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Neue jüdische Presse · 1918-12-20 · Heft 49 (20.12.1918) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
16 (1918)
Issue
Heft 49 (20.12.1918)
Date
1918-12-20
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Für den Welhnachtsbedarf empfehlen wir 3h ,49 glatt und gemustert in grossem Farbensortiment zu vorteilhaften Preisen. ©EHR. ROBOfSOHI »nt sich von dem moralischen Suntpf, in den die polnische, Politik versunken ist, -einen Begriff machen zu können,.,Wenn, „ein polnischer. Sozialistenführer, der in der internationalen sozialistischen Welt noch großes Ansehen genießt, einen an ihn treuherzig gerichteten Appell der schwedischen sozialdemokratischen Partei, sich den Pogromen entgcgenznstellen, mit einer groben Fälschung der Wahrheit beantwortet, was soll man dann noch von den bürgerliche» polnischen Politikern erwarten? Jede polnische Behörde lügt in ihrer Weise. Die Krakauer polnische Liquidationskommission sucht die Schuld an der Lemberger Menschenschlächterei den Ukrainern aufzuhalsen, die, wie sie behcmptet, vor dem Verlassen der Stadt 500 gefangene Verbrecher auf die jüdische Bevölkerung losgelassen hätte. Das Preßbüro des polnischen Ministerrates in Warschau wiederum erklärt, die Juden hätten sich den Zorn der Mehrheit der polnischen Bevölkerung in Lemberg dadurch zugezogen, daß. sie auf Seiten der Ukrainer gekämpf hätten.- Der Rechtfertigungsversuch des polnischen Ministerrates, der mit kupferner Stirn die von den Juden mit peinlicher Gewissenhaftigkeit beobachtete Neutralität in eine! aktive Parteinahme für die Ukrainer umlügt, ist. das indirekte Eingeständnis, daß der Lemberger Pogrom tatsächlich ein politischer Racheakt der Polen war. - Ten Dementis gegenüber sei hier die Aeußerung des früheren österr.-ungar. Finanzministers Und Obmanns des Polenklubs im Reichstage Ritter v. Dilinski, des angesehensten Führers der Polen! des früheren Oesterreichs', angeführt. Er sagte zu einem Mitarbeiter der „Neuen Freien Presse": „Ich kann die iii manchen Orten Galiziens und insbesondere in Lemberg in so ausgedehntem Maße vorgekommenen Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung nur auf bas tiefste beklagen. Einerseits müssen derartige Bedrängungen ganzer Menschengruppe» vom Standpunkt der Menschlichkeit und der christlichen Religion verurteilt werden. Andererseits aber gebe» sie den politischen und nationalen Gegnern des polnischen Volkes eine mächtige Handhabe, um dasselbe vor den Völkern der gesitteten Welt und gegenwärtig in erster Linie vor den Ententemächten als einen Feind der Zivilisation hinzustellen. -; Ich. bin überzeugt, baß, so sehr die gewaltsame Ueberrumpelung Lembergs durch die Ukrainer die Chancen dieser letzteren vor der Friedenskonferenz verschlechtert hatte, in einem' noch viel höheren Maße die Ausschreitungen in Lemberg vom 22. und 23. v. M. die Lage der polnischen Vertreter auf der Konferenz bei der Behandlung der ostgalizischen Frage erschweren - werben." ■ Ten Gipfel aller Schlechtigkeit und die wirkliche Schuld Polens zeigt eine Tepescke der Liquidationskommission in. Krakau an den polnischen Gesandten in Wiett, die wie folgt schließt: ‘ „Tie polnische Liquidationskommission hat schon die Entente um die Einsetzung einer Untersuchungsrommission ersucht, sie muß aber schon heute erklären, baß falls dis jüdische Presse fortsahren wird, die Polen zu verleumden, die polnischen Behörden außerstande sein werden, die Herrschaft über die aufgeregten Massen zu behalten. Es könnte dann wirklich das geschehen, was in den verbreiteten Verleumdungen enthalten ist." * Verhaftung der zionistischen Führer. . Wie der Jüdische Nationalrat in Men telegraphisch mitteilt, wurden laut telegraphischer Meldung die führenden galizischen Zionisten Tr. Leon Reich, Dr. Ringel, Tännenbaum Und Hausmann von den Polen in Lemberg - verhaftet und nach Przemvsl gebracht. Die Lüge in Galizien ist auch weiterhin äußerst bed r ohli ch. Die Polen drohen, falls' sie Lemberg