Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 16 (1918)
- Issue
- Heft 23 (14.6.1918)
- Date
- 1918-06-14
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Die GrziehtMLswoche in Rürsberg. Es war ein glücklicher Gedanke der hiesigen israettliscken Gemeindebibliothek, dag sie der vom Landrsverci» für' innere Mission anberaumten Erziehungswoche eine parallele Veranstaltung zur Seite stellte. Ten Reigen der Vorträge eröffnete Rabb. Dr. Freu - benthal mit dem Thema: „Grundsätze jüdischer Erziehung." Tie Erziehung habe sich weit über bas schulpflichtige Alter hinaus zu erstreb» i nb umfaßte ebensogut das weibliche wie das männliche Geschlechr. Bei. letzterem sei allerdings ans die Bestimmung der Frau, in erster Linie Priesterin des Kaufes zu sein, bedacht zu nehmen. Ausgang und Zielpuiikl der Erziehung sei eine einheitliche, rein idealistische, religiöse Weltanschauung, die in dem biblischen Satze gipfelt: „©eilig sollt Ihr sein, denn heflig bin ich, der Ewige." ’ Demgemäß warnte der Vortragende ebensosehr vor dem einseitig rationalistischen wie vor dem realistischen Erziehungsideal. Auch die humanistische und chauvinistischvölkische Richtung lehnte er in ihrer starren Einseitigkeit ab. Tie üblichen in der Pädagogik ausgestellten Ziele seien wohl Unterstufen, aber Line Höhepunkte des Erziehungswerkes. Im Gegensatz zu ihnen charakterisierte er bas jüdische Erziehungsziel, das aus eine harmonische Ausbildung des Geistes, des Herzens und des Charakters, Umschlossen von dem Band der Religion, hinwirkt und Gottesfurcht und Weisheit vereint erstrebe. Doch nur durch das Vorbild der Erzieher selbst sei es möglich, das neue Geschlecht hinzusühren zu den altbewährten, von der Zeiten Wandel unabhängigen Lehren jüdischer Ethik, die zusammenzufassen sind in den Grundsätzen: „Reinheit des Leibes und der Seele, Wahrhaftigkeit und Arbeitsamkeit." * * * Am zweiten Abend beschäftigte sich Frl. Sidonie Werner-Hamburg mit dem Thema: „Die Erziehung unsere.! schulentlassenen weiblichen Jugend?' Die jüdische Mutter müsse in erster Reihe bewußte Jüdin sein und sich mit den Grundfragen der jüdischen Ethik vertraut machen. Dann werde sie das Ideal des. einzigen Gottes in das Herz der Tochter pflanzen und ihr damit Halt und Lebensinhalt geben können. Nicht bloß der Sohn, auch die Tochter soll wissende Bekennerin des Judentums werden, die teilnimmt an allen Vorgängen desselben. In gleicher Weife ist das Heranwachsende Mädchen zier Mitarbeit an sozialen Aufgaben anzuhalte». Hinsichtlich des Bildungsmaßes warnte die Vortragende vor zu hoch getriebenen Zielen. Nur bas gesunde, kraftvolle und hervorragend begabte Mädchen mag dem höchsten Bilbungsziel zustreben. Für das weibliche Geschlecht bietet im allgemeinen die Ehe die höchste Entfaltungsmöglichkeit, daher muß es für die Ehe erzogen werden. Jeder Berufsbildung hat die hauswirtschastliche Ausbildung voranzugehen. Damit die Männer sich nicht scheuen, einen .Haushalt zu gründen, müssen bei den Töchtern die Tugenden der Anspruchslosigkeit und Arbeitsamkeit geübt und die Vorliebe für Modetorheiten bekämpft werden. Im zweiten Teil ihrer Ausführungen betonte die Rednerin bas Recht der Frau auf Berufsarbeit, da ja nur ein Tell der Frauen ihrem natürlichen Beruf als Gattin und Mutter zngeführt werden können. Im Hinblick darauf sollte zunächst allen Mädchen eine vollwertige Berufsbildung