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Neue jüdische Presse · 1919-02-07 · Heft 6 (7.2.1919) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
17 (1919)
Issue
Heft 6 (7.2.1919)
Date
1919-02-07
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Eritr 4, Sifeat4- Mmg'IMMPresfe. Rr. 6. {•S&lferie Hermes Ecke Geetbeand Nene Mainzerstrasse. Werlte erstklassiger Meister. — Geöffnet Werktags 9—5, Sonntags lt—1 Uhr. Der Prager Jüdische Nationalrat hat in der Ange- \ Lgenheft interveniert. Dem mährischen Judentum obliegt diesen Schandfleck zu beseitigen.^' Prag. Aentzernngen »es PrSstdenten. - Präsident Masarh.k äußerte sich dem Vertreter des K»perda»«r" jgtSegmrf'r I- Landau, gegenüber' daß "' -ihm Zionismus und nationales Judentum aU inorcllisches -j,Regenerativnsproblem durchaus sympathisch seien. Jeder '■ix- -Jude stehe heute vr>5 der Frage: Zionismus oder Assi- 7- «Äation... IP? Die AnflSsnug »er g«t»«o«e« jüdischen Gewetvden. Wir haben bereits berichtet, daß durch einen Federstrich der jungen Tschecho-Swwakischen Republik die Autonomie . der jüdischen Gemeinde inNikolsburg vernichtet wurde. Wie nun bekannt wird, gcht die Regierung daran, in ganz Mähren die jüdischen Gemeinden aufzuheben 'nnd sie dein allgemeinen Verwaltungsapparat der Republik einzufügen. Diese Ältonomie der jüdischen Gemeinden bericht auf ' «rwmalten verbrieften Recht und hätte immerhin von Fi , -einem^Staat geschützt werden müssen, der seine eigene ' .-Existenz aus einem alten Staatsrecht herleitet. Die Ver- ' nÄtung -dieser Autonomie widerspricht aber auch allen e? ' -modernen Begriffen der Demokratie und dem Selbstbestim» --mupgsre«^ der Völker . . . - Ms ist aber für die , antisemitischen Instinkte der ... Tschecho-Slowakischen Republik sehr leicht, Argumente zu finden für.eine vollzogene Tatsache. Denn ihre erste Tat -War ja, daß sie sich gegen die Juden wandte und sie für ■’ alle Exzesse germanisatorischer Tendenz solidarisch hasty bar machte. Dabei mag nicht unerwähnt bleiben, daß . vost diesem Imperialismus auch Orte betroffen wurden, bie garnicht im tschecho-flowakischen Gebiete liegen, wie .z. SB. Mkolsburg und Schaff«, wo die Selbstverwaltung . mit dem ersten Austreten der tschechischen Okkupation außer Kraft gesetzt wurde. ffiiener Morgenztg. «alLMua. . »eine übereilte Einwanderung «ach Palästi«».? ,/Das. Kopeichag. Zwn. Büro erhält vom Londoner , Zion. Büro folgendes Telegramm:? . -i,' »Die zionistischen Organisationen müssen darauf aufwerstam gemacht werden, daß eine Einwanderung nach , Palästina nicht vorgenommen werden kann, bevor seitens .. des Londoner Büros eine entsprechende Benachrichtigung . chfolgt. Für Personen, welche vor solcher Benachrichtigung «Bmfcit, kenn eine Verantwortung nicht übernommen wer- . den. gez. Weizmann, Jacobson."? Hierzu schreibt das Kvpenhäg. Büro in seinen Bülleüns: ,/Jn.Rr. W unserer Bulletins haben wir be-eits auf -die Gefahren hingewiesen, die eine ünorganisierte und M- DM m.: ' - N1 »JtfEmte Berliner Wäsbherei und Glanz-Plätterei i' -• ’ »uts Tel. 2002 ]| GotltUtStrSSSB II. Hansa Tal 2002 Spezialität: Kragen, Manschetten nnd Bernden. 