Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 16 (1918)
- Issue
- Heft 20 (16.5.1918)
- Date
- 1918-05-16
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2. Weise Maschen offen zu hatten verstanden, die cs ihnen ernlögtichen, die Gleichberechtigung in Wirklichkeit auch fernerhin nicht durchführen zu brauchen. Ein Kenner Rumäniens beurteilt im „Jsr. Wvchenbl. f. d. Schweiz" die Sachlage wie folgt: Der betreffende Teil des Friedensvertrages beginnt mit der Wiederholung des § 44, der besagt, daß Religionsunterschiede lein Hindernis zur Erlangung der bürgerlichen Rechte bilden, und fährt fort: „In Ausführung dieser Bestimmung verpflichtet sich die rumänische Regierung, vor Ratifizierung - dieses Vertrages ein Gesetz -zu erlassen, wonach alle Staatslosen, also die einheimischen Juden inbegriffen, die bisher als Fremde behandelt wurden, die bürgerliche und politische Gleichberechtigung erlangen." „Bon den Juden werden sofort die Gleichberechtigung erlangen: 1. Alle im Lande geborenen, ansässigen, von im Lande geborenen Eltern und 2. die am Kriege teilgenvmmen haben, sei es im aktiven Heer, sei es im Hilfsdienst." „Die Frauen und Minderjährigen erlangen gleichfalls die Gleichberechtigung," Dieses Resultat kann uns n i ch t z u fr i e d e nsteilen. Wir müssen vielmehr gegen eine solche Lösung sehr e n e r g i s ch a n k.ä m p f e n. Gestatten Sie mir, die Folgen des ober: zitierten Textes zu erörtern. Durch .diesen Text werden zwei Kategorien rumänischer Juden geschaffen: 1. Solche, die gelegentlich des Krieges mobilisiert wurden, und 2. solche, die Akten Vorbringen müssen, um zu beweffen, daß sowohl sie als ihre Eltern in Rumänien gäoren sind. Sowohl die Juoen der ersten Kategorie als jene der zweiten werden von Spezialkommissionen, die in jedem Distrikte ernannt werden sollen, zu erscheinen haben und Akten Vorbringen müssen — die der ersten Kategorie werden Militärzeugnisse vorzuweisen haben — damit die Kommissionen über jeden einzelnen Fall entscheiden. Herr Marghiloman selbst hat dem jüdischen Zentralkomitee erklärt, daß.die Einbürgerung dieser zwei Kategorien auf der erwähnten Grundlage seitens spezieller Kommissionen besorgt werden soll. Ein solches Einbürgerungsgesetz bietet zahlreiche und schwere Nachtelle. Eine solche Lösung würde von vornherein zur Ausschließung von zehntausenden von Juden von der Einbürgerung führen. Denn nicht einmal 20 Prozent der Juden können tatsächlich den Nachweis erbringen, daß sowohl sie als ihre Eltern in Rumänien geboren sind. Denn sogar in dem Falle, daß der Nachweis durch Zeugenschaft angenommen werden sollte — was durchaus nicht sicher ist — werden die Kommissionen, die sicherlich von heftiger antisemitischer Gesinnung beseelt sein werden, die Macht haben, solche Nachweise abzulehnen. Ferner werden cklle, die vom Militärdienste als untauglich befrcü worden sind oder aus sonstigen Gründen mllllärjrei waren,. die aber nicht mobilisiert wurden, von der Einbürgerung ausgeschlossen bleiben. Alle die Juden, die älter als 47 Jahre sind und nie zum Mllitärdienst einberufen waren, werden vollständig von der Einbürgerung ausgeschlossen. Die Zahl der Befreiten und Nicht Mobilisierten ist gewiß bedeutend, da nach dem Rückzug der rumänischen Armeen nach der Moldau die in dem besetzten Tell des Landes Gebliebenen nicht mehr zur Revision und zur Einziehung gelangten. Das jüdische Zentralkomüee hatte gemeint, daß, die Einhürgerungssormel mindestens diejenigen einschtießen wütde, die