Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 17 (1919)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1919)
- Date
- 1919-02-21
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 8. :' Neue JMschr^M^e. Se ite 5 .: (J-P-Ä'i Die Poäle Zion haben einen Partenag i Warschau abgehockten. Derl Radikäksmusuhat/tzügeNÄmmeL. Die Konfereii^ sprach sich M Gvündun'gr niidMefrstigunj, der lärfreitcrrfite als Kamps-und Machtiinttel aus. In dem Bericht wurde mitgeteilt, daß während der« Okkupario.r IVO Parteimitglieder mit- 83 Monaten Gefängnis - bestraft wurden. Die Geldstrafen betrugen 10000 20 Arbeiter Heime wurden aufgelöst. Trotzdem habe die Partei in Polen 150 Organisationen mit 12 000 Parteimitgliedern und einem Budget von 100000 Die Konferenz sprach ihre Unabhängigkeit von der russischen Parteiörga»i,ätiou imü ihre Bereinigilng mit der wcstgalizische» ans. Aus der Misrachi-Beweguus. Perlt». Tie Tätigkeit »er MiSrnchi-Jugendgemeiuschaft. Die Tätigkeit der Msrachi-Jugendgemeinschaft gliedert sich, nach folgende» Gesichtspunkten: Allwöchentlich ein Vortragsabend, dem Aussprahc und ein geselliger Teil (Rezitationen und jüd. Volkslieder usw.i svlgrn. Diese Vorträge sowohl, wie die Freitag-Abe,de igemeinsames Lesen And Singen) vereinigen alle Mitglieder der Jngendgkinrinsclstist. > ' ' Unter Leitung von älteren Kameraden verbinden sich hirnppen vvir je 10—20 Mitglieder zu intensiver -Arbeit imf einem bestimmten Gebiete. ’ Durch Einrichtung von Werkstätten und Stelkenvernnttluna ist aus die Berufsumschichtung der Jugend hinzuwirlen, insbesondere Gelegenheit zur landwirtsclsaftlichcn Ausbildung zu schaffen. Wandernngen und Sport wollen die notwendige körperlickie Erziehung fördern., Das Heim, das demnächst bezogen wird, wird nicht nur den'Gruppen ihre Arbeitsstätte geben, sondern auch durch Einrichtung von Lesezimmer» und einer Bibliothek zum Mittelpunkt der Jugendgemeinschaft werden. Haaivur«. - «,» der Werbetätigkeit der MiSrnchigruPpr? Am 15. Dezember sprach Direktor Dr. Engel in rkiier sür ostjüdische Kreise bestimmten Versammlung und ge wann 60 Mitglieder. Ende Dezember sprach Dr. A Bar t h- Berlin .und Ende Januar Dr. H. Piek-Berlin. Beide Versammlungen brachten gleichfalls eine größere Zahl neuer Mtglicdcr. Pretzbur,. Grüudun, «i»er Ortsgruppe. Hier' ist eine „MiSrachi-Dereinigung gcsetzestreuer Zionisten in Preßburg" gegründet worden- Sie zählt bereits über 100, Mitglieder. . Der geschästsführende Vize - Präses ist Moses I. Müller, Kapuzinerstr. 3. Se»terg. Für de« Wiederaufda» »er Stzuagsße» »fw. Ter Äkisrachi und die Zionisten leiteten eine Mtion zum Wiederaufbau der während der Pogrome eiugeäschertm Synagogen und Lehrhäuser ein. Ämd»». SlLuzeude Entwickelung der LandeSorgauisation. Der Misrachi entwickelt sich in England glänzend.. Er zählt jetzt bereits 20000 Atitglicder. An seiner Spitze ' steht außer dem Oberrabbiner Hertz, der Rabbiner Dr.' Schön selb. Es ist mm im Vergleich mit den analogen Verhältnissen in der deutschen Orthodoxie eine überaus interessante Tatsache, daß Dr. Schönfeld, der Rabbiner der einzigen in England bestehenden staatlich anerkannten Austrittsgemeinde ist und trotzdem den Mut hat, sich öffentlich als Misrachist zu bekennen. , . Die, Zpht von 20,000- Arganisiertezr Misrachisten/ist um st imposanter»' wenn-.ma^.bedenkt,?dflß> ditz-Änsäch^ Le» senglischen Msrachi.Kigentlich-erst,vom Juli J918, datiere», ama s begründete.Dr^ Schönfetd einjspvchrisorisches^ Ko» mitce, welches.bis zu der ersten Misrachi-Konferenz am L8./29i Tezeniber alle.Arbeit leistete. Der voraussichtlich .in einiger Zeit von London aus zu entsendenden neueren größeren Palästina-Kommission wird eine entsprechende Anzahl von