Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 16 (1918)
- Issue
- Heft 24 (21.6.1918)
- Date
- 1918-06-21
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Frankfurter Jfraelitifches Famifieilblatt. Ei T. Rodchnn, Herrwisohnefder Frankfurt a. Main, IMedensstrasse Ho. 1 Telephon: Börner 3650. VEHSTE MASS-SCeifEIDEBEI. Auf Wunsch koschere Verarbeitung. Buber betont, baß bas jüdische Primat nicht gerade bas nationale Judentum sein müsse, daß es voll auch denen zuerkannt werben müsse, die religiös im Sinne der Ueberlieferung leben. (Und deren Vertreter auf der Versammlung Worte gefunden hat, die mit zu den Höhepunkten des Abends gehörten.) Aber er spricht eö denen ab, die mit Frl. Dr. Berliner ein deutsches Primat in. jüdischer Seele zulassen und verneint die Möglichkeit einer Verständigung mit ihnen. „. . . Zu wissen, es lebt ein jüdisches Volks tunt und kämpft um seine Erlösung und nicht zu bitten: Laßt mich^mitkämpfen! — zu wissenes ist ein neues Herz des Judentums im Werden und nicht erzitternd zu fühlen : Meine ganze Sehnsucht fliegt dahin! »— nein, bas ist nicht jüdisch, und das ist nicht jung!" Diese einzige Grundlage, auf der eine Verständigung möglich ist: bas Axiom des jüdischen Primats, hat in Berlin gefehlt; sie der gesamten jüdischen Jugend zu geben, muß die Aufgabe unseres Kampfes sein. Es ist von uns zur Herbeiführung dieser Grundlage der Gedanke des Inge nbtageS in die Debatte geworfen worden, der freien Selbstentscheibung der Masse der jüdischen Jugend. Dieser Jugenbtag wirb kommen. Für unsere eigene Jugend bedürfen wir der Manifestierung des jüdischen Primats nicht; der weder nationalen noch gesetzestreuen Jugend aber müssen wir die Gelegenheit geben, sich über sich selbst und ihr jüdisches Sein llar zu werden. Und darum beginnen wir unser „Berstänbigungswerk" von neuem und auf der Basis, auf welcher es bereits Früchte zu tragen begann, ehe der Apfelsche Versuch, die Gemeinsamkeit des Empfindens zu „organisieren", so llar zeigte, wie fern noch allem Gleichllang der Seelen such. Die Verständigung von unten herauf, die Erörterung der jüdischen Lebensftagen iw lleinsten Kreis durch die Führer muß am Ende zur Anerkennung des jüdischen Primats auf allen Seiten führen, oder muß zeigen, welche Art Menschen ein für allemal auszuscheiben haben aus dem Kreise derer, mit denen sich zu verständigen wünschenswert bleibt. „VICTORIA« Erste Berliner Wascherei und Glanz-Plätterei Hans« Tel. 2002. || GntiCQtStfSSSG II. Hanta Tel. 2002. Spezialität: Kragen, Kangehetten und Hemden. Soziale Fürsorge für Mische Nerveu- «ud Gemütskranke Von Hermann Seckbach (Frankfurt a. M.). Die Betätigung im Dienste der Nächstenliebe gehört zu den höchsten Idealen des Judentums. Und wenn wir Umschau halten unter den weitverzweigten Werken jüdischer Wohltätigkeit, so erfllllt eS uns mit besonderer Befriedigung, feststellen zu können, in welch außergewöhnlichem Maße die soziale Fürsorge ausgeübt wirb. Deniwch gibt es ein Gebiet, bas leider noch nicht genügend Beachtung findet, und auf welchem es jetzt mehr als je nötig ist, helfend einzugreifen. M ist dies die Sorg e für geignete Unterbringung jüdischer Nerven- und Gemütskranker. Seit Jahren ist es jedem, der Gelegenheit hatte, in die häuslichen Verhältnisse solcher Kranken Einblick zu hallen, llar, baß hier im Interesse der bedauernswerten Famllien etwas geschehen mutz. Ich sage: der Familien, denn in der Tat, nicht nur der Kranke, sondern auch seine Angehörigen empfinden es hart, baß zur Unterbringmig des Patienten in einer jüdischen Heilstätte fast keine Möglichkett vorhanden ist. Wenn man in Betracht zieht, um wieviel schwieriger die Zustände in dieser Hinsicht durch den langdauernden Krieg geworden sind, wie die seelischen Wttkungen die Zahl der Gemütskranken vermehrt haben, und wie vor allen Dingen die Sorge für unsere nerve nleibend an Kriegsbeschädigten auf uns lastet, so kommt