Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 16 (1918)
- Issue
- Heft 22 (4.6.1918)
- Date
- 1918-06-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ti. 21 I italidi Ä. ehstei n. Erscheint wöchentlich am Freitag. Brrrraspreis pro Vierteljahr: In Frankfurt a. M. Mk. I.bü frei »nS Haus. Bei der Post abonniert Mk. 1.85, frei inS HauS 4 Pfg. pro Monat mehr. — Bei Zusendung durch Streifband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn Mk.S.— für alle übrigen Länder Mk. 2.50 Einzel - Nummern kostm 15 Pfg. -- - ------ -” Redaktion und Expedition: Frankfurt a. M. :: Eangeftr. 7. Fernsprecher Amt Hansa 2903. Heransgever: Kaltz chets. Juferttonspreis für die sechSgespaltene Petitzeile 30 Pfg., für die Reklamezeile Mk. 1.—. Bei Mederholungen entsprechender Rabatt. Platz» und Datum-Vorschrift ohne Verbindlichkeit. Annoncen-Annahme bei der Exped. und in «.Annoncen-BureauS. Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a. M. unter Nr. 4864. . . 16 Jahrga»s. Dienstag, Len 24. Siwan 5678 (4. Juni 1918* Nr. 2 2. Die Orthodoxie am Scheidewege. - , Von I. K. Cs besteht heute kaum noch ein Zweifel, .daß ein jüdisches Gemeinwesen größeren Umfanges, in welcher Form auch immer, im Lande unserer Väter geschaffen werden wird, wenn nicht die Judenheit selbst durch innere Zerrissenheit die Erreichung dieses Ziels unmöglich macht. Daß aber gerade die orthodoxe Judenheit durch einen eventuellen Widerstand zur Ursache wird werden wollen, die Verwirklichung ihres'Jahrhunderte allen Traumes wiederum Hintertrieben zu sehen, dürfen wir-wohl von vornherein als ausgeschlossen hinstellen. Zeig* sich doch, daß selbst alle diejenigen, welche noch bis vor kurzen» die Idee der Besiedlung Palästinas, ans allen möglichen Gründen ablehnen zu BUK sollen gemeint haben, in dem Moment aus DI Saulussen zu Paulussen geworden sind, als sie Q sahen, daß diese. Idee . zur Wirklichkeit werden könnte: Es wird heute kaum noch stiele orthodoxe Juden geben, die nicht mit ganzem Herzen das Basler Programm mit dem Ziele der Schaffung einer rechtlich gesicherten Heimstätte für die Juden in Palästina unterschreiben würden. Die orthodoxen Juden sind heute allesamt inr weiteren Sinne des Wortes Zionisten, und die Frage, die nunmehr an die orthodoxe Judenheit herantritt, und die mit zwingender Notwendigkeit eine Entscheidung verlangt, ist nicht mehr die theoretische: „Können wir Zionisten sein, und sollen wir uns an dem neuen Werk des Jischud Erez Jisroel beteiligen?", sondern .eine rein praktische und kann nur noch lauten: „In welcher Weise beteiligen wir uns am großen Werk?" und diese Frage kann wiederum nur nach dem praktischen Gesichtspunkte beantwortet werden: „Wie fördern wir dieses Werk am besten, und wie erreichen wir am sichersten, daß dieses Werk in unserem Sinne, das beißt im Sinne der 6tW8 Thauro, betrieben wird?" Credit Diese Frage einmal klar herauszustellen und Leit« daraus die Antwort .zw suchen, ist der Zweck len €k dieser Zeilen. Haben wir die Antwort gefunden, so gilt es auch, nach dem Ausfall der Antwort uns zu entscheiden und unser Handeln danach einzurichten. Denn Entscheidung und Handeln erfordert diese Zeit von uns, wenn anders nicht wieder .ein großer .Moment in unserer Geschichte durch eigene Unentschlossenheit nnd Mangel an Energie unbenutzt vorübergehen soll. Zwei Wege sind es, die die Orthodoxie gehen kann. Sie kann eine eigene Organisation zur Besiedlung Erez Jisroels gründen »md getrennt und in nicht zu 'vermeidender Opposition zur allgemeinen Zionistischen Organisation arbeiten. Oder n&cr kann ihre Kräfte mit denen der Zionisti- " * schen Organisation vereinigen und innerhalb derselben im