Äkjsrachisten angehören. Der englische Misrachi arbeitet im beste» Einvernehmen mit Dr. Weizmann und der englischen zionistischen Föderation. Ehrenvorsitzender des englischen Misrachi ist der altbekannte Misrachi-Führer S. I. Rabbinvwip aus Liverpool. Das Misrachi-Komitee hat beschlossen, eine hebräische Monatsschrift hermiszugeben. . . Jaffa «uSbreUuug »er Bewegung. In Judäa zählt der Misrachi heute 1000 Mitglieder. Selbst die ofsiziellen Äreife der,-Orthodoxie in Jerusalem sympathisieren heute mit dem Akisrachi. Jerusalem. StarkeAnsbreituug öeS MiSrnchi. Die Misrachi-Bewegung ist in Palästina zu neuem Leben erwacht. Der Misrachi-Bereimgung in Jerusalem haben sich bereits 600 Mitglieder angeschlossen. In Jaffa und Umgebung haben wir mehr am 1000 Mitglieder. In Heb r o n ist fast jeder jüdische Jüngling Misrachist. Attsrachi-Bereinignngen bestehen ferner in Liberias, Saked, Haifa, und in den Kolonien der Umgebung, sodaß die misrachistische Bewegung zu einer Macht geworden ist, auf die auch in Palästina Rücksicht genommen werden muß. Ter Dttsrachi hat in Jaffa ein besonderes Büro, das dem bekannten Schriftsteller R- Benjamin (Jehoschua Feldman») untersteht. Aus der „Agudas Jisroel"-Vewegu««. Basel. Die Generalversammlung der Ortsgruppe wählte den bisherigen Borstand — Rabb. Dr. Cohn (Ehrenpräsident), R- Schterenbuch (Präsident), Eh. Nordmann, M. Schwarz, I. Rokowsty. ,E. Herchrann und E. Botschko — wieder und Ildrien Blum neu. Zürich. Hinter verschloffenen Türe«. Der Zutritt zu der von der „Agudas Jisroel" einberufenen ,Meltto»ferenz der religioseir Verbände" ist nur gegen Eintrittskarten gestattet. Uebrigcns verdient die Tagung keineswegs den ihr gegebenen ' Titel. Die Zusammensetzung der Delegierten ist xine ziemlich willkürliche. Znnr Teil dürften sie ihr Mandar nur durch das hiesige Büro der Agudas Jisroel erhalten haben. Große Teile der orthodoxen Judenheit wissen überhaupt nichts von dieser Weltkonferenz. Eine Wahlbewegung hat es nirgends gegeben. Außerdem hat inan die Misrachi-Organisation ausgeschlossen. Haag. Aortzer»«» »er 8»sa»«enarieit mit »er zionistische» Organisation. , Die holländische Delegation, die an der Züricher Konfereiiz der Agudas Jisroel teilnimmt (Oberrabb. Bredenbürg, Amsterdam; Oberrabb. Justus Tal, Utrecht) verlangt, daß eine Zusammenarbeit mit anderen orthodoxen Organisationen nud mit Organisationen,.die auf nationaler Basis stehen, nicht abgeschlagen werden darf. Sollte die Züs Die Selbstbesteueriuig tfir den Jüd. Xatiönalfondg ist die Einkommensteuer des jüdisehen Volkes. richer Konferenz chim MrimiNU sein, daU eknewZusamrnen- «beit.mit OrganMrtionen--w>N,dev >ZVsrachi^nich^myge lichist. so wird me holläninsche TÄestoWn. «r dem wM teren Beratungen der Konferenz nicht, tzilnebgren. i — Es ging ferner folgendes Telegramm aus Hokla»§^' an die zionistische -Organisation-in London -und cm dia> Leitung der Agudas Jisroel in Zürich: - „Unterfertigte erachtendes als dringendste Roiwerrdigkeit für das jüdische Volk, daß alle Gruppen an dem Aufbau der jüdischen Gemeinschaft in Palästina Mitwirken können. Sie dreien Ihrer Organisation ihre Vermittlung, an zum Zusammentritt-einer Konferenz von Bevollmächtig» , len Jbrer Organisation und der Agudoh (resp. Zionisten), die den Modus formulieren können, wonach die organr- , sierte Orthodoxie an der zionistischen Palästinaarbeit Mitarbeiten kann. : Tie Basis erachten sie vorhanden in der Erklärung am ersten Zionistenkongreß über di? Verhältnisse zur jüdischen Tradition, Alle Mißverständnisie bezgs. dieser Erklärung können beseitigt werden. gez. Oberrabb. Justus Tal, Utrecht. Rabb. Äi. Asscher, Amsterdam. Pros. Tr. L. 