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Neue jüdische Presse · 1918-06-04 · Heft 22 (4.6.1918) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
16 (1918)
Issue
Heft 22 (4.6.1918)
Date
1918-06-04
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. - - -■ I •■■■ ■■ ■■■— ■ ..I.mi-J >' r in r Animmum KamE um" die Geltung der Thauro 'wichtigsten Gruppe in der zionistischen Bewegung zu einem. Ausgleich und nützlicher Zusammenarbeit zu kommen, mit dem Kreis perer, die ein innerster Trieb selbst schon dazu geführt hat, die religiöse Durchdringung der zionistischen Bewegung zu erstreben, die aber — aus dem anderen Lager kommend — nicht so ohne weiteres dazu, sich durchringen können, neben .den ethischen Werten der Thauro auch die Notwendigkeit und, Verbindlichkeit des Thaurogesetzes anzuerkennen. Wer die Zeitschrift „Der Jude"fliest, wird wissen, wie groß die Sehnsucht nach religiöser .Vertiefung gerade bei den besten und geistig führenden Kreisen des Zionismus ist, welch' starke Anziehungskraft die hohen Gedanken der Thauro auf diese ausübt, und wie vielleicht nur die Verknöcherung, in der den Fernstehende» . die Orthodoxie nur zu leicht erscheinen mag, sie davon abhält, sich ernstlich der Thauro wieder zu nähern. Beweisen wir daher, daß. in unserem Judesein alle geistigen Werte des .Judentums lebendig sind und — bereichert. um die geistigen Schöpfungen aller Zeiten'— sich immer neu zu vertiefen und veredeln streben! Geschicht das, so werden sich unsere Wege mit dem jener geistig höherstehenden Kräfte im jüdischen Volke treffen. Sie werden zurückfinden zu dem. alten, echten Judentum, wie die Orthodoxie eS bewahrt hat. Die orthodoxe Judenheft aber wird in lebendiger Wechselwirkung mächtige Impulse von diesen stärkbeseelten Geistern empfangen und darf durch sie einen neuen, nicht zu ermessenden Auffchwung erhoffen. Mit ihnen gemeinsam werden wir dann in Erez Jisroel arbeiten und können hoffen, Hort eine neue Blütezeit des jüdischen Volkes und des Judentums heranreifen zu sehen, ein neues Geschlecht, das stark sein wird an Geist und Körper, in Glauben und Tun, das würdig und stark genug sein wird, sein Judentum über die ganze Erde zu vertreten. So sehen wir wefte und beglückende Möglichkeiten für ein segensreiches, großzügiges Werk im Sinne unserer Ideale, wenn wir uns zu eineni Zusammenarbeiten mü und innerhalb der Zionistischen Organisation entschließen. Auf der anderen Seite im besten Falle die Aussicht, unbefriedigt lassender 'Kleinarbeit nrit dem belastenden Gefühl, in steter Opposition mit den idealstzesinnten Kreisen unseres Volkes bleiben zu müssen, ohne Cinftuß auf den größten Test des neu zu schaffenden, jüdischen Gemeimvesens und in berechtigter Furcht, dieses infolgedessen im Gegensatz zu unseren eigenen Idealen geführt zu scheu. Fragen wft aber nun einmal Weller, welchen Einfluß auf unsere eigenen Kreise, namentlich auf u n s e r e I u g e n d, unsere Entscheidung für oder wider wird haben müssen. Wir müssen uns ja'darüber klar sein, daß wir nur dann Aussicht auf Erfolg mit unseren Bestrebungen haben können, wenn es uns gelingt, die Jugend zunächst einmal der Orthodoxie zu erhalten, darüber hinaus aber sie auch zu begeisterter, opferfreudiger Mitarbeft anfturütteln. Daß es in dieser Hinsicht nicht zum besten steht, beweist die lebhafte Diskussion, die sich letztens in der orthodoxen Presse darüber entspannen hat, ob und wie weft es nützlich sei, dein selbst empfundenen Mangel an Lebenskraft und Begeisterungsfähigkeit in der orthodoxen Jugend vermittels nationÄjüdischer Gedankeninhalte zu begegnen. Wer überdies, wie Schreiber dieses, inmitten der orthodoxen Jugend einer deutschen Großgemeinde lebt, weiß aus eigener Anschauung, wie klein der Kreise derer ist, die wirklich