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Neue jüdische Presse · 1918-08-23 · Heft 33 (23.8.1918) · p. Seite 6

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
16 (1918)
Issue
Heft 33 (23.8.1918)
Date
1918-08-23
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. in ehr dczjchi Sohn, der rin feingebildeter und studierter Mensch sei, habe-^nicht derrMutdazu; Was würde die Welt dazu sagen, wenn es heiße: der Sohn des Vorstehers sei mit Schimpf , und Spott «ms -dem Hanse eines halben Bauers gejagt worden. Ob man so etwas riskieren könne? Da sei er, Grämlich der Vorsteher, auf-den Gedanken gebammen, ob eS- Pacht das Gescheiteste kvärd, hie Sache früher durch einen klugen Menschen vorzubereiten? Der hätte zum Randar zu gehen, hatte ihm eindringlich vorzustellen, welch ein Glück,seine Tochter mache, wenn sic in des Vorstehers Familie 'käme,kurz, hätte-alles zu tun, damit sein Sohn dann nur zu kommen und die Sachern Ordnung zubringcu habe. Dazu scheine ^ihm. nun kein Mensch in der ganzen Welt klüger und gewitzter als er, nämlich Wolf; von keinem erwarte er Mehr Gelingen, als von ihm. Wenn er die Sache in die Hand nehme,-,sei er des Erfolges so gewiß, als hätte man bereits Hie „Schale" zerbrochen. Er biete ihm für dieses Geschäft von seiner Seite bare 400 Gulden. ^Jetzt weiß ich, was der Borste her will", sagte Perl, nachdem ihr Mann geendet hatte, „man hat lang' genug darauf warten müssen. Und was hast du ihm zur Antwort gegeben, Wolf?" „Ich Hab' ihm gesagt?,-meinte dieser, „ich möchte mir's überlegen. Das war ihm aber nicht recht; wenn ich die Sache in die Hand nehmen wollte, müßte ich mich „stäntepe"*) entschließen. Aufschub sei nicht Möglich, sCholhämoed /sei da, und wer wisse, ob nicht einer schon auf die Beschau gebammen sei, der glücklicher, war, als die anderen? „Gut!" sag' ich drauf, „wenn's bei dem Anbot mit den 40P Gülden bleibt, so will ich's unternehmen, aber ich wüßt' noch etwas Gescheiteres. Ich Hab' innen Sohn, wie Sic wissen, sag' ich, der kann , mehr als essen; her Hat einen Kopf , auf sich, da ist der meinige nichts dagegen. Wie, wenn wir ihn hinschickten?" Da hat er gelacht und gesagt: „Sollst leben, Wolf? Du hast da Gottesrccht, deiui dein Kobi ist noch ein größerer „Min" als du. Wenn du also willst, so schick Leinen Sohn, der ist zum Geschäft wie geschaffen." Und so sind wir auseinander gegangen, ,ich und der Vorsteher. Jetzt frag' ich dich, Kobi! Willst du oder willst du nicht?" Fortsetzung folgt.) Der Geist Asiens. Der größtem Teil der Judenheit Westeuropas strebt danach, in der Kultur seiner Umgebung aufzugehcn. Dieses Streben -hat zum Medergaug des Judentums in Westeuropa geführt.. Der gegenwärtige Krieg hat bewiesen, wie sehr trotz aller-Kultur nur der äußere Firnis Westeuropas geblieben ist, und wie lächerlich daher diese Anpassungssncht ist. Es . tut garnicht einmal not, von der Warte jüdischer Welt- und Lebensanfchauung sich des Abstandes zwischen wahrer- und Scheinknltur bewußt zu werden -— denn auf diese Warte begeben sich unsere westeuropäischen Assiniilationsjuden nicht gern — es genügt, irgend eine der inneren grüßen Kulturen Asiens mit der Europas zu vergleichen, um in jedem denkenden Juden den Wunsch zu erwecken, es doch einmal zu versuchen, ob er nicht im Judentum das Menschentum findet, das er um sich herum vergeblich sucht. - ' Aus diesem Grunde sti hier auf ein im Neuen Geist- Verlag in Leipzig erschienenes Buch hingewicsen. Der mit .dem Nobelpreis ausgezeichnete - große indische Dichter Rabindranath Tagore schreibt über den Geist Japans. Mit großer Begeisterung tritt er für die ideale Auffassung des Asiatismus ein und warnt vor dem industriellen Geist des