Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 17 (1919)
- Issue
- Heft 11 (14.3.1919)
- Date
- 1919-03-14
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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$*ite 4 "4amen, Zmig-MMe'! orL fläi»; jjT damit moflli.. : Skigqichts die . . v M» Lvvahchittea, tz. LrdvM M Musender Mischer EWmHteN/.Die^kZeirMlunfl dittLÄenSynttel läutet manchermümcherötts .Ferttaiflich", .daß Juden r nicht! zu betrauen sind, es«. die ganze slovcckische Judenheit in ihrer Existenz bedrohenden Tatsachen wird Ke Unter- Antzung der natwnalen Organisation der Judenschäst der «anzen Welt verlangt und werden dieselben aufgefor- Dert, dahin M wirken, daß eine internationale Kommis- Zion zur Untersuchung der Progrome in der Slovakei 'jmtsanrt werde. Ern Mitarbeiter der „Iaido ©jaule" berichtet über die verzweifelte Lage der Juden in einzelnen Gegenüjden der Sbovakei. Er jleüi fest, daß viele tausende auSgeraubte und verjagte jüdische Familien in ihre Wohnorte nicht zurückkchren können. Viele Räuber und Mörder Heben mit dem Bewußtsein, daß man nach Belieben "^^'sches Gut vernichten und Judai straflos morden darf, herum. Die Behörden betonen, daß sie für die ^Lchäden die noch während der ungarischen Regierungs- -,«t geschehen, keine Verantwortung übernehmen. Es ist iluti . ng r. ...... r. Tatsache, daß vom Beginne der Revolution in Erwartung der nahenden tschechischen Besetzung slovakische Starodni Kadas die Macht in ihre Hand nahmen und Die ungarische Regierung ihnen gegenüber ohnmächtig -war. Tie tschecho^lovakischen Behörden führen „Wuchereien" als berechtigte Motive der Pogrome" an. Das 'traurigste an dem Verhalten der Behörden M,' daß sie kerne Hausdurchsuchungen gestatten und deshalb eine Zurückgewinnung Mischer Güter unmöglich Sie sagen unverhohlen, daß sie nicht mneigt -sind, gegen da? slovakische Volk wie gegen Räuber »orzugehen. «merrrä. Die soziale Lage der jüdische« Masse. ' , Seit. Begdm des Waffenstillstandes ist die Aroekts- Migkeit. neuerdings zu einem Problem geworden, das sich Ävch irr de» Mischen Kreisen sehr stark geltend macht. Jnjolaedessen-sind auch unter den Mischen Arbeitern Streiks M der Tagesordnung: so streikten die „Amalgamated Clo- Äing Workers", von deren 60—70000 Mitgliedern 80 Prozent Juden sind, zwölf Wochen lang, und ihrem Bei- . . . _ ... sorge zu sozialen Selbsthilfe umzugestalten. Besonders dre Erziehungsarbeit will man auf eine demokratnche Grünblaue stellen. In den letzten Jahren haben die Arbeiter- -vt-rbände aus eigenen Mitteln eine ganze Reihe von »Schulen und ErziehungÄnstitutronen emgerichtet. Die PoaleZsou und die National Working Alliance haben ihr Schnlwerk. das sie vor einem knappen Jahrzehnt begannen, beträchtlich ausgebaut und unterhalten zur Zeit '84 Schulen mit je 80 b's 600 Schülern, in denen neben realen Fächern Hebräisch, Jiddisch, hebräische und Mische Literatur und Geschichte gZehrt wird. Auch die Arbeiterchereinigilna . Workina-Circle", d''e über 60.000 Mitglieder -gählt, will' ähnliche Schulen errichten. " , ValSMua. ' Die Wasterversorgung Jerusalem». (J.P.Z.) Die seit der Eroberung durch die Engländer getroffenen Veranstaltungen zur Wasserversorgung Jern- - faletnS werfen ein Licht ans den Schlendrian türkischer Verwaltung zurück. Die aus der Zeit des Herodes stammenden, längst verfallenen Aquädukte, eine Röhrenleitung vom SalomonSbrunnen her und die zur Sammlung von Regenwasser angelegten öffentlichen und privaten Zisternen -genügten dem Wasserbedarf der heiligen Stadt nur noch mangelhaft. Biele Zisternen waren zLfallen, bargen faulehbeS Wasser.und beherbergten Malariafliegen. Mit dem Einzug der englischen Besetzungsarmee wurde die Jerusalemer Brunnenfrage