Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 17 (1919)
- Issue
- Heft 9 (28.2.1919)
- Date
- 1919-02-28
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Sei* 3 Sk. s mätm 8ehlferg«S8e 89. £ . . 8ohSfeifaaw ». : Hodenies Theater; Vorführung stets neuer und hervorragender Filme Man erkennt klar, was der allgemeine Rabbinerverband aus dem Programm des'Zionismus von der Heimstätte, herausgelesen hat. Daher hält es denn auch Horowitz 'für nötig, mit .Tendenzen des Zionismusdie in dem Baseler Programm gar'nicht genannt sind, sich auseinanderzusetzen. Er sagt: „Der Zionismus -.steht im Widerspruch mit den messianischen Berrcißungen des Judentums", so lautet der erste Punkt, unserer Erklärung. Ist esetwa nicht genug, wenn Vertreter desselben behaupten der-Zionismus habe mit dem Judentum nichts zu tun? Ist das nicht Gotteslästerung. Üxnn man sagt» daß Zionismus — Zions Name, Zion, „von dem die Thora ausgeht", Jerusalem, von dem - das Wort Gottes zu den Völkern dringen soll — daß Mer Zionismus, dieses Zion nichts mit religiösen Dingen zu schaffen habe?! Das ist das erste, was gegen das Judentum sündigt: Die Zukunst deS jüdischen Volkes ausaestalten zu wollen ohne Judentum. Was - sind die Juden ohne-Judentum? Die messianische Hoffnung des'Judentums und die Gründung eines solchen national-jüdischen Staates!" Schon diese wenigen Zitate zeigen, daß der allgemeine Rabbinerverband sich verpflichtet hielt, nicht ernfach die Worte des Baseler Programms - von der Heimstätte zum Gegenstand der Erörterung zu machen, sondern zwischen den Zeilen des Programms zu Lesen. Dieser . Verband vertrat den Standpunkt, daß trotz der im Baseler Programm gewählten Ausdrücke die Theorien des national-jüdischen Staates nach wie vor im Zionismus herrschend seien und, also deduzierend, kommt er zu der .Feststellung, daß das Programm des Zionismus als dogmenfeindlich zu verwerfen sei. - Daraus kann als Standpunkt des allgemeinen Rabbinerverbandes gefolgert werden, daß, wenn nicht mit den programmatisch unausgesprochenen und dennoch nach, seiner Meinung zu Tage liegenden Theorim des Zionismus zu rechnen wäre, den ausgesprochenen Programmtheorien des Zionismus gegenüber ein - Widerspruch seinerseits -nicht zu erheben sei. Da die oben bereits zitierte Resolution des orthodoxen Rabbinerverbandes von der Erklärung des allgemeinen Rabbinerverbandes ausgeht, um ihr entgegenrutreten, so ist sie auch nur aus diesem Zusammen- ' hanae heraus' richtig zu verstehen und zwar' auf natürlich«. nicht rätselhafte Weise. - Tie »Resolution der Orthodoxen enthält.zweierlei, <in -Negatives und ein Positives. Das Protestmotid, - das sich am diejenigen Theorien des Zionismus' bezieht, me im Programm nicht genannt sind, wird abgelehnt. ' Ml sic nicht offen vorliegen und weil es zur Bekämpfung der offen vorliegenden nicht paßt. Dagegen T wird ein hinderndes Motiv genannt, das sich auf Las offen vorliegende Programm selbst blicht. -". Daß, der orthodoxe Rabbinerverband es für anae- - messen gehalten hat, in seiner Resolution, die .sich, auf die ganz neue und "veränderte Stellungnahme des ' Zionismus bezog, nämlich das Fallenlassen des 'Judenstaates und an Stelle Lessen nur die Jnaussichtnahme - einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte, dieses Bastler Programm als maßgebliche Kundgebung des ' Zwmsmus solange offiziell wenigstens anzuerkennen, bis btt Beobachtung ber weiteren Vorgänge im Zionismüsein Anderes lehren würde, dürste ihm kaum von Ihrer Seite zum Borwurf gemacht werden. ‘ . In der Errichtung aber einer solchen Heimstätte a n kick hat der orthodoxe 'Rabbinerverband, wie seine Resolution zeigt, einen Widerspruch gegen die reliliösen Dogmen keineswegs erblickt, nicht damals, nicht