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Neue jüdische Presse · 1918-12-20 · Heft 49 (20.12.1918) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
16 (1918)
Issue
Heft 49 (20.12.1918)
Date
1918-12-20
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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§eite 2. ‘y Wenn nicht -alle Zeichen trügen, Kirnen wir ibaöott üBcx^eugt jem, daß die" jüdische Kolonisation ,}'/ DalSstjnus - in ein W zwei Jahren in vollern i£' Gange sein wird. i'- g'- ,rll st :?>r ri- Palästinas Wirtschaft in englischer Beleuchtung. Die bekannte englische Zeitschrift „Economis^ . führt in einem Lellaufsatz aus!: „Tie meisten Menschen verbinden mit dem - Heiligen Land!aum Vorstellungen von Handel und 'Industrie, aber tatsächlich hat Palästina als' eine , der wenigen Provinzen des türkischen Reiches! innerhalb der durch die Türkenherrschast gezogenen . Grenzen mit Nachdruck ünd - Erfolg wirtschaftliche . Kräfte entfallet. Das tritt bei einem Vergleich zwischen dem Wert des ckürKschen Gesanrthandels nnd demjenigen Palästinas wirkungsvoll in.Erscheinung. Bor dem Krieg belief sich. Ein- und Ausfuhr der Türkei zusammen jährlich auf Lstr. 50 Will., das sind bei einer Bevölkerung von etwa 25 Mill. Lstr. 2 auf den Einzelnen. Der Handel Südpalästiims allein, also des unabhängigen Sand- . schaks Jerusalem (mit einer Bevölkerung von . 375000), der durch die Häfen von Jaffa und Gaza; ging, betrug einige Lstr. 2,5 Mill., gleich Lstr. 6 . pro Kopf. Sowohl Einwie Ausfuhr haben sich in' . . den letzten 10 bis 20 Jahren im Werte gehobeir. . - 1686 betrug die Einfuhr» Lstr. 240000 und die Ausftchr Lstr. 120000; für 1000 lauteten die ent- / sprechenden Ziffern: Lstr. 380000 und Lstr. 265000, ' - und für 1013: Lstr. 1310 000 und Lstr. 750 000. Zwei Hauptursachen haben .diesen wirtschaft- . lichen Aufschwung heibeigesührt, und zwar einmal der Ausbau des Eisenbahnsystems und andererseits ' der Charakter der Bevölkerung. Die geographische Lage Palästinas, macht es .'.heute so wie vor Zellen zur Hauptstraße zwischen > Kleinasien und Aegypten und Arabien. .Es war - daher ein lebensnotwendiges Bindeglied zwischen dem Heizen des türkischen Reiches und seinen t. : Au^wbezirken,. und damit arllärt sich, warum 'die türkische Regierung jnetir Aufmerksamkeit auf Eisenbahnbauten in Palästina als' in irgend einer - anderen Provinz richtete. Die erste Lime, zwischen >, Jaffa und Jerusalem, wurde 1892 fertiggestellt; heute ist Jerusalem mll Haifa, einem vorzüglichen natürlichen Hafen, und Wer . Gaza mit dem ägyptischen Eisenbahnnetz in Verbindung. Aber die bestehenden Linien genügen bei weitem.nicht für die Bedürfnisse des Landes. Der Grundriß eines . Eisenbahnnetzes ist jedoch da, und für Eisenbahn- ,-bauten in Palästina bieten sich große Entwicklungsmöglichkeiten. Hervorgehoben werden muß, daß die wirtschaftliche Entwicklung des Landes in der Hauptsache den jüdischen Siedlern zu verdanken ist, die sich zuerst Anfang der 80er Jahre des 10. Jahrhun- - derts einfanden, als die religiösen Verfolgungen in Rußland eine große Anzahl Juden auf die Suche nach einer neuen Heimstätte trieben.