akut. Man suchte - nach neuen Ouellen. f Man fand solche im Wadi Ärrub, CT««»»’, 'AMe-KüdM^P«esse. aJ läpetenlfnoleann 22 Kilometer südlich von Jerusalem an der Hebronstraße. Nähere Nachforschung ergab, daß sie von unterirdischen Es wurde eine Pumpstation errichtet und in 19 Kilometer Dumpf Entfernung von Jerusalem an der'Hebronstraße ein 300000 g vo , . .. . , Gallonen fassendes Reservoir, eine Röhrenleitung nach der Stadt und in dieser selbst ein zwei Millionen Gallonen hallendes Reservoir angelegt. Jetzt strömen täglich 280000 Gallonen Wasser in die Hauptstadt Palästinas, erne große Wohltat für die Bevölkerung, die auf oaS Verschwinden der Malariagefahr hoffen darf. Die LieferungSsähigkeit der alten Leitungen, wenn sie vollständig erneuert feite werden, wird auf eine Million Gallonen per Tag berechnet. Kleidungsstücke n«s Amerika. Das Palästina-Versorgungsbureau, dem die amerinach Palästina . . . na zu schicken, der weitere ähnliche Sendungen folgen sollen. In allen Teilen Amerikas sind Näh- Zirkel eingerichtet worden, in. denen die Kleidungsstücke hergestellt werden. y Karze politische Nachrichten. Paris. Eine Ab»rdnu"g englischer Juden. Lord R o-th» schild. Lock» Swaythling, Sir Stuart Samuel und Claude Möntefiore übergaben der Friedenskonferenz ein Memorandum bezgl. der bürgerlichen Gleichberechtigung und religiösen Freiheit in der ganzen Welt. Am 27. Februar erschien -die zionistische Abordnung — Sokolow, Weizmann, Ussischkin und Andrö Svire — por der Zehnerstmunission der Friedenskonferenz. Tie Herren vertraten die Ansicht, daß bei guter Verwaltung, und wenn den Juden Gelegenheit geo ... - - geben wird, die Hilfsquellen des Lartdes zu erschließen, das Land in 25 Jahren eine jüdische Bevölkerung von fünf bis sechs Millionen Juden aufweisen werde. New Aork. Der Kong'eßauLlchub nahm den Antrag Barnett an, die Einwanderung — außer aus Cuba, Mexico, Japan und Neufundland — vier Jahre zu verbieten. Eine endgültige Annahme dieses Antrages würde besonders die Juden Osteuropas schwer treffen. Ter erste kanadisch-jüdische Kongreß beginnt am 16. März in Montreal. Ziouistische Nachrichten. 132000 Zionisten Die Zionistische Organisation in Amerika hat zur Zeit 1l9.000 Mitglieder, wobei die Poale Zion nicht mitaerechnet sind. Die amerikanischen Poale Zion haben über 6000 Mitglieder und die Na^o^al Workmens Vertagung de- Paläftina-LelegierteutageS. Der für die Zell v»M 20.—24. März nach Berlin geplante PalästinwDelegiertentag der Zion. Bereinigung für 'Deutschland wirb für einen späteren Zeitpunll einberufen. Ohne Selbftbesteueruuk, keine grotzzügige Kolonisation. Nr. 1.1, "äfftet; der MiMchi-vevejtzmg.; Verlla. Hon .a»ützh«MschW'''''8^^Ä^ -’b«» leumderische Gerücht auSgestreut, die- Zionisten würden in Palästina die Orthodoxen drangsalieren und in ihren' Bestrebungen bekämpfen. Daraufhin sind wir in Ider Lage, auf Grund von durchaus zuverlässigen Rachirichten folgende Tatsljchen festzustellen:; - Zunächst gewährt die zionistische Organisation den in Palästina bestehenden Jeschiwoth eine Subvention im Betrage von 3700 Pfund Sterling. Ferner arbeiten in Palästina die Schulen der Freien Bereinigung mit denen der zionistischen Organisation, insbesondere b«S Misrachi Hand in Hand. Aus diesen Tatsachen ergibt sich zur Evidenz, daß die angebliche immanente jwicspältigkeit, die zwischen der zionistischien Organtsatton und der Orthodoxie besteht, lediglich ein Produkt des heftigen Parteikampfes ist, oer sich hier in der Diaspora abspiell und seine eigentliche Stätte in Frankfurt hat. In Palästina Hingegen, wo man die Dinge auf gemeinsamem Boden erlebt, sind jedoch sämtliche Glieder deS jüdischen Volks in ganz erfreulicher Weise bestrebt, zu einer