Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 17 (1919)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1919)
- Date
- 1919-02-21
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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m 6e8M5 R«ue,AüdiMK«si^ Nr . S, WWMe MWWSM 1« kSehilN' Vollendiuig : jetzt snt Vogelnidatpaas« 12. .'^PäefhMi Römer 4970. Trsmbahnlraien 15 nnd 19. -MKcgncr nub BeNmpfer der jungjüdischen Bewegung gewesen, — wahrlich, dann brauchten. sie sich iMDeule nicht wegen der Folgen der Trennung vvn MMrche und Staat zu sorgen. Wer sich zum jüdi- UMen. BoMum.bekennt, wird nicht aus der Gc- MAmünde austreten, um Steuern zu sparen, — im MGegentcil: er wird auch bedeutend erhöhte Lasten H^WAlig ans sich nehmen, wenn ihm ist die Erhaltung Mtzcr Judentums das Höchste seine? Lebens! K^/.'.Die jüdische Religion kann leider in der MMehrzcchl der jüdischen Gemeinden Deutschlands ^Aoch schon als Gewinn, Herren, die sich in den Jahr- Zehnten ihres kraftvollen beruflichen und öflenflichen USchafsens nie um etwas JWsches kümmerte.:, für «MizSat Horstandsamt zu überreden! Diese Herren sind j! Ds^mn gute Ä^rwaltuygsbeamten, doch ihnen bleibt l ^Her^Mangel an Interesse und Verständnis für das s ^Judentum. Wenn das .schon einen Gewinn bei> EPenwt, — um wie unendlich viel größer muß der i GAewinn von Menschen sein, deren Hertz) Seele ' Mmd Hand, deren Gemüt, Verstand und materielles ., li^önndit zum Jüdischen hinstreben? jj MF'.' Schwinden des Voltzbewußtseius hatte ^Mmch. das Schwinden der Religion zur Folge. ^Marum: Entweder die deutsche Judenheit bekennt ' Jam jüdischen Volkstum, oder sie wird trotz Hüter ihrer Religion durch die Trennung von ^Kche. und Staat'eine gewaltige, zur Vernichtung ^f^rendc Erschütterung erleiden! Mu Briefwechsel. An die. Schweizerische Landesorganisation . der Agudas JisroÄ, Zürich (Schweiz). p”: Wie wir annehmen, ist bereits von der zio.nisti- HMHhen Organisation in Kopenhagen die Nachricht V B’imxi Sie gelangt, daß sie uns beauftragt hat, die I c$ioeitcrctt verhandln»gen mit Ihrer Orga- § Wnisativn vvn nns ans zu'führen. Wir erfüllen die nns dadurch aufgZegte Pflicht, zn dem von __ «nd dem Kopenhagener Büro geführten Schrist- E ^vcchssl nun unsererseits Stelümg zn nehmen. Bevor wir auf den Inhalt der verschiedenen.Schreiben ^iMbst. eingehen, macht es uns eine ganz besondere Freude, fewr allem zwei Tatsachen zn konstatieren: Erstens, daß " 'Ende Kreise der Agudas Jisroel zu dem Entschluß imnten sind, mit der zionistischen Leitung in Der- ' " zn treten, zweitens, daß die zionistische Orgabcstrebt ist, einen Weg zur gemeinsamen -Mbeit :n, wie sie dies durch den uns gegebene» 'Auftrag WpA - In Ihrem ersten Schreiben haben Sie an die zionistische Leitung die Anfrage gerichtet, ob sie imstande Mzuch bereit sei, eine bindende Erklärung darüber abzu- Ipöt, daß alle in Palästina zn treffenden ösfentlichen ' richtungen auf dem Boden der Thora, ihrer schrift- , ai-mtb mündlichen Gesetze, geschaffen und geführt wer- ,. Das Kopenhagener Büro -hat statt einer Antwort ^WHgczng genommen auf die früher von der zionistischen MWitungabgegebene Erklärung, nach welcher die zionistische oanisativn nichts unternehmen werde, was gegen daS ügionsgefetz verstößt, hat aber im übrsgen die Erteflnng - erneuten Erklärung abgelehnt, so lange nicht von den der zionistischen Organisation organisierten ge ^streuen ioder von den orthodoxen Massen des Ostens «dahingehende Anfrage gestellt werde. y‘j' Es läge nun für nns nahe, unsererseits diese.An- 'anstnnehmen und sie an das Wtionstomitee zu rich- W«lN wir dies nicht tun, so geschieht dies darum, wir wom Mtionskomitee korrekterwxise nur folgende tüchrck erhalten können: ■',ߣfe. fmgen uns an, ob wir bereit und in der Lage fij- Mne Religiöse Garantie zn geben. Eine Antwort, wir .Ihnen erteilen, wäre aber nutzlos, denn wir sind je Mänokrotische Organisation nnd wnnen nicht.toifiett, ^-«Führer von heute auch die Führer von morgen sein .Zbetk-S» wir aber eine demokratische Organisation sind, Wcht-es.für'Sie einen unbedingt sicheren Weg, Ahr. Ziel m~~2~ «rercheu: Veranlassen Sie - möglichst zahlreiche Getzestreue -um Eintritt in die Zionistische Organisation «wd.mojorisieren Sie uns." Mt'.'