Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 16 (1918)
- Issue
- Heft 38 (4.10.1918)
- Date
- 1918-10-04
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Leite 6. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Str 38. Kteld vbgewonuen; ein vierter Hat nicht gewutz einen Sack Wolle von «nem Hascnhäutchen gu. unterscheiden, teilt fünfter «chlich, der Hat Miteber zu uiL hat mich befören wollen, toie ich dies und jenes tu meinem Geschäft j anzufangen Hätte, als wenn ich ein viermvnatlich Kind und! er ein Meis von achtmcksiebzig Jahren wäre. Ich werd' nicht fertig bis iy Hie Nacht HinHn, wenn ich dir alles wollt' ' erzählen. Da bin ich manchmal fuchswild geworden, Hab' mich nicht,geniert, und Hab' diesen Leuten Wahrheiten ge-, sagt, vn die sie ihr Lebtag denken werben. Du aber hast mir von Unfangan gefallen, idj mag dir's ins Gesicht sagen. Nur Hab' ich gezittert,' daß auch du nicht bestehen wirst. Ich sag' dir: wärst du nicht bestanden, Jüngtel, ich Hätte meine 'Tochter eine alte Jungfer weiden lassen." Ter Zdmdar'WÄt inne. Kvbi wägte es kaum zu atmen. ,Lch Hab' aber bald gesehen", fuhr der Randar mit untodriWer Weichheit -es Gefühls fort, ,Kaß du der Mann List, wie ich ihn für mein Kind brauche. Du bist ein guter G^chäftsmann, kennst dich aus in der Welt und hast offgie Augen, die mehr wert sind, als Geld und Gut. Du bist mir auf Nichts eine -Antwort schuldig geblieben. .Gute Gefchäftsleut' waren die zwar auch, die zu mir geEoaimifcn, aber wie ich dir erzählte. Hex eine hat bald den, ball» jenemFehler an sich gehabt. Du bist auch kein SPÄHr von Prosession und List kein Heuchler. Du hattest mich können gewinnen Lossen, und hast's doch nicht getan. Das mir aber bestm- BoS dttn dir gefallen, das ist dein gesetzt Wesen, und daß du ein Jud' bist. Es gibt Leute, denen ist gerade das nicht recht; die lassen manches krumm sein, nur wenn matt fön Jick>' ist. Dazu gehör' ich nicht I . . Mein Kind braucht «n jüdisch Herz, ein fromm Gemüt, und bist! hast du. Dein ,Mcnschen" und „Tefillinlegen" gcht mir nicht aus' dem Dchf. Und selbst in der Nacht, wie ich zu dir gekommen bin, hast bn dein „Arbeh Kanfes" umgehabt. Jetzt frag' ich dich Uwe eins: Willst du meine Mirl? LBer willst bn sie nicht?" ,Lerr Randar, Herr Randar!" schrie Kvbi stürmisch, „Sie Pagen mich noch? Aber Sie wissen ja noch gar nicht, wer ich bin?" .Wb' 'ich tstch sthon gefragt darum?" sagte der Randar ernst, jaber brauch' ich's sckbst zu wissen? Meinst bn, ich kenn' dich nicht? Und wenn du eines' SchulklwpserL Gehn wärst, so zieh' ich Mein Wort auch nicht zurück. Willst du's aber durchaus sagen, so Hab' ich auch nichts dagegen; nur mutzt dn's dann meiner Tmhter sagen." Währenddem chatte sich die Ziunnertür leise geöffnet; auf der Schwelle erschien Mirl, das Gesicht von Tränen Werströmt; aber durch die Tränen glänzte wieder dasselbe, siegreiche Lächeln, das ihm gestern als Leitstern gedient hatte. ,Mas meinst du denn, mein jkind", fragte der Randar doll Innigkeit. „Du hast mir ja^gesagt,daß du den oder keinen andern willst! Ut es vielleicht nicht wahr?,. . ." UuhSrbar, auf keifen Sockn wollen wir an dem Glücke uorüberhuschen, das in, dem Ranbarhof zwei Menschen einander zuführtr, die sich sonst einander niemals gefunden hätten. SÄche Momente dürfen mit langen Reben nicht „beschriecn", sie müssen schweigend hingenommen werden! Kobi begriff das vollkommen;; er sprach nicht von smnem Glücke; er genoß es in den wenigen Stunden, die er noch auf dem Randarhof verweilte! Gehen wir vorüber! . . * * * Eine „Gelegenheit" rollt in später Nacht durch die Gasse; vor dem Hause nritden drei Nußbäumen davor Hält sie; in der Stube brennt noch Licht. Vater und Mutter warten noch des heimkehrenden Sohnes; die letztere in aller Kein und Qual eines besorgten Gemütes. Kobi stieg aus: ein Freudenschrei ertönte aus'der Stube. ,Mst du nur gesund und wohlauf, mein Kind?" fragt Kerl, die den Sohn ängsllich nach allen Seiten belugte, nach den ersten Umarmungen. „Hat er dir nichts getan?" „Ganz gesmid und' wohlauf, Mutter", antwortete Kobi lächcllck, „esstehltauch nicht ein Mgele an mir." „Und unser Geschäft?"