Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 16 (1918)
- Issue
- Heft 47 (6.12.1918)
- Date
- 1918-12-06
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. Frankfurter Israelitisches. FamilienAatt. Rr. N Das alihewshrte kisrv-npulver Eerrinnm Dr. Weil der Schwanen - Apot heke in _ Frankfurt am Main, wird ärztlich gerne« vero'd' et hei" Krumpfen. Fr 1« Mk. 5.—. Zn haben durch die PHvIlesr. Schwanen-Apotheke in Frankfurt am Main« Best. 10% Haemoglob 84 % Eisenbrbm und 6% EnzianbiHerst binftf notwrndia, daß die Untersuchung unter Zuziehung nichtgalizischer Juden unter offiziülcr Beteiligung der Zionistischen Organisation geführt wirb. . Daszynski macht den verleumderischen Versuch, die Polen von der Schuld an den furchtbaren Verbrechen reinzuwaschen, indem er die Pogrome auf Anstiftung von deutsch-österreichischer Seite zurückführen will. Schritte der deutschen Regierung. - Der „Jüd, Rundschau" wird von unterrichteter Seite mitgeteilt: In der Reichskanzlei fand am 29. November eine Besprechung mit drei polnischen Politikern, nämlich Reickstagsabg. v. Tramp czyn skr und den Vertretern des Obersten Polnischen Volksrats in Posen Marchlewsk i und P o s w i n s k i statt, an der von deutscher Seite Dr. Breitscheid, Volksbeauftragter im Ministerium des Innern und Reichstagsabg. Dr. Oskar Cohn vom Reichsjustizamt teilipchmen. Die Besprechung behandelte die Pogrombewegung gegen die jüdische Bevölkerung in Kvngreßpolen und GaUzien. AE Ergebnis der Besprechung ist festzustellen, daß die pol- , irischen Politiker erklärten, daß sie durchaus einsehen, daß die jüdische Frage in Polen jedenfalls aus der Friedenslonfe- > renz zur Erörterung kommen müsse. Die polnische. Regierung stehe auch nicht auf dem Standpunkt, die nationalen Minderheiten zu vergewaltigen. Die polnischen Politiker leiteten im Gegenteil schon aus der Geschichte des alten Polens die Verpflichtung' her, auch den -Juden volles Recht zu gewähren. Die polnischen Politiker erklärten, sich bereit, dem polnischen Ministerium sogleich eine öffentliche Bekanntmachung gegen die Pogrome sowie die Anrufung einer neutralen Regierung anzuraten,-die zur Untersuchung der zahlreichen Berichte über die Pogrome gegen die'jüdische Bevölkerung eine unter neutralem Vorsitz arbeitende Kommission niedersetzen solle. Ueber die Zusammensetzung der Kommission soll noch verhandelt werben,, indes erklärten, die polnischen Politiker, daß sic mit der Zuziehung jüdischer Kommissio nsmitglieder durchaus einverstanden seien, auch nicht etwa darauf beständen, daß diese den Kreisen der jüdischen Assimilation entnommen werden. Es ist abzuwarten, ob diese Zusape, zu der sich die polnischen Politiker bisher deutscher Staatsangehörigkeit gegenüber Mitgliedern der deutschen Regierung bereit erklärt haben, nunmehr auch von dem polnischen Ministerium eingelös? werden wird- ' Bewegunge« I« -er Orthodoxie. >. Am 27. Nvvbr. fand in Prag eine große Versammlung des. Vereins der jüdischen Orthodoxen Böhmens „Sinai" statt. Die Versammlung beschloß, die Entsendung von Vertretern der Vereinigung in den Jüdischen Nationalrat —es wurden Dr. Salomo» Lieben u. Marcus Unger delegiert --- zu billigen und stellt den Verein auf nationaljüdische Basis. Die Resolution, welche zu diesem Beschluß führte, wurde einstimmig .angenommen. Die Mitgliederversammlung billigte den schon durch den Ausschuß des Vereins „Sinai" durchgeführten Zusammenschluß mit dem Jüdischen Nationalrat auf Grund der getroffenen Vereinbarungen, die u. a. sämtliche rituelle Gemeindceinrichtungen einer in der Mehrzahl aus gesetzestreuen Mitgliedern bestehenden Kommission unterstellen und 'die Interessen der Orthodoxie in der Schulfrage wahren, und unter Anerkennung des Programms des Jüdischen Nativnalrats. 