Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 17 (1919)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1919)
- Date
- 1919-01-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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irwiniirniiiiimuiimiiiiiiiiimiiiimiiiwmiiiiiiiiimiiiiiiiiiiniiii | Erscheint wöchentlich am Freitag. Bezugspreis pro. Viertel. ■ : fahr: 3n Frankfurt a.M.Mk.4.S0 frei ins Haus. Lei der Post :; abonniert Mk.-t.SO, frei ins Haus 4 Pfg. pro Monat mehr. / Lei j i Zusendung durch Streifband furOeutschland uno6sterreich-!lngam \ i Mk. 2.25, für alle übrigen Länder Mk. 2.50. Einzelnummer 15pfg. i Redaktion und Expedition: Frankfurt a.M., Langestraße 2 Fernsprecher Amt Hansa 2903 Herausgeber: Galt» Geis tc//4 4.nnmiiiiiniimiimiiiiiiniiniiTiiiirn»nimmiminminiiiiiiiH; Insertionspreis für die sechsgespaltene Petitzeile 40 Pfg., für ■ die Reklamezeüe Mk. 4.50. Bei Wiederholungen entsprechender : Rabatt. / Platz- und Datum-Vorschrist ohne Verbindlichkeit. / : AnnoncenÄnnahme bei der Exped.und in a.Annoncen-BureauS.; Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a.M. unter Rr.4864. : 17. Jahrgang. Freitag, -eu 2. Sehwat 5679 (3. Januar 1919) Rr. 1 Der jüdische Kougretz i» Deutschland. > Das deutsche Judentum tritt in eine neue : Phasc seiner Entwicklung. Die viereinhalb Jahre des Krieges haben durch ihre ungeheure Inanspruchnahme eines jeden einzelnenein starkes jüdisches Leben in Deutschland unmöglich gemacht. ' Mit dem Ende des Krieges wird schon rein äußer- 'lich die Intensität und Lebhaftigkeit des jüdischen Lebens in Deutschland außerordentlich stärkerwerden. Hierzu kommen noch die verschiedenen Gründe - innerer Matur, die eine radikale Aenderung der Gesamtsitlintion des deutschen Judentums herbei- ' geführt haben und dis deutsche Judenheit so zwin- . ...gen werden, eine gründliche Korrektur ihrer bisheri- . gen Anschauungen in jüdischen Diitgen und ihrer -. gewohnten Haltung in jüdischen Fragen vorzuuehmen. ' ' . ‘ Während das deutsche Judentum während der viereinhalb Jahre des Krieges im wesentlichen ch in Lethargie verharrt hat ilnd nicht einmal die ch großen Aufgaben, die ihm durch die Kriegsereig- Nisse gestellt worden sind, erfüllt hat, hat ' das Judentum der gesamten Welt eine innere Umch: Wandlung von folgenschwerster Bedeutung durchgemacht, eine Umwandlung von wahrhaft revos| lutionärer Wirkung. Das Judentum h at sich '"politisiert in diesem Kriege, es hat gelernt, f"für jüdische Gemeinschaft selbständige und eigene 'Politik.zu treiben, .und es hat.sich geeint und '' geschlossen auf. den Boden gestellt, von dem aus k^die Führung einer jüdischen Politik allein möglich 7'ift, auf den Boden des nationaljüdischen Gedankchkens. Das Judentum der Welt hat sich? -Nationalisiert. Ueberall, wo Juden leben, " haben sie sich in großen Bewegungen und Organisationen zusammengeschlossen, haben sich als Volk!'- erklärt und haben nationale Forderungen aufgestellt. ' v Die Wirkung dieses großen inneren Entwicklungsprozesses! des Judentums im Kriege ist be- : . kannt/ und auch diese Wirkung ist von historischer und revolutionierender Bedeutung für die künftige 'Geschichte des Judentunts. Tie Forderungen des Judentums nach nationaler Anerkennung sind von den Mächten der Welt erfüllt worden; sämtliche \ große Staaten, die internationale .Sozialdemokratie, die öffentliche Meinung aller Länder, hat das JuÄMtum als Volk und die Berechtigung seiner natiorstalen Forderungen" anerkannt. Der inneren . Natu"nalisierung ist in: Krieg die au freute Anerkennung des Judentums als S'^olk gefolgt. . . Dties ist das Ergebnis der gewaltigen Aeudcrung.