zuteil wettien, die neben' dem Nutzen viel Befreiendes, Ruhe und Zufriedenheit bringe. * *. * Lehrer Dr. Bamberger-Nürnberg verbreitete sich am nätMen Abend über die Frage der „Erziehung unserer schulentlassenen männlichen Jugend." Es gelte, die jungen Menschen vor den Versuchungen und Gefahren ihres Alters zu bewahren, indem wir die schützerwen idealen Kräfte den gefahrdrohenden Neigungen gegenüber stärken und ihnen die Ethik des Judentums so ins Bewußtsein pflanzen, daß sie im Leben stets wirksam bleibe. - : i Die Fortbildungsschule findet da ein reiches Feld ihrer Betätigung. An den Sabbatnachmittagen möge der Erzieher die schulentlassene Jugend um sich sammeln, um mft ihr im freien Gedankenaustausch die wichtigsten Fragen der Wellanschauung zu erörtern und im gemeinsamen Erleben die Bilder unserer geschichtlichen Vergangenheit anknrollen. Unter dem Einfluß des heiligen Gvtteswvrtes kann der Erzieher mit dem nötigen Tafte auch auf das Sexualproblem eingehcn. Aus dem Einfluß der Lektüre auf die geistige und sittliche Bildung resultiert von selbst die Aufgabe des Lehrers, der Jugend Führer zu sein auf diesem Gebiete und sie namenllich nrit guter jüdischer Literatur bekanntzumachen. MU der Fortbildungsschule sollten die jüdischen Ingendvereine in engste Fühlung treten. Diese bis zum Ende des Jünglingsalters reichende Erziehungseinrichtung muß jedoch auf einer wettgehenden Selbstregierung beruhen und darf dabei der Mitarbeit Erwachsener nicht entbehren. Me Ingendvereine sollen edle Geselligkett pflegen, sie sollen turnen, spielen und wandern und damit zur körperlichen und geisttgen Ertüchtigung der Jugend, zur Stärkung des jüdischen Gemeinschaftsgefühles beitragen. Der Ausbau der Jugendvereine zu Jugend- und Lehrlingsheimen ist besonders erstrebenswert. Parallel mtt der Tättgkeit der sittlich-religiösen Erziehung läuft die Frage der Berufswahl und -bildung. Für die Berufswahl kommt in Betracht, ob der Junge als Jude in dem Beruft vorwärts kommen kann. Außerdem müssen die individuelle geistige Bermllagung, dft „psychologischen Faktoren der geistigen Eignung," die körperliche Täuglichkett, Vorbildung, Neigung und Zugehörigkeit zu. einer bestimmten sozialen Schicht in Erwägung Pezogen werden. Der bei uns.Inden unvernünftige Zubrang zu den' Frankfurter Israelitisches Familienblatt. geistigen Bernsen ist zu bekämpfen'. Um so eifriger sollen wir die Jugend sür dos Handwerk zu gewinnen juchen, denn es wird jenen Prinzipien am^besten gerecht, die bei uns Juden flir die Berufswahl maßgebend sind. Landwirtschaft, und Gartenbau seien erst in ztoeiter Linie zu empfehlen im Hinblick auf die verschiedenen Hemmungen und die gesamte Koiistrnklur der jüdischen Bevölkerungssiedlimg.. * . * „Ueber Nerven und Kindererziehung" sprach als letzter Redner Oberstabsarzt Dr. Grüneb a u m. Das Ein- bis Zweikindershstem, das leider in jüdischen Familien fast zur Regel geworben sei, führe zu einer Art Ueberfürsorge, deren Frucht sich in verminderter Widerstandskraft des Geistes und Körpers zeige. Für eine erfolgreiche Entwicklung des Körpers genüge dir Beobachtung der priniitivste» Forderung der Hygiene und als bestes Erziehungsmittel der geisttgen Seite müsst beim Kleinkiude das Beispiel der Eltern und der.