Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 16 (1918)
- Issue
- Heft 24 (21.6.1918)
- Date
- 1918-06-21
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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i 5tr. 24 Frankfurter Israelitisches Familiendlatt- Seite 5. eng° Geüieß- Auf- '.nid - und Würzburg. Leutnant Kurt K atz wurde mit dem Eis. Kreuz 1. 5kl. ausgezeichnet. Wie«. BlochS „Oesterr. Wochenschrift" verzeichnet in Nr. 23 folgende Auszeichnungen an Juden: lOsfizierskreuz und 5 Ritterkreuze des Franz-Josef-Ordens, 1 Eis. Ikronenorden 3.!kl., 4 Militärverdienstkreuze 3. Kl., 21 silb., 38 bronz. Signum laubis, 36 golb„ 10 filb. Berbienftkreuze, 8 filb. Tapferkeitsmebaillen 1. 5kl., 33 2. Klasse. > die : war die Fa- >. ert, im c die Geld wird auf- «r. i I". hten" rägcr : ein ischen leb erilden, e Beendet;eistv°! ziovoll. diese t mit Ideal eine [3 im Schaft [) als ie ist d ihr nahe- >u«g? iglichreiem oider- »chistimr des n ein labten Den D täuschen Dem entral l, um io fiir S. Interungen , aber darin Worte klichcn Ischule schen tragen?4 830 tauen, Gebiet > Kr., ssrank- Doll., ralien Gesell- G. m. ietätiensti von z und ülbert erhielt Perssualieu rr. kleine Mitteilungen. verki«. Me Berliner medizinische Gesellschaft hat ihren stellvertretenden Vorsitzenden, Geheimen Medizinalrat Prof.'Dr. L. Landau, zum Ehrenmitglied ernannt. Landau hat sich besondere Verdienste erworben durch Tätigkeit bei Errichtung des „Langenbeck-Virchow- Hauses," in dem seit Oktober 1915 die Sitzungen stattfinden. Seit 1903 leitet« Landau gemeinsam nut Geh.- Rat v. Walbeyer-Hartz die Vorarbeiten, um 1907 den Borsitz der Kommission zur Vorbereitung für den Bau des Hauses zu übernehmen; auch gehörte er der Bau- und Berwaltungskommission an. - Berlin. Abg. G o t h e i n führte im Reichstag folgendes aus: „Obwohl neue Zeitungen jetzt nicht genehmigt werben sollen, hat das Blatt „Arbeiterschütz" erscheinen können, ein Schmutzblatt übelster Sorte mit verhetzender antisemitischer Tätigkeit. Es steht fest, daß für dieses Blatt Sonberlieferungen in Papier stattgefunden haben. (Hört! Hört! links.) Ferner steht fest, baß die „Deutsche Zeitung" eine Mehrlieferung an Papier erhielt, als andere Zeitungen sich.längst einschränken mußten, und zwar auf Anweisung militärischer Instanzen. (Lebh. Hört! Hört! links und im Zentrum.)" 8r«»kf«rt a O. Besser Struck, eine Zierde der trabitionStreuen Jubenhcit, verschied kurz vor seinem 85. Geburtstage. Kassel. Ein israel. Gemeindeverein ist gegründet worben. Der Hauptzweck des Vereins ist (neben der anzustrebenben Reform des kurhcssischen Gemeindegcsetzes aus dem Jahre 1823) die tätige Mitarbeit bei allen Fragen und Aufgabe« der Gemeinde. Rach längerer, sehr gründlicher Aussprache wurden die Statuten genehmigt und ei« aus 15 Herren bestehender Vorstand gewählt: Vorsitzende Apotheker Nußbaum und Direktor Ernst Rnbensohn, Schriftführer Rechtsanwalt Dr. Gold» schmibt.und Rechtsanwalt Dr. Elias, Kassierer Bankier Josef Plaut. Karlsbad. Adolf Kolenfeld. Vorsteher der israel. Kültusgemeinbe und Stadtverordneter, erhielt den Titel Kaiserlicher Rat. Memel. Br I amp el-Schwedt, der "bekannte Aeghptiologc, ist zum hiesigen Rabbiner gewählt worden. Wie«. Die Israelit. Allianz verausgabte in der Zeit vom Mai 1917 bis Mai 1918 über eine halbe Million Kronen für die jüdischen Flüchtlinge im Westen Oesterreichs, 1700 000 Kronen an Unterstützungen in 246 notleidenden jüd. Gemeinden Galiziens und der Bukowina