- Seit jener Zeit sind 45 jüdische Kolonien mit einer Bevöüerung von etwa 15000 .errichtet worden. Diese Leute sind vornehmlich in der Landwirtschaft tätig, und ihr Pionierwerk verheißt gute Aussichten für die Zukunft. Sie haben Sumpfgebiet trockengelegt, die Malaria durch Anpflanzung von Euckalyptusbäumen vertrieben und durch die Einführung wissenschaftlicher, landwirtschaftlicher Grundsätze bei der Bodenbearbeitung die Erzeugung in großem Maße gesteigert. Es ist z. B. betont worden, daß . der jährliche Durchschnittsertrag an Brotftüchten auf den arMschen Pflanzungen ctwa 'Lstr. 1 per Acre .-{= 0,45 Hektar), auf den jüdischen.Kolonien über .Lstr. 2 per Acre beträgt. Me jüdischen Kolonisten bringen auch größere Orangenernten als die Araber herein. In der Tat spart der Jude weder Arbeit noch Kapital oder Gedäukcnanstrengung bei seinen lmckwirtschafilichen Unternehmungen, und gerade das ist zur Wiederherstellung der alten Blüte des Landes erforderlich. . Man kann aus Palästina vielleicht kein Land / machen, in dem Milch und Honig fließen, aber die Aussichten sind nichtsdestowemger ermutigen!). Landwirtschaft. wird naturgemäß die wichtigste ReichtumZquelle des Landes bleiben und Orangen, Wein- .llauben, Oliven llefern, von der hervorragenden Frankfurter Israelitisches Famllienblatt. . Nr. 49. Gerste ganz zu schweigen, die in dem Bezirk von Gaza-gebaut wird und für ihre Güte einen wohlverdienten Ms besitzt. Viehzucht ist gleichfalls in geringem 'Umfang mit Erfolg versucht worden, und die Erfahrung zeigt, daß die Wnstigen Aussichten in dieser Richtung gut sind. Die Industrien, die Günstiges versprechen, werden ihre Grundlage in der Bodenbearbeitung haben. Die Herstellung von Wein, Branntwein und Msinen ist nach Ansicht Sachverständiger einer großen Entwicklung fähig; die Marmeladenfabrikation hat eine Zukunft in Palästina; die Seifenherstellung wird durch den Oelüberflüß erleichtert werden, und es bestehen Entwicklungsmöglichkeiten für die Z'igarettenindustrie, die sich auf einheimischen Tabak von ausgezeichneter Beschaffenheit wird -stützen »können. Die Fischerei würde sich ebenfalls vorteilhaft entwickeln lassen. Das Land hat Ueberfluß an Wasser sowohl zur Bodenbenetzung wie als Kraftquelle. . . . Es ist kaum wahrscheinlich, daß die Türkei Palästina zurückerhalten wird. Aller Voraussicht nach wird als Ergebnis des Weltkrieges das Land sich derjenigen politischen Organisation erfreuen, die eine wirtschaftliche Entwicklung ermöglicht. Unter dieser Bedingung sollte Palästina ein Bindeglied zwischen Asien und Afrika, eine Marktstätte zweier Erdteile werden." Die Araber für bas Mische Palästina. London, 12. Dez. Faisel als Sohn des Königs. von Hedschas erllärte: „Die Araber geben den Juden fteie Hand aus ihrem Territorium. Das mll den Zionisten erzielte Einverständnis wird den letzten Rest der vyn den Türken erzeugten Mißverständnisse wegräumen." - Der Veruichtungsfeldzug gegen die Inden Polens. Proteste. Kopenhagen. Vor mehr als! tausend Personen sprachen u. a. der greise Gelehrte Professor D. Simon - se n, der dänische Politiker Professor Ellinger, der Dichter. Henry Nathansen, der betonte, daß die einzige Rettung der Juden in ihrem engsten Zusammenschlüsse bestehe, und Palästina ein Zentrum der Mischen Kraft werden müsse, tzind