seither, .mcht heute. Wenn- Sie nach Kenntnisnahme der Vorgänge im allgemeinen Rabbinerverband die Erklärung des orthodoxen> Rabbinerverbandes gelesen und sich nicht mit dem ÄWC-Buch des Zionismus begnügt hätten, dann wäre Ihnen wohl sofort klar gewesen, warum inan -nicht, wie sonst üblich, sich ausgedrückt hat: „Die Theorien des Zionismus kollidieren keineswegs usw.", sondern, polemisierend mit dem allgemeinen Rabbiner- . verband gesagt hat: „Die offen vorliegenden Theorien usw." Wollen Sie daraus noch immer folgern, daß die ■_ Orthodoxie mit der Möglichkeit verhüllt vorliegender Theorien nicht gerechnet hat? Und trauen sie den Herren des Verbandes Lolche Naivität zu? Zumal nachdem bereits ein anderer Verband das Vorhandensein solcher Theorien sogar offiziell erklärt hatte? Aber, so fragen Sie, wenn dem so ist, warum . ist .auch spater „niemals" gesagt worden, „daß das Prinzip, des Zionismus der Wthodoxie widersprechen tvürden, weil der Zionismus in religiösen Dingen eine neutrale..Stellung einnimmt?" Für das Entstehen der hier von Ihnen aufgestellten Behauptung habe ich nur die eine Erklärung, daß Sie, wie Sie» schreiben, sich in Ihrer Jugend bereits her zionistischen Organisation ' angeschlossen und, es darum vielleicht unterlassen haben, die nicht zionistische Literatur, auch die orthodoxe, zu verfolgen. Wenn 'Sie meinen Knnen, erst seit heute . >nüd j Mein bekämpfe die Orthodoxie den Zionismus;• mtfifieni Argument, Laß das orthodoxe Judentum nicht >.in eine geistige Berohrung eintreten - könne, die —; nach. ihren eigenen Worten— viel Mehr sein will als eine nur politische, in eine Bewegung, bde ein Judentum: Mt 8er Religion M -Priväksäche-um.der Reu- . tralüäd iwrlLnstabilisiert, dann müssen Lhnen auck diediHtigtzen Aussprüche von. orthodoxer. Sette, »die in aMMN^Jahren ^ömnllich gefilllechisiM > verbörgen - gesem. Dann wäre es aber'auch Ihre Pflicht gvwesen, M Sie StMpM Kr angehorep, D unterrichten ' llm, i sich . . e nur des Ausschlagens der orthodoxen Zeitungsliteratur bedurft,, um die erforderlichen f eststellungen zu machen. Gerade fest dem ersten Baseler ongreß häufen sich die sachlichen Auseinandersetzungen über die orthodoxwidrigen Theorien des Zionismus, wohl gemerkt: des Zionismus, also nicht nur die Erörterung über das „Baseler Programm". Im Jahre 1904 — also vor 14 Jahren — faßte die Rabbinerkommission der Freien Bereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums über die Stellung zum Misrachi folgende Resolution: - „Tie Prinzipien deL Misrachi, kV xiner'Fraktion innerhalb des' Zionismus, sind mit den Grundsätzen des-überlieferten Judentums nicht zu vereinbaren." In ausführlichen, erläuternden Anmerkungen des Verbandes wird scharf geschieden zwischen dem Zionismus und seinen dogmenwidrigen Theorien ans der einen Seite, und dein praktischen Baseler Programm auf der anderen Seite, in Bezug auf welches wiederum nur an der Führerschaft Anstoß genommen wird. Die „Bereinigung traditionell-gesetzestreuer Rabbiner Deutschlands" hat auf einer Tagung im Jahre 1908 eine Resolution gefaßt, die die Förderung eines Teiles der Bestrebungen des Misrachi -zum Gegenstand hat. Sie lautet: „Tie Förderung der auf Jischnb Erez Jisroel gerichteten Bestrebungen des Misrachi erscheint dann statthaft, wenn der auf dem VI. Kongreß abgegebenen feierlichen Erklärung, der Zionismus werde nichts unter- 'nehmen, was gegen das Religionsgesetz verstößt» 'im offiziellen Programm des Zionismus präziser Ausdruck gegeben sein wird." Aber die Orthodoxie bedurfte nicht etwa der Beobachtung der Borgänge im Zionismus - von 1898 bis zrnn Jahre 1904, um dann. erst , die religiösen Gefahren res Zionismus zu erkennen. Die diesbezüglichen Kundgebungen sind, besonders vom