Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 16 (1918)
- Issue
- Heft 47 (6.12.1918)
- Date
- 1918-12-06
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2. sie aus der Arena des geistigen Lebens des, deutschen Voltes nicht gleichgeachtet wird. Bringt deshalb den jüdi- - scheu Urgrund ihrer Seele zur Entwicklung, er wird ihr Glück geben, ihrem Wesen in der Außenwelt am besten anstehen, und auch in dem Verhältnis zur nichtjüdischen Bevölkerung wird so der beste 'Zustand hcrgeftellt. Epilog zu Chauuka von Rabbiner H ü b s ch e r. Nebelhaft steigen die Erinnerungen in mir aus: An ben Grabmälern der Pharaonen verdorrt die Lebenskraft des jüdischen oVlkes. Aus dem Vatcrlandc vertrieben, sitzen die Söhne Israels an den Wassern von Babel und weinen. Im Verzweislungskampfe 'mit dem ewigen Roma stirbt die Blüte des jüdischen Volkes, den Tod fürs Vaterland. Doch nun erst fängt das große Leid Israels an, — das Exil mit feinen Schrecken, die große Völkerwanderung und Volkshetze. Ter finstere Himmel des Mittelalters särbt sich blutrot, — Feuersäulcn steigen empor, und in Spanien brennen die Judenviertel und die Opfer der Inquisition. Und. in der Gegenwart! Heute ivird der Jude, nicht verbrannt, sein Talmud nicht den Flammen übergeben, aber man raubt ihm die Heimat, die er liebt, die Lust, die er von Kindheit, an geatmet, treibt ihn vom väterlichen Herde hinaus in eine ungewisse Ferne. Nahe schien schon, häufig der Untergang des jüdischen Volkes; doch die Vorsehung läßt es nicht untergeben und sandte noch jedesmal rettende Engel. Und die Geschichte nennt viele solche Engel, die in Gestalt von Männern edelster Gesinnung, heißester Liebe zum jüdischen Volke zur rechten Zeit auf dem Schauplatze der Begebenheiten auftteten und ihr Bestes tun für das Wohl und die Ehre des Judentums. Wieder einmal entladet sich die ganze Schwere des -Golusleides aus Millionen des jüdischen Volkes. Ein grau« sig gespensterhaftes Schreckensbild mit den schwärzesten und düstersten Farben genialt, entrollt sich uns aus den Tagesberichten der Presse über die Verwüstungen und .Ausschreitungen gegen unsere Brüder in Polen, Galizien, . Rumänien und sogar im freiheitlichen Ungarn. Am schlimmsün treibt es das Polentum, das seinen nationalen Staat mit Hilfe jüdischer 'Aufopferung eben erst erlangt hat. Es fällt über seinen wehrlosen jüdischen Mithelfer her wie jene ungezähmten Horden des finsteren Mittelalters, die zügellos schändeten und mordeten, um seinem nationalen Gotte als erstes Dankopfer ben vvgelsreien Inden zu bringen. . Gibt es auch heute Männer in Israel, die, von Liebe zu ihrem Volke beseelt, retten wollen, was zu retten ist? Ja, cs gab einen Mann, der sein Leben und Streben der Sache des Judentums weihte, und dieser Edle war Benjamin H e r z l. Er war es, und er ist es noch in der von ihm geschaffenen Zionsbcwegung. Wie trefflich bezieht sich auf ihn, den großen Führer, jene Midraschstelle: „'Als Israel am Rande des Meeres aus Ägypten flüchtend. ankam, da stritten sie, wer den ersten kühnen Sprung Unternehmen soll, und als alle anderen unentschlossen voller Bange vor den schämnenden Wogen und Wellen des Meeres herumstritten, sprang Benjamin, der Jüngste unter ihnen, als der erste uiutig und unerschrocken in das Meer und rief: „Wer mit Gott, folge mir! Er helfe mit zu retten, was noch zu retten ift." Nicht aus niedrigem Ehrgeiz, sondern um der gerechten Sache seiner schwergeprüften Brüder willen, nicht zum Kampf auf dem Schlachtfeldc, sondern, zur