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Neue jüdische Presse · 1918-04-26 · Heft 17 (26.4.1918) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
16 (1918)
Issue
Heft 17 (26.4.1918)
Date
1918-04-26
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Seite 3 Nr 17 E. V. Bodehan, Herrenschneider Fraakfnrt a. Lala, Friedens«trasäe No. 1 TsUphm: Römer 36S0. FEIKSTK Hill-RCHIfilOEBEI. Auf Wmuah keeckere Tererkeitang. Mit den im Felde stehenden Mtgliedern wnrde fortwährend korrespondiert. Liebesgaben in großer Zahl ins Feld geschickt; auf Pessach Mazzos, Wein, Hagades und Machsorim; letztere auch zu Roschhaschono und Jamkipur, ferner an sämtliche Mitglieder ein TehMm-Exeinplar mit llebcrsctznng. Nach außen hin hat sich der Verein eine gewisse Reserve bewahrt. Vor allen Dingen hat er sich stets jeder politischen Strömung lokal jüdischen Charakters ferngehalte»; Der Verein darf sich der Erfolge freuen, »velche sein Wirken gezeitigt hat. Ans beit einstigen Jünglingen, die aus allen parteikonservativen Kreisen zusaimnenkamen, sind starke Männer, vvllbcwußte Juden geworden. Nach dem Vorsitzenden sprachen noch Dr. N a b i n , Redakteur Geis, Dr. Mainzer, Erich Fromm, G o i t e i n. In de» Vorstand wurden gewählt: Fromm, Speier, Goitein, Unna, Ochs, Sulzbachcr und Mela. Bo« der A«terN«da«.Stzn>»soge. J'sch kematnas jodau! Als herrlicher Beweis von Gebcsreudigkeit seitens der Besucher der Unter lindau- Synagoge kann berichtet werden, daß die für Palästina bestimmte Versteigerung der Mizwaus für den 7. und 3. Tag Pessach eine Einnahme von etwa 8500 Mk. brachten, die ihren Zwecken bereits zugeführt wurden. Das schlichte, konservative Gotteshaus des Westens, das in diesem Herbste sein 25jähriges Bestehen feiert, entwickelt sich immer mehr zu einem großen" Bedürfnisse für die westlichen und nordwestlichen Bewohner unserer Stadt. Der würdige, in althergebrachten Formen gehaltene Gottesdienst zieht stets weitere Besucher heran, die ein frenndlichcs Gemeindeleben enge mit einander verbindet. Mimisroch >ve ad maariw mehullol schein Haschen»! An der Seite der im Osten unter der hervorragenden Leitung unseres verehrten Jacob S. Posen stehenden Hermesweg-Synagogc steht im Westen würdig die Synagoge an der Unterlindau, um die sich seit ihrer Gründung im Jahre 1883 Bankier Julius Carlebach durch seine unermüdliche Tätigkeit ganz besonders verdient macht. So bilden die beiden Synagogen der Israel. Religionsschule als feste Säulen des GrmeindelebenS eine Zierde iüdischen Lebens und Strebens. Berel» für jüdische Geschichte und Literatur. Der Verein für Geschichte und Literatur und der Möntefiorc-Verein machen hierdurch nochmals auf den Geschichtszyklus des Herrn Dr. May anftnerksam, der an folgenden Tagen im Vereinslokale abends 8>/i Uhr stattfindet: Montag, 8. Mai, 13. Mai, 20. Mai, 27. Mai und 3. Juni. Zutritt hat jedermann. La, b'vmer-Feier. Die Agudas Jisroel Jugend- und Mädchcngruppe und die Vereinigung ehem. Schüler der Realschule der isr. Religionsgesellschaft veranstalten für ihre Mitglieder Dienstag, den 30. April, 8>/> Uhr abends im großen Saal der Suppenanstalt, Theobaldstr. 