Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 17 (1919)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1919)
- Date
- 1919-01-03
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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%.',;■ - . •!’ ^Nch2msÜ>^Wax-HftjHMnlg der einflußreichen ungarischen ' Juden diesen Unglücklichen gHA«Dbett NiM Mr> 'Latz sie ihren Einflußdessen sie Ach so gerM drüMen, dicht -um Schutze ihrer vyMgten Brüder bei der Regierung, gellend machten, sondern - sie Haben aktiv und passiv Len Hatz gegen, die galizischen Juden geschürt, indem sie in.ihrer politischen Blindheit diese bedauernswerten Flüchtlinge flB Blitzableiter für den allgemeinen Antisemitismus der Ungarn benutzten."; Ungarn gglt — trotz Tisza-Eszlar im Jahre 1883 als ein Dorado für die Juden, denn der Jade tonnte im Maatsdienste und im sonstigen-öffentlichen Lcken die höchste Stufenleiter erreichen. Diese ' scheinbare Gleichberechtigung vergalt er mit der - freudigsten Licke zum Magyarentam. Doch die Weichberechtigung war nur eine scheinbare; dix Ereignisse der letzten zwei Monate hckben erwiesen^ daß auch in Ungarn das Verhältnis der sicheren Bevölkerung W der jüdischen LM gleiche ist, wie in anderen Ländern. Hören wir die bereits oben angeführte Blochs.Wochenschrift: »Die Lage der Juden in Ungarn ist jetzt eine trostlose. Sie wird um so schmerzlicher empfunden, als die Inden, deren Patriotismus für - das' ungarische Vaterland von niemandem angezweifelt wurde, jetzt einerseits in den von Len freigewordenen Nationalitäten besetzten Gebieten als Vorkämpfer des Magyarismus geplüudert, ermordet, vertrieben. oder als Geiseln verschleppt werden, und in vielen rein magyarischen Städten und Dörfern unter den verschiedensten Borwänden dasselbe Schicksal erleiden. Besonders betrübend sind ftir die ungarischen Juden die traurigen Erfahrungen in den letztgenannten Gckieten Ungarns. 'So kann nur krasse Undankbarkeit, politische Kurzsichtigkeit oder blindwütiger Haß gegen einen BolWamm Vorgehen, der, allen persönlichen Gefahren trotzend und unbeachtet der wirtschaftlichen Nachteile, im -letzten Jahrhundert ehrliche Pionierdienste für dm magyarischen Einfluß, die magyarische Kultur und für die wirtschaftliche Hebung Ungarns geleistet hat. Eine geschäftige und geschäftlich raffinierte antisemitische Clique hat unter dem Schutze der adeligen Oligarchie während der Kriegsjlchre es' verständen, die christliche Bevölkerung, hauptsächlich der rein magyarischen Komitate, gegen die Juden aufzureizen und der betörten Landbevölkerung uilter dem Drucke der Geistlichkeit 12 Mill. Kronen als Fonds für eine weitausgckehnte Pogrompresse und Pogromliteratur abzupressen. Die Zustände sind kurz vor der großen politischen Umwälzung bereits so zugespitzt gewesen, daß die Führer der neobrgen Judenschast es für gckoten erachtet haben, eine Landesprotestversammlung einzuberufen, in welcher auch energische Maßnahmen.gegen die Pogromagitation hätten gefaU werden sollen. Ter Äag der Versammlung fick jckoch berckts mitten in die Umwälzungen, und die, Landesversammlung erhickt ein ganz anderes Gepräge, als rhr ursprünglich zugedacht war. Die versammckten Verirrter der ungarischen neologen Judenschast bekannten sich, wie nicht anders zu erwarten war, zum Magyarentum, forderten die Integrität der Grenzen des alten ungarischen Staates und faßten u. fc. auch den Beschluß, die großen jüdischen Organisationen im neuttalen und feindlichen Ausland zu ersuchen, in ihrem Einfluß zu Gunsten des ungarischen Freistaates und seiner Grenzforderungen tätig Lu sein. Damals waren die ungarischen Juden noch der Meinung, daß sie ihre eigenen Angckegenheiten im Lande selbst vertteten Md . durch ihren politischen Einfluß den Kampf gegen, die Antisemiten selbst würden austragen können. ' - . Inzwischen sind Millionen jüdischen: Gutes gAyickt, vernichtet, zehntausende jüdische Familien obdachlos und an den Bettelstab, gckracht worden,, und die .ungarischen Juden stehen mit dem Blick au? Mxte machtlose Regierung .sich selbst überlassen Ntch verzweifelt da. Zum ersten Male sett' Tisza- Eszlar haben die ^ungarischen Juden qs jetzt wieder enchftucken, wie unllug es wm, während der JMzehnte jckes Solidarttätsgesühl mit den Juden anderer Länder stolz und kühl von sich zu weisen, in der übrigens ganz unbegründeten Angst, durch ein solches natürliches Gemeinschastskeitsgesühl den r -■/- '.VI' , .i.J .. Jfrackitisch es Familienblatt. Nr. 1.?'S^ Mt Glauben an ihren Patriotismus im. eigenen Lande zu. erschüttern. 