Wehr und zur Selbsterhaltung, zur Rückkehr und zum Selbstbewußtsein rief er um Beistand und Hllfe. Wenn man die Geschichte anderer Völker, liest, klirrt bas Säbclgeraffcl an das Ohr; Schlachten und Siege werden gezählt, und auf dem Haufen der Leichen pflanzt man die Fahnen des Ruhmes. Der Ruhm des jüdischen Volkes beruht, nicht auf seinen Siegen allein, sondern auf seinen Heldentaten im Gebiete des Wissens und der Aufklärung. . ... Das jüdische Volk ist ein Volk des' Friedens, und weil dies eine Tatsache ist, glauben viele unserer Feinde, dem Juden jenes Prädikat abschlagcn zu müssen, das uns doch unstreitig gebührt, den persönlichen Mut. Daß der Jude auch in dieser Beziehung sich glänzend bewährt, erweisen die .Heldentaten der Makkabäer. Versetzen wir uns zurück in jene traurige Zeiten, als das blutig. erkämpfte Vaterland . unter syrischem Joche Ste. Alles lag darnieder, die großen Interessen des mate- :n Volkswohls und die heiligen, ehrenden der Selbstachtung und des Nationalgcfühls. Die Inden hatten aufgehört, die Sitten der Vorfahren zu bewahren, hatten aufgchört, in. der eigenen Kraft ihr Heil und das Mittel zur Rationalselbstständigkeit zu suchen. Der Hellenismus. als Kulturfolge des mazedonischen Weltreiches hatte auch in Judäa Eingang gesunden. Griechische Sprache, griechische Tracht, 'griechische Sitten und Gebräuche hatten, das Jüdische verdrängt. Dazu gesellte sich entehrende Abhängigkeit vom jeweiligen Shrcrkönige, und cs fanden sich sogar Elende im jüdischen Volke, die durch Kriecherei und Bestechung vom Könige die Hohepriesterstclle erbettelten. Aber es sollte noch ärger werden. Antiochus Epiphanos brach in ^Judäcr ein, eroberte die' widerstandsunsähige Hauptstadt, verübte Bluttaten, beraubte den Tcmpel, ließ auf dessen Wäre Schweine schlachten und errichtcte in «allen Gauen Judäas Götzentempel. ' Es war eine traurige Zeit für Israel, — und doch reich an Lichtpunkten. Beispiele von Aufopferung und Vaterlandsliebe waren nicht selten, religiöse Begeisterung, gesteigert bis zum Fanatismus, verleitete zu den heroischsten Taten, die. die Geschichte erzählt, und immer bleibt die Tatsache bestehen, baß im Volke noch starke moralische Kräfte waren, daß die konservativen Elemente nicht so leicht durch fremde Gewaltmaßregcln zu besiegen waren. Im letzten Augenblick trat «n, was eintreten mußte, sollte das Frankfurter Israelitisches Familienbtatt. , Nr. 47. jüdische Volk nicht von dem Erdboden verschwinden, wie die Griechen und Römer, deren klassisches Gebein man aus der Äsche verschütteter Städte hervorgräbt. Acodin, heißt der Ort, der zum Ausgangspunkte der großen' Bewegung bestimmt mar'. Mathatias und seine Söhne waren cs, die sich kühn dem allgemeinen Götzendienste widersctzten, die 'Abtrünnigen straften und mit einem tleinen Anhang den syrischen Feldherrn Apollonius besiegten. Dann zogen sic sich in die Wüste zurück, wo der greise Mathatias starb und sein Sohn Jehuda zuin Oberhaupte gewählt wurde. Von da ab datiert die große Schilderhebung des jüdischen Volles. Das Beispiel erweckte Nachahmung. Kaum drang die Kunde unter das jüdische Volt, da bahnten sich die edelsten Gefühle der Volksseele Bahn, — und cs zeigte sich; was Mut und wahre Begeisterung, Gottvertraue» und Fröinmigkeit für eine heilige Sache ausrichlen können. Juda, der Makkabäer, eilte von Sieg zu Sieg. Jerusalem öffnete die Tore, pnd die syrischen Heere mußten geschlagen und gedemütigt abzielstn. Damals wurde das jüdische Volk sich seines