Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 17 (1919)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1919)
- Date
- 1919-01-10
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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n:: Sie nationalen Interessen der jüdischen! Bevölkerung Litauens. soweit es anging, mannhaft verteidigt zu habe», gibt seinen Lesern bekannt, Hatz es nunmehr eine ausgesprochen zionistische Mchtung einschlage. Wenn bas Blatt früher mehr den Meen des Galut-Nationalismus anhing, so wild es nun die Forderungen und Problinne der Zeit-Nvn jcein zionistischer Warte ans beurteilen; -dementsprechend z. B. für die Einführung des Hebräischen als der herrschenden Sprache innerhalb des Gebiets der jüdischen Autonomie in' Litauen eintreteir. Ter-Richtungswechsä der Zeitung ist Mt einem Red aktiv nswechscl verbunden; die Leituug-geht in die Hände von L. Joffe über. ‘ Holland. Haas Eine Resolution des Senats. Der Senat nahm mit 24 gegen 9 Stimmen folgende Resolution pn: ,Mer Senat spricht seinen Abscheu gegen die unmenschlichen Handlungen, die gegen jüdische Einwohner -in Galizien begangen wurden, aus." Hrotzbrttamtie«. Aahreskoniereuz der Anglo Jewisb Afsociattou. Auf der Jahreskonferenz der Anglo - Jewish - Association drückte Claud Mo ntefiv r e, der Präsident, in" seinem Jahresbericht seine Befriedigung' über das kom- .mende neue Europa und Asien aus. Die Juden hätten noch viele Schwierigkeiten zu überwinden. Da das kommende Mdische Gemeinwesen in Palästina nicht alle Juden umfassen werde, müsse noch viel Arbeit geleistet werden. Notwendig sei die Verbreitung von Bildung unter den Juden der Türkei und Marokkos. Was die auswärtige Politik anbetrcffe, so müsse, die Judenfrage öffentlich behandelt werden, die Rechte der Juden seien zu sichern. 'Der Frie-, ' - benskongreß müsse die polnische Judenfrage lösen. Montefiore gab dann seiner Zufriedenheit über die Befreiung Palästinas 'Ausdruck und befürwortete die Annahme der zionistischen Frage in bas. Programm -der Anglo - Jewish- Assvciation. Zum Schluß gab er seiner Verwunderung darüber Ausdruck, weshalb die Anglo - Jewish - Association unter ,f>en Juden Englands nicht populär sei. Gaster/kritisiert die Tätigkeit des Vorstandes und führte die Unpopularität auf die Mutzerachllassung der , jüdischen Volksmassen zurück. Er forderte, daß die it« : _ beiten in voller Oeffentlichkeit vor sich gehen. Der auf der Tagung anwesende Vizepräsident der amerikanischen Zionistenföberation Stephan Wise wurde warm begrüßt. Lsudo«. Der Kries osd die Jade». „Times" schreibt hinsichtlich der Tätigkeit der Kriegsgräberkounnission: ,Me Grabsteine sollen! ein Kreuz für die Christen, einen Davibstern für die Juden tragen. Dieses besondere - Zeichen für die jüdischen Gräber bedeutet die Anerkennung der Tatsache, daß die Juden eine Nation bilden, die - allerdings auf der Religion Lasiert ist. Wir Christen schulden viel dem Gefäß, durch.welches wir den Wein . des ewigen Lebens bekommen haben, und es ziemt sich, daß . diese Schuld anerkannt werden soll auf den Todes- . ädsnt, wo wir Unsere gemeinsame Menschlichkeit zum Ausdruck bringen. Das besondere Abzeichen ist ferner eine Anerkennung der Tatsache, welche leider nicht allgemein gewürdigt wird, daß nämlich' der Krieg für die Inden / eine pstl schlimmere Tragödie war als für andere Völker, V.