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Neue jüdische Presse · 1918-12-13 · Heft 48 (13.12.1918) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
16 (1918)
Issue
Heft 48 (13.12.1918)
Date
1918-12-13
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 48.f Frankfurter Israelitisches Familienblatt. «eite» ' ' ..*■ - ^TT“ Sch&fergasse 29. j . ... - •’ Sch&fergasse 29. f Modernes Theater Vorführung stets neuer, and hervorragender Filme , -Platzkommando Kommando der Expedition Sanck - . Sanck-Chyrow .An hie Israelitische Kultusgemeinde in U str z y k i d o l no. Es wurde nun bestätigt, daß die jüdische Bevölkerung an ' feen Kämpfen der Hajdameken. gegen das polnische Militär teilnimmt, das iim Auftrag der polnischen Regierung Ruhe und Ordnung in das Land bringt.. Infolge dieser feindlichen und verbrecherischen Handlungen haben schon drei unserer Soldaten den Tod erlitten. Die Täter werden dafür persönlich'haften. Die israelitische Gemeinde, die dies nicht verhinderte, hat unter dem Titel der Strafe einen Betrag von 300000 fronen, im Verlauf einer Stunde zu zahlen. Im Falle der Nichteinzahlung werben die jüdischen Häuser bombardiert oder mit Dynamit gesprengt und die Strafe zwangsweise eingehoben. . ' Ter Offizier, der .dieses Schreiben zugestellt, ist gleichzeitig bevollmächtigt,, obige Summe in Empfang, zu nehmen und zu quittieren. / Ustrzyki, 24. November 1918. Svoboda, Oberstleutnant Kommandant der Expedition. - Protokoll' der Uebernahme im Sinne der Zuschrift des Kommandos vom 24. November 1918. Wgenommen a conto bar 3 900.— ,25 Stück rote-Kreuz-Lose zu 20 Kronen 500.— 1 Postsparkassenbuch der Frau Sofie Apfel 2 000.— . Eisenbah nvorschust für die Firma Faltner Und Tattner 15 837.82 3 Stück österreichische Kriegsanleihe ü 1000 Kr. 3 000.— Bargeld bei Tr. Sterner und Bürgermeister - Fränkel 34100.— zusammen 59 337.82 zusammen in Barem und Papieren in Sorten. zur Uebernahme an Oberstleutnant Svoboda übernommen Szczcpanowski, . ' Jngenieur-O berleutnant. Hierzu wirb uns zur Erklärung noch mitgeteilt: Ustrzyki ist ein kleines jüdisches Nest in Westgalizien mit 3400 Einwohnern. Ter siegestrunkene General Roja (ehemaliger Provisionsatzent der Austro-Amerikani) hat dorthin seine ,Heldentruppen" gesendet, um neue Lorbeeren und — yeues' Geld zu holen.' Dteihundecttausend Kronen sollten aus der Armut des Kleinstädtchens erpreßt werden! Sonst kündigten die! Herren Dhnainit und Bomben an! Dreihunderttausend Kronen konnten'jedoch unmöglich' geholt werden. Da sind auf Befehl des Herrn Svoboda zwei Panzerzüge vor Ustrzyki vorgefahren. Ein Advokat begab sich nach Krakau, um den Grafen Lasocki, Chef der Verwaltung Galiziens in der Liquidierungskommission, von dem unerhörten Vorfall Mitteilung zu machen und übergab ihm eine vom ehemaligen Bezirkshauptmann Noel bestätigte Kopie des kuriosen „Befehls". „Minister" Lasocki verlangte das Original, und als es ihm! von dem Advokaten übergeben worden war, verweigerte er die Ausfolgerung. desselben. Unter russischer Zarenherrschaft hätte bei solchen Gewalttaten ganz Europa aufgeschrieen! * Proteste. Haag. Tie hiesige Gemeinde veranstaltete einen Fasttag und TraUergottesdienst. — ' Der israelitische Gemeinbebund forderte die Regierung auf, bei den Ententemächten wegen der Pogrome zu intervenieren.; Senator Polak empfing ein Telegramm der polnischen Regierung, worin sie bürgerliche Gleichberechtigung für die Juden und kräftige Maßnahmen gegen die Pogrome verspricht und behauptet, daß die jüdischen Bolschewisten die Mißstimmung der Bevölkerung hcr.