älteren Geschwister angesehen werden. Die cinseftige Ausbildung des Verstandes im vvrschulpftichtigen Alter bilde eine große Gefahr für das Nervenshstein. In dieser Beziehung sind besonders die „Einzigen" gefährdet durch den säst ausschließlichen Umgang mit Erwachsene». Ter Besuch der Schule kann einerseits als Heilfaktor gegen Erziehungsfehler der Eltern angcsprochcn werden; anderseits ist nicht zu leugnen, daß die Schule als solche eine Nervosität erzeugen und steigern. kann durch seelische Insulte, die die Schulkinder treffe,:. Hierher gehören insbesondere die Verhöhnungen unserer Kinder wegen ihrer Glaubenszugcyörigkcit. Den schädlichen Wirkungen solcher Angriffe ist am sichersten dadurch zu begegnen, daß. unsere Kinder zu selbstbewußten Juden herangczogen werden. Der Redner geht denn des näheren auf die geistige Ueberbürdung ein, die nur durch gemessenen Wechsel zwischen Arbeit und Ruhe paralysiert werden könne. Insbesondere sei jedem Kinde die nöttge Erholung nach Beendigung des Schuljahres durch einen Ferienaufenthalt aus dem Lande zu gewähren. Darum gehöre c» zu den heiligsten Aufgaben der jüdischen Großgemeinden und ihrer Wohlfahrtseinrichtungen, auch de» sozial schlechtgestellten Kindern solchen innigen Verkehr mit der freien Natur zu ermögliche». Ms gewisses Gegengewicht gegen die e i n s e-i t i g e Inanspruchnahme des Geistes müssen auch die körperlichen Uebungen angesehen werden, deren intensive Pflege unfern Kindern wärmstens zu empfehlen sei. Ans der Fülle der Erziehungsprobleme sür die reifere Jugend griff der Vortragende, einem Wunsche der Leitung der Erziehungswoche folgend, die Frage der sexuellen Aufklärung 'heraus. Nicht Aufllärung um jeden Preis, sondern Erklärung auf sexuelle», Gebiete in stuftngemäßer Weift auch bei Keinen Kindern sei hier Richtschnur. Auf Spaziergängen, im Anschluß an Unterhaltung über Pflanzen und Tiere könne man, ohne das Sexuelle aufdringlich in den Vordergrund zu rücken, über die Entwicklung, das Wachstum und die Fortpflanzung der Organismen sprechen und dabei gelegentlich den Menschen mit hereinziehen. Wem, sich mich sür den Zeitpunkt der Auf- Närung kein allgemeines Gesetz aufstellen lasse, so müsse doch von ärztlicher Seite gefordert werden, daß eine gewisse Kenntnis über geschlechtliche Dinge den Kindern bei beginnender Reift beigebracht sein soll, damit die Unwissenheit die Heranwachsende» Kinder nicht. in Gefahr bringe. Me weitere sexuelle Aufllärung, die nach vollendeter Reift unbedingt in den letzten Klassen der Mittelschulen, in Ingendvereine,, nsw. zu erfolgen hat, geschieht am besten durch den Arzt. Mit den, warmen Appell, unsere Jugechi in voller Harmonie des Körpers, Geistes und Gemütes zu erziehen^ sie hinzusühren' zur Selbstbesinnung, zur Abkehr vom Materialismus, zu einer sittlich-religiösen Weltauffassung, schloß der Redner. > Et» ernste- Wort. Tie K. C.-Blätter bringen von' Dr. Karl Elsas, der jüngst fiel, einen Aussatz, in dem dieser das folgende ernste Wort spricht: ,Mir deutscher, Juden sind in Gefahr, daß die jüdische Religion uns verloren geht, soweit wir nicht zit der geringen Zahl von Strenggläubigen zählen. Den Beweis für diese ungemein ernste Behauptung erbringt die einfache Ueberlegung: Was an religiösen Anschauungen und Gefühlen, an Wissen von religiösen und rituellen Satzungen und Verständnis derselben haben meine Ureltern, Großeltern, was mein Vater gehabt, was habe ick, selbst und wieviel davon bin ich imstande, auf meinck Kinder und diese wiederum weiter zu