5, anläßlich des Lag b'Omer eine gemütliche Zusammenkunft. Provinzialrabbiner Dr. Bamberger -Hanau wird eine Ansprache halten, die von musikalische» und deklamatorischen Darbietungen umrahmt wird. > Montefiore-Berei«. Zu der am 29. April, abends 8'/-> Uhr pünktlichst, in der Loge Carl am Mozartplatz stattfindcndcn Lag b'Omer- Fcier sind Eintrittskarten zu 3,30 Mk., 2,20 Mk. und 1,10 Mark im Vorverkauf nur noch Sonntag, 28. von 10—1 Uhr im Büro des Vereinslokals erhältlich. An der Abendkasse werden Karten nur in beschränkter Anzahl ansgegeben. P»rss«ali«». Wenige Wochen sind es her, daß an dieser Stelle vom 80. Geburtstag Isaak Goldschmidts berichtet und in kurzen Worten^ seine Verdienste gewürdigt wurden. Nu» hat rin jäher u,od den allgemein geachteten, in manches Beziehung ausgezeichneten.Mann hinweggenominen. In Isaak Goldschmidt ist eine Persönlichkeit dahingcgangen, die in gewissen» Sinne für die Frankfurter Grmeinde von geschichtlicher Bedeutung war. In ihm waren die alte und die neue Zeit verkörpert; er war mit allen Fasern seines Lebens mit der guten alten Zeit verwachsen und war ein durchaus moderner, ein hochgebildeter Mann. Keiner, wie er wäre geeignet gewesen, Erinnerungen aus den» jüdischen Alt-Franksurt der letzten Hälfte des vorigen Jahrhundertszu schreiben. Als Lieblingsenkel von Rabbi M o s ch e M a i n z lernte er bei diesem schon im zartesten Lllter. Im Geiste des großen Mannes wurde er im strengfrommeil elterlichen Hause erzogen und in diesem Geiste baute er sich sein Leben auf. Den Kernpunkt seines Lebens bildete die Liebe zur Thcra und das Studium derselben. Er besaß ein ganz erstaunliches Wissen im talmudischen wie im ganzen übrigen jüdischen Schrifttum. Dabei war er auch in allen Gebieten des profanen Wissens überaus unterrichtet. Dem Lernen und dem Lehren der Thora und der Ausübung von Mizlvaus war neben seiner geschäftlichen Tätigkeit hauptsächlich seiner Zeit gewidmet. Er war ein vorzüglicher Baal Saure: die Art seines Bortrages war geradezu mustergültig. und 38 Jahre lang hat er in der Synagoge des Waisenhauses das Amt eines Baal Kaure und Baal Taukea versehen. Er war auch Mauhel und in diesem Berufe nicht nur in Frankfurt, sondern auch anslvärts, oft in größerer Entfernung tätig. Frankfurter Israelitisches Familienülatt. Bor mehr als dreißig Jahren, zur Zeit, da eine Palästmareife noch etwas Außergewöhnliches ivar, hat er, von Sehnsucht nach dem heiligen Lande ergriffen, eine Reise dahin unternommen. — An affen allgemeinen jüdischen Fragen und Angelegenheiten hat er stets regen Anteil genommen. Seit mehreren Jahren war er Mitglied des Ausschusses der israelitischen Gemeinde. Sei» Tod hintcrläßt eine Lücke auf vielen Gebrelen. Seine Kinder hat er alle in seinem, im strengsrommon Sinne erzogen. Am Freitag, den 19. April fand unter ganz autzergen'vhnlick zahlreicher Beteiligung die Beerdigung statt. Jnl Hause selbst nahm ticsergriffen Emil G o l d s ch m i d t tn einer mit trefflichen Thoraworten erfüllten Rede von dem Bruder Abschied. Die Leiche wurde alsdann an der Hermesweg-Synagoge, die der Verstorbene in den letzten Jahren an de» Wochentagen täglich besuchte, vvrübergeführr. Aus dem Friedhöfe gab Rabbiner Dr. Nobel in bewegten Worten dem allgemeinen Schmerze über den Verlust des durch sein reiches Wirken und Schaffen so verdienstvollen Mannes Ausdruck und schilderte namentlich, was er dem Judentum, der Frankfurter Gemeinde und insbesondere den Thorastudium gewesen. Im Namen des Vorstandes und Ausschusses der Frankfurter Gemeinde, der das pflichtgetreue Wirken des Dahingeschiedenen besonders