man zu dem Ergebnis, baß es höchste Zeit ist, zu dieser Frage Stellung zu nehmen. Es liegt in der Natur der Sache, daß auf anderen Unterstützungs- und Fürsorgegebieten im allgemeinen nur dort Hllfe geleistet wird, wo eine sichtbare Notlage, sei cs infolge ärmlicher Verhältnisse, sei es durch langdauernde Krankheit oder in sonstiger sozialer Beziehung einaetreten ist. In allen diesen Fällen können wir die wohltuende Wirkung der bargebrachten Hllfe beobachten und neue Anregungen zugunsten der Hilfsbedürftigen schöpfen. Nicht so bei den Nervenkranken. Daß bisher in ^der Fürsorge für diese weniger geschehen ist, ist wohl darauf zurückzuführen, well derartige Kranke unseren Blickn eittzogen und ohne weiteres in die allgemeinen Heilstätten .verbracht werden. aaMMdtfe: WaS für ein Gewissenszwang in religiöser Hinsicht hiermit verbunden ist für solche, bl« nicht ausgesprochen geisteskrank sind und denen bewußt ist, wo sie sich befinden, läßt sich denken. Ungezählten Familien wirb hierdurch das Maß ihrer Leiden erhöht. Hier sofort Abhllfe zu schaffen, ist, wie zugegeben werben muß, nicht leicht, aber der jüdische WohltätigkeitssinN hat schon schwierigere Probleme gelöst. Wenn die vorhandenen Organisationen sich dieser so wichtigen Angelegenheit annehmen, und wenn alle Kreise ihr oft bewährtes, tatkräftiges Interesse aufs neue bezeugen, dann wird und muß es gelingen, die geeignete Unterbringung dieser bedauernswerten Personen zu ermöglichen. Gerade in der schweren Zeit jetzt, die wir durchleben müssen, und die so gewaltige Anforderungen an die Nerven eines jeden stellt, fehlt eS sicher nicht an Verständnis für die Wichtigkeit und Bedeutung dieser Fürsorge. Aus aller Welt. Men. Audienz beim Minister de» Innern. Die Vertreter b«S „Jüdischen Nationalvereins" und der zionistischen Organisation Robert Stricker und Adolf Stand haben beim Minister drL Innern Grasen Toggenburg vorgesprochen und gegen die Art der neuesten BevölkerungSzählung in Galizien, insbesondere in Lemberg, und die Behandlung der in jiibischer Sprache erscheinenden Organe in Galizien Protest erhoben. In der Ausschreibung der Konskription in Leinberg wurde die Angabe der jüdischen Umgangssprache mit Gelb- und Arreststrafe bedroht. Die Jüdischnationalen verwahren sich gegen diesen unsittlichen Zwang und protestieren schon jetzt dagegen, daß auf Grund so erzielter falscher Ziffern irgendwelche pplttische Maßnahmen getroffen werden. Sie verlangten ohne weiters Abhllfe gegen die Lemberger Zensur, welche von den in jüdischer Sprache erscheinenden Zeitungen deutsche Uebersetzungen für die Borzensur verlangt und dadurch, daß sie dieses Verlangen auch auf Inserate und Sammälisten ausdehnt, das Erscheinen dieser Zeitungen in Frage stellt. Wenn man bedenkt, daß die Wiener und Krakauer Zensur anstandslos jüdische Manuskripte behandelt, muß bas Vorgehen in Lemberg als schikanös znrück» gewiesen werden. Graf Toggenburg erwiderte den Herren, daß ihm von einer burchgeführten oder geplanten Volkszählung nichts bekannt sei. Es könne sich im vorliegenden Falle lediglich um Aufnahmen zum Zweck der Aufteilung der Lebensmittel ober anderer administrativer Maßnahmen handeln. Es ist ausgeschlossen, baß aus diesen Zählunge» irgendwelche politischen Konsequenzen gezogen werden, ebenso erscheint es ausgeschlossen, daß jemand, der ajls Umgangssprache die jüdische angibt, hierfür bestraft werden kann. Uebrigens gehe der Wunsch vieler großer Parteien des Parlaments dahin, die Rubrik „Umgangssprache" durch die Aufnahme der Rubrik „Nationalität" in den VolkSzählungsbogen zu ergänzen, wodurch herrschende Unklarheiten gewiß beseitigt werden. Die Lemberger Zensur sei formell im Rechte, wenn sie Uebersetzungen in einer staatlich anerkannten Sprache fordert, doch werde er sein möglichstes tun, um die geübte Praxis zu mildern. ..Analphabeten." Im ungarischen Wahlrechtsausschuß empfahl der Berichterstatter