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Neue jüdische Presse · 1919-01-31 · Heft 5 (31.1.1919) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
17 (1919)
Issue
Heft 5 (31.1.1919)
Date
1919-01-31
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Rr 5. Madia’s Künstler-Spiele IriMntruH (t. m M.» Hoi» S81*. IDnitliriSCbl DlPCktlon Lea Hanti. Aifiuis fiikt 7 Uhr. AhCuuc pnmkt 7 Uhr. Stets erstklassig» Attraktion» - PrograNinie. Hetzen das Interesse des Misrachi gewesen sei, ansgelassen fätie«. - Die Beschuldigung der „handgreiflichen Unwahrheit" »«zieht sich zunächst aus unseren Berichterstatter über den •sffefcr Delegiertentag der AgudaS Jisroel-Jngendorgaui- Htion, einen streng traditio,lstrsn gesinnten Akademiker. Itt natürlich feine selbständige Meinung wiedergab und sicht im entferntesten die Absicht hatte, Demagogie zu Httiben. Wenn er schrieb, daß der Dr. Breuersche Entwurf Äe Pälästinaarbeit nur deshalb fordere, um zu verhindern, »«ß „das geweihte Land der Thumoh verfiele'^, so war das eben seine Ansicht. Nicht nur unser Berichterstatter allein hat den Breuerschen Entwurf so aufgefaßt, daß er erst eine Allmählich zu erwartende völlig« Umgestaltung des Innenlebens unserer Jugend" fordert als Voraussetzung, Hamit sich „die jüdische Nation und das jüdische Land für ihre Wiedervereinigung - unter der Herrschaft Gottes und tirres Rechtes nach prophetischer Verheißung bereitsteln." Die Jugendgruppen sollen „die Sehnsucht nach dem Kiruw Schechinoh, nach der Wiedervereinigung von Gott, Nation und Land" erwecken; praktische Palästinaarbeit Men sie leisten, damit nicht „Israels Gott geweihtes Land »er Thumoh verfiele." Nicht viel besser als unserem Berichterstatter geht es uns selber wegen einiger Bemerkungen zu einer Rede des Aigudoführers Jacob Rosenheim. Der von Herrn Rosenheini gewünschte Bericht war uns nicht zugestellt worden, — so begnügten wir uns mit einigen kritischen Bemerkungen. Wir können die Aeußerungen auch im Zusammenhänge nicht anders verstehen, und wir hätten eine llare Erklärung, wie sie denn zu verstehen seien, für richtiger gehalten, als die uns an den Kopf geworfenen Injurien. 'Wir könnten sehr wohl zum Gegenstoß ausholen, doch wir lassen unser Schwert in der Scheide, denn uns ist der Frieden heilig. Wir unsererseits werden nie die Hand dazu bieten, baß Verschiedenheiten in geistigen Anschau» ungen, die doch wahrlich nichts mit den persönlichen Beziehungen zu tun haben, die doch wahrlich keine moralische Bewertung bedeuten, zu gegenseitigen Gehässigkeiten ausarten, — und so schweigen wir. Aus alter Welt. Deutsches Reich. Bern«. Die Fürsorge für die jüdische» Kriegsblinden. Das Problem der Fürsorge für die jüdischen Kriegs» blinttn wurde in einer Aussprache zwischen Vertretern der ,Lentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden" und Mitgliedern äuS dem Vorstand und der Verwaltung der Blindenanstalt für Deutschland" eingehend be» . Die Zahl der jüdischen Kriegsblinden ist nach bisherigen^ amtlichen Informationen geringe Für die hilfs» : bedürftigen Blinden aller Konfessionen stehen neben den vom Reichsausschuß für Kriegsbeschädigtenfürsorge ver» walteten Mitteln die reichen Mittel aus der allgemeinen Kriegsblindenstiftung zur Verfügung; ergänzend können die für.jüdische Kriegsblinde geschaffenen Stiftungen in einer Reihe v„ Geomeinden und insbesondere in Groß-Berlin Neue Jüdische Presse. K herangezogen werden. Da außerdem die Invalidenrente herangezogen werden kann, wird die Veranstaltung von Sondersammlungen für jüdische Kriegsblinde als völlig überflüssig erachtet. Hingegen erscheint