Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 16 (1918)
- Issue
- Heft 17 (26.4.1918)
- Date
- 1918-04-26
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 waren aus reinem lautern Gold gebildet, über und über mit Juwelen und köstlichen Edelsteinen besetzt, die in allen Farbe» blitzten und glitzerten, so daß sic schier geblendet die Augen schließen mußte». Wohin sie müh ihre Blicke schweife« ließen, überall dieser herrliche, unbeschreibliche Glanz, überall die entzückende Farbenpracht. Bewundernd drehten sic sich nach allen Seiten, ohne sich an all den Herrlichkeiten satt sehen zu können. In der Mitte dieses wunderbaren Raumes sahen sie jetzt ein Bett aus schneeweißem Elfenbein niit wunderbaren Schnitzereien und Gravierungen. Die Füße des Bettes waren gleichfalls aus purem Gold und mit Edelsteinen förmlich übersät, die an Glanz und Strahlenkraft jene au den Wänden noch weit übertrafen. Auf dieser Lagerstätte sahen sie nun die königliche Gestalt in Purpurgewänder gehüllt, das Haupt mit einer unbeschreiblich prächtigen Krone geschmückt. An der rechten Leite des Lagers lehnte eine goldene Harfe, zur linken das blauweiße Banner Judas und am Kopfende das sieggewohnte Schwert, einst der Schrecken der Philister und aller Bedränger Israels. Auf der Brust des schlummernden Königs lag das aufgcschlagcne Psalmenbuch, .alles aber von der „Schechina", von dem göttlichen Geiste überstrahlt. Keines Wortes oder Gedankens sähig, ließen die Jünglinge ihre Angen von einem Gegenstand zuin ander» schweifen, bis sie auf einem Nebentischchen das Krüglein mit dem „Mockim Chajiin", mit dem Wasser des Lebens, erblickten. "Aber die Bedeutung des Wassers war ihnen entfallen und sie wandten sich ivieder der sie umgebenden Prachi : nd Herrlichkeit zu. J.:z ischcn aber hatte die königliche Gestalt sich halb auf dem Lager aufgerichtet und mit flehentlichem Blich ihnen die Hände entgegengestreckt. Die Jünglinge jedoch, von Glanz und Pracht geblendet, aber auch von Scheit und Ehrfurcht erfüllt, blieben >vie angewurzelt stehen, unfähig auch nur ein Glied zu bewegen, und als sie sich endlich soweit ermmmt und der Weisung des Greises gedacht und auf das Tischchen zustürztcn, um nach dem heiligen Wasser zu greifen, da war es bereits zu spät, denn der Oberkörper des Königs war wieder auf das Lager. zurückgesunken und die Hände ruhten tvieder festgeschlossen wie zuvor. Der Brust des Schlummernde» entrang sich ein leiser Seufzer, die Harfe ließ eine» Klagelaut vernehmen und das heilige Banner stürzte zur Erde. Jetzt vernahmen die Jünglinge eine laute Stimme, wie Dvnnergebrüll und Posaunenschall, die von der „Schcchina", von dem heiligcii Geist anszugchen schien, die zu ihnen sprach: „Wehe euch! Ihr habt die Mahnung und Weisung des Gottesmannes nicht beachtet! Anstatt alle eure Gedanken nur auf die Erlösung eures Volkes zu richten, ivar euer Sinn von dem irdischen Glanz geblendet. Um eure Lust und Augenweide zu befriedigen, habt ihr das Wohl und Gedeihen eures ganzen Stammes außer Acht gelassen, dessen Erlösung wieder in weite Ferne gerückt ist, Ivenn nicht andere, mehr befähigte Männer an eure Stelle treten. Wisset, der Eigennutz und die Selbstsucht sind die Feinde jeglicher großen, göttlichen Tat. Solange diese vorherrschend und in der Welt vorhanden sind, den Menschensinn betören und wie mit eisernen Klammern umfangen halten, solange kann auch keine Erlösung crjolgen. Gehet hin ihr Mattherzigen und Unfähigen, und harret, bis einer entsteht, der bereit und auch kraftvoll genug ist, das eigene Ich hintanzusctzen, wenn cs gilt das Wohl und Gedeihen der Gesamtheit zu fördern. Durch den Mund meines Propheten Jesajas ist euch schon im ersten Kapitel verkündet worden: ,Zion kann nur