1 ■ Dieser Zusammenschluß ist umso, bedeutungsvoller, als der Verein der jüdischen Orthodoxen Böhmens „Sinai" ' die repräsentative Organisation der. gesamten jüdischen Orthodoxie in Böhmen darstellt, zu deren führenden Männern der Oberrabbiner von Prag, Dr. Heinrich Brobh, gehört. * An dem jüdischen Vorparlament der Ukraine, bas Anfang November unter Anteilnahme der ganzen Judenheit der Ukraine in Kiew tagte, hatte sich auch die in der Vereinigung „Achdus" organisierte Orthodoxie dieses Landes beteiligt. Im Präsidium saß als. ihr Dcrtrejer Rabbiner Ale s ch ko w s ki. Rabbiner H e llmann gab im Namen der „Achdus" eine Erklärung ab, die neben allgemeinen Forderungen — Vertretung auf dem Fricbenskängreß, Anerkennung der jüdischen Nation, Palästina uftc: —für die Judenheit der Ukraine folgendes verlangt: 1.) Verkündung der nationalen Selbstverwaltung, ,2.) Selbstbestimmung brzügl. Ehe und Scheidung, Sabbatunb Feiertagsruhe, -3.) Nationales Recht für Hebräisch, Jüdisch Umgangssprache, 4.) Verbreitung der Thora durch Gründung von höheren und anderen Lehranstalten. Aus aller Wett. Deutsches Reich. ©erlitt. Das Stimmrecht der Franc«. Der Jüd. Frauenbund versendet folgendes Rundschreiben: „An die Ortsgruppen des Jüdischen Frauenbundes und die ihm angcschlossencn Vereine! Die. stürmisch vorwärts drängende befreiende Entwicklung der Ereignisse hat den Frauen das Stimmrecht gebracht. Die Mehrzahl der Frauen kennt den Wert und die Bedeutung des kostbaren Instrumentes, das ihnen in die Hand gedrückt wurde, noch nicht und weiß noch nicht, wie es verwendet werden muß, um Leben und Geschick des deutschen Volkes in der kommenden Zeit verheißungsvoll zu gestalten. - Darum fordern wir die Ortsgrupven des Jüdischen Frauenbundes und die angeschlossenen Vereine auf, raschest belehrend und aufklärend und zur Bildung einer Meinung auf ihre Mitglieder zu wirken, damit auch die jüdischen Frauen, getragen von reiner eigenster persönlicher Ueberzeugung und in vollem Bewußtsein ihrer -staatsbürgerlichen Verantwortlichkeit bei der ersten deutschen Nationalversammlung ihrer Wahlpflicht genügen können." Hamburg. * , Eine jüdische BolkSdersammluug. Tie zion. Ortsgruppe veranstaltete eine jüdische Volksversammlung im_ Kuriehause, die von mehr als 1609 jüdischen Männern und Frauen besucht war. In seiner einleitenden Ansprache wies der Vorsitzende darauf hin, daß diese erste öffentliche Aussprache der Hamburger Judenheit unter den neuen Verhältnissen von manchem Zwang befreit sei, der-während des Krieges an der freien Aeußerüng jüdischer Wünsche und Forderungen gehindert hätte. Heute gelte es, die Forderungen des. jüdischen Volki^ an die Friedenskonferenz auszusprechen und einmütig zu unterstützen. Die furchtbaren Pogrome in Polen und Westgalizien beweisen zur Genüge, wie bitter eine geschlossene Stellungnahme des ganzen Judentums Not tue. . Sodann sprach Rechtsanwalt Dr. Klee-Berlin in einer -glänzenden, wiederholt von lautem Beifall Unterbrochenen Rede über die jüdischen Friedenssvrderungenwie sie im Kopenhagener Manifest der zionistischen Weltorganisation formuliert worben sind. Er schilderte die neue Lage des Zionismus, der heute die Früchte seiner Arbeit in der Anerkennung des jüdischen Volkes durch die Großmächte ernte, nachdem die jüdischen Massen in der ganzen Welt ihm bas Mandat übertragen haben, in ihrem Namen zu sprechen Und zu handeln. Er wies darauf hin, daß die nationale Heimstätte in Palästina, einst als Utopie verlacht, heute in die greifbare Nähe der Verwirklichung gerückt sei- und daß keine Macht der Welt die Gründung dieser Heimstätte verhindern könne. Bon dieser Entwicklung zum nationalen Ziel haben sich biedeutschen Juden bisher freiwillig ausgeschlossen, obwohl grabe sie früher eine Art Hegemonie beansprucht Und ausgeübt haben. In letzter Stunde lasse da der Zionismus seinen Ruf nochmals an sie ergehen. Redner zeigte, welchen Gefahren sich das deutsche Judentum durch seine Absonderung aussetze, wie es die Fäden zerreiße, die