Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 16 (1918)
- Issue
- Heft 17 (26.4.1918)
- Date
- 1918-04-26
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2692297-2693075-2693092--10298-2705612- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Kr. 17. : Beanuel it er» litzab- Treninnen liriöel schien chickt; Sie irmen. Dok» in Brief )oktor lnnclc ernste Ausvacen f sein Kiene Brief sogar iuskel Minute Ein» e ge. feinceiben ett. , seine :u Err und beim sagte: Krieg :3 für itnferc lenschmferc örperdurch 3 uns unsere ionen, i und hme», Und chöncs i, die i auf «jeder- Wen, kan», immer r unsahen Ortkamen Dorf, aus» Wüste d ihn »erden n von le auf finden h pa° t von suchen nicht mehr darin, aber wissen Sie, hier möchte ich doch mal hingehen." Erstaunt blickte ich meinen jungen Kameraden und Freund, Dr. A., an, ein lieber Kerl und lustiger Vogel, dessen religiöse Empfindungen bisher von dieser Leite mir fremd Maren. „Fa, Ja," sagte er, „ganz gewiß, wir gehen hin: ich will Ihnen auch den Grund verraten. Mit mir ist eine kleine Metamorphose vorgcgangen. Ich weiß selbst nicht, wie es kam. Als ich gestern abend mein Quartier aufsuchte, blieb ich gebannt am Eingang stehen. Was ich da sah, war ein Bild des Friedens. Ter Hausherr mit seinem langen, wallenden Bart, die Haare gelockt um die Ohren herum, saß an dem sabbatlich gedeckten Tisch. Das schmerzvolle Antlitz mitder hohen Stirne war durchdrungen von tiefer Frömmigkeit. Um ihn herum saßen Frau und Töchter, zwar ärmlich gekleidet, aber sauber, wirklich sauber, glauben s-i-e mir: Und alle sangen mit innig empfundener 'Andacht die Sabbatgesängc. Da kam über mich ein Zittern, ich wußte nicht, wie mir geschah; ganz weit in der Ferne erblickt^ ich das gleiche Bild meiner Kinderzeit; da saßen, ebenso vereinigt, meine Eltern und wir Kinder mit glücklich leuchtenden Blicken und sangen genau dasselbe, nur nicht so leidvoll wie hier. Jahrelang hatte ich alles vergesse,, - . . . aber nun, so iveit >veg von Hause, in Feindesland, jede Minute den Tod vor Augen, hat inich's mächtig ergriffen, jüdische Laute zu vernehmen. Und noch etwas mar es, was mich bekehrte. Fast jeden Sabbat brachte der Vater Gäste mit zu Tisch, meist polnische Jude», die von Stadt zu Stadt und von Land zu Land wanderten. Dann wurde während und nach dem Essen Talmud gelernt, und lost genug wies uns der Vater zurecht, lvenn wir über die merkwürdige Art dieser Leute unsere Scherze machten. Kol Jisroel Acheihem ... es sind unsere Brüder, das war dann der Ausspruch des Vaters. Daran mußte ich gestern abend, als ich die Gruppe vor mir sah, denken." Mit einer Wärine und Begeisterung sprudelte er das alles heraus, daß mir'S ganz warm umS Herz wurde. „Ja, lieber Freund,'.' sagte ich, „wir gehen in die Synagoge." Nun dürfen Sie, meine Herren, sich aber kein Gotteshaus wie hier vorstellen. Wir betraten ein altes, bau» sälliges Gebäude, in dem ein kleiner Raum als Synagoge hcrgerichtet war. Ein Nebenzimmer, ganz hoch vergittert, mit Vorhängen davor, war für Frauen bestimmt. Schon bevor wir einiraten, hörten wir die eigenartig traurige Weise des Vorbeters. Hier war das Gebet verkörpert in der Person. Ordnungsdienst wie bei uns gibt es nicht: ein jeder steht, losgelöst von allem Irdischen, »nt verzücktem Blick und betet inbrünstig. Es läßt sich schwer schildern, wie tief ergrisfen mein junger Freund war, als Man ihn zur Thora aufrief, und er die Worte sprach: „Ascher nossan lonu tauras emes wchaje aulom nota bcssaucheinu — Dank dem Allgütigen, der uns die Thora gegeben, darin die Wahrheit ist, und der den Keim des cwigen Lebens in uns hineingelegt hat." Noch