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Neue jüdische Presse · 1918-06-21 · Heft 24 (21.6.1918) · p. Seite 6

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
16 (1918)
Issue
Heft 24 (21.6.1918)
Date
1918-06-21
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nicht Spott, nicht Hohn, nicht das bald, schmeichelndebald gewaltsame Zureden-, der. Mutter, vermochte Rosel abtrüimig zu machen von dem,.dem.sie sich aus. freier Wahl und selbständiger Anschauung, zugesellt hatte. Aber, als sechs. Monate vorüber waren, war das Aussehen Rosels cbenso, als es, vor ihper Abreise aufs: Dorf gewesen. Diesmal konnte Hannele. beinahemit mehr Rechr sagen als früher: das, was ihrer Töchter fehle, sei ein „zu groß" Herz. .. . Es bedurfte des ganzen. Anseheus, dessen der Doktor Prager vermöge seiner Stellung, in der Gemeinde genoß, um Hannele im entscheidenden Augenblicke, indenr er ihre Hartnäckigkeit für die Folgen verantworllich machte, endlich umzustimmen. , „So mag sie denn eine Bäuerin werden!" rief sie, „wenn, sie Lust dazu hat!" Ein: ganzes Jahr. laug, kam. Hannele Ehrenfeld nicht zu. der einzigen und doch , so geliebten Tochter Mfs Dorf; sie schrieb: ihr. auch nicht und. ließ .sichnicht schreiben. Zu-, hoch: gingennoch die: Wogen ihrer, aufgeregten Stimmung. Wenn: man fraAe,. wie. es: ihrer Tochter gehe, konnte sie,bitterböse.werden,.oder:sie antwortete: I „Fetzt wird, sie gerade: Erdäpfel, aussetzeu," oder: „W 1 e r Sie vielleichtvon ihr ein paar: Pfund Butter kaufen'? Soll ich: 3$nar dem Einkauf versorgen?" Aber, als das erste: Töchterchen auf dem- Bauernhöfe geboren: wach,' konnte sie: sich: schon ans- Rücksicht für. die „Well", die jetzt nach vollendeter: Tatsache füv Rosel. entschieden- Partei ergriff — und ihrer, lange zurnckgedrängten Sehnsucht nicht mehr, entziehen. Sie kam. Zunder: Wille, des-Wohlseins, der Liebe und. des Glückes, von denen: sie. ihre- Tochter umgeben fand- , ging ihr das Herz vor Wonne auf; sie gewamr. die, An-< schauung, daß. Rosel einem Zuge gefolgt, war, der sie mftten in eine von Gott und Menschen gesegnete Häuslichkeit versetzt hätte. Erst jetzt erfolgte aus tiefster Ueberzeugung. ihre,volle MnwMglMg. Das Töchterchen aber, die erste Blüte am Bäume der neu sich verjüngenden. Familie, nennt der. alte Bauer in seiner. Liebe und Erinnerung an Rösels Eintritt in sein Haus nicht anders als: „Mein kleines Prinzesselr". Literarische Ehrmrik: Neue Jüdische Mon-aishefte.- Heft 15 u. 16. Sonderheft. Preis 1 Mk. Inhalt: Tie Religion der Vernunft auS. den Quellen des Judentums (Hermann Cohen). — Hermann Cohen (Prof. Dr, Ernst Cüssirer). — Nachruf an Hermann Cohen (Geh. Regierungsrat Prof. Dr: Paul Nätorp). — Hermann Cohens Philosophie des Judentmns (Dr. Jaeob Klatzkin). — Die religionsphilosophische, Bedeutung Hermann Cohens (Dr. Beuzüm Kellermann). — Zur Erinnerung an Hermann- Cohen (Pros. Dr. Karl Joel). — Ser Dozent (Dr. Franz Rosenzwerg). — Cohen-Bibliographie (Dr. Bruno Sttauß). Aus Jvüs Arb«t: „Ja, er war ein reiner Idealist, sozusagen ein Monotheist nicht nur in der- Religion; sondern — im- Gegensatz zu Goethe — auch in Philosophie, Kunst und: Lebe». Er Franksurter Israelitisches Familie,iblati. duldete.keine MelgLtterci starrer - Begriffe- und: dogmatischer Substanzen, er. haßte: aber: auch das: Ausschwellen des Gefühls-inMhstir:und: Pathetik wie die nackte Machtentlabung der Triebe, er verachtete das denkfreie Leben von der Tiefe des Justintts. und. der bloßen Siunesempfindung bis zur-Höhe:der Intuition; denn in: ihm war-das Fühlen und- Wollen eins mit dem Denken, das in ihm gewiß nicht als blutlose Abstraktion dahinsickerte, vielmehr kräftige Muskeln zeigte, bas in ihm einfach bas Organ für Einheit und Ordnung-war> für die Zucht des Geistes. Er mußte die Natur so: mathematisch: und:die Kultur so: juristisch: deuten, weil er:die Wett nur