-Die ainzige Instanz, die bindende Erklärungen Mmder 'Zionistischen Organisation abaebtn kann, ist der Mstopgreß. Uns« Ziel mutz also sein, Lus den Kongreß ^^^tU»ärjen4tzen Anzahl von Delegierten zn Wamchcu) die es nns ermöglicht, den Aufbau Laubes in dem Geiste zn beeinflussen, ^iKia^'wi'r. für den w a b r h oft jüdisch eit h'al » "ipl 'ffodgUi kann uns nicht das AktionÄomitoeverhelfen, hl aber richten wir an diejenigen:, der Agudas. Jisroel, Palästina ,nicht nur dem^ALischen Äolkesondern, .auch dem jüdischen .Geiste wiedergehören. soll, Hann helft uns durch Ei » tr^t t ist uu sereMe'ihe n." v- - v i Djxg wollen wir vorausschicken, damit Sie verstehen, wie unsere Stell»,tg zun)Fräge von religiösen Garantieen seitens der Zionistischen Organisation ist. , Was dre Frage der praktischen Zusammenarbeit betrifft, so stehen wir grundsätzlich auf dem Standpunkt, daß die zukünftige Verwaltung Palästinas, >vrnn es dem jüdischen Volke als Heimstätte gegeben wird, von einer t i n * Haiti ich eu Organisation beherrscht sein kann, die sich aus das gesamte jüdische Volk stützt, nicht aber von mehreren Organisationen, auch wenn diese Hand in Hand arbeiten. Daß dies unsere Auffassung ist, ergibt sich ja schon aus der Tatsache, daß wir uns innerhalb der zionistischen Organisation züsammengeschlosfen, und nicht neben dieselbe gestellt haben! Wir sind selbstverständlich auch unsererseits gern bereit,, alle Möglichkeiten zu prüfen, die sich für eine gemeinschaftliche Arbeit im heiligen Lande ergeben. Wir glauben aber, daß es nicht möglich ist, die ganze Fülle der hierbei sich ergebenden Fragen im Wege des Briefwechsels zu erledigen, und schlagen Ihnen daher hierdurch die Beratung "im Rahmen einer Kommission vor, für welche wir Sie bitten würden, drei Mitglieder zu ernennen, wie wir gleichzeitig auch die Zionistische Organisation bitten werden,, ihrerseits ebenfalls drei Mitglieder zn ernennen. Ueber Zeit und Ort tes Zusammentritts würde sich unschwer ei,« Verständigung erzielen lassen. Wir erwidern Ihre fteundschafüichen Grüße und zeichnen hochachtungsvoll Zionistische Föderation „Misrachi", Zentralbüro, gez. Herm. Struck. Berlin, 20. Januar 1919. * * * An die Zionistische Föderation „Misrachi", Berlin. Wir empfingen Ihr sehr geehrtes Schreiben vom 20. ds. ohne unsererseits auf die Stellungnahme des Misrachi einerseits, .der anderen gesetzestreuen Organisationen andererseits zum Zionismus vorläufig cingehe» zu wollen, nehmen wir von Ihrem gefl. Vorschlag, deninächst eine gemeinsame Besprechung zwischen je drei Herren der Zionistischen Organisation und unserer Organisation zu veranstalten, mit Vergnügen Kenntnis. Wir bemerken Ihnen jedoch -erg., daß demnächst hier in Zürich eine-Besprechung der unabhängig gen »jüdischen Organisationen, die auf gesetzestreuem Boden stehen, stattfinden wird. Anläßlich dieser Besprechung wird bei Behandlung des Palästinaproblems auch dieser zweifellos die Stellungnahme der Orthodoxie zum Zionismus eingehend erörtert werden und aus den dann zu fassenden Entschlüssen wird sich unsere definitive Stellungnahme zn Ihrem gefl. Vorschlag ergeben. Wir werden dann nicht verfehlen. Ihnen auf