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Neue jüdische Presse · 1918-11-22 · Heft 45 (22.11.1918) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
16 (1918)
Issue
Heft 45 (22.11.1918)
Date
1918-11-22
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr 45 Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seite 3 I Sets jahrelang bewährte Cnthaarungspulver | j der Schwarten-Jfpoiheke Frankfurt a. >. ist von j dieser in bester Friedensqualität lieferbar. Sose JL 2.- j undJf- 3.-, ebenso dasflüssige€nthaarungsmitteluJCaskers I Vf^asc^e ** k.5ö. Ms Organisationseinheit sollen neben den zionistischen Vereinen oie Versicherungsorden, Synagogen, Institutionen aller Art usw. gelten. Sir Alfred Mond's Zuwendung a« de» Jüdische» Rationalfouds. , Nach einer dem Hauptbüro des' Jüd. Nationalfonds im Haag aus London zugegangenen Meldung hat jüngst der Minister für öffentlich« Airbeiten, Baron Alfred Mond, bekanntlich auch Herausgeber der „Westminster Gazette", sich verpflichtet, durch fünf Jahre je fünftausend Pfund Sterling -dem Nationalfonds zuzuwerrden.! Diese Spende von insgesamt 25,000 Lstr. ist die größte feit Bestehen des Nationalfonds; seine Eingänge, die 1917 bereits den Jahresbetrag von 2 Millionen Francs erreicht haben, setzten sich vornehmlich aus kleinen und kleinsten Spenden zusammen. Folgende größere Zuwendungen ragten in den letzten Jahren hervor: Fr. 200,000 von Lord Mayor Jacob Moser, Bradford, für das Gebäude des hebräischen Gymnasiums in Jaffa; Fr. 130,000 von Baruch Cahane aus Rumänien; M- 54,000 von einem anonymen Stifter. Aus aller Wett. Deutsches Reich. Bern«. Apologetische Surfe. Die vom Verband der Deutschen Juden veranstalteten apologetischen Kurse wollten einen größeren Kreis mit dem Rüstzeugs ausstatten, deni Werben der Juden- Mission wirksam entgegenzutreten. Als Teilnehmer hatte Man an Lehrer und Lehrerinnen, Hörer der Lehrer- und Rabbinerbildungsanstalten, Angehörige der Wischen Studentenverbindungen usw. gedacht. f Die Vorlesungen waren von fast IM Hörern aus allen Teilen des Reichs besucht. Der Abgeordnete' Geheimrat Caffei leitete als Vorsitzender des Verbandes die Borträge, mit einer Ansprache ein. Rabbiner Dr. Baeck sprach üb« das JudentUin zur Zeit der Entstehung des Christentums. Er teilte sich mit Dr. Lewkowitz in die Aufgabe, die Grundlehren des Judentums und anderer Religionen zu behandeln. Uebeo die Geschichte und Methode der Judenmission sprach Dr. S. Berenfeld. 'Angriffe auf das Wische Schrifttum behandelte Dr. Liebermann und solche auf die Glaubens- und Sittenlehre des Judentums Dr. Hochfeld. Soweit eine solche Welt von Gedanken und Anregungen in die kurze Dauer des Kurses zu fassen war, ahnte der willige Hörer die Größe der Aufgabe des Judentums. v Frankfurt a. M. Soziale Aufgabe« bei der DemobUisteruug. ’ Unsere Leser finden im Anzeigenteil dieser Nummer einen beachtenswerten Aufruf der Israelitischen Stellenvermittlungszentrale in Frankfurt a. M., die bekanntlich seit über 20 Jahren neben einer kaufmännischen Stellenvermittlung für sabbathtreue Handlungsgehilfen und «Gehilfinnen auch eine vom Kaiserlichen Wfsichtsamt für Privatversicherung anerkannte Versicherung gegen Stellenlosigkeit betreibt. Der Verein erbittet Mitarbeit und Förderung bei den schweren Aufgaben, die seiner bei der Demobilisierung harren. Insbesondere werden größere Beiträge zur Bereitstellung eines Reservefonds gewünscht, der dazu dienen soll, den aus dem Felde Heimkehrenden, auch wenn