Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 16 (1918)
- Issue
- Heft 26 (5.7.1918)
- Date
- 1918-07-05
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr 26 Frankfurter Israelitisches Familienblatt. H»Üe 3 E. T. Kodehait, Herrenschneider Frankfurt a. Main, FrledensstrasBe No. 1 Telephon: Römer 3650. FEDTSTE MASS-SCHNEIDEREI. Auf Wunsch koschere Verarbeitung. In der Debatte sprach u. a. Oberrabbiner Pinchas Horowitz aus Bohoredczawy. Der ehrwürdige Redner versicherte, daß die Rabbiner Galiziens und der Bukowina einig in der Wertschätzung der „Agudas Jisroel-Bewegung" seien. Der Krieg «uv die Jude«. Frankfurt a.M Kanonier Hermann Rosenthal, Sohn von Ferdinand Rosenthal, Weiherstr. 4, erhielt da-Z Eiserne Kreuz. Wien. Llochs „Osterr. Wochenschrift" verzeichnet folgende Auszeichnungen an Juden: 1 Ritterkreuz des FraNz Josef-Ordens, 2 Militärverdienstkreuze 3. Kl., 10 silb., 22 bronz. Signum laudis, 19 gold. VerdieNstkreuze mit -er Krone, 10 gold. Berdienstkreuze, 9 silb. Berdieiistkreuze mit der Krone, 3 Kriegerverdienstmwaillen. Personalien u. kleine Mitteilungen. Berlin. Prof. W. Wassermann istzumorbentl Mitglied der wissenschaftlichen Deputation für das M e d i z i n a l w e s e n Ernannt worden. München. Oberrabbiner Prof. Dr. Werner, desse" Heimgang wir in der vorigen Nummer berichteten, wurde 1853 ii: Rogasen geboren, besuchte das Breslauer Rabbinerseminar und wurde, noch nicht 26 Jahre alt, Rabbiner in Danzig. Es gelang ihm, die bis dahin getrennten snnf Geineinden Danzigs zu vereinigen. 1894 wurde er als Nachfolger Dr. Perles' s. A. nach München berufen. Das „Jüd. Echo" schreibt in seiner Würdigung des Heimgegangenen u. a.: „Rabbiner Werner gab in der Rebe seine ganze Persönlichkeit. Dies fühlte der Hörer. Dies machte seine Rede so hinreißend, daß auch der Widcrwillige sich gepackt fühlte; wenige heute auf der Kanzel kommen ihm hierin gleich. Und dann: Rabbiner Werner als Wohltäter! Hier ist sein größtes Lob, daß man in der Oeffentlichrkeit vieles was er tat, nicht weiß. Ja, daß, man vieles, >vaS man weiß, in der Oeffentlichkeit nicht sagen darf. Was er gab, wie er gab, fpeM alles er gab — es wisse» cs all die Arme», die verschämten Bedürftigen, die ganz besonderen Anlaß haben, ihn zu betrauern, und alle die, die ihm bei seinem Wohltun zur Seite standen. Ich sehe ab davon, daß er zahlreiche humanitäre Bestrebungen^ jüdische und allgemeine, mit Rat und Tat unterstützte. Auch hier tat er mehr als geboten war, aber das Außerordentliche leistete er — in Gemeinschaft mit seiner im wohltun mit ihm wetteifernden Gattin — wo es galt, selbst Opfer zu bringen und die eigene Persönlichkeit cinzusetzen. Die Dankbarkeit seiner zahlreichen Schützlinge, der Bedürftigen, denen er spendete, die Gebeugten, die er aufrichtete, sind das schönste Denkmal dieses hilfreichen Menschen. Lauterkeit und Vornehmheit waren die Vorzüge seines jüdisch-politischen Wirkens. . . ." Zur Beisetzung waren neben dem Kultusminister, dem Polizeipräsidenten und einer Anzahl staatlicher und städtischer Beamten zahlreiche Rabbiner und andere Vertreter der.bayerischen und außerbayerischcn Jndenheit erschienen. In trefflichen Worten schilderten die verschiedenen Redner (Dr. Bärwald, Landrat N u ß b a u m, Dr. Ehrentreu, Rabbiner Dr. Kelter aus Danzig, Justizrat Leo Oppenheimer u. a.) was der Verstorbene hier und in seiner früheren Gemeinde, in Land und Reich geleistet und wie er es, wie nicht leicht ein zweiter verstand, den Frieden in der Gemeinde aufrecht