dem Rekrutierungsgesetz genügt hccken, -ob sie nun mobllisiert wurden oder nicht. Sie nmfaßt aber nur die Mobllisierten. Die Nichtmvbllisierten werden den einzigen Ausweg haben, den die meisten nicht werden benützen können, vor den Kommissionen zu erscheinen und den Nachweis zu erbringen, daß sowohl sie als ihre Eltern in Rmnänien geboren sind. Es kommt noch hinzu, daß die Arbeiten der Kommissionen, da es sich um zehntausende von Menschen handelt, sehr lange Zeit in Anspruch werden nehnren müssen, während inzwischen die antisemitische Agllation unablässig fortbestehen wird, gerade um diese Arbeiten negativ zu beeinflussen. Die Frauen und Kinder der Nichteingebürgerten verbleiben auch Fremde. Herr A. Marghlloinan, der jetzige Ministerpräsident, hat gelegentlich des Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Nr. 20. erwähnten Gespräches zugegeben, daß von den 250000 einheimischen Juden 50000 abseits bleiben werden, aber das Resultat, meinte er, sei doch ein befriedigendes, da 200 000 eingebürgert ,werden. Es werden darunter 50000 Seelen gemeint, aber ich bin überzeugt, daß die Zahl derjenigen, die von der Einbürgerung ausgeschlossen bleiben, viel größer sein wird. Es ist wahr, Herr Marghiloman verspricht, darüber zu wachen, daß das Einbürgcrungsgesetz von den Komniissionen in loyaler uno weitgehender Weise angewandt wird. Ich denke, daß er aufrichtig ist. Aber ich bin überzeugt, daß er sich täuscht und daß er die KommissionSmrtglicder, die, wie ich bemerkt habe, sicherlich erklärte Gegner der.Juden sein werden, nicht von einer Obstruktion gegen die Emanzipation ivird abhalten können, daß er sie nicht wird hindern können, die Einbürgerung in der illoyalsten Weise zu behandeln. Ueber die Frage, warum die Delegierten der Zentralmächte, die die Lösung ausgenötigt haben, nur zu einein so ungünstigen Texte, wie dem erwähnten, gelangt sind, wird nachher zu diskutieren sein. Vorläufig ist es klar, daß die R umänen wieder in der Sache gesiegt haben. Wir aber können und sollen uns nicht für besiegt erklären. Wir haben noch Mittel und Zeit, um eine Besserung des Textes zu erlangen. Der reproduzierte Text ist gelegentlich der Friedensverhandlungen ausgenötigt worden. Wie es sich aus seinem Inhalt ergibt, ivird das Parlament ein Gesetz zu votieren haben, nach welchem dieser Text in Anwendung kommt. Da der oben zllierte Text ein Minimum vorstellt, wäre das Parlament noch in der Lage, ihn in günstiger Weise umgestalten zu können. Was die Mlltel zur Erlangung einer Besserung des erwähnten Textes betrifft, so ergebeir sich folgende praktische Minimal-Borschläge. Wenn die rumänische Regierung auf dem Nachweis durch Akten hartnäckig bestehen sollte, so müßten wir wenigstens zu erreichen trachten, daß das Gesetz ans folgende Weise geändert wird. 1. Alle, die dem Rekrutierungsgesetz. .genügt haben, ob sie mobllisiert worden sind oder nicht, werden als Bürger betrachtet. 2. Desgleichen alle, die in Rumänien geboren sind (ohne Rücksicht darauf, ob auch die Eltern in Rumänien geboren oder ansässig). 3. In den Komniissionen sollen auch jüdische Vertreter amtieren. 4. Eine Frist soll gestellt werden, in der die Entscheidungen der Komniissionen unbedingt getroffen werden sollen. Um Verzögerungen und Hinziehungen zu vermeiden, sollen in den Distrikten, wo viele.Juden leben, mehrere Kommissionen zu gleicher Zeit wirken. 