durch Recht und Gerechtigkeit erlöst werben!' und, fürwahr, nur recht und gerecht ist cs,, wenn einer für alle und alle für cjinew einstehen, ohne sich aber durch irdische Macht und Größe blenden zu lassen!" Als die Stimme schwieg, blieb alles stumm und still wie zuvor. Wie von einer unsichtbare» Gewalt getrieben, warfen sich die Jünglinge zu Boden, während heiße Tränen der Scham und Reue aus ihren Augen stürzten. Sie flehten und jammerten, doch kein anderer Laut als der aus ihrer Brust war hörbar, — und als sie endlich aufblickten, befanden sie sich wieder auf dem Berge, wo ihnen Frankfurter Israelitisches Fimilienblati. der Greis erschienen mar. Ei» gewaltiger Sturm mit krachendem Donner und feurigen Blitzen halt-' sich erhoben, der die Wanderer von der geweihte» Stätte vertrieb, die sic voller Hosfiiinig nnd Stolz betrete» hatten. Drei Geschlechter. Unter einer Todesanzeige in einer österreichischen Zeitung marschieren folgende drei Geschlechter auf: Efroim Löw», Chajc Zimblcr als Geschwister. Sala Boiidy 'geb. Schuhbanm, Rosa Siegmund, Moriz als Kinder. Jadwiga, Liline, Didi, Charles, Kurt als Enkel. Diese Vorname» zeigen ein Stück jüdischer Zeitgeschichte ans. Literarische Chronik. Ei» Preisausschreiben mit Preisen von!<>"0 und 500 Krönen für die besten nnd volkstümlichsten. zivci Bearbeitungen des Themas ,.Welche Mittel und Wege sind geeignet, die Menschen einander nähcrzubringcii", ist von dem Verband der israelitische» Huiilanitätsvereiiie B'nai B'rith für Oesterreich erlasse» ivordcn. "Jl eue I n dischc M o n a t s h e f t e. 2. Jahrg., 13. Heft. Berlin NW. 23, Altonastr. 35. Aus dem Artikel des Rcichtagsabg. Dr. Ludwig Q i> esse l über „Die Judensrage als nationales Problem" seien hier folgende Stellen wicdergegeben: ■ „Zwei Tatsachen sind es vor allem, die dem nichtjüdischen Beobachter des jüdischen Lebens heute die Judenfrage in einem ganz neuen Licht erscheinen lassen: Die Emanzipution der Inden im Osten und das von nahezu der ganzen Menschheit anerkannte Recht der Juden auf die geschlossene Besiedelung Palästinas." „Wie die anderen nationalen Minderheiten des Ostens, wird 'auch das Ostjudentnm nach Schutz seiner Nationalität aus Grund dcS Personalitätsprinzips des nationale» Katasters streben müssen. Dieser nationale Minoritätenschutz wird namentlich angesichts des infernalischen Tharakters des starken polnischen Antisemitismus, der cs darauf abgesehen hat, die Juden durch Entziehung aller Erwerbsuiöxlichkciteil zunächst in tiefes Elend zu stürzen und schließlich ans dem Lande zu treibe», durch ein Klagerecht vor einem intcriiatioiialcn Gerichtshof zu ergänze» fein . . ." „Man hat gesagt, daß dieser Krieg, der zum Grab des Völkerrechtes wurde, die Wiege des Rechts der Völker werden wird!" Aus Dr. Max K v l l c n s ch c r s Ausführungen zur Frage der gesetzlichen Organisation der preußischen Jndenheit: „Eine Gcsaintorganisatio» — ohne religiöse Unisormiernng, mit wirtschaftlicher Zusammenfassung und gemeinsamer Erfüllung der Wohlfahrtsaufgaben — kann die Grundlage fiir eine Einigung aller Richtungen iverden." Monatsschrift Liberales Jndentttin. Im letzten Heft teilt Dr. Georg Minden, der Präsident der Jüd. Reformgcmciildc in Berlin, aus einem Privalbriefe Leopold Z u»z' folgende Stelle mit: „Lassen Sie Orthodoxen samt Ochsen bei Seite; auch ich erkenne in den Personen der Genesis — vielleicht Nimrod ausgenommen — keine historischen Existenzen." Mit diesen wenigen Worten hat sich Zunz seine eigene Biographie geschrieben, kurz, aber deutlich. Wocheu-SaleNker. Samstag. 27. April (— 15. Jjar). Sabbat-Anfang in Franlfuri 8 Uhr; Sabbat-Ausgang in Frankfurt!