„patzte, Wolf. , >, „Ganz gut ickusgefgllen, Vaters, entgegnete Kobi. „Ich Hab' >mir's auch gedacht", meinte Rebb Wolf mit väterlichem Stolz, „da ich dich geschickt habe!" Ta ging Kobi grade, als es sich keiner versah; zum Paradekasten, worauf in fast, militärischer Ordnung schöne Porzellanteller und Kaffreschalen,' die noch aus den Zeiten von Perls hundertundzchn Jahre alt gewordener Großmutter herstammten, und nahm die schönste der gvldgeränberten Schalen. Mit einem Male schleuderte er sie mit aller Kraft auf den Boden, daß sie in hundert Keine Scherben zertrümmert ward. , ' Perl-schrie kaut auf vor Schreck. . ,Mas machst bü, Kobi?" rief sie, „meine schönste' Schal'!" ... . Da sah sie Kobilächelnd an in ihrem , Schrecken und sagte nach einer Weile: „SJcutter! hast du mir nicht, wie ich noch ein lleines Kind war, immer gesagt, du hebst die Schale für mich auf? Möchtest du sie denn nicht für deinen Sohn hotzeben, wenn ter dir eins GchWegertochtr, mitbiIngt?" 1 Sprachlos starrten ihn die Eltern an. „,Um Gottes willen", rief dann Mrl, „du bist doch nicht..." „3tt, Mutter", sagte Kobi, „ich bin Bräutigam, wenn ihr nämlich beide nichts dagegen habt." „Mit wem denn?" kam tes aus einem Munde. ,Mit des Randars Tiochter!" „Und des Vorstehers Sohn?" ,Mn den Hab' ich gar nie gedacht!" Kobi gab erst später seinen Eltern die Geschichte seiner Brautwerbung, aber nur in den allgemeinsten Umrissen. Das Wichttgste verschwieg er, das behielter dankbar in sich, nämlich, daß alle Verstellung und Kunst nichts vermocht Hatten vor dem ziurdenden Strahl der Liebe, vor der Wahrheit Gvttes! Natürlich machte die Verbindung Kobis mit der Tochter des Randars „ungeheures" Aufsehen; es ward davon gesprochen als von dem größten Ereignisse, das seit Jahren fiattgefunden hätte. Merkwürdigerweise wunderte man sich nicht darüber, man hatte so etwas' von dem' „Min" erwartet! Der Vorftäher fand es, wie begreiflich, nicht in seinem Interesse, den Leuten die Geschichte mitzuteilen, wie er selbst die Leiter zu Kobis' Erhöhung gewesen. Dennoch kam sie weit und breit herum erst als stilles Geflüster, dann allmählich als große Lärmtrvmmel, die durch halb Böhmen in allen Ohren dröhnte. _ Der Randar hat sich in Kvbi nicht getäuscht. Der Segen ruhte sichtbar auf der Ehe des „Mins". t Literarische Chronik. Djer Weg in das Land" von Eugen Hoefli ch, 120 Seften. Preis drosch. Kr. 4, M. 3, geb. Kr. 5.50, M. 4. R. Löwit Verlag, Wien-Berlin 1918. , . Ein persönliches, - subjektives Buch eigener Eindrücke, Erlebnisse und Beobachtungen, die der Autor bei einem längeren Aufenthalt in Palästina gewann und sesthielt. Wes ist von einem bestimmten Gesichtswinkel aus gesehen, gespiegelt in dem wachen Bewußtsein eines Menschen, der Europas Schuld an Asien wie eine Schmach empfindet und.Körper und Geist der Angehörigen seines Volkes ihrer eigentlichen Heimat'wiedergegeben sehen will. Hinter den skizzenhaften Schilderungen stehen große, bewegende Gedanken, die nicht Nur dem speziell jüdischen, sondern dem asiatischen Problem überhaupt gelten, so daß'man das Büchlein ohne Uebertreibung einen Wegweiferin das Land nennen därf. ' Hier hat sich ein Junger mit der ganzen Leidenschaftlichkeit seiner Ueberzeugung für die Idee, des „Los von Europa" eingesetzt und der Stimme des Blutes, däs in seinen Adern singt, die'jüdische Zukunft in'oer geistigen Rückkehr nach dem Lande der Väter erkannt. Da die reiche Begabung Hoeslichs sich'nicht erschöpft in einer vorzüglichen Beobachtungsweise und der scharfen Erfassung alles Wesentlichen, sondern sich auch in der reinen Form dichterischer Ausdrucksfähigkeit