99 VICTORIA11 übereilte Einwanderung für das gesamte Palästinawerk haben könnte. Das Telegramm der Herren Weizpiänn -und- Jacobson bestätigt seitens der London«: Organisationsleitung die Auffassung, daß die Einwanderung nach Palästina nur nach einheitlichem Plan erfolgen darf, der mit allen politischen Sicherungen und wirtschaftlichen Bedingungen und Rotwendigftiten rechnet, Diese systematische Einwanderung ist die unsren nationalen Zielen entsprechende. Für sie allein kann die Zionistische Organisation die. Verantwortung übernehmen." Kurze politische Nachrichten. Wie«. Der „Mittag" behauptet, der bekannteGroß, industrielle v. Gutmann, habe der antisemitischen christlich sozialen Partei 600000 Kr. für ihren Wahlfonds zur Verfügung gestellt. Kiew lÜkramei. Die Regierung wies drei Millionen Rubel für die Pvgromopfer in B erbi t schew und Schitomir an: Die Schuldigen werden bestraft, und es wird alle Vorsorge getroffen, daß sich in der Ukraine Pogrome nicht wiederholen. . - Land»« Bei den damaligen Parlamentswahlen wurden 11 Juden, sämtlich der Koalition angehörend, gewählt, darunter Major I.-D. Cohen, der im Krieg beide Beine verlor, und Alfred Mond. Die 11 Sn Kandidaten der Opposition, darunter der ehe- Minister Herbert Samuel, sielen durch. ' Zionistische Nachrichten, fietttn D«S Programm »et Hapoel Haiair Das erste Heft des Organs der Zionistischen Volkssozialistischen Partei Hapoel Hazair „Die. Arbeit" bringt folgenden Prvgrammentwurf: „Ausgehend vom Baseler Programm betrachtet die Zionistische - Bolksbozialistische Partei Hapoel Hazair den .Zionismus als eine Bewegung, die über dem Klasse»- Moment steht. - Der Hapoel Hazair ist der Ueberzeugung, daß an dem Endziel der zionistischen Bewegung, d. h. an der Wiederbelebung des jüdischen Volkes in. Palästina hauptsächlich die arbeitenden Schichten interessiert sind. Deshalb stützt sich die Partei in ihrer "realen Arbeit rund in ihrer Politik auf die nationalhistorischen Forderungen und tagtäglichen Aufgaben der jüdischen, arbeitenden Massen. In der Erkenntnis, daß die nationale, politische und ökonomische Befreiung jedes Einzelnen und der Allgemeinheit ebenso wie die Beteiligung des jüdischen Bockes am Fortschritt der Menschhett nur möglich ist, wenn Bedingungen für ein normales, nationales Leben geschaffen .werden, ftrebt die zionistische Bolkssozialistische Partei Hapoel Hazair danach» auf gesunden, sozialen Grundlagen ein selbständiges, politisches Zentrum in Palästina zu schaffen nnd davon ausgehend auf nativnalpvlitiscker, personaler Autonomie das jüd ische Volk in den Galuthländern zu organisieren. In ber'Erkenntnis, daß der Zionismus endgültig verwirklicht weihen kann, nur durch den Aufbau des iüdiscker. Volkslebens, auf den Grundlagen der so-ialen Ke. rechtioftit und der produktiven Arbeit e strebt der Ha"vel Hazair, angevaßsi den Forderungen des Sozialismus, die Nationalisierung, des Bodens, der Industrie und des'Handels in Palästina, sowie die Reprodukt'vierunq des jüdischen Lebens in Palästina nnd im Galnth." London Jkrael R"low. ein flüi-rer derZioniven Rußlands, Dr. Sckmaria Lev in und de Haas als Vertreter der Zionisten Amerikas sind hier eingetroffen, um an der Zionistischen Konferenz teilzunehmen. der Schwanen- JTpotheke frankfurta. jn. isjt von | dieser in bester friedensquaiität lieferbar. Hose Ui 2.-1 und Ui 3.-, ebenso dasflüssige€nthaarüngsmitiei,',Xaskers *■ ■£nthaarungs-Creme" flasche Ul Jt.—. Aas der AttsriVtzi-BeweMRS« Berlin. ' «tneraldersammlsug »er Ortsgruppe. Hermann Struck eröffnet« die zahlreich besuchte! Generalversammlung der Berliner Misrachigrüppe mit einer! kurzen Gedenkrede anläßlich des Todestages Dr- Tschleyoff's.! Sodann erstattete Dr. Hermann Pick einen kurzen Bericht über die Erfolge des Misrachi.in letzter Zeit- .Rechtsanwalt Dr. Barth berichtete über die für den MisrachiI und die Misrachi - Jugendgemeinschast aufgestellten Arbeits- I .plane, über das in Entstehung begriffene Heim, über Gründung einer 'Lesehalle / und über die Notwendigkeit der Abhaltung ständiger Vorträge und Lehrkurse. .Herr Harpuder vom misrachistischen Verein „Tiferet Zion"1 teilte darauf unter allgemeinem Beifall mit, daß eine Einigung