aus eigenster innerster Ueberzeugung orthodox sind, wie bei einem großen Tell leider Gewohrcheit und Unselbständigkeit die Hauptmotive ihres Verbleibens in der Orthodoxie sind. Was an lebendigen Lebenskräften in dieser Orthodoxie zu treffen ist, sind zu einem großen Teil Rückstrahlungen der zionistischen Ideen, denen auch die orthodoxe Jugend sich nicht ganz hat entziehen können, wenn auch diese .Einwirkungen sich meistens negattv als Opposition äußern, und deshalb auch leider aus die Dauer werden unfruchtbar bleiben, müssen. Was unserer Jugend not tut, ist ein posiüves, mächtig auftüttändes, zukunstsfrohes Ideal, ist lebendige, selbständige Arbeit im. Dienste einer großen, ulles Jüdische umfassenden Aufgabe. Vermag eine abgesonderte orthodoxe Orga- 14 -is..,. ~ \ - Frankfurter Israelitisches Familienblatt. - msation für Jischub Erez Jisroel der Jugend dieser JjNpulse zu geben? Die bisher gemachten Erfahrungen berechtigen nicht zn dieser Erwartung. Erste Voraussetzung dafür wäre ja, daß es gelänge, zum wenigsten die Orthodoxie der ganzen Welt zu einer solchen Organisation einheftlich znsammenzubringen. Ob dies! gelingen wird, erscheint" zunächst sehr fraglich. Aber selbst, das Gelingen einer solchen .Einigung vorausgesetzt, wird der Idealismus der Jugend sich in einer solchen Organisation niemals voll ausleben lönnen. Wir müssen uns hier wieder gegenwä.rtig hatten, daß nun einmal, wie die Dinge liegen, die Zionistische Organisation geistig wie materiell die Führerschaft in Erez Jisroel haben wird. Das Ideal der Wiederbelebung Erez Jisroels und der Zurückführung des jüdischen Volkes dahin ist nun einmal an die Fahne der Zionistischen Organisation geknüpft, und unsere Jugend wird die parallel laufenden Ideale einer orthodoxen Sonderorganisation stets bewußt oder unbewußt als Plagiat empfinden, sie werden Zionisten sein .und es doch nicht sein, und diese Halbheit wird in ihnen das herzerweiternde Gefühl der vollen Hingabe an eine große Sache nicht aufkommen lassen. Sodann wird aber auch sür unsere Sache gelten, daß die Begeisterung mit den Erfolgen wächst und mangels Erfolge mft Notwendigkeit erlischt. Große, die Begeisterung der Jugend entzündende und wachhaltende Erfolge auf politischem und kolonisatorischem Gebiete werden aber nur der großen Zionistischen Organisation zu Teil werden können. Wird unsere Jugend an den großen.Idealen des Zionismus ungeschmälerten Anteil haben, der Erfolge der Organisation sich uneingeschränkt freuen können, so werden der Schwung dieser Ideale uui>- die Begeisterung über diese Erfolge ihr die nötigen neuen Impulse geben und sie retten aus der Lethargie, in der zu versinken ihr gedroht bat. Es werden unserer Jugend neue Lebenskräfte erwachsen und sie austreiben zu freudvoller, lebendiger Arbeit für das Judentum und sür das jüdische Volk. Nicht zuletzt werden diese Kräfte auch dem Thaurostudium .zu Gute kommen; mit freierem und frischerem Sinn als jetzt werden sich ^unsere Jungen diesem Jüdischsten alles Jüdischen widmen. Möchte die deutsche Orthodoxie, an die besonders diese Zellen sich wenden, ftch bewußt sein, daß sie an einem Scheidewege steht. Die Zeit des Diskutterens unp Abwartens ist vorüber. Die Stunde erfordert die Tat. Möchte sie einsehen, daß von ihrer Haltung es jetzt zu einem großen Teil abhängt, ob der günstige Moment zu einer, wenn auch vielleicht vorerst nur teilweise» Erfüllung der alten jüdischen Sehnsucht nach Wieveransiedlung und Wiederaufleben eines jüdischen Gemeinwesens im Lande unserer Bäter genutzt werden soll. Daß von ihrer Stellungncchme es abhängen wird, ob dieses neue jüdische Gemeinwesen ein wahrhaft jüdisches im Sinne der Thauro werden wird oder von vorneherein durch Thauroftemdhtzft und Mangel an wahrhaft jüdischer.Gesinnung den