Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 17 (1919)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1919)
- Date
- 1919-01-10
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr 2.' Kaffee Ruhland 5 Kaisersfoasse Sk ' Kaise^strassö!58 Täglich erstklassige1 HT* UnterhattBBgumuBlk *3 > — öesangs -Einladen. t; . ' Sine bedeutsame Spende. rsTie jungst verstorbene Frau G iustina Artom und ihr^iBruder Car» Benaja Ä^tom spendeten 66060 Lire' zur Gründung eines jüdischen Zentralfonds, für Italien zur Unterstützung von Werken mif folgender Grundlage: 1. Israel bildet eine zusammengehörige Einheit; 2. die Thora soll immer Israel leiten; 3. die hebräische Sprache soll das Einigungsmittel für das jüdische Volk sein; 4. Palästina.soll wieder Israels Land werden. Tie Verwalter dieses Fonds sollen unter denjenigen Juden.gesucht werden, die diese Leitsätze anerkennen, der zionistischen Organisation angchören. die hebräische Sprache beherrschen und den Schabbos halten. Die ersten Verwalter sind: Rabbiner EliaSamnele A r t o m (Turin), Rabbiner Dante L a t t e s (Rom), Adv. A l f o n s v Pacifici (Genua). Sie Stellung des Agudoführers. In der Frankfurter Gruppe lielt Jacob Rosen« he im/der Führer der Agudas Jisroel-Organisation, eine Rede über „Agudas Jisroel und die ZeitproLleme". Seiner Rede entnehmen wir. daß. für die Agudas Jisroel Palästina einzig als religiöse Pflicht in Bedacht kommt. (Und nicht als Lösung der geistigen jüdischeit Not in der Diaspora. Diese Not infolge der Diaspora wird also nicht anerkannt. D. Redakt.) Ferner habe Agudas Jisroel die dogmatische Ausstellung nationalistischer Forderungen zü verwerfen und der tloratreuen Judenheit jedes Landes die Entscheidung über ihr Schicksal als' Volks- oder Religionsgemeinschaft zu überlassen. Sie fordere Ehrfurcht vor den nationalen Idealen der Völker; mit den der Ehrfurcht baren Elementen, die den jüdischen Namen kompromittieren, habe das historische Judentum keine Gemeinschaft. (Ehrfurcht vor den nationalen Idealen der.Völker, — diese Forderung rechtfertigt doch die radikalste Assimilation! D. Redakt.) Ter Misrächi verleihe dem religiös neutralen Zionismus durch seine fraktionelle Zugehörigkeit erst die Möglichkeit zu demonstrieren, es gebe ein jüdisches Volkstum. bas der. Gottestreue wie der Gottcslengnuug mit gleicher Neutralität gegeirüberstehe. (Was soll dann mit den. nichtthoratreue» Gliedern des jüdischen Voltes geschehen? D. Redakt.) Eine Welttonfevenz der Poale Zion. Das Jüdische Preßbüro Stockholm meldet, daß das Büro des jüdisch-sozialistischen Arbeiterverbandes Poale Zion in Stockholm auf telegravhischem Wege sämtliche Landesorganisationen zu einer Weltkonferenz des Verbandes eingeladen hat. Die Delegierten sollen sofort gewählt werden. Ort und Zeit der Konferenz wird bestimmt, sobald die internationale Lage dies erlaube» wird. Zur Kriedensfoufer-nr. Wilson über die rumänische Judenfrage. Der Verband der rumänischen Juden Newyorks richtete einen Avvell an Wilson, auf der Friedenskonferenz die jüdische Gleichberechtigung in Rumänien zu sichern. Wilson antwortete: Ich habe die Dringlichkeit der Frage, auf die Sie meine Aufmerksamkeit gelenkt haben, in Erwägung gezogen und ich iverdc mif der Friedenskonferenz sie ernstlich , behandeln. Die amerikanisch-jüdische Abordnung. Von der Exekutive des jüdischen Kongresses in Ncwvork erhielt das Jüdische Pressebüro in Stockholm folgendes Kabeltelegramm: Der jüdische Kongreß wurde Dienstag de» 17. Dezbr. vertagt. (Wie es scheint, ist eine zweite Tagung des .Kongresses beabsichtigt.) Dev Kongreß wählte auf seiner letzten