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Neue jüdische Presse · 1918-10-04 · Heft 38 (4.10.1918) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
16 (1918)
Issue
Heft 38 (4.10.1918)
Date
1918-10-04
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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ja. 38 „Die Morgennummer dieser Zeitung vom 11. v. M. bringt eine Annonce mit der Ueberschrift „Deutschvölkische Loge", in der neue Mitglieder geworben werden. Die Anwerbung von Mitgliedern für eine Loge durch eine Zeitungsreklgme ist an sich eine Absonderlichkeit, und der M'tzlichkeitsgrad dieser Propaganda dürfte dem Zwecksinn der werbenden Loge entsprechen, wie er sich aus den angegebenen Schlagwörtern ergibt. Denn über die großen Geister unserer Landesverteidigung hinweg will diese Loge einen neuen Krieg ausrufen. Sie wirbt nm Gefolgsmänner, die gegen „internationale und fremdrassische Einflüsse" kämpfen sollen, damit an der Front der Siegeswille nicht, erlahmt, die Notlage nicht ausgenutzt und.Stämme und Stände nicht gegenseitig verhetzt werden. Wir stehen fetzt über vier Jahre im Kampfe. Jeder Bürger im Lande dürfte im Laufe der, Zeit Einsicht erlangt haben, wer unserq Feinde sind. Darüber hinaus sollte man keine erfinden oder gar nmschleierten Auges dem Falschen den Schein des Wahren nnd Würdigen umlegen. Wir in Magdeburg bedürfen , wie anderwärts keiner Waffenträger gegen konstruierte „Feinde", um die Ruhe und die innere Kraft der Bürgerschaft zu gefährden. Wir sind bisher ohne die Kampfziele und Erfolge jener Loge gut miteinander ausgekommeu und werden hoffentlich vor wie nach unverwandt den wirklichen Baterlandsfeinden die Stirn bieten. Gegen, sie sich wenden, wäre selbst einer Loge, wenn schon sie überhaupt politisch arbeiten will, entsprechender und würdiger." Vl-Glaübaa. I. B, Jonas, der langjährige Vorsteher der jüdischen Gemeinde, beging unter allgemeiner Beteiligung den 80. Geburtsgang. Die Mitglieder der Gemeinde überreichten ihm 37,080 M. für eine Stiftung zur Förderung begabter Kinder. Ltssa. Stadtrat Bankier M o r i tz S ch r e h e r, Vorstandsmitglied der jüd. Gemeinde, ist verschieden. In Grä-tz ist David Weinlaub, Vorstandsmitglied der dortigen jüd. Gemeinde, verschieden. w * Warschau. Stachkänge zum Fall Fefer. Der Fall Fefer, über den wir s. Zt. (Nr. 33) berichteten, hat verschiedenen Nachklang gefunden. Die allgemeine Entrüstung über das würdelose Auftreten Fefers im Staatsrat hat allerdings keinen einheitlichen Protest der jüdischen Oeffentlichkeit gezeitigt; immerhin wurde von mannigfacher Seite — namentlich von provinziellen Gemeinden — scharfer Protest erhoben und von den Blättern zum Abdruck gebracht. Auf Herrn Fefer scheinen-bisher alle diese Stimmen wirkungslos verhallt zu sein. So hat man denn zumintest eine gewisse Genugtuung in dem Ausgang des Prozesses geftmden, den Herr Fefer gegen zwei junge Leute wegen Ausgepfiffenwerdens auf offener Straße in die Wege geleitet hat. Der erste Freispruch der Angeklagten, deren Verteidigung Rechtsanwalt Olschwanger geführt hatte, bedeutete für die jüdische Gesellschaft eine gewisse moralische Entschädigung und für Herrn Fefer ein verdientes Mißsgc sch ick'. Hoffentlich ist er klug genug, aus alledem die richtige Lehre zu ziehen und seinen , Ratssitz einem besseren Nachfolgen zu überlassen. frankfurter Berichte. Direktor Dr. Adler-Stiftung. Am 26. September, dem Geburtstage des verdienten Stifters, fand die erste -Vergebung von Stipendien aus der Direktor Dr. Adler-Stiftung für die berufliche Ausbildung von Töchtern