Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 16 (1918)
- Issue
- Heft 19 (10.5.1918)
- Date
- 1918-05-10
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Vs-xentliittex ^H'aplittiajes FaniiUeliviair. 8-ttt 4. Ult. 1» Bo» Le» bisherigen größeren Kndlitationen Dr. <L h n - je*’ seien hervorgehoben: Maxkiis-Studien, Berlin 1899; Kommentar zu den Psalmen, 2 Bünde, welche 1907 in zweiter Auflage erschienen; Prvverbia-S Indien, Berlin, Schwetschla 1899; Hebr. Kommentar zu Amos, Kiew 1907; Hebr. Ausgabe von Rabbi S. ben Jathom, Mekizc Rirdamin, Berlin 1909/10. Seme „Beiträge zur nordsemitischen Onomatvlogie" und „Jüdische und jüdisch-indische Inschriften aus Aden" sind cfö Sonderberichte der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wen 1900,-bezw. 1903 erschienen. K»wv». EinFortbilbungSkurSfürThederl e h r e r wird hier auf Verfügung des Oberbefehlshabers Ost im Anschluß an die Talmud Thora-Schule errichtet. Während dreier Monate werden die Teilnehmer mit den Ausgaben der Schulen als geistiger und körperlicher Erziehungsanstalt, der zweckmäßigen Einrichtung und Ausstattung der Schulräume, Aufstellung der Lehr- und Studienpläne, eines geordneten Lehrverfahrens, in die Kenntnis der deutschen Sprache einzufiihren und auch sür die Erteilung des Deutsch- und Rechenunterrichtes vorzubereitcn, vertraut gemacht. Als Kursleiter ist eiu reichsdeutscher jüdischer Oberlehrer in Aussicht genommen. Ulnreuz Hier, wo er seit einigen Monaten als Flüchtling aus dem Kriegsgebiete wohnte, starb der Vizerabbiner von Venedig Leone Luzzato. Während seiner langen Tätigkeit in Venedig hatte er Gelegenheit, für die gesamte italienische Judenheil zu wirken; er besaß große Kenntnisse in jüdischen Sachep und war wegen seiner Mildtätigkeit allgemein beliebt. -»n-o«. Die - ensurbeh örd en haben die Korrespondenz in hebräischen Buchstaben verboten. Frankfurter Berichte. Personalien. Dienstag nacht hat Herr Feist Sondheimer seine Augen für immer geschlossen und am Freitag, den 3. Mai haben wir ihn zur letzten Ruhe gebettet. Nur derjenige, der unter säner gütigen Leitung seine früheste Jugend erlebt hat, vermag die Güte und das liebevolle Herz dieses braven Mannes zu ermessen. Selbst die sürsorgensten Ellern vermögen nicht mehr Liebe und Aufmerksamkeit ihren eigenen Kindern angedeihen lassen, als dieser Mann denen ihm anvertrauten Waisenkindern an Liebe, Aufopferung und Gerechtigkeit angedeihen ließ. Wenig Eltern wird eö wohl geben, die sich so aufopfernd für das Fortkommen der Kleinen in der Schule bemühen, lofe- ' dieser Mann es getan hat. : Bis tief in die Nacht hat er täglich mit seinen Zöglingen in Schulausgaben gemacht und keine Mühe war ihm zu groß, seinen Pfleglingen das beizubringen, was sie für ihr späteres Fortkommen benötigten. Wie gerne sprach er bei jedem Besuch von all den Zöglingen, von denen et wußte, daß sie tüchtige Menschen geworden sind und wie besorgt war ec noch um die, welche nicht das evrefchen konnten, was er ihnen so sehnsüchtig wünschte? Mit der richtigen Vaterfreude sprach er -mmer wieder von seinen JungenS, von denen er Gutes hörte. Immer von Neuem fühlte man sich zu diesem braven und edlen Manne hingezogen. Wttche Freude hatte er auch an den Kindern seiner früheren Zöglinge, die er wie seine Enkel ansah. ~ Nun ist er für intzner aus unserer Mitte geschieden. Nicht genug kann ich und viele hunderte Zöglinge für all die Liebe und Güte, die er uns angedeihen ließ, danken. Mit Liebe und Verehrung werden wir immer seiner gedenken. An -er Bcchre sprachen Rabbinats-Assessvr Gerson Posen, Leopold Perlmutter und Professor Dr. Fink. S. Std Am 12. Dlai feiern die Eheleute Eduard Hamburger und Frau Clara geb. Koch, Bergweg 3, ln voller Mstigkeit! die Goldene Hochzell. Es klingt vielleicht