Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 16 (1918)
- Issue
- Heft 37 (20.9.1918)
- Date
- 1918-09-20
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 37 Seite 3 Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Scala - Lichtspiele Schäfergasse 29. Schüfergasse 29. Modernes Theater Vorführung stets neuer und hervorragender Filme. In üblicher -Weise dankte auch diesesmal Wehrinänn S.alomon <L>tei-n aus Berkach dem hochverehrten Rabr biner für seine Mühewaltung. Zürich. Dr. Alfred Schönlank. Oberstabsarzt im deutschen Hecrss, erhielt wegen Rettung von 37 Soldaten .das Eis. Kreuz 1. Kl. Persorratie« «. kleine Wtttteilnnge». München. Kommerzienrat Guttmann wurde zum Geh eimen Ko mm er z i enr at ernannt. Breslau. Pieschen hatte vor alten Zeiten noch eine Zahl von.206 Mitgliedern. 1913 waren noch 80, jetzt ist die Zahl auf 60 gesunken. Die Gefahr wird immer drohender, daß die Gemeinde nicht mehr imstande sein wird, sich zu erhalten. Da.sind denn die Breslauer alten „Plescher" zusammcngetreten, um ihre Gemeinde zu verewigen, ein äußerer Anlaß.bot die. Gelegenheit. Ein fronrmer und gelehrter Plescher, Jakob Oppler, der erst kürzlich 'Len 80. Geburtstag feiertx,..war von schwerer Krankheit genesen und spendete 1H,000 M. für die Gemeinde Pieschen, ihm schloß sich C. Lew in mit 2Q,000 M. an, Moritz Bah.er mit 10,000 M. Es liegt in der Absicht dieser Männer, -zunächst einen Grundstock von 200,000 M, zusammenzubringen, und. ihn ihrer Hcinlatgemeinde zur Verfügung zu 'stellen. Die Schriftstellerin Regina Reifs er, geb. Loewenthal, feiert am .20. September den 70. Geburtstag. Leipzig. Zur Eröffnungsfeier der Jüd. Bi blio.th ekund Lesehalle hatte sich ein zahlreiches Publikum eingefunden. 'Auch städtische Vertreter waren anwesend. Prof. Tr. Heinrich Le owe-Berlin führte in seiner Festrede aus: Tie Quelle der jüdischen Kraft ist die jüdische Kultur, ihre Grundlage ist die Bibel, die Thora. Die jüdische Kultur "ist der Urgrund aller Kultur überhaupt und vollständig unberührt geblieben von fremden Einflüssen. Diese Quelle der Kraft gilt es für das -Judentum von neuem zu erschließen. Auch die neue -Bibliothek soll daran Mitarbeiten. Rach Worten des Vorsitzenden des Komitees führte Rabbiner Tr. C a r l e b a ch, der den am Erscheinen verhinderten Rabbiner Dr. Gold-! mann vertrat, .aus, daß das Leipziger Judentum, an der - Schwelle des neuen Jahres stehend, in dieser Bibliothek .einen guten Jahresanfang habe. Volle Bedeutung .werde sie freilich erst erlangen, wenn die jungen Leute zmeiickketMn, die jetzt im Felde ■' stehen. - Chemnitz. Die hiesige „Bolksftimme" schreibt in einem Leitartikel: „Geradezu, nuerhört klingen Mitteilungen, die uns über die von der deutschen Verwaltung betriebene Jndenpolitik im Osten zugehen. Es müssen in der neuen Zeit. geheime Verfügungen erlassen morden sein, die eine völlige Beschränkung in der Einwanderung jüdisch-polnischer Ar b ei.t e r nach Deutschland vorsehen, wodurch für Millionen Menschen ein neues Ansnqhmsrecht aufgerichtet wird. Noch tolle.r ist, daß man sowohl nach Kurland wie nach Litauen und ebenso nach Polen mit dem Einverständnis' der deutschen Verwaltung nicht einmal diejenigen Juden wieder in ihre Heimat znrückkchren läßt, die von den.Russen verschleppt worden sind , oder die seinerzeit vor den heranrückenden deutschen Heeren! geflohen sind. Mit einer wahren Woyne schlachtet die Presse in den Ententeländern diese antisemitische Haltung