Sitzung eine Friedensabordnung ans folgenden Persönlichkeiten: Richter Julian Mack (Präsident der zionistischen -Organisation 'Amerikas). StephenWise (Vizepräsident derselben Organisation). Harrh Cutler (Zionist). Jacob De Haas (Zionist). Iv se ph Bar o nd eß (Zionist). Lvuis Marshall (Vorsitzender des American Jewish Comittei, Rabbi Löwenthal (Vertreter der Orthodoxie), Dr. Nach um Shrkin (Pool-zio»ist). Morr i s W i » t sch e w s k h (Vertreter des antizionistischen Flügels der jüdischen Arbeiterschaft); Sekretär der Legation ist Bernard Richards (Zionist, Sekretär des ErekutivkomiteeS des. Kongresses). Aus aller Welt. »«Usch«» «eich. verliu Für den jüdische« Kongretz. Die erste vom Ausschuß zuv- Vorbereitung des jüd. Kongresses in Deutschland einberufene Propagandaversammlung, war von nahezu 2000 Personen besucht Nach um Goldmanir und Dr. Klee sprachen. Es wurde eine Entschließung angenommen, die die Einberufung eines Kongresses „aller Juden, die im Bewußtsein ihrer Zugehörigkeit zum jüd. Volk an der Entwicklung eines lebendigen Judentums Mitarbeiten wollen," fordert. Neue Jüdische Presse. r. Berlin. ' ■ Forderungen der jüdische« Handwerker. In einer vom Verein selbst. Handwerker jüd. Glaubens einberufenen Versammlung führte Herr Wolfs aus: Die jüd. Handwerker fordern eine- 'Neuordnung in der Berliner Jüdischen Gemeinde durch ein demokratisches Wahlrecht. Auch die Behandlung allgemein-jüdischer Fragen müßte eine sachlichere werden. Der jahrelange Kampf der jüdische» Handwerker um ihr Recht ans: Arbeit für die jüdische Gemeinde soll fortgesetzt werden. Der seit innf Jahren in. den Archiven schlummernde Entwurf einer Submissionsorbnung hätte schon längst frrtiggestellt sein müs>e-i. Tie Handwerker wollen endlich die ihnen gebührende Beachtung im jüdischen Gemeindeleben. Der Verein wird die Lehrlingsftage mehr als bisher in den Vordergrund seines Interesses stellen und die jüdischen Gehilfen in einer Organisation zusammenfassen, die unbeschadet ihrer Zugehörigkeit .zu den Gewerkschaften ihre Sonderinteressen vertreten kann. Der Verband wird vor allein die Indolenz in den Reihen der jüdischen Handwerker bekämpfen, denn von den 2000 jüdischen Handwerkern Berlins haben erst etwa 450 den Anschluß an die jüdische Berufsorganisation gefunden. Wenn der Verein erst alle jüdischen Handwerker Berlins umfaßt, so wird er die Gemeindebehörden nicht mehr -um Arbeit bitten müssen, sondern Arbeit fordern können. Deutsch-Oesterreich Wien. Eine jüdische Tageszeitung in deutscher Sprache. Mitte Januar beginnt die „Wiener Morgenzeitung", die erste jüdischpolitische Tageszeitung in deutscher Sprache, zu erscheinen. Ihr Programm lautet: „Getreu den Grundsätzen moderner Demokratie, erblicken wir allein in der Freiheit und Selbstbestimmung aller Rationen die Gewähr für den Frieden der Welt und die Versöhnung der Böller. Diese Freiheit und Selbstbestimmung auch für das jüdische Volk zu erringen und es im Kamps um die religiöse, bürgerliche und nationale Gleichberechtigung zn unterstützen, betrachten wir als eines unserer Ziele." Wien. Das Wahlprogramm der christNchsoziale« Partei. Im christlichsozialen Wahlprvgramm hcißt es: „Die auch im neuen Staate hervortretende Korruption und Herrschsucht jüdischer Kreise zwingt die christlichsoziale Partei, das deutschösterreichische Volk znm schärfsten Abwehr-, kampf aufzurufen. Als eigene Nation anerkannt, sollen die Juden ihr Selbstbestiminnngsrecht haben; die Herren des deutschen Volkes dürfen sie nicht sein." Hierzu bemerkt das Jüdische Pressebüro Wieir: „Diese Formulierung unterscheidet sich bereits wesentlich von