jüdischer Lehrer nnd Gemeindebeamten statt. Es waren über ,20 Bewerbungen eingelaufen. Die einstweilen noch knappen Mittel erlaubten jedoch nur die Bewilligung von 6 Stipendien u. z. eines zur Ausbildung als Kindergärtnerin, eines zur Erlernung des Putzfaches, drei zur kaufmännischen Vorbildung und eines zum Besuch des Lehrerinnen-Seminars. Tie Tatsache, daß ähnliche Stiftungen wenig oder garnichr bestehen, die Erfahrung, daß die berufliche Ausbildung der Heranwachsenden weiblichen Jugend sich immer mehr als nötig erweist mrd nach allen Seiten immer weiterd Kreise erfaßt, die Erscheinung schließlich, daß Gesuche an die lediglich von Frankfurter Freunden des..Stifters gegründete und so segensreich schon jetzt wirkende Jnstilution aus Frankfurt gar nicht, ans der Heimatprovinz wenig, vielmehr aus ganz Deutschland, vornehmlich aus dem Osten, einliefen, sollte unsere wohlhabenden Glaubensgenossen im ganzen Reiche veranlassen, der Adler- Stiftung reichere Mttel zufließen zu lassen, um ihr in den nächsten Jahren eine immer größer werdende Tätigkeit zu ermöglichen. Schenkungen znm Kapitalkonto sowohl, wie zur sofortigen Verwendung werden von dem Stiftungs- Vorstand gern angenommen. Nähere Auskunft erteilt der Schriftführer I. - B. Levy, Frankfurt a. M., Obermain- Anlage 24. AgudaS Jisroel-Jugendgruppe. Wir weisen hierdurch auf die in unserer heutigen Nummer befindliche Einladung der „Agudas Jisroel Orts¬ und Jugendgruppe" hin, zu einem Vortrag des Herrn Heinrich Eisemann über: „Agudas Jisroel nnd die" Ostjuden", der im Saale der Loge Adler, Seilerstraße 22, am Donnerstag, den. 10. Oktober, abends S1/* Uhr, stattfindet. , Soviel uns bekannt ist, befand sich Herr Eisemann mehrere Jahre in Rußland nnd werden daher dessen Ausführungen von besonderem Interesse sein. Personalien. Direktor Dr. Adler erhielt den Titel Geheimer S t n d i e n r a't. Noch in der Vollkraft der Jahre ist Emanuel Lan - dau abberufen worden. Er war ein edler, selbstloser! Mensch und getragen von dem Streben, sein Leben nach den Worten des Thoragesetzes zu gestalten. Sie wären ihm der Leitfaden all seiner Gedanken und all seiner Handlungen. Schlicht ist er sein Leben gewandelt; doch die Läuterkeit und die Güte seines Wesens werben sein An>- Frankfurter Israelitisches Fainitrenotaic. denken in dem Gedächtnis all' derer, die ihm kannten, dauernd bewahren. Kleine Notizen. Von Freitag, den 11. Oktober ab ist die Jüd. Biüuivthetund Lesehalle wie folgt geöffnet: Montag bis Donnerstag von 3—8 Uhr nachm., Freitag Abend nach Schluß des Gottesdienstes bis 9 Uhr, Samstag von 10(/2—1 Uhr vorm, und von 3—7 Uhr nachm., Sonntag von IOV2—1 Uhr vorm, nnd von 3—6 Uhr nachm. Die Familie Mainz hat ihren Betsaal Börnestratze 52 während der Wintermonate auf vielfachen Wunsch fiir den Minchagottesdienst zur Verfügung gestellt. . Im Talmud Thora-Verein beginnen Freitag Abend wieder die.Borträge. Diese Woche pird Räbb. Dr. Nobel sprechen. •' ” „VICTORIA“ ~ Erste Berliner Wäscherei und Glanz-Plätterei Hans» Tel. 2002. |g GUtlBQtSlraSSB 18. Hansa Tal. 2002. Spezialität: Kragen, Manschetten nnd Hemden. JeniOeton. Der Mi«. Bon Leopold Komv er (. (Schluß.) ' .. . Als Kvbi sich wieder ümwendete, stand ihm der Randar mit furchtbar drohendem'Angesicht gegenüber. Kobi erbebte. „Was hast du mit meinem Gelde getan?" fragte er mit der alten schreckhaften Stimme. Wieder sah Kobi auf Mirl, die neben ihrem Barer stand und, wunderbar! noch immer dasselbe strahlende Lächeln auf ihren Lippen irug. Das gab ihin wieder neuen Mut. „Ich hab's weggegeben an arme Leute, Rebb Josel, die's besser