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Neue jüdische Presse · 1918-07-19 · Heft 28 (19.7.1918) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
16 (1918)
Issue
Heft 28 (19.7.1918)
Date
1918-07-19
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Frankfurter Israelitisches Famil'enblatt. l'ir. .28 Ettlin ger. 3ESlse Bttlinger . gebi Cassel ~S7~ermälalte Karlsruhe Frankfurt a. M. Berlin Nauheim, den 31. Juli 1918, Grand-Hotel. Mittel soll der Anstalt eine Heilstätte für kurbedürftige junge Mädchen, insbesondere foTdjc, die im: Berufe stehen, antjc»/ . gliedert' lucrbcn." ' ’ , - , Oetttvaea. Gabriel Michelbacher, seit mehr -als drei Jahrzehnten Knltusvorftaiid, ist — 78 Jahre altverschieden. Er übte auch die Mizwoh der Miloh »udan.den hohen Feiertagen bas Baal-Tcfilloh aus. Latz Homburg. Im Sanatorium Dr. Goldschmidt ist Sc. .Exzellenz der Oberrabbiner der Türkei, Chacham Baschi Nahunr, mtt seiner Familie eingctroffen um längere Zeit - hier zu verweilen. -.-iEs ist ein: besonderes Vergnügen,- sich mit diesem überaus liebenswürdigen Manne, in dessen Hand die Fäden ' dcr gcsaintcn Juden des Orients zusammenlanfen, zu unterhalten^ Größe talmudische Kenntnisse und umfassendes Allgemeinwissen im Vereine mtt einer aristokrattschcn Vornehmheit stempün ihn zu der Persönlichkeit, die die Interessen der orientalischen Judenheit auch den politischen Behörden - gegenüber würdig zu vertreten vermag. Ganz besonders scgensvoll ist seine Tätigkeit hinsichtlich der Armenpflege des gesamten heiligen Landes, da durch sein Bureau die gesammelten Gelder des ganzen Kontinents verteilt werden. Mit unparteiischer Gerechttgkeit sucht er alle großen Fragen der jüdischen Diaspora hilfreich zu lösen und gar manches schwierige Problem ist nur durch seine taktvolle, kluge Art zur Ausführung gebracht worden. ’ P. K. Hesfesftamm. Am Erew Echabbos voriger Wvche^tarb ganz plötzlich Leopold Dainy, 77 Jahre ' alt. D. stamntte aus Tauroggen (Kurland) und war seit 1871 hier ansässig. Er besaß leinen Schatz talmudischcn Wisserrs. Durch Intelligenz und Fleiß schwang er sich empör. An der Bestattung nahm auch die christliche Bevölkerung starken Anteil. Pofem. In Gr ätz beging das Jacob L e i s e r' s ch e und in M ix stad^ das Markus Har t m a n N s ch c Ehepaar die Goldene Hochzeit. Wies. Salomon Lunstädt, Schwiegersohn des Begründers der „Schiffschul" I. L. Freistadt s/ A., ist im 87. Lebensjahre verschied e n. Kunstadt betete an den' hohen Feiertagen in der Schiffschul vor. Krakau. Seit einigenITagen erscheint hier unter dem Namen „Neues Tagblatt" in polnischer Sprache eine jüdische Tageszeitung. Raah Tapolcsauh- Rabb. N a chum Schlesin ger ist.im'Alter von 64 Jahren verschieden. Warschau. Ein Vertreter des „Moment" hatte mit Hr. Joseph Davidsohn, Vizepräsident der Bereinigung polnischer Juden in Akoskau, der dieser Tage in Warschau eintraf, eine Unterredung. U. a. erzählte Davidsohn, dass, die russische Regierung in Moskau auch einen Kommissar für jüdische Angelegciihci-te» ernannt habe. Der Kvinnnssar heißt Dr. Dimantstein. Dieser will haben, dass alle jüdischen Angelegenheiten durch seine Hände gehen, doch die jüdischeir Kreise, die gegen die Bolfchewiki göfinnt sind, sttäubrn sich, und so bestehen Reibereien. - Lodz. In Kürze wird hier ein jüdisches Lehrer» seminar im Hause des jüdischen Kiiabengytnnasiums eröffnet werden. - , . Ktewi Der jüdische Aattonalrat befaßte sich mit-deni zu wählenden Minister für jüdische Angelegenheiten. Zionisten und Orthodoxe traten dafür ein, dass sich dieser Minister nur um jüdische Angelegenheiten kümmern, während die Sozialisten verlangten, dass er auch -an allgemeincir sozialen Reformen nntarbeite. Die Sozialisten wurden mit wenigen Stimmen überstininit. Gegen den bisherigen Minister Lezki stminten die Zionisten und-die Orthodoxen. Durch Vereinbarung mit der Orthodoxie nnd der. Bolkspartei brachten die Zionisten eine Mehrheit auf den Vorschlag zusammen, als Kandidaten Rabbiner Tomtin aus Äisabetgrad .aufziistelhcü. Amftervaw. Dr Ascher, em bekannter Zionist, ist zum O be r ra b bin er voll Amsterdam gewählt worden. . Frankfurter Berichte. PersovaUea. . Postrat Joseph wuche zmn Ge Heime n P o sl r a t bekördert. Die Familie Gilbert Bloch, Höldcrtttrstr. 