am Nachmittag mußten wir weiter; kurz darauf bekam ich die Verwundung, die mich hierher führte. Aus den Berichten, die mir Dr. A. gibt, sehe ich imnrer mehr die gewaltige Veränderung, die in ihm seit dieser Zeit vvrgcgangen ist." Ganz bewegt durch die eigenartige Erzählung, war cs still geworden in unserem kleinen Kreise. Dan» sagte der Oberlehrer: „Ja, wir Menschen steuern oft gegen de» Strom. Die modernen Kresse meinen, cs sei nicht nötig, daß die Kinder die hebräische Sprache erlernen, und doch entziehen sie ihnen damit einen frischen, reinen Quell, aus dem nur Gutes und Edles für das ganze Leben geschöpft werden kann. Ihre ergreifende Schilderung, Herr Doktor, ist das beste Beispiel, wie lies die Wurzel der jüdischen Lehre sich in der menschlichen Seele scstsetzt, so daß nach Jahren eS nur eines Ansporns bedarf, um die Zweige des religiösen Empfindens zur höchste» Blüte zu bringen." Mrr war es eigenartig ums Herz; all das, was ich mir hundertmal sagte, hier fand ich es bestätigt. . . . Söntr Davi»» Grabstittte. (Eine Legende.) . Bon M. Pulvermann. König .David ist nicht tot. In einer verborgenen, Iunauffindbaren Felsenhöhle schlummert er seit Tausenden Ivon Jahren auf seinem königlichen Lager, bis eine gott- Igesällige, menschenbeglückende Tat ihn ans seinem Schlafe lerwecken wird, um dann, das sieggeivohute Schwert in Ider Rechten und das blauweiße Banner JudaS in der ILinken hinauszustürmc», das unschuldig vergossene Blut ■feines Volkes zu rächen, Zions alten Glanz wiederherzu- Istellen und Jerusalem in der alten Pracht aufzurichte». * * * Zwei fromme Jünglinge, von der Not und deni Elend lihrer Volksbrüder bedrückt und betrübt, das Herz voller I-ehnsucht, die Erlösung ihres Stammes herbeizuführe», »hatten ihr ganzes Sinnen und Trachten darauf gerichtet, Idie Ruhestätte des königlichen Sängers aufzusinden. Keine IMühen und keine Gefahren wollten sie scheuen, die ganze iWelt von einem Ende zum andern durchwandern und durch- Iforschen, um dorthin zu gelangen, wo sie sicherlich: erfahren würden, welcher Art das erhabene Ereignis sei,: wie les zu vollbringen koäre, um die Erlösung Israels und leinen gottgefälligen Wandel der Gesamtmenschheit herbei- Msühren. . ■ ' I Tage. Wochen und Monde waren sie bereits geivandert, Miuempsindlich gegen Hunger und Durst, gleichgültig gegen »srost und Hitze —, doch die königliche Grabstätte blieb »«»auffindbar, nichts geschah, das ihnen Gelegenheit zu Irgend einer großen Tat gab und nichts deutete daraus Min, daß sie dem Ziele ihrer Sehnsucht auch nur um [einen Schritt näher gekommen wären. Eines Tages hörten sie in einem großen, dichten öald ein hellklingendes Flüstern' und Rausche». Hier glaubten sie die ersehnte Auskunft zu erhalten, und sie sprachen darum zu den Bäumen: FrtMwter Hsraslitrsches Fa«liliendlatt. „Ihr herrlichen Gebilde der Natur, die ihr der Erde entsteigt, um stolz zum Himmel hinaufzuragen, die ihr mit euren Kronen weit in das Land hinauszuschauen vermöget, o saget uns, wo wir den Aufenthaltsort jenes königlichen Helden finden. Nicht Selbstsucht und nickt Neugierde ist die Triebkraft unseres Handelns, sondern das Verlangen, die Not unseres Volkes zu lindern, um unsere«!: stamme wieder eine gesicherte Heimstätte zn verschaffen." Doch die Bäume erwiderten: „Hier in diesem Bode» sind wir fest eingewurzelt, aus ihm ziehen wir unsere Nahrung. Das genügt uns schon, die Vorgänge der Welt aber haben für uns keinerlei Interesse." Betrübt zogen die Wanderer weiter, und nach kurzer Zeit befanden sie sich einem Linven gegenüber, der init gesträubter Mähne sie anstarrte. Voller Schrecken blieben sie wie angewurzelt