zwischen Tiferet Zion, die alle Ostjuden Berlins! unter der Fahne des Misrachi sammeln wolle, und der Misrachiortsgrnppe stattgefunden habe zur gemeinsamen Arbeit.? In der anschließenden Diskussion sprachen MHb.! Dr. Fink, Rabb. Hübscher, Arthur Marcus, Dr. Rom, Schapirv., Kirschenbaum,, Lazarus Barth, Rechtsanwalt-Dr. Loeb, G. Reuß, Schragenheim und Jaller üher die Wege, die zur Verwirklichung des misrachistischen Programms zu gehen" sind. I Jeder Redner brächte wichtige Anregungen, die dem Vorstände für die weitere Bereinstätigkeit zur Beachtung anheim gegeben wurden. Darauf erfolgte die Neuwahl d e s G e s ann t vor -1 sta ndes. Gewählt wurden: Rechtsanwalt Dr, Abrahani: Loeb (Borsitzendcrs, Arthur Marcus, Lazarus. Barth, I. H. Wagner, Leiser Koppel, -I.: Boschwitz, I. Landau, Harpuder» Edmund Lewy, Groß, Richter, Zahnarzt Rudolf Stein, Kirschenbaum, Günther.Reuß und I. Ki.mmel. Zuschriften für die Misrachigrupve Berlin sind , bis auf weiteres an Rechtsanwalt Dr. Abraham Loeb, , Berlin C. 19, Beuthstr. Nv. 1 zli richten. Persovalieu u. kleine MMeilvugeu. Berlin. Arnold Zweig schreibt in der „Weltbühne" über Rosa Luxemburg: »Weniger sichtbar <üs Individuum, unvergeßlich? als Typus, steht die Gestalt Rosa Luxemburgs in diesen Tagen. Sie wirr» sie ist die jüdische Revolutio'närin.' des Ostens, die bis in jede Fiber antimilitaristische, der Gewalt feindliche, fchließlick, selbst der Gewalt verfallene, 'ein Leben lang kämpfende Trägerin der Idee. - Jüdinnen dieser Art. geweiht in ihrer Besessenheit,und ganz rein in ihre»! Wollen, haben den Zarismus gestürzt : sie haben die Raaaika des Kosaken verlacht, sie haben die Gewehre der Soldaten nicht zu sehen und die -Svlittep der von ihnen selbst bereiteten und ^^schleuderten Bombe nicht zu fürchten geruht; sie sind gerWeaus gegangen r wie der logische Gedanke, dem sie sich "verschrieben und?derj sie zu töten, aber nicht zu widerlegen vermochte ". - 9trttn. R-g'eriinqsvourn-ist-r mskred Br e s sa u er und die Merzte K a m i n e r u. R. Mühsam erhielten den Professvrtitel. — ~ - Dr- Alexander wurde nach Cöthen (Anhalt) als Rabbiner berufen. *;\A Landaeriöbtsrat Geh Juüizrat Leo Gold» seld beging den 60. Geburtstag. -.. > Dte SRttgtft.! Novelle von S. Lüß-Manrcheim. (Fortsetzung.) ’fi&j’.- ‘ "> »Wenn der Rabbiner nichts sagen will, dann.ist er reimte Herr Rothstein und kaute ruhig weiter. ‘ Der Parnes wurde bald entlassen, der Herr Rabbiner ihm bestätigt, daß die Entscheidung des Lehrers, H?-K^Kschbesgesetzc seien Religionsgesetz und müßten unbedingt werden, richtig war. Räch ber Entfernung des Parnes machte der Lehrer. ^WWitteilung von Meke und ihrem Verhältnis zum Flücht- .i.^t7^ ling.' Man kam überein, die Sache stillschweigend zu "^-^ .-^Dbergehen, selbst Rieft gegenüber, ehe nicht sichere Hand- ^Abeu zum Nachweis der Unschmd des Verurteilten sich AHrKeben hätten. MM-/iDie Hochzeitsgebräuche erledigten sich in der üblichen ^'e. Der Lehrer saß mit dem großen, in der Mitte und ^-KAÄÄte» Bogen weißen Papier und schrieb gewissenhaft ^^MiHochzeitsgeschenft und deren Geber entweder ans die ^Ate'chdcr dft linke Seite, je nachdem sie von seiten des " H"ügams oder der Braut stammten. Jakob Lichtenw Hatte die Genugtuung, daß auf seiten der Braut und der^ Wert der Geschenke die Gegenseite um - -»vierfache -und mehr Lbertrafen. Der Rabbiner K-Ä? .