- vorriefen. Die Regierung erklärt, versöhnlich zu wirken und bittet die polenfeindlichen Agitationen einzustellen. Senator.Polak antwortete, daß die Schuld der polnischen Behörden am Lemberger Pogrom feststehe und die Beschuldigung des Bolschewismus böswillige Erfindung sei. Das jüdische Volk und, die zivilisierte Welt werden sich nicht beruhigen, wenn die Polen den Juden nicht die nationalen Rechte zuerkennen, ohne die die bürgerliche Gleichberechtigung illusorisch sei. London. Eine von zehntausend Teilnehmern besuchte - gewaltige Arbeiterbemonstrationsversammlung für den Völkerbund nahm scharf gegen die polnischen Judenpogrome Stellung. — Der Jüdischnationale Arb eit er rat veranstaltete ein Massenprotestmeeting, an welchem die gesamte jüdische Gemeinde teilnahm. — Die „Times" brachte unter dem Titel: „Pogrome in Galizien" einen Artikel, in welchem-sie der Zufriedenheit Ausdruck gibt, daß endlich alliierte Offiziere ans Budapest nach Lemberg zwecks Untersuchung der Exzesse gegen die Juden entsandt worden seien. Eine freie Untersuchung werde die Wahrheit beweisen und sicherlich dem polnischen Volk in den Augen der ganzen zivilisierten W-lt großen Schaden tun. Um die Massakres zu kennzeichnen, kann nur das Wort „Wscheulichkeit" angewendet werden, namentlich mit Rücksicht darauf,, daß sie von einer Rasse ausgehen', die die, Hilfe der 'Alliierten erwartet. Die Staatsmänner der Alliierten müssen für die Bestrafung der , Schuldigen sorgen und die Judenfrage, losem V Der Artikel drückt den! Verfolgten alle Sympathie aus. Die Verwirklichung des zionistischen Gedankens werde die Lägm nur teilweise erleichtern. Die wjchttzstp zionistisch«! Ausgabe--; sei es, den jüdischen Massen neue Hoffnungen, ssnzuflößen und sie zu lehren, in' aller Offenheit — nicht im Geheimen — vollen Rassenstotz zu . zeigen, zurreligiösen Entwicklung und Zivilisation der Menschheit beizutragen und mit voller Energie den jüdischen Führern entgegenzutreten und zu widerstehen, deren Tendenz den jüdischen Namen; diskreditiert. Um dieses. Ideal , zu verwirklichen, müsse den Juden Gerechtigkeit gegeben werden, die auf ihren Bedürfnissen basiert. Eine schlechte Behänd-! lung der jüdischen Frage stellt überall eine Gefahr für die Ordnung und für eine gute Regierung dar. Die alliierten .Staatsmänner müßten ehrenhafte Anstrengungen machen,, um die jüdische Frage zu lösen. Neben der Durchführung des Zionismus muß den Juden überall die Gleichberechtigung garantiert werden. Der Leitartikel der Times ruft große Aufmerksamkeit hervor. Senat gegen die polnische Pogro me. Haag. Senator van Kol interpellierte im Senat die. Regierung wegen der polnischen Pogrome. Minister des Auswärtigen Karnebeek erwiderte, als Mensch teile er von Kvls Empörungen, als Minister meine er, Holland könne wegen der prekären internationalen Lage keine Initiative ' ergreifen. Die Senatoren van Kol,'Henry Polak und Embden tadelten die Haltung des Ministers und forderten ein entschiedenes Auftreten. - Embden verlangte, daß Holland keine Beziehung mit den Polen eröffnen dürfe. Der Minister erwiderte, er sei mißverstanden worden. Er mißbillige die Pogrome und habe bereits Schritte unternommen. Das Interesse verschiedener Radierungen für die Befriedigung; tzer jüdischen Forderungen sei vorhanden. Ban Kol schlug eine Resolution vor: „Der Senat mißbilligt dick Pogrome in Galizien und Polen und bittet die Regierung, Schritte wegen Entsendung einer Kommission zu unternehmen." Tie Abstimmung.über diese Resolution wird in der nächsten Woche stattfinden, o * Stockholm. Unter dem Vorsitz Bernadottes, des Bruders des Königs, fand am 6. Dezember eine von konservativen und Reichstagsmitgliedern und Geistlichen veranstaltete Protestversammlung gegen die polnischen Pogrome Patt. \ ' Protest« und Hilfeleistungen. Newyork. Richter M ack richtete im Namen der Zionistischen Organisation Amerikas, Louis Marshall namens des American Jewish Comitees daS dringende Gesuch an Wilson, gegen die Pogrome in Galizien und Polen einzuschreiten. Auch der Verband der galtzischen Juden in Amerika wendet sich an Wilson. Stockholm. Hier hat sich infolge der polnischen Pogrome ein