Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 17 (1919)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1919)
- Date
- 1919-02-21
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2692297-2693126-2693134--10626-2705980- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
j&ette 4 - Neue-- Jüdische-Presse-^ . Är. 8. 4JUhp1«e mitTanz. sein etwa LOOköpfig^ Personal znr Verteilung! zu Sbnngen und zwar in Einzelstimmen von 150 bis 500 .4L 1t«gcrs« P»!Lftt»abewe8»»s »er »rthodoxe» Jude«. V.P.Z.) Der aus Grvßwvrdein ausgegangenen Zbewögüng einer orthodoxen ,Jischuw Erez Jisrvel"- ciguug Hecken sich alü großen orthodoxen Gemeinden vRabttner sowie die orthodoxe Landeskanzlei an ge« Kü^stn.-G^uwörüg werden Boöbereitungen gewacht zu »er -Kenefsioh Gcdcmloh der Jischuw Erez Jisroel, die Göoßwärdein abgeh alten werden soll. (Großwardein -die zweitgrößte jüdische Stadt Ungarns und oie Zrnrale der nwdernrn /jüdischen Bewegung.! Vordereitnngea für Palästina : Einige Palästina-Gesellschaften in Petrograd uni MöS- Mau haben sich zusämtnengetan, um in Palästina eine /tzchtze Reihe von Häuserbautcn vorzünehmen. Demnächst ^len im Aufträge dieser Gesellschaften etwa 50 Jngeninice > Techniker nach Palästina gehen, um die - geplanten AßBauten in Angriff zu nehmen. Lbr den sich zur Zeit in -afta befindenden Direktor der Gesellschaft „Habone", j- S~ G v ld berg, sind bereits entsprechende Weisungen kÄlbgpgangen. Pole». A»1ise«Uische Szene» in de» Artetterräte». ■jSSfa Wie *'; . In den Sitzungen des Arbeiterrates in Warschau „ imntt es zu andauernden antisemitischen Szenen, so- Abckld -sich die Vertreter der jüdischen Arbeiter zum Worte i'rneLen. Auf die Anschuldigung, daß die Regierung der DLlutigen Pogrombewegung tatenlos" gegenüber - stehe und Äbie Pogromleute, die Räuber und Mörder von Lemberg, ielce und'anderen Orten, unbestraft lasse, trat ein Beracter des „Polnischen Bundes-der professionellen Vereine'^ Dp einer scharfen Rede gegen die „Mische Frechheit" auf. sei unerhört, führte er aus. daß man wegen ein paar Mrmvrdcwr Juden so viel Aufhebens mache. Es sei ja W^kimntdaß die Juden auf das polnische Militär geschossen ^^nud die Judenin Lemberg polnische Saldatcn mit heißem ""tffer bloßen haben. Die jüdischen Vertreter unterbrachen antismnitische Rede wiederholt durch Protestzurufe. Zn der nächsten Sitzung verlas der Vorsitzende folgendrvt^t der Poale-Zion: - . ' &'lr- „Der Vertreter der polnischen professionelle» Vereine '*0at sich in seiner Rede in der vorigen Sitzung erlaubt, inerhörtev Beleidigungen nick Verleumdungen gegen das Mze jüdische Volk auszusprechen, ohne daß er seitens des , "sidiums hierin gestört worden wäre. Ms Vertreter Avantgarde des jüdischen Volkes, des Proletariats, tfüaen wir energisch gegen diese Handlungsweise des §Kräsidiums" Rach der Vorlesung erklärte der Vorsitzende, daß es fßn.' der Tat Äne Nachlässigkeit von Seiten des Präsidiums fen fei, den Redner nicht zur Ordnung gerufen zu Haben. tu viel schlimmeren Szenen kam es in der Sitzung ldes'Ärbeiterrates in Lodz. Ws der Vertreter der Poale- Afon, Holenderski, die Deklaration seiner Partei in Mäscher Sprache zu verlesen begann, entstand im, Saal hmn Proßer Lärm. Sämlliche polnische Arbeitervertreter «Mefen: „Polnisch sprechen! Fort mit der Mischen Sprache! t nach'Palästina! Nieder mit den Juden!" — Holen- '-dersll; machteden Iersuch,<-an die Vernunft und Gttechk- :itigkeit der Mebeitervertrüler-t'zU'l appellieren.