Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 17 (1919)
- Issue
- Heft 11 (14.3.1919)
- Date
- 1919-03-14
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2692297-2693126-2693137--10652-2706009- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
m Nr. 11 SchildeRhialereiUi^VesssbindeFsffbeiten ' Philipp Trauner strasse 138. Telephon Avrnsr L778. Wie oft hat die Orthodoxie das vorher.und.nachher klipp und klar, eindringlich-und warnend, in alle Welt, laut gerufen, bie Orthodoxie aller Länder in allen orthodoxen 'Zeitschriften. Oeben Sie sich nur die Mühe der 'Durchsicht und machen Sie es sich uichi leicht durch das ^Ubsun vereinzelter „Jsraelit"^ournalisten. Ihr „niemals"' paßt eben nicht für nachher Und nicht für vmcher. Sie sehen, M könnte zitieren: „ES ist immer mistliH, wenn man —-r. In den Anmerkungen des Verbands — gemeint sind Wühl hie von mir genannten Anmerkungen zur Resolution ans 'dem Jahre 1405 — habe ich keinen einzigen WiderspMch bemerkt. Ihrer Behauptung fehlt der Mleg. Auch die Behauptung von Wandlung in '.der Orthodoxie haben Sie nicht näher präzisiert. Die volle Uebereinstrmmung .des Standpunktes der Mgudah, wie .er in der jüngsten Anfrage an das.Kopenhagener Zionistenbüro zu Tage tritt, Mt der in meinem vorigen Briese zitierten Resolution des . traditionell-gesetzestreuen Rabbinerverbgndes aus dem Jahre M>8 müßte Ihnen .eigentlich als gerade bemerkenswert 'sür die Konsequenzen der Auffassung gegenüber dem Zionismus .ausgefallen sein. ' Daß wir in 'dem Wunsche nach gemeinsamer Arbeit, soweit die gegensätzlichen Prinzipien sie offen lassen, .einig Md, ist Ihnen bekannt-. . . Be.rl i u. Rabbiner Dr. E. Mu n k. Mne neue Grüiirmrg Mllsous. Wilson empfing -eine Abordnung des amerikanischjüdischen Kongresses. Bei dieser Gelegenheit sagte er folgendes:'; Ich habe bereits früber meine persönliche Billigung, dtr britischen Erkläruung -bezüglich der Bestrebungen und der historischen Ansprüche der Juden -auf Palästina ansgedrückt. Ich bin mehr als je überzeugt, daß die alliierten - Rationen -mit vollster Unterstützung unserer Regierung und unseres Volkes darin übereinstimmem daß an Palästina vbie Grundlagen eines jüdischen Gemeinwesens gelegt "werden. ._■' '' 1' I«r Nriede«skoNfere«z. „Board of Deputies" und ,„Anglo Jetvish Associa- Mn" Haben, in ihrer gemeinsamen Kommission für auswärtige Ungeleaenheiten (Joint Foxeign.Comittechsaherwe Punkte vorgeschlqgen: 1. Tie Souperänität Palästinas -wird Groß-Britaunien. mit dem Mandat, die Erklärung vom 2. Rvv. 1917 . ausKusühxen, übergeben. 2; Tie Grenzen des neuen Palästinas müssen in der Weise -festgelegt werden, haß Raum und aünstige Bedingungen für eine Mische Massensiedumg geboten werden. Tie Rechte bestehender nichtsüdischer Gemeinschaften werden entsprechend gewahrt werden. 3. Die politische, ökonomische und kulturelle Organisation -' ' des'. Landes wird derart sein, daß sie den Zuwachs der jüdischen Bevölkerung -und deren Selbstregierung erleichtert und deren evt. Prädominenz in der Regierung 'des Staates, im Einklänge mit den demokratischen Prinzipien, im Mrge hat. 4. Me aesmnte Bevölkerung PMstinas wird vor dem Gesetze religiöse Gleichberechtigung genießen. 5. Die Hebräische Sprache wird dB offizielle Sprache Ser ' jüdischen Bevölkerung anerkannt und geraucht. 6. Ter Sabbath und die Mischen Festtage werden als gesetzliche. Ruhetage für die . Juden auerümnt. Tie^ Juden, die diese beachten, können nicht gezwungen werben sich an Feiertagen anderer religiöser Gemeinschaften der Arbeit zu enthalten. 