schnellstem Wege Kenntnis zu geben, von den hier gefaßten Entschlüssen nnd begrüßen Sie inzwischen in brüderlicher Gesinnung. Mit ausgezeichneter Hochachtung Zentralbüro der „Agudas Jisroel". gez. Jsaac Rham, Dr. Lewen stein. Aktuar. Zürich, 30. Januar 1919. ' * * * An die Schweizerische Landesorganisation der Agudas Jisroel, Zürich (Schweiz). Sehr geehrte Herren! Den Empfang Ihres' werten Schreibens vom 30. Januar bestätigend, geben wir unserer Genugtuung darüber Ausdruck, daß Sie unserem Vorschlags, eine gemeinsame Kommission zur Beratung über die Möglichkeit einer Zusammenarbeit einzusetzen, Ihre Zustimmung geben. Wir können aber nicht versthlen, unserem Befremden darüber Ausdruck zu geben, daß Sie es für richtig gefunden haben, bei einer „Weltkonferenz" der gefetzestreucn Verbände den Misrachi, der letzt bereits mehr als lOOGOO organisierte Anhänger umfaßt, unter dem deutlichen Hinweis darauf, das; er abhängig sei, ausznsch-al te n. Die Berantwortung für die sich aus diesem Vorgehen ergebenden Konsequenzen müssen wir voll und ganz Ihnen überlassen. Wir können unmöglich annehmen, daß die Konferenz in dieser Beziehung de» Standpunkt der Einbernfer testen wird, wenn anders sie wirklich den Anspruch erheben sollte, eine Vertretung der gesetzestreuen Juden zu sein. ' ' Mit brüderlichem Gruße ergebenst - * Zionistische Föderation „Misrachi.", Zentralbüro. gez. Herm. S t r u ck. Berlin, 8. Febr. 1919.! - I '! * Anmerkung der Redaktion: - Wie "zahlreiche Proteste, besonders aus dem Osten, beweist», Erregt es' bei einem großen Teil der gesetzestrpuen Judenheit das größte Beftemden, haß zu. der. Tagung der orthodoxen Judeiischaft in Zürich der Misrachi nicht zugezogen wird.. Die Begründung, die der Bxief der Ahvdah gibt, ist außerordentlich' bedanrrlich, da in einem Augenblick, wo die gesamte Judenheit und endlich auch die Orthodoxie, »ach Eimgke.it strebe» soll, ein neues'Moment der" Trenimng'hineinge^gen jpird^und' der' Misrachi «ftch hKmIG)Mm«KMGsgeschloKcn, ist, Heil., er' ang«bftch> eine äbhanMe'OMuufawnM. -<' *> Zugehörigkeit, des Misrachi zu Der zionistischen Weltorganisation hqt Mst nvch^..nie. gebindert, w« in der ganzen .Welt .bekannt ist, feinen vühoöoxen. Standpunkt stet, unabhängig, underfolgreich zn vertreten. Wie. die Dinge jetzt liegen, inuß es vollkommen ausgeschlossen erachtet werden, daß dis Züricher Tagung als wirkliche Vertretung der Gesamtorthodoxic angesehen werden kann. Es muß dem Urteil der jüdischen Oeffentlichkeit überlassen werden, ob cs möglich ist, oei einer „Weltkonferenz' der gesetzestreuen Organisationen den Misrachi, der heutzutage schon mindestens 100000 organisierte Anhänger umfaßt, auszuschalten. Von dem'Gerechtigüütssinn derjenigen Agudisten, die nicht eine.Trennung, sondern die so bitter »ottvendige Einigung der glaubenstreuen Judenheit erstreben, darf wohl erwartet werden, daß sie gegen die Ausschaltung des Misrachi auf der Konferenz selbst Protest erheben werden^ Die Erziehung -er Mdischeu JugeuV. Staatsrat Rd'b. Stricker, Mitglied des Vorstandes der Wiener Kultusgemeinde und eine der führenden Persönlichkeiten der national - jüdischen Bewegung in Oesterreich) hat unter dem Titel ,Mie können wir unsere Jugend ' jüdisch erhalten?" eine Broschüre veröfstntlicht. Seine Ausführungenhaben die spezifisch österreichischen Verhältnisse, das antisemitisch durchseuchte Oesterreich, zur Grundlage. In unserem Deutschland liegen die Dinge nicht so kraß, aber auch bei nns verdienen Strickers Ansflthrungen ernster Beachtung. Es sei daher aus der Broschüre nachfolgendes Wiebergegeben: „Ter Fiche muß sein Kind einer Schule überlassen, deren Geist in religiöser Hinsicht christlich, in nationaler Hinsicht