sie bisher der Versicherung nicht angehörten» deren Wohltaten zukömmen zu lassen. Der Aufruf findet hoffentlich die verdiente Beachtung in allen Kreisen des jüdischen Publikums. Posen. Ei« jüdischer BolkSrat. , Es ist folgendes Flugblatt verbreitet worden: . „Jüdische Mitbürger! Ein jüdischer Bolksrat zur Wahrung der nationalen -und persönlichen Rechte der Juden in Stadt und Land Posen ist gebildet. . Jüdische Mitbürger! Wendet Euch an uns in allen Fragen, die-den Schutz Eurer Rechte, Freiheit und Sicherheit betreffen. ' Jüdische Soldaten! Sagt uns alle Eure Sorgen und verständnisvoller Rat und Hilfsbereitschaft sind Euch sicher. Mn der allgemeinen Bürgerwehr nehmen wir teil. Unser Büro befindet sich Berliner Straße Nr. 5 II (Fernsprecher 1576) und ist Ken ganzen Tag geöffnet. Jüdischer Volksrat Posen. Baer. Bernstein. Grunwald. Hirschbruch. Dr. Kollenscher. Krause. Dr. Manasse. Mendelsohn. Rosenthal. Dr. Scherek. Dr. Schmul. H. Werner. Wollheim. Oesterreich. Prag. . Sine jüdische Maffeuversammluug. Am 10. Nov.. fand im großen Saale der Produktenbörse eine Versammlung statt, die vom Jüdischen National-' rat für den tschecho-slowickistKn Staat ernberufen war. Bereits eine halbe Stunde vor Beginn, war "der Saal so überfüllt, daß auf dem Platze vor der Produktenbörse einezweite Versammlung improvisiert werden Mußte, in welcher Dr. Angela Gold stein sprach Es mochten wohl weit mehr als 4000 Personen anwesend gewesen sein. Nach Eröffnung der Versammlung und Wahl des Präsidiums überbrachten der italienische Leutnant Schubert in italienischer Sprache, der russische Soldat A s ch - kenasi in russischer und das Mitglied der Przemysler Wischen Selbstwehr Glanzberg in hebräischer Sprache die Grüße der italienischen, russischen und galizischen Zionisten. Es referierten hierauf der Präsident des Nationalrates Dr. Ludwig Singer und das Mitglied des jüdischen Sozialistenrates Rudolf Kohn, deren Ausführungen ungeheure Beifallsstürme entfesselten, die sich insbesondere am Schlüsse der Rede Dr. Singers zu minutenlangen -Ovationen für ihn steigerten- Jn der Debatte sprachen von tschechisch-jüdischer Seite Dr. Eduard Lederer, Neuhaus, und Dr. Heinrich Kohn, Pilsen, in versöhnlichem Sinne, ferner Dr. Jakob Scharf, von national - jüdischer Dr. Kornfeld und Dr. G o l d st e i n, schließlich Prof, Klimt als' Nichtjude. Bemerkenswert ist, daß dieser tschechische Redner sich gegenüber den Rednern der tschechisch-jüdischen Ässimilanten sehr warm für die national-jüdischen Bestrebungen aussprach. Jteaof». Cine zionistische Garde. Dem Jüd. Korrespondenzbüro in Bern wird gedrahtet: - Von den zurückkehrenden Soldaten Ungarns haben einige Tausend Zionisten die Bildung einer besonderen Garde beschlossen. Der Präsident der ungarischen Zionistenorganisation, Adolf Straus, Professor an der lorientalischen Landesakademie, führte eine Soldatendeputatron der Garde zuM Staatssekretär im Kriegsministerium. Der Staatssekretär, Süfan Friedrich, drückte der Abordnung seine Allerkennung aus und übernahm persönlich das Kommando der Zionistengarde, der eine besondere Kaserne zur Verfügung gesteckt wurde. — Laut weiterer Meldung soll die zionistische Garde bereits über zehntausend Maiin zählen. Pole«. Reue Judenpogrome. Dem jüdischen Korrespondenzbüro in Bern wird gedrahtet: 1 Jn ganz Polen herrscht eine furchtbare Pogromstimmung. In Warschau! schießen die Legionäre, die die Mufrechterhaltung der Ordnung übernahmen, wahllos auf jüdische Passanten. Mn 