^der historischen Lage des Judentums, die. sich in diuesem Kriege vollzogen hat.' Diese Aenderung hat -nsichj, wie gesagt, jm wesentlichen ohne Mitwirk^uug der deutschen Judenheit vollzogen. Tie . Ma-Parität "der deutschen Juden hat infolge der Isolier'jung, indie sie der Krieg verseht hat, und. infolr ge der Abbrennung vom gesamtjüdischen Leben nick ht einmal - die. großen Etappen und Phasen, die M Nationalisierungsprozesess. des Gcsamtjuden- 'tut: ms. verfolgen können. Nun ist diese Isolierung by ' Mtigt;, das deutsche -Judentum ist wieder in dev La rge, sich dem einheitlichen Strom des gesamt-' Es braucht nicht gezeigt zu werden, von welch schicksalsschwerer Bedeutung die Entscheidung dieser Frage ist. So, wie das deutsche Judentum heute dasteht/ ist es . isoliert innerhalb des" Gesamtjudentunts. Es steht außerhalb der Struktur des neuen jüdischen Lebens, das sich in diesem Kriege entwickelt hat. Dies ist nun die Frage, .die dem deutschen Judentum heute gestellt ist, ob .vs diesen Entwicklungsprozeß, den das Gesamtjudentum durchgemacht hat, auch für sich durch machen will und damit sich einfügen will der einheitlichen Gesamtheit des jüdischen Lebens in der ganzen Welt, oder ob es weiterhin beiseite stehen will und jeden Einfluß und jede Bedeutung innerhalb, des gesamtjüdischen Leberts, jede Möglichkeit; auch mitzuwirken und mitzubauen an der neuen jüdischen Zukunft, verlieren will. Der neuen jüdischen Zukunft! Tenn muß man es erst sagen, daß mit dem Ende dieses Krieges eine neue Zeit und eine neue Zukunft des Judentums beginnt? Einen völlig neuen Aspekt wird die neue jüdische Zeit tragen: ein jüdisches. Volk, das sich in der Gesamtwelt über alle Zerstreuung hinweg als einheitliche nationale Gemeinschaft fühlt, die als solche von allen Mächten der Welt anerkannt ist; ein jüdisches Volk mit einem eigenen Zentrum in Palästina, mit nationaler Autonomie im Osten; wer sieht nicht, daß rein bildmäßig, im Aspekt schon eine neue Zeit des.Judentums beginnt! Und wer, der' noch jüdischen .Instinkt hat und Willen zum Judentum, empfindet und erlebt nicht die Größe dieser Zukunft und ihre Herrlichkeit? Der Traum der Jahrhunderte ist erfüllt: Ueber die Trennung der Liasspora hinweg ist das Judentnnl geeint und solidarisch, geworden. Tie Schmach des Galuths ist beseitigt: das Judentum hat das Recht bekommen, Forderungen für seine nationale Zukunft zu erheben und selbständig über seine Zukunft zu entscheiden; es jfr gleichberechtigtes Glied der Völkergemeinschaft geworden. Das heilige Ideal der jüdischen Geschichte ist realisiert: Palästina wird wiederum das. Zentrum des Judentums werden, und das heimatlose Volk wird eine Heimat wiederfinden.. Welcher Jude muß sich nicht glücklich schätzen, in einer solchen Zeit zu leben, und welcher Jude wird nicht die Gnade empfinden, daß es ihm vergönnt ist, Zeitgenosse dieser Erfüllung der heiligsten jüdischen Ideale zu sein und mitbauen zu können an der neuen Zukunft, hiediese Ideale vollends verwirklichen wird? Wir glauben, wenn man dem deutschen Judentum die so geschilderte Situation zeigt, wie sie liegt, daß es dann in seiner überwältigenden Majorität auf die Frage, die ihm heute gestellt ist, ob es mitbauen will an dieser neuen jüdischen Zukunft, bedingungslos mit einem Ja antworten wird. Nur muß es sich klar