jüdisch-politisches Komitee gebildet. Tie Jiidische Gemeinde hat für die Pogromopfer in Lemberg cüs erste Rate 100000 österr. Kronen überwiesen. Die sozialdemokratische Fraktion des Reichstags sandte-eine Abordnung zur Regierung, um eine Protestnote an die polnische Regierung zu. veranlassen. Der Minister des Aeußern erklärte, die starke Empörung gegen die Pogrome zu teilen, doch fei die verlangte Note nicht möglich, weil Schweden keine diplomatische Verbindung mit oer polnischen Regierung unterhalte. * Wien.'Hier haben gleiMeitig vier gewaltige Massenversammlungen zum Protest gegendie Pogrome in Galizien und Polen stattgefunden. Redner waren » a. Oberxabbiner Tr. CHajes, Reichstagsabg. Dr. Strancher, Adolf Stand, Frau Anita Müller. * Eine von der deutschen Volkspartei einberufene antisemitische Versammlung, welche eine große Pogromhetze zu inszenieren suchte, wurde durch die Rote 'Garde gesprengt; die Teilnehmer der antisemitischen Versammlung wurden verprügeld Eine Erklärung der deutschen Regierung zu den Pogromen, Das Wolfs'sche Telegraphenbüro publizierte am 2. Dez. 1918 folgende Mitteilung: Bon polnischer Seite wird in den letzten Tagen in Schweizer Blättern behauptet, daß die Pogrome in Galizien auf alldeutsche (!!) Umtriebe zurückznführen seien. Von amtlicher deutscher Seite wird erklärt, baß diese Behauptungen völlig frei erfunden sind, und einen Versuch der Polen barstellen, sich von der schweren Schuld "an den fürchterlichen Exzessen reinzwwaschen. Tie deutsche Regierung bedauert lebhaft die Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung in Galizien und Kongreßpolen. ' Bertu schun gsv ersu ch e. Wie der „Jüd. Nationalrat für Deutsch-Oesterreich" aus Wien schreibt, trugen die Pogrome in Galizien durchaus einen politischen Charakter. Die polnische Regierung will dies natürlich nicht Wort haben und telegraphiert Vertuschungsnachrichten in die Welt. So der Sozialist Daszynski, der DeutschOesterreicher als die Organisatoren beschuldigt, — als wenn sich die polnischen Legionen von Deutsch-Oesterreichern beeinflussen ließen! So ein Telegramm des polnischen Ministers des Aeußern an den Jüd. Nationalrat in Wen, das die Berichte über die Pogrome für übertrieben erklärt und mit dem Erstlchen, die ausländischen Juden möchten ihre polenstinbliche Mitatüm einstellen, noch überdies den Spieß, nmdreht. Ueberall in der Welt haben die Juden die Erfüllung der polnischen Freiheitsideale begrüßt. Selbstverständlich schien es ihnen aber, baß die Polen im Besitz der eigenen Freiheit auch das Recht der - jüdischen Bevölkerung auf bürgerliche und national Gleichberechtigung beachten werben. Manche jüdische Kreise bezweifelten das schon früher; - KaiseratrasseSS •; Keiaerstr^aa* Täglich erstklassige UnterhalinngsBräslk Gesangs-Einlagen» ' aber niemand hat gewagt; so schreckliche Ereignisse z« befürchten, wie sie sich in den letzten Wochen in Gälten und. vor allem in Lemberg zugetragen haben. Diese firrchtbaren Erfahrungen werden allerdings ihren Einbruch nicht nur auf die gesamte Jndenheit, sondern auch aufdie gesamte Kulturwelt nicht - verfehlen. Diesen Eindruck abzuschwächen, ist ein umfangreicher polnischer Bertuschungsapparat bemüht- Wenn die polnische Liqnidiernngskommissinn in Krtzkan ein Commünique veröffentlicht, wonach die furchtbaren Ausschreitungen in Lemberg auf EMsse von Verbrechern zurückzuführen seien, welche die Ukrainer aus den , Gefängnissen entlassen hätten, so fällt selbst dem Naivsten auf, daß diese von den Ukrainer entlassenen Verbrec^r ihr Schandwerk erst mit dem Einzug der Polen begonnen, haben, während sie sich durchaus ruhig verhielten, solange die Ruthenen in der Stadt waren.. Diesen Bertuschungs- ,manöyern setzt die Feststellung die Krone ans, daß unter den verhafteten Banditen und Plünderern, welchen die ' Schuld an den Vorgängen zugeschrieben wird, oO Prozent Ruthenen, 