10. November wurden in Siedlce sechs, in Marschau ein Jude von den Polen getötet. An den Pogromen beteiligen sich anführend auch Studenten und andere gebildet« Kreise.; Auch aus Wnßrußland, der Ukraine und Litauen kommen sehr beunruhigende Nachrichten. Die Nachrichten besagen, daß die Juden dieser Gebiete in größter Angst vor den kommenden Dingen leben. Verschiedene Anzeichen lassen darauf schließen, daß, falV nicht von vornherein geeignete Maßnahmen getroffen werden, nach Abzug der deutschen Truppen eine entsetzliche Anarchie eintreten wird, der die jüdische Bevölkerung zu allermeist zum Opfer fallen wird. Die Judenhetze, die eingesetzt hat, und die Ereignisse im Sommer lassen den Ausbruch entsetzlicher Judenpogrome als unvermeidlich erscheinen. Di« Rettung der Juden der in Rede stehenden Gebiete bis zum Friedensschluß kann einzig und allein von einer internationalen Intervention zur Mufrechterhaltung der Ordnung und zum Schutze der Minderheiten erwartet werden. Schwede». Stockholm. Der Jahrestag der britischen Erklärnug. Der 2. Novbr., der Jahrestag der britischen Erklärung über die Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina, wurde hier mit Festgottesdiensten und mit einer großen Volksversammlung gefeiert. Auf der Volksversammlung sprachen u. - a. H j a l m a r Branting, der Führer der Sozialdemokratie Schwedens, und Carl LrndHagen, der Bürgermeister von Stockholm und Führer, der Linkssozialisten. Sympathie- Kundgebungen liefen u. a. ein von Oberrabbiner Ehrenpreis, Reichstagsabgeordneter Gustav Möller, Universitätsprofessor Fredrik Böök, Ellen Key und Anna Lindhagen. Rumänien. Judenpogrome? Das Jüdische Pressebüro in Stockholm erhielt aus zuverlässigster Berliner Quelle folgendes Telegramm: ' Eine äußerst heftige antisemitische Hetzkampagne hat in Rumänien eingesetzt. Jn Stark verbreiteten Hetzauftufen wird'die Bevölkerung >irekt zum Massenmord der Juden aufgefordert. Die „Duminica Poporulni", das Blatt des gegenwärtigen Kultusministers, das durch die Behörden in den Dörfern verbreitet wird, brachte einen Leitartikel, der folgende Stecke enthielt: i ,Menn Ihr bemüht sein werdet, jeden sich bietenden Nutzen einzuheimsen, so wird der Jude gezwungen sein, von dannen zu gehen." I Der Minister ging in seiner Hetz« so weit, daß die Zensur sich veranlaßt sah, einige Stellen aus dem Leitartikel zu streichen. SS? Kaffee Kithland Kaiserstrasse 56 ' Kaiserstrasse 56 Täglich erstklassige MT* Unterhaltungsmusik 1 ■ Gesangs -Einlagen. ""i Scala - Lichtspiele Schäfergaase 29. Schäfergaase 29. Modernes Theater Vorführung stets neuer und hervorragender Filme. Derselbe Minister, der zugleich Universitätsprofesfor ist, sammelte an der Spitze eines aus Professoren und Literaten bestehenden Komitees 200000 Lei zum Zwecke-d« . Wiederherausgabe der berüchtigten antisemitischen Zeitschrift „Semanatorul". Der frühere Judenfteund Mcke entfaltet eine Propaganda des Boykotts gegen die „Fremden", d. h. gegen die Juden und fordert zu ihrem vollständig wirtschaftlichen Ruin auf. - Die Hetzpropaganda hat eine so vergiftete Stimmung geschaffen, daß Judenpogrome erwartet werden. Die jüdische Bevöckerung empfindet die Notwendigkeit der Organisierung eines Selbstschutzes, aber der Gedanke kann nicht verwirckicht werden wegen der Unmöglichkeit, Waffen im freien Handel zu erwerben. Dagegen aber erhalten die schwarzen Banden Waffen aus den Depots der Armee. s Die jüdische Bevölkerung fordert dringend sofortigen Einspruch und Intervention