stehen. Als sie aber die Wahrnehmung machten, daß das wilde Tier keine Anstalten zn einem Angriff traf, faßten sie Mut und sprachen: "„Du königliches Tier, der du auf Felsen nnd in Klüften heriimstreifst, in Schluchten und Höhlen deinen Aufenthalt hast, sage du uns, wo die Ruhestätte des königlichen Helden sich befindet, damit wir ihn zum Heile der Gcsamtnienschheit aus seinem Schlafe erwecken." Der Löwe ließ ein leises Knurren hören und sprach dann: „Wo jener schläft, weiß ich nicht und will es auch gar nicht wissen. Mein ganzes Sinnen ist auf Raub gerichtet, um meinen Blutdurst zu stillen. Das allein ist meine Lebensaufgabe, altes andere aber ist bedeutungslos für mich." Kaum hatte er dieses gesprochen, da schlug er sich in die Gebüsche und lvar bald den Augen der Wanderer entschwunden. Als die Jünglinge aus dem Walde heraustrntei«, breitete sich eine ausgedehnte Wiesenfläche vor ihnen ans. Sie schauten nach allen Richtungen, sahen aber nirgends eine inenschliche Spur, nur in weiter Ferne winkte ihnen ein Dattelbanm. Sie gingen zn dem Baum. Sein Stamm und seine Acste waren verdorrt nnd oertrocknet, seine Blätter und Früchte aber frisch und grün. Volker Erstaunen über diese eigentümliche Erscheinung schweiften ihre Blicke bis zur Krone empor. Sie erblickten eine schneeweiße Taube, die ängstlich mit den Flügeln schlug nnd ein trauriges Gurren vernehmen ließ. „Dn sanftes, liebliches Tierchen, sage du uns, wo König David weilt, daß wir ihn wecken, damit er sein Volk nach der alten Heimat zurückführe." Das Täubchen stellte das Gurren ein, gab aber leine Antwort, und erst als die Wanderer die Frage wiederholten, rief das Tierchen ungehalten: „Warum belästigt ihr mich i» meinem Schmerz?. Ein böser, böser 'Adler hat mein Nefi grausam zerstört nnd meine Jungen mir geraubt, so daß ich gleich meiner Stammutter in der Arche Noah nicht weiß, wo ich ein Heim finde. Mein eigener Kummer drückt mich so sehr, daß mir das Schicksal an' derer ganz gleichgültig ist." Erzürnt und aufgebracht über diese krasse, sündhafte Selbstsucht, gingen die Jünglinge weiter, und nach einer langen, mühsamen Wanderung gelangten sie zu einem kleinen Flüßchen, das sich zwischen saftiggrünen Wiese», leise hiuplätschernd, hinschlängelte. Sie erkannten den Fluß als de» Fluß Jabok. „Du stilles Wässerlein," sprachen die Wanderer, „du hast es doch gesehen, wie unser Stammvater Jakob einst die sinstere Macht besiegte. Du hast auch den Segen vernommen, den der Gottesbote damals für die 'Nachkommen des Erzvaters aussprach. Siehe, auch wir wollen Segen schassen für jenes Volk, das in Leid nnd Elend schmachtet. Sage uns daher, wo König David ruht, damit jener Segen durch ihn verwirklicht werde." „Ach, ihr lieben Menschen," murmelte traurig das Bächlein. ,,'Anch mir ist großes Leid widerfahren, und unendlicher Schmerz hat mich heimgesucht! Ein böser, böser Adler, dessen Fänge und Krallen von dem Blut einer unschuldigen Taube besudelt waren, hat sich i» meinem reinen Wasser gebadet nnd so meinen Hellen und klaren Glanz getrübt. Ich muß jetzt meine ganze Mühe darauf verwenden, die frühere Reinheit itiid Klarheit wieder zn erlangen, darum dürft ihr mich nicht mit eurem Anliegen belästigen und müßt eures Weges weiter zieheit." Als nun die Jünglinge ihrer Enlpörung über diesen Eigennutz lauten Ausdruck gaben und voller Abscheu sich wegwendete», .sprach .das Bächlein weiter: „Weilet noch eine» Angenblick und vernehmet, was ich euch sage. Ihr verlanget von mir einen Dienst. Gut.