es mit dem lebendigen Organismus des jüdischen Volkes, verbinden und dadurch dem Verdorren preisgegebcn werbe. Er zeigte, wie grade die neue Zeit dazu angetan sei, eine neue Epoche der Assimilation' und der - Mkehr vom Judentum heraufzuführen, und wie es nur. durch eine große, nationale jüdische Idee möglich fei, die jüdische Jugend bei ihrer Gemeinschaft zu erhalten. Nachum Go lb m an n-Berlin ergänzte die Ausführungen seines Vorredners durch die Betonung des historischen Momentes, in dem das Judentlün unsrer Tage lebe., Der Zionismus habe es wieder aus einem Objekt der Geschichte zu ihrem Subjekt gemacht und damit dem Golusdasein bas Entwürdigende genommen. An dem Willen des jüdischen Volkes zu eigenem nationalen Leben fei ein Zweifel nicht mehr erlaubt, und wer nicht Hand anlege am Werk der nationalen WiÄ>ergeburt, dem sei das Talmudwort als Mahnung gesagt, daß jede jüdische Generation, unter der der Tempel nicht wieder erstehe, so schuldig sei, als habe sie ihn zerstört. Nach den beiden Referaten gelangte unter stürmischem Beifall die vorgelegte Resolution (Anerkennung des jüdischen Volles, nationale Heimstätte in Palästina usw., Protest gegen die Pogrome/ zur einstimmigen Annahme, unb es erfolgten mehr als hundert Anmeldungen zur zion. Ortsgruppe. \ ttttgttlt. Budapest. . Eine RegieruugSerNSrun». Die Lanbesverfammlung der gesamten. JubenschaftUugarns nahm für die assimilatorisch?» Einberufer einen unerwarteten Verlauf. Die Regierungsvertret'r Ackerbauminister Buza und Staatssekretär Johas -Nady sprachen sich für die Anerkennung einer jüdischen Nationaus, die die Treue zu Ungarn nicht beeinträchtigt. Aus der '„Agudas Jisroel"-Bfweguug. Flehiuge«. Heute wurde hier eine Agudas-Jsroel- Frauen- und Mäbchengruppe" ins Leben ge-' rufen. Lehrer Nabinowitz wußte trefflich die Ziele" und Zwecke der Aguda klarzulegen. Er begründete die unbedingte Notwendigkeit eines religiösen Vereins durch die Darstellung der jetzigen jüdischen Verhältnisse im Gegensatz zu den früheren Zeiten. Ferner brachte er zum 'Ausdruck, daß die Ägudo den Zweck hat, das Judentum in einen Bund zu vereinigen, um sich so mit der Thora zu beschäftigen und .das große-Feld, des jüdischen Gebiets zu bearbeiten. Das erfreuliche Resultat dieses Vortrags war der Anschluß sämtlicher Damen als Mitglieder. Ml. Nanny Barth, welche in Karlsruhe bereits aktiv in der Aguda - tätig Ivär,. wurde als Schriftsühreri» ernannt. Borge« . sehen ist die Durchnahme von Dinim, sowie der laufenden Wochenabschnitle. Ferner sollen Vorträge' über jüdisch? Geschichte unb Literatur sowie jiber aktuelle jüdische Fragen gehalten werden. . . V. Aus der Misrachi-Bewegrmg. Luzern «Schweiz!. Die hiesige Ortsgruppe beging, am 30. Noübr. eine Makkabäerfeier im großen Saale des Hotels „Rütli" mit Dr. KarlEmilBloch als Festredner und einem sehr abwechslungsreichen, bei dem zahlreichen Publikum volle Befriedigung auslösenden , unterhaltenden Programm. / Personalien «. kleine Mitteilungen. Wie». We die „Reichsvost" mit»eilt, gibt es in dem bisherigen Oesterreich 28 572000 Einwohner und zwar: Deutsche 9 950 000; Tschechen 6 435 000; Polen 4968 000; Ukrainer 3519; Slovenen 1-253 000; Serbokraten 783 000; Italiener und Rhätoromanen 768 000; Rumänen 275 000; Magyaren 11000. Bon dieser Zahl sind die. Judendie in diesen Völkerschaften enthalten sind, in Wzng zu bringen; nämlich 1314 000 Juden, wovon 872 000 in Galizien, die zumeist den Polen zugerechnet werden. Das sonst antisemitische Blatt ist nunmehr der Ansicht, daß man die Juden als besondere Nation mit eigenen nationalen Rechten anerkenne. Kopenhagen. Ein Telegramm der französischen Tageszeitung „Petit Parisien" aus Washington .nennt Oberrichter Louis D Brandeis, Ehrenpräsident der Zionistischen Organisation von Amerika, als Mitglied dev vom Präsidenten Wilson ernannten amerikanischeik'D elegatiön beim