deutscher Behörden aus. Die angerichtete üble Wirkung kann durch zehn Mimsterreden nicht wieder gut, gemacht werden." Hoffentlich kann von Maßgebender Seite eine befriedigende Aufklärung erfolgen. Rauen. Kgl. Kommisstonsrat Rittergutsbesitzer Alfred Frank spendete für eine Halle auf denk jüdischen Friedhofe 10,000 M. Wien. Adolf Schwarz und Isidor Landau, zwei frühere Geschäftsfreunde, die sich auch gleichzeitig als konfessionslos erklärt hatten, hatten wegen eines Streites, in dem auch das Wort „polnischer Jude" fiel, gegenseitig Beleidigungsklage angestrengt. Ein Ausgleich scheiterte, denn beide erklärten, es läge ihnen nichts daran, wenn sie gestraft würden, wenn nur auch der andere nicht frei davonkvmme. Der Richter verurteilte jeden der beiden Beschuldigten zu je 300 Kronen Geldstrafe. Als Landau das Urteil vernommen hatte, schüttelte er verwundert den Kopf und meinte, daß der Ausdruck „du polnischer Jud'" so teuer zu stehen kommen würde, hätte er doch nicht geglaubt.; x Lodz. Der Prüfungsausschuß der jüdischen Gemeinde bestätigte das von Dr. Symchowicz ausge-, arbeitete Programm der Prüfung jüdischer Reli-' gionslehrer. Es werden prüfen: Oberrabbiner Treistmann in Liturgie und Talmnd-Tora, Dr. Brande allgemeine Grundsätze der Ethik und der Bibel; Tr. Symchowicz hebräische Sprache und Geschichte der Inden; A. M. Kaplan und T. Bialer rituelle Vorschriften; A. Gold- Soüt polnische Sprache. Dem Ministerium für Kultus und nterricht wird ein Bericht über die Tätigkeit des Ausschusses für 1916 zugesandt werden. Ha«,. Die Spendeneingänge des Jüdischen N ation älfonds im August 1918 betragen Fr. 229,193. Tie Beiträge der einzelnen. Länder stellen sich wie folgt: Oesterreich Kr. 127,368, Polen und Litauen: deutsches besetztes Gebiet M. 50,354, österr. besetztes Gebiet Kronen 19,090 Nordamerika Toll. 8400, Argentinien Pesos 17,486, Teutschland M. 15,393, England Lstr. 473.3.0, Bulgarien Levas 8248, Italien Lire 7449, Südflao. Länder Kronen 0538, Schweiz Fr. 3176, Holland Fl. 720, Griechenland Lstr. 58, Portugal Fl. 451.15, Schweden Kr. 394, Norwegen Kr. 158, Rumänien M. 110, Frankreich Fr. 95, Belgien Fr. 83. Zürich. Ein Herr wandte sich »n den hiesigen Ostjüdischen Franenverein mit dem Angebot, er wolle vier Mädchen von 10—14 Jahren mit Aufsichtsdame nach einem Kurorte vier Wochen zur Erholung mitnehmen. Das Angebot ist inzwischen verwirllicht worden. Das Beispiel verdient Nachahmung. New Uork. Dberrichter Louis Dr. Brandeis schenkte die 8000 Dollar, die ihm zu seinem 60. Geburtstag für jüdische Zwecke von 8000 Verehrern zur Verfügung gestellt worden waren, in Aktien der Jüdischen Kolonialbank der Jüdischen Universität in Jerusalem und fügte aus eigenen Mitteln noch 2500 Aktien hinzu. Auch Jakob H. Schiff spendete für den gleichen Zweck 5060 Aktien der Jüdischen Kolonialbank. Das Bundesgericht entschied, daß ein deutscher Jude in Amerika nicht als Deutscher, sondern als I n d e zu gelten habe. Ob die Regierung der Bereinigten Staaten gewillt ist, aus dieser Entscheidung die Folgerungen zu ziehen? , Frankfurter Berichte. Kleine Notizen. Ter diesmalige Jomkippur stand unter dein Zeichen der Fliegergefahr. Sowohl am Kol Nidrei wie zu Neilah wurden Gottesdienste vorzeitig beendet. - Agudas Jisroel-Jngendgruppe. In der vergangenen Woche fand nach einem Referate Max Cohen-Köln und nach der Konstituierung der Führerschaft die Gründung einer Esragruppe Frankfurt a. M. statt. Sie will die Jugend an echt jüdisches Denken und Fühlen gewöhnen durch ernste und gesellige Veranstaltungen, Wanderungen und Heimnachmittage. Anmeldungen unter Angabe des Alters an Frl. Rosa Meyer, Schesfelstr. 