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Neue jüdische Presse · 1918-08-23 · Heft 33 (23.8.1918) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
16 (1918)
Issue
Heft 33 (23.8.1918)
Date
1918-08-23
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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«eitt 3 N> 33 Käffee Kaisergapten ^, «b Op^rnplats EiratMassiges Familieii'Kafie e Jeden1 Nachmittag von 4 bis Uhr und Abend von -! 8V» ülir ab ' ■’ KLünstler-BLonzsert. "•B!' 'II h. ■ ' .. . ■ “ ’.r,; “ 1 " “ ' ES ist vor längerer Zeit an irns die Au^Mderung gerichtet worden) dahin zu wirkeN,i"bäß deck i-m^Heeresdienst befrttdlichtzn jndischon^Stndierenden die Möglichkeit verschafft wird, nach Bey n digung des Krieges ihre unterbrochenen Studien vh>ne jvirts ch a f t l i ch e Sorge n zu Ende führen zu können. Es wurde geltend gemacht, baß die Ungewißheit über ihr zukünftiges Schicksal auf den Kriegern schwer lastet, und daß die Befreiung.hiervon dringend nötig sei. Aus der Erwägung heraus, daß es sich hier um eine Frage handelt, die nur im Rahmen der allgemeinen Fürsorge für Kriegsteilnehmer zu lösen ist, und daß seitens des Kultusministeriums dieser wichtigen Angelegenheit schon lange ein lebhaftes Interesse entgegengebracht wird, sind wir an den Minister für geistliche und Unterrichtsangelegenheiten mit der Bitte herangetreten, mis sobald als möglich mitzuteilen,' welche,Vorkehrungen getroffen werdey^um den nach glücklicher Beendigung des Feld-; zu g es heim kehrenden Studierenden die, .sorgenfreie Fortführung und Beendigung xhres Studiums zu ermöglichen. Auf unsere Eingabe ist uns nun am 16. Juli folgender Bescheid zugegangen: „Auf die Eingabe vom 4. Juni d. I. erwidere ich, daß an den preußischen Universitäten die Einrichtung von Ferienkursen neben, dem gewöhnlichen Lehrplan des Se- ' niesters hcrlaufenden WiederholuNgs- und Ergänzungskürsen für Kriegsteilnehmer vorbereitet wird, und daß diesen auch im übrigen jede mögliche Erleichterung gewährt werden wird, lieber den Rahmen der bisherigen 'Verleihung von. Stipendien, Freitischen usw. hinaus wird allerdings eine : wirtschaftliche Unterstützung im allgemeinen nicht in Frage, kommen können, vielmehr wird diese der Privatfürsorge überlassen iverden können." Aus aller Welt. Oesterreich-Ungar«. Die Wiener Protestverfammlung. Die „Jüd. Zig." schreibt u. a. über die Wiener ' Protestversammlung: „Wenn sogar die Wiener Kultusgemeinde gesprochen hat, so ist das ein Beweis, daß der Ernst dev Situation ein ''.Schweigen nicht mehr zuläht, sogar die sonst Untätigsten 7 der Untätigen, die sonst Rücksichtsvollsten der Rücksichtsvollen, die sonst stets, selbst unter Preisgabe der eigenen Würde, zur Bekundung der Loyalität Bereiten konnten nicht mehr die Verantwortung dafür übernehmen, zuzusehen, wie eine beispiellose systematische Berleumdungs- und Verhetzüngskampagne gegen die Juden alle Völker Oesterreichs vergiftet,, die Existenz und Sicherheft der jüdischen Bevölkerung auf das schwerste bedroht. Das Bedauerliche und Beschämende war, daß die staatlichen Behörden das Treiben der antisemitischen Agitatoren duldeten, so daß es den Anschein gewinnen mußte, daß auch die österreichi- - sche Regierung in irgend einer Beziehung und aus irgend welchen Gründen einverstanden ist. Die Resolution der Kultusgeineinde stellt zunächst einen Appell an. oie Einsicht der österreichischen Regierung dar. Aber so sehr wir auch von dein Ausland abgeschnitten sind, ist doch nicht zu vermeiden, daß eine solche Kundgebung auch .draußen, ein Echo suchet. Durch die Wirkungen im Auslande wird der österreichischen Regierung llar werden, wie durch und durch unklug ihre bisherige Haltung in der Judcnpolitir war. Dre Resolution ist zugleich ein Appell an das Kulturgewissen Europas. . . Die Entente -3. Bhat aus solchen Stimmungen und