sein über die Schwere und Bedeutung der Entscheidung. Entweder es fügt sich ein dem jüdischen Volke und bekennt sich damit zum jüdischen Volkstum, oder es leugnet dieses Bekenntnis und schließt sich aus" von der jüdischen. Gesamtheit. Eine neue Zeit ist für das deutsche Judentum gekommen, und die neue Zeit hat auch den meuen großen politischen. Gedanken bereits erzeugt, .der sie charakterisiert und beherrscht: Das ist der Gedanke des jüdischen Kongresses. Nichts anderes bedeutet dieser Gedanke, der von Tag zu Tag und von Woche zu Woche immer mehr das. eigentliche Thema des jüdischen Lebens in Deutsch-- land wird, als eben die Antwort aus. die Zukunftsfrage der deutschen Judenheit. Denn dies jst der Sinn und die Bedeutung des Kongresses: in ihm, durch ihn soll die deutsche Judenheit die Zukunftsfrage, die ihm das jüdische Volk und die jüdische Geschichte heute stellt, beantworten. Es .soll ein Kongreß aller derjenigen sein, „die im Bewußtsein chrer Zugehörigkeit zum jüdischen Volke an der, Entwicklung eines lebendigen Judentums Mitarbeiten wollen". Dies ist die einzige Voraussetzung, das einzige Kriterium des Kongresses, Nichts anderes wird' verlangt; über alle trinzelsorderungen soll der Kongreß selbst entscheiden. Zu der Teilnahme am Kongreß selbst ist lediglich das Bekenntnis zum - jüdischen Volkstum notwendig, und so wird in oer- Entscheidung jedes einzelnen deutschen Juden über seine Haltung zum Kongreßgedanken die.Entschei-. düng fallen über seine Haltung zum jüdischen Volkstum, die Antwort auf die Zukunftsftage, die chm heute gestellt ist. Wenn man sich den Sinn des"- Kongresses klar macht, dann begreift man seine wahrhafte Bedeutung für das deutsch^ Judentum; niemals ,stand es vor einer schicksalsschwereren Entscheidung, als jetzt, da es zur Beteiligung am jüdischen Kotrgreß aufgefordert wird. Wir glauben, daß, wenn jeder einzelne deutsche Jude sich die Bedeutung dieser Frage klar macht, wenn er weiß, daß die Nichtteilnahme am Kongreß, ein völliges Sichausschließen von der Gesamtheit des national organisierten und national anerkannten. Judentums ist, die große Majorität der deutschen Judenheit, jedenfalls der Teil desselben, in dem der Wille züßr Judentum noch stark und lebendig jst, sich äni Kongreß beteiligen wird. Und so wird der Kongreß.zu der großen historischen Kundgebung des deutschen' Judentums werden, in der dieses seine Solidarität mit dem gesamten jüdischen. Volke vor aller Oeffenilichleit dokumentiert, in der es das Gelöbnis äblegt, ein treues Glied der jüdischen Bolksge-- meinschaft zu sein . und mitbauen zu wollen an dem großen heiligen Werke der jüdischen Zukunft Das ungarische Musterbeispiel. Nirgends in der Welt haben die Juden schärfer einen reinen, von allen nationalen Bestandteilen befteiteu Konfessionalismus ausgebikdet als in Ungarn. Die Juden Ungarns wollten so sehr nichts als Ungarn sein, daß sie jedes Band zu der Gesamtjudenheit zerschnitten und es sogar in ihrer eigenen Mitte zu einem Schisma, zu Mn von einander vollständig getrennten Judenheiten, einer orthodoxen und einer neologen, kommen ließen. Als mährend des Krieges infolge des Russeneinfalls in Galizien Zehntausende flüchtender' Juden bei ihren Brüdern in Ungarn Schutz und Hilfe suchten, da wurde ihnen besonders, in den Kreisen der neologen Judenheit ein eisiger Empfang. Ein gewiß unverdächtiger Zeuge, das Blatt dev Wiener Kultusgemeinde, Bloch- WoHenschrist, schreibt über diese Haltung i» ihrer letzteuRummer;