der internationalen Welt. Personalien u. kleine Mitteilungen. Berlin. Nicht wenig« als 310 Beerdigungen fanden im Oktober auf dem hiesigen jüd. FriÄhof« statt. Bon den Verstorbenen seien hi« «wähnt: Generalkonsul Felix Eisenmann, Genmalkonsul Jakvb Mandckbmun, Hauptmann Wilhelm Wagn«, Leutnant Dr. Moritz Georg Hausdorff, Rechtsanwalt Martin Lefser, Rechtsanwalt Karl Presch, Merzte Dr. Gumpert, Dr. Reumann, Komponist Rudolf Baron, Syndikus Max Liebling, Schriststecker Alfred Lehmann, Konzertsänger Älexand« Heinemann, Arzt Dr. Wilhelm St«n, Assistenzärztin Dr. Clara Dadt und Syndikus Dr. Loepert. Breslau. Dr. Hans Honigmann, Sohn desver» storbenen Syndikus der israelit. Gemeinde Justizrat Dr. Honigmann, wurde zum Direktor des Zoologischen Gartens in Posen gewählt. — Au dem im letzten Sommer an d« Industrieschule für isr. Mädchen betriebenen Gartenbau nahmen 28 Mädchen und 12 Knaben im Mter von 10 bis 14 Jahren teil. Jedes Kind «hält zur selbstständigen Bebmmng ein 3—10 Quadratmeter großes Beet. Die Kinder ernteten durchschnittlich auf einem Beete 15 Salatköpfe, 20 Oberrüben, 8 Köpfe Weißkohl, 8 Köpfe Welschkohl, 6 Köpst Blaukohl, 3 Stck. Blumenkohl, 6 Note Rüben, 10 Erdrüben, 8 Pfd. Schnittbohnen, 2 Pfd. Erbsen, 120 Radieschen, IM Rettiche, 4 ScWerie- und 3 Porrespflanzen. Außerdem befinden sich noch mehrere Winterkohlpflanzen» Wasserrüben und Winterrettiche auf den Beeten. Gemeinsam wurden geerntet: 81/* Ztr. Kartoffeln (viele Knollen - im Gewicht von Vs Pfd. und darüber), 1200 Mohrrüben» 125 Pfd. Schnittbohnen, 30 Pfd. Tomaten, 60 Gurken, 21 Kürbisse von zusammen 311 Pfd-, 2 Körbe Zwiebeln, 25 Blumenkohlpflanzen, und allerhand Küchenkräuter. Diese gemeinsame Ernte wurde unt« die Schul« und Schülerinnen des Gartens in d« Weise verteilt,-daß die fleißigen, den Garten regelmäßig besuchenden Kinder besonders ausgezeichnet wurden. Am 23. August fand eine Ausstellung der Ernteergebnisse statt. Haag. Die im Oktober vom Jüd Rationakfonds vereinnahmten Spenden «geben Fr. 236,467. Diese Summe sttzt sich aus folgenden Beiträgen zusammen: folen und Litauen: M. 65,187 und Kr. 3425,-Oesterreich c. 123,462, Nord-Amerika Dolk 3366, Argentinien Pesos 11,358, England Lstr. 895.7.0, Deutschland M. 22^711, Frankreich Fr. 5216, Südslavische Länder Kr. 10,564, Holland Hlf. 1876, Wciß-Rußland M. 4454. Norwegen Kr. 1944, Australien Lstr. 110.18.0, Schweiz Fr. 2574, Belgien Hfl. 1078, Finnland Fmk. 46M, Bulgarren Levas 3500, Neuseeland Lstr. 69.15.0, Dänemark Kr. 775, Schweden Kr. 376, Egypten Lstr. 19.9.0. Gelegentlich einer kürzlich stattgehabten Tagung rn Wien wurde von Heinrich Bard, Lemb«g, angeregt, ein Berwaltnngshaus für den Nationalfands in Jerusalem zu errichten, für das « einen größeren Betrag zur Verfügung stellte. Frankfurter Berichte. Kleine Notizen. Arrsschuß und Vorstand d« Israelit. Gemeinde bewilligten der Dr. Hei ne mann' sch en Isr. Höheren Töchterschule eine Subvention von 150M Mk. Wir begrüßen diese Bewilligung, zumal wir von zuständiger Seite hören, daß sich für den nach Breslau berufenen Herrn Dr. Heinemann eine hervorragend geeignete Persönlichkeit gefunden hat, die geeignet ist, die Schule zu übernehmen. L— Milkeilm. Fra«zefutz. Erzählung aus d« böhmischen JuLengasse vön L. Kompert. Fortsetzung.- Nun trat sie Wied« den Heimweg zu ihrem Gaschofe an, nicht ohne eine Empfindung von Freude, daß. sie auf der Polizei keine Auskunft gesunden hatte. blieb ' As*

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