« führte etaus, 104 Mische Vertreter "im Arbeiterrat' (5,2 > > Bundisten, 487Poale-Zio-nisten, 4 „Vereinigte"), schon allein ' dieser Mitzlieder wMen hätte er das Recht, sich seiner Volkssprache ^»bedienen. — Ein Sturin von beleidigenden Zurufen war die Antwort hierauf. Große Aufregung rief auch das Verhalten der Wahlprüfungsbommission hervor. Mit allen Mitteln wirb ber* sucht, möglichst viele Mische Mandate für ungültig zu erllären. ., Die Wnhle«? Tos ,Jüd. Korrespondenzbür» Zürich" berichtet: Nach be» neuesten Meldungen wurden in die polnische konstituierende Versammlung 1l Zionisten, 3 VvMsten und 1 Orthodoxer, im ganzen 15 Juden gewählt. Tr. Thon wurde dreimal gewählt. Ferner wurden gewählt: Dr. Brande, Farbstein,, Hartglas, Podlischewski, Dr. Rosenblatt, Halpern, Grünbaum, Prilutzki, Hirschhorn, Dr. Mar Roscnfeld, Dr. Weinzirher, Dr. I. Schipper" N. Schwalbe und der Orthodox, Rabbiner Perlmutter. . Tschecho-Slovattsche Republik. Klatt«. «y»»ast«steu, die jüdische Geschäfte plündern. Dir bolschewistische Bewegung greift auch auf die Studenten über. Studenten, die aus der russischen Gefangenschaft zurückgefthrt sind, agitieren unter der durch die Wohnungsnot und den Hunger erregten Studentenschaft für bolschewistische Ideen und finden einen empfänglichen Boden vor, Wie demoralisiert übrigens ein Teil der Mittelschuljugend ist, geht daraus hervor, daß ans dem hiesigen tschechischen Gymnasium 40 Schüler ausgeschlossen werden mußten, weil sie sich an den Plünderungen der jüdischen Geschäfte beteiligt hatten. * Ctae Regierungserklärung (J-PÄ) Minister Dr. Srob ar gab einer bei ihm Tn Vertretung der Juden in Neutra, Galgoez und Pistyan erschienenen Abordnung folgende Erklärung:; ,Die int flvvakislÄn Gebiete lebenden Juden würden gut daran tun, wenii sie in' den einzelnen siovakischen Städten jüdische National röte bilden und sich diesen anschließen würden, da die Juden, die bisher die Exponenten des Magyarentums waren, sich nur «ms Kosten ihrer - politischen Zuverlässigkeit als Slovaken erllären könnten. Als Magyaren kann ich sie nicht anerkennen, wenn sie sich jedoch zur jüdischen Nationalität bekennen, wie in Böhmen und Mähren, sind wir bereit, ihnen alle Minderheitsrechte sowohl auf kulturellem wie auf sprachlichem Gebiete einzuräumen." Ukraine. Pogrome in der Ukroiue. Das „Jüd. Korrespondenzbürv Zürich" berichtet: Es wird immer klarer, daß die jetzige ukrainische Regierung nicht die Macht besitzt, ihr neulich den Juden gegebenes, feierliches Versprechen, mit aller Kraft gegen die weitere Verbreitung von Pogromen mizukämpsen, auch wirklich durchzuführen. Nach den Meldungen der Kiewer „Neuen Zeit" breitet sich die Pogromwelle immer weiter aus. Schreckliche Pogrome fanden in Lemtschew, Pllstin, Bobrinskaja, Smila. Qlewsk, Tschernichow, Owrutsch, Parlvgrad, Jrkatrrinoslaw statt. Soldaten und Offiziere waren die Anstifter und tätigen Elemente bei, diesen Exzessen, hie an tierischer Roheit und Grausamkeit kaum hinter den polnischen Pogromen zurücksteheiL , Auch in Stryj (Galizien) sollen die Ukrainer mit Raub und Plünderung fürchterlich Hausen. Alle Proteste des Jüdischen Nationalrats bleiben wirkungslos. : . 7 =: Sie*. Güte Abordnung des Mischen NativnalratkS -7 MtDeutschösterreich^bestehend-,Ms Dr. Isidor Mar» gulies, Oberrabbiner Dr. Cchajes und Dr.^Jsidor , S ch a-l i t, begibl sich nach der.cSchweiz, um an der Konferenz von Vertretern aller-jüdischen Nalionalräle teilzunehmcn. . . Wie». Der Au 8 weis ungs erlaß des Staatsrates für Unterricht gegen die nichtdeutschen Studenten vion den Wiener Hochschulen, der allein 1200 jüdische Studenten betrossen hätte, ist durch Beschluß des Kakcknettsrates aufgehoben worden. Wie». Staatsrat Robert Stricker ist alS' Vertreter der nütronalMischen Partei in das neue Parlament gewählt worden. kzernowitz. Die Rumänen verüben bier wie -Tn anderen Städten der Bukowina dieselben Grausamteiten gegen die Juden, wie in dxn von ihnen besetzten Gebieten Siebenbürgens tmd des Banats. Ein Pogrom löst den andern au. \ Bern. Auf der Berner Sozialistenkonferenz beschuldigte^ Locker die polit'ischen Sozialde-mokraten, an . den Pogromen gegen die Inden-direkt teilgenommen zu haben. - Er verlangte ferner für das jüdische D o l volle nationale Autonomie- und Palästina.