Jahre.1899 an, iLegion. Ich wollte Ihnen einige besonders charakteristische Stellen zitieren. Aber ich beschränke mich auf einzelne Stellenanaaben. Israelit 1899, Nr. 55 in dem Artikel „Wie vollzieht sich die Geullah?" Nr. 68 desselben Jahrgangs in der Ruckbetrachtung über den- III. Baseler Kongreß: ferner 1900, Nr. 11; 1902, Nr. 71: 1903, Nr. 10: ferner die Betrachtungen im Anschluß an jeden Kongreß usw. usw., zahllose Stellen. Damit stürzt die ganze Grundlage Ihrer Ausführungen über eine „neue" Stellungnahme der Orthodoxie zu den Theorien des Zionismus in sich zusammen. Mir scheint, ein Misrachist, zumal ein Führer, darf sich, in keinem einzigen die Orthodoxie betreffenden Punkte damit begnügen, auf das ABC-Buch des Zionismus 'sich zu stutzen. Berlin. Rabbiner Tr. E. Munk. P. 8. Ta der folgende von Ihnen berührte Punkt nicht zur eigentlichen Anfrage Ihres Schreibens gehört. komme ich nachwörtlich auf ihn zurück. Richtig ist, daß der Zionismus sich mit vollerem und ungeteilterem Eifer der Erez Jisroel-Arbeit bisher zuwenden konnte, als die Orthodoxie. Im Zionismus «stand die Palästinaarbeit im Mittelpunkte, soweft sie nichr die einzige Bestrebung war. Die Orthodoxie hat stets gleichzeitig zahlreiche Aufgaben im Auge zu behalten. Daß sie gleichwohl an praktischer Aröeü schon lange vor dem Erwachen des Zionismus ' Außerordentliches für das Judentum imMeMgen "Lande vollbracht hat, daß sie auch kolonisatiDsch und speziell schulenbildcnd vor den bisherigen «Leistungen des Zionismus sich ganz gewiß nicht zu schämen braucht, scheint bei Bildung Ihres Urteils, wenn überhaupt, so doch nicht gebübrend, beachtet worden zu sein. Darüber wäre nock vieles zu sagen. Doch gehört es nicht zum. Thema Ihres Brieses. - D. O. mm folgt.) Z»r Frie*e«sk»uferenz. «ine Petition »er Schweizer Judeuheit. Dir nachfolgende Petition der Schweizer Judenheft an die Friedenskonferenz wird jedem Juden und jcken Jüdin in der Schweiz mit vollendetem 18. Lebensjahr dieser Tage zu« Unterzeichnung vorgelegt: „Wir verlangen, daß ^m renz für Palästina solche. «äugen festsetzt, die dem jüdischen Volke das Recht und dir Gelegenheit geben, im geeinten und unteilbaren Palästina innerhalb der durch geschichtliche Ueberlieserung, durch politische und ökonomische Notwendigkeüen bedingten Grenzen eine nationale Heimstätte zu errichten." Geplanter verrat der Afiimilanten. Das Jüd. Korrenspondenzbüro Haag meldet: „Mprris Meier, der Direktor der „Jewish Times", der gegenwärtig in Paris verweilt, teilt seinem Matte mit, daß er von sicherer Quelle erfährt, daß die englischen und französischen Assimilanten unter Führung von Lncien Wolf und Jacques Bigart und anderen einen Angriff planen auf die nationalen Interessen der jüdischen Massen der ost-europäischen Länder. Wie er vernimmt, werden sie der Friedenskonferenz noch vor der Ankunft der jüdischen Delegierten aus Polen und der 8vki!ävi'malkskiu.Wei88dinll6i'Li'b6ii6N Philipp Trauner Texterstras.se 68. Telephon Körner S77S. '" «m Opernplatx Erstklassiges Familleu-Kaflüi* Tftglieh vom 4 Uhr ah. . Künstler - Kemert» Ukraine ein Memorandum übergebGn über die bürgerliche Gleichberechtigung der Inden in Ost-Europa und die nationale Gleichberechtigung fallen lassen. Josef R«rnach hat letztens erklärt, daß die nationalen Forderungen der polnischen Juden nicht anerkannt werden können, weil die polnische Jndenheit sich selbst über ihre Forderungen noch nicht llar ist. Da die Assimilanten aber wissen, daß die nationalen Forderungen gestellt werden, wollen sie den osteuropäischen Delegationen zuvorkommen." Der -Abgeordnete Josef Reinach, der Bruder Solomon Reinachs, hat wohl u. 6 eine Geschichte der Drehfnß» Affäre geschrieben, er hat aber als überzeugter Assimilant