- Ich will euer Begehr erfüllen, doch nur für einen Gegendienst. Meine beiden große» Vettern, das Rote Meer und der Jordan, beide sind unter Moses und Josua zu großer Berühmtheit gelangt, weil sie euer Volk aus Not und Gefahr errettet. Wenn ihr mir nun verspreche» wollt, auch mich so berühmt oder gar zu einem heiligen Fluß zu machen, will ich euch einen guten Rat geben." Die Jünglinge nickten znstimmend, und das Flüßchen fuhr fort: „Gehet dorthin zu jenem Berge, besteiget dessen Gipfel und bleibet stehen,- das Gesicht dem Sonne«,ans-- gange zugewendet. Wenn ihr daun eine Stimme-vernehmet, die nach eurem Begehr fragt, antwortet: .Wir leiden als Volk Gottes, wir suchen den Gesalbten Gottes, daß er wieder anfrichte die Stadt Gottes!' Dan» harret geduldig, bis sich etwas ereignet." Die Wanderer taten also. Da aber die Sonne sie blendete, schlossen sie die Augen und verharrten eine Weile schweigend. Als sie diese wieder aufschlugen, sahen sie einen Greis vor sich, mit einem eisgrauen, langwallenden Bart, das Gesicht jedoch jugendlich frisch und die Augen im feurigsten Glanze. „Friede mit euch, Herr und Lehrer!" begrüßten ihn die Jünglinge voller Scheu und Ehrfurcht. „Friede auch mit euch, meine Kinder!" erwiderte der Greis. „Wer seid ihr, und was suchet ihr auf diesem heiligen Berge?" Die Jünglinge erwiderten »ach dem Geheiß des Flüßchens. Der Greis hörte sie. lächelnd an, betrach- Sette 5. tete beide eine Weile schweigend - und sprach dann mild und freundlich: „Euer Begehr und euer Beginnen ist lobenswert. Wer die Leiden seiner Ncbenmenschen lindern nnd beseitigen will, darf auch des göttlichen Beistandes und des Erfolges sicher sein. Ich werde euch den Eingang zur Ruhestätte des Heldenkönigs erschließen. Gehet furchtlos hinein, was euch auch hindernd und abschreckend in den Weg treten mag, bis ihr in das Gemach des schlaftikden Königs gelangt. Merket aber genau auf das, was ich euch jetzt sage. In jenem Gemach sehet ihr den König auf seinem Lager ruhen. Zn seiner Rechten findet ihr seine goldene Harfe, die er zum Preise Gottes gerührt; zu seiner Linken das sieggewohnte Schwert, mit dem er Israels Feinde vernichtet; zn Häupten das geweihte blauweiße Banner Judas, und auf seiner Brust liegt das heilige Psalmenbuch aufgeschlagen. Doch das wichtigste ist folgendes: 'Auf dem Tische steht ein goldenes Krüglein, gefülll mit der .Majim Chajim', mit dem Wasser des Lebens, aus dem Quell im Paradiese geschöpft. Ich wiederhole: 'Achtet genau,, was ich euch sage. Bei eurem Eintritt wird der schlafende König sich aufrichren und euch seine Hände, wie zu einem Gruß, entgegenstrecken, dann beeilet euch, die Hände mit dem heiligen Wasser aus dein Krüglein zu wasche», bis er sie ivieder zurückzieht. Eure Ausgabe ist dann erfüllt, und Israels Erlösung nahe." „Ach. meine Kinder," fiihr der Greis ernst und warnend fort, ivährend seine strahlenden 'Augen scharf und durchdringend sie ansahen, „werdet ihr auch dieser Aufgabe gewachsen sein? Werdet ihr auch die Kraft besitze», den Gefahren zu trotzen und den Versuchungen Du widerstehe», die euch dort entgegentrcten werden? Auf eurem Wege hierher habt ihr ja Gelegenheit gehabt, die frevelhafte Selbstsucht und den verwerflichen Eigennutz zu. beobachten und die traurigen Folgen am eigenen Leche zu erfahre». Ihr habt es gesehen, daß tote und lebende Wesen, daß Tiere und Elemente, nur auf das eigene Wohl bedacht, durch eigenes Mißgeschick für die Leiden anderer, unempfindlich sind und zum Beistand für andere sich nicht aufraffeii können. Darum hütet euch, daß ihr nicht der gleichen Sünde anheimsallet, daß nicht menschliche Furcht euch schrecke, daß nicht irdischer Glanz euer Auge blende, das; die Habsucht nicht euren Geist verwirre, denn dadurch könnte Israels Erlösung für