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Neue jüdische Presse · 1918-07-05 · Heft 26 (5.7.1918) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
16 (1918)
Issue
Heft 26 (5.7.1918)
Date
1918-07-05
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Ueber den Himmel gm: noch einige rötliche Wolken: In der Ferne blitzt it uni): wann: ein-, Licht auf, flackernd und zitternd, dunkler es wird/, desto mehr solcher Lichter flammen , Dann sieht, man auch die Telegraphenstangen.-nicht r. Himmel und Erde fließen in ein Dunkel znsammenr Der Zug fuhr jetzt zwischen zwei hohen Wänden. Jizchak Augen war alles schwarz, ganz schwarz. Es it ihm, als liefe und hastete etwas in der Dunkel» , weiß Gott woher, wohin. Er wendet sich zn Mendel Sucher und sagt-ganz ::. . ■ „Reb: Mendel?" Aber Mendel ist eingeschlummert „Reb Mendel," sagt. er nochmals und. zupft ihn. am mel. „Was?" „Was geschieht, wenn die Räder herausfallen?" Reb. Mendel antwortet nicht und lehnt sich wieder eine Ecke, zurück. „Geht die Welt unter,, ja?" fragt das Kind-, mehr sich selbst sprechend; Reb. Mendel schnarcht. IV. Um elf Uhr stieg man aus. Jizchaks verschlafene stn konnten sich noch immer nicht recht öffnen, dazu idete ihn der starke Lichtschein. Auf allen Seiten er hohe Häuser, und Wagen gab es.'ohne Zahl. . . . Erst als er in der Droschke fuhr, wurde es ihmußt, daß er nun zum. Vater kommen sollte. Und Herz wurde ihm enge vor Unruhe und vor schwerer artung. Die Droschke fuhr durch viele Gassen, und »mal, wenn der Kutscher in ein: andere Gasse lenkte, Jizchak sehr zufrieden, daß es noch ein bißchen >er dauern wurde. Er tat, als schliefe er, und hielt Augen geschlossen. Beim Tor zog Mendel an der Klingel. Sie mußten >e warten. Kalten Regen klaschte. ihnen ins Gesicht, scharfer Wind hob Jizchaks Ueberrock in die Höhe, das Bündel Wäsche wurde: naß. Schritte ließen vernehmen nick das Geräusch eines: Schlüsselbundes. TÜr öffnet sich, des. Knaben Atem stockte. Jetzt! Sie stiegen die Treppe hinauf. Jizchak schleppt kaum-noch die Füße und sieht t, was. ringsum geschieht. Er fühlt nur Mendels Ie, große Hand,, die die seine ijäft Ein schweres ihl lastet aufihm. Endlich klopft Mendel einigemal eine Tür. Maln hött den schlürfenden Schritt unrideter Füße und eine Stimme: „Wer da?" Jizchak mt Vaters ©tiuaier itnb ein Seufzer der Epleichng entringt sich ihm. Mendel aber läuft in dem enblick, als er die Schritte hört, schnell auf den st, die Treppe hinab, indem er Jizchak zurust: eib' da!" Jizchak bleibt stille stehen. Er hat Furcht zu en. Ringsum ist's finster. „Wer da?" ruft nochmals die 'Stimme hinter Tür. Eine Frauenstimme Hingt schrill aus einem rückligen Zimmer: „Oeffne doch, Unglücksmensch, was stehst du denn?" Die Tür wird geöffnet. Jizchak sieht ein Paar!i Beinkleider, — der Vater beugt sich vor, tritt -er zurück und frägt mit erschreckter Stimme: „Jizchak, du?" „Verdammt,, schließ' doch die Tür,, was. ist das?" man wieder aus der rückwärtigen Stube rufen. Jizchak tritt ein, die Tür wird geschlossen. Nochmals hött man die zornige Frauenstimme. Der x antwortet nicht, fährt mit der Hand Über den f und„.atmet>, schwer- - Jizchak bleibt in der ersten- Stube-, stehen, der Vater geht hinein., in dict zweite^ in der.ein. dämmettges Licht flackert. Bald, dttngt Geschrei herüber. „Deinen Lumpenjungen-, brauch' ich noch, mag er Hand und Fuß brechen" — so fängt es an, und dann folgt ein Flut wilder Verwünschungen nnd Flüche, dazwischen zittert die Stimme des Vaters: „Beile, Beile." Vaters Stimme ist so weich,, er bittet so demütig, daß es zum Erbarmen ist. ... Das Geschrei will kein Ende.'nehmen. Jizchak steht beim Kasten und hat Furcht, sich vom Fleck zu rühren. Er überlegt nicht, denkt nicht nach, er kann nicht überlegen und Nachdenken-. . . Und das Geschrei und dir Flüche aus der zweiten Stube schlagen ihm durch die Ohren in den Kopf wie ein Sturz von Steinen in einem Wasserfall, die fallen und fallen ohne Ende. Er ist so müd. Er .lehnt den Kopf an den Kasten