anerkannt, ebenso im Aufträge des Vorstandes vom Waisenhaus sprach er ihm den Dank aus. Dann sprachen noch für die Frankfurt-Loge deren Präsident Dr. Warm- I'tunn, für den Verein der Mauh lim Jakob Posen und für dir SchoS-Chcwra Lehrer Hermann Schwab, alle in wannen Worten die Verdienste des Dahingeschiedene» schildernd, sei» frühes Scheiden beklagend. lenilletfln. Die Prinzessin. Witte Geschichte aus der Mitte de» 10. HahrhundisiS von Leopold Komport. (Forttztzung.) Aber wie ward ihr, als sie beim Eintritt in den Garten ans derselben Bank unter dem Kirschbaum:, wohin sie Rosel kommen lassen lvollte — sie selbst sitzen sah. Sie traute ihren Augen nicht und glaubte zu tränmcn. Nun sah sie schärfer hin, und in der Tat saß Vor! aas Mädchen mit dem Rücken zn ihr geivandt und in beide Hände den Kopf gestützt, fast in derselben Stellung, wie sie sie gestern verlassen hatte. Gitels Herz schmolz bei diesem Anblick vor Wehmut; sic hatte Trotz und Widerstand erwartet, und nun fand sie das Mädchen in solcher Lage. „Rosel!" konnte sic sich nicht enthalten in den weichsten Tönen zu rufen. Da ließ das Mädchen die beiden Hände vom Gesicht herabgleiten uns schaute sich um. Doch kaum gewahrte sie die Bäuerin, als sie aufs neue den Kopf inbeide Hände vergrub. Es schien zugleich, als weinte sie. „Rosel, ntciu Kind!" rief die Bäuerin noch einmal und war ihr nun ganz nahe gekommen. Trotz des milden Zurufs blieb das Mädchen in derselben Stellung und stand nicht auf, um der Bäuerin entgegen zu gehen. „Bist auf mich bös, Rosel?" sagte Gitcl und legte ihre Hand auf den Kopf des Mädchens. Rosel zuckte von dieser Berührung zusammen. „Ich sollt' bös sein?" rief sie schluchzend und ließ die Hände vom Antlitz fallen, „ich bin ja in dieser Nackt Nanz anders geworden." „Mein Kind! mein lieb' Kind!" rief die Bäuerin in so herzaufschreicndeu Laute», wie sie sich nur dem höchsten Glück oder dem tiefsten Leid entringen. „Ich bin ganz anders geworden in der Nacht," wiederholte Rosel noch einmal, und es lag eine solche Wahrheit in oiescm Geständnisse de-s jungen Mädchens, das; selbst ein ungläubiges Gemüt davon wäre getroffen worden. Die Bäuerin fand keine Worte für die Empfindungen dieses Augenblickes; die Hand, die noch immer auf Rosels Kopfe lag, zuckte und zitterte, und ihre Lippen zitterten ebenfalls wie ihr Herz unter deni Eindrücke des Gehörte». „Gott, Lebendiger!" rang es sich endlich mit Innigkeit aus ihr, „wie Hab' ich nur das erleben können, was ich gar nicht gehofft habe? Ich verdien' ja gar nicht, was du mir da bescheert hast!" Dann nach einer Weile sagte sie: Kaffee Kaisepgarten am Opernplat« JSrstklassiges ITamillen-ILaffe e Jeden Nachmittag to* 4 hls 7 Uhr und Abend von SV» Uhr ab HF" BLünstler-KonaeTt. “H Scala - Licht spiele SobSfergasse 29. Schäfergasse 99. Modems Theater Vorführung stets neuer und hervorragender Filme. „Wie ist nur das geschehen, Rosel? Ich habe ja geglaubt, du wirst bei uns nicht bleiben wollen und wirst fortgehen, und jetzt redst du so zu mir!" „Wenn Sie mich nicht fortschicken, so geh' ich nicht!" rief Rosel und schaute zur Bäuerin auf. „Einziger Gott!" schrie Gitel mit der ganzen Gewalt ihrer Stimme, „wir sollten dich fortschicken! Wir »vollen dich ja halten, »vie ein Stück Gold! Tu' inir aber nur gleich einen Gefallen." „Was denn?" sagte Rosel und lächelte. „Red Per du mit mir." „Mutter!" sagte