Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 16 (1918)
- Issue
- Heft 37 (20.9.1918)
- Date
- 1918-09-20
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2692297-2693075-2693112--10462-2705796- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
ti. 37 iC.Jvol,l größer als ibK!'?ftugt)eit gelvrsen fein mag, ieii sich in der Airi»nng>innbenrerkt zu blewens-in die i. Sie wurden jedoch entdeckt, und die von ihnen nicht!>! entfliehe» konnten, ivurden niißdandelr tind hinansirt. Bald verbreitete sich das Gerücht, eS sollte» zur xrrlichun'g dos Krönnngsßestes Juden hiugoschlachtet «», und-der Pödot - ebenso bereitwillig zur Königi wieznin -Anfrnl.r ermordete die Juden, plünderte verbrannte ihre Häuser. Vcnedikt, ein Jude au» B»rt, nahm, um sein Leben letten, die 'Taufe: als er aber mit seinem freunde kiius, dem reichsten unter den Juden, nach Bork;uclirte, starb er an seinen Wunde». Jvvenns und sein icr erzählten ihre Erlebnisse: statt aber' Mitgefühl zu <tcu, regten sie die Wut ihrer christlichen Mitbürger Bald wollte es der Pöbel von Bork dem von London dtun, und er machte einen Eingriff auf das Haus des orbenen Benedikt, das — groß und« festgebaut -- ii Verwandten, und Freunden zur Zuflucht diente. Das s wurde zerstört, und die-darin waren, unter seinen minern begraben. Tie bestürzten Juden Borts eilten zu JovennS und n veranlnßte den Gonverncitr. des Schlosses, ihnen ich für ihre Person nnd ihre Habe zu gewähren, llnterci: wurden ihre Wohnungen nicdergerissen und die noch in Befindlichen getötet. Geschont wurden nur liigen, 'dir, zu feige, ihre Ehre zu behaupte», erklärten, Taufe aiiiiehmrn ^zu wollen. Das Schloß nmr zur Verteidigung stark genug. Plöhi stieg aber in den Juden der Verdacht auf, der Gvnlieur, der oft ein- und ansging, möchte sie verraten.: verweigerten ihm den Eintritte Ter Gouverneur klagte n Sheriff, und der Sheriff befahl, das Schloß zu men. Als der Sheriff sah, wie der mit den Soldaten »erldcne gransnme Haufe es nur darauf abgesehen hatte, Juden hinznmorden, nahni er seinen Befehl zurück, - s es tvar zu spät. Fanatismus und Ranbsnchl, einmal gelassen, müssen ihren Durst in Bl^it und Plünderuiig!m. Sie Ausrührer sprachen die Mithilfe der wohlhabenden rgcr an. Diese gaben abschlägigen Bescheid, vieliit deshalb, weil sie den Juden weniger Geld schuldig rcn. Hierauf wandten sie sich an die Geistlichkeit. Die isilichteit Ivilligte nicht nur ein, übernahm vielmehr K noch die Fülpcnng. Der Führer des Hausens war ein Domherr, dessen er. so groß ivar, daß er i» seineni Chorhemde, in dein sich so sicher als in .einem Panzer dünkte, ihnen beind. Dabei rief er unaufhörlich: „Zerstört die F-cinve jus!" Dieser geistliche Lakonisinus erhitzte diese Menen, die eigentlich nur durch das bedeutende -Eigentum i Bclagcrten augespornt wurden, noch anss Aeußerste. wird von diesem Geistlichen berichtet, daß er jeden srgen, ehe er hingüig, um beim Beschießen der Mauern helfen, eine geiveihte Hostie verschluckte. Als sich dieser isere Verteidiger §er >iirri>e jedoch eines Tages zu nahe igte, durch sein Chorhemd, wie er glaubte, geschützt, id er seinen Tod unter einer cinstürzende» Mauer, die i zerdrückte. Der Verlust eines so frommen Führers würde bei >er andern Gelegenheit die Leute vielleicht zur Besonnenir gebracht haben, doch hier behielt die Habsucht die bcrhand, der Angriff wurde fortgesetzt, bis endlich die 'den einfahrn, sie tönnten sich