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Neue jüdische Presse · 1918-05-16 · Heft 20 (16.5.1918) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
16 (1918)
Issue
Heft 20 (16.5.1918)
Date
1918-05-16
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr 20. Scala - Lichtspiele Schäferga38e 29. Schäfergasse 29. Modems Theater Vorführung stets neuer und hervorragender Filme hebräischer Unterrichtssprache für die jüdischen Fächer, unbeschadet der Pflege der jüdischen Sprache als der gegenwärtigen Muttersprache überwiegender Teile der jüdischen Volksmasse und unbeschadet der Pflege der nichtjüdischcn Muttersprachen, deren sich die Juden je nach ihrer Siedlung in Oesterreich bedienen, in einem diesen Landessprachen nach der staatlichen Schulgesetzgrbung und nach ihrer Bedeutung für den zwischenvölklichen Wirtschafts- und Gesellschaftsverkehr zukommenden Ausmaße. Die geforderte allgemeine jüdische Schule möge alle Alters- und Berufsausbildungskategorien umfassen. Insbesondere fordert die jüdische fugend für sich national und religiös eigene Mittelschnlbildungsanstalten auf Grundlage der hebräischen Shittur, unter eventueller Ergänzung durch fakultative humanistische Bildungsmöglichkeit, soweit sie zur Erlangung akademischer Grade gefordert wird. Die jüdische Jugend weist auf die Wichtigkeit der hebräischen Lehrerausbildung auf sprachj pädagogischer, sprachpsychologischer und jüdisch-kulturefler | Grundlage hin, die nur von einem jüdischen Pädagogium lgeleistet werden kann. Ebenso bedarf es zur Erreichung unseres Zieles der Schaffung jugendgcmäßer, geeigneter Lehrmittel und Lehrmethoden. Die Jugend fordert einen hebräischen Minimallehrplan der jüdischen Schule, durch den die Möglichkeit der Vertiefung in die jüdische Kultur, der Pflege echten Nationalbewnßtseins und wahrer, freier Religiosität vocgezeichnet erscheint. III. An die jüdische O e f f e n t li ch ke i t spricht die jüdische Jugend die Erwartung aus, daß sie biujrch' tatkräftige Förderung der hebräischen Sprachpflege, die Bestrebungen der jüdischen Jugend ermögliche. Die jüdische Jugend hofft von de» Führern der jüdischen Oeffentlichkeit, daß sie zur Erreichung unseres Zieles beispielgebend die lebendige Pflege der hebräischen Sprache durchführen werden. Sie erwartet von den Erwachsenen die Bereinigung und Reform bereits bestehender Institutionen für hebräische Spracherlernung, soloic die Schaffung neuer, zweckdienlicher Einrichtungen für hebräische Spracherleruung. Insbesondere erwartet sie das Eintreten der Erwachsenen für die jüdische Schule mit Iveitgeheudstcr Pflege des Hebräischen." Men. Lesterreichisch-jüdischer Jngendtaa. Am 18.—20. Mai findet hier im Großen Musikvereinssaal ein Jugendtag niit folgendem Prograinin statt: ' Dr. Martin Buber: Zion und die Jugend. Dr. Siegsr. Bernfeld: Programm eines Verbandes der jüd. Jugend Oesterreichs. Gcnerqldebatte. Konstituierende Generalversammlung des Verbandes. Zuschriften sind zu richten an Jüdisches Jugendheim (für Jugendtag), Obere Donaustraße 9 I. Dr. Bern selb wird in seinem Referat folgende Leitsätze ausstellen: I. Die Aufgabe» des einzelnen jungen jüdisch e n M e n s ch e ii. 1. Seine Grundgesinnung sei bezeichnet durch die, folgenden Formeln: a) Das jüdische Volk bedarf der wirtschaftlichen und kulturellen Selbständigkeit, um die ererbten Werte in lebendiger Entwicklung zu steigern und um sie in seinem Dasein zu verwirklichen. b) Die jüdische Jugend bedarf in diesem jüdischen Volk der wirtschaftlichen Freiheit, des Rechtes auf eigene geistige Bestimmung und Verantwortung, der entscheidenden Mitbestinnnung auf allen anderen Gebieten, soweit ihre Einsicht und ihr Wille reicht. ■ 2. Als seine persönliche Aufgabe erkennt er in diesem Zusammenhänge: a) hingebende Versenkung in die Sprache, in das Leben, in die Kulturwerte des Judentums: h) Verwirklichen des Lebens in seinem Sinn: Leben in Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit und Ilnbedingtheit. Ein Leben, das sich in allen kleinen und großen persönlichen und sachlichen Alltäglichkeiten äußert; im Verkehr mit den Menschen; in den Anschauungen über die menschliche Gesellschaft; c) denk Volke bet seinen gegenwärtigen Notwendigkeiten zu dienen, sowohl durch die eigene Bildung im Menschlichen, als auch durch die bewußte Mitarbeit an den Gegeiiwartsaufgabeu der Volkscrneueruug. 