Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 16 (1918)
- Issue
- Heft 28 (19.7.1918)
- Date
- 1918-07-19
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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§nte 2. Wir kennen das hehre' Beispiel einer'Beruria, des Weibes Wbbi MeirA. Ms Währendder Ab- «nffM8L'"^'78Wbis vom" Hause die beiden Hoffnungsvollen Söhne plötzlich gestorben ..-waren» fragte sie ihn bei seiner Rückklmst, ob man einen- Edelstein, der einem zur Aufbewahrung anvertraut war, zurückgeben müsse, wenn ihn der Besitzer zurückfordere, und als er diese Frage bejahrte, führte sie ihn zu den leblosen Hüllen seiner Söhstie. Wer so denkt, wird auch in von schwarzen Wolken verfinsterten Stunden das seelische Gleichgewicht finderr. Das Bewußtsein des Strebens, gemäß den Worten eines gütigen, alle Menschenkinder gleichliebenden Gottes zu leben, dieses Bewußtsein gewährt ihm Rühe über das Vergangene. und ist ihm Leitstern für die Zukunft. Rur ein solche Denken kann ungefährdet Lurch eine Zeit führen, wie sie heute die Menschheit durchlebt., Sieben Trostsabbate folgen dem Erinneruipgstage an die verzweiflungsreichste Zeit des jüdischen Volkes. Das PxypHetemoort dieser sieben Sabbate .predigt die -Gesinnung/ die aus den -finstersten- Stunden der Völker- -und Menschengefchichte zur lichten Helle führen - mutz. Wer Frieden und Glück ersehnt, möge die Sprache dieser Worte beherzigen! Mgarifches Asfii»ilatio«sj«-e»1nin. Wir berichteten über eine unglaubliche NKüßerung gegen hie galizischen Juden seitens des Reichstagsabg. Dr. Far -'' kas aus der Generalversammlung des Vereins Ungarischer Juden. In der Wiener „Jüd. Ztg." beschäftigt sich nun Salvmon Händler^Budapest eingehend mit dieser Generalversammlung, und wir halten seine Besprechung für so bemerkenswert, daß wir sie hier in ihren wesentlichen Teilen wiedergeben. Er schreibt: „Das ungarische Judentum hat seit einigen Jahrzehnten sich' aus der Gemeinschaft der Westjudenheit herausgerissen, tMMnberührt zu bleiben von alt den Hoffnungen und BefnMNi^U, die die Westjubenheit bewegen. Die traurigen Folgen fiüd.auch auf den ersten Blick zu merken. Es gibt fern Land inHdest- und Mitteleuropa, dessen Judenheit im BerhAtnissc so arm-an jüdischer Kultur, wäre wie Ungarn. ÄpN der Gleichgültigkeit gegen alles Jüdische, hie hier alle HWle,dw Judepheit beherrsche von Lkw Würdelosigkeit?mb O^n Mangelan jüdischem Selbstbewusstsein, die Las hiesige. JlchentllM charakterisiert, kann sich nur derjenige eim« Begriff «Wen, 8er hier lebt und die Dinge mit Aügdn schönt. Jede Analogie mit ausländischen -D^Mtnisssr täuschj. Ein ^magyarischer" Assimllant ist ÜÄ-Erscheinung «m generis, wie sie das Ausland gar nHt kim nt, ... . M gibt hier unter anderem auch; einen „Verein Unga- .HWer Juden", an dessen Spitze Dr. Elias Adler RÄbiuer des wnservativeren Teiles der Bubapestcr Ge- Dr. Aläxänder Lederer stehen. Dieser ütpS hiell nun eine Generalversammlung ab, die vielleicht das traurigste Zeichen des Verfalls der ungarischen Jkch^Htzit bWet. Daß die inneren jüdischen Verhältnisse «tichaltbar sind, das sieht schon jeder ein, obgleich man sich 'von offizieller Seite die größte Mühe gab, 'die Sache zu vertuschen und zu verschweigen. Es herrscht hier eine solche f s e u ch e, wie man sie sich gar nicht vorstellen kann. *$WJp' die Bewegung wirb von Tag zu Tag stärker. Der .Herein Ungarischer Juden" veranstaltete nun als Attraktihll süner Generalversammlung einen ^Vortrag des Reichstagsabg. Dr. Paul Farkas (vor einigen Jahren sclbstvpstäichkjch noch Wvlfner) üb«: die Psychologie des