Imponderabilien ein ganzes System gebildet, durch bas sie allenthalben Sympathien für sich zu erwerben sucht. Die Zentralmächte waren in dieser Einsicht immer viel ungeschickter. Das ist um so bedauerlicher, als wir der Ansicht sind, daß gerade Oesterreich- Ungarn seinem inneren Wesen nach mehr als irgend ein anderer Staat der Welt berufen wäre, die Sympathien auf sich zu ziehen. Welche schwere Fehler in dieser Hinsicht gemacht wurden —I vielleicht nicht gerade durch die Schuld Oesterreichs —, beweist wieder die letzte Rede Marghilomans in der rumänischen Kammer anläßlich des Judengesetzes. Marghiloman spricht davon, daß die Zentralmächte in der Judenfraae Rumänien keineswegs „harte Bedingungen gestellt", daß vielmehr die Entente in diesem Punkte weft mehr verlangte. Das bedeutet, daß die Zentralmächte dem besiegten Runiänien zwar allerhand territoriale und wirtschaftliche Zugeständnisse abnötigten, in der Judenfrage /aber zu einem „günstigen Ausgleich" bereit waren. Man ist , eben bei uns nicht diplomatisch llug genug, um zN verstehen,! daß nicht nur der nackte Besitz, nicht nur die Befriedigung . des brutalen Egoismus dem Staate zugute kommt, sondern ' daß auch moralische Erlverbungen von nicht geringerer Bedeutung sind." Wie«. Die Rückkehr der Flüchtlinge. Gemeinddrat Dr. Ritter v. Schwarz-Hiller, ^Leiter der Zentralstelle der. Fürsorge, für Kriegsflüchtlinge, /-hat einen Artikel über die nach Galizien Zurückkehrendei^ ^veröffentlicht. Dtzn ^Ausführungen fei folgendes entnommen i- Frankfurter Israelitisches Familienblatt. ' , „Die Flüchtlinge kehren zurück, arme und reiche. Wer ihren Auszug beobachten will, komme an einem Montag Nachmittag auf den Nordbahnhof (Frvchtenmägazin). Ahasver ist wieder auf der Wanderung. Armseliger Hausrat wird da Mitgeschleppt; und aus elenden Brettern und Fetzen soll oben in der Heimat sich neues Leben entfalten. Man muß die Lebenskraft und den Lebensmut all der Leute bewundern. Sie ziehen ins Nichts zu nick mit nichts und dennoch hoffen, sie; Vielleicht ist es der Glaube an ihren Gott und an ihr eigen Volk, der sie so stark, so unbeugsam macht., .In der Heimat wurde und wird für sie noch wenig getan. Vielleicht gelingt es aber unserer Kaiserin, diese herrliche Frau und wirkliche Landesmütter, die an den Leiden ihrer Völker seltenen Anteil nimmt und für deren Linderung selbständig mitwirkt, auf die vergessenen Provinzen und Völker aufmerksam zu machen. . ." Pole«. Warschau Der Fall ..Fefer." Im Staatsrat sitzt unter den ernannten Vertretern ein der jüdischen Allgemeinheit gänzlich unbekannter Herr Moses Fefer. Er wurde in den Staatsrat „bernfen". Man nahm jüdischerseits mit einigem Kopfschütteln von der Berufung dieses Vertreters der volnischeir Judenheit Kenntnis, denn man.' kannte die Anschauungen des Herrn 1 , Festig nicht,, wußte nicht im mindesten, wes Geistes Kind er sei, Jedoch wurde man bald über seine GeistesrichtuM 1 ^belehrt, genugsam belehrt, als er in der Sitzung des Staats- ' ratcs vom 1142. Juli das Wo,rt ergriff. Beraten wurde «damals ein vom eigentlich jüdischen Standpunkt aus j gleichgültiger Gegenstand, und schwerlich mutete jemand Herrn Fefer zu, daß er auf irgend eine Weise sein Judentum hervorkehren werde. Doch es kam anders. Denn Fefer begann: Vor allem bitte ich die Herren nin Eiitschüldigurch, daß ein Jude die Tribüne betritt wie auch um ein wenig Gedulo, mich bis,,.za Ende anzuhören. Da es einmal ein Jude gewesen war, der die Welt vor Untergang und Leiden rettete — ich denke an die Josessgeschichte in Egypten —, so glaube ich, daß es einen zweiten Juden wird geben können, der eine» nützlichen Ratschlag zu erteilen Vermag. (Heiterkeit.) Zuerst war ich mir im Zweifel, ob meine Worte in den Augen der Herren Gefallen finden würden. . . . Ein zweites Mal, >ein neues Bild: Staatsratssitznug vom 26. Juli. Zusammenstoß