übertrieben, einem ftinb einen Nachruf zu widmen. Aber Auguste Rosenheim, oder besser Gnstel, wie wir sie alle nannten, war kein Kind mehr, wen-r "e auch ihrem Alter und Aeußeren nach als solches f und ihr kindliches Wesen, behalten hatte. An Gen,-.. i*nb Vernunft aber zählte sie zu den Erwachsenen. Sie hatte ihre eigenen Anschauungen und ihr selbst gebildetes Urteil. Das, waS sie in ihrem Elternhaus vor sich sah, ehrte sie nicht nur als Tradition und übte es gewohnheitsmäßig ans; so jung sie auch war, eS war ihr doch zum eigenen Besitz geworden; aus sich selbst heraus tat sie das Gute und Richtige. Man brauchte nur in ihr immer strahlendes AnÜitz, in ihre leuchtenden Angen zu sehen, um zu wissen, was für ein Reichtum, was für eine Menge edler, ernster Vorsätze,-die alle nur auf ihre Entfaltung warteten, hinter diesen seingeschnittenen Gesichtszügen verborgen waren. Und nun schweigt ihr Mund, ihr nie untättger, stets hilfsbereiter, reger Körper ist von höherer Hand zur Ruhe gezwungen worden. Und sollte dieses nun alles wirklich weg lein, verschwunden, weil Gnstel nicht mehr unter uns ist? Nein! Der Tod eines guten Menschen bringt Gutes hervor. Er bessert die, die um ihn trauern. Gnstel lebt in uns fort, in unfern guten Taten, die wir um ihretwillen tun, in unfern Kindern, der wll von ihr erzählen, die wie sie werden sollen. Und wenn sie jetzt um sie weinen — und wer, der sie gekannt hat, tut es nicht? — well wir Menschen sind und uns die Trennung von denen, die wir lieben, so schrecklich, schrecklich schwer fällt, so wollen wir uns doch wieder mutig anfrichten mit dem Willen, ein Stück von Gnstel von nun an in uns fortzutragen und der Menschheit etwas von dem Guten zu bringen, das sie sich für die Zukunft aufgehoben hatte und das ihr nun nicht mehr zu leisten vergönnt ist. Darin helfe uns Gott, so wie er auch den edlen Eltern in ihrem Kummer helfen möge und ihnen an ihren anderen Kindern, in denen Gnstel ja auch — innerlich und äußerlich — loeilerteht, nur Glück und Freude erleben lassen. ' R. G. Harr und tragisch reihen sich zwei Botschaften des Leides aneinander; die eine vom jähe» Abbruch eines im Aufstieg begriffenen Lebens, die andere! vom gekrönten Abschluß einA an Tagen und Taten gesättigten Daseins erzählend. Ein Lenzrind tvar die sechzehnjährige Gnstel Nosenheim, ein frisches, helles und fröhliche Lenzkind. Sonnenschein und Güte lagerten auf ihrem Wesen, kein unschönes Wort verunzierte je ihre Lippen, kein unwilliger Gedanke schlich sich je in ihr Herz. Ihr reines und LarteS Empfinde» schüttete unwillkürlich jede Spur von Unadligcin ab, ihr frühgereifter und wohlumhegter Geist wandte sich dein Besten zu, das ihr herrliche Ahncnttadition und wundervolles Elternvorbild boten. — Von der Schwelle zum Tore des wahren jüdischen Lebens führt ein weiter, weiter Weg zu seinem' Giebel und Gipfel. Oberkantor Friesländer hat sie erreicht. Natürliche Vornehmheit und Feinheit der Gesinnung waren seinem Wesen und allen Ausstrahlungen desselben stets ausgeprägt. Waltete und wirkte er an geweihter Stätte, so schwang in jedem Klang das Bewußtsein, vor wem er stand. Und auch das Herz schwang mit, leidvoll durchbebteS und sehnsüchtig anstvärts drängendes Herz an den Feste» der Erschütterung, froh anftauchzendes in den Feierstunden der Glückseligkeit. So vertiefte und erhöhte er die eigene Art, vertiefte und erhöhte er den Glanz der „Jsraelittschen Neligionsgesellschaft". Adel und Herz paarten sich noch harmonischer, wenn er als Obmann des „Biknr Chohtn"-Vereins Kranken und Dürftigen über die Schwere ihres Wellens mit gütlichem Zuspruch, mit leichtem und erleichterndem Scherzwort hinweghalf. In seiner Liebe hat Gott die beiden zu sich genommen — die anfblühende Jungfrau, den fruchtschweren Greis. Möge er sottan sein Erbarmen über uns walten lassen, unS ans der drangvollen Enge und Fährnis der Gegenwart Hinführen zu jener Zeit> da dem Tod seine Macht geraubt ist. Bald . . . bald ... M. Sp. Kleine Nettze». Wie alljährlich, so findet auch in diesem Jahre in den Bereinsräumen des Mekor Chajim-Boreins, Langestr. 