fassenko mite in Maß<und Rech, mir in: bei'Gesetzlichkeit, die als das Wahre ihm widerklantz in der: Ordnung des Guten und. in der Harmonie des Schönen. Er war eben ein Denker, weil er ein Mann der Zucht war und als solcher wahrlich ein Erzieher der Zeit. Demi einer. Zeit/ die sich nur der Fülleäußerer Lebensreize hingab undsich besinnungslos tragen ließ vom- Rausch der Geschehnisse ... der tat ein Mann iwt, ein stählerner, der wieder einmal die Sprach des. Absoluten sprach, der Mark und Muskeln brachte in diesen wirren Nerventaumel und echtes-' Metall irr diesesunlautere- Marktgetriebe des Geistes- . . . In der Zeit-unendlicher Möglichkeiten forderte er Notwendigkeit, in der-Zeit vielseitiger Bermitttungen suche; jabrauchte er Kampf, immer nur K-ampf, aber Kampf immer nur für die Einheit; denn aller Dualismus war chm ein Greuel, und' Bergsons Seelcnantithese von Intuition und Verstvnd war ihm-nicht nur ein Irrtum, sondern eine Sünde, da ihm das Wahre eins war mit dem Guten: In dieser Zeit' der blendendsten, streitendsten Widersprüche genoß-er säst allein das hohe Glück der Einheit und' Ganzheit, der seelischen Geschlossenheit, undlebte es aus seiner- Seele heraus bis: zum Höchsten und fand in Gott wesentlich die- Sanktion unddas Siegen fürdie Einheit von Natur und Sittlichkeit, für die Einheit von Ideal und Leben." Ueber bas Werk „Syrien als Wirtschaftsgebiet von Dr. A. R u P p i n. 419 Seiten. Berlin 1917, Kvlonial-Wirtschaftskomitee" schreibt die Berliner Halbmonatsschrift „Der Neue Orient": ,Mer sich irgendwie mit dem Studium der wirtschaftlichen Verhältnisse Syriens beschäftige» will oder wer praktische Interessen irr jenem Lande zu vertreten hat, kann an dieser ausgezeichneten, grundlegenden Arbeit nicht vorübergehen. In einer eingehenden Weise werben alle Seiten des Wirtschaftslebens einer gründlichen Prüfung unterzogen, die durch persönliche Anschauung — der Verfasser hat gegen 10 Jahre in Syrien int Dienste des jüdischen Kvkrnisationswcrkes. gestanden: — in glücklichster Weise. unterstützt wirb. Nach einer kurzen Skizze von Land und Leuten widmet Ruppin einen breite» Raum der: Darstellung' der landwirtschaftlichen Verhältnisse, wobei er auch-mit eigenen praktischen Vorschlägen nicht: zurückhält; in: diesem-Abschnitt: erkennt. man ganz besonders die sichere Führung durch eine sachverständige Hand mit reicher prak-- ttscher Erfahrung. In ähnlicher Weise, werden dann Industrie, Handel und Verkehrswesen in drei großen Abschnitten abgehandelt, denen sich eine fesselnde Darstellung der Lebenshaltung in Dorf und Stadt anschließt. Das Werk, birgt eine so außerordentlich große Fülle von wichtigen Angaben in trefflicher Gruppierung, baß auf Einzelheiten hier nicht eingegangen werben kann. Es ist nahezu einvollständiges Kompendium des syrischen Wirtschaftslebens, und wirb, gerade jetzt, too die aus eine Ausdehnung der jüdischen. Siedelung in Palästina hinzielenden Bestrebungen eine erneute Belebung-erfahren-haben; vorzügliche Dienste:leisten; zumal ein eingehendes-Sachregister die Benutzung, erleichtert." Ieschur n n. Monatsschrift für Lehre und Leben im Judentum. Herausgeber: Dr. I. Wohlge.muth. 5. Jahrg:, 5. u. 6: Heft: Berlinkl. 24: Nr 24. Aus denk Artikel des Herausgebers seien hier fölgendi Stellen wiedergegeben: . . : : ml „Die Verelendung der Judenheit. schon vor dem Krieg, ein furchtbares- Problem, droht infolge der wirtschaftlich« Umwälzungen; die der. Krieg herbeigcführt, noch, größer« : Umfang anzunehmen. Und cs-müßte, wenn die. west - europäische Judenheit die Möglichkeit hat, der Ostjuden -U heit zu politischen Rechten zu verhelfen, die ihr v« “1 Daseinskampf erleichtern, alles angewandt werben, u» ° das größtmögliche Ausmaß von nationaler Autonome .herauszuschlagen. Unseres Erachtens hat hier bas gesetzes treue Judentum Deutschlands nicht das Recht, eigene Weg