offenbart, so bedeutet sein schönes Buch auch künstlerisch einen hohen Genuß. Buchprobe aus Hoeflich „Der Mg in das Land" : Es wird Sache einer großen Bewegung sein, eine» Bewegung, deren Anfänge bereits sichtbar sind, gegen das Eindringen des Merkanttlismus in Palästina kämpfend Stellung zu nehmen, denn! es mutz Forderung und Ziel der neujüdischen Bewegung sein, nicht eine Zweckgemeinschaft zu gründen, sondern ein ganz neuarttges Gemeinschaftsleben, das auf Natürlichkeit, auf wlten Gefühlen, auf Liebe, auf Ehrlichkeit und auf einer neuen Europa fernen, Europa überwindenden Ethik bemrht. Es stützt sich diese Bewegung in erster Linie auf die Jugend, die, mit der Natur verwachsen, dadurch der unechten Kulturüberfeinerung entzogen, mehr auf sich gestalt ist als die Europas. Persönlich mutig und, wenn sie nicht dem Levantinismus verfällt, auch frei und ehrlich, ist sie das wunderbarste Ergebnis dieser auf die Wiedererweckung des Judentums in Palästina gerichteten Bewegung. Wer sie, diese Abkömmlinge gedrückter galizischer oder russischer Juden sieht, wird, wie immer er auch sich zum' Juden im Wgemeinen stülen Mag, ergriffen sein und er wird vieltes zurücknehmen von dem, was er von der Unfähigkeit des Juden zur Landwirtschaft nachgesprvchen hat. Ich sah jüdische Knaben, Kinder beinahe, auf galoppierenden Pferden reiten, sah sie schießen, ich sah sie die Ernte einfühcken, braungebrannt, die Keffije um den Kaps gewunden, vom' Araber kaum unterscheidbar, hebräische Schnitterlirder singend, und weil ich sie so mit meinen eigenen Augen gesehen habe, sage ich, daß diese Jugend das Land zu einer Blüte , bringen wird, die einzig dastehen wird in der Geschichte dieses Landes. Auf das Frühere zurückkommend, möchte ich wiederholen, daß das Verhältnis zwischen den beiden Völkern sowohl in der Stadt als auch draußen im Lande ein durchaus > gutes ist. Das Verhalten der christlichen Araber hingegen, jener Araber, die außer einer inhaltlosen. Frömmigkeit mft Europa durch einen europäischen Anstrich verbunden sind, ist kein gutes, es herrscht unter ihnen viel Haß gegen die Juden, der wahrscheinlich seinen Ursprung in Europa haben dürste. Wenn die palästinensischen Juden dem großen Satze „Durch Gerechtigkeit wird Zion befreft werden" ehrlich, aus einem Ethos. heraus folgen, das im Judentum der Propheten fußt, wird das Zusammenleben der beiden Völker ein erfreuliches bleiben. Dieses Ethos muß natürlich erst neu wieder geschaffen werden, doch bis dahin, kann auch eine lluge Politik, die sich der Mission des Judentums bewußt ist, vieles erreichen. Dem Araber muß handgreiflich bewiesen werden, daß der Judte nicht nur sein nächster Stammesbruder ist, sondern auch sein Freund, der, weiterentwickelt als er, Verttauen gibt gegen Vertrauen inr gemeinsamen Kampfe gegen das Schlechte, das ins Land importiert werden WIT. Der Jude — vorausgesetzt natür» lick, seine Entwicklung zu einem dem Zweckdasein enthobenen Menschen — wird ihn lehren, sein Feld' bebauten, zu leben wie ein Mensch!, dter auf «ine uralte Kultur zurückblicken kann, er wird ihm Häuser^ bauen, die hygienisch sind,, ohne die Eigenart des Landes, seinen Stil und die Erfordernisse seiner Einheit zu stören, wie cs bisnun beinahe alle die Retter getan haben, die ins Land eingefallen waren, gleichgülttg vb sie sein Bestes wollten oder ob sie durch die Vorspiegelung von Taten, die aiif das Wohl Düs Allgemeine jüdische Krankenhaus „Schaare - Zedek“ zu Jerusalem Geschäftsleitung: Frankfurt am Main, Postscheckkonto No. 7785 Frkfb. a. M. Organisation rein europäisch.. Isolierhäuser für Ansteckende. Aufnahme unterschiedslos für Alle. Höchste Anerkennung aller Behörden, hält sichfür gewissenhafte TJebemahme von Stiftungen empfohlen.' Betten«, Zimmer-, Jahrzeit-, Bedenktafel-Stiftungen. > . ' - Man fordere die Bedingungen ein.; Briefe.zu richten nach Röderbergweg 63. \