Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 16 (1918)
- Issue
- Heft 36 (13.9.1918)
- Date
- 1918-09-13
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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In allen Karben beleuchtete der Redner unsere Stellung zur Tauroh. Um die Gotteslehre in uuse« ren Häusern zu rehabilitieren, um auch die Sllleinstehenden um 1 die Tauroh zu scharen, — dazu brauchen wir Agudas-Jsroel. Zu diesem Bortrage, der Name des Referenten allein genügt,'um ihn zu bewerten, zog Rabb. Dr. Carlebach,Leipzig, der aus lokalen Erfahrungen sprach, eine glänzende Parallele. Der Korreferent unterstrich jedes Wort seines Vorredners und erklärte, weshalb bisher in' Leipzig von einer Agudagründung abgesehen wurde. i Man soll das Eisen schmieden, solange es heiß ist. Auch das hat man getan. Gleich am nächsten Abend fand eine die Agudas-Jsroel konstituierende Sitzung im internen Kreise statt. Dr. Hildesheimer erzählte, den Anwesenden von seinen Erfahrungen in der Leitung von. Jugendvereinen, zeigte die Fehlerquellen: die ein Versagen zur Folge haben, und wies auf Institutionen hin, die ein dauerndes Bestehen garantieren. Im Anschluß daran wählten Jugend- und Mädchengruppe je ein provisorisches Komitee, deren Leitung in die Hände eines Leipziger Dozenten gelegt wurde Die nächsten Wochen gelten der Arbeit, um dauernd positive Resultate erzielen zu können. Wir müssen dem schlimmsten Feinde entgeAentreten, der sich niemals zum Kampfe stellt, der immer weicht. — dem Jndifferentismus, denn: „Sein oder Nichtsein, das -ist hier die Frage!" Berthold Strauß. ' Zürich. DaS Jüd. Vreßbureau berichtet: In ihrer Sitzung vom 1. September hat das Schweizerische Landeskomitee der „Agudas Jisroel" beschlossen, in Palästina eine Kolonie .auf den Namen „Schweizerische „Agudas Ji.sroel-Kolonie" zu gründen. Mit den Organisationsarbeiten soll sofort begonnen werden. Auch soll das Schweizerische Kriegswaisenhaus der „Agudas Jisroel" in dieser Kolonie errichtet werden. Dieser Beschluß wird von allen Seiten warm begrüßt und hat Aussicht auf rasche Verwirklichung. auszuscheiden, ein totes Organ zu werden in dem lebendige Körper unseres Volkes. Mit tiefer Genugtuung sagte mir Güdemann kurz vor seinem Tode: „Lange bevor es einen Zionismus' gegeben, war ich bin Streiter fiir Zion." In den unvergeßlichen Gesprächen, die ich in den letzten Wochen seines Lebens mit ihm zu führen Gelegenheit hatte, bin ich zur Ueberzeugung gelangt, daß die . schmerzliche Entfremdung, die vor 20 Jahren zwischen Güdemann und der jüdischen Jugend entstand, welche in der Wiedergeburt unseres Volkes im Lande der Juden ihr Ideal erblickt, auf einem tragischen Mißverständnisse beruhte. Gewisse äußere Begleiterscheinungen unserer neuzeitlichen Renaissancebewegung ließen Güdemann befürchten, eS könnte sich daraus ein Nationalismus entwickeln, wie er das Leben der anderen Völker vergiftet, die böseste Form der.Assimilation. Und so sprach er denn taüs dieser Besorgnis heraus manch bitteres leidenschaftliches Wort. Hätte er aus der Nähe die spätere Entwicklung, Vertiefung und Verankerung des Zionismus verfolgen können, hätten die jungen und die wieder junggewordenen Juden ihm ihr Herz geöffnet, hätte er in innigem Zusammenleben mit ihnen erkannt, daß sie nicht ein Volk wie jedes andere aus «ns zu machen suchen, nicht etwa ein neues Serbien in Palästina erstehen lassen wollen, sondern fühlen und erkennen, daß wir nur dann wieder das auserwählte Volk zu werden vermögen, wenn der Mittelpunkt unseres Geistes und unserer Seele wieder 'im Stammlande