das Mädchen mit Innigkeit und wandte ihr volles Antlitz mit seiner ganzen Lieblichkeit und Feinheit gegen die Bäuerin. „Und du bist mein Kind! meine Tochter!" rief die Bäuerin in tieffiter Erregtheit. Sie »nutzte sich auf die Bank niederlassen; es >oar eine körperliche Schloäche ungeioöhnlicher Art über die sonst starke Frau gekommei». Dann nahm sie die Hand des jungen Mädchens in die ihre »urd hielt sie ininutenlang umschlossen. „Und jetzt sag, Rosel, mein Kind," begann sie wieder, „was ist mit dir geschehen? Wie bist du auf einmal so ganz airoers geworden? Ich »nein' fast, es ist ein Wunder vor meinen und deinen Augen vorgegangen?" „Ich schäm' mich, Mutter!" sagte Rosel »nit ge-, senkten Blicken. „Wie du gestern in der Nacht von mir fortgegangen bist, da »var mir's, als sollt ich nicht mehr den heut'gen Tag erleben. Ich hätte vor Scham sterben »nögen. Denn so Hat mach kein Me»»sch mit mir gesprochen >vie du, nicht cinnial meine Mutter. Besonders die nicht! und auch kein anderer hätte sich unterstanden, mir etwas zu verweigern, oder gar »vcgzunehmei». Alles hat sich von jeher bemüht, mir gefällig zu sein, niemals hat jemand ein ernstes Wort mit uiir gesprochen, als fürchtete man. mir wehe zu tun. Wie sollt' ich da nutzt verivöhnt und verzogen »vcrdcn? Du, Mutter, bist die erste gewesen, die ohne Scheu mit mir gesprochen hat, »me man immer mit mir hätte reden sollen. Mein Ankommen bei euch »var eine Beleidigung schon; ich bin deinem Manne »veggelanfen, als »väre er »nein Bedienter und ick eine Prinzessin, und auch deinen Sohn habe ich beleidigt." „Wieso?" fragte Gitcl. Ein flüchtiges Erröten flog über das liebliche Antlitz oes Mädchens, die Bäuerin bemerkte es aber »richt. „Euch alle habe ich verletzt und beleidigt, dich vor allen, Mutter, die du mir so liebreich entgegeng:- konlmcn bist. Di» aber hast dich daran »sicht gekehrt, du hast dich »sicht gescheut, »sich gerade da anzugreifen, >vo »»»ich kein anoerer zurechtgewiesen hätte! Du hast inir mein Buch wcggenominen!" „Latz gut sein, Rose!," meiisie Gitel, und es klang fast »vie eine Entschuldigung, „laß gut sein, »ch Hab' es 'dir weggcnommen, »veil ich nicht wollte, daß du in der Nacht daraus lesen sollst!" „Nein, nein, Mutter," rief Rosel, „nicht für die Nacht allein! Meine Bücher passen überhaupt nicht hierher; ich habe Unrecht gehabt, sie mitz»»bringen! Was soll ich hier aus dem Torfe damit? Davon iverd' ich hier nicht gcsi»nd!" „Laß gut sein, Rosel", rief Gitel wieder. „»»erde du nur gesund." „Mutter, mir fehl» nichts mehr!" sagte Rosel. VII. Ein Brief nach acht Woche »r. „Liebe Mutter bis zu hundert Jahren! Bevor Du in diesen» Briefe weiter fortfährst, sei so gut und schicke um meinen früheren Lehrer Herr»» Julius Arnstciner; er möchte aber sogleich kommen. Ich seh ihn schon, wie er in seinen fchokolaoensarbigcn Rock, an dem ilnmcr zlvei Knöpfe fehlen, hineinschlüpft und sein weißes Halstuch sich zurecht rückt, das immer aussieht, als hätte er es am letzten Rosch-haschana (Neujahr) zuerst «»»gezogen. Wenn er mm bei Dir ist, sag ihm: „Herr Arnsteiner, Sie haben einmal eine Schülerin gehabt, die hat Rosa Ehrenfeld geheißen, ich heiße aber jetzt Rosel. Ich weiß. Sie haben sich alle Mühe genon»men, um ihr etrvas in den Kopf hineinzirbringen, aber es har gar nichts genützt und sie macht

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