9. 1 Ab Schabbos Bereifchis beginnen Freitag abend nach dem Gottesdienst wieder die isidravorträge. Leovold Oppenheimer wird jeden Sonntag früh SV-* llhr Tihauro mit Raschi dozieren (ab l. Qkt.). Für den .hebräische», Sprachkursus werden Anmeldungen erbeten. fetulfefoit. Der Min. Bon Leopold Komp er t. Fortsetzung.) Das Wort war gesprochen; über Verstellung und Kunst hatte es siegreich sein Banner gepflanzt; wie ein Bergstrom, den ein plötzliches Hochgewitier schwellt, kam es dahergerauscht, und achtete nicht des bis nun so sorgfältig Gehegten und Gepflegten. Jede Reue kam nun zu spät; Kobi empfand das in dem nämllchen Augenblicke. Gott wußte, welche ‘ Verwüstung das wilde. Bergwasser anrichtete, — dennoch hätte Ko bi es nicht unausgesprochen gewünscht. Furchtsam blickte er.nach dem Randcrr hin, um an dessen Zügen zu sehen, wie das Wort gewirkt chatte ... Zu seinem höchsten Erstaunen bemerkte er aber, wie dort eine merkwürdige Veränderung vorgegangen; es spielte ein Lächeln und Behagen zwischen diesen geschmiedeten Muskeln, die sie milde, wie von Sonnenlicht bestrahlt, erscheinen ließ. „So wahr ich Josel Süß heiße", sagte der Raudar mit mühsam erzwungener Stärke, ,chn hast recht, Jüngel! Wer die kriegt, bekommt ein Weib! Mehr sage ich nicht; es ist iricht meine Sach', über ein Kind viel zu reden^. . . Aber das'kann ich. dir sagen: Seit mein Weib tot ist, Hab' ich keine Minute gefühlt, daß sie mir fehlt. Sie füllt jeden Winkel im Haus mit Leben auSi. Oft hat's mir den Sinn durchfahren,.daß sie kein Jüngel geworden ist, daß ich doch jemanden gehabt hätte, dem ich den großen Hof hätte übergeben können. Aber sie ist mir doch tausendmal lieber als fünfzig Knaben ... sie sitzt mir im Herzen und macht mir Freude, wie nichts in der Welt . g . Gott soll sie mir behalten!" Gleich darauf, als hätte er sich zu viel erniedrigt, indem! er sein starkes Wesen unter dem Eindrücke der väterlichen Zärtlichkeit Einbuße hatte leiden lassen, meinte er mit seinem 'gewöhnlichen Tone: „Wie steht der Hafer bei dir zu Hause?" Kobi konnte nicht sogleich antworten, so bewegt hatte ihn die Rede des harten Mannes, der als „Bär", „Wolf" und „Unmensch" in den Erzählungen der Gemeinden spukte. Hätte sich die Mutter noch gefürchtet, mußte er innerlich sich fragen, mich zu ihm zu schicken, wenn sie ihn so reden gehört hätte? Aber gut war es doch, daß der Randar dem Gespräch eine so kühle Wendung gab. „Nun, Jüngel?" ftagte er noch einmal, „wie steht bei dir der Hafer zu Hause?" „Bier Gulden dreizehn Groschen. Herr Randar", beeilte sich Kobi zu sagen. „Nicht höher?" „Am letzten Wochenmarkt", teilte Kobi noch mit, „har man so viel, als man will, um diesen Preis haben können." ^Verstehst du dich auf Hafer, Jüngel?" ftagte der Randar fast verwundert. „Es ist zwar nicht mein Geschäft", meinte Kobi, „aber man kann nicht wissen, wie einem so etwas einmal unter die Hände kommt. Dann möchte ich nicht gern in ein Unglück geraten." „Du scheinst vielerlei Sachen" zu verstehen, Jüngel", sagte nach einer Weile der Randar mit einem so bedeutsamen und feinen Lächeln, wie es die Spöttler dem „Sprosta?" nicht zugetraut hätten. In Kobi aber drängten sich, seitdem er den Verhängnis», vollen Ausspruch getan hätte, Geister auf Geister, die nach Erlösung