Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 16 (1918)
- Issue
- Heft 22 (4.6.1918)
- Date
- 1918-06-04
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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E-ite 4. Frankfurter Israelitisches Famil'enblatt. In einü: dieserhalb einbernfenen Versammlung sprach Rabb. Prof. Lr. Werner die Hoffnung ans, daß die geplante Schule sich zu einer jüdischen Volksschule ausbauen wmLe. Felix Feuchtwanger verlas eine hebräisch abgefaßte Ansprache des zur Erholung von München abwesenden - Rabb. Dr. Ehrentreu. ES sind bereits mehr als 20 000 Ji gezeichnet worben. Bafel. Die Agudas-Jsroel Frauen- und MLdchengruppe hat eine Sammlung für den KriegLwaisenfonbs vornehmen lassen, und trotzdem viele andere Sammellisten in der Gemeinde zirkulierten, ist doch die schöne Summe von Fr. 4776 zusammengekommen. HüriÄ. D>e beiden Uebeltäter, welche in dem Bet» lokale Zurlindenstraße eingebrochen hatten und die Thorarollen zersetzten und sonst viel Unheil ansteilten, ein Schmiedegeselle-und ein Schmiedelehrling, wurden non dem hiesigen Bezirksgericht wegen Religionsfriebeusstörumg und böswilliger Eigentumsbeschädigung n; 6 Monaten Gefängnis verurteilt. KenOanz. An den F"lgen einer Verwundung im Felde r er schieb — 40 Jahre alt — Tr. Gustav Meinrath. M. war nicht bloß ein ausgezeichneter Arzt, sondern auch ein guter, ideal gesinnter Mensch mit vortrefflichem Herzen. Maiches Rezept ließ er auf seine eigene Rechnung für bedürftige Patienten machen. Der Zionismus hatte in M., der vor einigen Jahren Palästina s3bst bereist hatte, einen begeisterten Anhänger. Lausanne. Im F'bruar. dieses JabreS starb hier Aron Bregpein aus Warschau. Er hinterließ u. a. 35000 Rubel für zionistische^ Zwecke und zwar: 25000 Rubel für den jüdischen Mctionalfonds zur Pflanzung voll OesbLumen in Palästina, dessen Ertrag zugunsten der jüdischen' Arbeiterheime bestimmt ist, und 10 000 Rubel dem jüdischen Kultur-Fonds Kedem als ewiges Legat, dessen Zinsen für Stipendien für zwei Zöglinge des hebräischen Gymnasiums in Jerusalem zu verwenden sind. Haag. Kürzlich ging durch die südliche Presse die Mit» tellung, daß in England die Korrespondenz iu der hebräischen und jiddischen Sprache verboten worben wäre. Bon amtlicher englischer Seite wird dem Jüdischen Korrespondenz-Büro im Haag mitgeteilt, baß das Verbot nur für bife Korrespondenz nach dem neutrale» Ausland. Geltung gehabt habe. Auf den Briefverkehr mit den alliierten Länderir habe sich das Verbot nicht erstreckt. Ebensowenig wurde die jiddische und hebräische Korrespondenz aus den alliierten Ländern nach den neutralen Ländern von der Maßregel getroffen. Die Maß>- regel hatte ihren Grund in bestimmten technischeil Schwierigkeiten. Sie hatte von allem Anfang nur zeitweiligen Charakter. Die Schwierigkeiten sind inzwischen behoben worden, und das Verbot ist bereits wieder aufgehoben. Amsterdam. Das „Algemeen Mizrachistisch Correspvndentie - Comits". Amsterdam, Amstel 103, hat' den Zweck, eine Korrespondenz mit allen misrachistischen Gruppen der ganzen Welt in einem neutralen Lande zu zentralisieren. Frankfurter Berichte. Personalien. Am SamStag, den 8. Juni, begeht Frau M c i r R o t lisch ild, Windeckstr. 