den frühereil Erklärungen ‘ der christlichsozialen Parteileitung. Es ist ein unbestreitbares Verdienst der jüdischnationalen Aufllärungstätigkeit, daß selbst die extreinstcn Antisemiten beginnen, die Judenfrage als ein ernsthaftes politisches Problein sachlich zu diskutieren. Ällerdings haben sie immer noch nicht gelernt, auf demagogische Phrasen zu verzichten, sodaß es den Juden unmöglich gemacht ist, sich mit ihnen auf einer derartigen'Plattform, >vie der gegebenen, in Erörterungen einznlassen." Schweiz. Zürich. Agudas Jisroel und Zionistische Organisation. Das hiesige Zentralbüro der Agudas Jisroel erhielt auf ihr Schreiben an die Zionistische Organisation, deren Sitz. seit Ausbruch des Krieges Kopenhagen ist, folgende Antwort: „Auch wir würden es mit Freuden begrüßen, wenn eine Verständigung zwischen uns und Ihrer Organisation herbcigeführt und dadurch die Gefahr einer Zersplitterung der Palästina - Arbeit vermieden tverden könnte. Wenn Sie jedoch als Vorbedingung einer derartigen Verständigung die Abgabe einer Erklärung seitens der Zionistischen Organisation über ihre Stellung zn den Geboten der jüdischen Lehre verlangen, so müssen wir Sie daraus verweisen, daß unzweideutige und bindende Erklärungen in dieser Richtung seitens der Ziomstischen Organisation bereits auf dem ersten Zionistenkongreß und auch später wiederholt abgegeben worden sind, und daß kein Anlaß zu einer neuen Erklärung vorliegt. Weder innerhalb der Zionistischen Organisation — und diese umfaßt ja auch viele Tausende von gesetzestreuen Zionisten — noch bei den thoratrenen Massen des jüdischen Volkes im Osten sind Stimmen laut geworden, die die Abgabe einer solchen Erklärung von uns gefordert hätten. Daß aber Ihre Organisation, die diese Erklärung in diesem Augenblicke von uns fordert, „die großen Massen des thoratreuen Jehudim und damit die weitaus große Majorität des jüdischen Volkes" vertritt, können wir nicht anerkennen, da die thoratrenen Massen des jüdischen Volkes Ihnen niemals ein derartiges Mandat übertragen haben. Wenn immer, Sie uns jedoch konkrete Vorschläge bezüglich' der zukünftigen Arbeit in Palästina zn unterbreiten haben, werden diese jederzeit unsere größte Beachtung finden, gegebenenfalls sind wir auch immer gern bereit, in eine g e in e i n s a m c Beratung darüber mit Ihnen cinzutreten." Scala - Lichtspiele Schäferga«se 29. _ Schäfergasse 29. Uodernes Theater Vorführung stets neuer und hervorragender Filme. Leite 3 flrkodio’s Künstler-Spiele Kaiserstrasse 69. Tel.: Hansa 5516. ÜÜnstiBriSCflB Direktion Lea Ntanti. Anfang pu«kt 7 Uhr. ~ Anfans punkt 7 Uhr. Stets a stfc lässige Attraktion»-Programme. Davos. Heim für jüdische Lungenkranke. Die rührige schweizerisch: Judenheit hat sich wieder ein Ehrendenkmal errichtet: Ter ,/Hilfsverein für jüd. Lungenkranke in der Schweiz" hat für die Errichtung seines «anatoriums das .Hotel „Exzelsior" angekauft. Das Haus, 1912 gebaut, hat 42 erstklassig eingerichtete Fremdenzimmer und in einem Nebengebäude noch acht Zimmer. Es können 125 Patienten untergebracht werben. Der Kaufpreis beträgt 575 OCO Frcs. bei einer Anzahlung von 150 000 Frcs. Ter Betrieb wird im ütprif begonnen. Es hat sich hier jetzt auch eine jüdische Gemeinde gebildet, deren Vorstand Sally Guggcnheim-Allschwil, früher in Berlin, angehört. Pole«. Polnische Pretzfreiheit. Das Jüdische Preßbüro in Stockholm meldet:- Die in polnischer Sprache erscheinende Krakauer jüdische Tageszeitung „N o w Y D z i e n n i k", die sich im Kampfe gegen den polnischen Antisemitismus große Verdienste um die jüdische Sache gemacht hat, wird von den Polen in brutalster