Anschluß an den Misrachi ihre Ziele zu erreichen suchen. Zwischen diesen beiden Möglichkeiten gilt es sich zu entscheiden. Wägen wir die Chgncen ab. Da gilt es vor allen Dingen, die Tatsache in Rechnung zu stellen, daß die für die politische Ordnung der Dinge maßgebenden Mächte ganz naturgemäß dazu gekommen sind, in diesen politischen Dingen zunächst diejenige jüdische Organisation als Führerin zu betrachten, welche zuerst und zuvörderst die politische Ordnung der Jüdenfrage auf ihre Fahne geschrieben hat, nämlich die Zionistische Organisation. Wenn wir nicht wieder den traurigen Anblick mehrerer vor den Augen i»! »82. reetier l 6815, II innge srkefir eianngt un, da aen an itamt f n könne ■gen in nnaen JLafdrn bei i* re. der anderen Völker gegen einander intrigierender jüdischer Gruppen erleben und das ganze Werk dadurch gefährdet sehen »vollen, so würde einer neu zü gr'üildenden orthodoxen Palästcnaorganisatiou ebenso wie allen anderen jüdische»» Organisationen nichts anderes übrig bleiben, als sich in der politischen Frage der Führerschaft der Zionistische»» Organisation anznvertrauen. Die Zionistische Organisation wird also sicherlich den führenden Einfluß auf die äußere Gestaltung der Dinge L»» Palästina haben. Es kommt hinzu, daß sich die sinanzkräsligsten jüdischen Kreise Amerikas und Englands in den Dienst der zionistischen Sache gestellt haben, isodaß der Zionistischen Organisation wahrscheinlich Suminen für die Zwecke der Kolonisation iuiö des Schulwerks zur Verfügung stehen »verden, die allein aufzubringen die Orthodoxie niemals erwarten kann, Die Zionistische. Organisation »vird also vermöge ihres politischen Einflusses und der zu ihrer Verfügung stehenden Kapitalien die unbedingte Führung in Palästina haben. Sie wird Kolonien grü»»dcn und Schulen einrichten. Auf dieses ganze Werk wird die Orthodoxie, »venn sie getrennt vorgeht, keinerlei Einfluß äusüben können, »vährend deingegenüber, daß, was sie aus eigenen Kräften »vird schaffen können, relativ geringfügig und demgemäß auf den i»»neren Aufbau des neuen Jischub von unbedeutender Einwirkung sein wird. Sie »vird sich nicht »oundern dürfen, »venn die thaurogegnerischen Kreise in» Zionismus, die nicht durch ihre Zahl, aber durch ihre Rührigkeit einflußreich sind, mangels genügenden Gegengeivichtes dein neue»» Jischub ihren Stempel aufdrückcn »verden. Anders aber würden die Dinge. sich gestalten, wenn die Orthodoxie sich entschließen würde, ihre Kräfte mit denen i>er Zionistischen Organisation zu vereinigen und innerhalb derselben zu arbeiten. Die Orthodoxie verfügt ja heute noch i»n»ner über ein Machtmittel, das — nur richtig eingesetzt — ihr überall den Sieg ihrer Ideen gewährleistet, sie verfügt über die großen orthodoxen jüdischen Massen des Ostens, die heute noch die Majorität des jüdischen Volkes bilden. Wenn die Orthodoxie verstehen »vird, die Kraft dieser jüdischen Massen innerhalb der Zionistischen Organisation zur Geltung zu bringen, so wird das zionistische Werk den Weg gehe»», den die Orthodoxie »vünschen muß. Außerhalb der Zionistischen Organisation, ohne politischen E»usluß und ohne Kapitalkrast, zur. Unfruchtbarkeit verdammt, werden die jüdischen Massen innerhalb derselben Ungeahntes wirken kö»men und den Jischub Erez Jisroel mit Sicherheit in die von der Orthodoxie gewünschten Bahnen lenken. D»ese in den orthodoxen Anschauungen fest wurzelnden Juden »verden wir alsdann mit Hilfe des politiscben Einflusses und des KapitMdep Zionistischen Organisation in Palästina ansiedeln können, sie werden den Kern der »reuen Kolonien bilden, sie »verden die Lehrer in den Schulen stellen, die das Heranwachsende Geschlecht in