Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 17 (1919)
- Issue
- Heft 7 (14.2.1919)
- Date
- 1919-02-14
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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1. l-.> m. __ SoUfeiyMM M. : Modernes Theater ▼•rflknmi: itota nmer and herrorrageader Filme ^Kerr Hosstaedt, er sei cm heißer deutscher Patriot, Älsabe den Krieg 1870 als Freiwilliger mctgemacht, ge- . höre zu den ältesten und aktivsten Mitgliedern des,,Cenx tralvereins", er Lekenne sich jedoch uneingeschränkt zur " Solidarität der jüdischen ,Jäjra>“ ~ <menm zu behandeln. Me Witzle« zur polnische« Natio««lversamml«»g. -X Os wurden jetzt die ersten Ergebnisse der Wahlen zur polnischen konstituierenden Nationalversammlung be- Lmnt. Hiernach sind bisher acht Juden, gewählt'worden, ~ die, sämtlich den zionistischen und nationalistischen Parteien angehörmi. Vertreter der Assimilation sind nicht -gewählt worden. '" Von den Kandidaten seien erwähnt: der Zionist Rab- "bii^r Dr. D sias Thon aus Krakau, der mit 12000 Wtwnnen gegen den früheren Mischen Abgeordneten Dr. Groß siegte, der nur 2000 Stimmen erhielt.' Ferner wurden gewählt: in Warschau der zionistische Führer .ÄochWaawalt Dr. Grünbaum sowie zwei Vertreter der BoMgruppe; in Lodz der Zionist Dr. Rosenblart. Me J«0e«frage auf der Sozialisteukouferenz lu Ber«. - X %tt ö. Februar sprach Locker, der Führer der - Avale Zion, unter großer Aufmerksamkeit des gesamten Langrrsses bei der Völkerbund-Debatte für einen Gerichtshof, der nationale Angelegenheiten behandeln soll und begründete dann, weiterhin die jüdischen Förderungen. "Rudolph Cohn aus Prag, ebenfalls ein Delegierter der Poäle-Zion, verlas dann einige Tage darauf .den gemeinsamen Antrag der Poäle Zion und der Armenier auf. Schaffung eines NationalitäteugerichtshpM- Ter Kongreß nahm im Rahmen feiner Völkerbund- ..resolution den Antrag Huhsmans an, wonach der Völkerbund den nationalen Minderheiten ein Minimum von Neckten garantieren müsse, wobei ausdrücklich hxr Antrag der 'Poale Zion als'Kommentar bezeichnet wurde und im ' Protokoll mit zu veröffentlichen ist .Die Mischen Palästinaforderungen werden von Locker in. einer späteren Sitzung behandelt werden. DeittscheS «eich. •teil«. 9M Ochulwese« »er jüdischen »««eintze. Die Jüdische Gemeinde verausgabte in ihrem letzten ' . Berichtsjahre 505030 Jfe für ihre Schulen. Die Knabeu- . Mittelschule wurde von 551, die Mädchenmittelschule von . 536 und die 19 Religionsschulen von 3631 Zöglingen; ^besucht. V W- Mißer diesen Schulen unterhält die Jüd. Gemeinde / «ine Lehrerbildungsanstalt, die im Sommersemester von 45,- im Wintersemester von 25 Seminaristen besucht wurde, - und eine Präparaudenanstalt. Ein Kursus zur Ausbildung . . von Aeligionslehrerinnen, der in der Mädchenschule in . der Kaiserstraße eingerichtet worden ist, zählte im Sommer- Halbjahr 9, im Winterhalbjahr 6 Teilnehmerinnen. Außer- / dem besteht ein Sonderkursus für schwerhörige Kinder, Ä-- Die Mitgift. Novelle von S. Lu lS»r1se»»«st) * < Vor einigen Jahren war ihm die Figur von einem ' Bauern auf einem entlegenen Torfe als altes Familien- «bstück angeboten worden, und da.er ein Freund von - Altertümern war und er den geforderten Preis sogar , nach dem reinen Silberwert sehr niedrig fand, hatte er sie gcllruft. Er hatte an den Augen, an der «Nase, an allen hervorragenden Ecken gedrückt, weil er vermutete, »ag die Figur sich öffnen ließ» aber alle Versuche waren vergeblich gewesen. Er hatte die Figur dann seinen Bekannten gezeigt, und man^war zuletzt auf die Vermutung ^gekommen, daß es eim^alte indische oder chinesische Gottheit von seltenem Werte sei. Daß es nun ein jüdi-, - scher . Zeremonialgebrauchsgegenstand