und eine Million Kronen in 150 notleidende» jüd. Gemeinden der besetzten Gebiete. — Dem Großindustriellen Leopold Pollack Edler von Parnegg wurde der Freiherrnstand und dem Redakteur des , Neuen Wiener Tagblatt" Ernst Klebinber der Titel Regierungsrat verliehe«. v»dapast. Josef Freund und Frau Irene gev. Böhm stifteten 600 000 Kr. für bas Landesrabbinerseminar und die Israel. Landeslehrerpräparandie. Es soll das angrenzende Haus angekaust und zu einem Internat verwendet werben. Kanftautinopel. Hier sind Dr. Jacobsohn und Dr. Hantke von der Zionistischen Organisation, Dr. Paul Nathan, Dr. Bernhard Kahn u. Professor Sobernhcim vom Hilfsverein der Deutschen Juden und andere Leiter großer jüdischer Organisationen Deutschlands und Oesterreichs eingetroffen. Frankfurter Berichte. Mmosenkaften der Israelitischen Gemeinde. Dein Bericht über bas verflossene Jahr entnehmen wir folgendes: Die Einnahemn betrugen: Spenden zur Verteilung 94312 Mk., Jahresbeiträge 20 575 Mk., Beiträge für Spezialfälle 173662 Mk., Zinserträgnisse 43 408 Mk. — Die Ausgaben: Quartalspenden, monatliche u. sofortige Unterstützungen an 1867 Familien und alleinstehende Personen 304341 Mk., Derwaltungsspesen 19 639 Mk. — Jur letzten Jahre war es namentlich die Preissteigerung aller Lebensmittel, die auch den Almosenkasten gezwungen hat, die Zuwendungen an Bedürftige und Kranke wesentlich zu erhöhen. Die Ausgaben für Unterstützungen erreichten infolgedessen die beträchtliche Summe von 304341 Mark. Das neue Jahr zeigt wieder eine Vermehrung der Ansprüche. Der Almosenkasten muß daher von neuem an die begüterten Glaubensgenossen die inständige Bitte richten: Wenden Sie dem Mmosenkaften einen festen Jahresbeitrag zu ober erhöhen Sie den bestehenden und bedenken Sie uns auch weiterhin bei Freud und Leib." Auch in diesem Jahre galt die besondere Aufmerksamkeit der Fürsorge für verlassene und schützbedürftige Kinder. Unter der Sammelvormunbschaft des Almosenkastens befanden sich im Laufe des Jahres 180 Kinder; weitere 16, die nicht der Vormundschaft unterstehen, mußten versorgt werben.' Die Aufwendungen hierfür verursachte einen Kostenaufwand vv« 32 500 Mk. (im Vorjahre 26184 Mk.). Hierzu trugen bei: Israel. Hilfsverein uitb der Almosenkasten je 7500 Mk., bas Jugendamt 9915 Mk., die Adelheid Geiger-Stiftung 2250 Mk. Der Rest wurde durch den Verein Kinderschuh, die Zentrale für private Fürsorge, bas K. u. K. Oesterr.-Ungar. General-Konsulat, di« Stiftung für gebrechliche oder verwahrloste Kinder, den Landeshauptmann und Freifrau Wilhelm von Rothschild aufgebracht. Die Familie Heinrich T. Bauer hat auch im verflossenen Jahre weitere Spenden im Gesamtbeträge von 6600 Mk. 5»/»ige. Kriegsanleihe dem Heinrich T. Bauer- Fonds zugeführt.' Agudas JiSroel-IugendgruPpe. In der Agudas Jisroel-Jugendgruppe herrscht nach wie vor reges Leben und die Jugend nimmt regen Anteil an ihren Veranstaltungen. In der richtigen Erkenntnis der Wichtigkeit einer geregelten Organisation haben sich aus den Kreisen der jüngeren Mitglieder eine Anzahl Kommissionen gebildet, die bereits eine energische Tätigkeit entfalten. Es ist zu hoffen, daß die intensive Betätigung günstig auf die weitere Entwicklung der Jugendgruppe einwirken wird. Talnmd Thora-Verein. Die Vorträge, die der Talmüd-Thoravereiu am Sabbatabend zwischen dem Mincha- und Maariwgottesbienst veranstaltet, erfreuen sich fortgesetzt eines guten Besuches. An den letzten Abenden besprach Dr. H einem an n im Anschluß