'Bös muß .es um die ungarischen Juden stehen, wenn das' offizielle Organ der Neologen, der „Egyenjköseg", in seiner letzten Nummer an erster Stelle mit auffallender Schrift sich mit >einer herzzerreißenden Bitte an die Judenschaft der Entente wendet, nicht mehr um die allen Grenzen Ungarns zu sichern, sondern um. die ungarischen Juden vor der Vernichtung zu retten." Und die Lehre dieser kraß für sich sprechenden Tatsachen? Sie zeigen die Zwecklosigkeit des Assimilationsstrebens, soweit es nicht bis zur letzten Konsequenz, dis zum vollständigen Untertauchen in die nichtjüdische Umgckung durchgesührt wird. Freilich ist diese Handlungsweise verachtungswürdig, denn sie zerschneidet das'. Band mitdem Denken und Fühlen, mit den Freuden und den Schmerzen seiner Väter und Urväter. Sie ist das größte Vergehen, dessen sich Kindespflicht schuldig machen kann; es gibt ein ewiges Leben hier auf Erden durch die Achtung der Kinder für die von . väterlicher und mütterlicher Seite ererbten Anschauungen, — und dieses Erbe wird vernichtet. Wer aber iricht die eine Konsequenz ziehen will und kann, warum soll der in einer sinnlosen Zwitterstellnng verharren, statt sich zu der anderen Konsequenz, zur Wahrung und zum Weiterbau aller Werte der Tradition seiner Blutsgenleinschaft zu bekennen und so den Urswff seiner .Seele, den innersten Kern und. das. Beste seiner Persönlichkeit zur Entfaltung zu bringen? Ungarns Judenheit bietet jetzt ein -Musterbeispiel dafür, wohin alle Wege führen, die nicht ausgehen und münden in einem stolzen, offenen Bekennen der jüdischeil Volkseinheit und ihrer Traditionen. Orthodoxie und «ationäles Judentum Won Max Blatt, Frmüplrt a. M. Dev nptionale Gedanke als Weltanschauung tptft welt- ErscheiNwlg und nahm st Siegeslauf über Europa erst mit Beginn der Emanzipation und.Aufklärungsperiode, als die Religion immer mehr an Kraft einbüßte. Der Zusammenbruch hes Glaubens und der Kirche als weltbeherrschende Macht schaffte dem heranstürmenben Nationalismus freie Lahn und begünstigte seine Entwicklung in hohem Maßt. Tw Nationalismus hat jedoch manches Erbe übernom -er? - Der fanatische Egoisnstis und" die Unduldsamkeit, die sich früher in den verschiedenen Sekten- und Glaubenskämpfen äußerten, offenbaren 'sich heute in den nationabni. Streitigkeiten und Reibungen. Die nationalen Kämpfe der Gegenwart werden nicht weniger heftig, erbittert, fanatisch und egoistisch geführt als seinerzeit die Glaubensstreite. Kampfmittel und Kampfziel sind dieselben: die Entwaffnung, Unterjochung und 'Vernichtung des Gegners, des Andersdenkenden und Andersfühlenden zwecks Ermöglichung der eigenen unbeschränkten Herrschaft. Gewechselt wurde nur dm Flagge. Während früher der Kampf im Namen Gottes geführt wurde, wird er heute im Namen des Jchs im weiteren Begriffe, bas heißt der nationalen Gemeinschaft geführt.'Der Satz „Vae öicti?" gilt von nationalen Kämpfen, auch wenn sie wie meistenteils unblutig verlaufen, in noch? viel höherem Maße als vom wirklichen Kriege. Wehe dem Volke, das sich schwach zeigt, tzs muß ftüher ober später unterliegen. In? der Wirkung «ms das jüdische Volk, das heißt hinsichtlich des Verhältnisses der einzelnen Völker zu uns Juden Ast absolut Lin Unterschied zwischen dem früheren Glaubensfanatismus und dem heutigen nationalen Egoismus. zis finden. „Bechol Lor wodor omdim oleinu lechalaussenE. 