3. Bei dem entscheidenden Akt der Berufswahl stellt er seine persönlichen, wirtschaftlichen und bürgerlichen Wünsche zurück, gegenüber den nationalen und kulturellen Notwendigkeiten des Voltes und der Idee der sozialen Gerechtigkeit. II. Forderungen einer solche u Iugend gegenüb e r d e r G e s a m t h e i t. Die Gesamtheit muß solches' Leben und Streben ihrer Jugend unterstützen und fördern, indem sie ihr schafft: 1. Die allgemeine jüdische Schule, die in ihren inneren und äußeren Einrichtungen schöpferisch vereinigt die kulturellen und nationalen Anforderungen des Volkes mit den physischen, psychischen und kulturelle» Notwendigkeiten der Jugend. 2. Die Mittel zu ihrer kulturellen Bildung: vor allem Schaffung von Bibliotheken, Herausgabe von Büchern, Heranbildung von Lehrern, Organisierung von Reisen. 3. Eine Umgestaltung des Religionsunterrichtes an den Schulen in der Weise, daß er die Jugend befriedigt, sie mit wichtige» Sach- und Sprachkenntnisscn versieht, ihr Frankfurter Israelitisches Familienblatt. die richtigen religiösen, nationalen, kulturellen und sozialen Richtungen weist. ... 4. Ein umfassendes, einheitliches nationales Jugendfürsorgewerk, das in einem reichausgebauten Fonds gipfelt, durch den es möglich würde, allmählich die ganze jüdische Jugend bis in ihr 18. Lebensjahr von aller wirtschaftlichen Zwangsarbeit zu befreien. 5. Ein allgemeines Berufsberatungsamt, das die nötige Bernfsumschichtung der jüdischen Jugend anrege», leiten und durch Schaffung der wichtigen Fachausbildungsstätten ermöglichen könnte. III. Die Organisierung der jüd. Jugend. . 1. Die Organisation umfaßt jene Gemeinschaften, deren Aufgabe es ist, der Jugend das oben angedentete Leben zn ermöglichen und die oben gestellten Forderungen zu erheben, zu vertreten und durchzusetzen. 2. Solange und soweit diese Forderungen an die Gesamtheit von dieser nicht erfüllt werden oder werden können, schafft die Organisation durch Selbsthilfe die nötigen Einrichtungen. 3. Dies gilt insbesondere fiir alle Aufgaben, welche die Arbeit stir das Volk betreffen. Die Organisation verpflichtet demnach alle ihre Mitglieder zu einer näher zn bestimmenden Dienstpflicht und sozialen Arbeit. Ukraine. Vom jüdischen Ministerium. Ein Abgesandter des Ministerimns fiir jüdische Angelegenheiten in der Ukraine kam vor unlanger Zeit in Warschau an. Der Grund dieser Reise ergab sich aus dem großen Mangel an Schulbüchern für die jüdischen Volksschulen der Ukraine. Das jüdische Ministerium betraute daher einen seiner Vertreter mit dem Einkauf jüdischer Bücher im Werte von 500,000 Rubeln und entsandte ihn zu diesem Zwecke nach Warschau, als einem Zentrum jüdischen Buchhandels. Der neue jüdische Minister ist, wie bereits gemeldet, der in weiten Kreisen bekannte Politiker und Schriftsteller B. L a z k i (Bertoldi). Neu wird die Mitteilung sein, daß zunr Leiter des Ressorts für Volksschulen im Bildnugsministerium M. « t r a s ch u n , angesehener Pädagoge und seiner Parteiüberzcugung nach Bundist, bestimmt worden ist. Probleme der jüdischen Auswanderung. Vor kurzem nahmen die Jüd. Territorialistische Organisation und die Jüd. Einigratis usgcsellschaft in Kiew Veranlassung, angesichts der durch die allgemeine Lage neugeschaffenen Verhältnisse