übertragen? Niemand kann leugnen, baß mft dieser Stufenfolge ein Abbröckelungsunb VerwässernngSprvzeß umschrieben ist, dessen Ende nur völlige Auflösung sein kann, wenn nicht Einhalt geboten wird." Wir freuen uns dieses offenen Wortes, denn wir sind in den Kreisen außerhalb der tradittonstreuen Jndenheit, soweit sie überhaupt noch jüdische Interessen haben, eine geradezu verblüffende Selbsttäuschung gewöhnt. Doch nicht nur bas, — wer es wagt, auf die Zukunftslosigkeit eines Judentums hinznweisen, wie es bei der überwiegenden Mehrheit der deutschen Jndenheit besteht, darf sicher sein, einen Sturm der Entrüstung hervorznruftn. Den meisten Menschen fehlt der SRut, der Ehrlichkeit sich selbst gegenüber. Einer, der draußen war, hat jetzt diesen Mut gehabt, — und so darf man hoffen,' daß, wenn unsere Kämpfer in die Heimat zurückkehren, darunter viele find, die den Willen' mitbringen, mit sich wahr zu sein. Nur mit diesem Willen kann es in unserer deutschen Judenhett besser werden, denn erst die Erkenntnis der. Sinnlosigkeit ihres gegenwärtigen Zustandes vermag.den Nr. 22. Weg nach Aenberinch und Besserung frei zu machen. Nur auf die heimkehrenden Krftgec dürfen wir nnscre Erwartungen setzen, nicht aber ans die Daheimgebliebene». Man sollte »leinen, daß die eiserne Zeit, die wir-jetzt durchleben, mit gewaltigen Hammerschlägen die Gewissen öffnen und ihre» wahren Kern, die Frage nach dem Sinn und Wert des eigenen Lebens, enthüllen müßte. Dem ist jedoch nicht so. Das zeigt uns u. a. die Wiederaufnahme der Versuche, eine staatliche Organisation für die ^preußische Jndenheit zu schaffen. Diese Versuche "beweisen, daß man immer noch in reinen Äußerlichkeiten das Heil sucht und sich über den wirklichen Stand der Dinge hinwegtäuscht. Dr. Elsas hat nach Klarheit gerungen, und deshalb fand er auch eine. Antwort. Indisches Wissen, lernet das Judentum kennen, lautet seine Antwort. Dr. Elsas wollte feierlich sogenannter liberaler Jude bleiben, doch ein ehrliches Streben nach der Kenntnis des Judentums muß auch seiner Trabitioi, sich nähern und bedeutet auf jeden Fall Erhaltung «nb Vertiefung des Judentums. Dr. Elsas verlangte ein deutschgeschriebems Kompe»- diuin deS Judentums, gewissermaßen einen verdeutschten Schnlchan-Aruch, der jedem deutschen Juden zugestellt werden müßte. Dieser Vorschlag verspricht bei. seiner Ausführung keinen Erfolg. Nur, wenn die deutsche Judenheit den Schwerpunft ihrer Interessen auf die Jugenderziehung legt, nur wem, sie ihre.Jugend in der Sprache des Judentums die Quellen des Jlidentums Fennen lernen läßt, schafft sie an Stelle der Interesselosigkeit und Verödung pulsierendes jüdisches Leben. Die deutsche Judenhett hätte in ihrer überwiegenden Mehrheit bisher mcht den Willen', ihrer Jugend jüdisches Wissen zu gebe». Tie meisten Eltern betrachteil bet» jüdischen Unterricht als ein notwendiges Uebel. Und selbst die Kinder derer, die an der Spitze der jüdischen Gemeinden stehen, erhalten in der Regel nur so viel jüdischen Unterricht, als unumgänglich erforderlich, und die Kinder merken gar wohl, baß dieser' Uitterricht ncbensäch? lich ist. Hier nlnß es anders werden, so cs eben anders wie bisher, so es merklich besser werben soll! Bom jüdischen Rattoualsouds. In Galiläa nimmt die Not unter den Flüchtlingen erschreckende Formen an. Man zahlt st",r ein Kilogramm Getreide einen Goldfranc. Die dortigen Farmen des