der Bibel liegen wird, so hätten sich, wir sind dessen sicher, mit der Weltanschauung Güdemanns . weit innigere - Berührungen ergeben, als beide Teile zu vermuten wagten." Wie«. Aus aller Wett. Oesterreich-llvgar». Zur Beurteilung Oberrabbiner Dr. SüSemanu'S s. A. Ans der Gedenkrede,"dic dieser Tage Oberrabbiner Dr. CHajes seinem Vorgänger hielt, sei solgende Stelle wiedergegeben: „Als zwei Fähre später der hochgelehrte Vorsitzende des im Verstecke wirkenden Wiener Beth Tin zu seinen Vätern einging, da übernahm Güdemann die Leitung des Rabbinates. Und da hatte Wien in aller Oeffentlichkeit feinen ersten und damals einzigen Rabbiner. Sehr bald sollte er Gelegenheit finden, den Vertretern der Gemeinde zu beweisen, daß es sich nicht lediglich um eine Namensänderung handelte. Güdemann hatte schwer unter der bedauerlicherweise noch heute bestehenden Tatsache zn leiden, daß der Rabbiner, der Mann, der sein ganzes Leben der Erkenntnis des Judentums zu widmen verpflichtet ist, dem Gesetze und den Statuten nach nur das ansführende Organ, der Gemeindevertretung ist, daß nicht er, sondern Männer, die vielsach innerlich und äußerlich geistig und seelisch dem Judentume fremd gegenüberstehen, die Entscheidungen zn treffen HÄben in Fragen die die Zukunft und das Wesen unserer Geineinschaft aufs innigste berühren. •-> Und so konnten denn eines schönen Tages unsere damaligen Führer dekretieren, cs hätte aus den Gebeten zn verschwinden jeder Hinweis aus bas heilige Land, es hätte jeöe Verbindung aufzuhören mit den Zukunftshoffnungen unseres Volkes. Wir haben uns als größtes Wunder der Weltgeschichte durch zwei Jahrtausende, ein Volk ohne Land und ohne Sprache, erhalten können, weil in unseren Gebeten die Liebe zu der verlorenen Heimat mit rührender Treue fortlebt,' weil in allen Teilen der Welt die Sprache unserer Väter unverfälscht ertönt in der Synagoge,, die für uns kein Haus Gottes bedeutet — sagte nicht schpu vor 2500 Jahren ein großer Prophet (Jes. 66, 1): „Ter Himmel ist mein Thron, die Erde . meiner Füße Schemel, wo ist das Haus, das Ihr mir bauen könntet, welches Heiligtum dürfte meine Residenz sich nennen?" — nicht also ein Haus Gottes ist für uns die Synagoge, sondern das Haus Israels im Exil«, die Hochburg unseres Judentumrs. Und nun wollte man diese unsere feste Burg von Grund ans erschüttern, fremdsprachige Gesänge einführen und die Gebete um Wiederherstälnng Erez Israel aus unseren Büchern streichen. Gegen diese Entweihung unseres Heiligtums, gegen diese Entjudüng des Judentums kämpfte einen siegreichen Äunpf der verblichene Oberrabbiner.. Ihm ist es zn danken, daß unserer Gemeinde die Schande erspart geblieben ist aus der mehrtausendjährigen geistigen Gemeinschaft Israels Pole«. Warschau. De» jüdische Druckerftreik. Tas „Lodzer Volksblatt" meldet, daß die Herausgabe der drei jüdischen Tageszeitungen in Warschau dem Verein der Truckereiarbeiter die Mitteilung gemacht hätten, daß, falls die Arbeiter nicht in der ersten Hälfte 6er lausenden Woche die Arbeit wieder aufnehmen würden, die Herausgeber infolge äußerer Gründe davon absehen müßten, vor dem 1. Oktober in Verhandlungen einzntreten. In den Kreisen der Setzer zeigte sich keine Neigung, der Aufforderung zur Arbeitsaufnahme Folge zn leisten. Tas „Volksblatt" schreibt, daß die Lage der jüdischen Journalisten infolge des Streiks sehr traurig sei. Ter Verein der jüdischen Literaten und Journalisten habe sich bereits gezwungen gesehen, eine größere Hilfsaktion in die Wege zu leiten. Warschau- Aenderungeu in der jüdische« Gemeindeverwaltung. Tie Regierung