Wertes, seiner nationalen Größe bewußt, damals trat ein lichter Glanzpunkt iid unserer Geschichte ein. Der Tempel wurde wicdcrhergestcllt, die Altäre gereinigt; die Priester zogen nochmals in das Heiligtum ein, der Altarrauchte, und nochmals glänzten und glimmerten ans dem goldenen Armleuchter trostverhcißcnde goldene Flammen, genährt vom wunderbaren heiligen Oele, herrliche Tage kamen übers Land. Sicherheit nach außen, Gottvertraucn und Selbstachtung im Innern. Das jüdische Volk war gerettet. < * Heute nun, am Erinnerungstage der Wiedergeburt unseres Volkes, wollen wir gedenken der Großtaten unserer Ahnen, Mts daß lvir uns bestreben', es ihnen an Mut und edler Begeisterung nachzntun. Halten wir uns vor Augen, daß wir als Epigonen der alten Makkabäer gegen die Assimilation anzukämpfen verpflichtet sind. Halten wir uns vor Augen, daß wir Brüder eines Volkes sind, daß uns alle ein Brüderband umschlingt. „Zwölf Brüder eines Stammes sind wir, ob im Osten, ob im Westen, ob Agudisten oder ob Chassidäer, ob Aschkcnasim oder Sephardim; Söhne — treue Söhne eines himmlischen Vaters sind wir; — allein „Wehoechod eincnu", die Eintracht, das Zusammcngchörigkeitsgcsühl fehlt uns. Möge sich jede Richtung stets vor Augen halten, was uns allen als Grundsatz gelehrt wurde: „Bechol mvkaum schoatvh pauneh", zu welcher Richtung hin du auch stehst — sei cs Ostchassidismus, sei es Frankfurter Orthodoxie oder sonst eine Richtung — dien Ziel sei immer nach Misrach, nach dem Osten, nach Jerusalem und Zion! 9!ie war das Zusammengehen aller Thoratreuen, der Bewahrer der Tradition des jüdischen Volkes,, so notwendig wie am heutigen Tage, da schweres Geschick über uns lagert — Pogrome im Osten, Assimilation ini Westen und wir dennoch oder .gerade deshalb vor der Erfüllung unseres heißersehntcn Ideales zu stehen hoffen. Daher auf mit vereinten Kräften, all«s unter die Fahne des Misrachi. der uns zürnst: „Mi laschem eileij!" Wird der Ruf gehört, — dann ist das jüdische Volk wieder gerettet, —. und diesmal hoffentlich für immer! Das jüdische Recht für Palästina. Das Recht begleitet jedes Volk wie dessen effektiver Schatten, man kann' ein bekanntes Sprichwort variieren und sagen: zeiget inir das Recht eines Volkes und ich werde Euch sagen, wer und was es.sei. Tonn es zeichnet mit den schärfsten Konturen die Willensäußerungen dieses Volkes in dessen eigenem Leben-und zeigt Fremden und entfernten Nachkommen nnd Enkeln, was für Verhältnisse in der entsprechenden Zeit sich abgespielt hatten, und wie diese von dem Volke getragen und eirtgckgengeckoiiime» wurden. Wie die Rede den Menschen, so charakterisiert das Recht das Volk. Und in dieser Beziehung/, können wir Juden auf unser uraltes Recht stolz sein; das Zeugnis, das uns aus diesem erwächst, gereicht zu unserem Ruhme nnd zu unserer Ehre; wo man auch den Jusden vielleicht nicht mag,' das Recht des Juden studiert man gerne, und diese Geistesprodukte des Judentums werden ini.t Hiochachtung und Wertschätzung gepflegt und noch mehr: von Pen Völkern übernommen und verarbeitet. Dieses galt in der Vergangenheit, dieses gilt in der Gegenwart und wird hoffentlich auch in der Zukunft gelten — bei den Fremden. Es soll aber in der Zukunft auch' noch irgendwo anders gelten, nämlich — bei den Judenselbst, in ihrem Zukunftslande, unter der Autonomie, die die ihnen die Zukunft verheißt und hoffentlich auch bringen dürfte. Das jüdische Recht ist ein .religiöses 3!echt. Es kamO zum Volke als ein Ausdruck der Religion, als Wille