Arpad Faluszy eine Verordnung, durch die ausgesprochen wird, welche lebenden einheimischeii Sprachen es sind, in denen das Lesen- und Schreibenkönnen die Wahlberechtigung erteilen soll. Abgeordneter Pollonyi ftagte, ob auch die jiddische Spräche die Wahlberechtigung geben werde (Heiterkeit), da diese Sprache in vielen Orten in Gebrauch sei. Samuel Bakonyj meinte, man dürft nur solche Sprachen anerkennen, welche „geschichlliche Bildungen" sind. Ministerpräsident Weierle erllärte hierauf, baß von den zahlreichen in Ungarn tatsächlich gesprochenen Sprachen . niemand die tschechische, polnische, jiddische, zigeunerische, wendische und slowenische Sprache anerkennen könne: deswegen beantrage ier folgenden Passus: „Außer der ungarischen Staatssprache sind diejenigen Sprachen als heimische, lebende Sprachen anzusehen, welche die.Protokollsprache irgend eines Municipiums oder einer Ortsgemeinde bilden. Die Liste der Sprachen wird das Ministerium im Erlaßwege ftststellen." Dieser Antrag wurde angenommen. — So ist es also um die ungarische Demokratie bestellt, baß in ihrem Sinne alle als Analphabeten vom Wahlrecht ausgeschlossen werden, welche nur ihre eigene Muttersprache schreiben und spreche« können, sofern diese Sprache nicht Gnade in den Augen der ungarischen Regierung gefunden hat. „Jüb. Ztg. Wien." Großbritannien. London. »ie Einberufung der rnsfischen Inden. Die Behörden bewirken mit Strenge die Einberufung der russischen Juden. Me dadurch in russisch-jüdischen Kreisen Englands entstandene Entrüstmig benützt ein Teil der englischen Presse zu antisemitischen Angriffen. Die in Manchester stattgehabte Konferenz der englischen Poale Zion hat dagegen folgenden Beschluß gefaßt. „Die 13. Konferenz der jüdisch-sozialistischen Arbeiterpartei protestiert sehr scharf gegen die niedrige« Angriffe einies Telles der englischen Presse gegen die ausländischen Juden. Diese Hetze ist der Ausdruck eines sehr starken Antisemitismus, der sich unter der Ausrede vcrbttgt, er sei bloß „antialien" gegen die Fremden. Dieser Anttsemitismus richtet sich gegen den hilflosen Tell der jüdischen Bevölke- - . N Nr. 24 5tr. 2 rung, denn dieser ist hflflos, weil er keim Presse in englischer Sprache hat, in der er seine Meinung und seine Gefühle ausbrücken kann." Die Resolution wendet sich schließlich an die englische« Arbeiterorganisationen mit der Aufforderung, sie sollen protestieren gegen die niedrige und organisierte Hetze, die gegen die höheren Gefühle und Traditionen der englischen Nation verstoßen. Türkei. Zn« Brand 1« koustantinopel. Konstantinopel hat schon manche Feuersbrünstc, die ganze Straßenzüge nieberlegten, gesehen. Aber noch nie war eine Feuersbrunst von solchem Umfange wie die/ die jetzt bas türkische Viertel verheerte. Viele tausende Famllien sind obdachlos und zu Bettlern geworden. „L'Anrore", die Konstantinopeler jüdische Zeitung, erläßt einen Aufruf an die Judenheit der ganzen Welt, im Hinblick auf die gerechte Behandlung, die von jeher die Juden in den türkischen Ländern erfuhren, freigebig Geld zur Linderung der Not zu spenden. Dieser Auftuf wird .sicherlich überall in der Judenheit mit Wohlwollen ausgenommen werben. «ns der Misrachi-Vewegvng. Hamburg. An einem Artikel de» LberleHrerS Dr. Arnim Blau „Nationaljubentum und gesetzestreues Judentum" in der hiesigen Monatsschrift „Jüd. Nachrichten" heißt eS: „Auch wir Misrachisten betrachten uns als die Träger des Gottesworts u„b find nicht gewillt, auch nur ein Titelchen dieser erhabene« Mission irgendeinem zionistischen Ideal zuliebe preiszugeben. Auch wir leben der Ueberzeugung, baß wir die assirijah des Prophetenworts bilden, daß wir zu jenem Zehntel gehören, von dem der ewige Bestand des Judentums abhängt. Aber uns von der zionistischen Bewegung, dieser gewaltigen Neuerweckung der Gesamtjudenheit aus Mißtrauen und Aengstlichkeit fernzuhalten, — nein, bas können und wollen wir nicht. Keineswegs