war, enttäuschte ihn,' weil rr meinte, er habe den Kunstwert überschätzt, und . -andrerseits wunderte es ihn, wie der Bauer in einem Dorfe, wo keine Juden wohnten, zu einer Hawdolohbüchse - als Familienerbstück gekommen sein sollte. . Mn andern Morgen war Hannchen wieder soweit hergestellt, daß man Rieke entlassen konnte. Lichtrnstein -rief sie in den Laden, um sie das versprochene Geschenk Wühlen zu lassen. Er versuchte, sie nochmals zur Wechl '7/eines Kleides für sich zu bestimmen, da aber Meke darauf -.Hefiand, sie Molle schwarzes Tuch ffir einen MänneM ' anzng, legte Lichtenstein ihr solches vor. ,Mittnel Ellen willst Du denn?" . - .Mievrk Ellen? Soviiel man für einen Männeranzug Ztrttty:" ■■ Heue HLHisch« dor von zwei «chtllern besucht wurde. Der B»s«h kn Religionsschulen M seit einem Jahre kostenfrei, 'während früher em besonderer Antrag aus Befreiung von der Zahlung eines Schulgeldes gestellt werden mußte. Stuttgart. Segen »ie antisemMsche Hetze. Der „Staatsanzeiger" bringt folgenden Aufruf: In der letzten Zeit hat in der hiesigen Presse und in Flugblättern eine heftige Auseinandersetzung über die Judenfrage stattgefunden. Die Unterzeichneten find der Meinung, daß die schwere Gegenwart nicht dazu angetan ist, zwischen Bürgern desselben Staates Stteiiigkeiten über Rasse und Bekenntnisfragen auszntragen- Wir möchten deshalb unsere Stimme erheben und alle wohlmeinenden Mitbürger und Mitbürgerinnen aufrusen, solche Auseinandersetzungen zu unterlassen, den Weist der Versöhnlichkeit zu pflegeI und alle Kräfte dem Wiederaufbau des Vaterlandes zu widmen. Oberbürgermeister Lautenschlager, Ministerialrat Dr. v. Bälz, Dr. Karl Beck, Geh. Kommerzienrat Blezinger, Obering. Büggeln, Rechnungsrat Bürkert, Regierungsdirektor Dr. v. Falch, Stadttat Prof. Dr. Gastpar, Dekan Sauger (Ludwigsburg), Polizeibirektor Dr. Ludwig, Oberkirchenrat Prälat Mangold, Prof. Michel, Regierungsdirektor v. Nickel, Geh. Hofrat Dr. Bejel (Cannstatt) u. v. a. De«tfch-Oesterre1ch. . »ien. Zweierlei Motz. Trc .Wiener Morgenztg." schreibt: ,Dr. Ofner, der bisherigen Vertreter des Judenbezirkes, hat zn den Lemberger Pogromen geschwiegen. Weder in der provisorischen Nationalversammlung, noch in der breiten Oeffentlichkeit hat er gegen 'diese blutigen Ereignisse seine Stimme erhoben. Er wurde jüngst von jüdischen Wählern nach der Ursache dieser merkwürdigen Zurückhaltung gefragt. Der Interpellierte antwortete, er habe deshalb in dieser „gewiß höchst bedauerlichen Angelegenheit" jedes laute Wort vermieden, weil er besorgte, es könnten Durch solche Kundgebungen auch in Wien Pogrome herbeigeführt werden. Wir wollen zunächst diesen Einwand ernst nehmen," weil wir zeigen möchten, wie furchtbar rückständig und verderblich die Jdeengänge der' assimilatorischen Führer sind, mögen sie sich noch st „freiheitlich" und „demokratisch'' gebärden. „Ausbluten lasse».' Kein Aufsehen weichen! Nicht die Aufmerksamkeit ans sich lenken!" So denkt und lebt ein geduldetes SUavenvolk, ein eingeschmuggeltes Fremdvolk. Diese Methode des freiheitlichen demokratischen Dr. Ofner ist rückständigstes Ghetto, und sie wurde stets dann praktiziert, wenn die dem Volke entfremdete Mische Oberschichte, die weit vom Schutz war, sich nicht zu erkennen geben und mit ihrer schäbigen Wohltätigkeit von der jüdischen Gemeinschaft loskaustn wollte ... Darf man aber Ostiers Rechtfertigung überhaupt ernst nehmen? Hat er auch ' sonst darnach gefragt, ob seine öffentliche Tätigkeit dem Judentum schadet? Hat er nicht höchstpersönlich dazu beigetragen, daß Judenverfolgungen inszeniert wurden? Ms Dr. Ofner in Böhmen deutschnationale. Reden hielt und den völkischen Kampf gegen die „slawische Hochflut" den Juden predigte, gab es Judenverfolgungen in den »tschechischen Gebieten. Und als er jüngst die Ehereformdebatte verursachte, hat er nicht darnach gefragt, ob sein Gehaben nicht etwa den Juden schaden könnte. Von allen KanzÄn Tirols und Steiermarts wird jetzj das Volk aufgewiegell, weil „die Wiener Juden die Dogmen des Katholizismus erschüttern wollen". Da haben Dr. Ofner „allgemein menschliche Interessen" geleitet, und das Schicksal des Judentums war ihm Hekuba . . /' Sk: 7. .