seines Gottes, und es erlangte daher bei dem Volke nicht nur Liebe und Achtung, sondern auch Heiligung , und Verehrung. In diesem Charakter ist ei auch weiter von Geschlecht zu Geschlecht überliefert worden; der religiöse Charakter hat eine größere Bedeutung als der historischwirtschaftliche erlangt; beides wurde miteinander vermischt. . Die nahende Zukunft hat ein Vertiefen in diesen Dingen veranlaßt, nnd wir stehen imnmehr vor drei großartigen Erscheinungen in dieser Beziehung. Die eine kommt aus Palästina, aus dem Zukunstslande selbst. Am 7 Tamuz waren die Vertreter der Juden zur Grunbüngskonfercnz, in Jaffa zusammengctreten, nnd da überreichten die Räbbinen Chaim M o s e s A l o s ch e r und Z w i P e s a ch Frank im Namen des Waad Horabbonim - (Synode der Rabbiner) in Jerusalem ein Memorandum, in welchem sie als Basis der zukünftigen jüdischen Verwaltung als erste Programmpunkte ausstelltcn: 1. Die Grnndungskonfcrenz soll anerkennen die Dinim , (Normen) der Thorah als eine Grundlage für die jüdische Gesetzgebung inbezüg auf Landwirtschaft, Industrie, Erziehung »cnd lalle anderen Gebiete des Lebens. 2. Der Choschen Mischpat (der juridische Teil des Schulchan Aruch), der auch'von mchtjüdischen Juristen, anerkannt wird (als wertvolles Wert), fall erklärt werden als Grundmaßstab, für ' das jüdische Gericht im Frieden in Erez Jissroel. ' Die Synode loill, kann von irgend welchen Reformen nichts wissen, für sic gilt das Recht als Religionsgesel! immer und überall, voll und ganz, unberührt und unverändert, als heilig und gerecht, als ein und einzig, als das Richtigste und Beste, das je war, das ist und das je sein wkro. Und dieses Beste, Heiligste soll, muß dem jüdischen Volke gewahrt werden; das nur dann als jüdisches Volt in diesem Sinne gelten kann, welnr es eben ganz genau Alles' befolgt, wie cs in jenen Werke» angegeben ist. Aliud non datur. . - Und noch eine zweite Versammlung fand statt; weit entfernt von Palästina, aber in einem Lande, das. ebenso fast für die Juden wichtig ist und zumindest gewesen ist, ’röeil es die überwiegende Majorität der Juden in sich vereinigt hatte, nämlich in Rußland. In Moskau trat am 14. Telvcth unter dcni Porsche des für das Judentum im Beilisprozcsse hervorragend tätig gewesenen altehrwürdigen und gelehrte» Rabbiner Maseh eine Versammlung zusammen, die ebenfalls dem jitbiftfjcn Rechte gewidmet war. Es waren antvesend die Juristen: Dr. E i s e n st a d t, G n l a k, Dr. Junowitz, Per sitz, Glncksohn, Weißmann, A s ch k e n s o r, H i r s ch mann und die pronönzierken Persönlid)keiten Zlotopolski, Frl. Per sitz und andere. Auch hier vertrat der Rabbiner als Vorsitzender mit vollem Feuereifer das jübifefje Recht nnd dessen Widrigkeit für die Zukunft in einer glänzenden Rede, die sich würdig seinem .Gutachten im Beilisprozcsse anreiht. Aber in der Diskus,ion traten dieHerxen Weiß'mann undH irschmaun dieser Auffassung entgegen, indcnl sic rin universelles Red)t, aus dem modernen Leben, für das jüdische Volk verlangten, mit der Behauptung, daß man fiel) von den übrigen Völkern nicht ausschließen könne. . - Dieser neuen Form der Assimilation in ihrer höchsten Form, die nunmehr als Assimilation des gesamten -Vdlkes an Stelle der früheren älteren Assimilation des einzelnen Menschen, sid) zeigen sollte, traten, die andcren Mitglieder der Versammlung mit der größten Schärfe entgegenindem sie zeigten, daß bei allen Völkern gewisse Eigenheiten überall den Charakter des betreffenden Volkes im Rechte