- wenigstens solange, bis die letzten Kriegsstadien ihre Hoffnungen erfüllt haben, welche getragen sind durch die Seufzer von beincche zweitausend . Jahren des Exils die Hoffnung der Rückkehr ins gelobte Land. Wir haben , den Trost . unserer Rationalität gehabt, der.uns über manches hinweg Neue Jüdische Presse. half. Für die Juden.aber war. der Krieg ein Bürgerkrieg/ in welches.russische Juden gegen" östexreichische ' deutsche Juden Und diese gegeri'stranzösisihe^stnö englische Juden' gekämpft haben. Wollen wir uns dieser Dinge erinnern, wenn wir am Grabe der in diesem Kriege Gefallenen stehen." Amerika. New Aork. Eine 3 Millio»en-Dollar-Sammlm»g. Die Zivnisti sche Organisation inAmerika hat eine Aktion zur Sammlung von 3 Mllionen Dollar für den Wiederaufbau der jüd. Kolonien und Institutionen iu Palästina cingeleitet und hofft, den Betrag bis zum 1. Februar aufbringen zu können. Kurze politische Nachrichten. Zürich. tDrabtmellung der „I. P Z.") D>e neuge- - bildeten jüdischen Rativnalräte in Klausenburg, M. Sziget, Temcsvar ufw. wurden von der ungarischen Bvlksregierung offiziell anerkannt. — (J-P-Z-) Laut „Wiener Morgenztg." sind die von den Polen entführten jüdischen Geiseln (Dr. Hausmann, Dr. Reich, Dr. Ringel und Red. Tenenblatt) zusammen mit 15 ukrainischen Geiseln in der Nähe von Baranow interniert. Kopenhagen. Oberstleutnant Walde, Militärattache» bei der hiesigen englischen Botschaft, ist an der Spitze der -englischen Kommission zur Berichterstattung über die Pogrome in Polen, nach Polen abgereist. Kiew 'llkramel Gemäß Belchluß o« jüdischen Nationalversammlung unternimmt bas Jüd. Nationalsekretariat die zur Vorbereitung eines jüd. Weltkongresses nötigen Schritte. . London Usl.ilchk.in, Mitglied des Zionistischen Aktionskomitees begibt sich in besonderer Mission an Bord eines Kriegsschisfes nach Palästina. New Hork. Dr. I L MagneS ist aus der Leitung des American Jewish Comitee ausgetreten. — Tie jüd. Hilfskomitees in Amerika haben eine energische Propaganda eingeleitet, die zum Ziele hat, in einigen Wochen fünf Millionen Dollar für die jüd. KriegsopferOstenropas und Palästinas auszubringen. Per?o««»e» u. kleine Mitteilrmge». Berlin. Die Synagogengemeinde Adaß Jisroels, beschloß die Begründung einer Darlehens-und Unterstützungskasse zur Unterstützung von Gemeindemitgliedern, welche durch den Krieg oder die wirtschaftlichen Folgen desselben in Not geraten' sind. — Der bekannte Vortragskünstler Professor Marcel Salzer ist aus dem Judentum ausgetreten. — Dr. Leo Aron, der von der früheren Regierung wegen seiner sozialistischen Gesinnung trotz seines hervorragenden wissenschaftlichen Wissens von dem Lehrkörper der Universität ausgeschlossen wurde, erhielt den Professor-Titel. Oldenburg. Oberlandesgerichtsrat Emil Weinberg wurde zum Präsidenten des Landgerichts ernannt. Freiburs Dr. Lehmann Model, der hier für das Fortbestehen des gesetzestreuen Judentums wirkte, ist das Opfer seiner! idealen Pflichtausfassung als Arzt geworben. Nr. 2. WEMMWMM Körpers und seiner: pst.angegriffenen ■t im Gotteshaus morgens und abends , , zu verrichten. Ein Wohltäter „bezeßer" huldigte rr dem '"i Gebot: Opfert Opfer und vertrauet auf den Ewigen". Be-r ' sondere Anteilnahme bewies er dem .,Knabenwaisenhaüs'<- dem Mtenhaus, denen er viele sinnige und wertvolle Gescheute zukommen ließ, der „Kalkersttftung" und deM>j,Ber-/ cm zur Unterstützung dürftiger jüd. Familien", behjdenen -- er cm Vorstand tätig war. An der Bahre sprachen ihn; - Herm. Gumpertz, Jsr. Strauß und Dr. Plato'""" den Dank für fein Wirken aus. Sein Andenken wird bei allen, dN sein stilles, ruhiges, abgeklärtes Wesen näher ■=• gelaunt haben, unvergeßlich bleiben. SMen- Infolge Schließung der Theater in Rücksicht aus den Kohlenmangel sprach eine! Abordnung von Schauspielern im Rathaus vor. Der christlich, soziale Referent, antwortete, „die .Gemeinde werde nicht für - die zeitweilige Oeffnung der Theater eintreten, denn die Tirettoren der Theater seien Juden, ebenso die Antoren . nnb die Komponisten, Und wegen der reichen Jude», die ins Theater gehen, werde man gewiß nichts tun." Natürlich ist nur ein Bruchteil der Schauspieler Juden, — doch da im Wiener Rathaus vor lauter Politisiere» und Nichtstun.der Karren vollständig