Friedenskongreß. Zürich. Siegfried Ludwig - Harvurger, früher Sekretär der Israelit. Gemeinde Mülhausen, ist als eines der letzten. Opfer des Kriegs g es allen. Er hatte sich das Eis. Kreuz 2. und 1. Kl. erworben. ^frankfurter Berichte. . Der Völkerbund Im Lichte des Jndentnms. Zu dem vom „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" unb vom „Montefiore-Verein"' veranstalteten Vortragsabend hätten sich etwa 300 Herren und Damen eingefunben. Dr. Jsaac Heinemann, der Vortragende, führte aus': Zwei Monate trennen uns von unserem Jomkippur, an dem wir 'seit Jahrtausenden Gott um Aguooh achas, um die Verwirklichung eines Völkerbundes slehen. Und über Chanukah, unserem Siegesseste, das wir in diesen Tagen feiern, steht bas Prophetenwort: Nicht mit Heeresmacht, nicht mit materieller Kraft) — sondern durch meinen Geist, spricht Gott.. . ' Unsere Propheten haben immer wieder dlS Ideal eines Völkerbundes gezeichnet, — doch man hatte sich, daran gewöhnt, zu behaupten, daß. sie dieses Ideal erst mit der Zeit des Messias verbinden. In Wirklichkeit, fußt aber ihr ganzes praktisches Judentlün, ihr jüdisches Denken und Fühlen aus dieser Anschauung. .. 4 . Man muß eben den jüdischen Begriff des Völkerbundes verstehen! - ' Zunächst, wie dieser Begriff nicht ist! Er hat nicht die imperialistische Form, wie z. B. beim Römischen Reich und bei Napoleon I. Er ist aber auch kein Kvsmopolitismus, dem das Christentum Vorschub leistete und den die Eührer des Sozialismus erstreben, denn das Judentum nnt ein Glück des einzelnen nur in Verbindung mit seiner Familie unb seinem Volke. Er hat aber auch keine utilaristischc Form; gerade der Egoismus scheint den Militarismus zu rechtfertigen, der durch den Krieg selbstloses Heldentum schasst. . * Das Judentum^ will ein Heldentum des Friedens. Der jüdische Begriff des' Völkerbundes verlangt von uns eine Umwertung der Werte: Der Völkerbund ist nach dem Judentum eine sittliche. und eine rechtliche Forderung. Nicht die Macht, sondern das Recht dominiert. Deshalb will bas Judentum keine Verständigung der Völker unter einander, sondern Verständnis der Völker für einander. Zioaistische J«genSgr»ppe. In der am Samstag, den 23. d. Mts., im . neuen Heime der Jugendgruppe stattgehabten Generalversammlung, erklärte die Versammlung sich mit dein Beitritt der JugenbgruPPe zu dem neu ins Leben gerufenen Nationaljüdischen Arbeitsausschuß einverstanden. Das vorgesehene Arbeitsprogramm für den Winter wurde von dem Vorsitzenden, Architekt Kaufmann, mitgeteilt, und es knüpfte sich hieran eitze lebhafte Debatte über die Art der zu leistenden Arbeit? Der Vorschlag des Vorsitzenden auf Erhöhung des monatlichen Beitrags der Jugendgruppe von 50 Pfg. auf 75 Pfg. wurde angenommen. Freij gend (kons Fri schwe za ß bas-: in <1 von Jude zelne i Char baß Hobe: und die nmrb heilst läge des ' schaft ist t gezei i werti res nach; sen Fahr worb Tifer Part der! Gessh Per der ber und Heb los; spraö ber Jahr plötzl von verkü habe: - r mokr bische baue: erne bas scheu gäbe: neu: gelöf letzte Oste, wenn Mis die h Jasti ver der : wibn jetzt einer forde Die Reih! — ä< MiSrachi-Jngeudgrnppe. Die Misrachi-Jugendgruppc wir) folgende Kürse . veranstalten: I. Hebräisch. 1.) Unterstufe: Sprachunterricht, zweimal in der Woche- Montag und Mittwoch 8Va Uhr. Leiter: stud. jur. F. Goitein. 2.) Oberstufe: Wissenschaftl. Grammatik, Lektüre, Sprachübungen. Leiter: Dr. Rabin. Ö. Junghebräische Literatur. 1.) Lektüre moderner Schriftsteller für Fortgeschrittene. Leiter: Dr. Rabin.- 2.) Referate über einzelne Werke (möglichst in hebräischer Sprache). III. Erez Jisroel. 1.) Kurs gemeinschaftlich mit der zionistischen Jugendgruppe. Leiter: Frl: stud. Krämer. . 2.) Vorträge über verschiedene Zweige der Pakästinakunde. (In der Hauptsache von Nichtmitglledern.). ■ - r tun, vorg, kritis Wohl Bcrp schlv'e sende das dürfe Inge der 5 reseri neues