31, ihren 60. Geburtstag. Frau Rothschild, die zu den besten und edelsten Frauen unserer Gemeinde gehört, war bereits im Jahre 1870/71 unter den ersten jüdisch«!: Frauen, die sich fiir ihre Tätigkeit in der Berwundetenfürsorgepflege das „Berdienstkreuz für Frauen und Jungfrauen" — damals eine seltene Auszeichnung' — erwarben. Was Frau Rothschild in all den folgenden Jahrzehnten bis auf den heutigen Tag aus dem Gebiete des öffenllichen wie privaten und stillen Wohltuns §1 leistet hat und noch leistet, ist allbekannt. Möge äh: ein heiterer Lebensabend in frischer Gesundheit und ungetrübter Freude an edlem Tun beschicken sein. Am 1. Juni feiert Frau Auguste Noßbaum, geb. Levis, Ostenbstr. 3, ihren 80. Geburtstag. Benzion Bambcrger, ein Cohn des Kissingcr Rabbiner s. A., verschied hier an einem Leiden, das er sich in der französischen Gefangenschaft, zugezogen hatte, lieber seine Erlebnisse in der französischen Gefangenschaft hat er in unserer Zeitung berichtet, und diese Aufzeichnungen zeigen ihn als eine begabte, sympathische Persönlichkeft. An den Regeneratiönsbestrebungen des jüdischen Volkes hatte er von jeher lebhaften Anteil genommen. „VICTORIA“ Erst« Berliner Wfisoherei und Qlanz-Plltterei Hanta Tel. 2002. ]| GutlBUlStraSSB lli Hanta Tel. 2002. Spezialität: Kragen, fianaehatten and Hemden. ÜBRiffefon. Die Prinzessin. Eine veschichte aus der Mitte deS IS. Jahrhunderts von Leopold Kompert. (Fortsetzung.) „ES ist also wahr, daß Sie meinetwegen oaS Elternhaus verlassen wollen, ja meinetwegen? Denn sonst hätte Ihr Weggehen keinen Sinn!" Josef blieb darauf die Antwort schuldig. Da wandte sich Rosel allmählich um, bis sie ihm wieder gegenüberstand. „Da bleibt mir nur übrig, daß ich gehe," sagte sie. „Wohin?" „Rach Hause zu meiner Mutter!" Da rief Josef mit leidenschaftlicher Heftigkeit: „Möchten Sie nur nicht Rosel Ehrenfeld heißen!" „Wie soll ich denn heißen?" „Was weiß ich?" rief er wieder, „aber der Name kommt mir vor als wie ein breiter Graben. Wenn man nicht Flügel hat ivie eine Schwalbe, kommt man drüben nicht an." Ein minutenlanges Stillschweigen herrschte hierauf zwischen diesen zwei jungen Herzen, und Rosel rvar es, die es wieder brach. „Kann ich denn etwas dafür, daß ich so heiße?" „Der Name allein ist's nicht," meinte Josef weniger heftig, „aber was in dem Namen drin alles steckt. Darum habe ich ja aus dem Weg gehen wollen!" Ein eigener schelmischer Zug schwebte auf Rosels Antlitz, als er dies sprach. „Mein Name ist ganz gut," sagte sie, „er ist der meines verstorbenen Vaters und niemer Mutter, und ich schäme mich nicht seiner. Aber Ihr habt mir einen Spitznamen beigelegt, und ich bin bei Euch eine Prinzessin, und da habt Ihr Euch in den Kopf gesetzt, ich bin eine wirkliche! Ich aber ... ich will ja keine sein!" „Rosel, um Gottes willen, ist denn das nröglich!" rief Josef, „da fällt ja eher ein Stern vom Himmel herunter." „Die Sterne können nicht herunterfallen," sagte Rosel schalkhaft, „denn dazu hat sie Gott dahin gestellt; aber daß aus einer Prinzessin eine Bäuerin wird, . . . das steht nicht nur in Ihres Vaters Geschichte, die ihm seine Babe erzählt hat, — das kann im Leben wirklich geschehen I" „Versteh' ich recht, Rosel?" jauchzte Josef auf, dem nun alles klar ward. „Josef!" Ein Freudenschrei durchzitterte