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Neue jüdische Presse · 1919-01-10 · Heft 2 (10.1.1919) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
17 (1919)
Issue
Heft 2 (10.1.1919)
Date
1919-01-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Redaktion und Expedition: Frankfurt a.M, Langestraße 7 Fernsprecher Amt Hansa 2903 Herausgeber: Saly Geis 17. Jahrgang. Freitag, den 9. Schwat 5679 (10. Januar 1919) Rr. 2.!mvmmnnmvvvvmvmfmi«nmvvvvnmvmvmmvnvmnnnvvnmK j Erscheint wöcheMch am Freitag..Äezugspreis pro Viertel« : : jabr: Zn Frankfurt a.M. Mk.lSü frei ins Haus. Lei der Post : : abonniert Mk. 1.80,frei ins Haus 4 pfg. pro Monat mehr. / Lei; | Zusendung durch Streifband für Deutschland unv österreich'ilngarn : - Mk.2.25,fur alle übrigen Länder Mk. 2.50. Einzelnummer 15pfg. j inimwniHimmHiumunimymiiiiuuuiiuiumniwwiwimuHiia [ Insertionspreis für die sechsgespaltene petitzeile 40 pfg., für; : die Reklamezeile Mk. 4.50. Lei Wiederholungen entsprechender : : Rabatt. / plah- und Datum«Vorschrift ohne Verbindlichkeit. / : : Annoncen-Ännahme bei der ^ped.und in a.Annoncen-Äureaus. i : Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a.M. unter Rr. 4864. : Zur Mische« Lage i« Ltta«e«. Täs politische Leben der l i t a u i s ch e n Judenheit tritt nach den umwälzenden Ereignissen, die den mehr als dreijährigen, auf dem Lande schwer lastenden Druck der durch das Kriegßgeschehen ge- / gebenen Verhältnisse mit jähem Ruck beseitigten, aus dem Instand der trägen Ruhe heraus ineruen neuen Entwicklungsabschnitt. Gewiß ist . ein rosiger Optimismus über die weitere Gestaltung der Lage f nicht am Platze — nehmen doch, die von Osten her drohenden Gefahren eine immer größere Ausdehnung und einen immer ernsteren Charakter an —; und verfehlt wäre es, schon heute eine Vorhersage für die Zukunft aufzustellen, -veil bei der Unsicherheit der Zustände das Für und Wider gar nicht gegeneinander abzuwägen sind.*) Wir unterlassen .. es daher im Augenblick, zumal am politischen c Himmel im Osten dunkle Wolken Heraufziehen und -- Geschehnisse von nicht vorauszusehender Größe und Bedeutung sich vorbereiten, die innere und äußere ' Lage der litauischen Judenheit in einem genauen . - Bilde festzuhalten und Möchten hier nur die letzten, /bedeutsamen Ereignisse im Leben der litauischen - Judenheit kurz vorführen: ' Zunächst, um mit der jüdischen Politik in «Litauen nach außen hin zu beginnen, so haben die ' Führer der litauischen Judenheit die drei Jahre 1 lang mit seltenem politischen Feingefühl und iit vollster Zielbewußtheit beobachtete Takük des zu- : rückhaltenden Abwartens aufgegeoen: sie haben sich ' .'zur aktive n Teilnahme an der Regierung des Landes entschlossen. Die litauische Regierung, froh -/ dieser Stärkung und Festigung ihrer Stellung, nahm hie ' mit großer Bereitwilligkeit auf. Es sitzen jetzt jüdische, und zwar nationaljüdische, Vertreter in.der.T a r y b a (Regierung). Dem Rechts- . - anwalt Sch. Rosenbaum, einen! der verständigsten jüdischen Führer in Litauen, ist der Unter- : stüatssekretärposten des Außenministeriums, Dr. Rächmilfto witsch die nämliche Stelle im Handelsministerium und Dr. Wigodski dasMinister- ) Portefeuille für jüdische Angelegenheiten I Wertragen worden. Man darf sich von dieser Beteiligung der Juden an der politischen Leitung des . Landes nicht wenig versprechen; Grundvoraussetzung hierbei ist und bleibt der normale Verlauf des KonsolidierungsprozesseI im Lande. v Wie an der Regierung, so. sind auch die Juden an der Zusammensetzung der neuen Stadtbehörden beteiligt; allerdings: es trägen diese Behörden vorwiegend einen provisorischen Charakter und der Anteil der Juden entspricht nicht immer ihrer ( BevölkerungsAahl. Auch stoßen, die Wahlen - zu. den " Stadträten Nach demokratischem Prinzip auf den - Widerstand der P o l e n. Ms z, B. in G ro d n o - auf A.