitarbeiten am großen Werke, wie jeder andere, der schon lange Zeit Zionist ist! Größeres als dieser könnt Ihr am Zionismus, an unserem Volke vielleicht .noch vollbringen! Rafft Euch auf! Reißt Euch aus Träumen und Daseinsschlummern! Hört den Glockenschlag der Uhr.der großen Zeit! Nehmet «Mich Stellung zu den Fragen der Zeit, wie daS jeder Jude schon lange getan haben müßte! Werdet Zionisten, Misrachisten! Arbeitet mit an dem Großen, Allgewaltigen, das wir vollbringen wollen. ( Selbst der Agudist, wenn er auch andere Wege gehet als wir, er braucht sich nie vorzuwerfen, daß er müßig war, daß er untätig die große Zeit verschlafen. Nur „Stellung nehmen" heißt's, darauf kommt's an! Ihr Gleichgültigen, faßt Willen und Energie! Ihr Nichtorthodoxen säumet nicht, scheuet Euch nicht! Ihr dürft PHOTOMAPaie BLOH Voaelweldstrasse I2> — Tel.! Römer 4970. Vergrösserungen - in altbeirBbrter flttte. K«iserstr. 89. :. chnILog IjSvdr. :: Tel.: H. 5518. Stets evst&tass. ftttrafötons-frogramme und müsset! Werdet Zionisten! Orthodoxe werdet Misrachisten! Gehet hin, laßt Euch e^ählen über die Zwecke unserer Bewegung und erzählen über die Ziele, die wir verfolgen. Da werbet Ihr von selbst mitgerissen werden, schon von Eurem Herzen, das Euch zwingt, Gutes an unserem Volke zu tun. Wer mehr noch von Eurem Verstände, mit dem Ihr das Gute und Hohe erkennt! Und Ihr werdet in Eifer erglühen, mit Begeisterung an dem Gewaltige» mitarbeften, und wenn das große Ziel erreicht ist, da werdek Ihr «Luch rühmen, und es Euren Nachkommen verkünden können, daß Ihr nicht müßig wäret, sondern mitgearbeitet habt, an dem großen herrlichen Werke, dessen Vollbringung die spätesten Generationen unseres Volkes Euch danken werden. «Luch, den Mitarbeitern am großen Werke, in der großen Zeit! Hermann Bonbi. FraktkouSbildung. Die bisherige Gliederung innerhalb der zionistische» Organisation war eine-rein äußerliche; auf den Kongresse» und Tagungen herrschte Las Prinzip der Landsmannschaften^ durch daS oft scharfe Gegner in eine Interessengruppe gezwungen wurden; in diesen Gruvpen, die für den Verlaus der Tagung, insbesondere der Wahlen meist von entschei» - denber Bebeutuyg waren, konnten Gegensätze durch Mehrheitsbeschluß, bezw. durch einen Kymvromiß, allerdings nur scheinbar, beseitigt werden, zumal solange, als dick Erfüllung des zionistischen Ideals noch in so weiter Ferne lag und man an den eigeMlichen Weg der praktischen Arbeit und die Scheidung der Geister, di« sie mit sich führen werde» noch kaum dachte. So war die Landsmannschaft von Anfang an «ine Erleichterung der Plenums - Arbeit rät Sfier mint. Sie erfüllte den Zweck, weniger wichtige, oft technische Fragen in kleineren Kreisen der Delegierten zu erörtern. vollauf. - Wie hat sich nun diese Gruvviermrg in den letzten Jahren weiter entwickelt? Der Misrachi durchbrach schon 1902 zuerst das Prinzip der Landsmannschaft, indem er an Stelle der Herkunstsgemeinsamkeit die Interessengemeinschaft setzte. Hier sammelten sich zum ersten Mal innerhalb der zionistischen Organisation Männer gleicher oder mindestens ähnlicher Anschauung, für die inbyug auf di« meisten Fragen dm Kongresse eine gemeinsame Stellungnahme fest gegeben war. Dieser ersten Richtung sind bau» andere gefolgt; es seit nur erinnert an den Hapoel Hazair, die Poale Zion, den jftilturzionismus in seinen verschiedene» Untergruppen und —, wenn man an den 15. Deutsche» ' Delegiertentag denkt — an die Gruppen der „Minimalisten" und „Maximalisten", wenn man so die Anhänger" des Lichtheim-schen und des Trietsch'schen Kolonisation»« Programms bezeichnen will. ' Statt der örtlichen Zusammenschlüsse gibt eS seit mehreren Jahren in Wirklichkeit sachliche Gruppen. Dadurch, daß man aber das Prinzip der Landsmannschaft noch nicht aufgegeben hat, ergibt sich eine Anzahl von Unzuträglichkeiten. Es sei stur daran erinnert, daß auf dm». 15. Delegiertentag der Hapoel Hazair darum bitten mußte, - eines seiner Mitglieder zu Wort kommen zu lassen, da die Organisation des Hapoel Hazair über die Landesorganisation hinausgeht und ihr darum nicht anaehört. Der MiSrachi vermeidet bas, indem er für eine Mitglieder den Landesbeitrag der zionistischen Vereinigung für Deutschlank abführt und so 'am Delegiertentag des Landesverbands teiknimmt. Um endlich diesen UnzuträgliWeiten ein Ende zu 5e» reiten, scheint die baldige Durchfiihrung der Fraktionsbildung am zweckmäßigsten. Wie es am nächsten"Kongreß nur noch Fraktionen geben wirb, so ist auch' für den in den nächsten Wochen zusammentretenden PalästinadelegiertentaA eine baldige Scheidung nach Fraktionen sehr wünschenswert. Wer parlamentarische Verhandlungen mitgemacht hat, weiß, daß sie die technischen wie auch die sachlichen Arbeiten außerordentlich vereinfachen. ' Welche Frakttonen es 'geben wird, zu untersuchen. ist müßig. Sie werden nach der Zusammensetzung des Delsgiertentags, organisch auS ihm erwachsen, sich bilden. Mir scheint es. daß wir neben dem MiSrachi. der schon langeals Fraktion besteht, eine sozialistische Grupve und eine weitere haben werden, die ich „mehrheitszionistische" nennen möchte, die sich sehr bald wohl testen wird, vielleicht — wie erwähntnach ihrer Stellung zu Lichtheim, bezw. Trietsch- Wenn man nun wirllich an die Fraktionierung Herangehen toitf, so ist zweierlei nötig. Es ist zunächst nötig, daß die Landesverbände, die bisher fast nur die „Mehrhektszionisten" vereinigten, auch die Gruppen in sich auftrehMen, die bisher aus Scheu vor der Landsmannschaft den 3mtdesverband mieden. Das aber ist mir möglich Lurch eine Umgestaltung der Zionistischen Ortsgruppen. Sie müssen in Zukunft all die erwähnten Gruppen von Zionisten enthalten, die bisher cm den einzelnen Orten einen Zusammenschluß neben der Zion. Ortsgruppe hatten: er dcrrf. von nun an nur noch ein — allerdings selbständiger — Zusammenschluß innerhalb der 'Zion. Ortsgruppe sein. Srä muß ein Abbild der zionistischen Weltorganisation fein, indem sie alle Kruppen, die sich zum zion. Programm: bekennen, umspannt. ' m _ ,. Das zweite, was auch hieraus folgt, ist die BerhWmswahl für die Delegiertentage- Denn erst, wenn wir in den einzelnen Gruppen Lurch die BerhäftmSMhK v