verfahren ist, so ergreift man stets das bequemste Mittel, alles auf Konto der Juden zu schieben. o . . . Zürich. Das bisher von Rabbiner Dr. Littmann u Dr. David Strauß geleitete „Israelit. Wochenblatt sur die Schweiz" ist auf D. W e i n b a u m als Redakteur übergegangen. , Lublin Ander neueröffneten polnischen U n idersität werden Juden nicht.ausgenommen. auch stam stines Gesundheit . icheu n Gel Fraurfurter Nerichle. Vedächtnis-Gottesdienst. Sonntag, den 12. Januar, }2 Uhr vormittags, . findet in der Gemeindesy nagoge Börueplatz ein * feierlicher Gottesdienst statt, der sowohl dem Ge- : dächtnis der für das Vaterland gefallenen Angehörigen der Israelitischen Gemeinde,' wie" auch den traurigen Ereignissen gewidmet sein soll,'die unsere Brüder im Osten während der schweren Kriegsjahre und ganjz .besonders in den letzten Wochen, betroffen haben.' Die Trauerrede hält Rabbiner Dr. Nobel. Da die Türen Pünktlich gech' schlossen werden, ist es ratsam, zeitig zn erscheinen- |, Es wird ferner nochmals auf die kostensteie Aufnahme tz der tapferen Toten in das Memor-(Gedenk-)buch der israe-M litischen Gemeinde aufmerksam gemacht. Um eine möglichst-;/ lückenlose Liste zu erreichen, werden Anmeldungen bis aus; ' weiteres noch bei Tr- A. Freimann, Langestraße 1, rüge-) nommen.*) „y Verein ehemaliger Schüler der Realschule der Jsr.? ReligionSgesellschaft 1917/18. y. In den Räumen des Vereins „Aiekor Chajstn" fand eine recht gemütliche „Nach-Chanukah-Feier" statt. Jüdische Rezitationen, abwechselnd mit musikalischen VorträgeU, um« rahmten das mit Geschick zur Ausführung gebrachte Körnersche Lustspiel. Tie Veranstaltung legte beredtes Zeugnis von der gegenseitigen Anhänglichkeit der ehemaligen Schulkameraden ab. Den Schluß der wohlgelüngenen! Feier, bildete, eine Versteigerung, deren Erlös teilweise den galt-' : zischen Pogromopfern zugebacht wurde. s Hamburg. Wir haben einen Mann begraben, der,ein eifriger Bekenner der göttlichen Gebote, stets für, in und mit Gott gelebt hat. Louis Cohn, einer alteingesessenen Hamburger Familie angehörend, hat seine Religionszugehörigkeit nicht bloß äußerlich zur Schau getragen, sondern „beficho uwilwowcho laatzaußo, wie mit dem Munde *) Eine größere Anzahl gewesener Kriegsteilnehmer wird Sonntag wegen etwaiger durch den Kriegsdienst unterlassene» religiösen Pflichten einen Fasttag ab halten. In •- der Börneplatz-Synagoge werden die hierbei üblichen Gsbete - eingeschaltet. ' . Min, Die Mitgift. , ' Novelle von S. Luß-Mannheim. (Fortsetzung.) Kännchen, Bettchen und Fanny beschlossen einmal auf ihrem sabbatnachmittäglichsn Spaziergang hintenherum durch das Synagogengäßchv» zu gehen, und als sie Ricke so still für sich basitzen sahen, mit ihrer Leseübung beschäftigt, fragte» sie: „Gehen Sie denn -nicht am Sabbatnachmittag spazieren?" „Nein," antwortete Rieke kürz, „ich sitz' spazieren," und las Wester. To hatten die drei wieder den ganzen Tag etwas zu sichern und die ganze. Woche etwas zn reden von der „dummen" Meke. Wie kann man nur etwas so Dummes sagen: „Ich sitz' spazieren// Außer Kännchen, Bettchen und Fanny beschäftigte sich aber noch jemand in - seinen Gedanken mit Rieke. Das war Hannchens junger Herr, der Herr Wolf Lichtensteiu, Sohn des reiche» Jab)b Lichtensteiu Wolf hatte ja auch schon viel von Riekes Dummheit gehört, er 'hatte aber auch' gesehen, daß Rieke ein recht 'schön, gewachsenes Mädchen war, uüd gegen'Mädchen war Wolf immer freundlich und herablassend, selbst gegen die eigene Magd Haunchen, wenst er allein mit - ihr war. ZVenn Rieke so dumm war, so konnte das für seine freundlichen Absichten nur nützlich sein, dachte Wolf und ging nach einmal an einem-Sabbatnachmittag, als alle nach Nottun auf die gewöhnliche Sabbatprvmenade - schleuderten, wie von ungefähr einmal uvch Süden und durch bas Synagogcngäßchen, um