7. Tie zentrale Autorität der jüdischen Bevölkerung Palästinas erhält, das Recht» ein Erziehungssyßem sür die - Juden Palästinas, mit Hebräisch als Unterrichtssprache ein- und durchzuführen, wobei Schulen, hie kekue staat- . liche Unterstützung «enießen, diesein System nicht unter- > liegen. . '8, Ti< ganze Bevölkerung PMstinas soll sich einer gleichen' politischen und ökonomischen Behandlung erfreuen: V . weder Rassen, noch religiöse Gemeinschaflev sollen besön- - dere.Privilegien oder Vorzüge besitzen und' geuießn. 9. Tie Kontrolle der Mischen Heiligen Orte wird den -Juden überlassen, in gleichem Maße, wie die der Heiligen Stätten Her Christen und Mohamedaner den resp religiösen Gemeinschaften überlassen wird." •v Her Vorlesung dieser Punkte folgte eine längere Debatte. Loü> 'Rothschild fordert die AusschAtung des achten Punktes. Er wird in dieser Forderung von Dr. Daiches unterstützt, .welcher auch die Abäiwerung des - fünften Punktes fordert, und zwar soll die hebräische -Sprache nicht die Sprache der Mischen Bevölkerung, sor^rn die des Landes sein. Auch Dr. Jochelmann unterstützt die Forderungender beiden Vorredner. Tr. Rubin verlangt die Streichung Mer Pun8e mrt Aus-> . gahme" des ersten, um de« zionistischen Forderungen nicht --^«ntgeaenimtreten. Sir Stuart weist.darauf hin, daß Monisten der Reaterung schon ein Hrojeü vorqelegt i'MM< und daß dtS .Programm des Boa«s nur noch eine rst, Naß die englische Judenheit für.ein MMum eintrÄ. . - MR* Reue^Discha-HreM Seite 3 Ari.derÄ8b^„ Rothschilds urchTw.^ - 'wird spest r ichrm Ä PunktBi Lk t ,5 eMsprechLnd meändert. I m Demtsches Reich. Sin W»rSschveibe«.Rubbi«rs Tr. Kohn^lnSbach. Rckbb. Dr. Pinchas Kohn-Ausbach versandte seinem Rahhinatsbezück jalgendes RundschreSen: „Jüdische Mitbürger und Mitbüxgerinnen! Angesichts des ^Versuches, Jäte Juden dB international zu erklären, sehen wir -uns veraMßt, Folgendes zu '.erklären: 1. Die Gemeinschaft der Juden beruht auf der Religion. Wer -.Mische Religion -verläßt, verläßt hie jüdische Gemeinschaft. 2. Alle Ansprüche, welche die so geartete jüdische Gemeinschaft an die Regierungen ihres Heimatlandes zu stellen hat, fließen Lediglich raus Iriefsnt religiösen Grnndcharakter. 3. .International.im .Judentum ist.'lediglich die Religion. 4. Wir haben keinerlei jüdisch-nationalistische Forderungen zu erheben. 5. Wir bekennen uns als bayrische und deutsche Staats- -Mrger jüdischen Glaubens. 6. Es .ist Pflicht jeden bayrischen Juden, über dieses sein Verhältnis zum Staate dem Staate und seinen christlichen Mitbürgern volle Klarheit zu geben. 7. Als Bayern und Deutsche.erklären wir, im Interesse unseres Vaterlandes den Antisemitismus beWupfen zu , MÜssi'N. '8. Wenn die Friedenskonferenz Palästinas einer unbejchränkten SiedÄnng durch Juden erschließt, so gebietet esilediglich die religiöse Pflicht, diese auf Grundlage des RÜigionsgesetzes zu errichtenden Siedssingen zu fördern." Für üns hat das Rundschreiben das besondere Internst. daß es uns zeigt, .wie Dr. Kohu seine Aufgaben — auch in Polen aufgefaßt hat. LEO HIRSCHBERG aeCO, "FRANKFURTäM. 1600 Tonnen kondensierter Milch, 3560 Tonnen WehL 1600 Tonnen koscherem Pflanzenfett Pr die Juden nmd 1600 Tonnen Schweinefett sür Polen. Auch Kmderschuhe bringen die Amerikaner mit. , Tie jüdische Kommission will zwei Monate in Pole» verweilen. Sielst beauftragt, die Lage der.Judenzu über» prüfen und .namentlich die Frage des Wiederaufbaues - in Polen und Galizien zu studieren. Die Kommission will sich zu bieseul Zweck auch nach Litauen und in die Ukraine begeben Nach ihrer Rückkchr bleibt die Kommission m Holland und wird, verstärkt durch einen menen Serttetet des jüdischen Zentralhrlfskomitee, eine