an ausgewählte „Sprüche der Väter" bas erste Buch des Kusari des Jehuda Halewi. Die Behandlung des Kusari soll i« den nächster Wochen fortgesetzt werben. Es bietet sich hier jedermann, vor allem auch den Schülern der höheren Lehranstalten, vortreffliche Gelegenheit zur Einführung in den Gedankenkreis eines der größten Denker und Dichter des Judentums. — Der zweite Minchagottesbienst, an den die Vorträge sich anschließen, beginnt ein« Stunde vor Sabbatausgang. Ulf Die Prinzessin. Eine Geschichte aus der Mitte des 19. Jahrhunderts von Leopold Komp ert. (Schluß) Als Roscl diese langatmige Klageschrift ihres ehemaligen Lehrers zu Ende gelesen hatte, entstand eine minutenlange Pause zwischen ihr und Josef. Sie sahen sich gegenseitig an, denn der Eindruck, den das Schreiben auf jeden einzeln hervorgebracht, war ein verschiedener. Da mit einem Male brach Rosel in ein unbändiges Gelächter aus und tanzte auf dem Mühlsteg zur großen Vcrlvunderung Josefs hin und her, den Brief dabei in die Höhe haltend. „Was treibst du, Rosel?" fragte er ernst. „Macht dich der Brief so lustig? Es kommt mir doch vor, soviel ich davon verstanden habe, sagt er dir einige tüchtige Wahrheiten — und dann? Willst du ihm denn nicht den Gefallen tun und aus seinen Büchern lesen?" Da hielt Rosel in ihrem Lachen plötzlich inne. „Josef!" rief sie in einem Tone, der wie Vorwurf klang. „Drin in dem Briefe," sagt« dieser nach einer Weile finster vor sich hinblickend, „da steht es geschrieben, daß man nichts ist, gar nichts, wenn man nicht Kettensatz und Sprachlehre kann oder «in französisches Büch versteht —" „Nun?" fragte Rosel tiefatmend, da Josef innehielt. „Wie leicht kannst du es doch bereuen," sagte er, „daß du dem Ratp des Herrn Arnsteiner nicht gefolgt hast — wird sich's dann in dir' nicht ,rühren und regen, daß du bei uns geblieben bist, bei „ungebildeten" Menschen, wie dein Lehrer sagt, während du —" „Bücher und Bücher hättest lesen können, nicht wahr, das willst du sagen?" rixf Rosel laut lachend und legte ihni die Hand auf den Mund. „Da sieh her, was mir an den Büchern liegt," rief sie, indem "sie an das Geländer des Mühlsteges sprang. ' : ' Lautschallend fiel ein Gegenstand in das'unter ihm dahinströmend,e Wasser. „Das ist die Partizipialkönstruksion!" rief sie, und noch einmal holte sie zum Wurfe aus. , „Und das die Kalypso mit ihrxm Herrn Ulysses, ich brauche sie beide nicht." Auch das zweite Büch fand seinen Weg ins Wassergrab. Vom Mondlicht beleuchtet, trieben' die Bücher des Herrn Arnsteiner noch eine Zeitlang auf der Oberfläche der Fluten hin, bis sie den Blicken entschwanden. „Rosel, was tyeibst dü?" schrie Josef, indem er sie kräftig an der Hand faßhe. „Sei ruhig, Josef," sagte sie müde lächelnd. „Es liegt an den Büchern nichts. Ich habe mir dafür etwas Besseres eingetaufcht." „Du bist ein merkwürdiges Mädchen," sagte Joses, mit der Hand über die Augen fahrend. „Du sollst es aber nie bereuen." Josef hatte den Sinn ihres Tuns wohl verstanden. „Und jetzt komm, ,es ist spät!" mahnte Roscl. Josef geleitete sein Mädchen zum Wagen, oder er trug sie vielmehr. Mit einem kräftigen Schwünge hob er sie hinauf, dann schwang er sich selbst hinan und ergriff die Zügel. „Sitzest du gut, Rosel?" fragte er, ehe er abfuhr. „Ich sitz' wie >eine wirkliche Prinzessin —" „Willst du wissen, woraus du sitzest? Einen einzigen Sack Korn habe ich auf dem Wochenmarkt nicht verkauft — auf hem sitzest du." So fuhren sie «ach Hause. Welche eine Heimfahrt!