Europas der Gegenwart. Hören -wir seine Warnrufe au das japanische Volk, damit es sich 'nicht diesen Geist'Europas zu.eigen mache! „Wenn nach Jahrhunderten der Zivilisation die Völker einander fürchten wie in der Nacht nach Beute herumstreifende Raubtiere, wenn sic ihre Türen ungastlich' verschließen und sich Nur zum Angriff oder zur Verteidigung zusammentun,-; wenn - sie ihre Handelsgeheimnisse,- Staatsgeheimnisse, Rüstungsgeheimnisse in ihren Höhlen verbergen, wenn sie den bellenden Hunden der anderen Fleisch -zur Beschwichtigung bieten, das ihnen nicht gehört, wenn. - sie. gesunkene Völker, die versuchen sich aufzurichten, mit Gewalt Niederhalten, wenn sie ihre Sicherheit nur in der Schwäche der übrigen Menschheit sehen, wenn sie schwächeren'Völkern mit. der Rechten Religion reichen und sie mit. -der- Linken bmaubcn, — ist darin irgend etwas/ das unseren Mid erwecken' könnte? ’ Sollen wir unsere Kniec vor dem Geistz: dieser Zivilisation beugen, der Samen von Furcht, Gier und Mißtrauen und salbungsvolle Lützen von feiner- Friedensliebe und seinem guten Willen und von der allgemeinen Brüderlichkeit mÄ: breitem Wurf über die ganze Welt sät? Können wir .^Stantep^e. Frankfurter Israelitisches-Famiiienblarl. N- 33 ohne Mißtrauen. im. Herzen auf den Markt des Westens eilen, um für unser Erbe jenes ausländische Erzeugnis einzuta,ischen? Ich iveiß/wie schwer es ist, sich selbst zu . kennen, und daß der Mann, der betrunken ist, wütend seine Trunksucht ablcngnet; doch der Westen selbst denkt; mit Sorge über seine Schäden nach und sucht nach Heil- ' witzln. Aber er ist wie der Schlemmer, der nicht bas Herz hat, seine Unmäßigkeit im' Essen aufzugeben,, und. der sich töricht an die Hoffnung klammert, er könnte seine i Verdaunngsbeschwcrdcil durch Arzmi heilen. Europa ist j nicht gewillt, seine unmenschliche Politik und all die niederen Leidenschaften, die dazu gehören, aufzngcben; es glaubt nur an eine Acndrrung des Shstems, aber nicht an eine Umwandlung des Herzens. .- Wir wollen uns wohl ihre Maschinen ancigncn, doch nicht mit dem Herzen, sondern nur mit dem Hirn. Wir werden sic ausprobiercn. und Schuppen für sie bauen, doch in unser Heim und unsere Tempel lassen wir sic nicht ein. Es tzibt Völker, welchen die Tiere, die sic töten, heilig sind; wir können wohl Fleisch von ihnen kaufen, wenn wir hungrig sind, aber den Kult übernehmen wir nicht mit. Wir dürfen nicht die Herzen unserer Kinder vergiften mit. dem Aberglauben: 'Geschäft ist Geschart, Krieg ist Krieg, Politik ist Politik. Wir müssen wissen, daß das Geschäft dem Menschen mehr scim muß als bloßes Geschäft/und ebenso!Krieg und Politik. Und soweit ifi'.'eS gekommen, haß die Nachkonmie» jener Helden, die um ihr Leben nicht wortbrüchig geworden wären, die es verwerflich gesunden hätten, Menschen um gemeinen Vorteils willen zu betrügen, die selbst im Kamps die Mederlage einem unehrenhaften Sieg vorgezogcn hätten, — daß diese.- Nachkommen sich eifrig der Lügen bedienen und sich nicht schämen, dadurch Vorteile zu gewinnen. Und dies ist bewirkt durch den Zauber des Wortes „modern". Aber ivenn reine Reichlichkeit modern 'st,' so ist die Schönheit ewig; wenn niedere Selbstsucht modern ist, so sind die menschlichen Ideale keine neuen Erfindungen.. Und wir müssen überzeugt sein, wie modern auch die technische Fertigkeit ist, die den Menschen um Methoden und Maschinen willen stutzt und verkrüppelt, alt werden sic nicht. . Aber während wir versuchen, uns-von den Anmaßungen Europas und von unserer eigenen Verblendung zn befreien, können wir leicht in den gegenteilige» Fehler verfallen und durch ein allgcnreines Mßtraucn gegen den Westen unsere Augen der Wahrheit verschließen. Wir