der Publizist Wladimir Großmann, der daran erinnerte, daß, die Juden in Polen beinahe ebenso lange bauernden Wohnsitz haben wie die Polen selbst und im Mittelalter eine weitgehende Autonomie besaßen. ‘ Stockholm. Die jüdische.Gemeinde überwies als ^rste Rate 200 000 österr. Kronen für die Lemberger Pogromvpfer. Der jüdische Hilfsverein in Stockholm beschloß, fürs erste 235000 österr. Kronen nach Galizien zu überweisen. - Eine" Abordnung der jüd. Gemeinde überreichte dem Ministerpräsidenten Eden und dem Außenminister H e l l - nes eine Denkschrift über die Pogrome nnd forderte Intervention der neutralen und alliierten Mächte. Budapest. Eine von mehr als 3000 Personen besuchte Protestversammlung verlangte einstimmig Intervention der Entente und der sozialistischen Internationalen wegen der Pogrome sowie ans Grund der Wilsonschen Punkte, nationale Autonomie für die Juden Polens nnd nationale jüdische Heimstätte in Palästina. Haag. Im größten Saale der Stadt sprachen vor 3000 Menschen van Raalte nnd der frühere Minister nnd Abgeordnete Tre.ub und Senator van Kol. I. H. Kann präsidierte. Trend schloß seine Rede: „Wenn die Pogrome ungestraft bleiben würden, würde ich es lieber vorziehen, «sin jüdisches Opfer der Pogrome zu sein, als mich als Christ schämen zumrüssen." Die Rebe Trends, der bei der Entente hoch angesehen ist, wurde stürmisch applaudiert. - Kol führte aus, daß. die holländische Regierung intervenieren müsse, denn Neutralität sei in solch einem Falle Mtschulb. Mus dem demnächstigen internationalen Sozialistenkongreß in der Schweiz werde er den Ausschluß, der polnischen Sozialdemokraten verlangen. Warschau. Das Rabbinat hatte den vergangenen Montag als einen allgemeinen Fasttag bestimmt nnd die gesamte jüdische Bevölkerung gleichzeitig aufgefordert, nach Kräften für die Opfer der Lemberger-Pogrome zu spenden. Auch erschienen als Zeichen der Trauer die Mtttagsausgaben der jüdischen Tageszeitungen nicht. , Dem verschiedentlich geäußerten Wunsche eines stillen Umzugs der größten jüdischen Gemeinde Europas — Warschau zählt mehr. als 350 000 Juden — durch die Stadt, um auf, diese Weise vor der Oeffentlichkeft zu protestieren, konnte nicht stattgegeben werben, da das Lebender Warschauer Judenheit auch unter der neuen sozialistischen Regierung durchaus Lin gesichertes und ihre Behandlung durchaus keine der anderen Bevölkerung gleichberechtigte ist, — eher das Gegenteil. Hausuntersüchungen nach. Waffen, Maubanfälle, Diebstähle usw. alles trifft merkwürdiger Weise immer die — Juden. Prozessionen sind'wohl erlaubt, nur nicht den .— Juden. .; . Berlin. Ter I ü b is ch e F r a n. e n b ü n d hat.Wege gesucht, den Papst zu veranlassen,.den polnischen Katholiken, ein Wort gegen, die " Pogrome in Pjolen zu) sagen, und ferner folgenden Funkspruch an Präsident Wilson abgesandt: . An Herrn Wilson, Präsident der Bereinigten Staaten, Washington. ' ■ Ter Jüdische Frauenbund, die. Zusammenfassung von 43 000 deutscher Jüdinnen bittet Herrn Wilson seine Auf-' merksamkeit den grauenvollen Massacres zuzuwenden, die in der letzten Zeit in vielen Orten Polens und in Lemberg besonders zahlreiche Opfer fordernd, an der jüdischen Bevölkerung verübt worden Pnd. 1 ' Diese Morde an wehrlos gemachten Menschen um ihrer Herkunft und ihres Bekenntnisses zum Judentum willen,- sind schauerliche Rückfälle in mittelalterliche Methoden, auf, deren Abstellung hinzuwirkcn ' wir jüdischen* Frauen Sie, Herrn Präsident, als modernen Verkünder und Schützer der Menschenrechte herzlichst bitten. Für den Jüdischen Frauenbund Deutschlands gez. Bertha Pappenheim, Vorsitzende. Frankfurt a. M., 3. 