zu erhalten. Auch am Grabe sprachen noch eine Anzahl Vertreter von Korporationen und der Familie und legten auch hier Zeugnis davor, ab, daß mit Dr. Werner ein seltener Mensch zu Grabe ging. — Auch der König hatte neben einer Kranzspende durch ein herzliches Schreiben der Witwe sein Beileid zum Ausdruck gebracht. BadBrückena». Unter den jüdischen Kurgästen wurde ein Pal'ästinatag veranstaltet, der für das „Hilfswerk für Palästina" 1200 Mark und das „Schaare Zedek- Hospital" 300 Mark ergab. Vielleicht genügt diese Mitteilung, um in anderen Kurplätzen gleiche Veranstaltungen anzuregen. Besonders dürfte sich Tischo baaw dazu eignen. Voraussetzung für das gute Gelingen einer solchen Sammlung ist die Gründung eines LokalkomiteeS aus allen Richtungen deS Judentmns und reiche Organisierung der Sammleriimentätigkeit. BreSlau. Die Synagogen gemeinde bewilligte dem Jüd.-Theol. Seminar als einmalige außerordentliche Beihilfe 100 000 Mark. Das Seminar befindet sich in schwerer materieller Bedrängnis. Es handelt sich allein um die. Sicherstellung von 17 000 Mk. jährlich mehr für Lehrergehälter, ferner um Mittel für Unterhaltung, und Erweiterung der Bibliothek und notwendige Umbauten. Es hat sich innerhalb der Gemeide ein Komitee gebildet und größere Zeichnungen sind bereits erfolgt. — Durch die Berufung Rabbiners Dr. Sali Levi nach Mainz ist an der hiesigen Gemeinde die Stelle eines stellvertretenden Rabbiners ftei geworden. Rabb. Dr. Lange- Magdeburg, ein Anhänger der linksliberalen Richtung, wird demnächst eine Probevredigt halten. — Die Shnagogengemeinbe beschloß eine E r h ö h u n g der Teuerungszulagen ihrer Beamten, berechnet ab 1. Avril, und zwar bei Gehältern unter 5000 Mk. von 20 auf 35Vo, über 5000 Mk. von 15 auf 25°/o und über 8800 Mk. von 10 auf 15°/«. — Dr. SBilti Aron, Spielleiter des Stadttheaters, ist als Oberspielleiter an die Oper in Metz berufen worden. Budapest. Die ungarische Akademie der Wissenschaften hat den diesjährigen großen Preis für Mathematik und Naturwissenschaften dem Mathematiker Ladislaus Feier, den Rozsapreis dem Dr. Ladislaus Berczeller zugeteilt und die. Fachgelehrten Alfred Haar und Marzell Rieß zu korrespondierenden Mitgliedern vorgeschlagen. Auf eine Eingabe des Oberrabbiners Klein- Kismarton (Eisenstadt) an den Minister desAeußern, in der er um Verbesserung der Bestimmungen bezüglich der Emanzipation der rumänischen Jude,: vorstellig wurde, erhielt er aus dem Kabinett des Ministers folgende Antwort: „Unter Bezugnahme auf das an Seine Exzellenz den Herrn Grafen Burian gerichtete Schreiben 73/1918 beehre ich mich auftraggemäß mitzuteilen, daß Seine Exzellenz der Herr Minister es sich angelegen sein läßt, Mittel zu finde», um die rumänische Regierung zu einer liberalen Auffassung und Anivendnng der Bestimmungen des Artikels XXVIII, Absatz 2, Satz 2, des Friedensvertrages zn veranlassen." Budapest. Hoftat'Heinrich Körösi hinterließ der hiesigen israelit. Religionsgemeinde die Summe von einer Viertel Million Kronen für Unke r r i ch t s z w e ck e. — Großgrundbesitzer Benj. F rieb m a 11 n int Biharer Bezirke hinterließ seiir Bormögen im Werte von einer Million Kronen für Errichtung einer Ackerbanschule, die je zur Hälfte christlicheit und jüdischen Zöglingen Verpflegung und Unterweisung gewährt. Budapest. Der Rabbiner der Paks er orthodoxen Gemeinde I0sef Löb S z 0 fer ist im Alter von 56 Jahren gestorben. Szvfer, der siebzehn Jahre in der Gemeinde gewirkt hat, hat einen Bibelkommentar unter dent Titel „Jelkut Szaufer" und einen Komntentar zu Terjag mizveth unter dem Titel „Lekutö Szaufer" herausgcgeben. Er war von seiner Wohltätigkeit bekannt und hat — ein idealer Wohltäter seines Berufes — siebzehn Waisenkinder großgezogen. Prag. Rabb. Prof. Dr. Karl Thieberge». ein tüchtiger Talmudgelehrter und ein traditionstreuer Sohn seines Volkes, ist verschieden. Zürich. Eine Protestversammlung der Sozialdemokraten gegen die Pogrome in Galizien und Rumänien war von mehr als .600 Personen besucht. Pfarren Reichen, der erste Redner, trat energisch gegen die Entrechttmg und Verfolgung des jüdischen Volkes auf, das wie kein zweites zur geistigen und kulturellen Entwicklung der Menschheit beigetragen hat. Redner kritisierte auch den rmnänischen Friedensvertrag. H. Greulich, der zweite Redner, wandte sich besonders gegen die antisemitische Betätigung der Polen. — Der Regierungsrat des Kantons Zürich hat Frau Rosa Bloch-Bollag in die Kommission des kantonalen Ernährungsamtes gewählt. Lubltnitz. Rabbiner Dr. Simon Fried mann beging sein 40 j ä h r i g e s A m t s j u b i l ä u m. Er wurde 1849 in Kempen geboren, wo damals der berühmte Exeget Malbim und der hervorragende Talmudist Simchah Rehfisch die religiösen Leiter der Gemeinde waren. Ms Enkel des Rabb. Simon Lewy-Fordon, als Großneffe des Oberrabbiners Akiba Eger-Poseir und als Neffe des Talmudgelehrten Selig Lewy-Kempeit wurde er schon in der Wiege zum Rabbiner bestimmt. Er besuchte die Lehranstalt für Wissenschaft des Judentums in Berlin und kam am 4. Juli 1878 als Rabbiner nach Lublinitz. Warschau. In Moskau kam eine jüdische Deputation aus T u r k e st a n an, um die russische Negierung um Hilfe gegen die furchtbaren Verfolgungen, die die Juden Turkestans erleiden müssen, zn bitten. Kiew. In Jekaterinoslaw starb der Dichter und Pädagog Jakob Leiner. Wilna. Aus S l 0 n i m wird berichtet daß der Advokat I a c v b s 0 h n, Mitglied der ersten' Duma, plötzlich in Moskau gestorben ist. New Uork Chajim Zwi Gezow. ein idealer Jude im altjüdischen Sinne, ist verschieden. Denn trotzdem er als Geschäftsmann mit seiner Existenz zu . kämpfen hatte, fand er Zeit zu intensiver wissenschaftlicher Arbeit. Er verfaßte mehrere hebräische Werke und war als hervorragender Talmudkenner bekannt. Auch zeichnete er sich durch tiefe Frömmigkeit aus. Jerusalem. Ä. M. Z unz. der bekannte jüdische Gelehrte, ist v c r s ch i ed e n. Im vergangenen Jahre feierte er sein 60jähriges Schriftstellerjubiläum. „VICTORIA« Erste Berliner Wäscherei und Glanz-Plätterei Hansa Tel. 2002. 13 GlltleUlStFaSSS 13. Hansa Tal. 2002. Spezialität: Kragen, Manschetten und Hemden. Eifiks Brille. Bon Leopold Kompert. (Fortsetzung.) „Schadet nichts, Daniel, schadet gar nichts," bemerkte dagegen Rebb Eisik. „Die Judenkinder hören sobald, nicht auf; aber der Prediger wird bald aufhören. S Kaffee Kniiland S Kaiaerstrasse 56 Kaiserstrasse 56 Täglich erstklassige ll&~ Unterhaltungsmusik IWI Gesangs-Einlagen. -- Auch er hat die Brill' noch auf, und da meint er, er sieht jedes Fleckchen und jedes schwarze Pünktchen in unseren jüdischen Einrichtungen doppelt so groß, als sie sind. Er ist das Gegenteil von jenem Bräutigam! Der hat zu viel Schönes an seiner Braut gesehen, und unser Prediger .... der sieht wieder zu .viel Schwarzes. Der eine hat schon die Brille herabgezogen, der andre wird es auch tun. Und je länger es dauert, Daniel, desto besser. Denn je hastiger einer eine Sache in sich aufnimmt, je fester er überzeugt ist, daß er in der Sache recht