zur Aufnahme von Kriegsblinden der weitere Ausbau der Jüdischen Blindenanstalt wünschenswert. Die anwesenden Vertreter des Vorstandes des Blindenheims erklärten sich bereit, sich der Fürsorge für die jüdischen Kriegsblinden zu widmen und ztvar in der Weise, daß fiir jeden einzelnen Blinden ein Pfleger bestellt wird, dessen Skufgabe es sein soll, neben der fürsorglichen und pflegerischen Behandlung des Blinden, auch dessen Familie zu beobachten, zü betreuen und für ihre genügende Versorgung einzutreten. Die Leitung der Blindenanstalt übernimmt es, aus ihre» Kreisen Pfleger zu gewinnen, während es die Aufgabe der Zentralwohlfahrtsstrlle sein wird, alle für die Durchführung der Pflegschaft erforderlichen vorbereitenden Maßnahmen zu tresfen, so insbesondere die gegemvärtigen Verhältnisse der bekannt gewordenen Kriegsblinden sorgfältig festzustellen. Aus diesem Grunde ist es wünschenswert, daß Mitteilungen über jüdische Kriegsblinde von de» einzelnen Gemeinden und Privatpersonen möglichst bald an die Zentralwohlfahrtsfiette Berlin W. 35, Steglitzerstr. 9 II gelangen Berlt« Der Jüdische Frauenbund und das Wahlrecht. Der Jüdische Frauenbund, Ortsgruppe Berlin hat in einer Eingabe an den Vorstand der Jüdischen Gemeinde das Ersuchen gestellt, die bevorstehenden Repräsentantenwahlen so wie alle zukünftigen Wahlen nach dem vom November 1918 ab für öffentliche Körperschaften gültigen neuen Wahlrecht stattsinden zu lassen. Danach würde den Frauen das aktive und passive Wahlrecht zustehen. Der Jüdische Frauenbund glaubt mit dieser Eingabe den Interessen und berechtigten Wünschen zahlreicher Gemeindemitglieder zu entsprechen. Die Eingabe beschäftigt sich ferner mit der stärkeren Hinzuziehung von Frauen als stimmberechtigten Mitgliedern zu den Arbeiten sämtlicher Koinmissionen der Jüdischen Gemeinde. Tie .Mitarbeit der Frauen auf allen Gebieten der Wohlfahrts- und Gesundheitspflege, des Bildungs- und Erziehungswesens und der Verwaltungsarbeiten ist nicht mehr zu entbehren, und viele jüdische Frauen' bringen nach langjähriger Mitarbeit in den interkonfessionellen Organisationen ivertvvlle Kenntnisse und Erfahrungen mit. Es ist zu hoffen, daß durch eine Berücksichtigung der Eingabe dem Geist der Zeit in entsprechender Weise Rechnung getragen wird. Jüdischer Frauenbund, Ortsgruppe Berlin. Pole». Warschau (I. P. Z.) Konferenz der „Tewnua". .Vom 7. bis 9. Januar fand hier die erste Konferenz der orthodoxen jüdischen Jugend in Polen statt. Vorsitzender war Rabbiner Najfeld aus Nowy Dwor. Die Beratungen waren geheim. (Die Organisationen „Tewusa", „Zeire-Jehuda" u. a. wurden in Polen auf Initiative der antizionistischen Organisation „Agudath-Haorthodoxim" gegründet. Allmählich übergingen sie jedoch zur Opposition und trennten sich zuletzt ganz von ihrer mütterlichen Organisation. Ihr Organ „Tewnna" bekämpft sehr scharf die Partei der „Agudath-Haorthodoxim". Anm. der „Gazeta Zydowska"). Polnische Jndenpolitik- Werde» die tonangebenden Politiker Polens allmählich zu der Einsicht gelangen, daß die seitherige polnische Judenpolitik sich in falschen Bahnen bewegt hat und einer Revision, eiirer gründlichen Reform bedarf? Werden dies namentlich die Herren vom polnischen Nationalkomitee in Paris tun, die nach ihrer ganze» Vergangenheit nur sehr schwer sich z» einer solche» Mkhr von ihren alten Ueberzeugxmgen bequemen können? W sind dies Fragen» auf die ein« bestimmte Antwort leide» nicht zu geben ist, weil die Symptome, die für eine derartige Entwicklung sprechen, ivenn man von strichen überhaupt reden darf» nur spärlich oder gar nicht vorhanden sind. Ein Fall