verlassen müssen, vorher Rache an den Inden zu nehmen. Das Geiselshstem droht einzureißen. Das Bekenntnis zum Wische« Volke. Jetzt, wo die erste Phase der durch den Krieg verursachten Entwicklung beendet ist, wo wir klarer auf das Vergangene zurückblicken, können wir mit Recht die vergangene und gegenwärtige Periode „groß" nennen, großwegen der sich in ihr dokumentierenden unerbittlichen Konsequenz der Geschichte, die mit ehernem Tritt ihren Weg geht, die sich nicht von kleinen Menschen nach rechts und nach links führen und zerren läßt und die, welche sich ihrem Lauf entgegenstellen, erbarmungslos zerinalmt. Wie vielleicht in keiner Geschichtsepoche können wir in dieser die klare, gottgewollte Linse zum Ausstieg erkennen; was Jahrzehnte und Jahrhunderte gesündigt hatten, in vier Jahren wurde es gesühnt! Auch die Geschichte - des jüdischen Volkes hat wie die der andern Völker mit großen Schritten ihren Weg genommen. Das vor zwei Jahrtausenden begangene Unrecht des Titus, der ein Volk von seinem Lande getrennt hatte, es soll. wieder gut gemacht werden, Palästina soll wieder zu dem gemacht werden, was es war und immer sein muß: zu einem „Erez Jisroel", zu einem dem jüdischen Volk auf ewig gehörenden Lande. Auch der Wahn, her ' vor 100 Jahren die Westjudenheit ergriffen hatte, wir Juden seien nicht das, als was sich Jahrtausende unsere Väter gefühlt, hatten, sei kein Volk,, seien nur eine Glaubensgemeinschaft,-eine--Konfession, er ist zu Schauben gei Frankfurter Israelitisches Familienblatt. wiorden. Die gesamte nicht-jüdische Welt und das gesamte jüdische. 11 Millionenvolk, sie haben es mit gleicher Deutlichkeit ausgesprochen: Wir sind ein Volk, ein Volk mit oroßer, mit stolzer Vergangenheit, ein Volk mit großer Zukunft, das der Menschheit als Volk noch Großes, Jüdisches zu geben bestimmt ist! Wer sich dieser Wahrheit noch entgegenstellt, wem seine Bequemlichkeit, sein altes Parteiprogramm über der Wahrheit steht, wird wie alles Unwahre und Unnatürliche von der Geschichte zertteten werden. Tas gilt von der Schar der Protestler in Deutschland, die glarrben, noch immer die Wahrheit besiegen zu können und die Kontinuität der Geschichte noch einmal unterbrechen zu können, das gilt ebenso von denen, die inimer noch Jüdesein mit Trennung von der Gesamtheit ^>es jüdischen Volkes Vereins baren zu können glauben. >L>ie mögen protestieren, soviel sie wollen, das Rad der Geschichte ist in Bewegung und läßt sich von ihnen nicht mehr zurückdrehen. - Doch notwendig ist cs, daß, so wie das gesamte jüdische Volk, auch die deutsche Judenheit ihr Bekenntnis zum jüdischen Volk und seine Zukunft laut ausspricht und in die Welt hinausruft. In allen Städte» Teutschlands ist dieser Jubelruf des Bekenntnisses schon in großen jüdischen Volksversammlungen ertönt, und diese haben durch die Massen-der Menschen und durch die sie durchflutende Begeisterung gezeigt, wo die Wahrheit und wo der Sieg ist. Nun wird auch in Frankfurt a. M. diese Woche eine große öffentliche Versammlung stattfinben, in der die Frankfurter Jndenheit ihrem Bekenntnis zum jüdischen Volke und ihrem Glauben an seine Zukunft jubelnd Und feierlich Attsdruck verleihen soll. Mögen alle kommen, diese Versammlung zu einer imposanten und großarttgen Kundgebung der nationalen und der antiassimilatorischen Frankfurter Judenheit zu gestalten. F. Der Antisemitismus und seine lleberwiuduug. Kurt Blumen selb sprach in einer von der Berliner Zionistischen Vereinigung einberufenen Massenversammlung über das Thema: „Der Antisemitismus und seine Ueberwindung." Systematische Versuche wollen in Deutschland eine große antisemitische Bewegung entfachen und wieder einmal irre geleitete Masseninstinkte gegen die Juden Hetzen. Die Hetze weist immer wieder. auf die Beteiligung von Juden än der revolutionären Regierung hin. Diese Tatsache wirb von jüdischen Kreisen, die auf dem Standpunkte der Assimilation stehen, so empfunden daß sie zur Zurückhaltung mahnen und dadurch das Gefühl innerer Unsicherheit verraten. Diese - Steife wagen es nicht, gegenwärtig gegen die furchtbaren Pogrome in Polen öffenttich zu protestieren und die Forderungen des jüdischen Volkes in der Oeffcntlichkeit zu vertreten, weil sie die Bekundung der jüdischen Solidarität scheuen. Dieser Grundanschaüung entspricht auch die kürzlich veröffentlichte Erklärung dreier deutsch-jüdischer Verbände gegen den Zionismus. Der Antisemitismus wird von diesen Kreisen für eine vorübergehende Sttömung gehalten. Dem berechtigten Antisemitismus, der sich gegen die jüdischen Eigenschaften richtet, müsse durch Verwischung und Vernichtung der jüdischen Eigenart entgegengewirkt werben. i Die Zionisten glauben nicht, baß diese Auffassung das Wesen des Antisemitismus trifft. Der Antisemitismus ist so >alt wie bas jüdische Volk und überdauert alle Entwickelungen Und Umwälzungen. Er ist auch während des Krieges eine internattonale Bewegung geblieben und braucht keine besonderen Gründe. Bei den. Juden, die kein geschlossenes Territorium! haben, ist sozusagen jedes Individuum, wie anderswo ein ganzes Volk, unter die Wirkungen des Andersseins und des Gegensatzes gestellt. Ms Vertreter des jüdischen Typus gelten dem Anttsemitismus aber nicht die Besten, sondern die Schlechtesten des jüdischen Volkes, und dies gibt dem Antisemitismus seine besondere Note. Die Zionisten wenden sich natürlich gegen jeden antisemitischen Angriff, aber ihr Kampf hatsei ns besondere Grundlage. Er beruht auf dem'Willen, an der geschlossenen jüdischen Einheit festzuhaltcn und das Judentum durch jüdische Leistungen produktiv zu machen. Diese Methode führt einerseits zur Entwickelung einer polittschen Kraft, welche allein im polittschen Leben Achtung verschafft, und .andererseits eines jüdischen Persönlichkeitsgefühls, bas die Grundlage eines reineren menschlichen Zusammenlebens' bildet. . Wenn heute über die führende Beteiligung der Juden in der deutschen Politik geklagt wird, so hat zu dieser Klage das deutsche Volk kein Recht, das von den Juden verlangt hat, daß sie ihre- Gleichbcrechttgung mit der Hingabe ihrer jüdischen Eigenart bezahlt. Wird in einer neuen Freiheit. diese VergewaltigUngsmcthode verschwinden und das Judentum in der Lage sein, seine Kräfte auf die Entwickelung des jüdischen Lebens zu konzentrieren, so wird auch das Verhältnis zur 'Allgemeinheit ein reineres werden. Auch in Deutschland besteht für das ganze Judentum die Notwendigkeit einer Neuorientierung, welche zwar nicht zur Beseitigung des Antisemitismus', wohl aber zu seiner Ueberwindung führen kaum Diese Ueberwindung ist nur möglich durch den Sieg des jüdischen Volks- Alle Arten Kleidungsstücke Civil und Militär werden in meiner Instandsetzungs-Werkstätte Instand gesetstj geändertnnd gewendet. Fachmännische u. prompte , Ansführung hei billigen Preisen. Umarbeiten von Militärmänteln in Ulster, von Binsen in Joppen. , Eduard Freimanu, Frankfurt a. M. Telefon Römer 5168. Langestrasse 22, Gartenbau. Seite 3 Scala - laicht spiele Schäfergasse 29. _ Schäfergasse 29. Modernes Theater Vorführung stets neuer nnd hervorragender Filme' t-, j; gedankens, der auf dem Willen zur eigenen Leistung - und zur eigenen Art ruht. Die Zionisten treten deshalb gerade in einer Zeit, wo anttsemittsche Hetzversuche 'den Boden für neue Konflikte schaffen wollen, 'mit ihren For- - derungen für das jüdische? Volk auf und sind überzeugt, eben dadurch zur Uebermindung des Anttsemitismus am besten beizuttagen. »i r In der anschließenden gbrssprache ergriff auch dar - - 1 bekannte Schriftsteller Emil Ludwig das Wort. Er.erklärte, daß er zum ersten Male von M. Julius. Simon, der jetzt in London für die zionistische Sache tätig ist, für den Zionismus interessiert und während des Kriegest in der Tiirkei durch Ruppin und Lichtheim weiter mit den zionisttsckien Idealen bekannt geworden sei. Je mehr er den Zionismus kennen gelernt habe, desto tiefer ist et-.. von ihm ergriffen Worten und jetzt wolle er in aller ■ Oeffentlichkeit sich zu dieser gewaltigen Erneuerungsbewe-.. gung des