8, verlor in einer Woche Knfolgc Influenza ihre beiden Söhn, den ZTjährigcn Albert, Jiihaber des Hess. Kxiegsehrenzcichens und der Roten KcnzMcdaille und den 28jährigen Cnrt'Hans. , , . Kleine Notizen. Mittwoch,' den 24. Juli, abends .8%. Uhr,' findet/im Vereinslokal t»<S Bemins „Mo ntcfior.e" der x rstc U nt e r ha l tun gsa b e nd mit Zaubervorführungcn'statt. Eifiks Brille> Bon Leopold K o m p e r t. (Schluß) Nach Kollin hat mait iu jener Zeit beinahe zr^ei Tage gebraucht,, die man jetzt in weniger als einzigen Stunden zurückgelegt. Ich habe also Zeit gehabt, darüber nachzudenken, wie ich mit Joel Bidschof reden wollte. Merkwürdigerweise ist mir auch nicht die geringste Furcht angekommen. „Ist der Joel Bidschof ein Minister oder Kaiser, daß ich mit ihm nicht sollt' reden dürfen? und bin ich nicht Anschel Maiers Sohn?" Hab' ich oft zu mir selbst gesagt. Ich habe mir also vorgenommen, mir von dem Manne nichts gefallen zu lassender sollte sehen, daß ich kein Jüngel mehr sei, und wenn er mit mir aufbcgchrte, so wollte ich auch mit ihm aufbegehren. - Mit solchen und noch andern ähnlichen Borsätzen bin ich nach Kollin gekommen; es'war gerade Mittag. Ich, nicht faul und entschlossen, lasse mir gleich Joel Bidschüs Haus Kigen, und ohne daß ich etwas gegessen wer getrunken hatte, gehe ich hin. Das Haus ist Nicht weit von dem Wirtshause gelegen, wo ich abgestiegen ivar. Wie ich davor gestanden, hat tnir. doch das Herz gewaltig gepocht; erst jetzt ist mir recht eingefallen, wieviel von dem Nichtgelingen meines Besuches abhing. Das hat aber nur eine kleine Minute gedauert, ich Hab' in mir Anschel Maiers Sohn gespürt, nnd . . . Hab' mir die Brille zurecht gerückt. „Ist Herr Joel Bidschof zu Hause?" frag' ich ganz keck ein Mädchen, welches ich im Vorhaus treffe. „Ja," sagte sie, „gehen Sic nur hinein, -er ist ganz allein in seiner Stabe." Das war mir nicht recht, denn mit Joel Bidschof hätte ich gern vor der ganzen Welt gesprochen, um ihm zu beweise», wer ich und wer er sei. Jiidcsson da dies nicht angiiig, klopf' ich beherzt au die Tür und trete ein. Im ersten Augenblick bemerkte ick) in der Stube kein lebendes Wesen. Auf einmal höre ich aus cincin Winkel eine dünne Stimme sagen: „Gott's willkumm." Ich sehe hin, woher, die Stimme kommt, und erblicke ein kleines Männchen mit einem Samtkäppchcir auf dem Kopfe vor einem großmächtigcn Schreibtisch sitzen und mit Geldzählen beschäftigt. „Bin ich recht bei Herrn Joel Bidschof?" frag' ich .ganz beherzt. „Ja", ruft die dünne Stimme des Männchens, und das dreht sich nicht einmal nach mir uin,. sondern fährt im Geldzählcn fort. Eine Weile darauf sagt er: „Wer bist du?;und was willst du?" " „Dieses „du" hat mich gewaltig verdrossen. Was hat Joel Bidschof mit mir, den er nicht einmal kennt, >i" zu reden? Darum antwort' ich mit einer Keckheit ohnegleichen: „Ich bin Rebb Anschel Maiers Sohn, und bin gekommen, um mit Ihnen zu sprechen." „Bringst du Geld-mit?" fragt Jvcll Bidschof mit seiner spitzigen Stimme. „Nein!" sagte ich darauf. Da schiebt mein Rebb Joel den Stuhl, worauf er sitzt, mtt einer Kraft zurück, wie ich sie dem kleinen „Krupp" nicht zugetraut hätte, und.mit einem Male springt er knapp an mich -hin. Jetzt erst habe ich ihn von Angesicht zu Angesicht gesehen; so klein und dünn er war, hat er doch ein Angesicht gehabt wie' ein Wolf; ein Paar Augen haben darin gcfunkclt unter buschigen Augenbrauen wie von einer Katze in der Nacht; man hat sich ordentlich davor fürchten müssen. Mit diesen Augen sieht