'Much heute wirb mit verschiedenen Mitteln und auf vermiedene Art und Weise unser Fortbestand bedroht und znAntergraben gesucht, trotzdem man unseren G laube n tMüger -antastet und bekämpft, weil man eben aus diesem Webiete keinen Kvnkrirrenzneid mehr empfindet. DaAnun der Nationalismus im allgemeinen in seiner heutigen Gestaltung höchstens als Folgeerscheinung der Glaubenslauheit, aber uicht als seine Ursache hingestellt werden kann, liegt aus der Hand. Der jüdische Nationalismus unterscheidet sich jedoch noch ferner von dem Nationalismus bei den anderen Völkern, daß «er einen ausgesprochen defensiven Charakter besitzt und nur die natürliche Verteidigungsmauer und einen Schutzwall gegen die ihm von Seiten der anderen Völker';» Form der Assimilation drohenden Bernichtungsgefahr Larstellt. Der agressive egoistische Charakter, der dem Nationalismus aller Völker, die auf ihrem eigenen Boden leben, eigen ist, und der sich in der Eroberung und Aneignung von fremdem Gut und Eigentum, in der Gewinnung von immer mehr neuen Territorien und Einverleibung fremder Volksstämme äußert, dieser imperialistisch-chauvinistische Zug des Nationalismus im landläufigen Sinne des Wortes fehlt dem jüdischen Nationalbeionßtsein vollständig und wirb 'nach der rein natürlichen Läge der Dinge bei dem über den ganzen Erdball zerstreuten jüdischen Volke auch niemals Wurzel saffen können. Wir Juden sind ja auch früher während unserer staatlichen^ Selbständigkeit niemals auf Swlenfang ausgegangen, begrrügten uns mit uns, lebten immer i n u n s und Hab ein jetzt begreiflicherweise noch viel weniger Ursache, iwch die Möglichkeit, es anders zu tu».. Bo» territorialen Forderungen, ferner auf Kosten der andere» kann ja bei uns in der Diaspora überhaupt keine-Rede sein. Der. jüdische Nationalgedanke bedeutet, insoserne er nicht das aus sich heraus durch gemeinsame, Jahrtausende alte Kultur, durch gemeinsame, die ganze geschichtliche Zeitrechnung durchziehenden Leiden und Freuden geborene' und kristallisierte unzerstörbare natürliche Zusammengehörigkeitsgefühl darstellt, kurz ausgedrückt, die Widerst and s kraft äußern ng einer' Minderheit, die von den anderen Völkern, unter denen .sie lebt, . nicht absorbiert werden will. Wir Juden verlangen in der Diaspora lediglich nationale Autonomie zum Schutze. unserer Eigenart und unserer Kulturgüter, die bisher der gesamten Menschheit nur Nutzen gebracht haben, keineswegs aberinationale Territorien und erst vollends nicht-nationale Vorherrschaft. Ter jüdische Nationalismus ist schlecherdi'ngs die Antwort auf die an uns seitens unserer Nachbaren gestellte Forderung des Uebertritts, der nationalen ' Entartung und der Aufgabe unserer Eigenart zu Gunsten. - einer fremden, nicht immer besseren. .Es ist zu verstehen, daß diejenigen Parteien innerhalb des Judentums, die seit jeher die vollständige Assimilation und Auflösung des jüdischen Volkes unter den Wirtsvölkern predigen, dem jüdischen Nationalismus feindlich gegenüberstehen und ihn bekämpfen. Völlig unbegreiflich aber ist'cs, . wenn ein Teil der Orthodoxie, die doch in erster Linie dazu berufen ist, jeden Kampf, der für die Erhaltung - des Judentums geführt wird, zu unterstützen, gegen den Nationalismus Stellung nimmt und sehr oft in das -Horn der; assimilatorischen «Gegner bläßt, wenn es gilt, gegen ihn Sturm zu laufen. Es ist ein vollständig falscher Standpunkt, daß das Betonen des nationalen Charakters des Judentums dem Negieren des Glaubensmoments gleichkommt und zur Untergrabung des Glaubens führt. Das - heißt Ursache und Wirüing verwechseln! Es ist leider eine unbestreitbare Tatsache, daß. der Glaube gegenwärtig zur vollständigen Pasivität verurteilt ist. Es ist ferner wahr,' daß der Nationalismus überall die Stelle des sich im fortwährenden Rückzuge befindlichen Glaubens auszufüllen. .sucht. Es ist jedoch eine Unlogik im höchsten Sinne des Wortes, den Nationalismus für die Abnahme der Gl.iu-' benskrast verantwortlich zu machen; denn das Nationale Gefühl verdrängt den Glauben nicht. .. Wir Juden. sind ja schließlich den Einflüssen von Zeit, Verhältnissen und Milieu im selben Maße wie alle