Z entrokle für das gesamtejL dis che Hilfsmerk sowohl für unmittelbare Hisse als für den Wiederaufbau juaillLN Kricgsgebieten urü> Palästina bilden. ‘•i : 'I . .71 GrieSrich Luisen^ospiz Bad Dürrheim. Das Friadrich-Lnisvn-H ospiz im Bad Dürr he im, die grüßte israelitische KinderheilstStte. hat beschlossen, durch einen Erweiterungsbau die Zahl seiner Betten von 10Ö aus '200 zu-steigern. Die erforderlichen Mittel sind auf M. 860.000 veranschlagt. Die badische Judenheit ist zur Beschaffung der Mittel berefts in großzügiger Weise vorangegangen. Ta auch in wachsendem Maße Frankfurter Kinder (25—30 Prozents die Wohltat der Anstalt in Anspruch nehmen, bat sich in Frankfurt ein Lokalkomitee gebildet.das sich mft einem Rund- " schreiben an alle Interessenten wendet zwecks Zuweisungeines einmaligen größeren Betrages. Es finden sowohl hsnitteWe als auch unbemittelte Kinder in der Anstalt Ausnahme, die in jüdisch-orthoÄxer Hinsicht allen. Ansprüchen Genüge leistet. Liüme». Briese aus WU»«. , 2. Mbruar. . . . Tie Lag/ in Wilna hat seit der pokftWx» Neugestaltung eine schroffe Wendung zum Schlinnnern erfahren. Wenn wir früher unter einer Lebensmittel kn<Mheü zu leiden hatten, smd wir jetzt von einer sörmKchea " Hungersnot bedroht. Die Teuerung auf allernutwendigste Lebensbedürfnisse wächst ganz rapide und ,hat - bereits eine noch nie yt Wilna dagewesene Höbe erreicht. Tie Rot in der Stadt ist gcmz uNgeheuer. Seit «eramner Zeit fließen kerue llnterstichungsgeldcr mehr ein, sodaß wir machllos find, der Not Einhalt zw .gebieten. Tie Schließung zahlreicher Anstalten steht,bevor: hauptsächlich sind die religiöseu-kukturellen Jnstitttztionen in ihrer Existenz bedroht, wie Talmud-TtzmeM Jeschiwos, Chederschulen» hckräische Schulen Zdruv-Mimle - usw... da die neue Macht ihnen gegenüber eine ausgesprochene negative Haltung einnimmt. Ich habe berettS dem hollärüiischen Komitee, dem skdndinavrschen Komitee in Kopenhagen und dem Hfljsverein der deutsche» Juden in Berlin Mitteilungen Mer die gegenwärtige Lage gemacht und um Zusendung von Geldmittöbr gebeten mud bitte Sie. auch JhrerseiW nach dort zu schreiben und unsere dringende Bitte zu uutertzützen. . , . Run mub eine Bitte von ganz'eminenter WrchtigkeitL nämlich: Wir sind dev Gefahr anZgeseyt, auf,HuM Paskafest ohne Mazza zu bleiben. MÄreicht.tst es'möglich, daß in der Schweiz, Hollaiü» und Skcmdinavwn - Mazza für Wflna hergestM wird, wobei ich bememe. daß die jüdische Bevölkerung Wilnas z. Zt. etwa nwe-hr uls 80.000 ©c-elen zähss. . '1 ■J -■1 ■r. •‘■'t j Schweiz. v«m. Zur Frage des SchSchtverboteS. Bei der letzten Sitzung des Rationalratrs, in welcher über die Berfassungsrevifion debattiert wurde, nahm auch Advokat Götschel von Deksberg, der einzige jüdische Rationalst der Schweiz, das Wart, um für die Streichung des Schächtverbot-Artikels in der Verfassung kräftig Lnuzutreteri. Er betante, daß dies Verbot ein Berstatz Mrgen die Gewissensfreiheit der Juden im Lande fei. Es sei dringend zu wünschen, daß endlich! dieser Artikel geArichLn wette. Wir hoffen, .daß, es mögssch sein wird, bei der BoW- Abstimmung über die BerfaffnngSrrvifion diese wichtige Angelegenheit zu nuferen Gunsten yt regeln. Die politischen Parteien dachte» leicht sür die Aushebung des Schächtverbotes zu gewinnen fein. Gary besonders haben wir Hoffnung auf die Konservativen und Sozialdemokraten. Erster« haben bereits erklären lassen: ,Jm Sinne der Anschauungen einer neuen Zeit und zum Schutze der persönlichen uud korporativen Freiheitsrechte müssen und werden wir verlangen: die Verwirklichung der Grundsätze der Glaubens-, Gewissens» und Kultusfreiheü