zu gehen. Es ist nicht befugt, ganz allein aus. eigenen Ermessen zu entscheiden, welche. Wege eingeschlagen werde, müssen, um die rechten Lebensbedingungen für. die. Ost judenheit zu schaffen. Darum können wir es' nur bc . dauern, baß die gesetzestreuen Organisationen Deutsch lands nicht in die Biod (Bereinigung jüdischer Qrganisa 1 timten Deutschlands), die. sich jene. Ausgabe gestellt, hat ‘ eingetreteii sind." ,Mir meinen vor allem, daß die Erklärung, Dr. Kohns „Nun -durch mich politisiert, und. zwar im propolnische, — Sinne" von der Jgudas-Jisroel scharfzurückMviesen.wer si den müßte. Es ist völlig' unerfindlich, in welcher Bezieh»» die Politisierung-der gesetzestreuen-Juden-Polens in pro 2! polnischem Sinne, zu dem: „Zweck: der. AgudaseJisrvel ., steht, der „Lösung der jeweiligen jüdischen. GesamthM- «, aufgaben im Geiste der Thauroh." m Oberdoch?! Es ist inder Verteidigungjenes: Bor gehens mit Sätzen operiert-worben; man dürfedie: Jud« — Polens nicht der Blutrache der Palen ausliefern: Ich muj gestehen, daß diese starken- Worte ansmich: nicht den be absichtigten Eindruck gemacht; daß sie mir: durchaus: al keine Rechtfertigung dafür jerscheinen, daß: die: Agndas Jisroel sich in die innere Angelegenheit einer Bevölkern» einmischt; diedas: Strebenhat, aus: eigener: Kraft: ihr politischen Rechte zu erwirken. Wie kommt : die-. Agubaot Jisroel dazu, darüber: zu entscheiden, ob: die Juden Polen - für die Erweiterung: ihrer. Rechte, ihre Haut: zu: Markt e(, tragen sollen? Wo sitzt die Instanz, die diese Frag halachisch entschieden hat? Wobei mir es noch immer al eine zummindesten offene. Frage erscheint; ab man »ich : das Recht hat, sein Lebenindie Schanzezu. schlagen, wen, xg es: gitt; ein ganzes Geschlecht: von helotischer Entrecht»,, und allen ihren Folgen zu schützen, der Verarmung;- de m Dezimierung durch Krankheiten wie Tuberkulose, Hung, typhususf. Schließlich hat auch ein R. Akiba. den Bo: Kochba-Aufstanb in die Wege geleitet, und: nicht: die Frag, der Blutrache der Römer in die Wagschale geworfen. . . . . Und wenn nun behauptet wird;.daß-die Spreche der Agudas-Ho-vrthodoxim'. von der: Ueberreichung: bei Adresse an den Staatsrat an bis auf die heutige Zeis mit ihrer geflissentlichen Betonung, die Juden: Polo», wollten nur als Religionsgemeinschaft gelten, den- Bvii kämpfern für die nationale Autonomie in den Rücke» gefallen sind, so kann ich nicht sehen, wie diese BShauptmi« entkräftet werden könnte. Damit ist den Polen, eine Wafss in die- Hand: geliefert, die sie, jederzeit verwendenkönne, und auch verwandt haben, um:je dem Anspruch;.dvr übe bas Recht der Konfcssioiisgemeinschaft hinausgeht, abzi, lehnen." Literarische Notizen. Zwecks Förderung des hebräischen Schriftstellertu, und der hebräischen Literatur hat der Moskauer jüdisch! Millionär und Mäcenat Stiebel anden in WarschaD lebenden hebräischen- Kritiker Ljachower dieschvistlick » Aufforderung gerichtet, um die Bildung eines- Zirkels h> bräischer Schriftsteller in W a r s ch a u bemüht zu sein. AI vorläufiger Geldbettag: wurden Herrn Ljachower 1006 MI überwiesen.- -; . Das-- Allgemeine jüdische Krankenhaus „Schaa^eZedek“ zu bittet für seine Kr anJacjen. Organisation rein europäisch. ftolierhäuser ftbr Ansteckende. Gescbäftsleitung: Frankfurt: am Main. Aufnahme, unter schieclaLoa für Alle:-. HäöhsteAneEkenmmgailer Behörden. " Postscheckkonto No. 7785 Frkft. a. M: hält' sich förgewissenhafte TJehernahme voa Stiftungen empföhlen. . ***-, Zimmer-, tFabrzelt-, Credenktafel-Itlftun^en« Man: fordere die Bedingungen ein- Briefe -an richten nach ßöderhergweg^^63. S I XimsffitSi^ern Srapfift; □ Lmmtzewerbr. l[M' Stylvolle womelmie/Einrahmungen: in-eigenen Werkatfittfn- M»-.Grlasereä. — MMikMlWW findet Stellung. £teUeurenidttliuig> d..nelbl Pfirsorgo,, Langestr, 30vr

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