ande-? ' deren Sterblichen unterworfen; auch bei uns--macht die Glanbenslauheit keine Ausnahme. Dieses müßte ja aber gerade mit eine Ursache für eine das Judentum zu erhalten strebende Partei sein, jeden sich darbietenden Rettungsanker zu ergreifen, sich an aUem festznklammern, was politischer Machtfaktor trat erst in der zweiten Hälfte' ^noch einen festen Boden hat und wenigstens eine Hoffnung des 18. Jahrhunderts in Erscheinung und Nahm seinen aus bessere Taqe verspricht. Ans der einen Seite fürchterliche I? n aus bessere Tage verspricht. Ans der einen Seite fürchterliche Glaubenslauheit innerhalb der eigenen Reihen, auf devs? andere» Seite das unverhohlene Bestrebender Völker, unsere Auslösung herbeizuführen. Was bleibt denn da vom reist praktischen Standpunkte aus anders übrig, als die verschie»'. denen Assimilationsversuche durch hartnäckiges Betonen der,; Eigenart zu paralysieren und die etwas locker gewordenen? Glaubensbanoe durch nationales Fühlen zu befestigen? ». Ter Glaube allein ist schon heute nicht mehr in berjfj Lage — das kann den idealen Wächtern des überlieferter«- Judentums nicht oft genug wiederholt werden — der? intimer mehr Um sich greifenden Assimilation und dem.' Abfall vom Judentum standzuhalten. Eine Besserung ist, Nachdem die Ghettomauern auch im Osten gefallen?.^ sind, nicht zu erwarten. Es ist daher nicht nur praktisch/ I sondern direkt im Sinne der alten jüdischen Lehre, daß man die jüdisch-nationale Bewegung, die noch das Banner dcs Judentums hochhält, und die bisher zeigte, daß sie die ü Assimilationsversuche auch erfolgreich zu überwinden per- £ mag, aufs kräftigste unterstützt und fördert. Die Orthodoxie Ä muß sich ein für alle Mal darüber klar werden, daß es im -*■ Grunde genommen keinen Kampf zwischen ihr und der jüdisch-nationalen Bewegung an und für sich gibt, sondern nur einen solchen zwischen Glauben und Unglauben. Das jüdische Volk darf nicht auf die. religiös Indifferenten einfach verzichten ober sie gar von sich abschütteln! Ter nationale Gedanke ist nun unbedingt das beste Mittel und - die bestgeeignete Brücke, die entftemdeten Glaubens« geiwssen dem Judentum zurückzuführen. Ein anderes Bedenken, der Vorwurf, daß der jüdische Nationalismus und seine politische Anerkennung in manchen f Ländern zu einer Trübung der Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden und miPn auch zu einer Verschlechterung- M der wirtschaftlichen Verhältnisse der Juden in den betrsfsenden Ländern führt, fit teilweise nicht ganz unberechtigt. sLM Das liegt ja aber eben-' im Wesen der Sache selbst und sg-gm muß, solange der nationale Egoismus in seiner heutigen Form das Leben der Völker vergiftet, in der Hoffnung . auf bessere Tage mit in den Kauf genommen lverden. SlM. t Bei diesen nationalen Kämpfen handelt es sich, , wie bereits ausgeführt, um Sein oder Nichtsein, jedes einzelnen Volkes, ganz gleich, ob es einen Glaubens-Charakter besitzt oder nicht. «Solange nun die Völker nicht -aüfhören V|gg-',, ■} werden, einander den Boden abzuaraben, werben wir, wenn wir unser Judentum ebenfalls behauptend wollen, -IW 1* nicht beiseite stehen können und unser Teil darwr mittragen müssen. Gerade die Orthodoxie, die, was'JelBft betrifft, auf dem Gebiete des Glaubens keinh-'KonEftonen",^^ \ machen kann, wirb und darf eine Passivität 'und Kaffen- WW >". 4 streckung zugunsten wirtschaftlicher Vorteils/ sei M auch A-S?. nur in nationalen Fragen, nicht guth'eißen. SagM hoch kM?. . unsere Weisen, daß in Zeiten von?,Schmad", d«Mheißt - stau Judenverfolgungen der Grundsatz „JehereM weal jawor" „Lieber in den Tod gehen als nachgeben' M den igs ’ , nichtigsten Gegenstand, selbst für solchen, der m»dcm Glauben an und für sich nichts zu tun hat, GeltmMhat. will nun bestreiten, baß die Forderung der iiatij&tueti H Assimilation seitens mancher Wirtsvölker, die dochLetzten * Endes unsere?-langsastie aber sichere -Mflösung MAweckt, unter die Kategorie von „Fehereg weal jawor Hgehört, Stadiu. Üniv.-Bibl. Frankfurt am Main -W&r'-