die Luft, daß er selbst das Rauschen des in diesem Augenblicke wieder in Bewegung gesetzten Mühlrades übertönte. Kein Wunder! Hatte sich das Märchen von der Prinzessin nicht zu holder Wirklichkeit belebt? Die verschwiegene Nacht wußte von zwei Herzen mehr, die sich gefunden hatten auf den rätselhaften Irrwegen dieses Lebens, um sich niemals zu verlieren! ,ti XII. Nach Hause. Benno Göttlich,' ist als Opfer des Krieges bahingegangen, ein junger Palästinapionier, der zn den größten Hoffnungen berechtigte. Wie er war, so ist der Jbealtypus des Pioniers: die eigene Person bescheiden zurücksetzenb, eigene materielle Interessen nicht achtend, unentwegt nur das Ziel im Auge, einer Gesamtheft Segen zn bringen. Wahr und gerade muß solch ein Pionier sein, wahr und gerade ist Benno Gottlleb gewesen. N'ach^ dem Besuch des Frankftrrter Lessinggymnasiums studierte Benno Gotllieb das Ackerbanfach und erlernte cs auch vrakttsch, nach Beendigung seiner Studien schlug er ausstchtsräche Stellen in Deutschland aus und ging nach Palästina, um hier an der Zukunft des jüdischen Volkes mitznarbeften. Der Krieg rief ihn nach Deutschland zurück. I E. T. Rodehan, Herrenschneider Frankfurt a. Main, Friedensstrasse No. 1 Telephon: Börner 3650. FFJOTSTE 1US8»SCHNRID1!BEI. Auf WnnBch koschere Verarbeitung. 1 Nicht weit von dem Bachsteg steht eine uralte Linde, mit einem Heiligenbftde daran. Dorthin hatten die zwei, Arm in Arm, in seliger Unbewußtheit den Weg. gefunden, als ahnten sie, daß es sich unter dem weiten .Laubdache des Baumes besser spreche als auf dem offenen Stege, unter dem das Wasser zerstäubt und zerschlagen, wie es vom Mühlrad herabgestürzt wird, noch unbernhigt dahinrauscht. „Eins ist doch merkwürdig, Rosel," sagte zuerst Josef mit mühsam niedergekämpfter Erregtheit. „Was denn?" fragte Rosel. „Als du in unser Dorf kamst, da war's auf dem Steg dort, daß ich dir begegnet bin; denn ich war dir entgegengegangen. Jetzt bist du mir entgegengekommen und auf demselben Platze wie damals." „Damals bin ich vom Wagen deines Bitters hcruntergesprungen und bin zu Fuß eine Strecke Weges gelaufen, bis ich dich gefunden habe," rief Rosel lachend, „jetzt hast du vom Wagen steigen und mir entgegengehen müssen. Das ist noch merkwürdiger." Nr. 22. „Aber damals," rief Josef im gleichen Tone, „warst bja ein kleines Prinzessele und jetzt—" „Nun und jetzt?" „Bist du die schönste und feinste Bäuerin, die es aus der Welt noch gegeben hat." „Schweig, schweig, Josef, ich schäme mir ohnehin die Augen heraus, wenn ich an die erste Zeit meines Hierherkommens denke." „Du hast dich nicht zu schäme», Rosel . . .," sagte Josef mit inniger Wahrheit. „Und dann hast du schon damals bewiesen, daß du eigentlich kein echtes Prinzessele bist." „Wieso?" „Du bist ja eine halbe Stunde weit zu Fuß gelaufen. Tut das ein echtes Prinzessele?" Rosel lächelte schelmisch. „Und noch eins," sagte der Soldat, „glaubst du denn, du hättest uns allen, und mir besonders, so gefallen, wenn du weniger fein und lieblich bei uns. aufgetreten wärst?" „Red mir nichts ein," rief Rosel, plötzlich ernst werdend/ „red mir nicht etwaD ein, tvas ich erst jetzt ganz verstehe, wie verkehrt und töricht es gewesen. Gott hat es mft mir gut gemeint, daß er mich gerade