verlangt von den jüdischen Gemeinden Material über die Pflichten der Rabbiner und über die Arbeiten der Zivilstandsämter der Gemeindeverwaltungen. Tie Materialsammlung soll im Zusammenhang mit den Reformen stehen, die in Kürze in dem Standesamtswesen dnrchgeführt werden sollen. Nach den Vorschlägen, die eine besondere Kommission im Bildungsministerinm ■ ansgearbeitet hat, soll die Leitung der jüdischen Zivilstandesämter den Sekretären der Gemeindeverwaltung übertragen werden, die in diesem Amte vom polnischen Ministerium bestätigt werden. Die Zivilstandsämter bei den jüdischen Gemeindeverwaltungen werden in staatliche Einrichtungen verwandelt, die Zählungen sollen an die Staatskasse weitergeleitet werden. Der Krieg nnd die Jude«. Frankfurt a. M. Schütze Fritz Goldschmidt, Sohn von Leopold. G'oldschmibt, Hermannstraße 50 l, erhielt das Eiserne Kreuz 2. Masse. Nürnberg. Leutnant I akob Steinacher-Nürnberg, Oberarzt Dr. Samuel Eschwege aus Thüngen und Leutnant Emil Kraemer aus Ansbach erhielten das Eiserne Kreuz 1. Klasse. BirmasenS. Rechtsvrakt. Leutnant Ludwig Levy erhielt-nunmehr auch das Eis. Kreuz 1. Kl. Breslau. Bat-Arzt Dr. Siegmund Loewy- Breslau, Gesr. Ernst T i ch a u e r - Friedrichsdorf. MartinMarkus - Kolmar, Unterofst Wolfs- Krotioschin und Feldw.-Leutnant Rich. Asch-Posen erhielten das Eis. Kreuz 1. Kl. PrivaÜNHent Dr. Theodor Rosenthal, der Sohn des hiesigen Rabbiners, geriet, in englische Gefangenschaft. Satzlock. Bizew. Springer, Sohn der Frau Hermine Springer Wwe., 'Inhaber des Eis. Kreuzes 2. M. und des Militär-Berdienstkreuzes 2. Kl. mit Schwertern, wurde zum Leutnant befördert. Wie«. Bloch's „Oesterr. Wochenschrift" verzeichnet folgende Auszeichnungen an Inden: 2 Ritterkreuze des Franz Josef-Ordens, 5 Militärverdienstkreuze 3. Kl., 12 silb., 26 bronz. Signum laudis, 13 gold'.', 6 silb., 9 eiserne Verdienstkreuze, 6 bronz. Tapserkeitsmedaillen. Personalien u. kleine Mitteilungen. Nürnberg. Infolge des HinscheidenS Professor Dr. Werner-München mußte die Bayerische Rabbinerkvnserenz einen neuen Vorsitzenden wählen. Die Rabbinerversammlnng fand am.28. Äug. Kaiaerstrasse 58 Kaiserstrasse gg Täglich erstklassige MP" Unterhaltungsmusik Gesangs -Einlagen: Scala - Lichtspiele ächäfergasse 29. Schäfergasse 28. Modernes Theater Vorführung stets neuer und hervorragender Filme. Sf Kaffee Kuhland statt. Es wurden gewählt: zum Vorsitzenden.der Bayerischen Rabbinerkonferenz: Distrikts-Rabbiner Dr.Meyer- Regensburg, zum.stellvertr. Vorsitzenden: Rabbiner Dr. M. Frendenthal -Nürnberg. Der langjährige Vorsitzende Dr. A. Cohn, Distrikts-Rabbiner in Gelnhausen wurde zum Ehrenvorsitzenden erwählt. Nürnberg. Der Israel. Lehrerverein für das Königreich Bayern hielt eine außerordentliche Sitzung ab. Gegenstand der Beratung bildeten die Telle des Bvlksschullehrer- und Schulbedarsgesetzes, welche die Verhältnisse der israelit. Bvlksschullehrer regeln sollen. Dankbare Anerkennung fand der Geist des Wohlwollens und der Gerechtigkeit der Staatsregierung gegenüber den israel. Volksschullehrern. Doch wurden auch mehrere Abänderungsnnh Verbessernngsvorschläge gemacht, die in einer Eingabe den gesetzgebenden Faktoren unterbreitet werden sollen. Breslau. Dr. Ernst Steinitz, ordentl. Professor an der Techn. Hochschule, wurde, znnt ordentlichen Honorarprofessor an der phil. Fakultät der hiesigen Universität ernannt. Posen. Da8 Aron Lewin'sche Ehepaar ln Reu» tvmischel feierte die goldene Hochzeit. Landtagsabg. Geh. Kommerzienrat Aronsohn- Bromberg überwies der Stadt Bromberg 100,000 Mark. Marlenbad. Dr. E. Heinrich