Einheit und Verständigung zu gelangen. Sin Fraueuverein in Budapest. In Budapest wurde ein miSrachistischer Frauen- , und Mädchenverein „Mirjam" begründet. Ter Verein hat eS sich n. a. zur Aufgabe gemacht, den jüdischen Mädchen nach Absolvierung der Schule bei ihrer weiteren Fortbildung sowie auch bei der Wahl eines Berufes mit Rat und Tat zur Seite zu flehen. Er soll ein- Mittelpunkt für da? geistige und gesellige Leben der Mitglieder sein, wo ihnen auch Gelegenheit zur Erweiterung ihrer Kenntnisse in der jüdischen Geschichte und Literatur gegeben ist. Er will ferner seinen Mllgliedern bei der Wahl und 'Ausübung ihres Berufes moralische Und materiell^ Unterstützung zuteil werden lassen,. damit die religionstreue Lebensweise inncgehalten werden kann. Die Einrichtung von Heimen für alleinstehende Mädchen und Frauen ist gleichfalls ins Auge gefaßt. Alle diese Einrichtungen sollen auch in Palästina nach Möglichikett von dem Verein gefordert 'werden. Der MiSracht in Polen.. , Die Zeitschrift ,Hamisrachi" in Warschau berichtet: „Vor einigen Wochen spielte sich in Garbolin ein sehr bedauerliches, aber für die Taktik der-AgudaS JiSroel bezeichnendes Ereignis ab. Rabbiner Rvsenblum- Radsanow besuchte vor kurzem unsere Gemeinde, um hier Propaganda für die Idee des Misrachi zu machen. Die Gemeindesynagoge war bis auf den letzten Platz besetzt. Als jedoch der Rabbiner die Kanzel bestieg, singen bezahlte Elanente der Agudas JiSroel, Mitglieder des Vereins „Schlaume emnne Jisroel" an, Skandal zu! machen. Rabbiner. Rosenblum war genöttgt, die Synagoge zu verlgssen. Hierauf versuchten die Gemeindemitglieoer, die Stö- ' | renfriede aus dem Bethause zu entfernen. Die Anhänger der Aguda wendeten sich jedoch! um Hilfe an die polnischen Legionäre! Es erschienen nunmehr solche;in der Synagoge, um die Ordnung wieder herzustellen. Tagsdaraus erließen die Anhänger der Agudas Jisroel eine Kundgebung, die dahin lautete: Falls der Rabbiner Rosenblum es wagen sollte, nochmals in. der Synagoge zu Sn, werde Blut wie Wasser fließen. Diese in ganz schem Sinne knndgegebene Drohung verfehlte ihren Zweck nicht. Noch am selben Tage verließ der Rabbiner die Stadt Und wendete sich ncuhSilichow, um daselbst seine Propagandatätigkeit für den Misrachi auszuüben. Die Mtglieder der Agudas Jisroel gabensich jedoch nnt ihrem Siege in Garbolin nicht zufrieden, sondern veranlaßten den Rabbiner in Silichow, den misrachistischen Redner in seiner Gemeinde nicht zu Worte kommen zu lassen. Der Misrachi veranstaltete hierauf einen Borttag des Rabbiners Rosenblum in einem Saal. Ungefähr hundert Personen hatten sich zu dem Borttage eingefunden. '; " Die Mitgift. Novell» von S. Luß-Mannheim. . ' ‘. Gortsetzung.) .' In der Tat hatte er mit seinem entschiedenen Bor- '-dringen Glück. Der Richter hatte schon oft dienstlich mit <zhm zu tun gehabt und hatte an dem kurz angebundenen, 'Lärbeißigen Wesen des Mannes Gefall«! gesunden. Besonders war dem Beamten angenehm ausgefallen, daß -der Parnes einen offenen, Laren Blick für die juristische o©eite der Dinge besaß, so daß er ihm manchesmal scherzwase . gesagt hatte: „An Ihnen ist ein Advokat verloren orangen."! „Na, Herr Parnes, was wollen denn Sie in der Sache," fragte der Richter bei Elchanäns Einttltt.. „Ganz recht, Herr Amtsrichter, ich komm als ParneS ' und Hab gleich ine Beweise. mitgebracht für das, was .ich zu sagen Habe." Dabei öffnete er die Türe, und einige seiner Söhne schleppten die großen Pakete herein. ' „Am Gottes willen. Sie haben wohlden ganzen Talmud nritgebracht?" fragte der Mchter lächelnd. „Sie wisien, daß ich nichts davon verstehe, ich bin - Geschäftsmann, und das sind meine Geschäftsbücher von 40 Jahren her." '■ ,Ztagu habe ich aber Line Zeit," rjef der Richter Nngckuldig, „Ihre Geschäftsbücher haben in dieser Sache nichts zu kun." . . . > ■; - ,^ören Sie mich nur zehn Minuten an, länger 7.