mehr günstiger Art der letzten Zeit ist wert, veczeichner zu werden. Aus Warschau wird gemeldet, der neuernannte Ministerpräsident und langjährige polnische Politiker im Auslande Paderewski habe sich gegenüber jüdischen Korrespondenten englischer Blätter über die poinischen - jüdischen Beziehungen in einer hflfswilligen Weist ausgesprochen: er, der während seines jüngsten Anfent» Halts in Amerika viele Juden sich z» Freunden gewönne» hätte, .habe ihnen bei seiner Abreise versprochen, auf bist Besserung des polnisch-jüdischen Verhältnisses mit alle« Energie hinzuwirken. Diese Zusage wolle er jetzt einlösen. Als ihm hierauf die jüdischen Korrespondenten von den Leiden, den täglichen Ausplünderungen und Berau« bungen von Juden in Polen erzählten, habe der Ministerpräsident sein Erstaunen über diese Tatsachen und Vorgänge bekundet und die Bitte ausgesprochen, von eine» der jüdischen Parteien eine diesbezügliche Denkschrift z» erhalten. Er werde auf Abstellung der Mißstände bedacht sein; vor allem — er bekannte dies auch in. seinen Gesprächen mit dem zionistischen Führer und Mitglied des Provis. Jüd. National-Rat, H. Färb stein, — fei er bemüht, die polnisch-jüdischen Beziehungen friedlicher zu gestalten und eine beide Parteien zufriedenstellend» Verständigung herbeizuführen. Man braucht die Ehrlichkeit und den guten Wille» des Herrn Paderewski durchaus nicht anzuzweifeln, wenn man die Frage aufwirft, ob seine Ausfassungen von der Lage und den politischen Notwendigkeiten der Gegenwart Produkte jenes Erkenntnisses» von dem wir oben sprachen, sind, oder ob sie dem Hirn eines zwar gutmeinenden, jedoch in den alten Vorurteilen befangenen Politikers entspringen. Zweitens aber, wenn mau der Skepsis Ausbruch gibt, ob die oder der Führer des polnischen Nationalkomitees in Paris, die Seele der nationaldemokratischen Bestrebungen, mithin der auf Siedehitze gebrachten antisemitischen Bewegung: Roman Dmowskh, eine Sinneswandlung durchgemacht haben in der Richtung wachsender Bereitschaft, eine gerechte, versöhnliche,'dauernden Ausgleich anstrebende Judenpolitik anzubahnen. Wir warten auf die Taten deS Herrn PaderewsiR und warten auf die Aeußerungen der polnischen Vertreter auf der Friedenskonferenz. «»s der Risrachi-Bewes«A«. Frankfurt a. M. Die «ächfie» Aufgabe» des MiSrachi. In der Msrachi-Jugendgruppe sprach in der verganaenen Woche Ben Kohn über die nächsten Aufgaben des "Misrachi. Ausgehend von der Misrachildnferenz während des Delegiertentags entwickelte er die Aufgaben, die sich beim Aufbau des neuen Palästina für den MSmchr .ergeben werden. Insbesondere wies er die Notwendigkeit eines auf tra.ditionellerGrundlage fußenden Goethe -IfckfKee und Konditorei Die Mitgift. Novelle voir S. Luß-Mannheim. (Fortsetzung.) . „Machen Sie sich darüber keine Sorgen," sagte er kurz angebunden, „der Herr. Rabbiner wird schon der Konsequenz'halber keine-Ausnahme bei Ihnen machen und wird Höchstens eine Tasse schwarzen Kaffee ober ein Stück Fisch bei-Ihnen genießen, und wenn Sie noch so viele Gemeindesteuern zahlen. Uebrigens geht das, was Rieke getan oder nicht getan hat. Sie gar nichts an;, das verstehen Cunicht zu beurteilen, weil Ihnen die Gründe und Verhältnisse gar nicht bekannt sind." „Rur langsam, Herr Lehrer, ich meinte, was einer öffentlich tut ... '- „Machen Sie sich darüber keine Sorgen, das hat Rieke mit dem lieben Gott auszumachen, und der wird es ihr schon vergeben." „Haben Sie vom liebe» Herrgott oder von Ihrer Krau Vollmacht, Rieke so llirzerhand ihr Unrecht zu verzeihen?" fragte Lichtepstein schmunzelnd und mit seinem Witz sichtlich, sehr