sind immer von Niatur versucht, Europa in seiner eigenen Münze heimzuzahleu und Verachtung mit Verachtung, Böses mit Bösem zu vergelten. Aber das hieße wieder einen der schlimmsten Charaktcrzüge Europas uachahine», der sich in seinem. Betragen gegen die -Völker zeigt/ die cs aks gelbe oder rote, bräune ober schwarze, Rassen bezeichnet. Mir weil wir uns vor unserer eigenen Schwäche fürchten, die sich durch den Anblick der Macht überwältigen läßt, versuchen wir, eine andere Schwäche an ihre Stelle zu setzen, die uns blind macht gegen bas, was pen wahren RÜHM des Westens ausmacht. Erst wenn wir das Europa wahrhaft kennen, das groß und gut ist,' können wir uns wirksam vor dem Europa bewahren, das niedrig und habgierig ist. Man lvird leicht unbillig in seinem Urteil, wenn man dem menschlichen Elend gegenüberstcht, — und man.wird pessimistisch'in seinen Theorien, wenn das Herz leidet. Aber nur der kann an der Menschheit verzweifeln, der den Glauben an die höhere Macht verliert, die ihr wieder Kraft gibt, wenn sie am lläglichsten darniederliegt; und die ans ihren Ruinen neues Leben weckt. > Wir müssen nicht verkeimen, daß im Westen eine lebendige Seele ist, die einci» stillen Kampf kämpft gegen die ungeheuren Organisationen,, unter denc» Männer, Frauen und Kinder zermalmt 'werden, weil ihr Mechanismus keine geistigen und menschlichen Gesetze kennt, — eine lebendige Seele, deren Gefühl sich, nicht ganz abstumpfen läßt durch die gefährliche Gewohnheit, rücksichtslos gegen die Völker zu verfahren, für die ihr die natürliche Sympathie fehlt. Der Westen hätte sich nie zn der. Höhe erheben können, die er erreicht hat, wenn seine Stärke nur die Stärke des wilden Tiepes oder der Maschine wäre. Das Göttliche in seinem Herzen leidet bei den Wunden, die seine Hand der Welt schlägt, — aus diesem Schmerz seiner besseren Natur fließt dev geheime Balsam, der all jene Wunden heilen wird. Der Osten hat durch seine Abiihigmig hindurch instinktiv gefühlt, daß er viel von Europa zu lernen hat, nicht mur in bezug auf die materiellen Mittel seiner Macht, sondern, auch auf ihre inneren Quellen/die dem Geist und der sittlichen Natur des Menschen angehören. Europa hat uns gelehrt, daß wir neben den Pflichten gegen die Familie und den Stamm höhere haben gegen die Allgemeinheit; es hat.uns die.Heiligkeit des. Gesetzes, gelehrt, bas die Gesellschaft unabhängig macht von der Laune des einzelnen, 1 ihr dauernden Fortschritt und allen Menschen in alle» Lebenslagen gleiches Recht sichert. Bor allem hat Europa in jahrhundertelangem Leiden und Kämpfen das-Banncr der Freiheit Hochgehalte», der Freiheit des.Gewissens, der Freiheit des Denkens uiid, Handelns/ der ^teijjeit".für seine Ideale in der Kunst„uiid Literatur.... . Jö (ICH irisch« Daher bitte ich euch,' habt i die Kraft dcs/Gtaubcns haber eisernen iKsaiiimern der.Nützlichkeit zusammengehalten wird und ans den Rädern des Ehrgeizes rollt/nicht lange halten kann. Es werden sicher Zusammenstöße kommen, den» ec alt wcbei laut. iischii lpslüg und die Klarheit des Geistes, einzuseheü, daß der schwerfällige des modernen Fortschritts, der durch biet1"^®' 0 Hmere ijerdei ii um m er muß lauf den. Schienen der Organisation Idufcit,; er rami*m!’'en seinen Weg nicht frei, wählen, und wenn er einmal entgleist, entgleist mit iljrnj der ganze Wagcnzug. Es wird ein Tag kommen, wo er in Trümmer fallen! und zn einer ernstlichen Verkehrshemmuiig in der Welt werden! wird Sehe» ivir nicht schon jetzt Anzeichen davon? Hören wir nicht eine Stimme durch den Lärm , des'Krieges, durch das Haßgeschrei, das JaNrmern der Verzweiflung, durch das Aufrühren des unsagbaren Schmutzes, der sich jahr> hnndertlang auf dein.Bvdeu