Relj^onswechsels.' .... FattkW sagte/ die Einheit der ungarischen Ration verlange nicht den Religionswechsel der Juden. Würde sie ihn verlangen — so sagte ausdrücklich-der Redner des „Vereines Ungarischer Juden" — so würde er ohne weiteres ssjch taufen lassient Das hörte der präsidierende Rabbiner, das hörte das Publikum, und niemand schrie ihm ein Pfui entgegen, ja es wurde auch kein Laut -des Widerspruches gehört. Der Redner, der über die verschiedenen Gattungen der Täuflinge sprach, sagte auch, daß die' Taufe, deren Grund eine Mischehe ist, kein beunrnhigeiides Moment bildet, da die Zahl der Mischehen, eine geringe ist. Als ihm nach dem Bortrag Vonseiten der dort anwesenden Zionisten vorgehalten wurde, daß doch schon vor zehn, Jahren die Ryschehen 16,5 Prozent aller. jüdischen Ehen bildeten, und seit damals wenigstens 20 Prozent erveicht haben, da antwortete der illustre Redner, daß man gegen die Mßschehen keine Agitation betreiben dürfe, da dies' eine Ruckdhr ins Ghetto bedeuten würde. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Dabei waren'auch die Leiter des Vereines zugegen, ohne auch nur ein Wort des Widerspruches laut werden zn lasse». Den Gipfel aber vdcr richtiger de» tiefsten und traurigsten Punkt der Ausführungen des Redners des Vereines' Ungarischer Inden bildete ein nnqualifizicrbarer und gehässiger Ausfall gegen unsere galizischen Brüder,' wie ihn ein Weiskirchner oder ein Lueger nicht übertrefsen könnte. Er sagte, „die ungarische Judenheit hätte die gebieterische Pflicht, gegen den ihr weder an Rasse, noch an Moral oder Weltauffassung verwandten Zuzug aus Galizien die strengsten Maßnahmen durchzuflihren, um so die ungarische Nation vor Dingen zu bewahren, an die zu rühren, andere nicht wage» oder nicht können." Eine Viertelstunde sprach er in gehässigster Weise über die galizischen Juden, die uns ins Ghetto zurückfiihren und die die. Assimilation hindern und den Judenhaß heraufbeschwören. Wenn die Christen es nicht wagen sollten, die Grenzsperre einzuflihren, s o müßten die Inden sie fordern! . . . Daß der „Verein Ungarischer Juden" sich wirtlich mit diesen auch vom allgemein menschlichen Standpunkte rohen und gehässigen, vom jüdischen Standpunkt aber ganz unqualifizierbaren Ausfällen Farkas' voll und ganz identifiziert, beweist der Umstand, baß im .Communiquo, das der Verein für die Presse herausgab, der Verein sich nicht schämte, die-Ausfälle Farkas mitzuteilcn und ausdrücklich die Worte wiederzugrben, daß die ungarische Judenheit mit den galizianischen Juden nicht einmal der Rasse ,mch verwandt ist, — und daß Rabbiner Dr. Adler und' Dr. Lederer dein Redner für den Vortrag ihren Dank aussprachen. . Angesichts dieser traurigen Erscheinungen kann da nicht im Zuschauer der Zweifel aufkommcii, ob das ungarische Judentum mit dem' jüdischen Volke der ganzen Welt vielleicht wirtlich 'nicht einmal der Rasse nach verwandt ist?" Eine Erklärung über die Jndenfrage in Litauen. Wie die Berliner „Neuen Jüdischen Monatshefte" Mitteilen, hat Exzellenz von Falken Hansen, Reichskvmmissar für die Ostseegebiete und Litauen, Prof. Dr. Moritz Sobernheim und Dr. Adolf Friedemann vom' „Komitee für. den Osten." empfangen und ihnen folgendes erklärt: . „Wir verkennen nicht die große Wichtigkeit des Ostjudenproblems. : Grundsätzlich überläßt die Kaiserliche Regierung dem soeben anerkannten litauischen Staate die endgültige Regelung seiner inneren Verhältnisse. Das schließt indessen nicht aus, daß sie beim inneren Ausbau gemäß den Wünschen des Landesrates mitwirkt und ihren Einfluß für die Erfüllung der berechtigten Wünsche