zuni Ausdruck brachten. Dies ward auch zuin Beschlüsse erhoben, und es wurde die erste jitbtfdje „Juristische Gesellschaft'' gegründet. Ihr Arbeitsprograinm sieht n. a. ständig auf diesem^ Gebiete vier arbeitende Gelehrte nnd eine eigene Vierteljahresschrift „Hamischpat Haüvri" vor. DieKricgsverhältnissc hatten aber verursackjt, daß jene Versammlung selbständig Vorgehen mußte, - ohne Verbindung nnt den Gelehrten der ganzen Welt, die auch schon vieles auf diesem Gebiete geleistet hatten und die gegenwärtig — in erster Reihe aus Anlaß des Jubiläums des auch das jüdische Recht bearbeitenden Nichtjuden Prof. Dr. Jos. Köhler, Berlin — daran find, eine größere Tätigkeit auf diesem Rcchtsgebicte zu entfalten. Seit der Zcir, als der Schreiber dieser Zeilen in Paris im Jahre 1900 am Congres du Droit compare das jüdische Recht als ei» selbständiges und gleichwertiges mit all den andern Weltrechtcn vertreten hatte, hatte sich dieses Studium bedeutend erweitert, und gegenwärtig geht ein Komitee daran, in)de» modernen Spradien Arbeiten ans diesem Gebiete zu veröffentlichen. Das schweizerische Komitee besteht aus Dr. Tschernowitz, Dr. M. Cohn und dem Unterfertigten, und es wird in Verbindung mit den' Komitees i» den anderen Ländern nnd insbesondere aber mit den in Palästina zu veranlassenden Arbeiten, das Möglichste tun, um die erreichten Erfolge auch den Nichtjunden bekannt zu machen, wie auch jenen Inden, die leider die hebräische Sprache nicht so ivjeit beherrsche», -tun die neuen Arbeite» aus diesem Gebiete sprachlid) zu beherrschen und bcgrisflid). zu verstehen. , - Hoffe» wir, daß cs gelingen wird, die Wiedererstehüng dieses Rechtes zu verwirklichen, zum Ruhme der Jude», zur Ehre der jüdischen Wissenschaft, und zur Verwirklichung des Gerechtigkeitsideals, das so stark in diesem jüdischen Rechte niedergelegt ist. Dr. M. W. Rapaport. •y Polens Auferstehang. /(Glossen zu den Judenpogromen in Westgalizicn n. Lemberg. Trauere Israel, niühnllc dein Haupt jüdisches'Volk um.des gewaltigen Unglücks, von dem du betroffen wurdest und ob . der ungeheueren Schmach, die dir angetan wurde. Feige Schurken, Räuber und Mörder sind in deine Gemarkungen eingcbrochen und haben überall, unter deinen Reihen Tod und Verderben gesät! Die ganze Welt jedoch , sich: tatenlos zu, als ob dein Blut -gleich Wasser. wäre,^das Leben deiner Kinder gleich Lust, dein Hab «und Gut gleich Staub. Wo sind die Regieningen Englands, Frankreichs, und Amerikas, die auf ihre Fahne Gerechtigkeit, Freiheil und Selbstbcstimmuiigsrecht der Völker schrieben! Ein ernstes Wort von ihnen würde ja genügen, um die polnischc Mente zur Raison zu bringen.' Wo bleiben denn die per kündeten Armeen der Entciite-Mäd)te, die in Oesterreich eingcrückt sind und die ja bisher, wie ihre Führer sagten, nur gegen die Unterdrückung und Vergewaltigung der Schwachen gekämpft haben? Warum, zögern sie uiid marschiere» nickst in Galizien und Polen ein, um das toll gewordene polnische Volk mit bewaffneter Hand wenigstendie primitivsten Menschenrechte der in seiner Mitte wohnenden Völkerschaften achten zu lehren? Wenn ein ers> vor kurzem tief am Boden gelegenes. Volk sid) --- nicht durch eigene. Tapferkeit, sondern dank dem Wohlwollci! mächtiger Beschützer — zu neuem Leben erhebt und et dabeiwagen darf, seine Auferstehung mit jüdischem Blut rinzuweihen, ohne von diesen seinen Beschützern zur Verantwortung gezogen und in seiner Zerstörungswut gehin' ''dert zu werden; — wer vermag, da noch an Gerechtigkei>