und hält sich mit beiden Händen die Ohren zu. Das Geschrei läßt nach, wie das. Donnern, wenn das Gewitter zu Ende geht. Es wird abgelöst -.von stillen, kurzen Verwünschungen, Seufzern und Stöhnen. Endlich kommt, der Kater herein, nimmt Jizchak. bei der Hand und führt ihn in die zweite Stube: Ein Kopf in einer weißer Haube ttchtet sich aufaus den Kissen. „Wo: wirst du. ihn 'hinlegen? Daß dich der ... .!" Jizchak möchte weinen, aber er kann nicht: Der Väter bittet unaufhörlich: „Beile, Beile, sch bitte dich, Beile, ich will ihn zu Riwke ins Bett legen, Beile, ich bitte: dich . . ." „Leg' ihn dir auf den- Kopf" — und die Haube dreht sich zur. Wand.. > Der Vater zieht Jizchak aus, legt ihn in jein Bettchen und geht dann selbst zur Ruhe. In der Stube ist's still, manchmal nur seufzt der Vater auf. Ein kleines Lämpchen brennt,, und übrr die Wände und Dielen huschen schreckhafte Schatten. Jizchak liegt ruhig und wagt es eine geraume Zeit nicht, sich zu rühren. Erst da er vermutet, daß. alle, schon schlafen, getraut er sich, seine Hand zu bewegen, und trifft plötzlich auf einen Fuß. Fast hätte er glauben mögen, daß er an seinem Körper ein neues. Gsied gefunden habe. Dann trifft er auf einen zweiten Fuß. Beide Füße scheinen ihm ganz und gar überzählig. Er. glaubt, es wäre gerade recht, wenner selbst ganz klein wäre, so klein wie ein Apfel, den man hinstecken kann,, wohin man will. Eine Weile später: wendet Ar, seinen Kopf ganz um und sieht zu seinem Staunen das Kissen bedeckt mit einer Fülle schwarzer Haare. Und sieht dann ein kindliches Gesicht mit roten Lippen. Das Kind atmet ruhig und Ml. Jizchak sieht es lange an, und es wird ihm ganz merkwürdig fröhlich und leicht zumute. . Er erinnert sich an sein Brüderchen, das gestorben ist und begraben liegt, in der Erde. Wie er noch mit ihm zusammen geschlafen hat, hat sich auch die Bettdecke so auf und nieder bewegt, auf und nieder. . . . Näher schmiegt sich Jizchak an das Kind, streichelt die Haare, berührt die Stirn. Er möchte das Gesicht bessersehen, richtet sich im Bett: auf und beugt sich über das Antlitz. Das Kindchen schläft Ml, atmet und atmet. Jizchak nähert sich ihm. mit den Lippen, küßt es immer inniger und flüstert: „Ich Hab' dich so sieb, Hab' dich so lieb, so lieb...." Doch das Mädchen erwacht und fängt laut an zu weinen. Auch die andern wachen auf. Der Vater fragt, was los ist. Die „Haube" schreit und schilt, und das Mädchen weint noch lauter und deutet auf Jizchak: „Er . . . er . . . Mamischi!" „Was hat er dir getan?" fragt der Kopf in der Haube.. „Da, da . . .," und das Mädchen deutet mit der Hand auf die Backe. Die Mutter holt das Kind und legt es zu sich ins Bett. Ein Paar: böse Augen blickten Jizchak an. Jizchak ist nun allein im Kettchen. Ihm ist so weh. Er hat Furcht, zu weinen, auch nur zu seufzen. Erst da er ringeschlafen ist, lösen sich aus seiner Brust die Seufzer. Er hatte einen Traum: Er fand einen großen Haufen Geldes und nahm davon, und es wurde immer mehr. Alle Taschen hat er schon angefüllt und Mutter und Vater eine Menge gegeben. 'Und beide freuten sich sehr, daß es nun keine bitteren Zeiten mehr geben werde, und daß sie sich schon jetzt niemals, niemals trennen würden. Sie saßen bei Tisch und zählten das Geld. Jizchak holte immer mehr, Mutter lächelte, Vater auch, und Jizchak gajschtq in die Hände: „Gut so, gut so! ..."! Ex. lächelte, im Traum. Am frühen Morgen brachte ihn der Vater zur Bahn und übergab ihn einem Menschen, der ihn an der Endstation absetzen sollte. Jizchak schlief den ganzen Weg und kam nach Jastow vor Anbruch der Nacht. Er mochte nicht gleich heimgehen, sondern wollt: zuerst zum Cheder. Auf dem Wege aber begegnete ihm Mendel Sachers Weib. Gleich ließ sie seiner Mutter sagen, daß er gekommen sei. Jizchak wartete auf Mendel im Laden. Bald kam die Dienstmagd, nahm ihn bei der Hand und führte ihn nach Hause. An der Tür ermattete ihn die Mutter. Ein Mann in einem samtenen Käppchen mit langem, schwarzem Bart bog den Kopf aus der