Keim des Verfalls in sich tragen soll. Möchte die deutsche Orthodoxie sich vor allem auch-gegenwärtig halten, daß es sich auch um dieEntscheidunstüber ihre eigene Zukunft handelt. Der österreichische jüdische Jngeudtag in Wie«. Erster 5E«gL Tie vereinigten jüdischen Jugendgruppen Wiens haben vor kurzem ihre Kameraden Ganzösterreichs nach Wien zum Ersten jüdischen Jugendtag eingeladen, dessen Zweck sein sollte, einen einheitlichen großen Verband jüdischer Jugenbgruppen Oesterreichs zu begründen. Damit sollen Arbeitsmöglichkeit und Stoßkraft vervielfacht, die Voraussetzungen für ein wirkliches Gemeinschaftsbewußtsein und so der Rahmen für eine lebendige und starke nationaljüdische Jugendbewegung geschaffen werden. Schon einige Tage vor der Tagung war der große Musjkvereinssaal bis auf bas letzte Plätzchen ansverkauft. Unter Anwesenheit von mehr als 2000 jugendlichen Personen, darunter an 200 Delegierten von Jugendvereinen und über 300 Gästen der Provinz, wurde die Tagung durch eine Begrüßung des Vorsitzenden Dr. SregfriedBernfelb eröffnet. Hierauf nahm das Wort Dr. Marten Bnb.er, der in seiner Ansprache „Z io.n und die Jugend" die reinsten Seiten aller Teilnehmer aus Ost und West, aus allen Gesellschaftsklassen und aus allen politischen und allen kulturellen Richtungen zum Mitschwingen brachte und alle, auch seine theoretischen Gegner, in ihrem Tiefsten erfaßte. Er führte aus:; Die Jugend ist die ewige GlückSchance der Menschheit, mit einer rückhastslosen Hingabe an'daS Ideal, willig, die Nr. 22. VA rammelten Pforten des Paradieses zü sprengen . Arischen diesem Geschlecht und der Erfüllung steht immer die Tat, die es tun will. Aber während es sich bereitet, ergreift das Getriebe der von der Gesellschaft dargebotenen kleine» Zwecke Besitz von diesen jungen Seelen. Wird ihnen doch von der ganzen Umwelt die Wahrheit gepredigt, daß die sogenannten Tatsachen stärker seien als die Ideen. Das Gesetz der Trägheit erweist sich wieder einmal stärker als der nach der Schaffung höherer Gesetzmäßigkeiten verlangende Aufschwung der Menschenseele: Es ist nun aber Zeiten großer innerer und äußerer Krisen im Leben der Völker eigentümlich, daß sie sich gegenbas Gesetz der Trägheit auflehnen und sich unterfangen, die unzerstreute Energie der Jugend zu retten. Und die Jugend hört auf sie. Sie hält wie Jofua zu Gibeon die Sonne am Himmel fest, auf daß das Werk vollendet werde. Sie bleibt um eine Stunde, um eine große Stunde länger Jugend und wirkt, was die Zeit der Wende ihr gebot. Es kann in der Menschheitsgeschichte dreierlei Tat gefordert werden. Das erste ist die Rettung eines Volkstums, die Befreiung einer Nation vom Druck einer ihr auferlegten Fremdherrschaft. — Das «beite ist der Umbau einer verrotteten Gesellschaft, die Verwirklichung gerechterer Grundsätze des Gemeinschaftslebens. — Das dritte. Höchste, ist die Verkündigung einer Heilswahrheit an die Menschheit. Diese drei Elemente: das nationale, das soziale, das religiöse, — diese drei Taten: Befreiungskampf, Revolution, Apostolat, — können mancherlei Verknüpfungen untereinander eingehen, immer aber sind sie es, deren Ruf an die Jugend aus der Wahrheit, ans tiefer 9M und Notwendigkeit kommt. In dieser Zeit dringt der Ruf der Wende an die Ohren der Jugend. Die Jugend ist bewegt, aber sic weiß noch nicht, welches Werk das ist, das sie tun soll. Der Irrwahn des vergangenen Zeitalters mit seinem Problem von Persönlichkeit, Machtwille und Kultur ist zerstoben. Das Verlangen nach Leben und Sterben in der Gemeinschaft ist in der Jugend unserer Zeit erwacht. Durch den Lärm aller trügerischen Stimnren hindurch tvird sie endlich de» Ruf der wahren Stimme vernehmen und wird ihm folge». Ich glaube, baß der Augenblick dieser Besinnung es ist, den wir eben durchleben. Für