Weise verfolgt. Die Polen können diesem Blatt es nicht verzeihen, daß es ihnen in ihrer eigenen - Sprache mutig die Wahrheit sagt. In zahlreichen Orten wird der „Nowy Dziennik" den Lesern nicht zugestellt, weil die Stationsbeamten auf einen Wink von oben das Blatt verbrennen. . Das Lemberger „Jüdische Tageblatt" e» hielt den Befehl, sein gesamtes Material auch in lateinischer Schrift zu drucken. Dadurch ist das Blatt in die schwierigste Lage geraten, weil es. über wenig Raum verfügend, jetzt nicht in der Lage ist, ans die allerwichtigsten. Erscheinungen im jüdischen und allgemeinen Leben zu reagieren. i! ‘ Znv polnischen JuSenPolitik. Tie von Dr. Benno Karpeles herausgegebene Wiener Wochenschrift „T er Friede" bringt in ihrer 46. Nummer v. Js. neben übrigem reichen Material zwei Auf-' sätze über jüdische Themen: „Politischer Pogrom" uüd „Jüdische Probleme". Tie Darlegungen, aus Anlaß, des Lemberger Pogroms, von M. Waldmauu stammen-, kennzeichnen jene Jubenschlächterei großen Stils als eine letzten Endes rein politische» Motiven cntsprungei«. Tat, als Ausfluß polnischer Regierungskunst, ein Racheakt, mehr noch als eine Lehre, die man den ..aufsässigen" Juden für alle Zukunft erteilen wollte. Ter Verfasser des Aussatzes schließt mit der Feststellung: daß die gesamte polnische Gesellschaft, alle Parteien und das ganze Volk die Schuld tragen am Lemberger Judenpogrom, weil sich in den, großen historischen Moment, den Polen durchlebt, und der in der Aufrichtung des neuen polnischen Staates seinen machtvollsten Ausdruck findet, kein einziger, nüchtern denkender Pole seine Stimme zugunsten des Minderhcitcn-RcchtS im polnischen Staate erhoben hätte. Wie sich Daszhnskt de» Schutz der jüdische» Minvrilät ' vorstellt. Ans einer Wahlversammlung/ die am 21. Dezember' in Krakau stattfand, sagte Daszhnskt in seiner Kandidatenrede über die polnisch-jüdische Frage u. a. folgendes: Der Konflikt zwischen den Polen und Juden besteht darin, daß sich die Juden noch nicht, polmsiert -haben. Krakau war vor 500 Jahren eine ausschließlich deutsche Stadt. Wer die Deutschen haben wir schon längst verdaut, ihre Nachkommen sind ansqezeichnete Polen. Mit' den Juden ist es nicht so. Sie blieben in Svrache. Sitten und Tracht abgesondert. Deshalb darf man sich nicht wundern, daß die Nation und der Staat ihnen, so lange sie in einem so hohen Prozentsatz unsere Städte bewohnen, kein Vertrauen schenkt und ihnen keine organischen Funktionen anvertrauen will. Jüd. Pressebüro, Wien. Was die Polin mit de« zionistische» Geiseln bezwecke» wollen. Dem Jüdischen Preßbüro Wien wird geschrieben: Die vom polnischen Oberkommando Ostgalizien als Geiseln ausgehobcnen 4 zionistischen Führer wurden aus Lemberg nach Baranow im Bezirk Tarnvbrzeg deportiert, wo sie im Schlosse des Herrn Dolamski interniert bleiben. Ebendorthin wurden auch 17 ukrainische Geiseln aus Lemberg und Przunysl gebracht. Durch dieses Borgehen soll die vom Ouarticrmeisteramt des polnischen Oberkommandos für Ostgalizien völlig grundlos erhobene Beschuldigung wegen des von Ukrainern und Zionisten gemeinsam ausgearbciteten Handlungsvlanes gegen die Pole» vor der Außenwelt neuerdings demonstriert und aufrecht erhaltenwerden. Die von den Polen cingeleitete anti-indische Kampagne, die in schärfster Weise gegen das jüdisch-natwnalc Elementgerichtet ist. wird dadurch fortgesetzt, ‘um so den in der jüdischen Geschichte einzig dastehenden Pogrom in Lemberg zu rechtfertigen. Litauen. Wilna. Eine zionistische Tageszrttnng Tic jüdische Tageszeitung „Letzte Nais", ein Blatt, dem das Verdienst zukommt, während dreier Kriegsjahre