deutsch, polnisch/tschechisch usw. ist. Tie' Sittengesetze werden in strenger Anlehnung an die . Kirche gelehrt. Das jüdische Kind muß es - immer und imme» - wieder anhören, daß christlich gleichbedeutend mit liebreich und tugendhaft, unchriMch gleichbedeutend mit haßerfüllt und schlecht ist. Der Stoff für Lehr- und Lesebücher ist überwiegend der .christlichen Rcligionslegende entnommen, und auch die Unterhaltungsschriften atme» diesen Geist. In der Schule ist das Kind'von christlichen Symbolen umgeben. Bei seinem Eintritt glänzt ihm das Kreuz entgegen, das Bild des von den tückischen Jude» „grausam hingemordeten Erlösers". Die ersten Worte, welche cs-zu hören bekommt, heißen „Vaterunser". Für b<Ö christliche Kind bedeutet das Leben in der Schule.eine harmonische' Fortsetzung und- Erweiterung des Familienlebens'; die Atmosphäre bleibt gleich. Das jüdische Kind aber, kommt in eine ganz fremde, also-feindliche Welt, den» fremd und feindlich sind fürs . Kind gleiche Begriffe. Dom ersten Moment an stößt das Kind,,welches doch alleS' nur mit dem „Zuhause" vergleichen kann, auf unbegreifliche Widersprüche und wird von quälenden Zweifeln befallen. Aus dem fremdreligiösen Jdceiikreis wird dann -bÄt jüdische Kind in einen frrmdnationalen hineingezwungest. Gestalten aus der deutschen, polnischen und rschechische« Geschichte werden ihm als Träger Nnd Muster aller Tugenden norgesnhrt- Ausschließlich Römerhelden, Germane,iführer und Kreuzritter sind die Männer, an deren Taten es sich erbauen und denen es nacheistrn soll. Nicht ein» einzige jüdische Gestalt als Vorbild. Und das Jüdische ist nicht nur als Vorbild ausgeschaltet, im Gegenteil, es' dient, wenn auch indirekt, als Sinnbild der ver-i ächtlichcn Schwäche und' Niedrigkeit. Schließlich muß . ja das Mische KAid auch erfahren, daß alle diese leuchtenden Helden ihren elenden jüdischen Zeitgenosse» den Beutel abgenvmmen und die Kehle abgeschnitten haben, daß es zu den heiligsten Pflichten dieser großen Männer gehörhe, die ketzerischen, wucherischen Juden zu ^ersäufen imd alff Scheiterh.ausen zu braten. ... . Niemand erzählt ihm. daß der Märthrermut des wehrlosen Wischen Opfers de« - Vergleich mit dem Mut seines stolzen, eisengepanzerten Henkers wohl aushält, daß hundert stahlstrotzende Röme» Jahre brauchten, um mit einem verhungerten nackten Jnhy».. fertig zu iverden. Nein, nicht so, nur in der Gegenüberstellung leuchtender Helden und winselnder Knechte sieht ' das jüdische Kind die Freniden und seine jüdischen Väter. Da'kann jeder Jugendbildner seine Frcnde daran haben! In der Anbetung alles Fremden und in der Geringschätzung des eigenen, fjleisches und Blutes soll der Eharäkt« des Judenkindes erstarken! Was das System noch übrig läßt, das. fällt der . Umgebung zum Opfer. Das Kind soll in unbekümmerte» . Harmlosigkeit und Frohsinn heranwachsen. Das: jüdische ' Kind jedoch wird in der Schule von Anbeginn und fortdauernd demütigenden Leiden preisgegeben. Es muß besonders gut veranlagt sein, wenn es nicht, mißtrauisch und stig oder dickfellig und verschlagen werden soll.' Man - braucht dabei nicht an antisemitische, ungerechte Lehrer zu denken, deren es übrigens wehr als genug gibt, auch nicht an stark verhetzte und verrohte Mitschüler. . In der ftemden, wenn auch gutartigsten Umgebung er- . geben sich für -as jüdische Kind qualvolle Situationen. Wehe dem Schüler, der „Samuell^ und dessen Baten „Israel" heißt! Er muß bei jeder Namensnennung.daS malitiöse Lächeln-es Lehrers und die Lachsalve der Klasss über sich ergehen lasten. ... > '■-■'V KalmntruMjB. :r: i«L: Btaisa kiiils. IDlUtlEFftGilE f)iFE|rtifll Mi AnfM*JMU>kt I Pin*. , Ajjftjurppiifct 7 Mr. #*■#•: »rptUaMlai» Attpuiktlajft*