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Neue jüdische Presse · 1918-08-23 · Heft 33 (23.8.1918) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
16 (1918)
Issue
Heft 33 (23.8.1918)
Date
1918-08-23
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 \ .... * Frankfurter Israelitisches Familienblatt. «ypioail“ Erste Berliner Wäscherei lina Glanz-Plätterei Hin«« Tel. 2002. lICutlCDtStriSSB II. ^>in«i Tel. 2002. 8pezlalit&t:-Kragen, Manschetten. nndHemden. gesichts der jahr^chntelangen Haltung und Schikane- Politik der rumänischen Verwaltungsbehörden in diesen. judischeu^HlngÄegenheiten rst das weitgehende Mißtrauen gegen die Art, wie sie die Beffmmungen des Gesetzes durchführen werden, geboten, Es muß also init allem Nachdruck darauf hingewiesen werden^ daß auch, die Annahme des Gesetzes durch Senat und Parlament iwch keinesfalls schogdie definitive Regelung bet. Frage darstellt, svn- ^dern daß die eigentliche - entscheidende Durchführung erst jccht beginnen wird, wo es sich darum handeln wird, daß alle diejenigen, die Anspruch auf Naturalisation haben, tatsächlich, ihre Naturalisationsürkunde erhalten. Wir haben schon öfter dargelegt, welche Mittel.die rumänischen ' Behörde^.haben, um sich der Verpflichtung zur Durchfüh-, rung des" Gesetzes zu cntz^'hen. Erfreulichertpyse .kann i man feststellen, daß die AÜsführungsbestimmungen . des) Gesetzes suchen dieser Hinsicht ziemlich loyal gehalten sind,: sodaß z. B, für die Führung des Beweises, daß nsiur, selbst im Lande geboren ist und von Eltern abstammt, die! gleichfalls in Rumänien geboren sind, nicht ausschließlich. die Herbeibringung von Urkunden gefordert wird, sondern auch die Stellung von Zeugen und anderen Beweismitteln genügt. Es wird also alles darauf ankommen, wie sich die einzelnen rumänischen Behörden und Instanzen verhalten und die rumänische Regierung muß sich darüber klar sein, daß davon die Entscheidung über ihre Loyalität und Aufrichtigkeit in der ganzen Angelegenheit abhängen wird. Es ist bekannt, daß gerade iw einem1- Lande wie Rumänien die Haltmig der einzelnen Maturalisalionsbehörden bestimmt ist von dem inneren Willen und den Absichten der Regierungsstellen. Werden die rumänischen Behörden , wissen, daß die Regierung mit aller Energie eine wirllich loyale Durchführung des Friedensvertrages und des entsprechende» Gesetzes WM, dann werden sie dementsprechend handeln. Die rumänische Regierung und öffentliche Meinung darf nicht glauben, daß für die Judenheit und für die öffent- Lche Meinung der gesamten Welt mit der Annahme des Gesetzes die rumänische Judenfrage bereits erledigt sei und niemand ihr mehr Aufmerksamfeit schenken werde, sondern , gerade jetzt wird man in jüdischen Kreisen und auch in allen den jüdisch-politischen Kreisen, die noch ein Gerechtigkeitsgefühl und Verständnis für die Judensrage in Rumänien besitzen, mit größter Aufmerksamkeit die dlrt und Form der einzelnen Durchführung des Gesetzes verfolgen. Wir hoffen, daß die rumänische Regierung auch hierin sich durchaus loyal und vornehm benehmen wird, und es nicht bei dem Gesetz belassen,.