die westjüdisjche Jugend besteht die Problematik dieser geistigen -Situation darin, daß sie die Gemeinschaft, nach der sie Verlangen trägt,, erst wahrhaft finden muß. In sehr vielen Fällen wirb sie die Gemeinschaft der Kultur, der Sprache, des Staatslebens dafür halten müssen, und in der Tat sind es starke und vielfältige Bande, die sie an diese hefte». Aber eines fehlt: ein Letztes, Innerlichstes, Wesenhaftestes: das soziale Gedächtnis. Er steht am Ausgang der fremden Kultur, er hat am Anfang nicht gestanden. Er mag den Geist eines Urhebers haben, er hat das Schicksal eines Epigonen. Der westjüdische Jüngling muß erkennen, daß er sein eigentlichstes Verhältnis zur Gemeinschaft auf seinem Judentum anfzubauen hat. Aber hierzu genügt es nicht, sich zn ihm zu bekennen. Weit mehr noch als bei irgendeinem anderen Volke, besteht beim jüdischen z» Recht, daß es nicht gilt, es durchzusetzen, sondern cS zu gestalten. Um diese gestaltende Arbeit am Volke frei beginnen zu können, bedürfen wir Zions. In diesem Zeitalter der Entscheidung ergeht wie an die Jugend afler Völker, so besonders an die Jugend des jüdischen Volkes die Stimme der Menschheit. In der Tat, die das jüdische Volk fordert, sind die drei Elemente des echten Gebotes, bas nationale, das soziale und das religiöse, unlösbar verschmolzen. Die nationale Befreiung ist der eine Sinn der Errichtung Zions. Solange das Judentum dem Leben der Böller verhaftet ist, kann es nicht zu seinem' wahren Anteil am Werke der Menschheit komme». Der zweite Sinn ist die Forderung der Verwirklichung sozialer Gerechtigkeit in der Gemeinschaft. Denn ein wahrhaft jüdisches Gemeinwesen kann nur eines sein, das mit der Verwirklichung der uralten sozialen Gesetzgebung des Moses und den Forderungen der Propheten Ernst macht. Dorum müssen wir uns unsere Menschen für ein reines, schönes, unbefangenes Zusammenleben vorbereiten, müsse» sie zur tätigen Liebe erziehen. Wie die nationale Befreiung nicht den Charakter des Krieges, sondern den Charakter der Auslösung hat, so hat die soziale Umgestaltung nicht den Charakter der Revolution, sondern den Charakter des Aufbaues. Das dritte Element ist das religiöses dieses kann nur ersehnt und geahnt werden. Wir ersehnen und ahnen, daß auch an der jüdischen Religiosität in Zion Erneuerung sich vollziehen wird. Der Ruf, Zion zu erbauen, ergeht an die jüdische Jugend. Widerstrebet dieser Welt des Erfolgwahns, die sich heute anmaßt, die wirkliche Menschenwelt zu sein und doch nur ein machtgeschwvllener Popranz ist. Widerstrebet zum zweiten der Welt der Lüge, die sich in der Entzweigüng zwischen Idee und Leben behaglich einrichtet. Scheidet euer» Weg von den Wegen derer, denen das Ideal ein wirksames Auslageschaustück für Volksversammlungen und Parlamente ist. Zum dritten widerstrebet der Selbstzufriedenheit, die heute .so mißtönend aus den Humanitären Phrasen der Nationalen hervorkreischt. Erkennet, baß die wahre Liebe zu seinem! Dolle nicht die ist, die es durchsetzen, sondern die, die es gestalten will. Das Voll muß euch eine Aufgabe, einö persönliche Lebensaufgabe bedeuten. An euch, an der Jugend wird, es liegen, ob aus Palästina die Mitte der Menschheit ober ein jüdisches Albanien wird, das Heil der Völler oder ein Spiel der Mächte. Zion wird in der Welt nicht erstehen, wenn ihr es in der Seele nicht bereitet. ^Zweiter Tag. Am zweitben Sitznngstage entwickelte sich nach den Begrüßungsansprachen und dem Referate Dr. Vsrnfelbs über das „Programm einer jüdischen eugenbbewegutio", eine sehr interessante Debatte. hren Hauptinhalt bildete die Frage, ob die jüdische Jugend sich mehr der geistigen Selbstbildnng..und. der.Entfaltung im Menschlichen widmen sollte, unbeschadet det Er-

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