18, ein Schownaus-Lernen statt. Beginn 11V« Uhr. (Kostenbeitrag für Mitglieder 1 Mk., für Nichtmitglieder 1,50 Mk.) Die Priuzeffiu. Eine Seschtzhte «S der Mitte txs 19. tzkhrhmibeM den Leepvld Kompert. #eaiffefon. Laut lachend ging er von dannen, während der einstige Soldat wie am Boden festgenagelt dastand und dem Davonellenden nachsah. Dan» schlich er in den Garten, obwohl er eigenllich im Hanse zu tun hatte. — Folgen wir ihm nach. Da steht der kräftige Junge vor dem Kirschenbaum, unter dem er vor einigen Wochen jenen Brief seiner Mutter vorgelesen hatte. Warum hat sein Anllitz einen so traumhaft zerstreuten AuÄ»ruck, indem er in das grüne Laub hinemschaut? Fällt es ihm ein, daß damals, als er jene Zellen der reichen Hannele las, der Baum in voller Blütenpracht stand, und daß jetzt nicht einmal für einen hungrigen Sperling das armseligste Kirschlrin daran hing? Mußte Blüte und Fruchtzeit so schnell vorüberrauschen? Mit einein Male begann auf dem Baume ein Bogel laut zu pfeifen. Ost sind diese Naturstimmen nur die Verkündiger und Verräter dessen, was siebenfach bedeckt und verhüllt in solchen Momenten in unserer Seele singt und klingt. So mochte es auch Josef sein. Er horchte auf den Gesang des Vogels, als sei es zuin ersten Male, daß er ihn zu Ohren bekam. Er sah den Vogel nicht, er hörte nur dessen Sprache «ns den Blättern zu sich dringen — aber tief bis ins Herz hinein. Plötzlich verstummte der Gesang, der Bogel flog mit leichtem Geräusche auf und ließ sich auf einem benachbarten Baume nieder. Nun bekam ihn Josef, ganz zu Gesichte; er wartete, ob das kleine Tierchen von neuem, beginnen würde. Aber der Bogel schien seine Lust daran zu haben, die Erwartungen Josefs zu täuschen. Er sang nicht mehr, und endlich flog er auf und davon, weit weg Über den Zaun des Gartens. Mit einem Blicke ttefer Traurigkell blickte Josef dem Davoneilenden nach. Dann schien mit einem Male eiu Geist der Ermannung über sein seltsam zerstreutes Wesen zu kommen, gleichsam von innen heraus trat eine sichtliche Erhebung über die Schwäche dieses Augenblickes auf seinem Gesichte hervor, und an die Stelle der früheren Schlaffheit war die Miene siegreicher Entschlossenheit getreten. Rasch, als wollte er einen müßig verttäumten Augenblick wiÄer einbringen, verließ er den Gatten. Im Hofe lag eine Ladung Baumllötze für den kirnenden Winter. Wußte Josef, was er lat, als er man nach watt Scho als Wim Schi schaf das cinen dieser Klötze mit den Händen uinfaßte und aus. hob und ihn dann well von sich Über den Hof schleuderte'? Was bedeutete diese Kraftprobe? Seine Mutter Gitel sah in diesem Augenblicke aus der Küche in den Hof; sie hatte das anscheinend unsinnige Treiben ihres Sohnes Ivohl gemertt. „Josef, was stellt, das vor? Bist du nicht mehr sinnedig?" Er schaute auf; dunkelrot war sein Gesicht, sei cs von der Kraftprobe oder von dem wogenden Gefühle, das ihn beherrschte. „Ich habe nur sehen »vollen, Mutter, ob »roch ei» bissele Kraft ist in mir," rief er, und mit einem mächtigen Fußtritt schob er den Baumklotz wieder an dessen frühere Stelle zurück. Einem Mutterange, sagt mau gewöhnlich, ist die . Kunst gegeben, in der Seele des Kindes selbst da z» sehen und sich auszukennen, >vo für jedes andere Dunkelheit und Finsternis ist. Diesmal jedoch machte Gllel, die Bäuerin, davon eine Ausnahme. Ihr Auge, ihr geistiges sowohl wie ihr leibliches, ruhte seit der.Ankunft Rosels auf keinem anderen Wesen, als ans dieser; für die kleinste Regung dieser