-^tchrschte dft Geschenkplatten aus, auf denen die Braut hem Bräutigam ein selbstgesticktes Hemd, als Symbol ,*? LeK Gürtels ein weißes Seidenband und einen gestickftn ^.YrMammetbeutel. für dft.:Gebetriemen und der BMUtigam tzY-:vG«ft)Praut ebenfalls einen Gürtel aus. weißem Seiden- ' f MiK,7.giu Mar und ein Gebetbuch' in Luxusembaud überreichte. Es wurde die Mahn abgehalten, bei der die Anwesenden von einem mit Weizen gefüllten Teller Einige Körner entnahmen und sie auf das einzusegnende Paar streuftn. Jeder segnete das Paar, indem er ihnen leise mit den Worten der Bibel Kinderreichtum ^wünschte und in den Weizen nach Vermögen und gutem Herzen eine größere oder kleinere Münze steckft zum besten der' Armen' des heiligen Landes. Mit diesen Vorfeier» kam die Mittagszeit heran, das Mttagsgebet wurde verrichtet, und der Zug nach dex Synagoge wurde angetreten; erst die Männer, dann «die Frauen je zwei und zwei, der Bräutigam rechts und links geleitet bon den Vätern, die Braut von den Müt- .tern des Paares. Rachl der Trauung zog man wohlgemut zum Saale, in dem das Festmahl, gehalten werden sollte. Die Tische waren reich gedeckt, nur die Bestecke fthlten," die hätten die Geladenen mitgebracht und wickelten sie jetzt aus den Papieren heraus, um sie nach Beendigung des Mahles wieder -mit heimzunehmen. Dem Rabbiner wurden Fisch, Torten, Eingemachfts, schwarzer Kaffee in seinem Zimmer aufgeiischt, Herr" Rothstein aber-nahm' an der Hochzeitstafel den regsten Anteil. Er schaute nicht rechts und nicht links, er beellte sich, um nicht zu kurz zu kommen, denn dft Extrapost, dft den Rabbiner wftder noch der einige Stunden entftrnftn Eisenbahnstation bringensollft, würde vor Beendigung des Mahles abfahren. ' Herr Rothstein hörft nicht auf die ihn umschwirrende Unterhaltung und hatte deshalb keine Veranlassung igereimte Antworten zu geben. Wolf Lichtenstetn, der (seit dem Vormittag einen stillen Aerger gegen den reimgewandten Schnellgabbe und fliegenden Buchhändler hegte, wollte sich über H»> ein bißchen lustig machen. Wolfs Aerger war auch berechtigt. Er war in?der VorfteudetMs Famft lftnfeßes den ganzen Ä^x^n Mlchlausg^t g«Msen, .d seine Heiterftft zeigte sich immer zuerst in einem frßunblichen, liebevollen Wesen gegen oft -holde-'WÄMchWt.' So kniff er denn auch Meke Lls er mit ihr -sinenMWa» blick in der Küche allein war, in tzie Wange.; MäMen nahm solche Dreistigftit immer mit einem nichtsvLer vielsagenden Gekicher auf, Rftke aber schlug» x»hne(? ein Wort zu sagen, fest auf seine liebkosende Händ und wandte sich ab. Wolf hatte diese abweisende Kerbheft durchaus nicht übel genommen, sie halft ihm.im' ^gen.-- teil so gefallen, daß Meft ihm noch'schöner und begehrenswerter erschien als vorher. - „Rieft, Du gefällst mir," sagft er qsfen, „ich-Ml und mutz Dir einen-Kutz geben." " Mt diesen Dorten suchte er /sich ihr zu'üSffetn» aber Rftke, die sich, well sie gerade?einen Topf "mit:.BrMe in der Hand halft, nicht wehren konnft gegen? diWM dingliche Zärtlichkeit des jungen Mannes, schWWuh.: .^Venn Sie mich anrühren, -schütft' ich die Säuee?H,bex " Jir diesem Augenblick öffnete/Herr Rvkhstein 'äbft Wchcntür, und anstatt sich diskret zurückzüziehen>. itfec - laut: ,^ilfe! Hilfe! der Wolf will .ein Lamm -fressen," Einige Leuft, die im Hausflur standen, lachten' lautend jeder erzählte seinen Bekannten den 'guten??Gpa8-'weWj, so daß Doli im Laufe des? . Tageswiederholt tvegetr seines mißlungenen Angriffs?-genelkt :tporden war^ .'Ver- Äelt hatte man ihm.'seine Ä:eistigftit nicht, oenvAkhsi 'einer Magd.nahm man esnicht so genau. Wolf ärgerte sich nur, daß Herr/Rothsteinfeinen Mißerfolg so?.laut verkündet tzatft. Um ihn nun zu strafen, wollft er üem emsig:Kauenden?aüch einen. Hieb versetzen und fing plötzlich an-zu deklamieren: - v. , 7 ,? Wir haben «imn großen Reimer am 'Tisch: , »• ■. , . Wer?h«ut ist'er so stumm tvie ei« Fisch, . . . Er?hat vorÄuterEffen'.

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