gemeinsame Beratungen über Organisations- und Arbeitsfragen abzuhalten. Die genannten Organisationen, deren Tätigkeit bis in die letzte Zeit sich über ganz Rußland erstreckte, werden jetzt ihren Wirkungskreis aus die Grenzen der Ukraine beschränken. Weiter sind die Gesellschaften gesonnen, mit den Zentren jüdischen Lebens in Europa wie den Einwanderungsländern in Verbindung zu retten. , . Wichtige Beschlüsse wurden hinsichtlich der Organisierung der jüdischen Auswanderung gefaßt. Da mit dem Friedensschluß eine lebhafte, umfangreiche Auswanderung von Juden aus vielen Teilen der Welt einsetzen wird — vermag ihnen doch die Gleichstellung in allen Ländern das Ende der politischen, nicht aber der wirtschaftlichen Beeinträchtigung zu bringen —, so beschlossen die beiden Organisationen, ihre Tätigkeit zur Erleichterung der jüdischen Emigration zu erneuern und zu verstärken. Zu diesem Zwecke soll auf die Zusammenarbeit mit alten jüdischen Parteien, die an der glatten Abwicklung der jüdischen Auswandererbcwegung interessiert sind, hingearbeitet werden. Die Einwauderungsländer, denen die Arbeit der beiden Organisationen gelten soll, sind die wenig bewohnten Gebiete Amerikas und Palästinas; die Wahl ist demnach den Auswanderern überlassen. Die Tätigkeit der Gesellschaften richtet sich sowohl auf die Regelung der Auswanderung als auch auf die Kolonisierung der betreffenden Siedlungsländer. Zuni Schluß wurde das Sonderkomitee, dem die Gründung einer Kolonie auf den Namen von M. E. Mandelstamm obliegt, zur Wiederaufnahme seiner Tätigkeit bestimmt. Pole«. Polnischer Witz. Unter obigem Titel gibt die jüdische „Rundschau" folgende „Osterworte" des polnischen öffentlichen Wochenblattes „Muchy" (Fliegen) Nr. 14 wieder. Dieses vor Schmutz triefende Machwerk, das sich unter dem Gewände der Frömmigkeit verbirgt, gibt einen erschreckenden Begriff von der wüsten Judenhetze, wie sie in Polen vielfach geübt wird; die Wirkungen dürften klar vor aller Augen liegen. „Alleluja: Der von den Juden ermordete Christus ist am dritten Tag auferstanden, zum Himmel gestiegen; mit seinem strahlenden Blick umfaßte Er die Welt und Trauer bewölkte das göttliche Antlitz des Herrn, denn Er erblickte, daß Sein blutiges Opfer die Sünden der Welt nicht ausgemerzt hat. Die Inden, welche das schwere Verbrechen der Gotteskreuzigung sühne», wühlen in derWunde der Menschheit. Das sah Gott und sprach: Mögen die Juden das gelobte Land besitzen, und ein Wunder ist geschehen: keinem von den Völkern hat der Krieg etwas gebracht, aber die Juden haben in ihren Hände ndasGoldderga nzenWeltaufgehäuft und Jerusalem erobert. Alleluja! Lobet den Herrn: Möge das ganze Volk vor ihm flehen, daß Er das Wunder der Wunder geschehen lasse, daß dies Ungeziefer, mit ch ristlichem Blute Seile 3 11" Maffee Bnktond Kaiserstrassa 58 Kaiserstrasse 58 Täglich erstklassige SST" Unterhaltungsmusik "MÄ - Gesangs •Einlagen. : -rrr voll gesogen, unser unglückliches Vaterland verlasse. Möge» schon vor der nächsten Morgenröte die qualvollen Jahre vergehen und möge das Gotteslamm, das die Welt von ihren Sünden erlöst, geschehen lassen, daß die Judas- Söhne von dannen nach Palästina fortgehen und würde dann der äolische Hymnus erschallen: Hosanna für ganz Polen." Ter Krieg N«d üie Jude«. Berlin. Feldarzt Dr. Richard Weisenberg, z. Zt. am hygienischen Institut des General-Gouvernements Warschau, erhielt das Eis. Kreuz 1. Kl. Frankfurt «. §S. Vizefeldwebel Max Meyer, Rege des Herrn Anselm Hirsch, erhielt das Eis. Kreuz 1. Kl. BreSlon. -Offizierstellvertreter Fritz Scherbe! erhielt das Eis. Kreuz 1. Kl. Wien. Blochs ..Oesterr. Wochenschrift verzeichnet in ihrer Nr. 18 folgende Ausze ich nungen an Juden: 6 Ritterkreuze des Franz Josef-Ordens, 4 Militärverdienstkreuze 3 Kl., 23 silb., 36 bronz. Signum laudis. 