mich der kleine Joel Bidschof vom Kopf bis zu Füßen an, als wollt' er mich von innen und von außen wie einen Sack Wolle mustern ' und sagt dann mit seiner Fistelstimme: / - / 1 „Du bringst also kein Geld mit, Jüngel?" - : * „Nein", antwortete ich noch einmal und gaxz.nicht keck,, „aber der Vater will sich mit Ihnen vergleichen." Da wird der kleine Krupp Feuer und Flammen, sein Gesicht rot, und die Augen speien ordentlich ein grünes Gift auf mich. Dann Hub er an: „Und dich hat dein Vater zu mir geschickt,. um sich mit mir zu vergleichen, mit Joel Bidschof? Dich keckes Jüngel mit-der Brill' aus der Nas' schickt -der Schnorrer zu mir und meint, er wird was ausrichten? Hat er gemeint, ich bin selbst so ein Schnorrer wie er? Eincr, der mich fußfällig bitten .sollt', schickt mir so ein grünes Jüngelchen mit einer Brill' auf der Nase? Jetzt mach', daß du fortkommt, und sag' deinem Vater: vom Vergleich ist keine Rede! Ins Kriminal muß er, und das hat Joel Bidschof gesagt, der noch niemals, sei» Wort gebrochen hat." - Gott weiß es, wie ich aus der Stube und von. dem grimmigen Wolf sortgekommen bin, ich weiß es noch (heute zu Tage nicht. Es hat mich aber eine solche Furcht vor den Augen Joel Bidschofs gepackt, ein solches Zittern und Zagen, daß ich zur Tür draußen war ~ und, zum -Hause hinaus, noch dhc ich an eine Gegenrede hätte denken können. Und selbst >.vic ich wieder in. der Gasse stand, wirkte die Furcht vor dem schrecklichen - Joel in mir fort. Ich bin gelaufen, so weit als mich meine Füße tragen konnten; erst. bei. dem Wirtshause, in welchem i,ch eingekehrt war, machte ich Halt! Aber iu weichem Zustande! Zerschlage»-und zerbrochen von der großen Kränkung, die ich soeben erlebte, beschämt und gedemütigt wie ein Hundden man mit dem Stocke verjagt hat, so war mesil Zustand. Ich rannte auf meine Stube, ich glaubte noch imfher die Stimme des kleinen Joels-hinter mir zu hören. Dort warf (ch mich der Länge nach aufs Bett und vergrub mein Gesicht in den. Kissen. Dann aber hat der Schmerz über dix erlittene Kränkung in mir aufgeschricn; wie ein kleines Kind habe ich angefangcn zu weinen, und unaufhaltsam sind meine Tränen geflossen. Ich habe mich hingewünscht, wo mich kein Menschenauge mehr ge» sehen hätte und Hab' mein Leben verflucht. Mich so. zu behandeln, mich, Anschel Maiers Sohn! Wen» das die gute Mutter gewußt hätte, was mir in dieser Stunde geschehen war! Atcine Tränen sind immer stärker geslosscn; ich habe geglaubt, mein Leben wird.mit ihnen dahinflicßen. Aber sic haben doch anfgehört, wie das' immer geschieht, wenn sich das Herz zu sehr anstrengt. Dafür ist. aber in mir ein anderes ^Gefühl aufgekommen; ich habe mich rächen wollen an Joel Bidschof. Da bin ich aufgesprungen und Gott hätte ihn schützen mögen, den hartherzigen Menschen, wenn ich ihn in diesem Augenblicke vor'mir gehabt hätte. Einmal hatte ich sogar schon die Tür aufgerissen, um zu Joel Bidschof.zu eilen. Aber dabei ist es auch verblieben. Weiter als bis zur Tür bin ich nicht gekommen, nnd daß ich es nur. geradezu hcraussagc: ich habe mich gefürchtet! Dann habe ich mich wieder aufs Bett geworfen' und habe geweint und gejammert und nur das Leben verwünscht. Dazwischen bin ich auch aufgesprungen und habe gegen Joel Bidschof die Faust geballt. So habe ich es die halbe Nacht getrieben, bis ich gegen Mitternacht vor lauter Weinen und Klaget! in einen riefen. Schlaf verfiel. Wie lange ich so geschlafen habe,-weiß ich nicht; aber auf einmal ist es mir, als ob ich meines Vaters Stimme neben mir vernähme,' und der spricht: „Siehst du, Eisik, das alles haben wir deiner JQriitc zu verdanken. Daß Joel Bidschof sich/nicht erweichen >o t Frankfurter Milch - Kuranstalt unter Kontrolle des Aerztlichen Vereins . Schwarzbnrgstrasse 8—6, Hansa 1168, Bfirozelt/ . morgens 8—18 Uhr. Keimarme Kur- und Kindermilch

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