--sondern auch die Durchführung des Gesetzes bei all ihren Behörden veranlassen wird. Die Nächsten Wochen werden bereits zeigen, wie die Dinge . stehen. Ehe nicht bekannt ist, daß der gesamte Kreis derjenigen, die auf Grund des Gesetzes Anspruch aus Naturali- - sation haben, faktisch naturalisiert ist, bleibt die rumänische Judenfrage nach wie vor ungelöst und bas ganze Gesetz würde in diesem Falle nur eineKomöbie bedeuten. Wie ge- ' sagt, wjr hoffen, daß die rumänische Regierung ernstlich erkannt hat, daß die Aufrechterhaltung ihrer bisherigen Methode in der Judensrage unmöglich ist und auch! in der Durchführung des Gesetzes ehrlich. Vorgehen wird. In diesem Falle und nur in diesem Falle wäre die rumänische Judcnfrage durch die Annahme des Gesetzes, wenn auch nicht restlos gelöst, so doch in ihrem größten Teil geregelt und es wäre zu Hoffen und zu erwarten, daß die Regelung des noch übriggebliebenen Teils der Frage, d. h. die Naturalisierung der auch auf Grund dieses Gesetzes noch nicht Berechtigten rumänischen Juden nur eine Frage der nächsten. Zukunft fein wird. r Wttsrachi-Sougretz itt Amerika. In Philadelphia fand vom 3. bis 7. Mai die fünfte Jahresversammlung des Msrachi statt. Anwesend waren 200 Delegierte^ als Vertreter von 40 S^dten aus 20 Staaten Amerikas. Unter den Delegierten befanden sich 41 hervorragende Rabbinen des Landes. | Die Beratungen verliefen unter großer Begeisterung. sLine bedeutende Anzahl , neuer Anhänger wurden für den Misrachi gewonnen. I JE. X. Äodehan, Herrenschneider Frankfurt a. Main, Friedensstrasse Ko. 1 . Telephon: Börner 3650. FEISTSTE MASS-SCHITEIDEREI. Auf Wnnsch koschere Verarbeitung. I Rabbr Meier Berlin leitete die Konferenz. Aus dem Rechenschaftsbericht des Sekretärs ist besonders hcrvorzühdben: Die Zahl der Misrachi-Bercine in Amerika beträgt 151 und hat im letzten Jahre um 38 zugenommen. An Schekolim wurden 21,000 abgeliesert; außerdem wurden große Beträge für Palästina-Fonds und misrachistische Zwecke gesammelt. * Im letzten Jahre gab der Misrachi verschiedene Broschüren heraus, u. a. eine von Rabbiner Fischmann über Palästina unter dem Titel „Arzenu" und eine von Dr. Wachsmann „Ser Misrachi seine Ziele und Zwecke". Während der Tagüng fand gleichzeitig eine große Rabbincrkonfcrenz statt, die einstimmig beschloß, ein besonderes OrganisatipnsöoMitee zu gründen, um den Msrachi tatkräftig zu unterstützen und seine Ideale unter die orthodoxe jüdische Masse zu verbreiten. ,Es wurde ein« Anzahl' wichtiger Beschlüsse gefaßt, von denen besondere Erwähnung verdienen: - „Das Provisionallomitee wird aufgcfordert, in sein Programm die.religiös-nationale Arbeit auf Grund der Vorschläge des Msrachi einzuschließen. > i>. In jeder Gemeindö sollen Msrachivereine gegründet weHen, und..spHiell soll die Leitung auch für Errichtung von Jugend--und ^Damen-Gruppen bnnüht sein.!!,.- - Der ,Laibri" soll«das offizielle Organ des Misrachi werden. ' .''ü Im Namen des Palästinakomitees der Rabbiner wurden eberifalls eine Reihe von Beschlüssen gefaßt, von welchen wir hervorheben: „Tie Leitung soll regelmäßig Vorlesung über die Kolonisativnsmöglichkeiten Palästinas abhalten und Flugschriften über alles Palästina Interessierende verbreiten lassen. Ter Misrachi wird aufgefordert, seine Betätigung in Palästina auf dem Gebiete der Jugend-Erziehung noch bedeutend zu vergrößern durch Gründung von neuen Schulen in den Städten und Kolonien ruid die bestehenden Tachkemoni-Jnstitute in Jaffa und Jerusalem zu Gymnasien umzuwandeln. Um Palästina zu einem Zentrum von Tora und Judentum zu machen, ruhj auf dem Misrachi di« Pflicht, in Jerusalem eine Hochschule zu errichten." Der begeisterte Eindruck, den die Tagung bei allen Anwesenden und der gesamten jüdischen Bevölkerung der Stadt hervorrief, wird ohne Zweifel dazu beitragen, unsre Bewegung in Amerika, die in den letzten Jahren schon so bedeutende Fortschritte machte, immer weitere Anhänger zu verschaffen. Das altbewährte Nervenpulver Mervlnnm . Dr. Weil der Schwanen - Apotheke ln 9 Frnn*f"-f am Nato, wird ärztlich gerne» verordnet bei Krämpfen. Preis Hk. 5.