zu euch geschickr hat. Wäre ich zn anderen Leuten gekommen, . . . sie hätten mich entweder geschont und mir geschmeichelt, oder mich ausgelacht. Beides hätte mich noch mehr verdorben, als ich schon war. Weißt du, wer eigentlich schuld daran ist, daß ich so geworden bin? Mein armer Bater, der war jahrelang krank, und meine Mutter hatte sich wenig um mich kümmern können. Da war ich mir allein Überlassen und konnte tun, was ich loollte, lernen und auch nicht lernen, stricken und nähen und auch nicht, wie es mir gerade in den Sinn gekommen ist. Ich habe einen Lehrer gehabt, er heißt Julius Arnsteiner, der sagte immer, wenn ich einen Fehler in der Sprachlehre oder im Diktando machte: „Wollen Sie eine Bäuerin einmal werden, die nichts weiß als Erdäpfel essen, und keine andere Kenntnis im Kopfe hat, als wieviel Milch sie von der Kuh bekommt?" „Der war dein Lehrer, Rosel?" unterbrach sie Josef zornig. „Ein .schöner Lehrer! Dem sollte man ja das von Amts wegen verbieten, daß er seinen Schülern solche Dinge vorsagt. Wie sollen denn die Leute Lust haben, sich ein Feld zu kaufen, Ivenn ein Lehrer ihnen solche Lügen einredet? Wenn es noch wahr wäre! Aber sieh dir meine Mutter an. Ist das eine Bäuerin, dge nur .so beschaffen ist, wie sie dein.Herr Julius Arnsteiner hat?" „Deine Mutter," fiel das Mädchen ein, „ist's ja eben, die mir gezeigt hat, was ich werden soll." „Ja, sie verdient's, daß man sie loht," meinte Josef. „Wie hätte ich aber auch anders werden sollen," fuhr das Mädchen fort, dem es ein Bedürfnis war, vor Joses keine Falte ihrer Seele verhüllt zn bewahren. „Wenn man das ganze Jahr nichts anderes sieht als Geldzählen, und von nichts anderem hört als von schlechten Schuldnern und guter oder schlechter Kundschaft, und der eigene Lehrer es einem noch bei jeder Geletzsyrheit einprägt, daß man Sprachlehre, Diktando und Rechnen nur darum lernt, damit man keine Bäuerin werde, — wie hätte ich da anders werden sollen, als Tausende von Mädchen, die lieber ihrem Manne ins Elend folgen als auf ein Dorf?" „Die Lehrer, die Lehrer!" sagte Josef zähneknirschend. „Warum führen sie die Kinder nicht alle Tage im Frühling auf das grüne Feld hinaus? zeigen ihnen da, wie das Korn wächst, ivie es in die Höhe schießt und dann endlich im Sommer, wie es zum Brot wird, das sie essen? Wäre denn das gar so schwer? Ich möcht' den Leuten in der ,Gasse' schon ihren Bauernhaß austreiben, mein Wort darauf." „Wie möchtest du das anfange»?" fragte Rosel lacheiid- „Sie müßten alle ohne Ansnahine Felder kaufen," rief er in einem Tone, der den verabschiedeten Korporal nur zu gut erkennen ließ. „Das läßt sich nicht erzwingen," fiel Rosel ihm inS Wort. „Du siehst es ja an mir!" „Bei dir. ist es etwas ganz anderes gewesen," meinte Josef, „du warst krank." IfllBiewtft Daa altbewährte Nervenpulver Nervüram IVrnntnrP Dr. TfeU der Schwanen - Apotheke iu * w**qnlrf*i1*f nm Main, wird ärztlich gerne« verordnet bei Krämpfen. PreisMk« 5.—. Zu haben durch die Privileg, Schwanen-Apotheke In Frankfurt am Maiu. Best. 10% Haemoglob,8i% Eisenbrom und 6% Enzianbitterst. Str. 2 „Kr nennen I aufs Di gefehlt k mich gei gelassen. Ivo ich r Julius i auch allc er mich, di: Par müssen ( lers wie! 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