hat, desto gründlicher ist dann, seine Besserung. Nur die Menschen nicht zwingen! Nur abwarten, bis das Nachdenken sich von selbst einstellt! Ich möchte mit Euch eine Million wetten, Daniel, daß wir beide es noch erleben, wie der Prediger seine Brille herunternimmt." Offenherzig gestanden, so gut sonst Daniel Kremsier die Brillensprache seines Freundes verstand, diesmal war sie ihm zu „hoch". Noch fühlte er sich izu tief in seiner Ehre gekränkt, an die ihm jener „Hergelaufene" mit seinem Chore so freventlich griff, als daß er sich so leicht zur Weltanschauung Rebb Eisiks hätte erheben können. Dennoch war er zu gescheit, um gegen ihn Einspruch zu erheben; Rebb Eisik hatte etwas von jjber Halsstarrigkeit kluger Leute, die auf einen einmal erprobten Lebenssatz kein Stäubchen der Widerrede wehen lassen. Vielleicht war dies mit der Grund, daß Daniel Kremsier der Aeußerung seines Freundes über den neuen Prediger eine größere Verbreitung verschaffte, als Rebb Eisik selbst wünschte. So gelangte sie auch ans Ohr des neuen Predigers; er ward davon lebhaft getroffen. Der junge Mann mußte sich gestehen, daß sie zwar nicht neu war, aber eine Art Wahrheit enthielt, die er am wenigsten aus dem Munde eines alten Mannes erwartet hatte. Glühend vom Eifer für dasjenige, was er für das Bessere hielt, war er der Meinung, in icdem alten Manne der Gemeinde lauere ein Feind, der die frisch ausgestreute Saat zu vernichten strebe. Wie jedes eifrige und entbrannte Gemüt im Grunde von Nichtdulvung des ihm entgegengesetzten Stoffes ausgeht, den es nicderzuringen sucht, so hatte auch oer junge Prediger vergessen, duldsam zu sein. Jetzt hörte er aus dem Munde eines der ältesten Männer in der Gemeinde die Mahnung, mit ihm selbst, dem Prediger, Geduld und Nachsicht zu gebrauchen. Er fühlte sich davon jkimgermaßen beschämt; zugleich aber entbrannte seine Seele im Zorn, daß man es wagen könne, seine Ansichten zu verdächtigen und ihnen nur eine zettliche Beschränkung einzuräumen. In der ersten Aufwallung wollte er sich darüber auf der Kanzel auslafseu und hatte bereits einen Text dazu gefunden. Aber eine unerklärlich lautsprechende Sttmme in seinem Innern hielt chn zum Glücke von diesem unüberlegten Schritte ab. Die Beschämung behielt die Oberhand. Er beschloß, den alten Mann, den er nur oberflächlich kennen gelernt hatte, aufzusuchen; es zog ihn mehr als gewöhnliche Neugierde zu ihm. An einem Sabbat stellte sich der junge Prediger unerwartet bei Rebb Eisik ein. Der alte Mann war von der Ehre dieses Besuchs lebhaft gerührt; über sein Antlitz flog es wie freundlicher Sonnenschein. Man sah es ihm an, er fühlte sich von der Auszeichnung geschmeichelt. Es ist dies ein Zug, den wir namentlich an alten Leuten.bemerken, wenn sie von jungen Leuten ausgesucht werden. „Wissen Sie, Rebb Eisik," begann der Prediger nach den ersten einleitenden Worten, nachdem ihm der Alte selbst einen Stuhl zugeschoben hatte, „warum ich zu Ihnen gekommen bin?" „Wie soll ich das erraten?" meinte Eisik lächelnd. „Bin ich doch kein Prophet!" „Und doch, Rebb Eisik," rief der Prediger mit leichtem Hohne, „haben Sie vorausprophezeit, daß ich mich in kurzer Zeit ändern werde?" „Wissen Sie also auch schon von meiner Brille, Herr Prediger?" meinte (SifiE ganz unbefangen, ohne im mindesten verlegen auszusehen. „Sie halten mich also für einen Heuchler," rief der junge Mann etwas lebhaft, „für einen, der anders denkt und anders handelt?" Eisik legte wie beschwichttgcnd seine Hand auf den Arm des Predigers.