- u.. S.-Rates die Stadtratswahl durchgeführt wurde,. und die jüdische Bevölkerung 18 Vertreter (auf je 2000 Einwohner °2 Mandate) gemäß ihrer Stärke von 19.000. Seelen zu bestimmen hatte)- die^Polen (bei 10000 Seelen) 10 / *) Doch eines läßt sich schon heute, feststellen: daß, die ,Stärnmg des jüdischen Lebens in politischer, kultureller ■" und — vorerst in geringerenrMaße -— in. wirtschaftlicher Hinsicht erfreulich fortschreitet Und: die Zukunftsaussichten Mr die Juden - Litauens in-dieserRichtung>vieloersßrechend und ermutiMnd sind. i Mandate und die Russen 4 Mandate erhielten — begehrten die Polen stürmisch auf. Und die Begründung? Der Pole fragt nicht nach Begründungen und Motivierungen; sein schrankenloser Wille zur Macht ist ihm erste und letzte Instanz für alle seine Entscheidungen; beileibe nicht bloß in Polen und' Galizien — ,nein, allenthalben. Diese Haltung der Polen in Grodno bereitete naturgemäß den Juden, die nicht auf eigene Faust regieren mochten, viele Sorgen undSchwierigkeiten. Verhandlungen sind noch in der Schwebe und werden wohl einen „Ausgleich" — eine Verzerrung des demokratischen Prinzips' — zum Ergebnis, haben. Diese unerfreuliche Erscheinung ist auch in anderen Städten zu beobachten; sie ist geradezu symptomatisch und typisch. Neben den Wahlen zu den Stadträten, doch in weit höherem Grade, werden die jüdischen Gemüter von den nahen Wahlen zur jüdischen Gemeinde beschäftigt. Im Zeichen der Umgestaltung des jüdischen Gemeindewesens auf neuer Grundlage steht heute die jüdische Gesellschaft in Wilna, in Kowno und den anderen Städten. Tie Bevölkerung ist' von der großen Wichtigkeit der Wahlen überzeugt und durchdrungen. In der Konferenz der litauischen Zionisten Anfang Dezember nahm denn auch bei den Beratungen die Frage der Neugestaltung des Gemeindewesens einen wichtigen Raum ein. Die Konferenz, über die noch zu berichten sein wird, gab im übrigen .ein interessantes Bild von den Fragen Md Problemen, die die litauische Judenheit bewegen, und muß als ein bemerkenswertes und erfreuliches Ereignis verzeichnet werden. Inzwischen wird bekannt, was seit Wochen zu befürchten und dann in immer -greifbarere Nähe gerückt war: Wilna ist von den deutschen Truppen entblößt und seinem Schicksal überlassen worden. Ein Urteil über die schwerwiegenden Folgen dieser Räumung ist heute noch nicht zu fällen. Mögen unsere Brüder vor jeglichenr Unglück auch weiterhin bewahrt bleiben, dies ist die innige Hoffnung, in der wir uns mit der gesamten Judenheit vereinigen. Haknisi. Ei« wichtiger Schritt der schweizer Jude« zur Frtedeuskoufereuz. Das vor fast drei Jahren gegründete Schweizerische Comits Pro Causa Judaica, dessen Vorsitzender Dreyfus-Brodsky, der Präsident des Schweiz. Jsr. Gemeindebundes ist, hat sich an die jüdischen Organisationen der ganzen Welt mit dem Vorschläge gewandt, auf einem jüdischen Kongreß, der an dem Orte der Tagung der künftigen^ Friedenskonferenz .zusammentreten soll, „die die gesamte