—. Zn haben durch die Privileg, Schwanen-Apotheke ln Frankfurt am Hain. Best. 10% Haemoglob,84% Eisenbrom und 6% Enzianbitterst Die Zukunft der Juverr in Polen. In den „Norddeutschen Monatsheften" (Heft 10, 11 lund 12) veröffentlicht Professor Kranz einen interessanten Artikel - „Polen und Juden", -in dem xr nach eingehender Darstellung der von den Polen betriebenen Fremdenpolitik zu dem Ergebnis gelangt, daß die Lage der jüdischen Massen iw Polen auch für die Zukunft Hoffnungslos sei. Er glaubt nicht daran, daß es gelingen ivird, einen modus vivendi zwischen der jüdischen und der volnischen Bevölkerung in Polen zn schaffen. Die Folge werde eine starke Auswanderung' der Juden aus Polen sein, von denen hnwderttausenbe, wie bisher, nach England und- Amerila, viele tausende aber auch nach Palästina ihren Weg nehmen werden. Während aber trotz aller jüdischen Massensiedlungrn. in London und Newyork die dorthin wandernde» Juden schließlich assimiliert und in ihren Wirtsvölkern aufgeyen' werden, wird bas jüdische Volkstum seinen dauernden Bestand in Palästina haben, eine Hoffnung, die der Verfasser von allgemein menschlich kulturellen Gesichtspunkten aris aufs wärmste begrüßt. „Wer imstande' und unbefangen genug ist," schreibt Professor Kranz, „um zu erkennen und anzuerkennen, was das jüdische Volk, seit Jahrtausenden für das religiöse und geistige Leben des europäischen Teils der Menschheit bedeutet, wer ferner glaubt, daß es uns auch in Zukunft lioch manches an Kulturgütern bieten kann, wird von Herzen wünschen, daß die jüdisch-nationale Bewegung, die heute init starken Widerftändew gerade von jüdischer- Seite zu kämpfen hat, sichdürchzusetzen rack , baß es ihr gelingen .möge, das Mdische.Volkstum auf,bauernd gesicherte Grundlagen zu.stellen. Lichtereskann meines Erachtens nur dann gelingen, - wenn dir: Jud«h heute'überall wurzellocker und einseitig entwickelt, eiw Volk von Händlern und Jntellek- Nr. 33. tuellen, vieler Orten im AbstxrbM begriffen, wieder geschlossen auf eigenem- Territorium,, sitzen -und ein^ystarle Uyterschlcht von bodenständigen BMersthabest. Ttie Zionisten, die die Gefahr erfciqtejv^unb die Sehnsucht der zäh' am alten Judentum »häiMuden Mstjnden fierffllldü möchten, sind heute schon bemüht, einen möglichst großen Teil nach dem Lande der Verheißung zürü'ctznverpflänzen Isnd „Paläsifiia.stn das ^eue Vaterhaus her über die.-ganze Welt zerstreuten .Judenheit zu verwandeln,"- Ihre Ansiedlungen «gedeihen dort j der vstjüdische Proletarier wird dort züm leistungsfähigen, seine Heimstätten liebenden Landbebau^r, wie nichtjüdische Sachverständige immer wieder bezeugen; nach Professor Ballod könnten dort sogar, die Erlaubnis des Sultans vorausgesetzt, Ill/e Millionen Mensche» Unterkunft und Brot finden. Der Gedanke Herzls ist also keine Utopie; seine Verwirklichung erlebt vielleicht noch unsere Generation,- dir ja so viel Altes zusammenbrechen und Neues, nie Erwartetes entstehen sieht." — Zentralwohlsahrtsstelle der deutsche« Jude». Angesichts der schweren Gefahren, die der deutschen Judenheit durch Geburtenrückgang, Taufen, Austritt aüs der Gemeinde und Mschehcn erwachse», hat die Vormundschaftskvm! Mission der Zentralwohlfahrtsstellc der deutschen Juden iw einem Rundschreiben die jüdischen Gemeinden auf ihre dringende Pflicht aüfinerksam gemacht, für die jüdischen Kinder, vor allem für die Waisen, unehelichen, verlassenen, gefährdeten nnd verwahrlosten Kinder, ernste Fürsorge eintreten zu lassen. Die zu erfordernden Maßnahmen müssen sich auf das k ö r p e r l i ch e G c d e i h e n der fürsorgebebürftigen Kinder erstrecken, ihre geistige und sittliche Erziehung ins Auge