brauchen können als Sie nnd ich", sagte Kobi mit ruhig entschiedenem Tone. ,Meißt du, daß du ihnen fünf silberne Zwanziger geschenkt hast!" fuhr der Randar fort. „Darf ein Geschäftsmann so verschwenden? Liegt's in deinem Vermögen, so viel an arme Leute auszugeben?" „Mit Spielgeld", meinte Kobi und richtete seine Angen fest aus den Randar, „mach' ich's niemals anders, das be- >' halt' ich nicht bei mir; ich möcht' glauben, es brennt mir die Tasche durch." „Ist das auch eine vor) deinen Maximen?" sagte der Randar schneidend kurz. „Ja, Herr Randar!" entgegnete Kobi, „nnd sie wird's auch bleiben." Der Randar fand, wie es schien, keine passende Gegenrede darauf; plötzlich wandte er sich zu seiner Tochter um: „Mirl", sagte er, „zeig dem Jüngel, wo er schlafen kann. Morgen 'wvllcn wir von seinem Geschäft reden. Gute Nacht." „Gute Nacht, Herr Randar", rief ihm Kobi nach. Mirl zeigte ihm ein schon offenes Bett, das in der angrenzenden Wohnstube stand. Im Fortgehen bestrahlte ihn noch einmal das milde Lächeln ihres Antlitzes; es war, als ließ es eine gute Botschaft, ein Beseligendes zurück für die Träume der Nacht, die zwischen jetzt und dem kommenden Morgen als Brücke lag. Kobi ging noch einige Zeit sinnend in der großen Wohnstube auf Und nieder; er überdachte den heutigen Tag. Konnte er damit zufrieden sein? Zweifel und Hoffnungen wogten gleichmäßig durch sein Herz, bald sank die Schale der einen. Halb die der andern. Ruhe war es nicht, die in sein Gemüt 'kam. . Kaum hatte er sich entkleidet, als es leise an der Türe pochte. „Bist du noch auf?" ertönte von draußen die Stimme des Randars. „Ja, Herr Randar!" Ter Randar trat herein, erwär noch, in seiner Tagkleidung, in der Hand hielt er ein brennendes Licht. „Ich 'Hab' Nur etwas sehen wollen", sagte er, indem er die volle Flamme des Lichtesans Kobi fallen ließ. „Jetzt ist's in der Ordnung! Schlaf gut." Matt und zerschlagen erwacht- Kobi am andern Morgen aus qualvollem Schlafe; der Schlummer hatte ihn nicht erquickt. lieber Nacht war das ganze Heer böser Zweifel und Entmutigungen über ihn gekommen und hatte arge Verwüstung angerichtet. So nahe d/m entscheidenden Augenblicke fühlte er'sich schwach nnd abgehetzt: er fühlte, den heutigen Tag (könne er nicht so bestehen, wie er den gestrigen - bestanden hatw. Me sollte das enden? Tann nahm, er die Tefillin zur Hand und begann sein Morgengebet. Anfangs war seine Seele nicht dabei; gedankenlos fielen die schönen heiligen Worte Zions aus seinem Munde. Dann aber überströmle es ihn plötzlich Lenk 5 wie lauterste Frömmigkeit, wie wahres Gebet: innig klang jetzt die geweihte Sprache Gottes,' lauter und immer lauter quollen ihm die heiligen Worte hervor ... Er empfand es. in ber Seele, wie er Gott um etwas Großes zu bitten habe, — nämlich um Mirl. Grade als er geendigt hätte und im Begriffe stand, die Tefillin wieder znsammenzulegen, trat der Randar herein. „Gut geschlafen, Jüngel?" fragte er derb. „Wie man zam ersten Male in einem fiemden Bette, .schläft", meinte -Kobi, der keine Unwahrheit sagen wollte.. Ueber die breiten Züge des Randars schlich eine Art höhnischen Lachens. „Heut' Nacht wirst du schon ruhiger schlafen", sprach der Randar in einem Tvrie, von dem Kobi nicht wußte, sollte er ihn für spöttisch oder verheißend halten? Gleich darauf brachte Mirl das „Anbeißen"; und wie jedem Liebhaber, kam auch ihm das Mädchen heute viel tausend Mal schöner vor als gestern. Kobi suchte nach einem Lächeln auf ihrem Gesichte, nach irgend einem verheißenden Muskelspiele, — aber er meinte eher Traurigkeit ans demselben zu sehen. Sic