nicht, länger halten. Sie «sammelten sich um Rat zu halte,,, was noch zu rnn rig bleibe in dieser äustersten Gefahr. Unter den Inden ivar ihr ältester Rabbiner hochgeehrt, ist gewöhnlich unter diesem Volke, dieses Amt immer r einem Fremden, der zur Zeit wegen feiner GelehrnteH nnd Heiligkeit feiner Sitten berühmt ist, zu beeil. Ihr damaliger Rabbiner oder Chacham ivar auch > Fremder, der ihnen zugcfchiclt worden mar, um ihnen e Gesetze zu deuten, und der, wie der Erfolg zeigen rd, ein Mann von nicht aeivvliiilichen Eigenschaften war. Als der Rat zusammen war, da erhob sich der Chacham d redete die Bersammlung folgendermaßen an: „Männer “ Israel, der Gott eurer Vorfahren ist allwissend, d Niemand darf sagen, warum tust du die-:-'? Heine iichlt er uns für fein Gesetz zu sterben, für das Gcdas wir verehrt haben von dem Tage an, da es uns feben worden, das wir rein bewahrt haben während frer Gefangenschaft unter allen Nationen. Was können r für die vielfachen Tröstungen, die es uns reicht, für ' überschwengliche Hoffnung, die eS uns bietet, was nien wir weniger tu», als dafür sterben'? llnsere Rachnmen sollen dies Buch der Wahrheit erblicken,- bas wir t unserem Blute besiegeln, und unser Tod, der unsre fcue verkündet, soll Israels Wandrer mit Vertrauen lülleir. Ringsuist ist der Tod vor unfern Angen, was Frankfurter Israelitisches FamiKen'olatt. bleibt uns übrig,' als nach einem ehrenvollen und leichten Ende zu streben? Fallen wir in die Hände unserer Feinde-, und schon können lvir ihnen nicht mehr entrinne», daun wird unser Todschrecklich scinpdenii sie dürsten nacl, nnsernr Blute, nnd heule» um das Schloß gleich Wölfe». Daher ist mein Rat, w'ir übergeben unser Leben freiwillig -nnserm Schöpfer, wir werden unsre eignen Henker und entgehen ihren Qualen. Wir.erkennen den' Unsichtbarrn j» seinen Handlungen, Gott ruft uns, laßt uns dieses Rufes nicht nmvürdig sein. Selbstmord in Augrnblicten, wie die jetzigen sind, ist ertaubt und vernünftig. Wir haben Beispiele, ihr Männer von Israel, daß unsere Vorfahren bei ähnlichen Veranlassungen so getan haben, wie ich euch heute rate." Hierauf setzte der Greis sich nieder und weinte. Die Persamnilung war in ihren. Meinungen geteilt. Kräftigere sandrii seinen Ausspruch weise, doch die Schwachen murrten über den furchtbaren Rat. Da.erhob sich der Rabbi noch eininal nnd sagte mit fester nnd lauter Stiimne me in ge Worte: „Blei ne Kinder, da unsere Meinungen geteilt sind, so mögen diejenigen, welche meinen Rat nicht. guthcißen, sich au.S dieser Versammlung entfernen!" Einige entfernten sich, doch die Mehrzahl verband sich mit ihrem ehrwürdigen Priester. Tie fingen nun daniit an, ihre Habseligkeiten den Flannnen zu übergeben, dann tötete jeder Mann, um sich nicht der zaghasten Hand der Frauen anznvertranen, sein Weib, dann die Kinder nnd zuletzt sich selbst. Jovcnus und der Rabbi blieben allein »och übrig, um sich zu überzeugen, das; 'Alles nach ihren Ailordnungen ansneführt ivürde. Jovcnus, als dem Haupt unter den Juden, ward die höchste Ehre zu Teil, indem er seinei; Tod durch die Hand des bejahrten Rabbi empsing, der unmittelbar darauf die traurige Pflicht an sich selbst erfüllte. Alles dies ward in der Stille der Nacht auSgesührt: der folgende Morgen sah die Mauern de» Schlosses von Flamme» umgebe», und nur wenige erbärmliche Feiglinge auf denselben, de» Schwertes unwürdig auf - ihre toten Brüder hinweisend. Als die