^l „ I . i ■■ ." .. .. .. IHf» Anläßlich der Parlamentswahlen.veranstaltete die jüdische Studentenschaft eine eindrucksvolle Versammlung. Ing. Buchbinder wies daraufhin, daß Dr. Offner, der bisherige Mische Bertteter des Bezirks, einer Korporation angehöre, die den Nattonaljuden die Genugtuung versage. Es verdiene ferner an den Pranger gestellt zn werden, daß die Assimilatibnsjuden gemeinsam mit den Antistmiten den Ausschluß aller Nichtdentschen von der Universität forderten, was fast ausschließlich Juden trifft. Friederike Ornstein sprach für die jüdischen Studentinnen und den „Bund der jüd. Frauen". Adolf Stand, der frühere ReichsratsabgeordMe, setzte sich hauptsächlich mit der dentsch-österceichischen Sozialdemokratie auseinander, deren Mitglied Reumann im Wiener Gemeinderat den Antrag stellte, die unglücklichen landesflüchtigen jüdischen Proletarier ans Wien auszuweisen. Stürmisch begrüßt, ergriff sodann der nationaljüdische Kandidat Ing. Robert Stricker das Wort. Er..beleuchtete u.. a. die provisorische Nationalversammlung der freien Republik DeutschOesterreich. Der unwichtigste Punkt war Gegenstand hefttger Kämpfe; — aber wenn es galt, die Juden zn benachteiligen, wie etwa bei Statucerung deö Staalsbürgerrrchtes und Festsetzung der Wahlbezirke, dann waren alle Herren ohne Unterschied der Gesinnung einig. Auch die beiden Mischen Vertreter haben geschwiegen. Muß der jüdische Wähler jeden Kandidaten unterwürfig wählen, nur weil er den Punkt ^Antisemitismus" nicht in seinem Programm hat? Das System, wie man bis nun dein Antisemitismus begegnete, muß gründlich geändert werden. Keine Abwehr, sondern Selbstwehr! Nur wenn man von Volk zu Volk sich ausemandersetzt, wird man einander verstehen lernen. Stud. Jakob Weiner, der Vorsitzende, sagte in seinem Schlußworte: Auch von der Technischen Hochschule und von der Tierärztlichen Hochschule hat inan die Jude» entfernt, und ob es für die deutsche Kultur gar so rühmlich ist, daß sie von der Hochschule für Bodenkultur die sechs Mischen Hörer wies, bleibe dahingestellt. Der Bestand unseres nationalen Gedankens hängt nicht von diesen Wahlen ab. Aber viele hundert Existenzen werden es büßen müssen, wenn es nicht gelingt, eine natioimljüdische Vertretung in der Konstituante zu sichern. ttttttv** Der Rabblner-Protefi «n» sei«» vorläufige« Folge». Der Aufruf * des Lehrerkollegiums des Rabbinersemiuars — Direktor Dr. Ludwig Blau, Dr. Julius Fischer, Dr. Michael GottmLnn, Dr. Simon Hevesi, Dr. 1 Max Klein, Dr. Ludwig Venetianer, Dr. Max Weiß, Armin Balogh, Dr.. Heinrich Bloch, Dr. Moritz Baresonyi und Wilhelm Hausbnmner — hatte bisher folgende Folgen: ' ‘ Das hiesige Zionistische Komitee erließ eine Erklärung, die ihn vom ungarischen wie vom jüdischen- Standpunkt als einen, schweren politischen Fehler^ind als Taktlosigkeit bezeichnet. * Die zionistisch gesinnten Hörer des Rabbinersemiuars, die in den oberen Klassen die Mehrzahl waren, sind aus der Anstalt^ ausgetreten. Eine Abordnung des 32er Hansregiments erschien in der Zionistischen Zentralkanzlei und erklärte, daß dessen jüdische Angehörige korporativ der Zionistischen Organisation beitreten. Idessing-lMele, Zeil 50 Uhr Tee mit Tanz. 3k. ti Vorsitz« - auS £ haben, einer v fügung sorgt I nische:j Wien i 2c lichen } zusamn man ji noch, r Hassen) sind a Gebänt tig s. - gehen, . w ach« t Uiynögl und si« führt t D H rad finden, .Hörden Inder, e* sich 59 'jüdi s diese a bürg d rasthenl Zeiten. I' rat ec der Ge . Bei di demokr« nach m und d« D, - D, Newyoi .1 D Frage ein Te Pnlästii verbllil ein P dernder land c Muster " . St haben j Nati« „Es gibt große und lleine Männer." „Soviel der Herr Lehrer braucht, für den ist er." ,Ha! ha! ha! Warum willst Du denn deni Herrn Lehrer einen Anzug schenken? Die Dummheit hast Du schon einmal gemacht und hast Deiner Herrin das Geld gegeben für Deine Nachtwache." , Meke wurde verlegen. Sie wollte doch nicht bekannt machen, daß sie ihrem Herrn einen Anzug weggenommen hatte. Da sie Lichtenstein -selbst an die Nachtwache für Hannchen erinnert hatte, fiel ihr auch die damals gebrauchte Antwort ein und die schien ihr auch heute passend. j,Meine Zeit gehört meinem Herrn und ' was ich verdiene auch." „Das war einmal so, zur Zeit der Sklaverei, aber heute . . . ." „Geben Sie mir imr das Tuch." „Meinetwegen,, hier hast Du Dein Tuch. — der Herr Lehrer ist nicht groß, da.reichen sünf Ellen." Lichtenstein wußte nicht, ob er lachen sollte über Riekes Dummheit' oder sich ärgern darüber, daß er mit seiner Freigebigkeit, für die er von Rieke Dank und von allen andern Bewunderung zn ernten gehofft hatte, so üble Erfahrung machte. Es sollt« aber noch schlimmer kommen, sein Lachen und sein Merger fmid in seiner Familie nicht den .erwarteten Widerhall. Zurückgekehrt ins Famckienzimmer, lachte er über die neue Dummhett, —. aber nur Hannchen, die gerade im Zimmer war, kicherte mit. Frau Lichtenstein sah ihren Man» nachdenklich an und sagte: „Mr scheint das gar nicht' lächerlich, ich habe das Mädchen jetzt eine Woche beobachtet und sehe in ihrem Verhalten nur eine rührende Dankbarkett gegen die Leute, die her ruhelosen Landstreicherin eine friedliche ' Heimat boten:" Lichtenstein ärgerte sich int Innern über diese eingvwickelte. ZürvWveifnng, setzt« sich 'an seinen^ Säsreibpickt, * riß ein Buch aus einem der Kästen und machte einen Eintrag in dasselbe. . . „Vater," fing Wölf an, „Du schreibst doch das Tuch, das Du Fräulein Meke gegeben, nicht in oas Maaßerbuch?" , - „Fräulein Rieke?" schrie Lichtenstein mehr als er sprach, „bist D»c meschugge? nennst Du die Magd Fräulein?" „Sie ist nickt unsere Magd, für mich ist sie ein fremdes Fräulein. „Du scheinst ja Respett vor der Magd zn haben, seitdem sie Dich vor aller Welt lächerlich gemacht hat." „Sie hat mich nicht lächerlich gemacht, das habe ich selbst getan und werde cnich hüten, es wieder zn-.tun." „Das will ich auch meinen," antwortete. Lichtenstein ingrimmig, „Du solltest mehr Stolz haben, als eine hergelaufene Magd zu küssen." ' - . Wolf blickte einen Augenblick verlegeü um sich. . „Vater," antwortete er dann mit fester Stimme, „wir kommen von der Sache ab, ich habe Dich gefragt, vb Du das Tuch ins Maaßerbuch schreibst?" . -I, ' ' „Seit wann ist es Sitte, daß der Vater dent Sohu Rechenschaft zu geben hat oder das Ei Mger ist als die Henne?" i . „Vater, ich mache Dir keine Borschriiten . und keine Vorwürfe, ab'ep ich sehe doch, haß Mu ins Maaßprbuch geschrieben hast, und ich weiß, daß Du nichts Unrechtes willst, — da darf ich doch ohne, alle Ämnaßung meine Meinung sagen." - Diese bescheidene Antwort besänftigte Lichten stein,, aber anstatt eine Antwort zn geben, stellte er die Gegenfrage: ,Marmn soll ich das Tuch. nicht,, inS Maaßerbuch schreiben?" .. ,^Du hast jetzt das. Äkaaß«, als« den zehnten 'Tell . pon Pinchens Mitgift, «» di« Armen zu verteilen.'. ..." 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