5. Um zu vermeiden, daß die Zivil- und Militärbehörden, die berufen sind, die nötigen Akten auszusolgen, nicht willkürlich oder unter irgend welchen Vorwänden sich dessen weigern, wie es zu erwarten ist, soll das Emanzipatiousgesetz unter Androhung von strengen Sanktionen diesen Behörden die Weisung zur unbedingten raschen Ausfolgnng der angesuchten Dokumente erteilen. Bo» den Gememdewahle» itt der Ukraine. Eine Reihe weiterer Ergebnisse der jüdischen Gemeinde- Wahlen in der Ukraine liegen vor. In Skwire haben die Wahlen mit einem Erfolg der Zionisten und der Orthodoxie geeiwet. Bon den 31 gewählten Kandidaten gehören 12 zu den Zionisten, 11 zu der „Achdut", 6 zw den Soztalistenparteien; die übrigen 2 entstammen anderen Gruppen. Auch in Tschertas, Alt-Konstantin und Lnbin gewannen die Zionisten den vorderen Platz in den neuen Gemeinden. In diesen drei Städten fielen chntzn 10, 7 und 12 Sitze zu. Die Orthodoxie hat, wenn man die örtlichen orthodoxen Charakter tragende Wahlvereinigungen ausschließt, in Tscherkas 4, in Alt-Konstatin 7, in Lnbin 5 Kandidaten durchbringen können. Die übrigen Parteien wählten in der ersten Stadt 16 (verschiedene andere Bünde der Chasonim, der Kaufleute u. a. insgesamt 7) Kandidaten, ani zweiten Ort 11 (andere Vereinigungen 8), in Lnbin endlich 10 Kandidaten. Die Wahlen in Tscher:: ig v w führten zu einem überwiegenden Erfolg des Sozialistischen Blocks, der IS Vertreter in die neue Gemeinde entsendet und die Zionisten folgen mit 11, die Poale Zion mit 6, alle anderen Parteien und Gruppen mit 11 Vertretern. §n Tiraschpol gelang es den Poale Zion und den ionistcn mit der Wahl voir 6 beM. 7 Kandidaten die erste Stelle in der neuen Gemeindeverwaltung zu besetzen. Die übrigen Wahlmänner zählen zum „Bund" und zu anderen Richtungen. Aus aller Welt. Frankfurt a. SR. Achawa „Achawa, Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelit. Lehrer, Lehrer-Witwen u. -Waisen Deutschlands" (Vors.: Julius Heymann, Franksurt), erstattet Bericht über die Jahre 1916 n. 1917. > Die Zahl der Pensions-Anteile ist, — nach einen: kleinen Rückgang — im verflossenen Jahre wiederum gestiegen; sie betrug 184 Teile im Jahre 1916 und 190'/» Teile im Jahre 1917 gegen 184% im Jahre 1915. Nachdem in den Jahren 1915 und 1916 eine Quote von Mt. 168 zur Verteilung gebracht war, konnte es für das Jahr 1917 ermöglicht werden, eine Erhöhung auf Mk. 180 eintretcn zu lassen. Nur der Gabe eines ungenannten Wohltäters in der Höhe von Mk. 2000 ist diese ausnahmsweise Erhöhung zu verdanken. Lehrer a. D. Samuel Birk in Meerholz hat unter seinem Namen und Unter dein seiner verstorbenen Ehefrau Sara eine Stiftung von Mk. 2000 in 3%"/o:ge>: Wertpapieren errichtet. Der Verein zählt 1213 Ehrenmitglieder gegen 1254 im Jahre 1915. Die Zahl der Pensionäre betrug im Jahre 1917 156 gegen 152 im Jahre 1916 und ebeihsoviele im Jahre 1915. Es sind dies 12 alleinstehende dienstunfähige Lehrer, 84 alleinstehende Witwen, 10 Witwen mit unmündigen Kindern, 49 Ehepaare mit und ohne unmündige Kinder und 1 unmündige Waise. Infolge einer, außergewöhnlichen Zuwendung lvar es möglich, den Reservefond im letzten Jahre erheblich höher als in den Vorjahren zu dotieren. Es konnte deshalb vielen Mitgliedern, die durch den Krieg in stärkere Mitleidenschaft gezogen wurden, eine angemessene Beihilfe zuteil werden. Im übrigen tritt der Reservefond in Krankheitsfällen diensttuender Lehrer in Tätigkeit. Es wurden gewährt 1916 Unterstützungen in 29 Fällen im Gesamtbeträge von Mk. 1235 und 1917 solche in 39 Fällen im Betrage von Mk. 2635. Der Spezial-Reservefond für Angehörige