von da hinaus auf die einsamen Felder zu wandern. Zu seiner innerlichen Genugtuung sah er Rieke ganz allein auf der Steinbank vor dem Gemeindehause spazieren sitzen. „Gehen Sie nicht spazieren, Fräulein Rieke?" sragte Wolf im Gehen, als ob er nur Vorbeigehen wollte, blieb dann aber stehen und machte einige Schritte rückwärts, um die Antwort zu erwarten. Rieke war überrascht von dieser Anrede, sagte dann aber ruhig, auf bas Gebetbuch inihrer Hand zeigend: ,/Wenn ich bas alles einmal gut lesen kann." Ms sie dies Wort gesagt, wurde sie über und über rot. Das hätte sie nicht sagen sollen, dachte sie, ich brauche doch nicht jedem zu erzählen, daß ich erst von 'Aron das Lesen gelernt hübe. „Wir haben ja bald Jom Kippur, da können Sie den ganzen Tag darin lesen, kommen Sie nur, gehen Sie mit." „Mit Ihnen?" stagtc Meke und war so erschrocken, baß sie meinte, ihr Herz habe zu schlagen ausgehört. Diese Aufforderung des reichen — im Innern gestand sie sich auch schönen — jungen Mannes machte ihre Auge» glänzend vor Freude. .. „Warum nicht mit mir?" fragte Wolf verlegen, sein Schnnrrbgrtchen streichend, „sche ich gefährlich aus? fürchten Sic sich vür mir?" „Vor Ihnen fürchten?" ftagte Rieke immer noch mit glättenden Augen, „ueiih, ich fürchte mich nur vor Bmicrn/' Wolf lachte er dachte daran,- daß auch Hannchen einmal dies» Antwort erholten, und daß darüber alle, die sie gehört, gelächelt hatten. „Das ist recht) daß Sie sich nicht vor mir fürchten, und zn schämen brauchen Sie sich auch nicht, mit mir zu gehen, — ich bin doch ein «ganz , hübscher Bursch, nicht wahr?"; - Rieke sah verlegeck UiitLr sich. '' . , „Ach kommen Sie nur! Wen» Sie sich schämen, mit mir vor das Dor zn gehen, wo alle gehen, — so können ' wir ja gleich Hier hinten durch das Feld gehe»,.da sieht uns kein Niensch." Plötzlich erlosch der .Glanz in Riekes Aug'en, der / freudige Blick, der ihre ganze Seele an Wolfs Gesicht und Gestalt anzuknüpfeu wollen schien, wurde matt, die Seele krock, in sich selbst zurück. ' „Ich schäme mich nicht, mit Ihnen zu gehen, wo die andern gehlen, — Uber dahintenherum mit Ihnen allein zu gehen, schäme ich mich." Mit diese» Worten blickte sie wieder ihr Buch Und verfolgte die Zeilen so eifrig, als ob Wölf vom Erdboden verschwunden wäre; kein Blick wendete sich mehr auf ihn. Für Rieke war er nicht mehr vorhanden; sie -fühlte, daß sie von dem schönen Bursch nicht anders behandelt worben war, als. wie man ihr stüher schon manchmal auf der Landsttaße begegnet war. Sie. war nun seit einigen, Monaten im Hause des Lehrers gerade so behandelt worden wie alle andern der Familie, da hatte sie gelernt, sich als Mensch zn fühlen mit menschlicher Würbe und nicht als Abhängige, Untergebene, Minderwertige. Daß .auch Wolf. Lichtenstein .— sie hatte inzwischen ja! alle Menschen: und Verhältnisse der Gemeinde zu beurteilen gelernt, auch wenn ' sie mit ihnen nicht sprach — sie wie eine Gleichstehende : behandelt hatte, tote ifife zuerst glaubte, das hatte sie wie eine Wohltat empfunden, und deshalb hatte - sie den schönen reichen jungen Herrn mit dem Glanz des stolzen Glücks im Auge angsfehen, und dann hatte sein Vorschlag ihr bewiesen, daß er sich geschämt hatte, mit ihr zusammengesehdn zu werden. „Die .soll dumm.sein?" brunipste Wolf für sich, als; er innerlich beschämt bavonging, „dir ist mir viel tzu klug!" , Als er einige Mnuten später daran dachte, was wohl . >sein Baker gesagt haben würbe, wenn er ihn Mt Riek) die: vor drei Aivuaten noch eine Lanbstreicherin!; war. Nr., j 'Wio Hinan.« ronJ, noch.sBes gesetztan schein di Wie und. Ha vom Un ichtlich nehmen darauf! eins . je! tattfintu zeiü) M Börnestr Die «i Ein« israel. Frage d In« Blütenle dieser % der Fraii die Ehr, uxtb ihr GeschRch Händen nehmen. 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