Judenheit bewegenden Fragen zu behandeln und die Einheit des jüdischen Volkes in imposanter Weise angesichts der Vertreter der Nationen der ganzen Welt zu bekunden". Als Aufgaben des Kongresses hat das, Comits folgendes' Programm ausgestellt: a) Die Mitarbeit der jüdischen Gesamtheit an der Errichtung der nationalen Heimstätte in Palästina. b) Die Förderung der Maßnahmen zur Erlangung der politischen und kulturellen..Gleichberechtigung des jüdischen Volkes in den Ländern jüdischer Massensiedlung. c) Die Ergreifung von Maßnahmen Zur Erlangung der vollständigen Gleichberechtigung der Juden in Rumänien. ä) Die Begründung einer Organisation oder Institution zur Regelung der jüdischen Emigration. Obgleich mit dieser Tagesordnung die Gesamtheit der jüdischen Fragen noch nicht erschöpft ist, so. glaubte das Comits doch, in seinem Vorschlag sich auf diese Fragen beschränken zu müssen, da mir die Probleme internationaler Natur auf der Friedenskonferenz durch eine jüdis-che Delegation zur Sprache gebracht und vertreten werden können. Das Schweizerische Comits .Pro Causa Judaica stellt den jüdischen Organisationen der. Welt seine Arbeitskräfte sowie das von ihm während, des Krieges gesammelte Material zur Verfügung und bietet ihnen seine Dienste für die Vorbereitung des jüdischen Kongresses an. Es ist der Meinung, „daß in diesem Augenblick, da die neue internationale Rechtsordnung begründet werden soll, das gesamte Judentum alle seine Kräfte zusammenfassen muß, um die Befreiung des jüdischen Volkes aus zweitausendjähriger Knechtschaft endgültig zu bewirken. Vor diesem erhabenen Ziele müssen alle inneren Streitigkeiten und Meinungsverschiedenheiten, alle durch den Krieg erregten Sympathien und Antipathien zurücktreten. Das Ziel ist sicher und klar vorgezeichnet: Das jüdische Volk als gleichberechtigtes Glied im Völkerbun d." Tie kleine Schweizer Judenheit — sie zählt höchstens 20000 Seelen — hatte sich während des Krieges bewundernswert benommen; sie war stets hilfs- und tatbereit. Jetzt will ie ihr Werk krönen und Zur Zeit und am Ort des Friedenskongresses durch einen jüdischen Kongreß die Gesamtjudenheit der Welt als ein einheitliches Volk, als gleichberechtigtes Glied im .Völkerbund demonstrieren. Möge diesem Vorhaben volles Gelingen werden! Tagungen der Ag«das Jisroel. Cassel, den 3. Januar 1919. Am Dienstag und Mittwoch dieser Woche trat die Gesamtleituno der „Agndas Jisr oel" zu einer Beratung der Lage und der aktuellen Aufgaben der Organisation zusammen. Trotz der schwierigen Berkehrsverhältnisse war die Sitzung sehr stark besucht. Nach Entgegennahme des durch, den Vorsitzenden erstatteten Berichtes wurde der Finanzabschluß für das abgelaufene Jahr und der Voranschlag für das kommende genehmigt.. In organisatorischer Hinsicht wurde beschlossen, die zentrale Leitung der „Agüdas Jisroel". nunmehr auch offiziell bis zur „Kenessio gedaulo", sie so rasch wie möglich zusammentreten soll, nach Zürich zu verlegen. Der Vorstand der „Schweizerischen Landesorganisation", der als Zentralkomitee die Geschäfte selbständig führt, soll nach Bedarf durch Sachverständige für Einzelsragen ergänzt werden. Die wichtigste Aufgabe des Zentralkomitees ist die sofortige Einberufung einer internationalen Konferenz der th-oratrenen Organisationen, die letzten Vorarb eit.en für die Friedenskonferenz, die Vorbereitung der Kenessi»

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