- ' Lugano. In Rom und in Florenz haben große öffentliche Kundgebungen, an denen hohe Regierungs-Beamte, Senatoren, Abgeordnete usw. teilnahmen, sich für ein jüdisches Palästina ausgesprochen.. Zionistische Nachrichte«. Wie». Dr. Mar Rosenfeld geftorde«. Dr. Max Rosenfeld, der poale-zionistischc Führer und hervorragende Theoretiker der volnischen Judeafrage, ist — kurz vor feiner Abreise nach der Schweiz zur Tagung der Jüdischen Nationalräte und zur Sozialistischen Konferenz — an der Grippe verschieden. Als Vorsteher per Jüdischen-Gemeinde Przemysl hatte er> während der Schreckenstage der Pogrome die Leitung, führte die Verhandlungen mit-den Polen und Ukrai- , nein und befehligte die Mische Miliz. Bei den letzten Wablen zum polnischen Landtag wurde er im Cholmer Kreise gewählt. Als letztes Vermächtnis besitzen pir von Rosenseld— einen Aufsatz „Soziale Steintafeln", den das soeben er-- scheinende Januarheft dev-Zeitschrift „Der Jude" bringt. In diesem Aufsatz erscheint nochmals gewissermaßen Ms Apotheose der hinreißende Idealismus dieses Mannes, Sem Judentum, Religion und Sozialismus eins wurden. Rosen-' selb zeigt dort die Notwendigkeit, das neue jüdische Gemeinwesen Palästinas auf den Grundlagen der altjüdischen sozialen Gesetze aufzubauen. Der Mische Geist konnte. - nur darum nicht die Welt erlöstu, weil die durch das .' Christentum verwässerte jüdische' Moral sich in Europa' mit römischem Recht vermählte. Wenn in Palästina Recht' und Moral wieder aus dem einen Mischen Geist geboren sein werden, wird die Erlösung der Menschheit durch den Sozialismus von hier aus gehen können. Denn gerade well nicht Religion „gewollt" wird, sondern soziale Gerechtigkeit, wird Religion und Sozialismus sich verwirllicheu. Amsterdam. Die Holländische Zionistische S iudentenorganisativ n hat ihr fünftes Jah'rb u ch herausgcbroicht. Das besonders geschmackvoll ausgestattete mit sehr feinen Federzeichnungen versehene Bändcheix enthält neben einem Kalender und einer Jahresübersicht eine Reihe von wertvollenTllerarischen Beiträgen informativen, und belletristischen -Charakters sowie sehr ' nützliches. statistisches Material. . Die Mitgift. Novelle von S. L n ß - Mannheim. (Fortsetzung.) Früher 'hatten sich diese Gesellschaften immer nach eben und Laune gebildet und fflbcr die Reihenfolge >"erft nach vielem Zank und Streit mit knapper Not Die Reichen hatten sich die ihnen gelegenste Zell asgesucht und die wirtschaftlich von ihnen Abhängigen Hotten sich rmr mit verhehltem Aerger gefügt. •’ Heute ist die Beschaffung des ungesäuerter: Osterltes eine einfach: Sache, welche unsere Bequemlichkeit in'stört. Mur bestellt beim Mazzebäcker telephonisch igäien mutmaßlichen Bedarf, und zur rechten Zeit kommen ^"".fpfündigen Rollen ins Haus, man hat nur die : zu lösen und. ist mit Mazzcs versehen. So bequem war es zu jener Zeit nicht für jdie glieder unserer Gemeinde. Schon zur Zeit der Müzen- Rernte wurde der Teil, welcher für .die Mazzes beMmmt k'J00£, besonders ausgewählt und behandelt. Er wurde Mus Tüchern in der Sonne ausgebreitet und sorgfältig Mor'- dem Beregnen und jeder Berührung mit Wasier be- Aütct -und in Säcken an trockenen Orten aufbewahrt. fS&n/'SRBnai Schwat wurde eine Mühle aus vierzehn Tage LMmietet, Lie Mühlsteine und der ganze Mühlgang vom l/Mxn^vgendiener sorgfältig gekehrt, geputzt, gesäubert von j^tbem profanen Mehlstäubchen, und erstwenn der Lehrer (;uud'-7i>er