ihr anvertranten Pflanze hatte sie die Aufmerksamkeit eines Gärtners; aber in ihrer Freude .au dem neuen Kinde, in ihren: Glücke, daß Rosel in ihrem eigenen Hanse der Gesundheit an Leib und Seele entgegengehe, vergaß sie nachzuforschcn, Lkfapp Auch mit Ban diese in l süßei Beid karnlag, kapp ansa die > wikd aülti was die verdrossene Miene ihres Sohnes Josef, sei» nnlustiges Wesen und eine gewisse Bitterkeit, die man sonst an ihm nicht kannte, zu bedeuten hatten. Die Bäuerin ging nämlich von der irttgen Ansicht irus, daß Josef noch iminer gegen die Aufnahme des fremden Mädchens sei. Sie hatte cs nicht vergessen, wie er dagegen geeifert und in seinem Zorne sogar harte Worte gegen die eigene Mutter gebraucht hafte. In Wahrheit jedoch war es Gllel in dieser Hinsicht gleichgültig, was Rebb Feiwel oder ihr Sohn über Hanncles Tochter dachten. In der Ausschließlichkeit ihrer Liebe wollen so kraftbewußte Naturen, wie die unserer Gitel, nicht beirrt sein; selten gewahren sie, wenn sie irgend einmal ein Wesen in den Kreis ihrer Tätigkeit gezogen haben, was zur Rechten oder zur Linken vorgeht; ja 'sie wollen sogar nichts gewahren. Gitel war cs sich bewußt, daß sie erfolgreich in das ganze Leben Rosels cingegttffen, daß ihr energisches Auftreten zum guten Teile mit daran schuld war, ivenn sich das neue Wesen des Mädchens so vorteilhaft entwickelt hatte. Zudem >var eS der Bäuerin niemals vergönnt gewesen, sich einer Tochter zu erfreuen . . . Nun war ihr eine, halb vom Zufall, halb vom Glück geschenkt worden. Wie sollte sie das Geschöpf ihres kräftigen Willens, das unter den Schmerzen der Angst ans Licht getretene Kind, nicht mit aller Eifersilcht einer wirklichen Mutter behüten?' . . . Mehr als jedes weitläufige Erzählen hat es vielleicht Rosels 'Brief an ihre Mutter dargetan, welche Lust und Äberströmende Heiterkeit über die Seele des verwöhnten KindeS gekommen war. Gitel konnte auf diesen Erfolg ihrer Erziehungskunst wahrlich stolz sein. Mitten aus einer müßigen Tätigkeit bei Herrn Julius Arnsteincr, aus dem zerstreuenden Dunste halbverstandener Romane hatte sie Rosel zum selbständigen Eingreifen in das Hauswesen gewöhnt, und was Hannele Ehrenfeld, die reiche Gewölbsfrau, versäumt, das holte Gllel während der wenigen Monate im Fluge ein. Sie führte Rosel in die Küche ein, sie erschloß ihr das innerste Wesen eines Bauernhofes; sie verbarg ihr nichts, und wie man ein Kind mit Bändern rmd roten Korallen ausschmückt, daß es weithin glänze und leuchte, so schmücke Gitel auch die Tochter ihrer Freundin, um sie ihr einst völlig gesundet wieder zurnckzugeben, mit allen Kunstgriffen und Lehren der Haushaltinig aus. Nieinals ist eine Erziehung reicher belohnt worden. „Gott Lebendiger!" sprach cs manchmal in ihr mit aller . Glut erkennender Dankbarkeit, wenn sie sah, wie das Mädchen immer mehr zunahm an Gedeihen und Wohlsein, an Tätigkeitsttteb und Erkenntnis, „wie ist das nur möglich, daß das alles ein Buch soll zuwege gebracht haben? Uiü> wenn ich es ihr nicht weggenommen hätte? Was wäre daraus geworden?" Auf solche Fragen, gute Gitel, gibt es keine Antworten. Aber wenn du den letzten Brief Rosels .an ihre Mutter hättest lesen können — so wäre dir llar geworden, daß sich eine Macht in die Erfolge deiner Erziehung geteilt hatte, die außer deiner Berechnung lag. Irren wir, wenn >vjr diese andere Macht „Josef" nennen? trug rade Zur, nichi die Gesi äuge Verl, schre blick ein wah im ' dir zu < Kap! dabe Gite so d Lebe vorg mit geda beizt nur Soll ihr IX. In die Kaserne zurück. Die: Ernte war eingeheimst worden; was man während des Schnittes nur annäherungsweise als Erträgnis berechnet hatte, das stellte sich jetzt, seitdem iief jede! gese: starü cigei Hdat Kais gezo was daß so r, und gebr serei lebei Law es blick „Jc! bene i