zufrieden. Ten Lehrer ärgerte diese immer wiederkehrende Anlung, aber er würdigte sie keiner Antwort. -„Wenn Rieke Ihnen nicht fromm genug ist," sagte «r mit leisem Spott, „so. nehmen Sie ruhig eine andere, wrr haben sie Ihnen ja nicht aufgedrängt." „Nur sacht^- lentte Lichtenstein ein, ,,ich muß sie..ja »ben. und ich laß' mir nichts schenkest;' ich will's ihr gut ihlen." ■■■ . ... ' Je mehr Lichtenstein durch Protzen zu verdecken suchte, daß er eigentlich gekommen war, um eine Gefälligkeit zu erbitten, desto ärgerlicher wurde der Lehrer. „Machen Sie daS, wie Sie wollen, Rieke tut, was meine Frau ^ihr sagt." „Rufen «io Rieke herein, ich will sie fragen." „Das ist iticht nötig, sie kommt; wenn meine Frau ihr sagen würde, sie. soll ins Wasser springen, so tut fie es auch" Das war Lichtenstein nicht recht, er wollte sogar dem armen Mädchen gegenüber protzen und bestand darauf, Rieke selber zu fragen, uin sich an der freudigen Ueberraschung zu weiden, die sein großzügiges Versprechen in ihr erzeugen würde. Bor dem Lehrer verdeckte er diesen Beweggrund, indem er.ineinte, man dürfe Rieke nicht wie eine Sklavin behandeln, die fiir jeden arbeiten müsse. Dadurch war der Lehrer gezwungen, nachzugrben. Rieke erschien. Lichtenstein nahm eine wichtige Haltung an, legte das linke Bein über das rechte, bog den linken Arm rechtwinllig und legte das Kinn in die rechte Hand, indem er den rechte» Ellbogen auf die linke Hand stützte. Da er fest überzeugt war, das Mädchen werde hochrot vor Freude werden, wenn er ihm für »einige Tage Aushilfe ein rceues Kleid verspreche, drückte er jedes Wort fett und gedehnt heraus. „Sagen Sie einmal, Rieke, würden Sie bei.mir einige Tage in Dienst treten, wenn ich Ihnen das.schönste Kleid verspreche, das ich im Laden habe?" „Nein." . Lichtenstein, der Riekes kurze Art nicht kannte, war verdutzt. — ' „SBic? Sie wollen nicht bei mir arbeiten?" ,/£> ja." „Warum sagen Sie dann: Rein?" -„Ich arbeite nicht für ein. Meid; ich gehe zu Ihnen, wen», die Frau Lehrer es will.": „Es ist doch aber kein Fehler, wenn ich Ihnen ei« Kleid, dafür gebe," cntgegncte Lichtenstein schon etwaK kleinlauter. „Nein." , „Sie wollen also ein Kleid?" „Nein." „Ja, was wollen Sie denn?" »Kenn Sie mir etwas geben wollen, dann will ich Zeug für einen Männeranzug/' Lichtenstein lachte dröhnend. »Was wollen Sie denn mit einem Männeranzug? fragte er, als er sich von seinem Lachen erholt jjatte, " Weke schaute verlegen unter sich und gab keine Antwort. „Tie ist verrückt, total verrückt," sagte Lichtenstein kopfschüttelnd und sah den Lehrer mitleidig an.' Ter Lehrer war bei Riekens überraschender Bitte erbleicht, er schloß aus ihrem seltsamen Verlangen, daß, ihn Vater sich noch in der Nähe versteckt hielt, und daß sie mit ihm in Verbindung stand. Das konnte zn einer wirkuchy» Gefahr werde». „ . ' - „Verrückt ist sie nicht," sagte er nach einigem llebevlegen zu Lichtenstein, dem er seine Gedanken nicht Mitteilen wollte, „aber, unvorsichtig ist sie." . »Mas liegt mir daran? Meinetwegen darf ,ie sich auch Buckskin zn einem Männeranzug nehmen, und ihn i»' Pfeffer und Salz legen," meinte Lichtenstein, „ich geb ch» noch Futter und Macherlohn dazu! Es kostet mich sovM» darf .es mich noch etwas mehr kosten, meine Mittel erlauben mir das." „Schwarzes Tuch will ich." bemerkte Rieke lene- Das'kam auch dem Lehrer verrückt vor. „Das verstehst Du nicht," erllärte er Rieke, „,chwarze» Tuch ist unpraktisch." „Ich wM einen schwarzen Mänmranzug. Wolf Lichtenstein trat ein nick schnitt damit alle weiteren Bemerkungen ab.

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