'S. Ornstein. Oberrabbiner Tal, ist eine führende Persönlichkeit in der hoUändischen Orthodoxie, Rabbiner Mscher rst ein bekannter Misrachisührer» und Pros: Ornstein , ist BoMtzxn-' der. des Niederländischen Zionrstenbundes. Persoualie» «. kleine MUteilnngea. - Berlin. Die RZpräsentanten »erJüdrschen Gemeinde wählten Geh. Regierungsrat Dr. Minden zum Vorsitzenden und Gewerberat Emil Plotke uni» Professor Dr. S alomon Kalischer zu steUvertretenden Vorsitzenden-? In der gleichen Sitzung erhöhten sie die Traunngsgebsthren von 35 M auf 60 ->fe und für Auswärtige von 50 J£ tauf 100 tlfc — Geh- Kommerzienrat Philipp Frendenberg. Seniorches der Firma Hermann Gerson» ist im 86. Lebensjahre verschiede». , - Berlin. Bon den jüdische« Arbeiten des dieser Tage verstorbenen Geh. Regieruugsrates Pros. Dr. Ludwig Geiger seien hier erwähnt: seine lateimsche Miturierüen^ , arbeit „Urteile griechischer und römischer SchriststeNer über Inden und Judentum", .sein Buch „Geschichte der Juden in Berlin" (1871) und sein Werk ,Hie deutsche Literatur und die Juden" (1910).-1886—1832 gab er im Aufträge des Deutsch-Israelitischen' Gemeindebundes eine .Leitschrist sür die Geschichte der Juden in Deutschland"^ heraus. In feinen Aufsätzen beschäjtigtc er sich besonders gern mit Moses Mendelssohn und Leopold Zunz. aus ,deren Nachlaß er vielerlei verösfentlichte. Bon den Arbeiten des gleichfalls dieser Tage ver-, storbenen Rabbiners Dr. Joses Stier feiert erwähnt: „Sic Ehre in der Bihel"", „Die Ehre im Talmud", „Theismus und Naturforschung i» ihrem Verhältnis' zur Theologie" und „Priester und Propheten"". LöuigSberg t.Br. JnZwi SeliK Daugilaickq, der dieser Tage hier verstorben ist. hatte der Typus, des frommen, wahrhaften und charaktervollen Juden eine reine Ausprägung gefunden. Daugilaicky war ein Mann von lauterem Wesen, hohem Seelenadel und ungewötzWchyz, Herzensgaben. Seine inneren Vorzüge und trDlnHur Eigenschaften mußten ihirt alle, die ihn kennen lernten^ bald zu warmen Freunden werben. Bekannt war int Städtchen, wo er. bis vor kurzem lebte, seine Frömmigleit, Herzensgute und unablässiges, innerem Drange.enisprin- - gendes Streben nach Wahrheit und Erkenntnis; und darum waren alle im Städtchen stolz auf diesen ihren Mitbürger und bekundeten ihre Gefühle der Verehrung für ihn bei jeder Gelegenheit. Ein echter Jehudi, der aus den Ouellen nicht/fürchtet, iveil er so stark ist, — wen» er aber ein Feuer sieht, und .wenn es nur das kleinste^ Kartofselstnerchen ist, wie es die Kinder im Herbst auf dem Felde machen, dann zittert er am ganzen Körper vor Angst, läuft aus das Feuer zu und starrt hinein, bis das letzte Fünkchenerlöse» ist. Die Stiubcr fürchte» sich, wenn sie ihn > nur kommen sehen und laufen schreiend davon. Min'Dater fuhr 'einmal mit ihm auf der Chaussee, er hielt gleich an, als er ein lleines Äartvsfelfeuer sah, und ließ Pferd' und Wagen auf der S.traße stehe». Mein Vater band das Pferd an einen Baum und ging ihm nach, weil er wie.ein Betrunkener taumelte. Als das Feuers aus war, schauderte er, als ob kaltes Wasser über ihn. gegossen würde, und dann rief er wie geistesabwesend: „Es ist doch nur ein Jud." Akein Vater war ganz'erstaunt über .seinen Ausruf und sei» aschsarbenes Aussehen und — r- ——" „Und er hat rote Haar," sagte Rieke träumerisch vor sich hin. ' ,Mie? wieso wisse» Sie-das?" fragte Haunchen verwundert,. „er hat wirklich rote Haare, man heißt ihn den roten Kaspar, und die Kinder nennen ihn den roten Feucrkaspar." Rieke antwortete nicht. Und starrte vor sich hin. sEi,'sagen Sie doch, wie Sie erraten konnten, daß der Mann rote Haare hat. Sie kennen ihn doch gar nicht," ,fragte Hannchen nochmals .neugierig erregt. X sJch weiß njcht,"" antwortete Rieke wie geistesabwesend, „ich werde es ver