sind wir verblendet genug ober ist unsere „Parteibrille" derart „von Begeisterungsnebel getrübt, baß wir in der Errichtung des zionistischen Ideals baS Endziel der von uns ersehnten vollkommenen, gottgewollten Staatsverfassung erblicken; diese ist vielmehr und bleibt vorläufig ein Ideal, und ist mit menschlichen Mitteln ebenso wenig erreichbar wie das Ideal des ewigen Friedens. Aber der Zionismus ist doch eine Erhöhung des Begriffs Jude-Sein, des Menschentums im Judentum, ist doch die beglückende stolzbewußte Botschaft an den Kleinsten und Letzten unter uns Inden, sich als Träger und Bruder einer Welteinheit zu fühlen, sie ist kein Messiasruf, baß wir erst ftagen müßten: Seid ihr Sendboten Gottes, wollt ihr bas Gottcsreich unS nahebringen? Wo ist euer Freibrief, wo eure Beglaubigung? Sondern etwas ganz Irdisches soll geschehen, die Möglichkeit soll geschaffen werden, baß „ein freies Volk auf freiem Boden" stehe, — und das sollte dem Thoraideal zuwiderlaufen." Luzern. Der VolkSabend der MiLrachi. gruppe nahm bei zahlreicher Beteiligung einen stimmungsvollen Verlauf. Nach den Begrüßungswortcn des Vorsitzenden, Benny Dokow hielt Louis Braun ein Referat über seine Eindrücke auf dem jüngst stattgehabten Delegiertentag des' schweizerischen Ziomstenverbandes. Den Höhepunkt des Abends bildete der Dortrag Dr. I. Olswange r-Basel über „Die Geschichte der hebräischen Sprache und ihre Bedeutung für das Judentum." Dem Vortrag schloß sich eine anregende Diskussion an. Bafel- Am 9. de versammelten sich im Cafö Central alle Juden, die sich für jüdische Fragen iitteressieren, um dem von der Misrachi veranstaltete« Diskussionsabend für Zionismus, Misrachi und Aguda, beizuwohnen. S. Cohn, der Reftrent, verstand es sehr gut, die Unterschiebe, Prinzipien und Fragen dieser drei Bewegungen zu schildern. Daraus schloß sich eine äußerst sachliche, aber lange Diskussion an. Dieser Abend hatte auch darin einen Vorteil, baß Herr Cohn bei seinem Schlußworte einen positiven Vorschlag brachte, der sich bald verwirklichen soll. Nämlich die Gründung einer hebräischen Fröbelschule für Kinder von 3—6 Jahren. Zionistische Nachrichten. Haag. Die Spendeneinkünfte desJüdischen Nationalfonds haben im Mai 153 285 Frs. betragen und vertellen sich auf folgende Länder: Oesterreich 74830 Kronen, Deutschland 29596 Mk., Polen und Litauen, deutsches besetztes Gebftt 28372 Mk., österr. bes. Gebiet 4789 Kr., Nordamerika 2987 Doll., Ungarn 14 036 Kr., Südafrika 331.5,11 Lstr., England 256.12.10 Lstr., Frankreich 3208 Frs., Holland 1316- Fl., Canada 420 Doll., Argentinien 286 Doll., Schweben 771 Kr., Australien 43.17.6 Lstr. Der Krieg «nd die Inden. Frankfurt a. M Nathan Koschland. Gesellschaster der Herrenklelderfabrik Bender & Gättmaim, G. m. b. H., erhielt für seine besonders hervorragende Betätigung in der Frankfurter Belleibungsstelle das Verdienstkreuz für Kriegshilfe. — Vizefeldw. Benno Fleischntann, Sohn von Sigm. F., Mauerweg 22, erhielt bas Eis. Kreuz und wurde zum Leutnant befördert. Max Wertheimer, Teilhaber der Firma Albert Seewalb, erhielt bas Eis. Kreuz 2. Kl. Salomo» Steigerwalb, Ostendstr. 12, erhielt baS Verdienstkreuz für Kriegshilfe. WS, Eis. Ki Wie Nr. 23 f, zierskreu Eis. Kro 21 silb., Berbiensi 2. Klasse Per «er schaft Medizin, ernannt, durch T finden. Rat v. Borsitz i bes Ha, und Be Bei aus: ,,£ den solle ein Sch semitisch Sonberl Hört! l tung" e Zeitung, Anweisu links ur Fra traditio, 85. Geb «Ns gründet anzustre aus de, Fragen gründlic und ei« sitzende benso schmit Josef Kai Israel.! Titel K Me Aeghpti, worden. «i der Zei Mllion Oesterv notleibc und eil meinber von dem Re bind e vn Böhm ] und bi angrenz wendet «a Dr. H Paul Sobe und an lanbS De folgend Di 94312 Spezia Die A Unterst sonen IM le aller! hat, bi lich zu reichte, Mark. Anspri an die richten beitrag Sie u. Ai feit de Unter fanden die ni, Werber Kosten, Hierzu kästen Geiger Verein