Tore sich ösfneten, bewies sich die Wahrheit der Rede des verstorbenen Rabbi, denn die Masse durch die verlassenen Vorhöse dringet«-, und in ihrer Hoffiinng sich getäuscht findend, rächte sich auf der Stelle an den feigen Elende», die es nicht verstanden, ehrenvoll zu sterben. Dies ist die Geschichte der Juden von Bork, von denen sich/ nach de» Erzählungen der Geschichtschreiber, etlva '»00 freiwillig den Tod gaben. Richard Wagners Antisemitismus. lieber Richard Wagners Antisemitismus erzählte Dr. Heinrich Feldermann vor Jahren in der „English Mail" folgendes Vorkommnis während eines 'Aufenthalt Wagners in Frankfurt a. M.: „Ich mar als Gast in dem Hanfe eines Freundes, des Generalkonsuls Jacques Hahn, dessen Privatsekreiär ich eine Zcitlcing gewesen war. Jacques Hahn wurde in geivijscm Sinne als ein Original betrachtet, dabei ivar er einer der besten Menschen, die je gelebt haben, ein Mann von großer geistiger Beiveglichkcit und vielfachen Vorzügen, der Kunst und Literatur in großzügigster Weise unterstützte. Eines Abends faßen wir in größerer Gesellschaft an seiner Tafel. Richard Wagner, der zu den Gästen gehörte, äußerte sich in schroffer Weise gegen Meyerbeer, Mendelssohn, Halevv usiv. und bestritt überhaupt der jüdischen Rasse die Fähigkeit der Tonkunst nnd der Harmonie, fndeni er die jüdischen Komponisten des Plagiats bezichtigte. Obgleich mir das sehr geschmacklos erschien, da er dock wußte, daß der Man», dessen Gast er aun'.Vtuö von dem er häufig Geld entliehen hatte, ohne e» zurnctznerstatien, ein Jude war, nnd zwar ein idealistischer Jude, obgleich auch die nieisten Gäste, darunter die große dramatische Sängerin Tara Oppenheimer, die neben ihm säst und die eine seiner schönsten Rollen kreiert hatte, Juden waren, so blieb ich hoch bei der provozierenden Aenßerung ruhig. Als dann aber Wagner in seiner autoritativen Weise über die persische und arabische Literatur sprach und die Meinung äußerte, die Perser, die 'Araber und Magren überhaupt hätten große Denker und Dichter von unsterblichem Rirhin hervorgcbrcicht, die Juden Niemand, der die Mittelmäßigkeit überschritt, da konnte ich mich nicht enthalten, laut zu lachen. Gereizt durch mein „unverschämtes Lachen", wie eres nannte, ries er mir blaß vor Zorn zu: „Das haben Sie zu lachen. Sie Rotzbube?" rüeru 5 Ich sprang von meinem Stuhl «ruf und erwiderte laut und schars: „lieber Ihre krasse Ignoranz." Ter Ursprung des Alphabets. T as Alphabet kam von den Phönizierir zu den Griechen und von diesen zu den anderen Völkern Europas. Die Frage, woher die Phönizier das -'Alphabet genonmten hatten, beantwortet Prof. Kurt Sethe in einer Abhandlung (Nachrichten der Königl. Gesellschast der Wissenschaften zn Göttingen) dahin, -aß, das phönizische 'Alphabet der egyptischen Konsoiiantenschaft Hochgebildet ist. „Die Menschheit darf", schreibt Sethe, „von Glück sagen, daß die kananäischen Senriten, die die Schöpfer: der einfachen, reinen tonsonaiitischen Buchstabenschrift werden sollten, bei ihretn Eintritt in die Geschichte just den Cguptern und nicht einem andern der älter» Ktllturoölker des Orients zuerst in den Weg geführt ivorden sind. Wer weiß, lob sonst je, und wenn schon, wie spät sie zur Buchstabenschrift gelangt wäre." Rach Sethes Mnahme dürfte aber auch die Schrift der westasiatischen.Kulturvölker, der Babylonier und Assyrer, von der der Egypter beeinflußt worden sein. Ob hierbei die Hebräer oder ein anderer semitischer Volksstamm als Mittler zu gelten haben, steht noch nicht fest. Literarische Chronik Die 'Neuzeit. Herausgeber: S a in net Meifels. 