Frau Lehrer sagen." Hannchen und Bettchen wurden ungeduldig/und redeten zu ' gleicher Zeit 'auf Rieke ein. ,Mas ist-doch -eine Dummheit,"" rief Bettchen. ,Mäs geht das die Frau Lehrer an?" - schrie Hannchen. »Mir dürfend doch unsere - Madam» nicht in alles kinweihen," -pwinte Bettchen. „Sie bezahlt doch keinen Lohn und nützt Sie zw allem aus, — verderben Sie uns doch die Herrschasten nicht noch mehr, sie sind s» schon schlimm geimg," drängte Hannchen. Rieke stand auf urid ging hinter dem Mehllasten in den Gang, wo das Triebwerk war, gedankenvoll auf und ab. ( „Die ist Hvirklich dumm," sagte Bettchen kopsschüttelnd, als Rieke sich entfernt hatte. „Dumm ist sie, glaube ich, nicht/" erwiderte Haunchen, „denn sie hat die Arbeit, solange ich trank war. beinah so gut gemacht wie ich, aber sie ist ein bißchen — Hannchen tippte niit dem Zeigefinger der Rechten gegen ihre Stirn, und Bettchen nickte verständnisvoll Beifall. Als Rieke nicht zurückkam und immer noch im Gange hinter dem Mehlkajten aus und abging; stand Hannchen auf, eilte ihr nach und ging neben ihr auf und ab. . Das große Umschlagetuch, dessen zwei Enden Hannche» um den Leib gebunden hatte, flatterte mit seinem langen, hernnterhängenden dritten Zipfel jedesmal in die Luft hinaus, wenn Hannchen ihre gesucht graziösen Wendungen machte. Das sah ja recht schön und kokett aus, hatte aber den beklagenswerten Erfolg, daß das Kammrad, als Hannchen an der erwähnten Stelle wieder einmal ihre kokette Drehung machte, den schwingenden Zipfel . erfaßte. Die Gefahr, daß Hannchen^in das Getriebe gerissen und zermalmt-wurde, wurde nur dadurch verhütet, daß Rieke sie in demselben Augenblick fest um den Hals faßte und ihr einen so heftigen Ruck nach vorwärts gab, daß das Tuch zerriß und nur der abgerissene Zipfel ins Getriebe deS Kammrades geriet. Der Schrei, den Hannchen im ersten Schrecken ausstieß, rief den Müller herbei, der zuerst nur schrie und. lärmte, daß die Mädchen in dery hintern Gang, nichts , zu. ,tun hätten, dan» >ber Riekes Geistesgegenwart und entschiedenes Zugreisen über alle Maßen lobte. Hannchen und Bettchen machten ihrer -Aufregung durch Tränen Luft, Rieke aber,saß so ruhig und in sich, versunken da wie immer. Ihre Gedanken waren noch! bei Hannchens Erzählung vom roten Feuerkaspar, und ihre eigene Tat schlug sie nicht groß und - Verdienste voll an. Rieke hatte die innere "Ruhe verloren, ihre Gedanken wälzten sich in ihr, die Erzählung vom roten F:üer» kaspar quälte sie bei Tag und Nacht. Es schwebte,ihr eine dunkle Erinnerung vor, daß Bauern aus, ihren Vater losschlugen, daß ein rothaariger besonders wlld mit einer Wagenrunge herumfuchtelte und schrie, und daß ihr Vater blutÄerströmt auf einem Bauernhöfe lag. Es kam ihr merkwürdig vor, daß dieser rothaarige, - Feuerkaspar «ine Hawdolöhbüchse besaß, genau' so wie eine in ihrem Elternhause war. Hing das zusammen? - War das ein, Zufall? An die Hawdolohbüchse Halts sie nie mehr gedacht! Erst als sie plötzlich vor ihr austauchte, hatte sie dieselbe wie unbewußt geöffnet, es hatte 'keine, bestimmte Erinnerung an den eigenartigen Verschluß.derselben in ihr gehafwt. Hing das auch mit ihrem Schicksal zusammen? War das ein Weg, der zum Nachweis der Unschuld ihres Vaters führen Lunte? Sie hatte ganz unwillkürlich zu Hannchen gesagt: „Ich werde es der Fra» Lehrer erzählen"; ihre Herrin^ die sie von der Landstreicherin erlöst und sie zu einem tätigen, nützlichen geordneten Leben erzogen hatte, »ahm die erste Stelle in ihrer Gedankenwelt ein» aber durfte'' sie jetzt mit unbestimmten, vielleicht haltlosen Vermutungen an ihre Herrin herantreten, jetzt wo die - Frmv ' Lehrer-noch mehr Dörgen hatte als gewöhnlich? - - --- (Fortsetzung folgt.)