jüdischen Volkes bekennen und ihr seine ganze Kraft zur Verfügung stellen. Zum Schluß sprach die Versammlung in einer Refoluitton ihre begeisterte Zustimmung zu dem Plan eines jüdischen Kongresses in Deutschland aus. Zeitungsberichte aus Warschau. Zeitungsbericht aus Warschau!; „Moment" vom 3. Tezbr. berichtet, daß das Polnische Hilfskomitee der Lemberger Jüdischen Gemeinde eine Spende von einer halben Million 5kronen für die beschädigten Juden übersandte. Die jüdische Ge-' meinbeVerwaltung schickte baS Geld zurück mit der Bemerkung, daß eine halbe Million Kronen die jüdischen Opfer in Lemberg nicht bezahlen nnd den Schmerz und die Trauer der Lemberger Inden nicht heilen könne. * . Nach „Hajnt" vom 1. Dezbr. beabsichttgt das Z tonistischp Büürio, Fragebogen an alle jüdischen. Einwohner Polens zn schicken, um festzustellen, wer nach Palästina ans wandern will, wieviel Geld er besitzt und welchem Beruf er angehört. ,Zajnt" berichtete in der gleichen Nummer, daß ut der gestrigen „Gazeta Poranna" auf der ersten Seite sich ’ folgendes Inserat befinde: „Wer sich als katholischer Pole fühlt, soll ständig ein nationales Abzeichen tragen. Das wird es erleichtern, sich auf den Straßen zn orientieren." Tas Blatt und der „Moment" bemerken dazu, daß man ofstnbar die Juden bei Anfällen leichter erkennen und- Jrrtümer vermeiden wolle. * Am 5. Dezbr. erschien die erste Nummer der neuen jüdischen Wochenschrift „Der Jude". Sie wird von der Agudas Haorthodoxie als Parteiorgan-herausgegeben und soll den Interessen der gesamten Orthodoxie dienen. - ' * ' Nach dem „Jüd. Wort" vom 6. Dezbr. fühlt sich dir jüdische Bevölkerung Warschaus durch geheimnisvolle Vorbereitungen stark beunruhigt, die darin bestehe», daß von - polnischen Studenten die j ü dis che n Einwohner nach Auskünften der Hauswächter registriert wer-/ den. Die Juden fordern Aufklärung der Angelegenheit und- Schritte, um die Bevölkerung zuberuhigen. , :• .-1 A I 1 \ Bewegungen in der Orthodoxie. In einer stark besuchten Mitgliederversammlung der Frankfurter Agudas Jisroel-Jugendgruppe schloß Zahn- , airzt Ehrmann sein Referat-mit der Anempfehlung der folgenden Resolutton: .- „Die jüdische Religion und die jüdische Ratton bilden eine untrennbare Einheit. Die Bereitstellung der jüdischen Natton und des jüdischen Landes für ihre Wiedervereini-. gung unter der Herrschaft Gottes und seiner Thora nacht prophetischer Verheißung ist unsere Aufgabe. , Jede Organisation, die bewußt dieses Ziel fördert und welche jegliche Verfälschung oder. Verflachung des vvir der Thora geleiteten Nationaljudendrms vermeidet, wird von " uns mit allen Kräften unterstützt werden. Jede andere. Organisation wird von uns abgelehnt. Die Bereitstellung des jüdischen Landes verlangt dio Besiedelung desselben mit thoratreuen Juden. Diese Beste- . delung ist nach einem unrfassenden Plane unverzüglich iw Angriff zu nehmen. Jede Ortsgruppe der 'Agudas Jisroel .hat die Juden zu werben und zu sammeln, die bereit - sind, nach Erez Jisroel zn ziehen. Erez Jisroel inuß in der Zerstreuung der geistige Mittelpunkt der in Gottes Recht, geeinten nnd organisierten Nation werden." . In der ''Anssprache erklärte Jakob Rose>theim, u. a. folgendes: ' Wenn die Berliner Resolution die Aguda auffordere, sich-, _ „die nationalen Forderungen des jüdischen Volkes" zu eigen zu machen, so sei zu bemerkeir, daß das jüdische, Volk \ aß . solches bisher Ifeine einheitliche Vertretung besitze. Die Forderungen der zionistischen Organisation aber, die hier wohl unter dem Namen „jüdisches Volk" begriffen' wird, kann die Aguda selbst dann nicht unterschreiben, wenn sie, wie, dies z. R. hinsichtlich Palästinas der - Fall, ist, in congretü mit ihnen überetitstimmt. Mehr als je geltees heute, da an einer Weltenwende eine Umwertung allen Begriffe sich vollzieht, göttliche Wchcheitnf$t ./mir zu^> denken, sondern auch in voller Reinheit zur DarstelkuM-A zu bringen. Die Aguda muß daher« wMasteLEkLMsrnehüS

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