2. Jahrgang, 4. Heft. Wien, VH, Neubaugasse 84. Inhalt: Moritz Güdeinanu (Dr. Aptowitzer). Vom Religiösen (Bernard Tag ». - - Antisemitisch, prochristlich (Josef Bernhaft)). — Die jüd. Nervosität (Dr. Rafael Becker). — Feuilleton: Notizen: Literatur. Bernhard zeigt in seinem Aufsatze, daß die wirklichen Kriegsgewinnler reinrassige 'Arier find. -To sind die reichsten Amerikaner nnd ihre jährlichen KriegSeiniiahinen folgende: I. D. Rockescller 3Ö0 Milt. Dollar, Carnegie '>0 Milt. Dollar, William Rockefeller 87 Mill. Dollar, Arinour 31 Mill. Dollar, Henry Ford 25» Mill. Dollar, Banderbilr 25» Mill. Dollar. Auch in Deutschland sind alle Größen der Wafsen- und Eisenindustrie Nichtftiden. R tue I ii i i s d) e M onat» Heft e. 2. Iahrg., 20. bis 22. Heft. (Sonderheft „Die jüdische Frau", Preis l,5>«> Ml., Berlin. Aus Dr. N a t i; « tt B i r n b a u m » 'Aussatz „Die Religiosität und die jüdische Fron" sei hier der Anfang wiedergegebcn: „Wenn man über die Religiosität und die jüdische. Frau sprechen will, so muß natürlich vor allem klar sein, wa» unter Religiosität verstanden sein soll. Und da möchte ich denn feststellen, daß ich auf dem Stand-» punkte unbedingter Verbindlichkeit des jüdischen RetigionSgcsetze» stehe und daß mir dieses und religiöse Gesinming, religiöse Form und religiöser Inhalt, Religion als Gosanitheitskatsache und als individueller Vorgang nicht als Gegensatzpaare, sondern als je zwei notwendige Fnnktioiien ixiiies großen religiösen Eiiibeitsgeschehens erscheinen. Wohl zweifle ich nicht, das; es sehr vereinzelte Einzelne geben kann, die imstande sind, sich vom Gesetz, von der Form, von der Gesamlheitslatsache loszusagcn und sich doch einer 'Art religiöser Gesinnung, einen gewissen religiösen Inhalt, ein persönliches religiöses Gefühl zu bewahren. Aber ich bin ebenso sicher, daß diese Einzelne nur möglich geword.'N sind, weil sie, aus der niehrtausendjälirigen, gotterrictztete» Schule des jüdischen Glaubenstebens tzervorgegangen, durch dieses für das religiöse Empfinden in geradezu mustergültiger Weise vorgezüchtet sind, nnd daß. wenn nun sie Schule machen sollten, in Zukunft auch solche Einzelne, wie sie, geschweige gar Massen mit formbefreiter Religiosität, unmöglich werden müßten. Ich kann daher auch in ihrem sich Znrückziehen aus das Individuell-Religiöse keinen Vorrang, sondern nicht» anderes sehen, als Selbstgciältigkeit. die mit dem Gotte sür alle nicht vorlieb nimmt, als Znckrsprengnng aus Unzulänglichkeit des schauenden und denkenden Begreifens. Ich kann mich auch nicht entschließen, zu glauben, daß> Israel nicht dazu da ist, um in gotlgewoltter (KeietzeSeinsamkeic dem Weltensabbat entgegenzuziehen, jonoern nur um die Staffage für religiöse Jch-Eitelkeitcn abzugeben. Und ich kann die Blicke nicht wenden von den schon eingetrctenen traurigen Folgen der Sünde am heiligen „Werl" (kostbares Lehnwort das!:, von der tagtäglichen Erfahrung des letzten Jahrhunderts, die ich mir durch, schöne nnd billige Redensarten nicht verfälschen lasse. Ich kann mich darüber nicht hinwegtänschen, was offen für jedermann sichtbar ist, daß, wer damit anfängt. Kaffee Kaisergapic n am Opernplatz Erstklassiges Eamilien-Kaffee Jeden Nachmittag Ton 4 bis 7 Uhr nnd Abend von 8V* Uhr ab 3*^ K-ünstler-BLonzert.