aus der Treyfuß-Affäre nicht dqs geringste gelernt. Jacques Bigart, der Geschäftsführer der Alliance Israelit« Universelle und als solcher die rechte Hand Solomon Reinachs» zeichnet sich wie dieser durch Mangel an Verständnis für die einfachsten jüdischen Fragen aus. Nehmen wir «ochr Lncien Woif ans London hinzu, so haben wir wohl bemer-4 kenswerte Persönlichkeiten des allgemeinen öffentlichen Se-\ bens vor uns, —-> im jüdischen Leben aber möchbvr wie gern ihre Namen missen, .denn da wa» ihr Dirüvi meist, nur ein zerstörendes. Holland. Sin Protest gegen »ie Züricher orthodoxe Asnfererez. Ter folgende Protest ist erlassen worden: Protest. Aus den 18. Februar ist von dem Hauptbüro der SAgudas Jisroel" nach Zürich eine internationale Kvncenz von orthodoxen Organisationen einberufeir worden; ren Zweck sein soll, die Gesamtinteressen des Juden» tums cm Geiste der Thauroh zu behandeln und rät «Namen des orthodoxen Judentums zu ft-VMllißcr» 4M» W, verteidigen. ■ Tie Unterzeichneten sprechen ihre scharfe Mißbillig ung darüber Äns. daß die erwähnte Organisation es für passend gehalten hat. ein solches Thema zu öffentlichen Besprechung aus die Tagesordnung-zu fteOeit; und dabei absichtlich unter Ausschluß von breö? tcn Gruppen, nur bestimmte Gliederungen des orthodoxen Judentums einzmaden. Die Unterzeichneten betonen, daß eine solch« Handlungsweise gegen die Forderungen der jüdischen Tradition verstößt, do«. wo über Probleme beratschlagt wird, welche das ganze jüdische Volk angehen und konstatieren rät voraus, daß — wenn dieses Unrecht nicht »och rechtzeittzr .wieder gutgemacht wird — diese Konferenz nichi «das Recht haben wird, namens'des crrtd»- doxen Judentums zn sprechen, zu beschließen oder zu handeln, oder auf irgendwelche Anerkennung Anspruch zu erheben. Rabbiner PH. Coppenhage», Dajan des Amsterdamer Rabbinats. Rabbiner A. Ascher, .Dajan. des Amsterdamer Rabbinats, Rabbc L. Dünner. Mors, Oberlehrer am Rabbiner- Seminar Amsterdam. Rabbi I. de Jongh, Mors, Herzogenbusch Rabbi I. B- Ricardo, Mors. Amsterdam. Rabbi Dr. I. Engel. More. Direktor der TachkemonisSule. Jaffa ' Rabbiner S. PH. De BrieS. Haarlem. A. Frank. Därschan, Amsterdam. Dr. H. Pinkhof. Amsterdam, Dr. I. Wolff. Haarlem-, Mitglieder des Permanenz-AusschusstS siir die Verwaltung der israelitischen Kirchengemeinfchaft i» . den Niederlanden. . L. -de Beer, Präsident des hoWndischeu Misrachi. E. Ascher, Ezn-,- misrachiftisches Mftglied des AundeA» Vorstands des Zionistenbundes in Holland. - Zionistische Nachrichte». Wie«. Freigabe der rioniftische» Geisel» in Pele». Ten von den Polen internierten zionistischen Geiseftr Tr. Reich. Tr. Bingel. Dr. Hansmann und Tannenblatt wurde vom polnischen Oberkommandi» hie Reise zur Londoner Zionistischen Inferenz b»-' wMgt. Sie sind bereits in Wien eingetroffen. Zur Londoner zionistischen Sbmfeceat- Heber die Londoner Konferenz meldet das Jüdische Korrespondenzbüro. Haag: Tie Mitglieder.des M.-C. nehmen ex-officio an de« Konferenz teil. Palästina wird durch David Tellrä». Agronom Wllkansky, Bürgermeister Dizengoff, Berlin und. Eisenberg vertreten sein» der Jüd. NationalfondS durch Nehemia de Liens; der Misrachi durch Rabbi Leib Eohen Fischmann, Gedaljah Bnblick, B. Levinthal^ A. Achinsky, I. Bluestone, Wolf Gold und Sol Silber; die Poale-Zion durch Ing. Kaplansky. Leon Chasaw»- witch, Shochat; die skandinavisch« Zionistenf»» derativn durch Wolf Finkelstein, Stockholm; die tfchecho-slovakische Republik - durch Leo Hermann» Hugo Bergmann, Leon Könner und Gustav Fützh; Pole» durch Podlichewski. Farbstein, Grünbanm. Lewite und PoSnanski; Frankreich durch Schapiro und H. ChevonewSky. Saloniki durch David Florenträ und OberravSiner Meir; die süd-slavifchen Länder durch