INF. Merhawjah, Daganiah und Kinereth vermögen für die" etwa 4000 Flüchtlinge nUr einen Teil des Getreidebebarfes zu decken. Das Flüchtlingskvmitea verlangt vom Indischen Nätionalfonds für die arbeitsfähigen Flüchtlinge die energische Fortsetzung der No tstauds ar b e i t e n. Die Bereinigung der zionistischen Studenten in Pari S veranstaltete ftirzlich eine Soiree, deren Ertrag von 8000 Francs dem INF. flir Notstandsarbeiten in Palästina überwiesen worben ist. . Das Nätionalfonbs-Büro für A m e r i k a hat kürzlich eine Kampagne ft,r die Landspende unter der Losung ,^Lanb for the National Fund" eingeleitet. Auch die NF.-Kommission für England hat sich an die zionistischen und andere jüdische Vereine und Synagogen mit einem Anftufe gewendet, die Landspeiche zu fördern. Wiederum ist dem Jüdischen Nätionalfonds eine ansehnliche Hinterlassenschaft zugefallen: Der am 23. Februar in Lausanne verstorbene Aron B r eg st e i n aus Warschau hat dem INF. ein Vermächtnis von 25 000 Rubel testiert. Hiervon sind 15 000 Rubel zur Anpflanzung und Pflege eines Waldes bestimmt, während die übrigen 10000 Rubel für den Ban und Unterhalt von Arbeiterheimstätten und -Krankenstuben Verwendung finden sollen. — Leutnant Dr. Mols Jacobsohn aus Lüneburg hat dem INF. ein Vermächtnis von 10 000 Mark hinterlassen, B. Elingmann in Capetown den Betrag von 200 Lstr. Anläßlich der Wiederkehr von Herzls Todestag sind Neuauflagen der Schrift „D e r H e r z l w a l d" in mehreren Sprachen erschienen. Unter den Auspizien der Jüdischen Nationalsonds- Kommission sür England ist kürzlich zu Ehren des Ing. Agr. Oettinger, des Vertreters des INF. in London eine Feier unter dem Vorsitz von N. Sokolvw veranstaltet worben. So ko low erklärte in seiner Ansprache, daß Herr Oettinger während der relativ kurzen Zeit fernes Aufenthaltes in London sehr wertvolle Dienste geleistet habe. Er ziehe nun nach Palästina und die Wünsche für eine glückliche Reise begleiten ihn. Oettinger flchrte ftlgenbes aus: „Als ich auf Veranlassung des Odessaer Komitees vor etwa 15 Jahren nach Palästina kam, fand ich die Lage sehr entmutigend. Infolge Abwesenheit von jungen Leuten war die Arbeit . nichts weniger als erfolgreich. Ws ich zum erstenmal, 6—7 Monate vor Kriegsausbruch, nach Palästina kam, war eine vollstäichige Aenderung vor sich gegangen. Ueberall sah man nenÄ Leben erwachen'. Nene Arbeiter pflegten den Boden, neue Institutionen entstanden. In jeder Kolonie gab es Arbeiterorganisationen, und die hebräische Sprache klang lebeickig aus dem Munde von Jung und Alt. Jedes Schiff brachte eine Schar neuer Ansiedler. In allen Farmen des Jüdischen Nationalftnds, die ich besuchte, waren die Arbeiter von Enthusiasmus für die Kvlonisatron auf genossenschaftlicher Grundlage erfüllt. Merhavjay und Daganiah zeigten bedeutende Fortschritte, dam der Ergebenheit ihrer jüdischen Arbnter. Den stärksten Eindruck machte auf mich die Popularität und das Ansehen, das der Jüdische Nätionalfonds in Palästina genoß, und die großen Hoffnungen, welche auf ihn gesetzt wurden, in der Erwartung, daß er die fiihrende Rolle in der Kolonisation Palästinas auf nationaler Basis habe» werde. Nach Ausbruch des Krieges haben die Arbeiter durch Organisierung der Bebauung von Parzellen zur Deckung deS Bedarfes an Nahrungsmitteln zweifellos viel zur Baminng der Hungersnot im Lande beigetragen. Nun ist die Zeit