national-jüdischer und assimilatorischer Anschauungen. Auch Herr Fefer will eine neue Lanze brechen; und diesmal im Kampfe gegen das nationale Judentum. So hören wir denn, was er uns zu sagen hat: Nähme man, den zur Beratung stehenden Priluztischen Vorschlag (Mieterschutz) an, so bedeutete dies die Verpflanzung des Bolschevismus, (!) nach Polen. . . Wenn Herr Priluzki meint, die Juden in Polen seien jedes Schutzes bar, so möge er in das 4Lest zurückkehren, woher er gekommen ist. Wir iverden selbst mit den Polen unsere Angelegenheiten gütlich ausmachen und iverden mit ihnen« wie unsere Vorfahren stets und ständig in Frieden und Freundschaft leben. Doch -seit die Priluzki und Fazkan hierher kamen, verfechten sie den Nationalismus. Wir lehnen die , Nationalismen ab, wir »vollen keinen Staat im Staate. Die würdelose Haltung dieses jüdischen Vertreters hat iit der polnischen Judenheit allgemeinen Unwillen hervorgerufen. Das Unangenehme ist noch, daß sich Fefer sogar orthodox nennt. Hoffentlich schüttelt ihn die orthodoxe Judenheit recht gründlich ab. 'Warschau. Tagung der jüdischen Turnerschaft. Im Lokale des „Hasomir", Kosciuszko-Allee 21, fand die Eröffnung der zweiten Tagung der jüdischen Turnerschast Polens statt, Anwesend waren ,67 Vertreter aus 26 Städten Polens. Die Tagung wurde durch eine Begrüßungsrede des Vorsitzenden des Zentralverbandes der jüdischen Turnerschaft Polens, Dr. Przybulski, Lodz, eröffnet. Dr gedachte der verstorbenen Mitglieder des Verbandes und gab einen kurzen Ueberblick über die Entwicklung der jüdischen Turnerschaft seit der letzten Tagung im Jahre 1816. Sodann wurde zur Wahl des Vorstandes geschritten. Rutzlatrv. Gegen die Judenpogrome. Wie dos .Jüdische Preßbär» in Stockholm" mitteilt, erhielt Svcnsta Telegrmnbyran aus Petrograd vom 30. Juli folgenden Funkspruch: „Der Rat der Volkskommissare hat eine Proklamation folgenden Inhalts veröffentlicht: Nach beim Rat der Dolkskommissäre eingelaufenen Informationen wftd in vielen ' Städten eine Hetze zur Anstiftung von Pogromen entfaltet, die in mehreren Städten bereits zu Exzessen gegen die jü- - dische Bevölkerung geführt hat.. Auf diese Weise hat die gegenrevolutionärc Bourgeoisie die den Händen des Zaren entfallene Waffe übernommen. Allein in der Föderativen Russischen Sowjetrepublik, in der das Recht der arbeitenden Massen aller Völker, ftei über sich selbst zu bestimmen proklamiert worden ist, kann es keinen Raum für nationale Unterdrückung geben. Ter Rat der Volkskommissare fordert daher alle Sowjets auf, energische Maßnahmen zu treffen,. um die antisemitische Hetze auszurotten. Die Personen, die der Mitwirkung an dieser Propaganda oder der Beteiligung Jgi Kaffee Ruhland 3 Kaiserstrasse 56 Kaiserstrasae 56 Täglich erstklassige HF* Unterhaltungsmusik 'jBS : Besang» »Einlagen. t— Scala - Lieht smielci Schäfergasse 28. i;; * Schäfergasse 28» - Moderne& T]ieater Vorführung .jätete neue?! und Iie|vorra§ender Fifino. an Pogromen überführt werden; werden außerhalb des Gesetzes gestellt." .... , ü Die Proklamation trägt die Unterschritte ik,von Lenin, Brujewitsch und Garbunoss. * . Dänemark. Kopenhagen Sin antisemitischer Politiker. Das Regierungsblatt „Politiken" berichtet in der »Ausgabe vom 11. Älugust über skandalöse antisemitische Szenen, die einige Tage zuvor in der von der Regierung eingesetzten Preisregulierungskommission vorgefallen sind.! Als der bekannte dänische Großindustrielle Direktor M a x B a l l i n in seiner Rede betonte, daß er angesichts der Stellung, die er zurzeit einnehme, das Recht habe, zu verlangen, daß man seinen Worten glaube, ohne die Borlage seiner Geschäftsbücher zu fordern, wurde er von einem andereil Mitgliede der Kommission, dem Universitätsprofessor der Nationalökonomie L. B. Birck, einem bekannten .konservativen Parteiführer, mit den Worten, unterbrochen: ^Dasselbe sagte mir auch Alberti von 10 Fahren." (Alberti ist, wie man sich erinnert, der ehemalige däqische Minister, der vor Jahren wegen umfangreicher Betrügereien zu einer langjährigen Zuchthausstrafe verurteilt worden iji>) Als Direktor Ballin in der Erregung über diese unerhörte Beleidigung den Professor Birck einen Lügner und Ehrabschneider nannte, rief ihm Professor Birck zu: „So etwas darfst Du nicht sägen; denke daran, daß Du zu einem weißen Manne sprichst, und daß. Du selbst Jude b i st." Diese ebenso dumme wie unverschämte Bemerllrng hat in der dänischen Oeffentlichkeit um so Mehr Aussehen er- , regt, als im allgemeinen die dänischen Juden über Anti- < semitismus nicht zu llagen haben. Andererseits bestätigt ' diese antisemitische Anpöbelei, die ja nicht von dem ersten besten Mann der Straße, sondern von einem Hochschullehrer und Parlamentsmitglieü erfolgt, daß der Antisemitismus, wenn auch zumeist latent, doch! auch in Dänemark recht kräftig ist. ' Amerika. Tie «merikauifche Zionisienkonserenz 1» Pittsburgh. Das Kopenhagener Zionistische Bureau teilt über hie zionistische Konferenz in Pittsburgh mit: Einen lvichtigen Punkt innerhalb der Beratungen bildete die Organisationsfrage. Nach eingehenden Debatten wurde beschlossen, sämtliche zionistischen Organisationen, Vereine, Komitees, einschließlich, des Provisional Zionist Executiv Comittee, zu einer einheitlichen Organisation, der „Zionist Organisation of A m e.r i c a" zu verschmelzen. Für die Entwicklung Palästinas im kommender Jahr wurde ein, Budget von 3 Milliomn Dollars ausgestellt. Die Wahlen in das Präsidium der neu gebildeten Zionist Organisation of America ergaben folgendes Resultat: Louis D. Brandeis, Mitglied des Obersten Gerichtshofes der Bereinigten Staaten, Ehrenpräsident; Richter Julian W. Mack, Präsident; Dr. Stephan S. Wise und Dr. Harry Friedenwald Bizepräsbdenten; Jacob de Haas, Generalsekretär; Lonrs Lips ky, Sekretär fiir Organisationsfragen; Miß HenricttaSzold, Sekretärin für Erziehungsfragen; R»b. D. Kesselmaun, Revisor, ferner E. W. Lewiu- Epstein und Louis Robinson. In das weitere Exckutiv-Komitee wurden eine Reihe von Mitgliedern, darunter Nathan Straus, Eugene Meyers, Frau Mary Fels, Projessor I. Friedländer, Reuben Brainiu, Morris Rothen-» b e r g, Professor Horace Kalken, Projessor F e l.i x' Frankfurter, Max Shulman, Richter Hugo P a m, Richter I. G » r d a n gewähll. Anläßlich der amerikanischen Zionijftnkonferenz in Pittsburgh erschien eine Sondernummer der offiziellen zionistischen Zeitschrift „The Maccabaeau". Die reich ausgestattetc Mnnner enthält n. a. folgende Beiträge: „Die medizinische Expedition und ihre Aufgabe" von Dr. Harry Friedenwald: „Demokratie, Nationalität und Zionismus^ von Professor H. M. Kalken; „Eine industrielle.Pionierarmee für Palästina" von Bernard Rosenblatt; .^jüdische Ziele in Palästina" von Dr. Chaim Weizmann. Brandeis ist mit einem Artikel über organisatorische Fragen: vertreten. Sin neues Palästiuabureau der amerikanische« Lloniste». Die amerikanische zionistische Organisation hat unter dem Titel Palestinian Survey ein .Bureau eingerichtet, das sich im besonderen mit der Sammlung des gesamten wissenschaftlichen und statistischen Materials über Palästina befaßt. Das Bureau wird allen, die nach Palästina gehen wollen, Auskunft erteilen und alle Schriftsteller und Autoren, die sich mit Palästina beschäftigen, gilt Informationen unterstützen. Das Bureau wird ferner durch Verbreitung von Artikeln über die ökonomischen Möglichkeiten Palästinas die jüdische Oeffentlichkeit zu ^orientieren suchen. Die Adresse des Bureaus ist Nrwyork, 500 Fifth Avenue. Zionistische Sounnerkurse in Rew-Aork- Wie im vorigen Jahre wurden auch in! diesem Sommer von der Organisation Zionistischer Akademiker Kurse veräw-^

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