>>/- Uhr, i» Berlin 8 Uhr 10 Mi». Wochenabschnitt: Emaur. —Priestergesetze. Abhandlungen über sämtliche Hauptfeste. Der Gotteslästerer. "Aus dem Prophetenwort des Sabbats (Ezechiel): „Nicht mit ihren Kleidern heiligen die Priester das Volk." Stt l7. Nr. „Sic sollen mein Volk unterscheiden lehren zwischc. Geheiligtem und Ungeheiligt.'in, zwischen Reinem nnd Nilreinem. lieber eine Streitsache soll.'» sic zur Rechtseutscheidnii, V ciutrcten, nach meine» Rcchisordintzigen sollen sie Urteil sprechen. Meine Lehre» und Gesetze sollen sie k sonders an den Festtagen des Jahres als ihrer Obhu übergeben, treu hüten, nnd meine Sabbate sollen sj, zu .Heiligtümern machen." ekle, jcörg sich, 2 ugo irlsri Ber icnstag: L' O il b' a u m 0 r. O m c r - T adelte. Freitag, 26. April abends -- 30. Omer. Samstag, 21. „ n ~ 31. „ Lonntag, 28. .. 32. „ Montag, 29. ,, — 33. „ Dienstag, 30. „ „ — 34. „ Mittwoch, 1. Mai 35. „ D-viiiicrstag, 2. „ ,, 36. „ io r e riv< ortet 'tat zr Sabbatgottesdic»st in Frankfurt, Freitag aliend 7J i Uhr in den meisten Synagogen (König strinerstr. 6 Uhr, Hauptsynagoge 71/« Uhr), Samstag früh 8>/< Uhr in den meiste» Synagogen (Haup! synagoge 8 Uhr, Königsteinersrraßc 8>/o Uhr). W o ch e n g o t t e s d i e n st in Frankfurt. Morgens IN- Uhr in den meisten Synagogen (Haupt synagoge 7>/- Uhr, Königstcincrstraße 7Ys Uhr). (Königstriner Abends r\ strotze in den meisten Synagogen Uhr, Hauptsynagoge -l Uhr). Bereins-Kaleuder. M o » t e f i o r e - V c r c i u. Mittwoch, 8—10 Uhr: Religionsphilosophischcr Lehr gang. Samstag, 5 n. 8 Uhr: Gesellige Zusammenkunft (h>e sang, Vorträge, Bewirtung). A g n d a s Jisroel-Jngendgrupp e. lueni -amstag, ':!/.• Uhr: Haftaravortrag (int Anschluß a Mincho; von Karl Weil. Z i o n i st i s ch c I n g c n d g r n P P e. Donnerstag, 8 Uhr, Kasfee .Hauptwache: Fortsetz»»( der Generalvcrsaminlnng. luslg r Schi Brimkfurter Kamittermachrichts». Sohn Mbcrt Mainz (Stern), Bocken Sebastis! »erde folepl Gcborc n. E. heimer Anlage ln. B a r m i z w o s. Fritz Strauß, Sandlveg 5; Belgrad, Zeit 13, Synagoge Friedb. Anlage. — . Verlobte. Jentilla Jeidel mit Arthur Weil. G e st v r b c n. Paulinc Bender gcb. Kirch, 68 JZg«»» Friedbergcrlandstr. 5. — Otto Hirsch, Inh. d. Eis. Kreuze u. d. Bayr. Tapferkeitsmedaille, Bcrgerstr. 12, i. F. - Feldzahnarzt Bcrthold Strauß, i. F. — Feldwebelleutna, David Hirschler, Inh. d. Eis. Kreuzes, 29 I., Eckenheime landstr. 13, i. F. — Leopold Pessel, Unteroff., Inh. d. Ei Kreuzes, 22 I.. Ostcndstr. 49, i. F. Auswärtige Familiermachrichteu. ir Tochter Dr. Rudolf Pick (Hilft E. Sohn Sicgsried Moser (Codi! Nathan Grünebanm (Frank), Köli ' Geboren. E. selb), Bremerhaven. - Berlin. — E. Sohn Nippes. — Verlobte. Cläre Rosenseldcr mit Hans Herman Stark, München. — Doris Emshcimer mit Franz Lew Köln. — Gertrud Philipp, Benthe» mit Hans Schönbei Nordhansen. — G c st o r b e n. Ernst Lustig, 21 I., Charkottenbur i. F. — Kurt Sonnenberg, Berlin, i. F. — Salo Deman 30 I., Schneidemühl, i. F. — Florine Bernheim geb. Lev Bros tru fchilli 79 I., Tiengen. — Curl Friedländer, Augsburg, t. F etrei Julius Bloch, Oehringen, i. F. — Amalie Klein ge Baer, 71 I., Oettingen. — Hans Stern, 31 I., Nürnberg i. F. — Dr. Fritz Goldschmidt, Nürnberg, i. F. — Walti Seligmann, Berlin, i. F. — Ernst Kohlberg, 34 I., -He Das Allgemeine jüdische Krankenhaus „Schaar• - Zedek“ zu Jerasalei m foi heini| ] lulel Organisation rein europäisch. Isolierhäuser für Ansteckende. Aufnahme unterschiedslos für Alle. Höchste Anerkennung aller Behörden, hält sioh für gewissenhafte Ueberaahme von Stiftungen empfohlen. BetteM-, Zimmer-, Jahr zeit-, Briefe zu richten nach Röderbergweg 63. Geschäfts leitun g: Frankfurt am Main. Postscheckkonto No. 7785 Frkft. a M. Gedenktafel - itiftHigei Man fordere die Bedingungen ein. M i me :J n Ti zt bä J