fassen, ihre rechtlichen Interessen wahrnehmen und vor allem dafür Sorge tragen, baß der Mchwuchs dem Jud entum erhalten bleibt. Es Muß dafür gesorgt werden, daß jede jüdische Waise und jedes uneheliche oder sonst fürsorgebedürftige Kind von Geburt an einen jüdischen Vormund (Pfleger oder Beistand) erhält, der die rechtlichen Interessen des Kindes wahrnimmt und für dessen allgemeine und religiöse Erziehung zu sorgen hat. Mt Rücksicht auf die Einheitlichkeit und Ueberficht für die praktische Arbeit sind die jüdischen Gemeinden aufgefordert worben, je eine Vertrau ensPerson zu benennen, mit der alle sich ergebenden einzelnen Fragen beraten werden können. In Anbetracht der Wichtigkeit, welche dem Ausbau des Vormundschastswesens znkiommt, soll in der am 1. S e pt e m b e r d. I. in Aussicht genommenen Tagung der Waisenhäuser, Erziehungsanstalten und Stiftungen neben den Aufgaben der jüdischen geschlossenen Anstaltsfürjorge auch die offene Waisenfürsorge behandelt werden. Es ist beabsichtigt, als Ergebnis der Tagung eine Bereinigung der jüdischen Waisenhäuser, Erziehungsanstalten nnd Stiftungen ins Leben zu rufen sowie die bisher bestehenden Kommissionen in eine Kommission für Erziehungswesen auszugestalten, in welcher alle Bestrebungen, die auf die Förderung der Jugendwohlfahrt Hinzielen, einmüudeu sollen. Es gehören hierher unter anderem die Bestrebungen des , Jüdischen Frauenbundes, ein Heim für jüdisch e K n a b e it, die vor der Gefahr der Verwahrlosung stehen, ins Leben zu rufen. Ferner soll im Zusammenhang« hiermit auf die.wichtige Aufgabe hingewiesen werden, die die Zentralwohlfahrtsstelle neuerdings übernommen hat, Lehrstellen für schulentlassene Kwaben und Mädchen in mittleren und Keinen Orten ausfindig zu machen sowie Pflegestellen für schulpflichtige Kinder in jüdischen Familien zu ermitteln. In beiden Fällen handelt es sich um ein unabweisliches Bäuirfnis, dem abzuhelfen dringende Pflicht ist. Es wird von der Zentralwohlfahrtsstelle an alle hierfür in Frage kommenden Organisationen, wie Verband der Handwerwrvereine, Jüdischer Frauenbund, Verband der Arbeitsnachweise der Großwge, Deutsch- Jsraelisischer Gemeindebund, Verband der Jugendvereine, Freie Vereinigung bezw. Agudas-Jisroel, Hauptstxlle für Berufsberatung der Juden, Lehrerverband, herangetreten werden, um ein Verzeichnis der in Frage kommenden Stellen anzulegen. In das Gebiet der jüdischen Jugendwohlfahrt gehören auch die Bemühungen der Zentrallvohlfahrtsstelle, die aus eine Abänderung des Gesetzentwurfs zur Schaffung von Jugendämtern hinzieleu. In diesem vor einiger Zeit veröffentlichten Entwurf ist Wohl die Hinzuziehung je eines Vertreters der evangelischen und katholischen Religionsgemeinschaft zu den Beratungen vorgesehen, nicht aber eines jüdischeir Geistlichen. Es ist dies darauf zurüüzuführen, daß nach der Ansicht des Ministeriums des Innern jüdisch« Fälle von Fürsorgeerziehung io selten sind, daß eine selbständige Vertretung der jüdischen Religionsgemeinschaft nicht erforderlich erscheint. Es sprechen aber für die Berufung eines jüdischen Geisllichen Gründe der Organisation und der Parität. Di« Zeutralwohlfahrtsstelle hat daher den Verband der deutschen Juden veranlaßt, beim Mnisterium deS Innern wegen Abänderung des Gesetzentwurfes vorstellig zu werden. _ Endlich sei noch zum Schluß auf einen die jüdische Oesfentlichkeit interessierenden Bescheid des Ministers für gerstliche und Unterrichtsangelegen-- heiten Angewiesen, welcher der .Zentralwohlfahrtsstelle zugegangenftst. Es handelt sich um folgende Angelegenheit:

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