Kisch, Regiernngs rat, a. v. Professor an der Universität Prag, Ehrenbürger der Stadt Marienbad, ist — 76 Fahre alt — verschieden. * > Warschau. Die jüdischen Gemeindewahlew finden am 16. Oktober statt. Augenblicklich sind Bemüh-' ungen im Gange, einigen hundert Rabbinern der zweiten Kurie die Wahlen in der ersten Kurie zn erwirken. Die Assimilatoren, die ihre ganze, Hoffnung auf die Wahlergebnisse der ersten Kurie gesetzt haben, haben infolge dieser Möglichkeit ihre alten Pläne der Gründung einer Wahlgemeindeverwaltzing der sog. Kultnsgemeinbe, wieder ausgenommen. Tie Regierung will in Warschau ein Rabbinerseminar errichten. S. D. Edelstein aus Minsk-Mazowiecki hat der Warschauer jüdischen Gemeinde 90,000 Rubel vermacht mit der Bestimmung, daß 15.000 Rubel für Juden, die in Erfüllung ihrer Militärpflicht im russischen Heere invalide geworden seien, Verwendung finden. Zürich. €§ ist, ote' sollte die vom Kriege verschonte Schweiz durch die Grippe, auch spanische Rankheit genannt, einen nicht normalen Verlust an Menschen erleiden. Seit drei Monaten wütet diese sonst harmlose Krankheit hier als ein Todesengel, und noch immer nicht will sie erlösche». Dieser Tage starben an ihr in Luzern Vater und» Sohn, Berl Zwerdling, ehemals Lehrer an den Baron Hirsch-Schulen in Galizien und Dr. NechemiaS Zwerdling, Generalsektretär des Roten Mögen Dovib, einer in der Schweiz dem Roten Kreuz nachgebildeten jüdischen Organisation. Auch aus Basel wird ein erschütternder Todesfall infolge der gleichen Krankheit gemeldet. Francine Wormsers Studentin der Medizin und Begründerin und Führerin des Blau-Weiß- Bundes, ein sehr wertvoller Mensch, erlag ihr im Wer von 23 Jahren: \ Frankfurter Berichte. Kleine Notizen. Nachdem der seit einiger Zeit bestehende konservativ« Religionsunterricht in der Realschule der israelitischen Gemeinde (Philanthropin) so rege Tellnahme gezeitigt hat, soll nunmehr auch in dem dieser Anstalt angegliederten Lyzeum die gleiche Einrichtung getroffen werden. Im kommenden Winterhalbjahre wird bereits in der Unterstufe der Mädchenabteilung, vom neuen Schuljahre an sodann in allen Klassen des Lyzeums ein dem Anstaltsnnterricht parallel laufender, gesonderter, ergiebiger Religionsunterricht für die Kinder konservativ gesinnter Eltern erteilt werden. Die innere Leitung und Beaufsichtigung dieses Unterrichts lügt bekanntlich in den Händen Rabbiners Dr. N o b el. ":.i;4 •V vH 'S 'I s Ausflug des Vereinslazaretts Nr. 26öes Sraukenha«seS Ser israelit- &emeätl)e. Tas Krankenhaus der Israelit. Gemeinde veranstaltete wie Mjährlich seit Kriegsausbruch für eine Anzahl verwundeter und kranker Soldaten in Begleitung des Inspektors, der Rechnungsführer, einiger Schwestern und Angestellten kürzlich einen Ausflug nach der Saalburg. Tie iStraßenbahnsahrt ging nach Homburg und von , da aus'- durch den frischen Wald nach der Saalbmch.; Nach kurzem Rasten wurde das Römerkastell besichtigt, ' und trafen sich die Betelligten dann zn einem gemütlichen Beisammensein im Restaurant. Sergeant Funk dankte den Veranstaltern des Ausflugs und gab seiner Freude Ausdruck, daß den Verwundeten einige frohe Sturüen berellet wurden. Inspektor Ähre ns erwiderte in treffenden Wirten, daß die Verwaltung bei Ermöglichung des Ausflugs nur einer Tankesschuld genügen wollte, all Lenen, die ihr ganzes Sein dem Dienste des Baterland es gewidmet haben. Dann ging es noch aus den „Fröhlichen Mannskopf^. Nach dem Kaffee wurde der Rückweg nach Homburg angetreten, worauf in bester Stimmung, lustige Lieder singend, die Rückstchrt nach Frankfurt erfolgte. «M ü’i1-.’, '