Ewigkeiten verzögert werden." Als der Greis seine Ermahnungen beendet halte, schlug er mit dem Stab dreimal an den Felsen, wobei er sprach: „Qessnet euch aus, ihr Pforten der Ewigkeit'" Kaum war dieses geschehen, als der Felsen sich in zwei Teile spaltete, die sich ivie zivei Torflügel anseinanderschoben, so daß ein Eingang sichtbar wurde. Die Jünglinge blickten fragend »ach dem Greis, — doch dieser war verschwunden. Nur in der Ferne sahen sie ein weißes Wölkchen, das gegen Himmel emporschwebte. Böller Scheu und Staunen riefen beide wie ans einem Dinnde: .Das war der Prophet Elia, darum wird unser Beginnen sicherlich von Erfolg gekrönt sein!" Sic traten nun beherzt durch die Felsenösfnung, doch mit jedem Schritt wurde der Gang schmaler und enger, bis sie zu einer schwarzen Mauer gelangten, die anscheinend das- Weiterschreiten verhinderte. Als sie einen Augenblick zögernd stehen blieben, wich die Mauer zurück nnd siekonnten die Wanderung fortsetzen. Doch nicht lange, denn in der Ferne sahen sie ein mächtiges Feuer lodern, dem ein ätzender, beißender Rauch entströmte, der den Wanderern fast den 'Atem benahm. 'Aber, wie vorher bei der Mauer, geschah es jetzt mit dem Feuer: mit jedem Schritte verringerte sich die Glut, und die Lust wurde reiner und freier. Als sie wieder eine Strecke zurückgelegt hatten, blieben sie bald wieder voller Todesangst stehe». Eine große Anzahl brüllender Bestien streckte mit fletschenden Zähnen ihre Tatzen nnd Krallen nach den Eindringlingen aus. Schon wollte» die Jünglinge voller Schrecken wieder umkehren, als sie sich der Worte des Greises erinnerten und der bereits überwundenen Hindernisse gedachten, die ihnen nur scheinbar den Weg versperrt hatte». Beherzt schritten sie den wilden Tieren entgegen nnd schweifwedelnd zogen sich diese zurück, je näher die Jünglinge kamen. Ungehindert schritten sic eine lange Strecke iveiter, bis sie wieder zn einem glatten schwarzen Felsen gelangten, der auch nicht die kleinste Oesfnnng sehen ließ. Ohne Bedenken-traten sie heran. Da zeigte sich ein Gang. Doch damit waren die Hindernisse noch nicht beendet. Der Gang wurde jetzt so eng und schmal, daß sie nicht mehr nebeneinander gehen konnten, und als sie ihn endlich durchschrtiten hatten, sahen sie sich, zwei Riesengestalten mit langen Sperren gegenüber, die sie als die biblischen Gestalten Gog nnd Magog erkannten, aber sie senkten die Waffen zur Erde als die Wanderer furchtlos an sie herantraten. Schon glaubte,« dir Jünglinge dem Ziele ihrer Wanderung nahe zu fein und alle Hindernisse überwunden zu haben, als sie zum dritten Male einen gewaltigen Felsen vor sich sahen, der sich spiegelglatt wie Kristall anfühlte, der auch bei ihrem Räherkommen nicht weichen wollte, ob sie auch mit dem Aufgebot ihrer ganzen Kraft rütteln und stoßen mochten. 'Alle ihre Bemühungen und Anstrengungen waren jetzr vergeblich. Traurig, niedergeschlagen nnd voller Mißmut blieben sie stehen und wußten sich keinen Rat. In ihrer Rot vernahmen sie plötzlich die ihnen wohlbekannte Stimme des Greises: „Ocffnet euch, ihr Pforten der Ewigkeit! " Siehe da! Ei» gewaltiges, ohrenbetäubendes Krachen und Bersten entstand, als sollte die ganze Welt aus den Fugen gehen, um die Eindringlinge unter de» Trümmern zn begraben. Belaubt nnd voller Verwirrungen tasteten die Jünglinge mit ihren Händen nach einem Halt, um »ich: zn Boden zu stürzen. Als sie sich aber nach einer Weile erholt hatten, da befanden sie sich in einem weiten Rauni, der von tausend Sonnen erleuchtet zn sein schien. Mit grenzenlosem Erstaunen betrachteten sie die Umgebung, deren Pracht ihnen fast den Atem benahm. Die Wände