30 Prozent Polen und 10 Prozent Jüdin- .sich; befanden. Demnach werden die Polen bald bei der Behauptung angelangt fein,' daß die Pogrome in Galizien und Lemberg von jüdischer Seite organisiert und durch,: geführt worden finb. Es ist begreiflich, daß das Auftreten der polnischen Behörden im. Ausland große Erbitterung erzeugt, da man nicht einmal jetzt bemerkt, baß die verantwortlichen' panischen Stellen-ihre Ableugnungstaktik ausgeben Und'sich affen und ehrlich und mit aller Entschiedenheit gegen dm schuldtragenden Kreise des polnischen Dolles wenden.. Mit; dieser Erbitterung hängt es' zusammen, daß, wie aus Me» gemeldet wird, in Wiener Finanz- und Gesellschaftsreisen eine starke Boykottbewegung gegen die Polen, einzwsetzen «ginnt, als deren Folge die Unterbringung her sü»knischen Anleihen große Schwierigkeiten bereitet. -' « Hip Aus alltzr Wett! ' ' Oesterreich. Sink Da» Bekenntnis zur deutsche» Xstts». Der Jüd. Natronalrat hat beim Staatskanzler- 3ESeltner und beim Staatssekretär Kaub, welcher vor'kurzem die Angelobung jüdischer Militärätzte für den^'demsch»; österreichischen Staat verweigert hat, intervenrertl^Der Staatskanzler und der Staatssekretär versicherten, daß keine Rechtsverletzung gegen Juden beabsichtigt' gtwesew. sei. Tie Fragen seien eben noch nicht geklärt. Der Umstand, vatz verschiedene von einander abweichende Verfügungen vorhanden seien,. hätte Mißverständnisse; veranlaßt. . ' Nachdem der Jüdische Nationalrat, welcher gegen dm von Kemetter vorgeschlagene und ins Gesetz übernommene Formulierung, wonach die deutsch-österreichische Staatsbürgerschaft an das Beknntnis zur deutschen Ratio» gebunden ist, Einspruch erhoben hat, hat er nunmehr, vom Staatskanzler Renner einen schriftliche» Bescheid bekommen. daß dank den Bentühungen des Jüdischen Nv-, tionalrats Abänderungen des Gesetzes beschlossen sind; Auch. in Bezug auf die Angelobung für den deutsch-österreichische» Staat, werde man entgegenkomme» Diese Stellungnahme des Staatskanzlers schafft , df« erste Voraussetzung dafür, daß im deutsch-österreichische». Staat die Juden nicht gezwungen werden sollen^ sich^ um die vollen staatsbürgerlichen Rechte zu genießen, zur deutschen Nation zu bekenne» Aus der MiSrachi-Beweguus-. Berlin. Die MiSrachtgruppe veransialtete ihre erste große Versammlung dieses Winters. Bibliothekar Dr. Hermann Pick präsidierw. Hermann Struck und- Rechtsanw. Dr. Arnold Barth waren die RÄner des Abends. ' - - - . -i ' ' In ber Anssprache machte Rabb. Dr. Hild es h eimer Mitteilung, von einem Angebot gemeinsamer Arbeit;. das die Agndas Jisroel an das Zio» Büroin Kopenf Hagen gerichtet hat. Er verlangte Bürgschaft für die Unverletzlichkit der religiösen Interessen in Palästina. Ihm - J erwiderte Dr. Pick. Fab ins Schnitz bestritt der Orthodoxie ihre Sonderinteressen und forderte das Erwachen-: L eines einigen jüdischen Geistes für Palästin» Dr- Willy:. H ofmann, der nicht der Organisation angehört, ervärtck sich als Orthodoxer für Zusammenarbeite» Sodann K sprachen Prof. Dr. Löwe, Rechtsanw. Grwnemann, .I Lazarus Ba-rth und Hans^Goslar. — Die neue Misrachigruppe im Osten Berlins hat bv-8 reits 250 Mitglieder- . zürtch. Das Misrachi-Preßkommitee (A-J. - Z Rom, Pros G. da Fan», M. Berlowitz, T. Mturhus. & A. Goodman), Zürich, Postfach 345 Bahnhof,, läßd dienung der Presse eine Korrespondenz erscheine» Das Misrachi-Korrespvnbenzbüro Zürich meldet <nH Palästina: ' M Die Misrachiorganisation formt heute bas Band-^zwk^-W scheu allen thoratreuen Elementen im Lmibe. ' Täglirtz- W werden neue Vereine gegründet. An der Spitze der Orgw-,-^ nisation steht ber Chacham Baschi von Jafsap Rabbiner-' Ben Zion Usiel. Die Rabbiner-Konserenz i» Jeru- D salem faßte den Beschluß, die Jeschiboth- und Talmudv-.^ ThorldSctzllen zu.hebräisiere» Zum. ersten Male wurde H

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