Liebe zu Gott umd zur Thauro, zum jüdischen Volk und zum jüdischen Land, in Liebe zu allem Jüdischen erziehen .werden. A»»s diesem Wege allein können »vir hoffen, - das neue jüdische Gemeinwesen in» Lande unserer Väter zu einem wahrhaft jüdischen im Sinne der Thauro zr» gestalten.. Fürchten wir doch nicht zu sehr den gegnerischen Einfluß der thaurofeindlichen Elemerrte im Zionismus. Ihr Einfluß ist zahlenmäßig viel geringer, als es den Anschein hat. So hat z. B. die Partei der Poalei Zioiristen, der die meisten dieser unserer ausgesprochenen Gegner angehören, bei den Geineinderatswahlen in Rußland nach den» Bericht über das Wahlergeb»»is in 32 Städten mit insgesamt 1034 zu wühlenden Räten gegenüber 438 Zionisten 44 Parteigänger durchgebracht. Diese Einflüsse zu paralisieren, darf der Orthodoxie nicht schwer werden, wenn sie nur mit derselben Rührigkeit wie diese Gegenpartei sich ihren Aufgaben widmet. Darüber hinaus steht allerdings ein großer Teil der heute organisierten Zionisten der Thaur» und ihrem Gesetz, in der Praxis gleichgültig gegenüber. Aber bei der großen Mehrheit dieser steht doch der Grundsatz fest, daß das in Palästina zu schaffende Werk im Sin»»e der überlieferten Thauro gehalten »verden muß, und daß für den neuen Jischub die Gesetze der Thauro bindend sein Müssen. Bon diesen Kreisen dürfen wir daher eher Unterstützung als Gegnerschaft erwarten, »venn dieselben nur sehe»», daß es uns ebenso ernst ist in der Liebe zum Werk »vie ihnen, und daß. wir »virklich ge»villt sind, »nit allen Kräften »nit ihnen bei diesem Werke zusainmenzuwirken. Darüber allerdings müssen »vir uns klar sein, daß, wenn »vir etwas erreichen wollen, und »venn cs »»ns gelingen soll, die nichttraditionstreuen Kreise im Zionismus aus unsere Seite zu? . , »vir zuallererst die innere Teilnahmsie \ »gfeit im eigenen Lager überwinden und uns auch selbst mit allen unseren Kräften in derc Dienst der neuen Aufgaben stellen müssen! Wollen wir die andere»» zur Anerkennung unserer Ideale bringen, so können wir dies nur erreichen, »venn wir ihnen zeige»», daß Orthodoxie nicht verknöcherte, freies Menschentum ausschließende Einseitigkeit bedeutet, sondern im Gegenteil lebendigstes Menschen- und Judentuin, gesichert .und ge»oahrt durch die Zäune des jüdischen Gesetzes. Wir müssen dazu zunächst die Ansprüche, die »vir an uns selbst zu stellen gewohnt waren, um ein Bedeutendes in die Höhe schrauben. Wir müssen beiin Studiun» und bei Ausübung der Gesetze mehr, als dies bisher häufig geschehen ist, die geistigen Werte des Judentums u»M die tiefere, lebendige Bedeutung der Gesetze in den Vordergrund stellen. Wir müssen darüber hinaus zeigen, daß wir liebevolles Interesse nicht nur filr den Buchstaben des Gesetzes, sondern für alles Jüdische haben und tätigen Anteil zu nehmen gewillt sind an allen Geschehnisse»» in unsere»n Volke sowohl auf,n»ateriellem als auch aus geistigem Gebiet. W»r dürfen unsere Anteilnahme auch den Bestrebungen im Schoße unseres Volkes nicht versagen, die unseren Anschauungen zuwiderlaufen. Wem» wir am.Baume des Judentums solche Sprößlinge hervorschießen sehen, die wir für schädlich halten müsse»», so wollen »vir bedenken, daß sie a»»ch Fleisch von miserem Fleische sind, derselben Wurzel entwachsen, aus der wir selbst geworden. Wir wollen zu verstehen suchpn, woher ihr Anderssein rührt, und dann zunächst uns bemühen, ob nicht auch diese Zweige des jüdischen Baumes so zu biegen uno zu beeinflussen sind, daß auch sie schließlich wertvolle Früchte für das Judentuui reifen. . Wenn »vir in solchem Geiste an unsere Ausgaben Herangehen werden, dann mutz es uns auch gelingenmit der dritte»» .und für unserer»