-» Stille und ahemlose Ruhe, wohin sie blickten und horchten, Feld und Wald nick Dorf im fahlen Dämmerlichte, das allen Gegenständen ringsum ein wahrhaft zauberisches Aussehen verlieh, und durch alle diese Herrlichkeit der Natur das junge Paar hinfahrend, in Gesprächen über den Augenblick, der ihnen jetzt bevorstand, wo sie den Eltern ihr gefundenes Glück verkündigen sollten! Das Hoftor lehnte schon weit offen, als Josef vor dem Bauernhof anfuhr. Die Zügel dem Knechte zuwerfend, der seiner im Hofe harrte, und Rosel vom Wagen herunterzuheben und dennoch sanft niedcrzülassen, war das Werk eines Augenblickes. Arm in Arm gingen sie zur Stube, in der sie die Eltern zn finden hofften. Josef riß die Tür weit auf und schrie sogleich beim Eintritt: „Daher und Mutter! Da bring' ich euch die Tochter, auf die ihr euch so lang' gefreut habt. Rosel und ich sind miteinander eiuig geworden." Rcbb Feiwel und Gitel saßen beim Scheine einer einzigen Kerze am Tische. „Rosel! Rosel!" ries die Bäuerin und wollte von ihrem Sitze aufspringen; aber sic vermochte es nicht, kraftlos sank sie wieder zurück. Da stürzte Roscl aiff sie zu und fiel ihr laut weinend um den Hals. „Mutter, Mutter!" rief sic, „bist du's zusrieoen, daß ich deine Tochter werde?" „Gitel! was habe ich gesagt?" rief mm seinerseits der alte Feiwel. „Habe ich nicht gesagt, sie sind jetzt beisammen und werden miteinander eines Herzens?" S'Gotts Willkumm, mein Prinzessel! Gott soll dir's zahlen, was du an uns tust, und daß du in unserem Hause bleibst." Seine Stimnie brach fast in tiefer Bewegung. Aus Gitels Umarmung richtete sich jetzt Rosel auf und reichte dem alten Bauer ihre Hand, die er herzhaft ergriff. Zwischen Tränen lächelnd sagte sie: „Deiner Babe Märchen hat doch recht gesagt. Aus der Prinzessin ist eine Bäuerin geworden." „Wie ein Prinzessel sollst du aber auch gehalten weÄen," sagte Feiwel. Endlich ermannte sich auch Gitel. „Kinder, meine Kinder!" rief sie, „ich frage gar nicht, wie das so gekommen ist — und wenn ich auch nicht absehe, wie euer Zusammenfinden zn einem glücklichen Ende führen soll — ich frage nicht weiter darum und beschwere mir nicht mein Herz in dieser gesegneten Stunde! Ich überlass' das Gott, der mag tun, wie ihm wohl gedünkt. Einstweilen aber will ich euch meinen Segen geben. Komm her, Joses, und stell dich da neben meine Tochter Roscl. Ich will euch benschen." Stille ward cs in der Stube; der Segen einer alten guten Frau und Mutter stieg lautlos zum Himmel auf. * * * Fast sollte mau sagen, es verstehe sich von selbstdaß sobald Rosels Liebesgeschichte aus deni eng umfriedeten ~ Kreise des Bauernhofes in die Oeffentlichkeit trat, Hindernisse auf Hindernisse sich türmten. Kann man der Welt die zarten, geheimnisvoll gesponnen Fäden zeigen, aus denen solch .ein Gewebe besteht? Sie greift daran mit plumper Hand, und ob es reiße oder nicht, — sie fragt wenig darum. Nur langsani löste sich das Entsetzen, in das Hannele Ehrenfeld von dem Briefe, der die offene Mitteilung des Geschehnisses enthielt, versetzt worden war. Sie selbst war aufs Dorf hinausgekommen, und Rosel hatte ihr in die alte Heimat folgen müssen. Wie eine Löwin, der man ihr Junges geraubt, hatte sie das Mädchen aus dem Schoße des Bauernhauses gerissen. Bon der ehemaligen Freundschaft war nicht mehr die Rede; nur die beleidigte Mutter, die gekränkte reiche Frau liest""**' sich hören. Nie waren so viele Tränen, niemals so böse Worte aus dem Bauernhöfe gefallen als damals. V