Ävuert's nicht,-' trotz der vststn ^Bücher." Ter Richter lauschte wirllich aufmerksam auf Elchanans Erllärungen, der mit kurzen Worten auf die gezeichneten Bibelstellen hinwies, um dem Richter klar und bestimmt, zu erhärten, daß die Absonderung und Hergabe des Zehnten eine religiöse Pflicht ist. ,/Hier," fuhr er fort, „habe ich> einen Auszug von allen Fälten, in denen ich während der letzten 40 Jahre anstatt Geld Waren an Arme verschenkt habe von meinem Maaßer; die finden Sie alle im Maaßerbuch, aber nicht eins in den Geschäftsbüchern. Ter Verdacht gegen Lichtenstein gründete sich aber hauptsächlich darauf, daß er den Anzug ins Maaßerbuch eintrug und näht ins Geschäftbuch. Lassen Sie die Bücher von Herz Lilienfeld oder von Manes Kaufmann ober meinetwegen vom Baron Rothschild kommen. Sie werden finden, daß alle in gleicher Weise verfahren und eine andere Buchung ist auch! gar nicht möglich." ,!Sxt Unterschied bei Lichtenstein Kt nur, daß er ein dummer Prahler ist, und daß er das, mas er dem armen Mädchen hat schenken wollen, vorher als Lohn versprochen hat. Lächerlich! ein Kleid zu versprechen für eine Aushilfe, die vielleicht nur einen Tag . hätte in Anspruch nehmen können. Darum hat der Sohn auch ganz recht gehabt, als . er den Vater, der den»'Lnzug rnS Maaßerbuch geschrieben hatte, ermahnte, als versprochenen Lohn ein -Kleid zu geben und dies in das Geschäftsbuch einzuttagen. Daß die Magd den Anzug für den Herrn Lehrer wollte, well sie dem Flüchlling einen seiner Anzüge gegeben hatte, das könnte Lichtenstein doch damals gar nicht wissen und hat eS wie jeder andere erst gestern «fahren." -- - -- Dieser klare, bestimmte Vorttag Überzeugte dra Mchter, der gestern erwachte Verdacht zerfloß wie Nebel vor der Sonne, und nach kurzem Besinnen verfügte der Nicht« . die Enthaftung LichtensteinS. ohne Kaution. „Nun wollen wir die Magd des Herrn Lehrers nochmals vorsühren lassen," fuhr der Richter fort. ,Lerr Amtsrichter, lassen Sie mich heimgehen," bat Elchanan, „die Geschichte mit der Magd geht mich nichts an. Was ich als Pgrnes zu tun hatte, den Unschuldigen zu schützen, das habe ich getan, — wenn aber die Magd gegen das Gesetz.gefehlt hat, soll sie auch die.Folgen ttagen." v Much dies« Sinn für Gerechtigkeit gefiel d«n Richter. Das Zuttauen für Elchanan verstärkte sich, weil er nicht deshalb allein für die Angellagte eintteten wollte, weil sie Jüdin war. -O-C güi die arme Ricke war nun keine Aussicht mehr cleichterung ihres Schicksals. Wochen miß Monate müßten vergehen, ehe Nur ihre Personalien festgestelltwaren; das lag an den langen, ümständlichen. Wegen jener Zett, wo es so viele Gesetzbüch« gab als Lätwer und Ländchen, — und zopfige Bürokraten. . Ricke saß ungebeugt rn ihrer einsamen Zell« Das . Essen wurde ihr von d« Frau Lehrer ins Gefängnis geschickt, Strümpfe durfte sie stricken, und auch ein-Gebetbuch wurde ihr von den Kind«n des Lehrers gebracht. Als sie eines Tages durch ihre Gitterstäbe chen achtjährigen David mtt dem Essen ankommen sah, rief?!sie - ihm zu: ,Mie geht es dem Aron?" „Es geht besser, er kann bald auch einmal das Essen bringen." ' 1 „Sag ihm, ich kann bald so schnell lesen, .wie ers: jetzt Hab' ich Zell zum Lesen." - ‘ Die Frau Lehr« weinte bittere Tränen/ al? .-David diese naive ' Meldung heimbrächte,'- welche Uiekes . - festen Wllen' bekundete, ihr Verhältnis tzum Flüchlling solange ßim zu halten, bis d« Beweis d« Unschuld ihres wS möglich wäre. Sie wollte durchaus nicht^als Tocht« eines zu Recht ' verurteilten ‘ Znchthäuslms angesehen werden. , ' | VO >0 <71«»