nicht nur im negativen, sondern auch im positiven Sinne und infolge dieser 'auch die Beseittgung aller Uusn ahme best immun gen, welche wir vom konfessionellen Standpunkte aus als ein Unrecht empfinden." In dieses Gebiet fällt auch das Schächtverbot, das der schweizerischen Berfassrmg nutzt zur Ehre gereicht. Spectator. Pole». Die amerikuvisch-jüdische Hisssatti»»- Ejne amerikanisch-jüdische Kommission'"— Isidor 'Hirschfeld (American Jewish Comittee), Barnelt Horowitz (CiUtral RÄief Comittee) und Baruch Zuckarmann hPeople Relief Eomfttee) — wird dieser Tage in Warschau «ntreffen. Der Kommission gehört auch Dr. Boris Bogen an, der als Mitglied der Kommisswn der amerikanischen Regierung fich bereits in Warschau befindet. Tie Kommission wird die Verteilung der vom M. und vom. poln--amerikanischen Hrssskomfttee -gesandten Lebensmittel überwachen. - Dje Lebensmittel sind für die städüsche Bevölkerung Polens und Gckliziens bestimmt und in gleichen Teflen vntcr Juden und Polen zu verteilen. Sie bestehen/ aus Sr Kaffee Knbland Sm Kaiserstraase 56 EaiBaratraaBe 56 TSgUeh erstUagsige. HT*'UateÄaltsBgBmisik *9» Cteaugs •Einlsgeib ' . . Die hiesigen Zustände sind sehr traurig, bie Teuerung wird mit fedem Tage größer. §er Handel ruht völlia. Ter weitaus größte Jeu der Reichen hat die Stadt verlassen. Die ZentralunterstütznngSkasse ist leer- Die Wohltättgkeitsanstalten, Lehrhäuser und Jeschiwoch sM derartiger Rot nick» Entbehrung ausgesetzt, daß mit ihrer baldigen Schließung gerechnet werden must. Dm Verhältnisse der Förderer der Thora imö der Bürger, deren Existenz bedroht ist. ftnd geradezu furchibur. Nunmehr steht bas Pasfafest vor der Tur, jaib wir wissen. noch nicht, was mft den Mazzos sein wird. Zur Ber-, pflegung der Armen allein ist eine ungeheure Summe nöttg. Ich appelliere an Ihr Herz, für das schreckliche Los unserer Stadt in dieser ftrrWbaren -Zbit etwas,' zw tun und unsere Brüder in der Nähe und Ferne, anßmrnfeu, daß sie mit der Hflfe eilen mögen, bis.Gott unser Elend sehen und uns wittier hälfen wird. 'M Kttfelfrab« Vom jätzssch« Lebe» in Moskau. . Laut Wflnaer .Letzte Rais" existiert die flönsche' -GÄneindeverwaltung in Moskau noch immer» nur dass sie unter sebr schweren Bedingungen zn arbeiten hat. t EU. fehlt an Menschen and an Geldmitteln, und die Zahlder, Angestellten mußte verringert werden. Die Büroräunn.' wniden beschlagnahmt, sooaß die Verwaltung unter-. tunft in den Rebenräumen der Synagoge suchen mußte. Bon angesehenen Persönlichkeiten blieben noch ui .Moskau Rabbiner Male, Dr. Wöreb, Ruro k, Ing- Ledirntin und Vertreter des „Bundes" und der Bereinigten. Sozialisten Das Mische Kommissariat hat die Erlaubnis zur Eröffnung einer Bolks-Universität erteitt, jedoch dürst» keine Vorlesungen in Hebräisch tzattfinden. Das Mische Schiedsgericht bei der 'GemeMe fungiert wie sstüher. Auch der Gemeindeverband für Großrußland existiert noch immer. Obwohl in Moskau alle Buchhandlungen und Berlagsfirmen verstaatlicht worden sind, wurde sür die Buchhandlung „Literatur eine Ausnahme gemacht» die. als zur zionistischen Organisation gehörig, als Gesellschafts-Institution betrachtet wurde. Auch die Moskauer Zionistische Organisation setzt ihre Arbeft, so gut es' geht.' fort. - Bor einigen Wochen fand ein großes Ab» .schiedsfest zu Ehren von Boris Goldberg stqtt. der über Paris -und London nach Palästina geht. Wieder^ lautet, sollen ihn A. Jdelsohn undM. Aleinikow begleiten. . * ’ w /-fl Tschecho-Slovakifche Rep«E Die Leide» »er Jude« 1» »er SlevakeL Tie Behörden betonen auch, daß Juden iw jsukunftweder Schank-, noch Trafik- und ähnliche Rechte ausüben