früherer aktiver Lehrer bestimmt, gewährte Beihilfe 1916 in 8 Fällen im Betrage von Mk. 335. Die Summe der Jahresunterstütznngen im Jahre 1916 betrug Mk. 30.912 in 184 - Teilen ä Mk. 168. Hiervock gehen 3% Teile mit Mk. 588 für erst im Laufe des Jahres pensionsberechtigt gewordene ab; dagegen kommen die aus beiden Reservefonds bewilligten außerordentlichen Unterstützungen im Betrage von Mk. 1577 hinzu, so daß sich eine Gesamtausgabe von Mk. 31.901 ergibt. Im Jahre 1917 stellen sich die Ausgaben auf 34.245 Mark in 190% Teilen L Mk. 180. Hiervon gehen 5% Teile mit 945 Mk. für im Laufe des Jahres berechtigt gewordene ab, dagegen die Bewilligungen aus den. Reservefonds mit Mk. 2970 hinzu, so daß sich die Gesamtausgaben auf Mk. 36.270 stellen. Bestereeich-Mgar«. Wien. Jugendkonferenz zur Förderung des hebräischen SprachftudinmS. Die Jugendkonferenz zur Förderung des hebräischen Sprachstudiums, veranstaltet von den Bereinigten Jüdischen Jngendgruppenin Wien, zeigte den Willen der jüdischen Jugend, Ernst zu machen mit ihrer Beziehung zur hebräischen Sprache. Die Vormittagssitzung bot in den Referaten über die hebräische Sprachbewegung (Dr. Baron) und über Methode und Kritik unserer Arbeit (Kvstcnbaum) und in den Berichten über hebräische Jugendarbeit in Oesterreich zunächst einen geschlossenen, eindrucksvollen Ueberblick über die hebräische Sprachbewegung. Die Referate: Die jüdische Jugend und die hebräische Sprache (Dr. Sonn e) und Wege zur hebräischen Sprache in Schule und Jugendbewegung (Dr. Heinr. Glanz) gaben einen klaren und eindringlichen Einblick in die Probleme der hebräischen Spracherlernung, insbesondere der Stellung der jüd. Jugend von heute zur hebräischen Sprache. Die interessierte und lebhafte Diskussion beschäftigte sich ausschließlich mit den vorgelegten Resolutionen zur Generaldebatte. Eine konkrete Beratung über die zukünftige Arbeit wird demnächst in kleinerem Kreise erfolgen. Die Richtlinie!» für diese Arbeit beschloß die anwesende Jugend einstimmig wie folgt: ‘ i „I. Die jüdische Jugend ist gewillt, der Verlebendigung der hebräischen Sprache ihre Kraft zu widmen. Die innerhalb des zu begründenden Verbandes der jüdischen Jugendgruppen Oesterreichs vereinigten Organisationen werden sich zu einem Arbeitskreise für hebräische Spracherlernung zusammenschlietzen. Sie beauftragen in diesem Sinne die auf den: kommenden Jugendtage zu wählende Leitung des Verbandes, ein hebräisches Arbeitsamt mit einen: Referate in der Verbandsleitung zu begründen. Die eiitzelnen Gnippen werden zu ihrer Aufgabe machen: 1. Die rege Pflege der hebräischen Sprache in eigenen Lern-, Sprech- und Lesezirkln. 2. Die Ausbildung Hebräisch beherrschender Jugendfiihrer. | 3. Den Beitritt zu hebräischen Jugendorganisationen zu fördern. ' ' II. Forderungen an Schule, Lehrerausbildung, Lehrmittel, -Methoden und -Pläne. Die jüdische Jugend fordert die Pflegeder hebräischen Sprache als Grandläge der jüdischen Erziehung. Sie lehnt die erstarrten Formen des hebräischen Unterrichtes ab. Einen auf niechan:schc Einübung von Bibel- und Gebettexten gerichteten Hebräischunterricht erklärt sie als einseitig und ungenügend. Insbesondere kann der jüdischen Jugend das geringe Ausmaß an sprachlicher Ausbildung im Religionsunterrichte, der nur noch einen kärglichen Rest des einstigen eigenen jüdischen Schulwesens bildet, nicht genügen. Sie fordert daher die allgemeine jüdische Schme mit hebräischer Kultursprache, mit nach zunehmendem Alter auSzudehnender