51 gold., 7 silb. Verdienstkreuze, 16 silb. Tapferkeitsmedaillen 1. Kl., 55 2. Kl. Der Kaiser hat der Lehrerin Ester Weißbrot» in H a l i c z fiir tapferes und aufopferungsvolles Verhalten nu Angesicht des Feindes das goldene Verdien stkreuz der Tapferkeitsmedaille mit den Schwerter n verliehen. Die Verleihung der Schwerter als Ordensauszeichnung an eine Frau geschah bis nun nur in ganz vereinzelten Fällen, verdient daher besonders vermerkt zu werden. VersssslrsN s. tteiNr MMeilssges. Berlin Bor einiger Zeit wurde der Vorstand der jüdischen Gemeinde zu Kobylin (Posen) durch die Vorgesetzte Behörde veranlaßt, seine Einwilligung dazu zu geben, daß die dortigen jüdischen Kinder wegen des allgemeinen Mangels an Lehrkräften vorübergehend die evangelische Schule besuchten, und daß der jüdische Lehrer dort mich Unterricht erteilte. Als der betreffende Lehrer starb, beantragte die Regierung die sofortige Auflösung der jüdischen Volksschule und die Uebergabe etwaigen schulvermögens an die evangelische Schule. Ein Gesuch des Vorstandes der Gemeinde Kobylin wegen Anstellung eines jüdischen Lehrers an der evangelischen Volksschule wurde abgelehnt. Daraufhin ersuchte der Vorstand den Deutsch-Israelitischen Gemeindebund um Unterstützung seiner Wünsche bei der Regierung. Auf eine Eingabe, die der D. I. G. B. an den Kultusminister richtete, ging bei ihm von der Regierung zu Posen unter dem 18. April der Bescheid ein, daß die Auflösung der jüdischen Volksschule verschoben worden sei und die Lehrerstelle demnächst wieder besetzt werden wird. Dr. H. Ludwig Eisenstadt ist im Wer von 47 Jahren ein Opfer seines mit seltener Hingabe ausgeübten Berufes geworden. Er war ein begeisterter Jude und hat besonders Arbeiten auf dem Gebiete der jüdische» Sozialhygiene verfaßt. verli». Zum ersten Male in Preußen wurde ein Jude zum Landgerichtsdirektor ernannt: Landgerichtsrat Cohn, gebürtig aus Königsberg, vom Landgericht l Berlin. - Professor Dr. Hermann L. Strack, der hervorragendste nichtjüdische Kenner des nachbiblischeu Judentums, beging seinen 70. Geburtstag. Professor Dr. H e i u r. Simon, Oberbibliothekar an der Technischen Hochschule, vollendete sein 60. Lebensjahr. Berlin. An Stelle des an die Universität Bern berufenen Prof. Dr. Sobernhcim wurde Dr. Erich S eligm ann zum Vorsteher beim Medizinalanrt der Stadt Berlin gewählt. Der bekannte Jurist Justizrat Prof. Dr. Paul A l e x a u d e r - K a tz, Privatdozcnt an der Technischen Hochschule, ist im Alter von 65 Jahren gestorben. Breslau- Agnes Kober geb. Karger, Gattin des Herrn Josef Kober, eine durch ihre Wohltätigkeit bekannte Dame, ist plötzlich verschieden. KSuigSder«. Der Jüdische Jugendverein hat im Hause Steindaiunr 11 ei» schönes Heim eingerichtet. Posen. Julius Ephraim und Freu Flora, geh. Memelsdorff feierten die goldene Hochzeit. Geilenkirchen. Lchrer Frohmann war anläßlich seines 25j ährig e n Amtsj ubi l ä n ins der Gegenstand zahlreicher Ehrungen, die beweisen, welche Liebe und Anhänglichkeit er sich in seiner Gemeinde zn erwerben verstand. Auch die Ortsbehörde und die christliche Geistlichkeit erschien am Jubeltage bei Herrn Frohmann, um zn gratulieren. Ter Verein „Israelitisches K r a n k e n h e i m Bad Neuenahr" nimmt ah t. Juni in diesem Jahre seine Tätigketi wieder auf. Da die Lebensmittelverhältnisse in Neuenahr eine Eröffnung des Hauses selbst unmöglich machen, werden dafür an arme kurbedürftige Israeliten Zuschüsse erteilt. Bewerbungen mit den erforderlichen Zeugnissen sind an den Borstand des Vereins in "Neuenahr zu richten. Wie«. Am 5. Mai fand hier eine Plenarsitzung des Aktionskomitees der österreichischen Orthodoxen statt, zu welcher auch Vertreter breiter orthodoxer Kreise geladen waren. Bei dieser Beratung,

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