der modernen Zivilisation angesaMmelt hat, eine Stimme, die unserer.Seele zürnst, daß dev Turm der nationalen Selbstsucht, der sein Banner des Verrats frech zum Himmel wehen läßt, ins Schwalcken gerate» und mit gewaltigem Krach züsammenstürzcn wird, durch seine eigene Masse herabgczvgen, so daß seine Fahne den Staub küßt und sein Licht erlischt? Meine Brüder, wenn! die roten Flammen dieses gewaltigcii Brandes prasselnd ihr Gelächter zu ’ den Sternen schicke», setzt ihr euer Vertrauen auf die Sterne und »ich! Ai -gic 'sor i 917, 1 ttK ei ijcit. brigei ls vo ualito at fid lischen urri) lit bei auf das vernichtende Feuer. Denn ioenn dieser Brand wrali sich verzehrt hat und erlischt und einen Aschenhaustn als Denkzcicheii zurllckläßt,. wird das ewige Licht wieder in, Osten leuchten, — im Osten, wo das Morgenlicht der Menschheitsgeschichte göboren ist. Und wer weiß, ob Nicht dieser Tag schon dämmert, vb nicht am östlichen Horizont Asiens die Sonne schon aufgegangen ist? Dann begrüße ich wie die Sänger meiner Vorfahren das Bkorgenrot dieser östlichen Sonne, die bestimmt ist, noch einmal die ganzk Welt zu erleuchten." Widmung.*) ühtse erke interei igenei teutlii ie Eix ilture icht j atistil eliktei atage Sesen Kittet Kern Nicht allzu tief dich in dein Leid versenke! . Du siehst den Frühling einer neuen Zeit, Und ist's »och bis zur Frucht des Herbstes weit. Sei stolz gefaßt und-.an die Später» denke. Es. pflückt sie schon dein Sohn mit eigner Hand, Schon er wird weilen unter Zederbäumen, . Und denk'! dein Enkel nrirb int hcil'gen Land Den ersten goldnen Trau»! der Jugend tränincn. Mirjam.*) Demi in uns beiden ist das gleiche Blut Und gleich viel tausendjähr'ges, großes Sehnen, Ums gleiche Leid, die gleichen heißen Tränen: Mrjam, du Judenkiiib, ich bin dir gut. Ein feiner Duft strömt dir aus schwarzem! Haar, Mein Aug' kann sich von d'einem Haar nicht trennen Ich möchte Mirjam deine Schwester nennen,'' Die uiis'res großen Führers Schwester.war. Ich möchte dich an neuen Jubeltagen Wie deine Schwester jubeln seh'n. Ob Judas Glück erfreut die Laute schlagen. In deinen Augen wäre hohes Gleißen, Erfüllte Sehnsucht würd' in ihnen steh'n. Und Judas Königin würd' ich dick) heißen. Nr ec Bi oicifet! I! indem icnii uf da ierpfl icht c esen immc der d bcreii iemal »l u> ier. i> ischen kchstsi Aus eiuem Palästiua-Feldbries. In der Zeitschrift „Deutsche Politik" finden wir ini Heft 25 vom 2l. Jnin „Feldbriefe eines jüdischen Svlbaten von der Palästinafront",- die den Besuch einer zionistischen Kolonie schildern. Aus diesem Bericht mögen einige kurze Abschnitte folgen: ( „. . . Aus allen Aeußerungcn der Leute spricht ein unerschütterlicher Idealismus, ein Glaube an die nationale Zuluüft des Judentums auf altem Boden, an die Prophetie Herzls, der natürlich längst ins Hebräische übersetzt ist. . . Ich besichtigte alle WirtschaMgebäude, überzeugte mich von der Sauberkeit. der Molkerei und der. Privatränmc, -welche schon weiß, wenn auch sonst völlig schmnckloausgestattet sind, sah die Juden in der Schmiede an. Ausbesserungsaxbeiten filr landwirtschaftliche Gbräte tüchtig hämMcrn; sie klickten nicht einmal'aüf, als der Gast Hneintrat/wie ich -überhaupt die ruhige Unbekümmertheitallgemein wahrnah'M. Man hat es nicht nötig zn zeigen /ich tue etwas", das ist selbstverständlich. Selbstverständlich ist auch die Betonung des. jüdischen Nationalstandpünktes; kein Aufdränge.n, keine Mache, keine Potemkinschen D-örfer.; Aus. Lnhwig Franz.MeY er: Gedächte. Im Aufträge der Atutter des Verfassers, .herausgegeben nnp Ängeleitet von Emll Eohn-Bonn. Jüdischer-Bsrlilg) :Mr' Tin, 1916. ' ' . ' . / '. Oft

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