schrieen; es überkam ihn eine Art von Ermüdung zu sitzen und mit dem Randar über den Preis des Hafers zu schwatzen, während er doch nicht Wichte, ob sie gerade, um derentwillen er das Wagnis unternahm, einverstanden damit sei, daß er bleiben, daß er wagen dürfe? Denn wie trefflich der „Min" es bisher verstanden haben mag, die geheimsten Absichten seiner Mission vor uns, ja vor sich selbst in Dunkel zu hüllen, jetzt, das fühlte er, war der Augenblick gekommen, der seine kühnen Entwürfe entweder der zerstörenden Lächerlichkeit des Mchterfolgs oder dem glücklichsten Gelingen anheimgeben mußte. Ein Vater, fuhr es ihm blitzschnell durch den Sinn, der seine Tochter so hoch stellt, werde doch nicht seine» eigenen Willen als allein maßgebend ihr aufdrängen, wenn es sich darum handle, ihre Lebenszuknnst feflzustellen? Werde er nicht auch auf die Stimme seines Kindes horchen? Wenn sie nun nicht wollte? Schauer erfaßten ihn; er mußte nach der Stirne greifen, sie war kalt. Wohin hatte er sich begeben? In welches verwegene Spiel sich eingelassen? Er, der Sohn Wolf Mins, wollte die einzige Tochter des steinreichen Randars-? Doch die Geister, die ihn bisher geleitet hatten, diese starkgemuten Geister bannten ebenso schnell, als sie gekommen wirken, ihre Feinde, die bange Furcht und die zagende Entmutigung aus seiner Seele. Kobi wurde sich klar bewußt, daß er sein Haupt über dem Wasser halten müsse. Zu viel hing davon ab, ob er ausharrte oder beschämt davonschlich! Wenn sie nun nicht wollte?; Darüber mußte Kobi bald Licht haben, das mußte noch vor dem Essen entschieden sein. Unter dem Vorwände, nach seinem Kutscher sehen zu müssen, ging er hinaus. Das flackernde Licht, das über den Hausflur fies, zeigte ihm den Weg zur Küche; ein flüchtiger Blick hatte ihn belehrt, daß die, die er suche, darin sei. Rasch trat er hinein und auf das erschrockene Mädchen zu. ■ > „Verzeihe mir", sagte er in fliegenden Worten, aber voll Innigkeit und Wahrheit, „wenn ich dir vielleicht ungelegen komm'. Deinetwegen bin ich da, deinetwegen bin ich gekommen. Sieh mich an und sage mir dann: darf ich bleiben und mit deinem Vater reden? Oder soll ich gehen? Wenn ich gehen soll, sag nur cs gleich, ich möchte nicht zwei Minuten länger leben und nicht wissen, was entweder mein Glück für ewig machen wird oder mir sehr leid, sehr wehe tu» möchte." So sprach Kobi, und indem er diese Worte mehr slüsterte als betonte-, war dabei sein ganzes Wesen von jenem Schimmer innerster Neigung überglüht, die mächtiger das Herz ergreift als die feurigsten Schwirre. Das mußte das liebliche Mädchen anch fühlen; seine Blicke flogen in holder Verwirrung umher, bis sie an dem Jünglinge hasten blieben, der zu ihr sprach, wie noch, keiner gesprochen hatte. * „Hab' ich dich beleidigt?" fuhr Kobi in demselben Tone fort, „so will ich gehen. Aber ich denke, das känn kein Mädchen beleidigen, wenn ein Mann um sie wirbt. Sag, darf ich bleiben?" „Ich kann nichts sagen, wenn's mein Vater nicht erlaubt!" flatterte Mirl und wagte es, dem jungen Manne dabei in dje Augen zu sehen. „Du siehst ja, dein Vater selbst heißt mich hier bleiben . . ." sagte Kobi, „aber »penn tzn es nicht zugibst, was Hab' ich dann davon? Und wenn er hundertmal sagt: Nimm sie, und du willst nicht, meinst du, ich möcht' nur einen Finger nach dir ausstrecken?" Kaffee Itiihlaml 5g Kaiaeratrasse 56 Kaiseratrasaa 56 Täglich erstklassige MF* Uaterhaltnngsmaalk -HM —— - ■■■'■ Gesangs »Einlagen. ■