wagte es nicht einmal, nach ihm zu blicken. . Als das Frühstück vorüber war, entfernte sich Mirl, die zwei Männer blieben allein. „Nun, Jüngel", sagte der Randar nach einer Weile, indem er sein blaues Taschentuch, seiner Gewohnhefi gemäß, wie eine mächtige Fahne entfaltete und über seine linke Schulter warf, „wollen wir jetzt von dem Geschäft reden?" Auf Kobis Stirn trat bei diesem Beginn kalter Todesschweiß; krampfhaft hatte sich seine Kehle zusammengezogen, krampfhaft umfaßte seine Hand nach rückwärts die Lehne des Stuhles, als fürchte er, irgend ein schreckliches Natur- * ereignis könne ihn von da herunterschleudern nnd dem » bodenlosen Nichts überantworten. „Mein Geschäft? -Herr Randar?" lallte er tonlos: Tann setzte er verzweifelnd hinzu: ,Hch Hab' ja kein - Geschäft." „Tn hast kein Geschäft mit mir vor?" schrie der Randar mit gewalttger Heftigkält, und die blaue Fahne auf seineil Schultern schien sich riesig zu entfalten, als stünde eine gewaltige Schlacht bevor, „hast mich also gefoppt, Jüngel?" „Ich Hab' eins gehabt", stotterte Kobi, „aber . . „Tn hast sehen wollen, ob ich dir entgegenkomme, Jüngel!" rief der Randar.' Kobi schüttelte düster verneinend den Kopf. Ta schlug der Randar eine Lache ans, so gewaltig und erschütternd, daß sie an der Stubendecke widerhallte. Kobi schlug erschrocken die Angen zu ihm «ns. „Meinst du", rief er unter Lachen, „mein Jüngel, ich weiß nicht, was dich für ein Geschäft zu mir geführt hat? Meinst du, Josel Süß, der Randar, ist rin Kind von zwei Jahren, dem man den Finger in den Mund steckt, damit es beißt? Zn meiner Tochter bist du gekommen." ,^Venn Sie's also wissen, Herr Randar", sagte Kobi mit kläglicher Stimme, „so lachen Sie mich wenigstens nicht aus: ich will auch gleich aus Ihrem Haus!" I „Wirst du gleich schweigen?" gebot der Randar noch immer unter heftigem Lachen, „meinst du denn, ich laß dich fort, bis ich mein Geschäft mit der abgemacht habe?" „Allmächtiger Gott im Himmel!" rief Kobi im lieb ermaß seines Entzückens, indem er aufsprang, „Sie wollen wirklich, Rebb Josel?" Was er sagen wollte, vermochte er nicht fortzusetze», alles Blut war ihm nach dem Kopse geströmt. „Hör wich an, Jüngel", sagte der Randar, mit einem Male wieder ernst werdend. „Schon gestern abend, wie du aus dem Wagen gestiegen bist, Hab' ich gewußt: der kommt zu meiner Mirl. Ich bin dir entgegengetretcn wie ein Bär nnd Hab' dich angeschnauzt wie ein Wolf, du aber hast dich nicht gefürchtet, und das hat mir zuerst besonders an dir gefallen. Sag's selbst, bin ich dir nicht wie ein Bär oder wie ein ander wild' Tier vorgekommen?" „Fein waren Sie - gerade nicht, Herr Randar", sagte Kobi nun seinerseits verlegen lachend. „Ich Hab' mir gleich gedacht: wenn das Jüngel aäch in andern Stücken so war', hätt' ich dann für meine Mirk zu sorgen? Tu kannst sie nicht zählen, die alle schon da waren, um mein Kind zu sehen, mein goldig Mädel! Oft waren'« feine junge Leut', sind wie die Prinzen hergekommcn, haben groß getan und die Flausenmacher gespielt; wenn ich ihnen aber hineingesehen habe in den Hals, ich mein' in ihr inwendiges Wesen, da Hab' ich lauter Schmutz und Unkraut gefunden. Tie Leut' hätten mir meine Niiril aus T)em Haus forttragen sollen? Eher hätt' ich mich selbst' in das Grab neben mein gut Weib gelegt. Einer hat dir ganz vergessen, daß er in einem frommen Jndenhaus ist, hat gar nicht gewußt, daß es eine „Mesusah" in der Welt gibt, ein anderer hat nicht einmal „benschen" können. Roch ein-dritter hat mir w« ein Spieler von Profession mein

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