des Judentums einsctzt, wie sic dies übrigens Mich bisher getan hat. In denk Litauen größeren Umfanges, das voraussichtlich bei der endgültigen Regelung der Verhältnisse im Osten entstehen wird, muß allen nationalen Minoritäten ihr Recht auf bürberliche Gleichberechtigung, freie Religiionsübung und Pflege ihrer Eigenart und Ueberlieferung voll bewahrt werden. Deshalb soll auch der jüdischen Nationalität bas Recht auf s e l b st ä n d i g e O r d n u n g i h r e r k u k t u r e l t r n Angelegenheiten, also eine weitgehende kulturelle Autonomie, zustehen, und sie kann darüber hinaus auf Zugeständnisse, z. B. auf dem Gebiete der Selbstbesteuerung für ihre eigenen Angelegenheiten rechnen. Die Regierung verfolgt die nach dieser Richtung hin geäußerten Wünsche mit ihrer vollen Sympathie. Sie teilt auch die auf berufliche Umschichtung der Juden Litauens gerichteten Wünsche und ist bereit, die auf landwirtschaftliche Betätigung gerichteten Bestrebungen nachdrücklich zu fördern. Der Herr Reichskommissar wies dann noch daraus hin, daß schon die gegenwärttge Verwaltung Litauens ihr Wohlwollen für die jüdische Bevölkerung durch zahlreiche Maßnahmen erwiesen, sogleich! bei Beginn ihrer Tätigkeit die volle Gleichberechtigung mit der übrig«! Bevölkerung verkündet unb alle einschränkenden Bestimmungen der russischen Jüdengesetzgebung außer Kraft gesetzt habe. * Ein besonderes glestrat für jüdische Angelegenheiten sei errichtet und auf dem Gebiete der Schulen der jüdischen Eigenart nach Möglichkeit Rechnung getragen worden. Der Arbcitersürsorge mid den Wohlfahrtsbestrebungen der jüdischen Komitees/werde volles Interesse zugewendet. Der Herr Reichskommissar gab ziuw Schlüsse seiner Hoffnung Ausdruck, daß es bei gegenseitigem Entgegenkommen aller litauischen Nationalitäten bald gelingen werde, Nr. 28. die durch den Krieg geschlagene» Wunden zu heilen im das an Hilfsquellen reiche Land einer srcnndlichxn Zutuns! entgegenzusührcii." . Der Oberbefehlshaber Ost ttttlt die Jude „Letzte Neis" in Wilna schreibt: Am t2. Juli brachten wir eine Unterredung des kaiser lichen Kommissars General v. Falkenhanfen mit einer Vertreter des Berliner jüdischen ,Komitee des Ostens" übe « Alt Es jüdische Fragen in Litauen. Falkeckhause» betonte die Geneigtheit Deutschlands de Scrlin jüdischen Wünschen und Interessen gegenüber und die Bereii *1' Willigkeit der deutschen Regierung, nicht nur die Gleich berechtigung der jüdischen Bevölkerung Litauens zu' wahren sondern ihr auch bei, der Durchführung ihrer nationale! t. Bestrebungen und der Erreichung einer national-kulturell«! Selbstverwaltung zu helfen. Zum Schluß drückte Falkenhynsen die Hoffnung a»c daß die Wunden des Krieges allmählich bernarbqn. weroenIine Sn Gleich »ach dieser Unterredung zeigte der Oberbefehls Kain Haber Ost den Ernst dieser Worte. Da'nämlich/ das amer es mb Sa! icklu C. z> cbhafte >ic künl Um :u ehre. lanischc jüdische Hilfskomitee kein Geld mehr infolge Ler -"gung botes seiner Regierung - schickt — gehört cs doch zu de Politik der Entente, Deutschlands friedliche Bevölkern»! auszuhungern, so hat sie auch die Bevölkerung der vm Deutschland besetzten Gebiete in diese Politik mit einbe zogen —, so hat der Oberbefchkshaber Ost, Rabbiner R a bi »stein mitgeteilt, daß er dem Zentralen Jüdisch Hilfskomitee 200000 Mark zur Verfügung stellt. - Das Ausbleiben des jüdischen Gelbes aus Amerika - zum größten Teil von litauischen Juden Amerikas stau mend — hatte wie eine schwere Last auf den Herzen d, Vertreter der Judenheit Litauens gelegen; — die hochherzig Gabe des Oberbefehlshabers Ost hat