andern Stube heraus. Als Jizchak die Mutter sah, stürzte er auf sie zu, barg seinen Kopf in ihrem Schoß und fing bitter.lich zu schluchzen an. Die Mutter drehte sich um zu dem Mann in der andern Stube und begann auch zu weinen. Da verschwand der Mann aus der Tür und ging in der rückwärttgen Stube mit schweren Schritten auf und ab. Und jeder seiner Schritte war ein Hammerschlag, der auf ein Kinderherz niederfiel. Palästina tta» die Philister. In einem Bortrage, den Professor FelixStähelin (Basel) kürzlich gehalten hat, wird in interessanter Weise die sprachliche Entstehung des Wortes Palästina, klargelegt und der geschichtliche Zusannnenhang des Heiligen Landes mit den Philistern erörtert. „Palästina," so führt der bekannte Schweizer Historiker aus, „verdankt der Römerzeit unter Kaiser Hadrian seinen Namen. Nach denr letzten großen Judenaufstand wurde nämlich die Bezeichnung Judaea aus dem amtlichen Sprachgebrauch getilgt und dieser Provinz, der Name Sytta Palaestina gegeben. Die Form weist auf die griechische Lautgebung hin, für die wir schon bei Herodot (um 450 vor Christus) das Zeugnis der Syrioi Palaistinoi besitzen; das spätere Latein hätte Syria Philistina. (mit. Verschiebung des p zu pH) vorgezogen. In der neuen Benennung sollte sich die Erinnerung an die ehemaligen Erbfeinde des Judentums lebendig erhalten: die Erinnerung au die Pelischtiin der hebräischen, die PhilisthiiM, Philistini oder Palaestini, der lateinischen Bibel, an die Philister. Denn Palästina heißt von Haus aus nichts anderes als „zu den Philistern gehörig." Die Beziehungen der Philister zuin alten Judenland setzen plötzlich und unvermittelt gegen Ende der Richterzeit (um 1200) ein. Sie sind eingewandert, zählen also nicht zu den Ureinwohnern des Landes. Sogar für die Richtung ihrer Hettunft haben wir deutliche Spuren. Bei Amos sagte Gott: „Habe ich nicht Israel aus Aegypten hergeführt und die Philister von Kaphtor?" Und Jeremias verkündet? „Gott will Philistäa vernichte», den Ueberrest von Kaphtor." Die Insel Kaphtor, die wir aus zahlreichen genau dauerten ägyptischen Inschriften und Bildern als Kafti kennen, ist Kreta. Nach den Ausgrabungen sind um 1400 vor Christus die wichtigsten kretischen Königspaläste für immer zerstört worden; Hand in Hand damit verschwinden die friedlichen, ihre prachtvollen, künstterischen Geschenke darbietenden Kaufleute damals völlig aus dem ägyptischen Bilderdarstellungen. Es hatten also wohl um jene Zeit die Philister Kreta erobert und die hochentwickelte dortige Kultur zerstört. Nicht ganz zweihundert Jahre später finden wir sie aus weiterem Zuge nach Süden. Sie sind an! wiederholten Anstürmen einer Reihe von Seevölkern gegen Aegypten beteiligt. Es befanden sich darunter die Schardanu — Sardinier, die Turscha — Thyrsener oder Etrusker, die Akaiwascha — Achaier, die Donaumr — Danaer und die Ruku — Lykier (die Aegypter haben kein l und geben diesen Buchstaben in fremden Namen jedesmal mit r wieder). Jnr 5. und 8. Jahre des Pharaos Ramses HI., also kurz nach 1200, Werden auch die Persta erwähnt. Das sind ohne Zweifel unsere Philister; denn wenn die Hieroglyphen Persta schtteben, dann ist gerade so gut die Aussprache „Pelesta" zulässig. Sie wurden mehrmals geschlagen, worauf sie sich am südlichsten Teile dev syrischen Küste niedergelassen haben mögen. Ihre Kriegstüchtigkeit bitdete zeitweise eine höchst ernste Gefahr für die Juden; vornehmlich brachte sie es zuwege, daß sich die israelftischen Stämme zu einem festen Einheitsstaat zusammenschlossen und einen König annahmen. Unter David war die Gefahr bereits gebannt^ Dieser schuf sich zugleich eine Leibwache gerade aus philistäischen Söldnern, die unter dem Namen Kreti und Pleti erscheinen. Pleti wird mit Sicherheit als eine Nebenform zu Pelischtim erklärt. Kretz steht bisweilen ebenso geradezu für Philister überhaupt und mutz demnach eine philistäische oder ihnen nahe verwandte Gruppe bezeichnet haben. Es scheint.

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