12. 18. - Haag. Der Sekretär der Internationale Camille Huysmans telegraphierte aus Brüssel folgendes an das hiesige Jüdische Korrespondenzbüro: „Telegraphieret Taszynski: „Das Execntive-Cpmite der Internationale protestiert' gegen die Pogrome und chosst, daß die polnische Regierung ähnliche 'Handlungen verhindern wird. Eine Versammlung wird ' organisiert werben, um nationale Minderheitsrechte und kulturelle Autonomie zu fordern. Wir werden uns Brantings Vorschlag anschließen." Spanische Proteste. Madrid. Schriftsteller, Professoren, Redakteure, Mit« . glieder der Akademie, Senatoren und Abgeordnete Spaniens haben an Dnowski, den Präsidenten der polnischen Delegation in Paris, folgendes telegraphiert: ° „Wir protestieren gegen Judenverfolgungen, fordern Maßregeln, die den Juden, die wie alle Polen für die Befreiung des gemeinsamen Vaterlandes gekämpft, Leben, Achtung und Schutz verbürgen." - Das Telegramm schließt mit folgenden Worten: „Wir ersehnen die Errichtung eines blühenden Polens. Wir verlangen dringend Ihre Intervention zum Schütz der Juden, deren Verfolgung die polnische Unabhängigkeit gefährdet, wie England namens der Entente warnend aussprach." , che Polnische Dementis. Auf den Sturm der Entrüstung, den die Lemberger Bartholomäusnacht in der gesamten zivilisierten Welt ausgelöst hat, wissen Polcirs Führer nur zu lügen, — statt der Menschlichkeit, der Ehrlichkeit und der Reue ihr Recht zu «geben. Alle Dementis tragen den Stempel frecher Verlogenheit an der Stirne. So das Dementi des sozialdemokratischen Führers Daszynski, dessen antisemitischie Neigungen seit langem bekannt sind, in jeinem Telegramm an den Führer der schwedischen Sozialdemokratie B ra n t i n g. > . D. bringt es hierin fertig, die Pogrome, als bas Werk von Soldaten der ausgelösten österreichischen Armee, also als Werk der Feinde zu erklären, obgleich er in einem Wem behauptet, daß sie gegen den Wucher gerichtet seien, demnach von den ausgebeuteten 'polnischen Volksmassen ausgegangcn sein müßten. Für Menschen mit einem normalen moralischen Empfinden ist eine Gesinnung, wie sie in Daszynskis Dementi zum Vorschein kommt, absolut unbegreiflich. Man muß mit den Verhältnissen in Galizien und Polen vertraut sein, 88ms1ag, den 21. Dezember 1918, abends 6‘/< Ubr im - grossen JSfivgevsiale des Kathauses Redner: Seminarrektor Dr. Rabbin, Odessa, Dr. Einst ein, Martin Levigard, stad, jtuv Erich Fromm. grosse Öffentliche mit dem Thema: .rrr= Nach den Referaten Diskussion. Wir erwarten bei der hohen Bedeu'ung des Themas, dass alle Juden, die noch VerantwortnngsgefOhl für das. Wohl and Wehe, der jüdischen Gesamtheit in sich tragen, . in dieser Versammlung eischeinen_und diese damit zu einer Massenkundgebung gestalten. : # . »«WIM «MM

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