ihnen ihre Sorget geiwmmen. Die Spende hat aber auch in der Judcnhci »allen ingeleii jinschri ii, Pol« Un idigc liolizeir ii best Litauens die Hoffnung gestärkt, daß die deutsche Regier«»! rctcr» auch in anderen Fragen ihre Interessen fördern wirb. Aus aller Wett. LeiticheS Reich. a in t < c it b 3er na! ung f Berlin. m Aus «m Herrenhaus. I» der Sitzung vom 9. Juli entspann sich! folgende int Juden angehende Debatte: Fürst zu Salm-Horstmar: Unser inneres Lebe wird von dem Kampf nM die Wahlrechtsfrage beherrscht Das ist ein Kampf der Weltanschauungen, auf bet , eiltet’- v;- /Sa«4a S\«*3 flünYitÜ'M-rtnviitiM ftit '”»1 Se res vo i s ch l lreter- 'Lettin die in Lersam oon Bl De Seite das Weltbürgertum, die jüdisch-demokratische, a„ der anderen Seite die deutsch-aristokratische Weltanschauung Das internationale Judentum findet eine Hauptstütze im FreimaurertuM/ das tauch hinijer -jden Revolutionen stehl l>. bis Auch die Führer der russischen Revolution sind französisch dischen Freimaurer. Diese Bewegung findet ihre Stütze in Älöt semme ' tern wie der „Frankfurter Zeitung", dem ,,Berliner Tage die dur Blatt" und dem „Vorwärts." Wir wollen diese demojwird b krattsche Entwicklung nicht Herzog zu Traihenberg: Ich bin weder Jud ^ebun noch Freimaurer. Aber ich weiß, daß Juden unb Frei maurer Angehörige des deutschen Volkes sind und daß aud diese sowohl bei der Armee im Felde als im Jnlande all Arbeiter voll ihre Schuldigkeit getan haben, und ich bedaiw tief, daß man in diesem hohen Hause das Trennendl hervorgehoben hat. (Sehr richtig!) Wir brauchen bei Friedenswillen und die Einigkeit auch im Innern. Die rituelli allein befähigt uns durchzuhalten in diesem schweren Kriege und alles, was geeignet ist, diese Einigkeit zu stören, i vom Uebel und die Worte des Vorredners schädigen dies Einigkeit. Ich meine, wir Alte hätten nur eine Aufgabe, Ulli an die Worte des Kaisers zu halten: Ich' kenne keind Par teien mehr Staatssekretär a. D. Dernburg: Ich schließ mich diesen Worten an. Wenn das preußische Herrenhaul sich seine Stellung im Volk erhalten will, muß es sich 'solch! in an! altertümliche Ausführungen verbitten. . . . Einen Gegen satz zwischen germanisch-aristokratisch und jndisch-demokra tisch gibt es nicht. Das sind überlebte. Begriffe. . . . Fürst zu Salm-Horskmar: Ich habe nicht d» Absicht gehabt, unseren Staatsbürgern jüdischen Glauben! vorzuwerfen, daß sie ihre Pflicht nicht getan hätten. Tal würde mit den Tatsachen in Widerspruch stehen. Jä habe auch nicht Uneinigkeit in das deutsche Volk getragr Ich habe; nur auf den Widerstreit der Weltanschauungfragen hingewiesen, der vorhanden' ist und auf den bi' Zwistigkeiten zurückznführen sind. verli«. St. C.-Tag. Am 30. Juni fand hier die Tagung kier im Kartell konvent (K. C.) vereinigten jüdischen farbentragenden;-Studentenverbindungen an Deutschlands Hochschulen statt. Aus dem Geschäftsbericht, den der Vorsitzende dc geschäftsführenden Ausschusses Dr. Mainzer-Frank furt a. M. .gab, sei Hervorgehoben, paß der Verband wahre»! möglic des Ktteges einen besonders großen Aufschwung genoni men hat und insbesondere im letzten Jahre ganz nngewöhn lich au Mtgliederzahl zugenümmen hat. Freilich stehe, die allermeisten der Bundesbrüder unter den Waffen, - unl 84 von ihnen' sind - den -Heldentod -gestorben. -Neu-aus;«!0MilI ictc Ve Die »e Be An eulsch usanin rcten. Wi nehmet und 9 allem S. Dl 8 um daß d 768-1 9 ei ns kos sind e den A der Kr iämllil so. das ansgeg die M Mitgli gewähl o a c o A ans D der „! essen! geben, über i Palästt Z' de», is besteht oben!l Bildur Prüf»! im ein Regier ernenn