Parties sich überzeugt hatten, daß der Mchlgang -ZgllenrÄiMösen Ansprüchengenügte, wurde der der Ge- Sehörige und ba§. Jahr über im Gemeindehause aufbewahrte, in ein Leinentuch genähte und versiegelte Mchlbeutel eingesetzt. Beim Mahlen des Weizens waren immer drei Frauen zur Aufsicht vorhanden, nämlich die Mahlende, ihre Vorgängerin und ihre Nachfolgerin. Diese drei bildeten denn auch beim Backen der Mazzes eine Gesellschaft -oder Kittoh und ,hatten sich mit allen ihnen zur Bersirgung stehenden Hilfskräften gegenseitig, zu tutterstützen. Jakob Lichtenstein hatte nun immer , alle durch seinen Egvismüs geärgert, hatte sich nicht nur die bequemste Zeit herausgesucht, sondern hatte auch die gewählte Zeit manchmal willkürlich geändert, well er als größter Steuerzahler Vorrechte zu genießen beanspruchte. Beim Mahlen wollte er nie nachts au die Reihe kommen, beim Backen wollte er der letzte sein, um zum Feste die frischesten Mazzes zu haben. -Da wac Elchanan zum' Parnes geivählt worden, und damit war dem egoistischen Tyrannen Lichtenstein ein bürokratischer Tyrann als Gegner - entstanden, der allenwillkürlichen Ansprüchen des größten Steuerzahlers ein Ende machte. Elchanan gehörte selbst zu den Reichen und konnte es an Eigensinn und Starrköpfigkeit mll Lichtenstein aufnehmen; aber er hatte auch den^ Vorzug, daß er aus Stand und Vermögen, mrs fteundschastliche und verwandtschaftliche Beziehungen keine Rücksicht nahm, und daß er gegen alle Vorstellungen lauft war, wenn sie nicht feinen Begriffen von Gerechtigkeit entsprachen. Eine der ersten Amtshandlungen Elchanans war die Neuordnung des Mazzebackens. Es wurde bestimmt, daß die Gesellschaften durch das Los zusammengesetzt werden und nur in dieser Reihenfolge gemahlen und gebacken werden solle. _ Jakob Lichtenstein protestierte heute noch wiezum Anfänge gegen das Auslosen der'Kittaus und erheiterte damit jedes -Jahr alle, die er /früher:fo 'oft geärgert hatte.,. - . ,! - Beim Auslosen hatte. Lichtenstein bisher kein Glück gehabt, er hatte auch diesmal keines, er kam in hie zweite Kittoh, mußte als»-während der Nacht mahlen und früh backen. Das Mahlen bei Tage hätte für Frau Esther, wenn sie gerade mit näher befreundeten Frauen zusammen gekommen wäre, ein Dutzend angenehmer Plauderstündc^n geliefert, — aber bei Nacht schickte sie ihre Magd. Ein gleiches tat Täubchen, die Frau von Herz Lilienfeld, die in dieselbe Kittoh gelost war, — und diesmal konnte auch die dritte der zusammengelostew Gesellschaft, die Frau Lehrer, sich durch Ricke vertreten lassen. So hatte 'der launische Zufall wieder einmal Hauuchen, Bettchen und Rieke.zu einer gemeinschaftlichen Nachtwache zusammengeführt. Sie strickten und plauderten eifrig. Hannchen erzählte unter, anderm auch, daß ihr Herr die wunderbare Hawdolohbüchse, die er früher unbenutzt im Schranke stehen nick er erst seit Pincheus Hochzeit in Gebrauch genommen hatte, in der Nähe ihres Hellnatstzorfes durch Vermittlung ihres Vaters vorteilhaft erworben habe von einem Bauern, der nicht wußte, daß es eine Hawdowh-/ büchst sei. „Ein solches Meisterwerk," fügte sie hinzu, „gibt es in der ganzen Welt nicht noch einmal." . Hannchen nahm den Mund gern sehr voll, sie war von der Prahlsucht' ihres Herrn angesteckt worden.'. . „Meine Eltern hatten die-ganz gleiche)" warf Meke träumerisch ein. - T!-^ . . „So? wo sind Sie denn her? davon Haben Sie'ja noch Wo gesprochen," antwortete Hannchen lauernd^ und Bettcheti. lstß die Stricknadeln ruhen und spitzte die Ohren:. . .-■■-.I - .- - 1 /' Riekc gab keine Antwort. ' „Der Bauer, von dem mein Herr'sie kaufte," ^fuhr Hannchen fort, „ist ein merkwürdiger Mensch. Ä: ist grüß und stark /und ein /Kerl, der -sich vor Gott tmd der Welt